Ausgabe 
9.7.1906 Erstes Blatt
 
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In unserer Stadt Gießen, in welcher die Pflege der Musik und des Gesanges in so hohem Maße in allen Schichten der Bevölkerung begeistert gefördert werden, wird allezeit fröhlichen Sängerschaaren ein herzlicher Empfang bereitet sein!

Wohl sind die Tage lange geschwunden, an denen einst auf deutschen Sängerfesten das hohe Lied von Deutschlands Einigungstraum erscholl. Aber dieses Lied ist kein Traum geblieben; stark und wehrhaft fleht das Reich und in seinem Frieden können Kunst und Wissenschaft, Musik und Gesang zu den höchsten Leistungen sich entfalten.

Für die Pflege aller Künste, vor allem auch für die Blüte des deutschen Männcrgesangs, begeisterte Fürsten, stehen an der Spitze des Reiches und unseres engeren hessischen Vaterlandes. Ihnen, für diese Förderung der Künste unseren Dank zu erstatten, soll an diesem festlichen Abend unsere erste gemeinsame Aufgabe fein.

Lasten Sie unL vereint auS vollem Herzen rufendie hohen Schirm­herren des deutschen Männergesangs, deS deutschen Volksliedes, S. M. Kaiser Wilhelm II. und S. K. Hoheit Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein sie leben hoch, hoch, hoch!

In das dreifache Hoch stimmte die Festversarnrnlung be­geistert ein uni) den markigen mit weithin vernehmbarer Stimme gesprochenen Worten dcS Redners folgte lebhafter Beifall.

Einem abermaligen Orchestcrvortrag folgte dann die tiefdurchbachte, mit stürmischem Beifall aufgenommene Fest­rede des 2. Fellvorsitzenden Herrn Wilhelm Hom berger. Er führte darin folgendes ou§:

AU besten prangt int Festgcschmeide, Die Wimpel web'n von Turm und Haus', Und an dem alten Mauennkleide Steckt mancher frische Blutenstrauß.

Von Tannengrün ein Ehrenbogen Steigt in den Strassen hier und dort; ; Willkommen, die 's Euch hergezogen Von Ost und West, von Süd und ^orb!

Hochansehnliche Fest Versammlung!

Mit diesen poetischen Worten, die ich meinen Ausführungen voranzustellen mir erlaube, begrüßt heute die Gesamtheit der ,'Bewohner unserer lieben Vaterstadt Giessen alle die frohen Fest- ;gäfie, die von nahe und fern in diesen Tagen hier zusammen­strömen, um das 26. Lahntalsänger-Bundesfest feierlich nut uns 'zu begehen. Nicht ein einzelner Verein, nicht bloss die vier -Mitglieder des Lahntalsängerbundes, die in Offenen ihren Sitz haben;Harmonie",Baucrscher Gesangverein",.Heiterkeit" und Gemütlichkeit", heissen die hiesigen und auswärtigen Gäste und Sangesbrüder herzlich willkommen, nein ganz Giessen vielmehr hat dem Lahntal-Sängerbunde einmütig die Stätte bereitet, .wo er zum 26. Male sich zusammensinden soll zur Prüfung sder im verflossenen Jahre in den einzelnen Vereinen erzielten 'Fortschritte auf dem Gebiete des Männerges<rnges, sowie zur er­beuten Betätigung der altgewohnten freundschaftlichen Bezieh- Zungen zwischen allen seinen Mitgliedern zu einander und zu iben tausenden Gesangesfreunden, die in diesen Tagen hier zu- stammenströmen, um ohne Mitglieder des Bundes zu sein doch freudig teilzunehmen an allen Veranstaltungen. Darum -grüßen Euch, Ihr Sänger und Gäste, überall an den Strassen Laubgewinde aus dem Blatt der Eiche, Frohlocken und Jubel tönen Euch aus aller Munde entgegen und freudig heissen wir Mich nicht als fremde Gäste, sondern als Freunde und Brü­der von ganzem Herzett willkommen. . , Was aber, hochansehnliche Festversammlung, bewirkt es, dass die Herzen derer, die sich nie persönlich gekannt, so schnell in mächtigem Akkorde zusammenschlagen? Welches ist das geh?imnis .volle schöne Band, das Alle heute umschlingt und ivelches ist die Flamme, in der unseres Herzens heiligsten Gefühle glühen?

