Ausgabe 
7.11.1906 Erstes Blatt
 
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Aus Stadt und Land.

Gießen, 7. Nov. 1906.

* Neuer Feldbereinigungskommissar. Durch Verfügung deS Großh. Ministerimns des Innern ist der Großh. Feldbercinignngskommistar, Kreisamtmann Otto Schnittspahn in Büdingen mit Wahrnehmung der Ge­schäfte eines FeldbcrcinigungskommissarS für die Provinz Oberhcsscn mit Ausnahme des Kreises Büdingen sowie für die Provinzen Starkenburg und Nheinhessen mit Wohnsitz in Friedberg beauftragt worden.

Zur Verwaltungsgcsctzreform. Der sechste Ausschuß der zweiten hessischen Kammer verhandelte am Dienstag gemeinsam mit der Negierung über die Artikel 89 bis 110 der Landgemeindeordnung. Es wurde angeregt, daß die Bürgermeister eine angemessene, den heutigen Ver­hältnissen entsprechende Besoldung erhalten. Bei der Ge­haltsfestsetzung müsse sowohl die Arbeit, als mtd) die Größe und Seelenzahl de§ Ortes berücksichtigt werden, vielleicht auch der Vermögensstand der Gemeinde. Von anderer Seite wird angeregt, den Bürgermeistern für die dem Staat zu leistenden Arbeiten auch entsprechende Pauschalsummen zu sichern. Die von den Referenten vorgeschlagenen Rats­schreiberstellen finden bei der Negierung bei Gemeinden, wo es die Menge der Amtsgeschäfte erheischt, keinen Wider­spruch. Ein Vorschlag wünscht die größere Selbständigkeit der Bürgermeistereischreiber, damit sie nicht ohne weiteres von dem Bürgermeister entlasten werden können, doch soll der Schreiber selbstverständlich immer Untergebener des Bürger­meisters bleiben.

Lokalgartenbauausstellung. Die Vorbereit­ungen zu der vom 9. bis 12. November im Netten Saalbau stattfindenden Gartenbailausstellting haben gute Fortschritte gemacht, sodaß man sich bereits von dem, was sich vor allem dem Besucher in dem großen Saal zeigen wird, eine Vor­stellung machen kann. Es ist sicher anzunehmen, daß dem Publikum mit dieser Ausstellung etwas, was Großartigkeit und Pracht anbetrifft, noch nicht annähernd Dagewesenes, geboten werden wird. Der große Saal wird gegenwärtig in einen herrlichen Bltimenhain umgewandelt, der auf den Be- slicher einen überraschenden Eindruck machen wird. In der äußeren Halle, die vom großen Saal nuS direkt betreten werden kann und durch Anbau eines Glashauses in einen geschloffenen Raum verwandelt worden ist, werden die Leist­ungen auf dem Gebiet der modernen Binderei gezeigt werden. Von besonderem Interesse dürfte die im oben­genannten GlaShauS unterzubringende Ausstellung von Chry­santhemums und sonstigen Pflanzen sein, die von den Schü­lerinnen der Stadtmädchenschule gepflegt wurden.

** Gießener Konzertverein. Mit freudiger Genug­tuung konnten wir jüngst bekannt geben, daß es uns gelungen war, für das Kvnzert vom 18. November (Brahms-Chor-Abend) den vortrefflichen Drcsner Sänger, Karl Scheidemantel, zu ge­winnen. Da, kurz vor dem 1. Kvnzert vom 4. d. M. traf uns die für uns schmerzliche Nachricht, daß die Dresdener Inten­danz dem Künstler anqesonnen hatte, auf seinen kontraktlichen Novemberurlaub zu verzichten, weil eine neue Oper von Schillings einstudiert werden solle: der Künstler bat uns daher, ihn seiner Verpflichtungen zu entbinden und so blieb uns nichts anderes übrig, als ihn sreizugeben. Die sofort cingeleiteten Verhandlungen ergaben, wie schwer es ist, so kurz vor einem festgesetzten Dermin, Ersatz zu finden. Nm so mehr freut es uns, mitteilen zu können, daß Fräulein Agnes Lcidhecker es ermöglicht hat, zum 18. No­vember zu uns zu kommen. Freilich ergibt sich daraus eine weitere Verschiebung ftir uns, da Frl. Leidhecker zum 17. Febr. 1907 engagiert war. Freuen wir urrs, einen so ausgezeichneten Ersatz gefunden zu haben, der es u. a. ermöglicht, zwei der herrlichsten Gesänge Meister Brahms' zu Gehör zu bekommen: zwei Lieder für eine Mtstimme mit Begleitung des Klaviers und einer Bratsche, welch letztere Herr Bassermann, Frankfurt, über- rwnrmen hat.

