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09/01/1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 7

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Siehen

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Redaktion. Expedition ».Druckerei: Schulstr.7.

Del. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.

gewährleisten. .

Nach der Ansicht desVorwärts" vermag des Weißbuch die schweren Fehler der deutschen Diplomatie m keiner Weise in milderem Lichte erscheinen zu laffcn. Die akten- mäßigc Darstellung beweise vielmehr, zu welchen .verhängnis­vollen Kvnseguenzen zu führen vermöge, die von ermahn ,Eigen Personen gemacht werde. Das Volk sowohl Frankreichs wie Deutschlans fordere vollem Fug, daß es auch bei zeder Aktion der auswärtigen Politik gehört werde. Dieses Recht werde sich das Proletariat zii erkämpfen wissen.

Das Duell Driant-Percin in Pari?.

Der Schwiegersohn des noch heute allen bekannten französischen Bramarbas Generals Boulanger, Major Driant, derben Dienst verließ, weil der letzte Kriegsminister Berteaux ihn aus der Befördernngsliste gestrichen hatte, legte vor einigen Tagen im .Eclair" seinen Fall dar. Er setzte auseinander, daß er bei Berteaux, wie schon bei General Andrer, in Ungnade ge­fallen war, weil er die Angeberei gebrandmarkt hatte, und erklärte, er verachte jetzt, wie im Jahre 1904, die Offiziere, die zu Verrätern an ihren Kameraden geworden find, von

Lrfchetnl tRgllch mit Ausnahme deS Sonntags.

DieSletzener ZamMenblättcr" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Dienstags. Januar 1906

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fcken UnwersttLtSdruckeret. R. Lange, Gießen.

Vslitifche Tagesschau.

Die Preße über das Marokko-Weißbuch.

Das Weißbuch ist bisher..mir iu entern kleinen Teile der Berliner Blätter besprochen worden.

Die Tägl. Rundschau sagt u. a., cs sei nunmehr em großesLügengebäude mit einem lauten Krach zusammen­gestürzt. Selten dürfte eine Regierung durch die Ver­öffentlichung einer trockenen Aktenfammlung so schwer bloß- gestellt worden sein, wie die französische durch das in dem Weißbuche aneinander gereihte Viertelhundert amtlicher Schriftstücke. Es werde bei der Durchsicht dieser Schriftstücke erst recht klar, wie die tendenziöse Mache des französ. Gelbbuches eine solche amtlick)e Berichtigung von deutscher Seite notwendig machte Es sei frappierend aus den hier gebotenen Ergänzungen zu dem Gelbbuch zu ersehen, was die französische Regierung Nck an erstaunlichen Unterschlagungen und E n t st e l l - ungen glaubte leisten zu dürfen. Es überrasche, zu when, in wie hohem Grade sich Rouvier nachträglich zum Mit­schuldigen Delcassös mache, dessen Marokko-Politik er in der all er un ehrlichsten Weise verteidige. Droh­ungen und Vorspiegelungenfalsch erTat fachen feien die Waffen der französischen Diplomatie in dieser ganzen An­gelegenheit. ... ,

DieNat -Ztg." betont, daß m dem Weißbuch deutlich zum Ausdruck gelange, wie Delcaffe das von ihm geplante Werk der Isolierung Deutschlands der Vollendung. nahe glaubte. Der gute Glaube Deuffchlands werde durch die Fest^ stellungen des Sultans in Helle Beleuchtung gerückt. Die Tonart der Erlasse des Reichskanzlers sei versöhnlich 'und Fürst Bülow berücksichtige fortgesetzt die I nt e r e s s e n allerVer -

betrachtete-,, mit 200 Mk. Monatsgehalt, und ohne jede Aussicht, ich in absehbarer Zeit zu .verbessern". So spielt eben das Leben--- w- L*

tragsstaaten.

DieVoss. Ztg." glaubt, daß das Weißbuch der Sache des deutschen Reichskanzlers nur nützen könne. W werde manchen Einwand gegen die Haltung der Regierung widerlegen, manche Unklarheit zerstreuen, den Gegensatz der deutschen zu der fran­zösischen Darstellung zu Deutschlands Gunsten aufhellen, wenn es freilich auch noch kein Urteil über den vermutlichen Lbustzang der Konferenz in Algeciras gestatte. Das Blatt faßt sem Urteil dahin zusammen, daß sich auf der Konferenz Mittel ^md^i

bringen. ,

Trotz allein dürfte die Technik von heute, mehr als irgend ein anderes Gebiet menschlicher Tätigkeit, geeignet lern, demjenigen, der sein bestes Können auf sie verwendet, etm relativ rasche und sichere Existenz zu bieten. Wir leben gegenwärtig in einer Uebergangsperiode, die eben zu allen Zeiten von den schreiendsten Dissonanzen erfüllt waren. Ich glaube, daß der Ingenieur von heute ebensowenig Ver- annssung hat, sich pesstt'i stachen Vettachtungen hmzugeben tote andere Leute seines Bildungsgrades. ,