Es ist der deutscheSang, der mit wunderbaretn Zauber -der.Seele Saiten in kräftigen Harmonieen erklingen lässt; 'es ist das deutsche Lied, welches uns Alle als Brüder als Glieder eines grossen, schönen, mächtigen Vaterlandes eint! ^DerGesang ist die Sprache des E^emüts und es liegt ein tiefes -Bedürfnis, in der Menschcnnatur, diese Sprache anzuwenden. .Die Geschichte aller Zeiten und Völker lehrt uns den Einfluss ches Gesanges auf das Gefühlsleben der Menschen erkennen und ,darum redet man auch mit Recht von einer

Macht des Gesanges!

Von den Schlachtgesängen der alten Deutschen bis zu den Baterlandsliedern der Gegenwart, von den Minnesängern an über die uns unsere grossen Tichterheroen in so wunderbarer iEctie berichten bis auf den heutigen Männergesang oder rtchttger Männerchorgcsang, überall sinden wir das Lied im ^Dtenste der höchsten und heiligsten Angelegenheiten unseres Ge­schlechtes. Durch Weckung und Belebung edler Gefühle wirkt

Assang auf den Willen des Einzelnen und wird dadurch sE Mittel zur Veredlung der fittlidyen Natur des Menschen.

Gesänge wird ein Quell der edelsten Freuden geöffnet ein 'sjaten, der in niemals versiegender Fülle fliesst. --

, fotb. Keinem, hochansehnliche Festversammlung, ist ver- toeprt, hier zu erquicken. Nicht ist der Kunstgenuss beschränkt auf die Sale der Reichen und Vornehmen, nein, auch unter

des niedrigsten Mannes im Volke kann die Freude am 'Schonen wohnen, wenn man sie dort nur einzuführen weiß. Was nach der Arbeitslast des Tages in den Musestunden der Sänger pflegt, das ist ein heiliges Vermächtnis feuer Männer, denen em Herz voll Liebe für das Wohl des deutschen Volkes ।TnV°yen )stell' die an der Zukunst unseres teueren Vaterlandes r-i versagten, a[^ die traurigsten Zeiten durchleben beugen mußte vor stemder Herrschaft und Willkür. . ^vch .tn diesen ernsten Tagen der tiefsten Erniedrigung, vor deren Wiederkehr der Herr des Weltalls unsere heimischen Gefilde Mtadtg auf ewig bewahren möge, sind dem deutschen Volke die Abeale des Gesanges erhalten geblieben, und gerade zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebte und wirkte in Berlin der Mann, dem wtr die Begründung des Männerchorgesanges zu verdanken

Friedrich Zelter, geb. am 11. Dezember 1758. zu Berlin und daselbst verstorben am 15. Mai 1832, einer ürreunbe Goethes, kam als langjähriger Leiter der ehemals berühmten Singakademie zu Berlin erstmals im Jahre auf den Gedanken, aus Anlaß einer Abschiedsfeier für ein .bishertges Mitglied dieser Singakademie den Männerchorqesang k Gelegenheit einmal eintreten zu lassen, anstelle der dahm nur gepflegten Einzelvorträge. Unerwartet groß war oer Erfolg und mächtig die Begeisterung, die diesem ersten

Tolgten. Sofort kam es zur Gründung des ersten deut­scher Mannergeiangoereins, der den Namen Zelte r'sche Lieder- speziell dem weiteren Ausbau und der Verbreitung des Chorgesanges widmete. Zelter selbst kom-

^rne grossere Anzahl von Männerchören, vornehmlich Goethe fche Terte, und lehr bald schon sah man andere Städte dem von Berstn gegebenen Beispiele folgen, so im Jahre 1815

v111 ?cTan^ur{-a; 9£er u- a. Es liegt in der Natur der Sache, daß alle diese Vereine emsig bestrebt waren, durch ^itte Scchiumg ihrer Mitglieder und durch strenge Manneszucht Tuchttges zu leisten, um auf dem bisher unbekannten Gebiete festen Boden zu gewinnen.

, . SHw im folgenden Jahre Mlrde das erste östentliche Männer- gesangsfeft als erster bwllandisch-deutscher Sängertag z,i Cl.we abgehalten, imd auch hier war es der neuen Richtung beschiedcn, glanzende Erfolge zu erzielen, was wohl die Hauptveranlassung bot zur inteniiven Verbreitung des Männerchorgesanges in deut­schen Landen und zur Bildung neuer Vereine in den folgenden Jahren an fast allen grosseren Plätzen.