Die Güterabfertigung Abend stern ist an das Bezirksfernsprechnetz Gießen angeschlosten worden.

** Parteipolitisches aus Hessen. Daß die Auf­regung über die Bestätigung des sozialdem. Beigeordneten Eißnert wenigstens in Oberhesten nicht sehr groß ist, be­weist die Haltung eines Teiles der kleinen oberhessischen Provinzpresse, die die Darmstädter Protestversamm- lung überhaupt nicht erwähnt, so z. B. der Grünb. Anzeiger, die Hungener Landpost und der Schlitzer Bote. Bei dieser Gelegenheit sei mitgeteilt, daß durch einen durch undeutliche Schrift unseres Referenten hcrvorgerufenen Druckfehler die Zahl der Vcrsammlungsbesucher der Darm­städter Protestversammlung auf 300 angegeben wurde, während sie in Wirklichkeit 800 betragen hat. Der freisinnige Reichstagskandidat für Darmstadt, Pfarrer Korell-König- stadten, wird im Laufe des Winters in Gießen und Bad- Nauheim politische Vortrage halten.

* Das Universitäts-Taschenbuch für das Winter-Semester 1906/07 ist im Verlag von August Frees in der gewohnten Weise erschienen.

^Lollar, 7. Nov. Gestern abend 9 Uhr starb nach kurzer aber schwerer Krankheit der frühere langjährige Oberingenieur der Main-Weser-Hütte, Franz Wilh. Feller. Er bekleidete diese Stellung 35 Jahre lang und trat vor einigen Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Neben seiner erfolgreichen beruflichen Tätigkeit war der Verstorbene auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen und Ge­meindelebens tätig. Herr Feller war lange Zeit hindurch Mitglied des Gemeinderats und gründete 1876 die freiwillige Feuerwehr, der er bis zu seinem Tode als ihr erster Haupt­mann angehörte. Auch die Pfennigsvarkaste, die für ihre Mitglieder höchst segensreich wirkte, half er mitbegründen. Außerdem war er ein eifriger Förderer der hiesigen Klein­kinderbewahranstalt und Mitglied der Brandversicherungs­kammer. Seine selbstlose Tätigkeit fand die Anerkennung des Landesherrn durch die Verleihung des PhilippsordenS und der Feuerwehr-DienstauSzeichnung. Das Andenken deS in weiteren Kreisen geschätzten und beliebten ManneS, der ein Alter von 72 Jahren erreichte, wird in Lollar allezeit in Ehren gehalten werden.

X Fauerbach b. Nidda, 6. Nov. Unser langjähriger verdienstvoller Bürgermeister, Herr Gustav Nies, ist heute vormittag 6 Uhr gestorben.

(?) Friedberg, 6. Nov Bei Eröffnung des Winter­semesters der Großh. Obstbauschule und Landw. Winter­schule Friedberg hatten sich 34 neue und 16 vorjährige, im Ganzen 50 Schüler und viele Eltern der Schüler cingcfnnden. Direktor Dr. v. Peter eröffnete den neuen Jahrgang, indem er ein Bild der derzeitige,! Landwirtschaft gab und daraus' die Ver­pflichtung der Eltern abl. i den Söhnen eine tüchtige beruf­