Es dürste bedeutendes sozialpolitisches Jn- t e r e s s e haben, einmal statistisch lestzitstellen, wie hoch sich das D u r ch s ch n i t t s e i n k o m in e n der V e r t r e t e r d e r s o ° gen. h ö h e r e n Be ruse beläuft. In Berk i ii z. B. haben aller Aerzte ein Jahreseinkommen von weniger als 2000 Mark. Daneben finden sieh einige m e d i z i n i s ch e Autori­täten mit mehreren 100000 Ai k. jährlicher Einnahme. Ge­nau o liegen die Tinge in der Technik. Der Direktor Rathen au von der Allgemeinen Elektrizitats- Gesellschaft hat ein Iahresgehalt, mit dem mancher Fürst eines deutschen Kleinstaates zufrieden wäre, nämlich sage und schreibe 750000 M k. . r . r

Es ist leider eine traurige Tatsache, daß die lumpigen Zu­fälligkeiten des täglichen Lebens nur zu häufig eine entscheidende Rolle im Schicksal eines Menschen spielen. Ich habe zwei Kollegen kennen gelernt beide eminent begabt und im Jahre 1902 die Hochschule mit vorzüglichen Zeugnissen verlassend : Der eine über­nimmt im nächsten Sommer nach kamn vteriahrlger Usnstentenzelt die Leitling des Elektrizitätswerkes einer mitteldeutschen Großstadt mit einem pensionsfähigen Gehalt, um das ihn mancher Gehemi- rat mit 25 jähriger Dienstzeit beneibon konnte, den anderen traf ich vor kitrzem in der Maschinciüabrik Oerltkon bei Zurich, sich ubei zwei widerspenstige Zeichenjungen ärgernd, die eine glücklich ge­lungene Pause einer Drehstrommaschine als ihr geistiges Eigentum

Offizieren einflößt.

Infolge dieses Artikels schickte Genral Per ein dem Major a. D. Driant seine Zeugen. DaS Degenduell endete, wie schon kurz gemeldet, mit der zweiinaligen Ver­letzung des Generals Percin am Handgelenk. Nach der ersten, die er im achten Gange erhielt, bestand General Percin aus der Fortsetzung des Kampfes: nach der zweiten, die der Gegner ihm im dreizehnten Gange beibrachte, war diese nicT)t mehr möglich. , ,

Gentiches

Berlin, 8. Jan. Der Kaiser hütet infolge einer leichten Erkältung das Zimmer, doch finden die regel­mäßigen Vorträge statt.

Auch Prinz August Wilhelm^von Preußen, der vierte Sohn des Kaiserpaares, ist an einer Erkältung erkrankt und muß das Bett hüten. Bei dem Patienten hat sich in der letzten Nacht bedeutendes Fieber eingestellt.

Am gestrigen Todestage der Kaiserin Augusta erschien die Kaiserin mit dem Prinzen Adalbert und der Prinzessin Viktoria Luise im Charlottenburger Mausoleum zur Kranz­niederlegung. ......

DerNordd. Allg. Ztg." zufolge ist Staatssekretär Frhr. v. Nichthofen am Sonntag nachmittag infolge Ueber- arbeitung erkrankt und muß das Bett hüten.

'TasMilitärwochenblatt" meldet: Schutztruppe für Südwestafrika: van Semmern, Oberstleutnant, ist seiner Stellung als Kommandeur des 2. Feldregiments enthoben worden; von Estorfs, Major und Bataillonskommandeur im 1. Feldregiment, ist zum Kommandeur des 2. Feld­regiments ernannt worden.

Es bestätigt sich, daß der japanische Gesandte in Berlin Jnouye bei der Erhebung der japanischen Gesandtschaft zur Botschaft zum Botschafter ernannt wird. Wenn sich die Beziehungen zwischen Deutschland und Japan sehr befriedigend gestaltet haben, darf hierbei die Mitwirkung und das Verdienst Jnouyes nicht übersehen werden. ,

Wie dieNat.-Ztg." hört, soll in den nationalen Kreisen der Wähler des Abg. SartoriuS die entschiedene Meinung vorherrschen, daß dieser nicht in der Lage sei, sein Mandat weiter auszuüben.

