Ausgabe 
7.7.1906 Erstes Blatt
 
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?? c toh o r T, 7. Juli. D. D. He st wood, Präsident des westlichen Bevgarbeiterbundes, der auf die Mtklage hin, den früheren Gouverneur Steurenberg ermordet zu haben, im Gefängnis sich befindet, wurde gestern von der sozialistischen Partei als Kan di d at r den ®out>er= nettrposten von Colorado aufgestellt.

Heer und Flotte.

, Ein Lemberger Blatt verzeichnet das Gerücht, der Kaiser werde den großen Herb stm an Svern in Schlesien nicht beiwohnen, da die Landesregierung Kenntnis erhalten habe, daß sich in Schlesien Anar­chisten aufhalten.

Graf und Wäscherin.

(Original-Artikel des Gießener Anzeigers.)

M. Frankfurt a. M., 6. Juli.

Stoff zu einem Sensationsroman liefert nachstehender Prozeß, der nur ein Glied in der Kette der Prozesse bildet, die dem Hause Erbach-Erbach bitrcb die Vermählung des Erb- grafen Erasmus zu Erbach-Erbach mit der bildhüb­schen Tochter einer Wäscherin, erwachsen sind. Erbgra' Erasmus zu Erbach-Erbach heiratete am 1. September 1905 in London die Tochter der Wäscherin Dorothea Fischer, geb. Voll, die seit September 1900 in jener Eigenschaft bei dem Vater des Erbgrafcn tätig war. Tie Verwandten des jungen Grafen waren gegen diese Verbindung. Sie beschlossen, daß im Falle des Fortbestandes der unebenbürtigen Ebe dem Erb­grafcn die Erbschaft des Millionen betragenden Vermögens und des gesamten Fideikoinmiises nicht zu fall en solle. Es wurde beantragt, die Ehe im Wege der Klage für nichtig zu erklären. 'Dann wurde bei dem Amtsgericht Homburg n. ix H. der Antrag gestellt, den jungen Grafen Erasmus für geisteskrank zu erklären und den Vater als Vormund zu bestellen Graf Georg Albrecht zu ^Erbach-Erbach, der Vater des Erbgrafcn, veranlaßte alsbald, daß sein Sohn den ehelichen Wohnsitz in Ol erursel in: Taunus verließ und sich in die auf der hohen M-wk belegen-'' Nerven- Heilanstalt des Dr. Friedländer begab, wo er sich zur Zeit noch aufhält. Als Okaf Erasmus fein Heim verlassen hatte, «wlftelt seine Gattin einen Bcttaa von 200 Mark monatlich zur Be- streittmg ihres Wterhaltes. Diese Summe war ihr ab--^zu wenig, da sic mit dem Erbgrafen lurur-ös gelebt hatte. Sie forberte daher 500 Mark monatlich. Die cklagc wurde bei dem Landgericht Frankfurt anhängig, das sie aber mit der Forderung abwics, so das; die Gräfin gezwungen Ivar Berufung einzulegen, wenn sic zu ihrem vermeintlichen Recht gelangen wollte. Das Oberlandesgericht hatte sich denn auch mit dem Prozeß zu beschäftigen. Die Gräfin, wohl eingeschüchtert durch das erst­instanzliche, Erkenntnis, reduzierte ihre Ansprüche dahin, daß fte_ monatlich 300 Mark begehrte. Natürlich sollte ihr dieft ,.Summe" nur bis zur Entscheidung des Ehcprozesses gezahlt werden, dessen Ausgang fte abwarten wird, um dann vermutlich neue Forderungen aufzustellc-n. Begründet wurde nun diese Forder­ung zunächst damit, daß der Erbgraf eine jährliche Apanage von 9000 Mark beziehe, von seinem Vater außerdem einen erheb­lichen Zuschuß erhalte, und standesgemäß mit ihr gelebt habe. In der Verhandlung vor dem Oberlandesgericht gelangte ein Schreiben, des Oberarztes der Nervenl>cilanstalt Dr. Märchen ?ur Verlesung, das an die Grösin gerichtet ist, und in dem es n. a. heißt, daß der Erbgraf dm Ansicht sei, cs wäre besser, wenn er vorläufig nicht mft ihr zusammen komme. Der Erbgraf lasse ihr sagen,, daß er, nach wie vor für ihre Bedürfnisse sorgen werde. Trotz dieses Brieses beharrte Graf Erasmus zu Erbach-Erbach aber auf der Abweisung der Klage, denn er erhalte, seitdem er tn der Anstalt sei, nur noch ein Taschengeld von 100 Mark monatlich. Richtig sei, daß er eine Apanage von 9000 Mark bekommen habe. Der Rechtsarrwalt der Klägerin, Dr. Wnrz- mann machte vor dem Oberlandesgericht geltend, daß die Vor instanz die Klage abgewiescn habe, ivcil der Beklagte jetzt nach seinen Verhältnissen leben müsse, selbst, wenn er auch dem hoben 2ldcl angchore. Es komme wohl aber nickt darauf an, welches Einkommen der Erbgraf gemäß dem Hausgesetze derer zu Er­bach-Erbach besitze, sondern wclckes tatsächliän' Ernkommcn er habe und hierzu gehöre eben die Apanage von jährlich 9000 Mk. Der verlassenen Gräfin könne man nicht zumuten, nun mit 2400 Mark auszukommcn, denn der Erbgraf habe mit ihr fürst- lick in Deutschland und England gelebt und ihr fürst­

