Ausgabe 
6.11.1906 Zweites Blatt
 
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führlichen Bericht ermähnt, daß Vtzrtvnnderlicherlpcise auch der Jungliberalp Verein zu Darmstadt die Bestätigung Eißnertsfür eine bedenkliche Erscheinung" hält. Be­merkenswert aber sind folgende Schlußsätze der Bangelscheu Rede:

In den letzten Tagen sind in der Presse (gemeint ist derGieß. Anz.") Artikel erschienen, denen zufolge man darauf ausgehen WM, unser h e s s i s ch e s l i b e r a l c s M i n i st e r i u m z u st ü r - zen. Ich bin ermächtigt zu erklären, daß wir dies nie und nimmer mitmach en werden und zwar nicht etwa nur um der Person der Minister, als' um der Sache willen, die sie vertreten. Wir bedürfen eines liberalen Ministeriums in Hessen dringend im Hinblick auf grundlegende zeitgemäße Reformen, wie die direkten Wahlen zum Landtag und die Gemeindesteuerreform. Ich bin des weiteren er­mächtigt, der Hoffnung und Erwartung Ausdruck zu geben, daß man in Zukunft auch dann, wenn sich rückschrittliche Tendenzen bei uns geltend machen bezw. überhand zu nehmen drohen, eim Landesproteftversammlmrg ciuberufe, damit wir auch nach rechts die Grenzen ab st ecken, wie wir dies heute nach links tun. Wir sind hierzu unseres Erachtens verpflichtet auf Grund des Programmes der nationallibcralen Partei", ferner auf Grund der Resolutionen, die auf den nationalliberalen Partei­tagen in Goslar und Eisenach beschlossen wurden, und schließlich weil wir nationalgesinnte Männer mit liberaler Weltanschauung sind und bleiben wollen."

Das Programm der nationalliberalen Parte: fordert bekanntlich von den Angehörigen der Partei:Entschlossene Abwehr aller reaktionären und aller radikalen Tendenzen" und eine Resolution vom Goslarer Parteitag lautet:

Der Vertretertag fordert die nationalliberale. Wählerschaft auf, in Uebercinstimmung mit den Eisenacher Resolutionen unter vollster Wahrung des nationalen Standpunktes die liberalen Forderungen der Partei mit Entschiedenheit zu vertreten und ihnen zum Siege zu verhelfen."

Der Jungltberale Verein zu Darmstadt hat also die liberalen Forderungen leider nur halb erfaßt und halb vertreten.

Während die Darmstädter Blätter (Darmft. Tägl. Anz., Neue Hess. Volksbl. und Dannst. Tgbl.) der nationalliüeralen Protestversammlung Berichte , von 25 Spalten widmen, die fr: ' Versammlung dagegen mit durchschnittlich knapp einer Spalte abtun, erledigt die Darmst. Ztg. die An- gelegenheit in ganzen 28 Zeilen. Dcrgegen widmet sie der freis. Landesversammlung etwa eine Spalte. Das ist auch ein charakteristisches Zeichen der gegenwärtigen politischen Lage und der Darmstädter Preßverhältnisse.

Deutscher Reich.

Potsdam, 5. Nov. Heute abend sand bei den Maje­stäten Tafel statt, an der unter anderen teilnahmen der Herzog und die Herzogin von Sachsen-Koburg, Prinz und Prinzessin Karl von Hohenzollcrn, Prinz Ernst zu Sachsen- Altenburg, Prinz Hermann von Sachsen-Weimar, der Kron­prinz und die Kronprinzessin, Prinzessin Eitel Friedrich, die Minister Graf Posadowskh und v. Einem und die Staats­sekretäre v. Tirpitz und v. Tschirschkp.

Zu einem Artikel derTägl. Rundsch.", welcher berichtet, daß mit der Firma v. Tippelskirch u. Co. fortgesetzt Verhandlungen geführt werden, die dahin gehen, die genannte Firma zu verstaatlichen, erfahren wir von zuverlässiger Seite, daß die im Mai begonnenen Ver­handlungen mit vcr Firma fortgesetzt werden im Sinne der Reichstagsresolution, welche darauf abzielt, sämt­liche über ein Etatsjahr sich erstreckenden Lieferungs­verträge aufzulösen.

Eine Anzahl von Beamten der Militärver­waltung erhält infolge einer Kabinettsordre neue Ab- zeichen für Epauletten und Achsel st ücke.

Vom polnischen Schulstreik.