Die Nachwirkungen der aus politischem Gebiete um die Mitte -des vorigen Jahrhiinderts erwachten und kundgegebenen Be­strebungen nach Freihest und Einigkeit zeitigten dann auch bei den einzelnen Mannerge,angvereiuen das wohlerwogene Bestreben dich nach Provinzen und Ländern zu gross"n Verbänden nach­barlich ztrsammenzuschliessen, und in diese Zeit fällt denn auch -die Entstehung desjenigen Bundes, zu dessen Ekwen wir Mns in diesen Tagen hier in Giessen zusammengefundcn haben

Die Lust und Freude am Gesänge und das ausgesprochen? Bestreben, durch Vereine und Sängerbündnisse deutschen Sinu und deutsche Gesittung und Vaterlandsliebe zu pflegen und zu

fördern, den deutschen Männergesang auszubildcn und benach­barte Städte in freundschaftliche Beziehungen zu bringen, be­wirkten es, daß sich am 30. September 1860 zu Butzbach elf Vereine aus 10 Städten zusammenfanden und noch gründlicher Durchberatung der vorlier entworfenen Satzungen einendeut­schen Sängerbund" begründeten, der auf dem im August 1862 zu Giessen stattgehabten Sängertage den NamenLahn­tal-Sängerbund" erhielt, zur Unterscheidung von dem bereits bestehenden allgemeinen deutschen Sänger­bünde.

Unser Lahntal-Sängerbund hat seinen Namen unter dem auf dem Bundesbanner geweihten Wahrspruche

In Treue fest" stets und unter allen Umständen hochgehalten, obwohl auch er so manche Sturm- und Drangperivde während seines nunmehr 46 jährigen Bestehens burckzukämpfen hatte. Ja, man muss rückhaltlos die in diesem Bunde innewohnende Kraft und das ideale Strebeti der Männer bewunderii, die es in immer wechselnder Folge in den langen, Jahren seit der Gründung verstanden haben, die satznugsgemäss niedergelcgten Bestrebungen des Lahutal-Säugerbundes stets hoch zu halten und ihn da­durch zu immer höherem Ansehen emporzuheben. Nicht zum Wenigsten rechnen wir cs ihui zur grossen Ehre au, dass er neben der Pflege des reinen Kwnstgesongcs vornehmlich auch dazu sein redliches Teil _beigetragen Hot, dem deutschen Volkslied? in allen Kreisen wieder EZeltung zu verschaffen, und aus dem uns vorliegenden Programm für die diesmalige Tagung des Lahntal-Sängerbundes entnehmen wir mit Freuden, dass er in gleicher Weise wie bei Gesangswettstresten auch bei feinen Fest­lichkeiten bestrebt ist, dem deutschen Liede wieder zu dem grossen Ansehen zu verl>elfen, den es im deutsck)en Volke immer besessen hat - auch zu den Zeiten, wo es anscheinend in Gefahr war, fast in Vergessenheit zu geraten.

Nicht minder aber erfüllt es uns mit der grössten Befriedig­ung, dass wir überall auch den Punkt der Satzungen in der idealsten Weise hochgehalten sehen, der die Pflege der freund­schaftlichen Beziehungen und Gesinnungen der Mitglieder gegen einander vorschreibt. Als sehr erfreuliches Zeichen hierfür soll nicht unerwähnt bleiben, dass einer der ältesten Bundesvereine, der Gesangverein Harnionje in Giessen, in diesen Tagen seinen 60. Geburtstag in voller Frische feiert, wozu ihm die herzlichste Gratulation aller Schwestervereine auf einstimmigen Beschluss des vorigen Sängertages nachher in diesen Räumen dargebracht werden soll. Auch wir wollen hiermit diesem tätigen und an­gesehenen Bundesvereine, dessen Effündung im Jache 1846 er­folgte und der seit 1861 ohne jede Unterbrechung dem Lahntal- Sängerbunde angehört, die besten Wünsche für sein ferneres gutes Bestehen aussprechen und somit gleichzeitig, indem wir diese Ehrting des einzelnen Vereins auf den gesamten Lahntal- Sängerbund übertragen, diesem und seinen Leitern an dieser Stelle den gebüchenden Dank für die bisherige Tätigkeit und die Bitte entgegenbringen, auf dem betretenen Wege, der sich mit den erprobten Satzungen deett, stets weiter schreiten und niemals Nachlassen z". wollen in dem Bestreben, die hohen und idealen Ziele der Verwirllichung näher und näher zu bringen, die dem Bunde schon bei seiner Gründung vorsehwebten.