liche Gesäwnke gemacht. Zum ^Beweise hierfür legte her Anwalt dem (Herickt einen kostbaren Brillantschmuck vor. Die Gräfin habe ihre Eltern zu unterstützen und send? ihnen monatlich 30 bis 40 Mark. Im Oktober 1905 habe Hoftat Mcckcl der Mutter der Gräfin gekündigt. Nun erhalt? hie bejahrte Frau keine Stelle mehr, iveil die Leute sagten, sie besitze ja eine reiche Tochter. Die alte Wcisckfcrin verdiene monatlich nur drei Mark. Ihr lungenkranker Mann sei arbeits­unfähig. Der Erbgraf habe das Ehepaar unterstützen wollen, aber , nur zweimal habe er Unterstützungen gegeben Daß dic Gräfin mit, 200 Mark nicht auskommen könne, gehe auch daraus hervor, daß sie dcm Dienstmädchen 20 Mark invnatlich zu be­zahlen habe. Schon zweimal sei die Gräfin von ihrem Gatten ,um Darlehen angegangen worden, doch hätte sie hem Wunsche nicht willfahren können. Referendar Horowitz, her Vertreter der Gegenpartei führte u. a aus, daß nach einer eidesstattlich abgegebenen Versicherung des Hofrates Richter, die Gräfin außer den 200 Mark noch eine 750 Mark jährlich kostende Wohnung ftei erhalte, den Lohn für das Dienstmädch.'n extra bekomme und zudem dic vom Erbqraftn gekaufte Wohn- img^etnridttung besitze. Nach Richters Aussage sei das Vermögen des Erbgrafen gleich null. Er werd? überhaupt nichts erhalten, wenn die Ehe nicht für ungültig erklärt werde. Infolge seiner Nervosität sei der Erbgraf nickt erwerbsfähig. Im vorigen Jahr habe der Vater 21N 090 Mark Schulden des Sohnes bezahlt. Infolge des Schnldenmackens labe die Entmündigung des Erbgrafen stattgefiinden. Die Verpflichtung des Vat?rs als Vormund sei kürzlich erfolgt. Rechtsanwalt Dr. Wurzmann betonte, gegen die Entmündigung sei bereits' die Anfecktungs- klage in die Wege geleitet worden. "as Oberlandesgericht wies die Berufung des Klägers zurück.

Aus Stadt uns tiand*

Gießen, den 7. Juli.