liche und allgemeine Bildung zu geben, um sie in die Lage zu setzen, richtig wirtschaften, und den Stand dereinst entsprechend vertreten zu können in den Selbstverwaltungskörpern der Ge­meinde, des K'reises und des Staates, sowie der neuen Land­wirtschaftskammer. Wer die Interessen anderer vertreten wolle, müsse selbst tüchtig und in der Lage sein, mit weitem Blick neue Dinge und Verhältnisse zu erfassen und abwägen zu können. Auch der Beruf selbst erfordere immer mehr kritisches und klares Denken, dazu müsse der Verstand ausgebildet und geübt werden. Ferner wurde ein Bild dkr Tätigkeit der Schule während des Sommers gegeben. An den verschiedenen Sommer-Kürsen be­teiligten sich 183 Personen, 75 mehr als int vorigen Jahre und zwar waren alle einzelnen Kürse stärker besucht, namentlich der Baumwärtcrkursus, der Kürsus für Obstweinproduzenten, für Pfarramts'kandidatcn, der Landw. Reyctitionskursus, der nülch- wirtsch. Kürsus und der Obstverwcrtungskursus, ein Obstver­packungskursus wurde neu eingeführt. Eine Besichtigung der Anftaltsräume und Anlagen beschloß die Eröffnungsfeier.

d. Darmstadt, 6. Nov. Zwischen Darmstadt und Roßdorf wurde der Fuhrknecht Peter Spilger auf feinem Gefährt von einem Strolche überfallen. Er bedrohte den Knecht mit einem Messer und versuchte desten nmgehängtc Geldtasche zu rauben. Dies mißlang ihm zwar, doch brachte er dem Spilger einen schweren Stich in den Oberschenkel bei, worauf er entfloh.

te. Mainz, 6. Nov. Am Sonntag war die Ehe­frau des Arbeiters Hu mm vom Kurzen Hanikel von ihrem Manne sortgezogen. Gestern abend trafen sich die Beiden auf der Straße. Als sich die Fran weigerte, mit ihrem Manne heimzugehen, brachte er ihr mit dem Messer einen gefährlichen Stich in den Rücken bei.

Frankfurt, 6. Nov. Um 6 Uhr heute nachmittag versagte auf einmal auf der Zeil und in den angrenzenden Straßen daS städtische elektrische Licht. Die Störung erstreckte sich auf Zeil, Friedberger Tor, Bleichstraße, Große Eschenheimerstraße u. s. w. Alle Räume der Post wurden plötzlich dunkel, in einigen großen Geschäftshäusern auf der Zeil mußte man sich mit Notbeleuchtung behelfen. Erst um 73/4 Uhr war die Störung behoben.

Kassel, 6. Nov. Eine von über 1500 Personen be­suchte Volksversammlung forderte die Stadtverwaltung auf, bei der Negierung die sofortige Oeffnung der Grenzen für die Einfuhr von Vieh und Fleisch zu beantragen und die städtische Verbrauchsabgabe auf Lebens­und Genußmittel aufzuheben.

"Kleine Mitteii'-ngen ans Hessen und den Nachbarstaaten. In Wohn selb hat die Drelchmaschine ein Opfer gefordert. Anr Samstag Nachmittag geriet ein junger Bursche in die Trommel. Ein Bein wurde ihm völlig abgerissen. Trotz rascher ärztlicher Hilfe war es nicht möglich, den Bedauerns­werten zu retten. Schon gegen Abend v e r s ch i e d er. In Bergen wurde an einem getöteten Hnnde Verdacht der Tollwut festgestellt. Vom Landratsamt Hanau ist bis 1. Februar die Hiludesverre verhä'nnt worden._________________________________

Vermischtes.

* Das neueste Eisenbahnunglück. Bei Reh­felde (Reg.-Bez. Potsdam) entgleisten von einem Güterzuge 11 Wagen. Beide durchgehenden Hauptgeleise sind gesperrt. Der Verkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Der Hilfsbremser Neurrig ist tot.

