Ausgabe 
9.1.1906 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

die treuen Diener her Monarchie strenge Maßregeln ergriffen werden. Die Negierung ist überzeugt, daß ine Bevölkerung die Lattung der Truppen gutheißt. o ,

Ein Telegramm des Generaltzouvcrneurs Sollohub aus Riga an das Ministerkomitee besagt: Eine Truppenabteil- ung, die nach Windau geschickt iuar, verhaftete das aus Sozialdcmolraten bestehende .Lokalkomitee. Bo« 16 Hcmpträdclsführern imtrbcn bei dem Versuche zu fliehen drei getötet und einer schwer verwundet.

Personen, die mit Witte befreundet sein wollen, ver­breiten wieder einmal, er habe zweimal vergeblich um seine Entlassung gebeten. Am Hofe habe die Reaktion völlig Oberhand. Ihr Ziel fc; die Schaffung einer Duma, die sich für die Rückkehr zum Manifest vom 18. März 1905 aus sprech en soll. o

Ter Polizeimeister des Moskauer Tressina-Stadt- teils, Jermolow, der den Privatdozenten Worvb- zew erschossen hatte, wurde auf Anweisung des Staats­anwalts verhaftet und im Untersuchungsgefängnis interniert. Wie verlautet, war Worobzew von den Revo- tionären zum Mitglied der künftigen interimistischen Re­gierung ausersehen worden.

In Moskowien, im Wolaadccken und in Weiß-Rußland int) an tausend konstitutionelle Demokraten ver­haftet worden. Das Weihnachtssest brachte den Post-und Eisenbahnbeamten eine schwere Enttäuschung. Alle von dem Minister versprochenen Gehaltsaufbesserungen sind ausgeblieben. Völlig undurchführbar sind auf die Tauer die Verhaftungen und Entlassungen von Eisenbahn­beamten, da für sie kein Ersah vorhanden ist.

Nachdem mit dem Königsberger DampferWolga" bis- ijer mehr als 1000 Personen, darunter 803 Reichsdeutsche aus Riga, befördert worden sind, hat die reichsdeutsche Kolonie in Riga durch den deutschen Konsul bcni Reichs­kanzler Fürsten Bülow ihren Tank für die Hilfe über­mitteln lassen. Ter Dampfer ist übrigens soeben wieder ür eine Reise nach Rußland gechartert worden und hat Befehl erhalten, nach Rußland zu fahren.

gaben. (Lcbh. Zustimmung.) Der Redner legte im weiteren dar, daß die Erhöhung deS Mindestsatzes für den Doppel- j cntnec Malzverbrauch von 4 Mk. auf 7.50 Mk. so enorm sei, daß sie weder von den Brauereien, noch von den Gast­wirten getragen werden könne; umsoweniger, als durch das am 1. März erfolgende Inkrafttreten der neuen Handels­verträge die Brauindustrie ohnehin schwer belastet wird.

Nach längerer Debatte fand folgende Resolution ein» immige Annahme:

Die versammelten 4000 Vertreter des Gastwirte-GewerbeL er­klären :Die von der Regierung geplante Erhöhung der Bier­teuer ist eine so ungeheure Belastung unseres Wirtschaftslebens, daß mit ihrer Annahme nicht nur das Braugewerbe, sondern auch das Wirtegewerbe und alle damit in Verbindung stehenden Berufe der wirtschaftlichen Vernichtung preisgegeben sein würden. Schon heute ist das Wirtegewerbe mit Steuern in einer Weise belastet, daß es durch eine weitere Besteuerung dem sicheren Ruin entgcgengestwn würde. Sollte aber wirklich eine neue Belastung des Bicrgenusfes eintrelen, so würde das Wirtegewerbe genötigt sein, die Mehrkosten auf das Publikum abzuwälzen."