Am 4. d. M. sollte in dem posenschen Städtchen Mo­sch in eine von polnischer Seife einberufene politische Versammlung stattfinden, die jedoch polizeilich ver­boten wurde. Reichstagsabg. Chlapowski versuchte nun­mehr im Freien die Menge anzureden, was ebenfalls nicht gestaltet wurde. Trotzdem kehrte Chlapowski gleich darauf in einem Wagen zurück und versuchte nochmals, eine Ansprache an die Menge zu halten. Die Polizei in­hibierte auch dieses, woraus die Menge die Polizei tätlich angriff, sodaß diese sich gezwungen sah, von der blanken Waffe Gebrauch zu machen. Mehrere Ver­haftungen wurden vorgenommen.

Kardinal-Fürstbischof Popp in Breslau hat in der Angelegenheit von zehn Geistlichen in Schlesien ein­zuberufenden Volksversammlungen, die, sich mit dem Schul­streik befassen sollten, dem Hauptbeteiligten Skowronski es zur Pflickch gemacht, das Komitee aufzulöscn und den Wunsch ausgesprochen, daß die Versammlungen unter­bleiben. Darauf gab die Geistlichkeit bekannt, daß das Komitee aufgelöst sei und die Versammlungen nicht statt fänden. In oberschlesifchen Polcnkrcisen herrscht deshalb große Erregung.

FiusKschcs.

Wie Petersburger Blätter melden, wurde der Kom­mandeur des 35. Infanterieregiments in Nowgorod, Oberst Boscheranow, bei einer Felddienstübung durch einen Scharfschuß verwundet.

Dem General Stössel, der ohne Pension verabschiedet worden ist, wurde im Gnadenwege ein monatliches Rn he- gehalt von 125 Rubel bewilligt.

Der Petersburger Stadthauptmann gibt bekannt, daß den jüdischen außerordentlichen Herren der Universität keine Aufenthaltsscheine mehr verabfolgt werden. Deren Ausweisung stehe bevor, die Kollegiengelder würden ihnen zurückgezahlt.

In Helsingfors wurden aus dem Eisenbahn-Kassen­zimmer 7 4 000 fi nische Mark geraubt. Man verfolgte die Räuber und nahm zwei von ihnen fest. Das gestohlene Geld wurde bei ihnen aufaefunden.

Ausland.

London, 5. Nov. Die Hafenbehörde in Cowes ist angewiesen worden, eine Boje für die JachtHohenzvllern" neben der Boje für die königliche Jacht zu reservieren, da der Besuch Kaiser Wilhelms zu der im nächsten Jahr stattfindenden Regatta zu erwarten sei.

Rom, 5. Nov. TerPopolo Romano" sieht in Tschirschkys Unterredung mit dem König und dem Mi­nister des Aeußern und in dem überaus herzlich ge­haltenen Notenaustausch zwischen diesem und Goluchowskys Nachfolger ein beredtes Zeichen dafür, daß die Richtung der italienischen Politik die alte bleiben, der Dreibund sich aber nach der ö st e r r e i ch i s ch e n Seite hin i n n i g e r und kräftiger ausgestalten wird. Dessen freue sich das italienische Volk herzlich und darum hoffe es auch, die guten Vorsätze des Freiherrn von Aehrenthal und Tittonis bald zur Tat werden zu sehen.

W i e n > 5. Nov'. Das A b'g e o r d n e t e n h a u s begann mit der Beratung des Dringlichkeitsantrages auf sofortige Vornahme der zweiten Lesung der Wahlreform. Schö­nerer wirft den Deutschen in den heftigsten Ausdrücken schamlosen Volksverrat vor, weil sie für eine Vor­lage einträten, welche das Deutschtum schädige, den Slaven Vorteile zuwende und ihren Ursprung derKoalition des Judentums mit dem Pfaffentum" verdanke.

Budapest, 5. Nov. Der Jmmunitätsausschuß des Abgeordnetenhauses beschloß, den früheren Justiz- Minister Ploß in den Anklage zu st and zu ver­setzen, weil er die Einleitung eines strafrechtlichen Verfahrens gegen jene Abgeordneten ange­ordnet hatte, die an der Zerstörung von Einrichtungsgegen­ständen im Abgeordnetenhause teilnahMen, wodurch er die Immunität dieser Abgeordneten vorletzte.

Der Schuster-Hauptmann von Köpenick.