Berlin, 6. Nov. Ein Naubmordanfall wurde heute vormittag auf einem Neubau gegen den Gel d brief- träger Hammer verübt. Der arbeitslose Tischler Gärtner hatte eine Postanweisung über vierzig Pfennig an sich selbst nach dem Neubau aufgegeben, ohne daß er dort beschäftigt war. Die Anweisung mußte heute vormittag bestellt werden. Gärtner hielt sich auf der Straße auf bis Hammer kam. Er folgte ihm nach dem Neubau unter dem Vorwande, daß er ihm den Adressaten zeigen wolle. Im zweiten Stockwerke des Baues angelangt, schlug er den vor ihm gehenden Geldbriefträger durch einen Hieb mit einer- eisernen Brechstange nieder und entriß ihm die Geldtasche, die 16 0 0 Mark enthielt. Während der schwerverletzte Beamte um Hilfe rief, ergriff der Räuber mit der Beute die Flucht. Zunächst wollte er sich im Kellerschacht verstecken, als er jedoch zwei Arbeiter dort beschäftigt sah, eilte er davon. Acht Bauarbeiter und ein Schutzmann ver­folgten ihn, holten ihn ein, nahmen ihm das Geld wieder ab, fesselten ihn und brachten ihn nach der Wache. Um 12 Uhr wurde der Verbrecher, wieder gefesselt, mit einer Droschke nach dem Polizeipräsidium gebracht. Er ist ge­ständig. Die bei einem Rechtsanwalt bediensteten Mädchen Pollatz und Settmacher wurden heute früh in ihrem Zimmer bewußtlos aufgefunden. Sie Hattern am abend einen Gas­hahn in der Küche nicht geschlossen. Da die Tür zum Mädchenzimmer in die Küche führt, konnten die giftigen Gase ungehindert zu den Schlafenden dringen. Sie wurden nach dem Krankenhause gebracht. Da§ Befinden des Dompteurs Willi PeterS, der am Sonntag das Opfer einer schreck- ichen Szene im Raubtierkäfig wurde, hat sich ver­schlechtert. Der Arzt bestand auf der Ueberführung des Ver­wundeten nach dem Krankenhaus, da der Zustand des durch die Bisse der Tiger verwundeten Armen Anlaß zu Be- denken gibt.

Arbeiterbewegung.

Der Arbeitgeberverband für Binnenschiff­fahrt und verwandt?. Gewerbe in Hamburg faßte folgenden Beschluß: Es wich den Mitgliedern des Verbandes überlassen, mit ihrer Schiffsmannschaft an der Hand der Dresdener Ver- aleichSvorschlagc das Arbeitsverhültnis neu zu regeln, wobei in­dessen der Standpunkt Verhandlungen mit dem .Hasenarbeiter­verband abzulehnen, nach wie vor festgehalten wird. VorauÄ- setzung der Verhandlunaeu mit der Schiffsmannschaft ist die vor­herige bedingungslose Wiederaufnahme der Arbeit. Nach Mit­teilungen, die bei den Vereinigten Elbschisfahrtsgcsellschästen von den Stationen der Oberere eingegaugeu sind, beginnen die aus­ständigen Decksleute, sich dort wieder zum Diensteintritt zu melden. Auch in Hamburg hat sich eine kleine Anzahl von Hei­zern und Decksleuten bereit erklärt, die Arbeit wieder auszu­nehmen. Der Verkehr von der Oberelbe hat sich weiter etwas gehoben. Die Vereinigten Elbscknffahrtsgcsellschvsien haben den Steuerleuten, die auf fremden Kähnen arbeiten, eine Entschädig­ung von 3 Mark täglich bewilligt, da ihnen dort die Möglichkeit des Essenkochens fehle.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 7. Nov. lOrig.-Telegr, desGieß. Anz/H Vieh markt. Lum Verkaufe standen 00 Kälber 00 Schafe und Hammel, 1253 Schweine: 1. Qual. 7500 Psg. Lebendgewicht 58.5000.00 Pf., 2. Qual. 7374 Pst, Lebendgewicht 57L0-68Psg., 3. Qual. 6365 Pfg. Kälber 1. Qual. 00-00 Pst, Lebendgewicht 0000 Pfg., 2. Qual. 0000 Psg., Lebendgewicht 00 00 Pfg., Schlachtgewicht 0000 Pfg. Schafe 1. Qualität Schlachtgewicht 0000 Pfg., 2. Qualität 0000 Pfg. Geschält: bei Kleinvieh mittelmäßig, Ueberstand unbedeutend.

Grnge-crndL.