Ein großes Sammelwerk kritischen Inhaltes, welches sich mit den Beschlüssen beschäftigt, die von der außer­parlamentarischen Kommission zur Reform des Strafprozesses gefaßt worden sind, wird von der Internat, kriminalistischen Vereinigung vorbereitet. Mitarbeiter an ihm sind u. a. die Professoren v. Lilicnthal (Heidelberg) und Mittermaier (Gießen), die Nechtsanwälte Dr. Heinemann (Berlin), Dr. Siegfried Löwenstein (Berlin), Dr. Mamroth (Breslau), Dr. Thiersch (Leipzig), Dr. Fuld (Mainz), die Oberamtsrichter Dr. Fuhr (Ortenberg), Dr. Levis (Pforzheim), der Landrichter Dr. Friedländer (Limburg), der Privatdozent Dr. Gras Dohna (Halle). ^Die Leitung der Herausgabe des großen Werks hat Landgerichts­direktor Dr. Aschrott (Elberfeld) übernommen.

Eine Petition der Handelskammer in Nord- hausen gegen die geplante Tabaksteuer wird im Laufe dieser Woche festgestellt. Gleichzeitig wird die Handelskammer

zurückziehen. , , . , Bz

In London erregte das Weißbuch nur beschranktes Interesse. Die allgemeine Meinung der politischen Kreise »ehe dort, wie versickert wird, dahin, daß es nur eine Erwider­ung auf das französische Gelbbuch sei, welches bte emieihgen Darstellungen desselben zu widerlegen sucke. Man gibt zu, daß dies teilweise gelungen sein dürfte, erflart ober, daß sich die öffentliche Meinung iu England und die Haltung der englischen Regierung dadurch Nicht beeinflußen lassen werde. England werde unverändert Frankreich unterstützen. *

Ein Parteiblatt mit 1OO OOO Abonnenten ist ein Unikum in der deutschen Presse. Natürlich ist es nur möglich in der zahlenmäßig stärksten Partei, und auch dort vielleicht nur, weil der Wille zur Macht innerhalb dieser, politisch nahezu einflußlosen Partei die kritische Verstandes­tätigkeit noch bedeutend überwiegt. DerVorwärts* ge­dachte mit 1OO OOO Abonnenten ins neue Jahr zu steuern, aber erst der Quartalswechsel hat die Gewißheit gebracht. Nun prangt die erste Nummer der zweiten Woche in Zivei- farbendruck: der Titel und die Zahl 1OO OOO sind rot, und eine rote Randleiste umgibt den Text der ersten Seite, deren Mitte eine unglaubliche verzerrte Figurenzeichnung einnimmt. Mit der Druckerschwärze des Textes und der weißen Grund­farbe des Papiers ergibt das also schwarz-weiß°rot, die Farben des Deutschen Reiches. Möge es für die Weiterentwicklung des Zentralorgans von guter Vor­bedeutung sein! *

Dem Deutschen Flottenverein ist schon einmal ein tüchtiger Dämpfer für feine, maßlose Agitation zu teil geworden, wie man weiß; aber die Herrschaften scheinen den kalten Wasserstrahl, der damals aus Berlin kam, vergessen zu haben. Seit die Flottenvorlage bekannt ist, bemüht der Verein sich aus Leibeskräften, dem Volk begreiflich zu machen, daß der Reichstag über die Vor­lage weit hinauSgehen müsse. Vor allem wird eine wesent­liche Beschleunigung des Ausbaues der Flotte verlangt; und außerdem schlankweg ein halbes Dutzend großer Kreuzer mehr. In verschiedenen Gauen des Reiches sind Agitations- versaminlunqen abgehalten worden, und in hyperflotten­schwärmerischen Blättern finden sich fast täglich Artikel, die

den gleichen Zweck verfolgen und aus der gleichen Quelle stammen. . ....