Dee Köpenickcr Hauptmann macht übrigens auch ander­wärts Schule. So kam in Hanau ein Taglöhner auf den eigenartigen Gedanken, die Rolle desHauptmann? von Köpenick" zu spielen. Am Samstag abend warf er sich in Offiziersuniform und suchte mehrere Wirtschaften auf, wurde aber, da er sich über den Erwerb der Uniformstücke nicht auszuweisen vermochte, eingesteckt. Ec trug einen Jnfantcrie- helm, einen noch sehr gut erhaltenen, mit der Regiments- nummer 166 versehenen Infanterie-Ofsiziersüberrock, der innen die Firma Ed. Kühne, Erfurt, enthielt, sowie einen Kavallerie- Offizierssäbel mit etwas abgetragener, silberbesetzter Koppel.

Ein Anonymus machte sich heute den kindischen Scherz, ein dummerweise an uns gerichtetes Tclcgrannnformular zu der schlecht erfundenen Nachricht zu mißbrauchen, daß der Schuster Voigt soeben gestorben sei. Ein witzigerer anonymer Spaßvogel sandte uns folgendes nicht üble Tischlied:

Der Hauptmann von Köpenick.

Melodie: Ich bin der Doktor Eisenbart. Herr Hauptmann A la Eisenbart, Valleralleri juchhei!

Nach Köpenick tritt an die Fahrt, Valleralleri juchhei!

Ging dort zum Rathaus, hört, o Graus, Valleralleri juchheirassa!

Schmeißt flugs den Bürgermeister 'raus.

Valleralleri juchhei!

Als Zweiter folgt der Herr Rendant, Valleralleri juchhei!

's ist kaum zu glauben, diese Schänd', Valleralleri juchhei 1

Ganz stillvergnügt schreibt hinterdrein Valleralleri juchheirassa!

Der Hauptmann, denn der Sieg ist sein.

Valleralleri juchhei 1

Er kommandieret nach der Tat Valleralleri juchhei!

Die Grenadier' nach seiner Art, Valleralleri juchhei!

Gehorchend seinen: Heldenblick

Valleralleri juchheirassa!

Marschier'n sie nach Berlin zurück Valleralleri juchhei!

Doch schnell die Polizei fing ein Valleralleri juchhei!

Den edlen Feldherrn Knickebein, Valleralleri juchhei!

Sehr stolz er war aus seine Mütz', Valleralleri juchheirassa !

Ob die Kokarde auch nichts nütz'. Valleralleri juchhei!

Just eine weise Lehre wir Valleralleri juchhei!

Aus dieser Sache ziehen hier, Valleralleri juchhei!

Denn die Moral von der Beschicht: Valleralleri juchheirassa!

Trau einem Schuster-Hauptmann nicht!

Valleralleri juchhei l

Gießen. A. W.

15 0 000 Mark für denHauptmann von Köpenick" sind von einem Manager der Berliner Polizei ge­boten worden. Der Unternehmer wollte sich verpflichten, den Hauptmann" nach drei Monaten wieder zurückzubringen, außerdem die Kosten für die dauernde Ueberwachung durch Kriminalbeamte zu tragen, sowie den Gauner zu allen Ter­minen rechtzeitig vorzuführen. Auch demHelden" selbst hat der Unternehmet' eine ansehnliche Summe zugcsichert. Selbst­verständlich hat die Polizei das Anerbieten abgelehnt. Die Untersuchung gegen Voigt führt der Untersuchungsrichter Dr. Nothardt vom Landgericht II in Berlin. In dessen Gegenwart hielten die Rechtsanwälte Dr. Schwindt und Bahn mit dem Angeklagten die erste einstündige Konferenz ab, nach­dem die Direktion des Untersuchungsgefängnisses erklärt hatte, daß der gegenwärtige Gesundheitszustand des Voigt dies zu- lasse. Voigt ist, wie verlautet, geistig recht rege und drückt sich gewandt aus. Allerdings hat er die Schule in Tilsit bis zur Tertia besucht. Körperlich macht er den Eindruck eines stark mitgenommenen Mannes, dessen eingefallene Wangen und gelbliche Gesichtsfarbe auf das Vorhandensein eines Leidens schließen lassen. Als Kuriosum und zum Be-- iveise, welches Interesse alle Schichten der Bevölkerung dem Hauptmann" entgegenbringen, sei registriert, daß den Ver­teidigern von verschiedenen Stellen kleine Geldbeträge, von mehreren Damen bei einer Sammlung aber sogar 47 Mk. zur besseren Verpflegung zugewendet worden sind. Die Voruntersuchung dürfte voraussichilich längere Zeit nicht in Anspruch nehmen. Hauptsächlich wird es sich um die Prüfung der Frage handeln, ob Voigts Aburteilung vor der Straf­kammer oder vor dem im Dezember zusammentretenden Schwur- gericht stattfinden soll.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 6. Nov. 1906.