Die Versammlung ernannte ein Agitationskomitee mit der Aufgabe, mit allen gesetzlichen Mitteln diese drohende Belastung von dem Wirtestande abzuwehren und äußerte ihr Vertrauen zu der Weisheit des Reichstages, daß er einmütig die Zumutung, eine so hohe Steuerlast einem wirtschaftlich auf schwachen Füßen stehenden Beruf aufzubürden, ablehnen wird. Damit war die Versammlung beendet.

Brrs'and.

London, 8. Jan. Auf eine unmittelbare Anfrage antwortete Lord Knollys, er wiße kein Wort von einer Absicht des Königs Eduard, den deutschen Kaiser im Laufe dieses Jahres zu besuchen.

Rotterdam, 8. Jan. DerNeuwe Nom. Kur." meldet aus Batavia: Ein Hauptmann mit 23 Mann nahm bei Saivietto auf Celebes »ine von 300 Eingeborenen besetzte befestigte Stellung. Der Hauptmann ist gefallen. Die Ein­geborenen hatten 33 Tote, darunter drei Häuptlinge; eine große Anzahl wurde verwundet.

"iV. Bad-Nauheim, 8. Jan. Am Samstag, dem 6. d. M., fand in der Turnhalle eine zweite öffentliche Ver­sammlung statt, die sich mit der Einrichtung einer öffent­lichen Lesehalle beschäftigte. Trotzdem gleichzeitig ver­schiedene andere Versammlungen stattfanden, hatten sich viele Herren und einige Damen eingesunden. Es kam zu lebhaften Erörterungen über die Frage der Organisation. Ursprünglich war nur die Einrichtung eines Arbeitsausschusses geplant. Da aber von juristischer Seite das Bedenken laut wurde, ein solcher könne zur Vermögensverwaltung nicht genügen, so ergab sich die weitere Aufgabe, ihm einen breiteren Rück­halt zu geben. Es wurde in Erwägung gezogen, ob man vielleicht die Stadt oder den VortragSverein darum angehen sollte, das Lesezimmer an sich zu nehmen. Die Majorität entschied sich aber schließlich dafür, einen eigenen Verein zu gründen, dem sich sofort 7080 Herren anschloffen. Der Verein nennt sichBildungsverein für Bad-Nauheim und Umgegend". Bibliothek und Lesezimmer befinden sich in der Villa San Remo.

R. B. Darmstadt, 8. Jan. Der KreiSamtmann beim hiesigen Kreisamt Frhr. v. Leonhardi (Schwiegersohn des Frhrn. Heyl zu Herrnsheim) wurde zum diensttuen­den Kammerherrn I. K. H. der Großherzogin er­nannt.

B ü r g e l, 8. Jan. Zwei Bäckerburschen vergnügten sich damit, mit einem Flobertqewehr nach einer Kiste chteßen. Der 12jährige Schulknabe Herniann Schmidt, der von den Eltern nach Offenbach geschickt worden war um ui einer Apotheke ein Rezept unfertigen zu lassen kam dazu und schaute den beiden eine Weile zu Um ibn SU vertreiben, legte der eine der Burschen aus ihn an*

Kußland in Kören.

Tie Schwierigkeiten, die durch die Unruhen und Streik­bewegungen den Banken und der Industrie Rußlands bereitet worden sind, zeigen sich täglich deutlicher. Alle Inhaber oder Direktoren von Privatbanken haben sich jetzt an den Finanzminister und an den Direktor der Reichs­bank gewandt, um ihre Schwierigkeiten bekannt zu geben. Ter Verkehr dieser Banken mit den Provinzstädten hat fast ganz aufgehört. Dazu kommt, daß die Vorräte der Banken noch immer nicht von den Filialen an die Zentralverwaltung abgeführt werden können. Ebenso kann aus Petersburg und anderen Zentralen kein Geld in die Provinz befördert werden, sodaß viele Fabriken nicht arbeiten, weil sie keine Arbeitslöhne. bezahlen können. Ob die Forderung der Banken, in die Industriegebiete unter starkem militärischem Schutz Geld auf Pferden befördern zu lassen, erfüllt wird, ist noch nicht bekannt. Ter F-inanzminister will den Vor­schlag prüfen und hofft auf die Wiederherstellung des ge­samten Eisenbahnverkehrs in den nächsten Tagen.