Ein neuer Roman beginnt heute in den .Gießener Jamilienblättern."Ter Stern" von Ulrich Jrank (Pseudonym einer als Schriftstellerin und Jour­nalistin wohl bekannte Berliner Dame) ist eine spannende Erzählung aus dem modernen Theaterleben und nament­lich die Gestalt der Titelheldin ist der Verfasserin sehr gut gelungen. Die Tochter eines Kleinstadtkantors wid­met sich aus das Drängen ehrgeiziger Verwandten hin der Bühne und erringt als Opernsängerin große Erfolge. Sie bleibt dabei in ihrem innersten Wesen schlicht und einfach und ihre edle Frauennatur bleibt unberührt von all dcm Unschönen, das sich ihr während ihrer Künstlerlaufbahn in den Weg drängt. Auch als liebende und geliebte Gattin eines Jugendfreundes bleibt sie der Bühne treu. Die Herzenskämpfe, dieDer Stern" durchkämpft, bis er zu diesem Ziel gelangt, find in dem Roman in lebendiger, schöner Sprache geschildert.

** Vom Kaiser Wilhelm-Regiment. Das Regiment kehrte heute vormittag 11 Uhr von einem großen Nach t fe ld dien ft zurück, der in der Gegend von Nieder­kleen, Kirch-Göns und Butzbach stattfand. Das Regiment war bereits nachts 12 Uhr ausgerückt und marschierte über Klein-Linden, Großen-Linden und Hörnsheim nach dem Kleebachtal bei Dornholzhausen und Nicdcr-Kleen. Dort

Bis zum 5. Juli

vermuten ließ erschienen zu täuschen, verschwunden, eines reichen

sic war, wie sie ging und stand, ohne Gepäck gelang es ihr doch, ihre Logicrwirtin einige Tage Als der Schwindel cingesehen wurde, war sie Bei einem Gastwirt gab sie sich, als Begleiterin Kommerzienrats aus. für den sie sich um eine

Als sic nack einigen Tagen gefragt wurde, weshalb die Fraut Dekan so lange ausblcibe, erklärte sie lächelnd, sie sei die Frau selbst, sie habe sich deshalb als Dicnstbotc ausgegeben, um zu sehen, welche Behandlung das Dienstpersonal in Bad- Nauhcim erfährt. Obwohl ihr Acußeres eine reiche Dame nicht

Wohnung umsehen sollte. Sie wußte ihn acht Tage lang hin- zuziehen, ohne zu zahlen, da sie das ausländ''chc Geld vor Ankunft des Kommerzienrats nickt wechseln lasten wollte. Als der Wirt auf Zahlung drang, bot sic ihn mituf dic Bank zu gehen, um Geld zu wechseln. Sic wollte fick noch etwas auf ihrem 3immer holen, blieb aber lange ans, als man nach ihr sehen wollte, stellte sich herw3, daß sie über eine Mauer entkommen war. Es gelangen ihr noch drei weitere Be­trügereien unter den nämlichen Umständen. Da sic von Frank­furt a. M. ebenfalls wegen Betrugs verfolgt wird, legte sie fick einen falschen Namen bei, der auch in die Fremdenbücher eingetragen wurde. Bei ihrer Verhaftung bediente sic sich der Polizei gegenüber aud) eines falschen Namens. Sie wurde des Betrugs in sechs Fällen für schuldig erkannt und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, wobei der Umstand, daß sie infolge eines Leidens in ihren Erwerbs Verhältnissen gehindert ist, strafmildernd angesehen wurde Wegen der falschen Namens­angabe der Polizei gegenüber erhielt sie eine durch dic er­standene Untersuchungshaft als verbüßt erachtete Haftstrafe von einer Wockc., Da nicht mit Sicherheit angenommen werden konnte, daß die falschen Ei'träge in die Fremdenbücher zwecks Täusch­ung der Behörden erfolgt ist, trat bezüglich dieses Punktes Freisprechung ein.

Universitäts-Nachrichten.

