wurf, der den Gegenstand scharfer Kritik bilden dürfte, da sich schon jetzt zahlreiche Stimmen gegen die Tendenz des Entwurfes erheben, der vor längerer Zeit in seinen Grundzügen von Seiten der Negierung der Oeffentlichkeit zur Begutachtung unterbreitet worden ist. Mag auch der Entwurf manche Schwächen haben, so steht es doch außer Frage, daß mit einem derartigen Gesetze den Bauhandwerkern eine große Wohltat erwiesen wurde, da gerade diese durch die vielfach herrschende Baumiserc und schwindelhafte Unternehmer geschädigt werden, weil sie mit ihren Forderungen zumeist das Nachsehen haben. Sonst sind kaum Vorlagen von Bedeutung zu erwarten, auch die verschiedentlich angekündigte neue Flottenoorlage wird unter allen Umständen ausbleiben, da niemand an eine solche innerhalb der Neichsregierung denkt. ES ist auch nicht einmal anzunehmen, daß ein Ersatz für die Kaiseryacht „Hohenzollern" gefordert wird, da es hierbei vielleicht zu unliebsamen Kritiken kommen könnte. Höchst wahrscheinlich ist es, daß auch die so dringend notwendige Reform unsererVersicherungsgesetzgebung kommen wird, da die Vorarbeiten hierzu infolge des Umfanges dieser Materie beendet sind.
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Treu deutsch.
Ein Festmonat i st für das Großherzogtum Baden der September, sind doch 50 Jahre verflossen, seitdem Großher- zog Friedrich von Baden den Thron seiner Väter bestiegen und vollendet der greise Herrscher zur selben Zeit sein 80. Lebensjahr. Auch außerhalb der badischen Grenzpfähle geziemt es sich dieser Ehrentage zu gedenken, denn Baden und sein Großherzog Friedrich waren von je die treuesten Anhänger des deutschen Gedankens, und Baden war der erste deutsche Staat, welcher nach erfolgter Einigung der deutschen Stämme noch einen weiteren Teil seiner Hoheitsrechte aufgab, um eine starke kaiserliche Zentralgewalt herbeizusühren. Ebenso ist es die badische Negierung gewesen, welche bereits Anfang September 1870 in einem Schreiben an Bismarck die Wiedervereinigung Elsaß-Lothringens mit Deutschland und vor allem die Umwandlung des Norddeutschen Bundes in einen deutschen forderte: auch gab Baden im Verfolg dieser Anschauungen seine militärische Selbständigkeit auf und schaffte als erster Bundesstaat seine auswärtigen Vertreter ab. Nicht d ie persönlichen verwandtschaftlichen Bande, welche das Großherzogliche Haus mit den Hohenzollern verknüpfen, waren es, welche diese Politik bestimmten, sondern aus der innersten Ueberzeugung heraus wurden diese Entschlüsse gefaßt. Allerdings war 1866 Vaden auf der Seite der Gegner Preußens zu sehen, indessen geschah dies unter dem Zwange der äußeren Verhältnisse,^ da angesichts der Stimmung der übrigen süddeutschen Staaten; Baden nicht anders konnte, wenn es nicht selbst am schwersten die Last des Krieges tragen wollte. Um so inniger war aber nach erfolgtem Frieden der Anschluß an Preußen und das Beispiel Badens hat sicherlich auch Bayern und Württemberg wesentlich in ihrer spateren Haltung beeinflußt. Ebenso überzeugungs- Ireu waltete der Großherzog im Lande selbst, er kennt keinerlei Vorurteil und war von je ein Vertreter des konstitutionellen Gedankens, der in Baden eine gute Folgestätte hatte: hat man doch darum auch Baden den Beinamen des konstitutionellen .„Baderländle" gegeben. Von schweren Stürmen ist das Großherzogtum ja auch nicht verschont geblieben, als Großherzog Friedrich die Regierung antrat herrschten traurige inuerpolityche Verhältnisse, bis es dem Großherzog und seinen Ratgebern gelang, eine gemäßigte Politik einzuführen, die seitdem auch innegeholten wurde. Freilich hat es auch in der Folgezeit und speziell in den letzten Jahren nicht an scharfen Parteifehden gefehlt, indessen hat sich die Regierung nie eingcmischt, sondern den cingeschlagenen Kurs getreulich inne gehalten. Für all' das weiß das badische Land seinen getreulich.ui Hüter Dank, und die Festestage werden der Bevölkerung die Möglichkeit geben, dem geliebten Herrscher gegenüber ihrer Gesinnung Ausdruck zu geben. Aber auch die übrige deutsche Nation erinnert sick an diesen Tagen doppelt der großen Verdienste des Großherzogs Friedrich von Baden, dem Oheim des deutschen Kaisers, der es namentlich in den ersten Jahren der Rcgierungszeit des kaiserlichen Neffen nicht an weise und abgeklärte Ratschläge hat fehlen lassen, und so hat man auch außerhalb Badens allen Grund, Anteil an den Jubelfesten zu nehmen und (siroßherzog Friedrich als einen der treuester! deutschen Fürsten zu feiern.
Aukland.
Die Ratlosigkeit.