Wir halten diese Agitation, sie mag noch so patriotischen Gefühlen entspringen, für durchaus ungesund und schädlich. Einmal wird durch daS Geschrei unverantwort­licher Leute der Reichstag sich in keiner Weise beemflusien lasten, weil er doch für die Kosten der Flottcnvermehrung aufkommen muß, und zum anderen erregt die Tätigkeit des Flottenvereins, an dessen Spitze Männer von Stang und Namen stehen, im Ausland unliebsames Aufsehen, was uns auch nicht gerade erwünscht ist. Es muß den überspannten Forderungen gegenüber betont werden: wenn die Negierung mit deui, was sie in der Vorlage fordert, aus- kommeli zu glauben veruieint, so wird sie wohl ihre Grm-de dafür haben. Sie hat sich, das muß anerkannt iverden, in verhältnismäßig bescheidenen Grenzen gehalten, und zwar unter möglichster Berücksichtigung der Finanzverhältiiiste des Reiches. Diese haben aber ein gewichtiges Wort drem zu reden, wenn es sich nm Neuanschaffungen handelt. Es war die Aufgabe der Negierung, unter Berücksichtigung dieser Verhältnisse die deutsche Flotte auf den Stand zu bringen, der aus politischen Gründen erwünscht scheint. Was hat es denn für einen Zweck, jetzt mehr zu verlangen? Man muß froh sein, wenn der Reichstag das Geforderte bewilligen kann, durch die maßlose Agitation macht man doch nur die Leute kopfscheu!

Mach einiges vom MtLnange des technischen Studiums.

Von einem cand. elektroing. in Karlsruhe erhielten wir folgende außerordentlich interessante Zuschrift, die wohl in der Hauptsache den Nagel auf den Kopf trifft:

Zu Ihrem ArtikelZum Rückgang des techn. Studiums" in Nr. 5 Ihres geschätzten Blattes gestatte ich mir, folgenden Bei-

Rückgang in btr Zahl brr Studicrend-n cm tat t* Hochschulen ist eine Erscheinung, die sich bereits leit 2.^aljrcn in stets steigendem Maße bemerkbar macht, nachdem die Frequenz im Wintersemester 1902/03 ifyren Höhepunkt erreicht hatte. Xie Ursache hierzu liegt jedoch m. E. weder irr der unleugbaren, un­zureichenden Besoldung der höheren ^ecijaufcr, noch in einer ctlMigen Erlahmung des Jnterestes an den exakten ^.üien- f(haften, denn sonst würde der verminderte Zudrang zu den teclm. Hochschulen bereits im Jahr 1900 ein getreten fein, nachdem das Jahr vorher die für die deutsa^Jndustrie so überaus ver­hängnisvolle Krise gezeitigt hotte. Mit mehr H^rscheinlichreit dürfte der ausscrilaggebende p-aktor in um im ^ahre 1903 von sämtlichen technischen Hochschulen Deutschlands erlafienen ver­schärften Ausnahme- un d P r u lu ngsbed in g u ng en zu suchen sein, zu denen sich die Unterrichtsbehorden endlick nach verhängnisvoll langem Zögern entsustofien. Bestimm­ungen gipfeln alle in der Forderung, daß zur Wiegung der Vor- und Hauptprüsung zur Erlangung des Grades eines Di­plom-Ingenieurs des Reif ezeugnis ein er n eunfl a H v Oen höheren Lehranstalt beigebracht wird, m. E. eine ebenso notwendige, wie vernünftige F-orderiing die nur nock dahin zu versckärren wäre, daß die techn. Hochschulen fortan ebenso die Gymnasial-Maturanden zurückwiesen, wie die meisten Fakultäten der Universitäten dies den Nealschulabiturienten gegenüber tun. Der Zeitpunkt, bis zu welchem die ZulassMig zu den Prüfungen ohne Maturitätszeugnis möglich ist, variiert bei den einzelnen technischen Hochschulen. In Berlin, Danng. Dres­den unh München ist dies heute schon Nicht mehr nwglich. m Kattsnche nur iwch bis 1. April 1907, in Darmstadt bis31. ^uli 1908. Da mm eine Studienzeit von mmdesfens 8 '^mertern wie statistisch festgestellt ist, betragt sie bei der Mehrzahl aller Studierenden 10 Semester vor Wlegung der Schluß- Prüfung verlangt wird, ist cs leickst erklärlich, daß jetzt Niemand mehr eine Hochschule ohne Reifezeugnis beziehen wird, fojem er sich mit der Wsickst trägt, das Ziel derselben Vvllstmndig zu erreichen. Das wird nun der Wunsch der meisten sein, allem nahezu die Hälfte scheitert an den Klippen der akademischen

vorwiegend günstig. DerTemps" empfiehlt den Partepimrern nn Parlament leidenschiaftslose Behandlung des deutschen Weiß­buches, damit gewisse, als abgetan zu bettachtende Dinerenzen nicht nochmals Wichtigkeit erlangen. Das Blatt hebt, das Fehlen jedes polemischen Zuges im Weißbuch aegen Rouviers Politik hervor und betont, daß daS Aktenstück lediglich der Verteidigung der deutschen Politik gegen Mißdeuttmaen gewidmet , sei