Dir 50jährige Jubelfeier als Doktor der Medizin be­geht am 9. Juli der ordentliche Professor der Zoologie an der Univerfität Freiburg i. Br.. Geheimrat Dr. med. et. phil. August WeiSmann. Der Gelehrte ist ein Forscher von Weltruf, dessen Arbeiten auf die Ent­wicklung der niobernen Bioloaie bestimmend eingewirkt. Geboren wurde er 1834 zu Frankfurt a. M. Noch Vollendung seiner medizinischen Studien kam er 1863 zu Prof. Leuckart nach Gießen, um sich der Zoologie zu widmen. In demselben Jahre habilitierte er sich in Freiburg i. B. für Zoologie und vergleichende Anatomie. Vier Jahre später wurde er dort Extraordinarius und 1874 ordentlicher Professor Darwins Lehre zu verkünden, betrachtete Pros. Weismann als seine Hauptaufgabe als Lehrer, sie weiter auszubauen und zu befestigen war daS Ziel seiner Forschungen. Eingehendes Studium widmete er den Vererbungserscheinungen.

Sandel und Verkehr, Volkswirtschaft.

B ei der portugiesischen Tabakgesellschaft hat eine Feuersbrunst einen Schaden von 2 */7 Mill. Frcs. ver­ursacht. Er ist durch Versicherung gedeckt, führt aber längere Be­triebsstörungen herbei.

Voit der B e r 1 i n e r B ö r s e. Die Börsentendenz ist wieder schtvach, tvegen Beginn der Schulferien, der Newyorker Kursschwankungen, der Minenbaisse in London und Paris und der Eingaben, wonach der Zar sich für Auslöstutg der Dunta aitSge- svrochen habe. Auch Lombarden, wie alle österreichischett Werte gingen zurück atü den Zollkrieg mit Serbien. Fonds waren un- luftig ; Russen wichen bis 40 Cents. Zu Schluß war die Haltung wieder etwas fester; der Privatdiskont 3 7? pCt.

Verei n Deutscher Werkzeugmaschinen- Fabriken inDüsse 1 do r f. Nach dem Bericht über das zweite Quartal 1906 war die Beschäftigung sehr gilt; erheblich besser als int ersten Vierteljahr. Doch fehlt es an tüchtigen Facharbeitern, namentlich an Drehern und Schlossern herrscht ein immer stärkerer Mangel. Selbst andere Arbeiter waren an manchen Orten in ge- nügenber Anzahl nicht zu bekommen. Die Löhne steigen fort­dauernd.

Märkte.

Gießen, 7. Juli. Marktbericht. Auf heutigent Wochenmarkte kosteten: Btitter pr. W 1.101.20 Mk.. Hühnereier 1 St. 6-7 Pfg., 2 Stck. 0000 Pfg., Gänseeier 0000 Pfg., Enteneier 7 Pfg., Käse pr. Stck. 68 Pf., Kasematte 2 Stck. 56 Pfg. Erbsen p. Pfund 22Pfg., ßiufon v. Pfund 32Psg., Tauben vr. PaarO,80-1,00 Mk., Hühner pr.St. 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80-2,20 Mk., Gckise nr. Pfo. 00-00 Pfg., Ochscmleisch pr. Md. 7684 Pfg., Kuh- und Rindfleisch vr. Psttnd 7072 Psg., Schweine- fle pr. Pfund 8094 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund

Liteearrswcs.

Das eiserne Zeitalter". In dem bereits von uns erwähnten sehr bedeutenden neuen Buch Friedrich Naumanns:Neudeutsche Wirtschaftspolitik* lB"chverlag derHilfe", Berlin) lesen wir:

Wenn ntan früher vom eisernen Zeitalter redete, so verstand man darunter ein Zeitalter grober Gewalt. Nun, wo die wirk­liche Gifon^eit, vor unserer Schwelle steht, sühleit wir, daß sie doch sehr anders ist, daß sie ©eroalt ist, aber nicht tu Grobheit, sondern in Akkuratesse. Erst der Eisenbetrieb hat uns präzis gemacht; denn das gerade ist ei ie der Eigenschaften des Eisens, daß es mit weniger Quantum dasselbe tut, was Holz oder Steiit mit vieler und darum oft grober Quantität geleistet haben. Das wirkliche Eisenzeitalter legt eilt großes Gewicht auf kleine Maße und Diffe­renzen. Erst mit der Eisenbahn wurde der Verkehr zuverlässig. Und welche Verfeinerung des Nachrichtendienstes liegt im Tele­phon! Ja selbst der schwerste Schmiedehammer ist nicht nur schwer, sondern auch absolut genau : Die Wucht im Bann des Millimeters! Es ist deshalb nicht ztt viel gesagt, wenn man die Eisen- produktion als die größteErzieherin ihrsMenschen- v o I f e S bezeichnet, ein Punkt, den wir hervorheben, weil die ganze Präzisionsmethode in Handel Preisbildung, Arbeitsorganisation hier ihre Urquelle hat.