Auf der Warschauer Ringbahn ist der Verkehr für Per­sonen, Gepäck und Eilgut auch bereits wieder ausgenommen worden. Es können wieder Zählkarten über Warschau hinaus verkauft werden und es Fann Gciück und Eilgut über diese Station hinaus ab gefertigt werden.

Tie Eisenbahn Odessa-Moskau befindet sich gleichfalls wieder im Besitz der Truppen.

Wie mehreren Korrespondenten aus Odessa und Rostow weiden, wurden die Revolutionäre an verschiedenen Stellen von jen kaiserl. Truppen in die Flucht geschlagen.

Ta die Regierung diesen Erfolg in Südrußland erlangt hat, ward eine Armee von Rostow gegen die verschiedenen kleinen Republiken gesandt, di in den Kaukasusvrovinzen gebildet worden sind. In Moskau selbst erpressen die Terro­risten durch Drohungen E-eid von den Einwohnern.

Tie offiziöse Petersb. Teiegr.-Ag. erfährtaus absolut sicherer Quelle", daß die Lage im Kaukasus so ist, wie sie vor einigen Monaten war und daß die Verbindungen, obwohl mit Schwierigkeiten, gegenwärtig ausrecht erhalten werden. Im Kaukasus wiederhole sich, was sich einige Jahre vorher m dem asiatischen Teil der Türkei unter dem Namen armenische Metzeleien" zugerragen hat. Rußland gewährte damals edelmütig den Massen der armenischen Flüchtlinge eine Zufluchtsstätte. Jetzt brinoen diese selben Armenier aus deut Kaukasus ihre revolutionäre Organisation und regier­ungsfeindliche Agitation; sie stiften Unruhen an und bringen die Mohammedaner gegen sich auf, wie es in der Türkei geschehen ist. Dieses ist der Grund der Metzeleien die sich an mehreren Punkten des Kaukasus zugetragen haben, xie Regierung hat energische Maßnahmen ergriffen, um die Bewegung zu bekämpfen.

Ferner schreibt die Pet. Tele.-Ag.:

/ £ie öffentliche Meinung zu erregen, berichteten gewisse frnte stehende Zeitungen über Verhaftungen großer Mengen von Revolutionären und über Grausam- reite n d e r T r u p p c n bei Zusammenstößen mit den Aufftändi- schen Wir können versichern, daß die Verhaftungen nur den Zweck hat en, Attentate auf die friedliche Bevölkerung zu ver­hüten, welche die Revolutionäre planten. Bei den Verhaftungen find Waffen und Sprengstoffe in solcher Menge gefunden wvvden daß sie hingereicht hätten, Tausende von Menschen zu töten und ganze Städte zu zerstören. Was die sog. Grausamkeit der Truppen betrifft, so mußten infolge des un- Menschlichen Borgehens der Revolutionäre gegen

t Herzogtum in der Lage, den Wünschen, einen Vortrag von? ' eingeweihter Seite über die derzeitige Flottenbewegung zu hören, zu entsprechen. General Keim-Berlin (ein ge­borener Hesse) hat sich erboten, über dieses Thema einen Vortrag am 31. d. M. im Neuen Saalbau 511 halten (siehe Inserat). Man erwartet regen Besuch. Gleichzeitig sei be­merkt, daß der deutsche Flottenverein eine Petition an den Reichstag plant und diese in verschiedenen hiesigen Geschäften zur Unterschrift aufgelegt ist.