In diesem Sinne rieche ich an Sie Alle, meine werten Fest­teilnehmer, die Bitte, sich von den Sitzen zu erbeben und als Zeichen Jcher Zustimmung sich mit mir zu vereinigen in dem Rufe:

Dem deutschen Männergesangc, dem deutschen Liede, ein dreifach donnerndes Hoch! Hoch! Hoch!

Auch dieses Hoch sand freubige Zustimmung. Das von Herrn Ernst Ehallier sen. mit feinem Verständnis aufge­stellte Konzertprogramm erreichte seinen Höhepunkt in den beiden von den hiesigen Gesangvereinen vorgetragenen Massenchören. Mendelssohn-Bartholdys altes und doch ewig jungesWer hat dich, du schöner Wald" gelangte durch die stattliche Sängerschar zu vollendeter Wiedergabe und fast noch mächtiger wirkte der mächtige Chor mit Orchester­begleitungDas deutsche Lied* von W. Gernhardt. Als Dirigent entledigte sich Lehrer Görlach, der als Bundes­dirigent am Sonntag auch die großen Massenchöre des Bundes­chors leitete, seiner Aufgabe in bester Weise.

Mit der Begrüßungsfeier hatte man die 6 0jährige Jubiläumsfeier eines der hiesigen Bundesvereine, der Harmonie, verbunden. Herr Challier sen. hatte es als einer der ältesten Sänger in Giessen übernommen, die Feier in die Wege zu leiten. Er gedachte in sehr anerkennenden Worten der Tätigkeit der Harmonie tind insbesondere des Umstandes, daß der Verein seit 1861 ununterbrochen Mit­glied de§ Lahntalsängerbundes sei und stets 31t dessen besten und strebsamsten Mitgliedern gehört habe. Seine herzliche Gratulation liess der Redner in ein dreifaches Hoch auf die Harmonie ausklingen. Fräulein Werner sprach sodann dem Verein die Glückwünsche seiner Vereinsdamen nn§ und über­reichte als deren Jubiläumsgabe eine Bannerschleife. Die Glückwünsche des Bauerschen Gesangvereins übermittelte unter Ueberreichung eines silbernen Bechers der Vereinsvorsitzende, Herr Todt, während für den Gesangverein Heiterkeit dessen Vorsitzender, Herr Roll, einen Fahnennagel überreichte. Für! den Lahntalsängerbund gratulierte der Bundesvorsüzende, Hauptlehrer Schneider von Marburg. Er nahm in seiner kernigen Ansprache Bezug auf die Reden der beiden Fest­vorsitzenden und gedachte der Tätigkeit des Jubelvereins in äußerst anerkennenden Worten, indem er ein dreifaches Hoch auf die Harmonie ausbrachte. Als Festgabe überreichte er ihr ein Diplom; auch Herr Ehr. Hahn, der dem Verein und damit dem Bunde seit 25 Jahren als aktiver Sänger angehört, wurde durch Widmung des Bundesdiploms aus­gezeichnet. Der Vereinspräsident, Herr B. Amend, dankte für die Ehrtmgen, die der Harmonie 31t teil geworden und verkündete, daß der Verein beschlossen habe, den beiden ältesten Sängern, Hahn und Stadler, Ehrendiplome zu über­reichen. Ein Gesang der Harmonie,An den Gesangs von I. Schneider, den der Vereinsdirigent, Lehrer Alb ach, leitete, bildete den Schluß der würdigen Jubiläumsfeier, aber noch nicht das Ende des Festabends überhaupt. Erst lange nach Mitternacht verließen die Sangesfreunde die gastliche Halle, die von den beiden Festwirten Flamme und Sauer' von hier bestens bewirtschaftet wird.

Auch auf dem Festplatz herrschte reges Festesleben, ins­besondere in der bayrischen Bierhalle von Spuck, wo ächte Münchener Madel ächten Stoff kredenzten und neben einem gut besetzten kalten Buffet eine Wurstelbraterei zur Stärkung einlud.

Der Wettgesang.