Von denBlättern dcS Deutschen Monistenbnndes" lHerausgeber Dr. Heinrich Schmidt-Jena) ist die erste Nummer erschienen. Sie enthält folgende Beiträge:Das Präsidium des Deutschen Monisten- bundeS" von Ernst Haeckel,Gott" von Heinrich Schmidt,Was will der Deutsche Montstenbund?",Der Zusammenschluß der freien Geister" von W. Dreitenbach. Auch Nichtmitglieder dcS Bundes können dieBlätter" von der Verlagsbandlung Dr. W. Breitenbach in Brackwede i. W. oder durch jede Buchhandlung beziehen.

= Bad-Nauheim, 6. Juli, r* u '

sind 14820 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem

ZCtwft und Wissenschaft.

Der Ausschuß zur Prüfung des Baues des MarkuS- T tt r m e § hat seine Arbeiten volleitdet. Der Bericht erhebt An­klage gegen den Erbaue r '? D. Red.) des Markusturntes. Atif Grund dieses Berichtes ließ der Bürgermeister Gnmani die Arbeitett eiustellen und ernannte eine neue Kommission, um die begangenen Fehler auszubesscnt.

Eine gro ßartig e deutsche Erfindung im T c 1 c g r a p hc n we s c n. Aus München berichtet man: Sie­mens u. Halske machen in München auf der Leitung München- Nürnberg ober- und unterirdische Versuche mit einem neuen schnellwirkenden T p p cn d ru ck t eke. g r a p hc n. Er gibt durchschnittlich 2000 Zeichen in der Minute über einen Trabt und in einer Richtung. Der den Apparat bedienende Telegraphist tippt mittest der Rcmingtonsckrcibmaschme auf das Papierband, das auf dem schmalen oberen Rande die Schrift- reichen ivicbergibt. inälyrenb von oben schräg nach unten gleich­zeitig für jedes Zeichen zwei Lochungen erscheinen, die in ver­schiedenen Zwischenraumkombinationen sämtliche erforderlicke Schriftzcichen bringen, und auf ihre Richtigkeit durch die sofort ichtbar werdende Maschinensckrrist mühelos kontrolliert sind. Das Band wird nun mit oroßer Sckptelligkeit durch den Ofoberapparat gejagt, worauf im Empsanasapverot dic Sckreidmaschincntvven Vchobographiert erscheinen. Dieser große Erfolg der deutschen Technik ist, so sckweiben die ,,Münch. N. N.", um so erfreulicher, als bisher die d-utschcn Minter lediglich auf Erfindungen des Auslandes ana?'- - -'m waren, betten nun eine überlegene deutsche Erfindung gca- 1 rmtretett scheint.__

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 6. Juli.

..Die Ar Leiterin M. E. D. hier übernahm im ver­stossenen Monat bei einem Lehrer eine Auschilfsstelle als Dienst­mädchen. L-chon am dritten Tag stahl sic ihrer Dienstherritt eine golbene Damenuhr mit Halskette im Werte von 80 Mark und verschiedene Kleider und Wäschestücke, womit sie sich heimlich ent­fernte. Es stellte sich heraus, daß die 22 jährige Angeklagte bereits acht Vorstrafen hat und erst im Mai d. I. in'Darm­stadt wegen Diebstahls unb Hehlerei mit ß Monaten Gefängnis bestraft worden ist. Das Olericht hielt sie für eine geistig minder­wertige Person, die sich über den Begriff von Recht und Un­recht im Unklaren zu fein scheint. Sie hat eine schlechte Er­ziehung genossen und thr Hang zum Diebstahl beweist, daß fte der an sic heran tretenden Versuchung nicht so leicht wider stehen kann. Unter Berücksichtigung dieses und der Tatsache, daß das gestohlene Gut alsbald wieder zurückgegcbcn werden .onnte, wurden ihr mildernde Umstände zugebftkigt, weshalb te statt des angedachten Zuchthauses, mit 8 Monaten Ge­fängnis durckkam.