** De r Hessische V i e h h ä n dl e r v e r e i n hielt amt Sonntag in Mainz seine Ge n e r a l der sa m inl u n g ab. Ten Vorsitz führte David Kapp aus Mainz, der die Versamm­lung'begrüßte und die vielfach ausgestellte Behauptung zurück- Ivies, daß die Viehhändler au der Erhöhung der Fleischipreise schuld seien. Der Vorsitzende des Bundes deutscher Viehhändler, Daniel aus Dierdorf, entwickelte das Programm des Bundes, der aus den verscliedensten Gebieten schon wesentliche Erfolge erzielt habe. Vor' allem wies der Redner auf die Notwendigkeit für Schaffung einer R e i chs v ie h s cu che n -Ver si che r u n a> hin, in welcher Frage er beauftragt fei, einen Gesetzentwurf aus- zuarbeiteu. Käme ein solches Gesetz zustande, so würden alle Kalamitäten der heutigen Verordnungen zur Verhinderung und Seucheu beseitigt, da der Grundgedanke des Gesetzes der sei, daß das verseuchte Vieh zu Lasten der Versicherung getötet und entsprechend verwertet werde. Die Rentabilität einer solchen Ver­sickerung käme nickt in Frage, da ja auch andere staatliche Vieh- versickcrungen beständen, .fter Schriftführer Karl Selig aus! Hechtsheim befürwortete den Beitritt des Vereins zum Bunde deutscher Viehhändler, den die Versammlung hierauf einstimmig beschloß. 3icr Frage des Verkaufs ohne Währschaft wies der Vorsitzende sodann auf den demnächstigen Ablauf der Vei-einbarungen der Viehhändler, ohne solche Währschaft zu ver­kaufen, hin. Die Versammlung beschloß, daß die Vereinbarung auch für die Folge Geltung haben soll. Der Vorsitzende kanv sodann nochmals auf die Frage der Fleischteuerung zurück, worüber sich eine furje Debatte entspann. Die Versammlung nahm schließlich folgende Resolution an:

Die beute versammelten Mitglieder des hessischen Vieh» Handlervcreins weisen ganz entschieden die gegen den Vie^> handel gerichteten Beschuldigungen, die derzeitige Fleischteuev- ung verursicht zu haben, als durchaus unrichtig und unbe­gründet zurück. Die Versammlung bedauert außerordentlich, daß auch seitens der obersten Stellen des Reiches diesen Be­schuldigungen durch den Rat, e§ möge seitens der Städte die Ucffckversorgung selbst übernommen werdeen, Ausdruck ge­geben wurde."

[] Annerod, 8. Jan. Unangenehme Gäste kehrten am Samstag Abend in der Wirtschaft von Schäfer hier ein. Zwei angetrunkene Fuhrknechte aus Gießen, denen anscheinend der Schnaps nicht mehr recht mundete, verlangten einenBesseren" und beim Bezahlen war erzu teuer". Ihr Benehmen hierbei war derart, daß sie vom Wirt zum Ver­lassen des Lokals aufgefordert wurden. Sicher wäre der Wirt hiermit schlecht angekommen, wenn nicht noch andere Gäste hinzugekommen wären, mit deren Hilfe die Radaulustigen auf dem kürzesten Wege in's Freie befördert werden konnten. Kaum war der Wirt in die Stube zurückgekehrt, als mit einer Bierflasche ein Fenster eingeworfen wurde. Nur einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, daß nicht die Schwester des Wirtes schwer verletzt wurde, denn das Wurfgeschoß flog ihr direkt am Kopfe vorbei. Die Täter wurden zur Anzeige gebracht.

X Steinberg, 8. Jan. Heute wurden die Attentäter Georg und Ludwig Happel, die, wie wir kürzlich be­richteten, ihren eigenen Vater zu ermorden versuchte ns, gefesselt durch zwei Gendarmen hierher transportiert. In Gegenwart des Untersuchungsrichters au8 Gießen und einer anderen Gerichtsperson wurde der Tatort besichtigt, wobei die Vorgänge bei der grausigen Tat einer näheren Untersuchung unterzogen wurden. Hierauf wurden die Beschuldigten wieder nach Gießen verbracht. Wie wir hören, ist Anklage gegen die Beiden wegen Mordversuchs erhoben, und die Sache dürfte bei der nächsten Schwurgerichtsperiode zur Aburteilung kommen.