Was hellen die edelsten Bestrebungen der Tierjchutzvereine, wenn die Verkehrswege für Fnhrverkehr nicht z w e ck e n t s p r e ch e n d im Stande sind. Die benutzbaren Zufuhr- straßen (Frankfurter-, Hof m a n n st r a ß e re.) nach dem Bahngüterschnppcn verursachen augenblicklich große Quälereien für Tiere, erregen vielseitiges Aergernis und für die Fuhrbefitzer Schaden. Könnte man da nicht Abhilfe schaffen?

Ein Unbeteiligter.

Gießener Wetterdienst.

Bo'-anSsichtlichc Witterung für Hessen am Donnerstag, den 8. November: Wieder Trübung und Negenfälle. Temperatur nicht verändert. Mäßige südliche Winde.

Der Großherzog und Staatsminister Ewald.

Wir erhielten heute kurz vor Redaktionsschluß folgendes Telegramm:

sd. Darmstadt, 7. Nov. Bestimmt verlantet soeben, daß Staalsminister Ewald heute dem Großherzog, infolge der heftigen Angriffe der nationalliberalen Landesversammlung vom Sonntag auf das Ministerium, seine Demission angeboten habe. Der Groß Herzog habe sie aber nicht angenommen.

Wir bezweifeln sehr die Richtigkeit dieser Meldung. Der Protest eines Teiles der National­liberalen des Großberzogtums gegen eine landesherrliche, vorn Minister gegengezeichnete Entscheidung bat it. E. die Stellung des Ministers keineswegs erschüttert, im Gegenteil erscheint in den Augen aller auf dem Boden des Gesetzes Stehender die Stellung eines Ministeriums überhaupt unerschütterlich, das es sich angelegen sein läßt, volle Rechtsgleichheit nn Staate walten zu lasten ohne alle Voreingenommenheit nach links oder rechts. In jedem Falle aber, auch wenn sich diese Nachricht bewahrheitet, kann das hessische Volk fortan mit besonderem Stolze und unbeirrbarem Vertrauen auf seinen aufgeklärten und durch nichts vom geraden Rechtswege ab­zulenkenden Landesherrn schauen.

MrigSuraL-Drahtmelduirgen.

Köln, 7. Nov. 5)er interkonfessionelle Verein zur Bekämpfung der Prostitution hatte mit dem Präsidenten der größten kölnischen Karnevalgesellschaften, mit der katholischen, evangelischen, jüdischen Geistlichkeit und angesehenen Bürgern Besprechungen darüber, wie den Auswüchsen des Karnevals auf den Straßen beiznkommen sei. Es wurde eine Kommission eingesetzt, die sich mit dieser Mission befassen und demnächst mit bestimm­ten Vorschlägen an die Versammlung herantreten soll.

Düsseldorf, 7. Nov. Die Fran des Bureauchefs eines großen industriellen Werkes wurde bei der Rückreise von Bad Nassau in einem Eisenbahnabteil 2. Klasse überfallen und beraubt. Wie eine mitreisende Dame gesehen hat, ist der betreffende Mann aus einem Abteil 3. Klasse während der Fahrt in das andere geftiegen. Der Räuber muß sein Opfer betäubt haben, denn die Ueber- fallene kam erst auf der Station Nivcrn bei Ems wieder zu sich. Der Frau war die Bluse geöffnet und das darunter getragene Geld ge ft oh len. Ferner vermißt sie ihr Handtäschchen mit drei Kassenscheinen zu je hundert Mark und ihren Dr a n r i n g. Vom Täter fehlt jede Spur.

Berlin, 7. Nov. Wegen fortgesetzten Betruges und schwerer Urkundenfälschung wurde der frühere Gcmcinde- sekretär Karl Schulze aus Pankow zu 1 Jahr Gefängnis rind 2 Jahren Ehrverlust verurteilt.

Stettin, 7. Nov. In Hammelstal auf Usedom traten 42 Hau später lokaler Streitigkeiten halber ans der Landeskirche aus.