Wegen Diebstahls im Rücksa 11 erhielt die Tag- lohnerm 2,. ^p. von Obcr-Schmitten 4 Monate Gefängnis. Lie hat gelegentlich einer Versteigerung in Nidda, ein von einem bärtigen Einwohner erstandenes Sophakissen 'im Werte IrnK Ei $f. entmenbet Sic berief fick auf Schwerhörigkeit unb behauptete fte halt? auf das Kissen geboten. In der Annahme ne hatte den Zuschlag erhalten, will sic es, zwar ohne Zahlung zu leisten, mitgenommen haben. Da sich ihre ^Mben als unwahr erwiesen, wurde sie für übernihrt er­achtet, aber mit Rücksicht auf ihre geistige Minderwertigkeit und die Geringfügigkeit ' - Gestohlenen, mildernde Umstände an­genommen.

Th bic 34 i. ä b r i g e Dienst ma g d M.

Th. von Holzhansen in Vatern mittellos in Bad-Nauheim an. x^xe stieg tn einem Gasthof ab und mietete neben einem Zimmer für sich, ein folckes angeblich für ihre Dienstherrin eine Dekanswttwe, die krnnfl>eitshalber genötigt sei, sich einer "verziehen. Als die Dame ausblieb, mürbe Verdacht geschöpft, worauf die ?kngeklagte crflärte, es sei ihr auf der Balmlifts 5" in das in der Nähe des

Bahnhofs liegende Hotel^Jmpertal gebracht werden mußte. Der Hotelter ichtckte seinen ^ohn mit der Angeklagten dorthin, sie Clt-^eT *U ^."reben, auf der Straße stehen zu bleiben sis ^un^rai?lf- Stc ging in da? Hotel binciit unb ver- fbmanb durch eine Ture auf der anderen Seite. Nun begab vertrauensseligen alten ledigen Person, bic ich durch Zinnnerver,nteteu ernährt und mietete zwei Zimmer 5 ^nr K bebnmrä^C' ^nnnc-r fiLr bic Dekan sei für h.r(Av«L b b'.llM' ftc könne mindestens 10 Mark

r rSC ^ame sc, zwar anspriichslos, doch sehr reich fte hätte tn der letzten Zett in Monaco enormes Geld gewannen'

Tage noch 6120 anwesend waren. Bader n)urben bis jum 5. Juli 176 258 abgegeben.

§ Worms, 6. Juli. Das diesjährige Rosenfest hat mit einem Ueb er schuß von 6000 Mark abge­schlossen ; die Einnahmen betrugen über 24000 Mark die Ausgaben 18000 Mark. Das Vermögen des Rosett- garten-Ausschusses ist damit auf rund 10000 Mark ge­stiegen, wobei die nicht intbebciitcnbeu Kosten, bic bas Preisausschreiben zur Erlangung von Jbeen für die An­lage des Rosengartens verursacht hat, schon abgerechnet sind. Das vierte Rosenfest soll am 8. und 9. Juni 1907 begangen werden.

** Kleine Mittcilun g e i: a u s Hessen unb d c n N a cb b a r ft a a t c n. In Bad Nauheim rourbc das dem Baitkhause Kahu u. Co.-Fraittfurt gehörige Hotel6n ro- päischer Hof" für 800000 Mk. an den Hotelier Hauff aus Wiesbaden verkauft. In die Mümling gestürzt hat sich der 69jährige Peter Petry von Neustadt i. O., welcher wegen Sitt­lichkeitsvergehen verhaftet werden sollte.

entwickelte sich bas Gefecht. Man dachte sich eine von Wetz­lar vorbringende feindliche Mmee, gegen die das Regiment die Uebergänge besetzt hatten und sichern sollte. Das Gefecht enttmckelte sich hauptsächlich in T>em Dornholzftäuser Wald. Gegen morgen hntrbe in dem Walddistrikt Wehrholz bei Niederkleen abgekocht und um 8 Uhr der Rückmarsch über Lana-Göns, Großen-Linden und Klein-Linden angetreten.