Rach dem üblichen Weckruf, der am Sonntag morgens 6 Uhr seinen Anfang nahm, folgte der Empfang der aus- wärtigen Bundesvereine an der Bahn imb der Einzug der Festgäste in die schön geschmückte Stadt. Die Sänger begaben sich zum großen Teil alsbald in die Turnhalle des Turnvereins, wo um 9 Uhr das Einzelwettsingen der Bundesvereine begann. Hieran beteiligten sich alle Vereine des Bttndes mit Ausnahme desOrpheuS"-Butzbach. Es sangen:

'nnergesangvereiu Kirchhain:Wüchsen mir Flügel" von

M. v. Weinzierl. Liederkranz Dillenburg:Frühlingsherold" von R. Wiesner. Liederkranz Gladenbach:Heil dir, deutscher Männergesang" von G. Zanger. Liedertafel Marburg:Jnr Walde" von H. Schäffer. Männergesangverein Wetzlar:Es zog der Maienwind zu Tal" von W. Stunn. Liederkranz Mar­burg:Ein Wörtlein" von G. Keuerleber. Cäcilia Lich:Vom Rhein" von M. Bruch. Liederkrauz Weilburg:Schätzer! nein" von T. Zant. Frohsinn Londorf:Waldeinsamkeit" von Ph. Orth. Männergesangverein Grün berg:Abschied vom Walde" von I. Brodt. Heiterkeit Giessen:Mainacht" von F. Abt. Gemütlichkeit Giessen:Mein Schatz" von I. Pauli. Harmonie Giessen:Ausfahrt" von I. Feyhl. Eintracht Hungen:In den Alpen" von F. Hegar. Batrerfcher Ge­sangverein Giessen:Morgenlied" von I. Rietz.

Gesungen luurbe im allgemeinen recht gut, namentlich die Marburger Liedertafel und der hiesige Bauersche Gesang­verein boten recht gutes. Die Gesänge wtirden von drei Preisrichtern beurteilt und das Resultat wird beim BundeS- sängertag heute verkündigt werden, Allgemein konnte man hören, dass die Leistungen der Btmdesvereine durchschnittlich sich bedeutend gehoben haben.

Um ll1/, Uhr fand sodann die Hauptprobe für die Massenchöre in der Festhalle statt. Die wohl über 300 Sänger entledigten sich ihrer Aufgabe in bester Weise und ihre Leist­ungen ließen für den Nachmittag das Beste erwarten. Sie sangenWeihe deS Gesanges" von Mozart,Schifferlied" von Eckert,Hyntue" von Herzog Ernst,Der Soldat" von Silcher undDas deutsche Lied" von Gernhardt.

Der Festzug.

Ilm 1l/2 Uhr fand sodann die Aufstellung des Festzugs am Walltor statt und Punkt 2 Uhr erfolgte der Abmarsch durch die Walltorstrasse, Ljndenplatz, Schulstrasse, Neuen Bäue, Ludwigsplatz (Gegenzug und zurück), Neuenweg, Kreuzplatz, Sonnenstraße, Schulstraße, Marktplatz, Mäusburg, Selters­weg, Südanlage, Bleichstrasse, Ludwigstraße, Älicestrasse, Bahnhofstraße, Neustadt, zum Festplatz.

Der Zug gliederte sich in drei Abteilungen und zwar: I. Abteilung:

1. Radfahr-KlubGermania" mit Festdamen. 2. Trommler­abteilung der Gailfchen Feuerwebr. 3. Musikabteilung des Jnf.- Regts. Kaiser Wilhelm. 4. Freiw. Gailsche Feuerwehr. 5. Ehren» ausschuß. 6. Festausschuss. 7. Gesamtansfchuß. 8. Gesangverein Kirchhain. 9. Liederkranz Gladenbach. 10. Schützenverein Gießen in einem prächtigen, rosengeschmückten Wagen. 11. Liederkranz Dillenburg. 12. Edelweiß Gießen. 13. Orpheus Butzbach.

II. Abteilung:

1. Kutscheroerein zu Pferd, la. Musik. 2. Liedertafel Marburg. 3. Mannergesangverein Wetzlar. 4. Arnieitia Gießen (Festwagen, die Loreley darstellend). 5. Liederkranz Marbltrg. 6. Stemm- und Ringklub Gießen. 7. Eäeilia Lich. 8. Liederkranz Weilbttrg. 9. Bürgergesellfchast Gießen. 10. Frohsinn Londorf. 11. Männer- gesangverein Grünberg. 12. Geselligkeitsverein Gießen. 13. Evang, Arbeiterverein Gießen. 14. Marineverein.