* * Personalien. Durch Beschluß des Großh. Mini­steriums des Innern wurde der Großh. Negierungsassessor Dr. Ernst Goertz in Friedberg mit Wahrnehmung der Geschäfte eines Feldbereinigungskommisiärs für den Kreis Büdingen beauftragt.

Die Rettungsmedaille wurde von Sr. Kgl. H. dem Groß Herzog dem Schiffer Nikolaus Adler V. in Gernsheim verliehen, der am 14. Juli d. Js. einen Knaben vom Tode des Ertrinkens rettete.

Die Rembrandt-Aus st ellung des evangel. Arbeitervereins im Konfirmandensaal, Liebigstraye, war gut besucht. Den Mittelpunkt bildete die schöne Rembrandt- feier am Nachmittag. Eine weihevolle Stimmung brachte

das Zusammenspiel auf Klavier und Harmonium der Herren Reutamtmanu Schäfer und Mnsiklehrer Gernhardt. Sie boten als Einleitung Beethovens Adagio aus dem G-dur-Trio und schlossen die Feier wirkungsvoll ab mit einem Andante von Mendelssohn. Dazwischen hielt Professor Dr. Sauer einen gehaltvollen Vortrag, der leicht verständlich für alle Zuhörer war. Der Redner beantwortete zunächst die Fragen Was sind für uns Nichtkunstler die Künstler; was sind uns die Künstler der Gegenwart und was die früherer Jahr- lunderte. Auf Rembrandt übergehend beleuchtete der Vor­tragende in kurzen Zügen die Lage in Deutschland und Holland zu Lebzeiten Rembrandts, die Verhältnisse, aus denen dieser hervorgiug und sein tragisches Lebensschicksal. Sodann zeigte | er an Hand dec ausgestellten Bilder die Entwickelung Nein- brandts als Künstler von seiner Jugendzeit an. Die An­wesenden erfuhren, aus welcher Veranlassung die einzelnen Bilder entstanden sind, was sie besagen wollen, worin die Eigenart dec Gemälde, Zeichnungen und Radierungen Rem­brandts besteht, und in welcher Hinsicht der genannte Künstler unerreicht geblieben ist. Mit Beantwortung der Frage: Was ist uns Rembrandt, was ist er für die Gegenwart? schloß der Redner seinen klar gezeichneten, vorzüglich ausgeführten Vortrag. Die Ausführungen des Redners hatten bewirkt, daß Rembrandt und seine Hauptwerke auch den, einfachsten Zu­hörer innerlich nahe gebracht waren. Manchen der Anwesen­den erschienen jetzt die Bilder als neue Bekannte, sie nahmen päter Gelegenheit, die Ausstellung nochmals zu besuchen, die Darstellungen eingehend zu betrachten und sich in die Einzel­heiten zu versenken. Freude an den Schönheiten der Natur ist Jedermann zugänglich, der Sinn dafür besitzt. Nicht so^ war es bisher mit den Darbietungen der Kunst. Speziell im Bilderbetrachten fehlt zumeist noch die Uebung, bis vor kurzem auch die Gelegenheit. Erst die neuere Technik bringt uns gute Reproduktionen von Kunstwerken zu billigen Preisen. Sachkundige Anleitungen wie z. B. der Vortrag von Prof. Dr. Salier soffen Freude an der Kunst Jedermann finden, bei dem natürliches Gefühl dafür vorhanden ist.

* Die Landwirtschaftskammer wird, wie uns alls Darmstadt drahtlich gemeldet wird, am nächsten Freitag, den 9. d. M., 311 einer kurzen Taglmg zusammentreten.

* * G est 0 h l e n. Gestern abend wurde in der Bahnhof- 'traße hier ein Fahrrad gestohlen. Der Täter, ein junger Bursche Namens Theis, wurde in Butzbach vom Gen­darmerie-Wachtmeister angehalten und heute morgen mit dem Rad beim Großh. Polizeiamt hier abgeliefert.