** Folgende gewerbepolizeilichen Revisionen wurden in den Monaten Mai unb Juni vorgenommen:

1. Steinbrüche unb Sandgräbereien tn Bezug auf Einhaltung ber Un fallvcrhüttmgsvorschriften bei bem Ab­bau, ttotz ber in biefen Betrieben häufig vorkornrnenben Unfälle, bereits ergangenen Bestrafungen unb wieberholten Verwarnungen wirb immer ttock vielfach gegen dic Vorschriften verstoßen. 2. Die Unterfun ft^räuntc ber Arbeiter auf den Felbziegeleien unb Einhaltung ber Arbeitszeit b*'r jugend­lichen Arbeiter unb Arbeiterinnen in diesen Betrieben. Trotz­dem auf diesem Gebiete nach vorherigen polizeilichen Verwarn­ungen Bestrafungen ein treten müssen, fand sich auch in diesem Jalfre wieder eine Reihe von Anständen vor. Strafanzeigen wurden erhoben. 3. Die Beschäftigung von jugend­lichen Arbeitern und Arbeiterinnen in Fabriken uirb auf den Konfektionsfoerkstätten in b-zug auf Einhaltung der Arbeitsfoit. 4) Die Beschäftigung v--'. sch n 1 pfl i ch t i g c n Kindern vor und nach 8 Uhr abends, insbesondere die Ver­wendung solcktcr im Wirtsgcwerbc. 5. Tie Herstellung von künstlichem Mineralwasser. 6. Die Barbier- und Friseur st u b c n auf Einhaltung d-r Polizei-Verordnung den (Gewerbebetrieb dic Barbiere bett. 7. Dic Aufbcwahrmtgs-, Ar- beits- und Verkaufsräume der Metzgereien, auf Grund der Bestimmungen her Polizei-Verordnung vom 2. Januar 1891, das Schlachtwesen in der Provinzialhauptstadt Gießen betr. 8. Den Verkauf von Süßrahmbutter in abgepaßtcn Stücken zu einem bestimmten Sollgefvicht. Vielfach ergab sich bei Nach­wiegungen, daß Stücke mit einem Sollgewicht von 250 Gramm ein Mindergewicht von 510 Gramm hatten. 9. Entnommen wurd-m eine ?vnzahl Lebensmittelprvben.

* Landes Universität. Der außerord. Pofessor der orientalischen Sprachen Dr. Friedrich Sch wally hat den Ruf an die Universität Aligarh (Ostindien) abgelehnt.

* * WarnuN g. Ein von einem hiesigen Kaufmanns­geschäft entlassener Haus bursche versucht bei der KnndschaftGeld bet rage au szu sch windeln, indem er Warenbestellungen entgegennimmt und um sofortige Bezahlung bittet mit der Motivirung, die Waren bringe er gleich.

* * Roheit. Am Wetterhäuschen in der Süd­anlage wurde in verflossener Nacht von roher Hand eine Glasscheibe zertrümmert.

* Ein wackerer Fußgänger. Um Oberhessen und ^besonders den Vogelsberg zu vurchqueren, hatte sich ein Tourist einen kräftigen Gepäckträger aus einem Heinen Dorfe mitgenommen. Nach einem weiten Gang kehrte man hungrig im Wirtshaus ein, um ein gutes Mittagessen einzunehmen. Als der Dorfbewohner im Begriff tvar sich den dritten Teller Silppe zu Gemüt zu führen, sagte ihm der Tourist, er möge nicht zu viel Suppe esseit, da es nochzwei Gänge" gäbe. Der antwortete der Ländler:Dös packe mer noach, aich sei goat zu