Der Berliner Korrespondent des PariserEclair" berichtet, er habe eine Unterredung mit einer hohen deutschen Persönlich­keit gehabt, welche erftärte, Frankreich dürfe nicht hoffen noch daraus hinarbeiten, ein Polizei M a n dat m Marokko zu erhalten. Denffchland wurde sich, falls Frank­reich ein solches Verlangen stellen sollte, von der Kvnserenz

Zweites Blatt. 156. Jahrgang

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^^Änn tmcm nun bedenkt, daß seither höchstens 60 Prozent im Besitz eines Reifezeugnisses waren, so ist der jetzige Ausfall ohne weiteres erklärlich. Von den übrigen 40 Prozent beiaßen eine Anzahl Primareife, die übrigen das Einjahrigenzeugnis, ja viele das nicht einmal. Ist es dom in Darinstadt vor- gekommen, daß junge Leute mit Volks,'chulkenntnissen, die fid} 3 bis 4 Semester auf einem Technikum bewegt hatten, ohne weiteres als ordentliche Studierende ausgenommen wurden und damit auck das Recht zur Teilnahme an den Prüfungen er­warben. Diese Besttmniungen haben sich besonders die Jüng­linge russisch-polnischer Nationalität zu Nutze ge­macht, wodurch hinreichend erklärt ist, weshalb in Darmstadt jeder 4. Student Russe seitl)er War. Daß unter diesen Umstanden das Ansehen der techn. Hockschulen und dasjenige des Jngenieur- standes, sowie die Interessen der Technik leiden inußten, lieg: auf der Hand. Ein enormer Prozentsatz derer, die da geifhg arm waren, und somit die hohen Forderungen der techn. Hoch-" schule unmöglich erffillen konnte, sprang mehr oder mmder zeitig ab, um in der Industrie ein Schmarotzerleb en zu beginnen. Hinzu kam die Massenproduktion von sog. ^ngeiiieuren auf den Tcckmika, die in dem letzten Jahrzehnt wie Pilze aus der Erde geschossen sind. Die logische Folge war, daß stch ent technisches Proletariat heranbildete, das eben um leben Preis Arbeit annahm, und die Auslese litt mit dem Ausschuß. Weshalb", fragte sich sehr richtig der Fabrikant,fall ich 500 Mark monatlich für einen Dipl.-Ingenieur ausgeben, wenn ich Leute genug finden kann, die mir dieselbe Aroett für 100 Mk. tun? Der gelehrte Kram von den Hochschulen nützt- mich ja doch nichts!"

Hierin liegt ein Körnchen Wah r h e i t. Die Le hr­pläne der techn. Hochschule sind gänzlich veraltet; sie berücksichtigen zu wenig die Forderungen der Praxis, em Umstand, der sich bei den meisten Ingenieuren nach dem Ver­lassen der Hochschule in einer gründlichen Ent­täuschung bemerkbar macht. Man hat ihn gelehrt, die^zier- lichst geschwungenen, und fünffachen Integrale auszurecynen, die abstraktesten Lehrsätze und Theorenie zu verdauen, die ele­gantesten Diagramme zu konstruieren, .mit einem Wort, er mag außerordentlich! viel wissen, braucht aber deÄvegen dar nichts z u können. Die Kluft, welche zwischen seiner Theorie und der Praxis gährtt vermögen auch die Uebungen in den Hocbschullaboratorien nick zu überbrücken. Er hat durchschnittlich ein Vierteljahrhiindert au dem Rücken, bis et seine Studien beendigt hat und steht dann da als Halbfabrikat, nur zu häufig unfähig, das Grau seiner Glorie mit dem Grün des prakt. Lebens in Einklang zu

Die Beurteilung des Weißbuches durch die sran- sse ist, soweit bisher Überiehen werden kann, i st i g DerTemps" empfiehlt den Parteifübrem

j Einer aber fei vor allen anderen verächtlich: ^Herr ! P-rcinE . . . Wenn dieser, wie er hoffe, zum Befehlshaber ! des 3. Armeekorps ernannt würde, so nimmt Driant sich vor, noch lauter zu sagen, welchen Eckel er allen französischen

lassen rnüsseii, eine Verständigung zu erzielen und sowohl ^rartt- . , Erfinder des Systems, und Berteaux, der heuch- MM »AtÄÄS l-rjsch' das Werk formte bis »u ?em ehnb«.

insbesondere auch in Marokko selbst jene Reformen durchzusuhren, ehemaligen Direktor des Militargefangmffes Eheiche-Mivi. die eine friedliche und ersPiÄßlichr Entwicklung des Landes - - r 1 -----