() Od enhausen (Rabenau), 8. Jan. Durch die Unterstützung derDeutschen Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung" in Berlin ist hier eine Sch ülerbiblio- thet gegründet worden. Die Gesellschaft überließ der Schule 60 Bände der besten Jugend- und Volksschriften. Ferner hat ein Volksfreund von Gießen uns mit seinen Schriften bedacht. Dazu kommen noch einige Bünde aus dem früher hier bestehenden Leseverein und einige Neu­anschaffungen der Kleinschmidtschen Erzählungen. Es ift ein guter Anfang gemacht.

Blasbach, 7. Jan. Ein schwerer Unglücksfall hat sich gestern abend in dem unweit unseres Dorfes gelegenen SteinbrucheEnmerland" ereignet. Ter an denn Steiiibrnch vorübergehende Kreisstraßenwärter Förster hörte Hilfeschreie. Als er zusah, fand er den Bergmann Konrad Börting von hier in bedauernswertem' Zustande vor. Ein unzeitig los gegangener Schuß hatte; Börtings Hand, Unterarm und Gesicht schwer beschädigt. Dop Verletzte mußte in die Gießener Klinik geschafft werden (Wetzl. Anz.)

auch gegen die geplante Fracht urkunden- und Ouittungssteuer in einer besonderen Petition Stellung nehmen. .

Dresden, 8. Jan. Der König hat die Rückkehr des Generalleutnants von Trotha au5 Südwestafrika zum An­laß genommen, einer größeren Anzahl von Offizieren, die der Schutztruppe für Südwestafrika angehören bezw. angehört haben, Ordensauszeichnungen zu verleihen. Zu diesen Offizieren gehören: die Generale von Trotha, und Leutwein, die Obersten von Deimling, Ohnesorg und Eben, die Oberst­leutnants CHLleS de Beaulieu und von Mühlenfels, die Majore v. Redern und Quade, sowie Hauptmann Franke.

Weimar, 8. Jan. Der LandcSausschuß dec sozial- demokratischen Partei im Großherzogtum ist ersucht worden, in Sachsen-Weimar eine Demonstration für das gleiche, allgemeine, geheime und direkte Wahlrecht in die Wege zu leiten. Der sozialdemokratische Landesausschuß er­klärt, Wahlrechtsdemonstrationen bereits erwogen zu haben.

Neustadt a. d. Haardt, 8. Jan. Wie derPf. C." meldet, wird die Landtagswahl für Neustadt-Dürkheim ein gerichtliches Nachspiel erhalten. Die Sozialdemo- Iraten hatten behauptet, von feiten der Liberalen feien an zwei ihrer Wahlmänner Wahlbeeinflussungen durch Geldangebote versucht worden. Tie liberale Partei dementierte in einer öffentlichen Erklärung diese Behauptung und forderte Namensnennung. Darauf brachte die sozialdcm. Pf. Pr." die Namen nebst näheren bestimmten Details. Der Staatsanwalt wird jetzt wegen versuchter Wahlbeeinflussung vorgehen.

Straßburg, 8. Jan. Der reichsländische Finanz­minister, Unterstaatssekretär Dr. v. Sch raut, ist heute im Alter von 61 Jahren an einem Herzschlag verstorben. Schraut war in Würzburg als Sohn eines Schweinemetzgerü geboren.