* * Im Adamsk0stüm. Am Samstag brachte nach de»uFranks. Gen.-Anz." ein hessischer Gendarm einen zu önf Jahren Zuchthaus verurteilten Mann nach Frankfurt, um mit dem ersten Zuge nach Butzbach weitcrznfahren. Dort öllte der Verurteilte die fünf Jahreabmachen". Während des Aufenthalts wurde der Sträfling in die Arrestzelle des Hauptbahnhofs gesteckt, um ein Entweichen zu verhindern.^ Als nach etwa einer Stlmde der Gendarm den Mann abholen wollte, präsentierte sich dieser seinem Begleiter int schönsten Adamskostüm. Seinen Anzug hatte er in lauter kleine Stücke zerrissen. Dem Gendarnt blieb nur übrig, für den Sträfling einen alten Anzug bei einem Trödler zu kaufen. Mit diesem angetan, die Hände geschlossen, ging die Fahrt nach Butzbach weiter.

t Steinberg, 6. Nod. Am vergangenen Sonntag hielt der Turnverein SteinbergGut Heil" sein erstes Ab turn en ab. Nach der ersten Uebung verlas der Vorsitzende die Satzungen und hielt eine Ansprache, die mit dem Gelöbnis der Pflege vaterländischer Gesinnung und mit einem Gut Heil auf die Deutsche Turnerschaft endete. Die turtterisch.en Leistungen des Vereins, der ersts im August d. I. gegründet wurde, waren befriedigend. Sehr lobenswert waren die Pyramiden, die abends am! Lukherberg unter bengalischer Beleuchtung gestellt wurden. Möge der Verein, der jetzt 85 Mitglieder zählt, weiter blühen und gedeihen. Der zweite Teil des Programms wurde durch eine gut besetzte Tanzmusik in dem Saal zunt grünen Baum ausgefüllt, die die hiesigen sowie die auswärtigen Turner bis zur frühen Morgenstunde zusammenhielt und, bestens verlief.

k- Aus der Wetterau, 4. Nov. Goldene Hoch­zeit feierten heute Landwirt M. Jung und seine Ehesratt geb. Schepper in Hochweisel; gleichzeitig feierte ein Enkel des Paares sein Hochzeitsfest. DaS Jubelpaar erfreut sich noch bester Gesundheit. Die ganze Gemeinde nahm Anteil an der kirchlichen Feier. In Nieder-Weisel starb die älteste Einwohnerin, Witwe Häuser, 85 Jahre alt. Daselbst ver­schied auf dem Felde infolge Herzschlags der junge Landwirt Bill. In Holzheim brannte die Hofraite des Land­wirts Zeiß nieder.

h. Frankfurt a. M., 5. Nov. Der Schutzmann Bischoff vom Polizeirevier am Geistpförtchen wurde infolge einer Verwechselung in der letzten Nacht von Zuhältern überfallen und mit einem Schlagring, sowie durch einen Messerstich in den Kopf schwer verletzt. Der Schutzmann hatte Zivilkleider an und war außer Dienst. Der Uebersall galt den, Schutzmann Velletat. Der Haupttäter ist der Tage­löhner Julius Benkner, der verhaftet wurde.

Bingen, 5. Nov. Eine greuliche Totschlags­affäre ist heute nacht gegen 12 Uhr im GasthausZur Stadt Mainz" vorgckommen. Ein auf dem DampferStadt Straßburg" und ein auf dem SchiffCokonia VII" be­schäftigter Matrose trafen zusammen. Der erstere schien dem anderen, einem Schweizer, etwas nachzutragen. Es entstand ein Streit, wobei der erstere dem anderen ein Messer in den Unterleib stieß. Der Gestochene, ein Mann im Alter von 26 bis 28 Jahren, blieb sofort tot. Der Täter hat die Tat bereits eingestanden und wurde verhaftet. Das Meffer, mit dem er die Tat verübte, ist ein gewöhnliches Taschen­messer. (Frkf. Gen.-Anz.)

* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. Ein Artillerie-Offizier aus Mainz wollte mit einem Fuhrwerk von Budenheim nach Gonsenheim fahren. Die Pferde gingen durch und der Wagen zerschellte an einer Straßenkreuzung. Ter Offizier und der Kutscher wurden aus das Straßenpflaster geschleudert. Ersterer wurde schwer ver­letzt ins Krankenhaus gebracht. Georg Greb III. zu Eichen- r 0 d wurde als Bürgerineister wiedergewählt und bestätigt. Wilhelm Löffler von E i ch e l s d 0 r f ist als Beigeordneter ge­wählt und bestätigt worden. JnDorn-Asscnheim hat sich ein Turnverein gebildet, der unter der Leitung des Lehrers Roth steht. Ter Verein will sich dem Turngau Hetzen anschließen. Durch den niedrigen Wasserstand wurde bei Kostheim der Rest einer Pfahl brücke bloßgelegt. Der klerne Wasscr- stand erlaubt es, die nötigen Feststellungen zu machen..