III. Abteilung:

1. Schlachterverein Gießen (Reiter und Radfahrer mit der Ztmftlade von 1717). 2. Musikabteillmg der Feuerwehrkapelle. 3. Eintracht jungen. 4. Gießener Turnerfchaft. 5. Bäckerverein Frühauf" Gießen (Gruppe). 6. Katholischer Gesellenverein Gießen. 7. Heiterkeit Giessen. 8. Maschinenbauergesangverein Gießen. 9. Ge- mütlichkeit Gießen. 10. Kriegervereiu Gießen. 11. Harmonie Gießen. 11a. Artillerieverein. 12. Bauerscher Gesangverein Gießen. 13. Gießener Freiw. Feuerwehr.

Im Ehrenausschuß fuhren u. a. mit der Rektor der Landesuniversität S. M. Geh. Hofrat Prof. Dr. Behaghel, Negierungsrat Dr. Wagner, Hauptmann v. Kamecke als Ver­treter des Obersten, ReichStagsabg. Heyligenstadt, Landtags- abg. Dr. Gtltfleisch, Handelskammerpräsident Koch, Polizei­amtmann Herberg, zahlreiche Stadtverordnete usw. Unter­wegs wurde der Zug von einer zahllosen Menschenmenge erwartet und die Sänger wurden vielfach mit Blumen begrüßt.

Tas Fest am Nachmittag.

Nach dem Eintreffen des Festzuges begrüßte im Auftrag der Stadt Gießen Stadtv. Helm die Festgäste mit folgenden Worten:

In Verhinderung des Herrn Oberbürgermeisters ist mir als Stadt­verordneter der ehrenvolle Auftrag geworden, Ihnen Allen, insbesondere den Mitgliedern deS Lahntal-Sängerbundes, den Willkommengruß des Herrn Oberbürgermeisters und der Stadt Gießen zu entbieten. Ja, willkommen Ihr Sänger auS nah und fern, unsere Bürgerschaft und mit ihr die Fest­ausschüsse haben alles daran gesetzt. Ihnen die Stunden Ihres Hierseins zu schönen und festlich zu gestalten. Was Sie hierhergcführt, ist das deutsche Lied, sein Wert ist nicht zu unterschätzen, cs führt Männer zu­sammen, die sonst im Leben nie materieller sich finden, im Liede aber, wird der Sinn eines jeden hingelenkt zu höheren Idealen. Es unterliegt auch wohl keinem Zweifel, daß heute die Gesangvereine daS einzige Mittel noch bilden, die Poesie im Volke lebendig zu erhalten. Sic, meine Herren, haben heute Alles daran gegeben, um in dem edlen idealen Wcttgesang Ihren Mann zu stellen. Wer von Ihnen die Siegcspalme nicht errungen hat, soll nicht als Besiegter fehlen, sondern durch Vergleiche hier erkennen, tob er in seiner Weiterarbeit cinsetzen muß. Diese Stunden nur sollen der zwangslosen Festesfreude gewidmet sein und so wollen wir unserem Lahntal-Sängerbund, der sich gebildet hat, zur Pflege des Gesangs, auch ferner Wachsen, Blühen und Gedeihen wünschen. Nun bitte ich Sie mit mir cinzustimmen in den Ruf: Alle Vereine deS Lahntal-Sängerbundes und Mitwirkende, welche zum Gelingen dcö 26 jährigen Lahntal-Sänger- bund-Festes in Wort und Tat, in Sang und Klang bcigetragen haben, sie leben hoch!

Da? Hoch fand lebhaften Widerhall. Bundesvorsitzender Schneider von Marburg dankte für die freundliche Be­grüßung und die herzliche Aufnahme, die die Sänger in Giessen gefunden hätten. Er verbreitete sich sodann über die Ziele und Aufgaben deS Blindes und des detitschen Männer­gesanges und schloß mit einem Hoch auf das Vaterland und daS deutsche Lied.

Hierauf begann in der Festhalle das Festkonzert, bei dem insbesondere die Maffenchöre der Bundesvereine und die am Vormittag als Wettgesänge gesungenen Einzelchöre zum Vortrag gelangtem Dazu gab es in der Halle und auf dem Festplatz Militärkonzert und am Abend Tanz. Der am Nachmittag hier und da einsetzende Regen vermochte der fröhlichen Stimmung der überaus zahlreichen Festbesucher keinen Abbruch zu tun und die Festwirte usw. hatten, alle Hände voll zu tun, um ihrer -Aufgabe gerecht zu werden. Auch der Juxplatz an der Lahn, der reich besetzt war, fand eifrigen Zllspruch. Sllles in allem nahm der Haupttag des Festes einen schönen Verlauf, cS war nicht allein ein Sänger- est, sondern ein Volksfest im besten Sinne des Wortes.

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