München, 8. Jan. Am 4. Januar hat (wie schon mitgeteilt) der Ausschuß der Reichsratskammer, entsprechend dem Antrag deZ Berichterstatters Univerfitätsprofeffors v. Beck­mann, den Wahlgesetzentwurf angenommen, wie er aus der Abgeordnetenkammer heroorgegangen ist, nnd zwar mit 11 von 12 Stimmen. Somit besteht die Aussicht, daß dieser viel umstrittene Entwurf endlich Gesetz werde. Aller­dings, jegliche Gefahr ist noch nicht geschwunden, da Herr v. Auer den Antrag auf die absolute statt der relativen , Mehrheit wieder aufgegriffen hat. Noch drei nicht einfluß­lose Reichsräte ftiinniten mit ihm am Ende aber für den Entwurf.

Ate deutschen gMwute und die neue Steuer-Z5ortage.

(Nachdruck verboten.)

8. & H. Berlin, 8. Januar.

In derNeuen Welt", dem größten Versammlungs- okale Berlins, versammelten sich heute abend mehrere tausend Gastwirte aus allen Gailen Deutschlands, um gegen die Erhöhung der Steuer auf Bier und Tabak Protest 511 erheben. Der Präsident des Deutschen Gastwirte-Verbandes, Ringel-Pankow, eröffnete die Versammlung mit der Mit­teilung, daß gegen 100 000 deutsche Gastwirte durch Dele­gierte vertreten seien.

An erster Stelle sprach Reichs- und LandtagSabgeord. Dr. Wiemer (frs. Vp.) über die Erhöhung der Bier- teuer. Das ganze Steuerbukett gefalle ihm nicht, ebenso­wenig der Stengel, von dem es getragen werde. (Heiterkeit.) Gewiß, das Reich leide an einer finanziellen Misere. Zu deren Beseitigung sei aber viel angebrachter eine Reform der Branntweinsteuer, bezw. eine Beseitigung der Liebes-

Aus Stadt und Sand.

Gießen, den 9. Januar.

" Akademische Vorträge. Für die beiden noch ausstehenden Akademischen Vortr agsabende in der großen Aula der Universität ist eine Vers chieb ung nötig geworden. Cs wird Herr Profeffor Strack statt am 12. Januar erst am Dienstag den 23. über das Geld im Altertum unter Vorführung von Lichtbildern sprechen. Der letzte Albend wird am Dienstag, den 13. Februar fiafinden und unter gefälliger Mitleitung des Herrn Milsik- direktors Trautmann Stücke antiker Musik und antiker Poesie bringen.

* * Erledigte Stellen. Erledigt sind: Eine mit einem, evang. Lehver zu besetzende Lehrer stelle an der Gemeindeschule zu G r 0 ß - W i n t e r n h e i m, Kr. Bingen. Mit der Sielte ist Organistendicn^t verbunden. Tie Stelle eines H i l f s b e a m t c n des Staatsko.nmissars bei der Landes-Hypothekenbank.

* Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Am heutigen ersten Ziebungstage der 2. Klaffe der 7. Lotterie iel ein Gewinn von 25 000 Mk. auf Nr. 47947 (nach Olden­burg), ein Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 80557 (nach Darmstadt), ein Gewinn von 5000 Mk. auf Nr. 56901 nach Darmstadt), ein Gewinn von 1000 Mk. auf Nr. 4319, Gewinne von je 400 Mk. auf Nr. 23087 57644 93629. (Ohne Gewähr.)

* * Selbstmord. Heute morgen fand man den Sttaßen- kehrer Zinn in seiner Wobnuna erhängt vor. Er stand als Witwer allein, war auch in letzter Zeit vielfach krank und dies mag die Ursache des Selbstmordes gewesen sein.

* * 3 u r Tragödie Wendland. Ueber den Nachlaß des Eisenbahnsekrotärs Wendland ist der Konkurs er­öffnet worden. Die Haupcfordernng hat natürlich der Eisen- iahnfiskus. Wie verlautet, betauU sich die Höye der Unter» chtagungen auf etwa 6000 Mark.

Flottenverein. Mau schreibt uns: Die hiesige Kreisgruppe ist durch den Landesausschuß für das Groß w