B a den-Baden, 7. Nov. Gestern abend ereignete sich hier ein mysteriöser Mord. Die Witwe des in Karls­ruhe tätig gewesenen Medizinalrats Molitor erhielt die Aufforderung, ein auf der Poft für sie angekommenes Paket in Empfang zu nehmen. Als sic sich kurz nach 6 Uhr mit ihrer erwachsenen Tochter auf dem Wege zur Poft be­fand, sprang plötzlich ein Mann aus einem Versteck hervor und gab einen oder zwei Schüsse auf sie ab. Man ver­mutet einen Racheakt.

Portsmouth, 7. Nov. Die Unruhen der Ma-' rinesoldaten wiederholten sich gestern abend nicht. Der Eingang zur Kaserne und zu. den Offiziersquartieren wurde durch Doppelposten bewacht. Die Leute, die Abend- urlaub hatten, kehrten ruhig zurück und die in der Kaserne zurückgebliebenen Soldaten verhielten sich ebenfalls ruhig. Man glaubt, daß bstrrch die von den Behörden verursachtes Maßnahmen die Ruhe völlig wiederhergestellt sein wird.

Newyork, 7. Nov. Der polnische Fanatismus entfacht in der Eriesee-Region einen wütenden Deut­schenhaß. Clevelanöer Hetzpolen unterstützen dort durch, lärmende Massen-Meetings das gehässige Vorgehen der Natavisten gegen den deutschen Unterricht in den öffent­lichen Schulen. Die Vertreter von 120 deutschen Vereines beschlossen die Mündung eines deutschen Schulvereins, denr 15 000 Mitglieder gesichert sind. Sie wollen gegen die Ver­brüderung der nataviftifchen Engherzigkeit und den Deut­schenhaß der Bolen dos aanze Deutschtum mobil machen.

Telefcnische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel nnd Indnstrie. Glessen.

Frankfeirter Börse. 7. November. 1.15 Uhr.

3^®/o Beichsanleihe . . 97.85

3% do. . . 86.15 o%°/0 Konsols .... 97.95 3% do 86 20

3%°/0 Hessen 96.90 3J4°/n Oberhessen . . .. 4% Oesterr. Goldrente. . 99.55 4X/S$n Oesterr. Silberrente 100.10 4% Ungar. Goldrente . . 95.25 4% Italien. Bente . . . 103.40 3% Portugiesen Serie T . 69.05 3% Portugiesen TU 69.90 4 russ.Staatsanl. 1905 89.00 4%°/n japau. Staatsanleihe 92.25 4 % Conv. Türken von 1903 93 75 Türkenlose 145.50 4% Griech. Monopol-Anl. 52 60 4% äussere Argentinier . 88 40 3°/0 Mexikaner . . 67.40 4%°/0 Chinesen .... 95 60

Aktien:

Bochum Guss 231.50

Buderus E. W . . ..

Tendenz: jetzt besser.

Berliner Börse, 7.

Canada E. B 177.50

Darmstädter Bank . . . 137.50 Deutsche Bank ..... Dortmunder-Union C. . . 79.70 Dresdner Bank . ... . 154.40 Tendenz: unentschieden.

Elektriz. Lahmeyer . . . 140.00 Elektriz. Schnckert . . . 124.50 Esch weil er B er »werk . . 238.20 Gelsenkirchen Bergwerk . 220.40 Hamburg - Amerik. Paketf. 155.40 Harpener Bergwerk. . . 209.60 Laurahfitte ...... Nordd. Lloyd 125.80 Oberschi es. Eisen-Industrie 125.00 Berliner Handelsgea . . 169.10 Darmstädter Bank . . . 137.75 Deutsche Pank . . . 237.20

Deutsch-Asiat. Bank . . 170.50 Diskonto-Kommandit. . . 181.40 Dresdner Bank . . . 154.25 Kreditaktien 212.10 Baltimore- und Ohio-

Eisent.ahn . . 120.50

Gotthard bahn. Lombard. Eisenbahn . . 35.20 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.80 Prince-Henri-Eisenbahn . 147.50

November. Anfangskurse.

Harpener Bergwerk. . . 209.90 Laurahfitte. Lombarden E. B. ... 35.10 Nordd. Lloyd 125.50 Türkenlose .....