Aus Petersburg' wird uns geschrieben: Trotz aller Prahlereien der Regiernngsklique steht es fest, daß in den Reihen der Bureaukratie eine außerordentliche Ratlosigkeit herrscht. Mle Erwartungen und Berechnungen haben sich Äls falsch erwiesen, und die Regierung sieht jetzt immer üneljr ein, wie unklug sie gehandelt hat, als sie die Gossu- darstwennja Duma auflöste. Man glaubte damals, daß die Revolution völlig gebrochen sei, und daß ein bißchen Terrorismus allein genügen werde, das Land in „Ruhe" zu halten. Man erinnert sich noch, mit welcher Freude und mit welchem Stolz die Regierungsagenten auf die ersten Nachrichten hinwiesen, die von der „Ruhe" im Lande sprachen. Man war schon fast sicher, daß alles gut ablaufen und daß der politisch verbrecherische Streich der Regierung keine weiteren schlimmen Folgen haben werde. Es kam aber anders. Sweaborg, Kronstadt, Vrest-Litowsk, Sebastopol, die Attentate auf Stolypin, auf Minn und auf andere hohe Würdenträger, die immer wachsende Flut der Bauernbewegung — alles zeigte, daß die Regierung sich in der Stimmung der Bevölkerung verrechnet hat. Was aber soll geschehen — darüber weiß niemand etwas Gescheites zu sagen. Die Regierung selbst hat keinen festen Plan und wankt bald nach links, bald nach rechts, und wofür sie sich endlich entscheiden wird, ist vorläufig noch schwer zu sagen.
Um irgendwie einen Ausweg aus der Sackgasse, in die sie geraten ist, zu finden, veranstaltet die Regierung jetzt eine außerordentliche Konferenz, an der sich die allerhöchsten Würdenträger Rußlands beteiligen sollen. Diese Konferenz soll über die folgenden drei Fragen ihr Urteil abgeben: 1. ob es wünschenswert ist, zwecks Beruhigung des Landes, die Duma möglichst bald einzuberirfen; 2. ob es für den jetzigen Moment zweckmäßig und notwendig ist, an den konstitutionellen Prinzipien des 17. Oktobers weiter sestzuhalten und falls nicht — wie die Aufhebung der konstitutionellen Garantien motiviert werden müsse; 3. im Falle einer bejahenden 'Antwort, — ob es für die Bildung einer regierungsfreundlichen Majorität der kommenden Duma zweckmäßig und wünschenswert sei, schon jetzt die von dem Ministerrat ausgearbeiteten Gesetzentwürfe zu verwirklichen.
Sowohl die Fragen wie die Tatsache der Einberufung der Konferenz selbst beweisen, daß von einem' festen Kurs der Regierung keine Rede sein kann. Und diese Unschlüssigkeit zeigt wiederum', toie weit die Regierung davon entfernt ist, die Lage zu beherrschen.
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Gegenübcr widersprechenden Meldungen teilt der Petersburger Korrespondent der „Köln. Ztg." mit, daß angesichts der jüngsten schwerwiegenden Ereignisse Stolypin geneigt ist, die Duma schon zu einem früheren Termin als Februar ein zuberufen. In den letzttägigen Ministerratssitzungen wurden hierüber (Erörterungen gepflogen; , Stolypin wurde angeblich beim
Kaiser dieserhalb vorstellig. In Hofkreisen erhält sich 'v.’.x offiziöser Ableugnungen hartnäckig das Gerücht, daß Trepow sein Amt niederlegen wird. Ein Shstemwechsel sei indessen in der Enthebung Trepows von dem wichtigen Posten nicht zu erblicken, ebensowenig wie in der bevorstehenden Ersetzung des erkrankten Generalgouverneurs von Polen durch General Rennen- kampf. Im Gegenteil sei man an maßgebender Stelle entschlossen, den Revolutionären gründlich auf den Leib zu gehen. Auch sollen die Bestimmungen über das Standrecht wesentlich verschärft werden. — Der Mini st errat hat in seiner Sitzung vom 4. Sept, beschlossen, ein Regierungskommuniquö zu erlassen, durch welches die Gerüchte, denen zufolge die Regierung beabsichtige, das den Ko s a ke n he er e n gehörige Landeigen- tum zu konfiszieren und unter die Bauern zu verteilen, als Erfindung böswilliger Elemente bezeichnet werden, welche im Kvsakenheer Beunruhigung Hervorrufen und die traditionell: Ergebenheit desselben gegen Thron und Vaterland untergraben wollen. Das Kommunique erinnert daran, daß die Ländereien den Kvsakenheeren durch kaiserliche Urkunden auf ewige Zeiten verliehen wurden und nicht enteignet werden können. Bei der Durchführung der Agrarreform werde die Regierung, wie schon öfter festgestellt wurde, an dem Grundsätze der Unantastbarkeit des Privatlandbesitzes sesthalten. — Das Komitee für die Organisation des Agrarwesens stellte Regeln auf für die Benutzung der Kronländercien zur Erweiterung des bäuerlichen Grundbesitzes; diese Ländereien umfassen ein Areal von mehr als 4 Millionen Deßjatinen und geben zusammen Einnahmen im Betrage von 7 Millionen Rubel.
— Ein kaiserlicher NkaS überweist die Strafsachen wegen staatsgefährlicher Propaganda unter den Angehörigen der Armee an die Kriegsgerichte bei gleichzeitiger Erhöhung des bisherigen Strafmaßes.
Ende September findet in Petersburg ein gemeinsamer Parteitag der Oktobristen und der „Partei der friedlichen Erneuerung" statt. Es ist in Aussicht genommen, daß sich der Verband vom 17. Oktober auflöst und der zweitgenannten Partei beitritt.
Der Direktor des Festungsgefängnisses zu Warschau wurde in der letzten Nacht von 6 wachhabenden Soldaten erschossen und der Eingang zu den Kasematten gesprengt. Sämtliche Nachtaufseher wurden geknebelt und 56 Mitglieder des revolutionären Komites befreit. Die meuternden Soldaten sind mit den Befreiten gefluchtet.
Deutsches Reich.
Frankfurt, 5. Sept. Angesichts der bevorstehenden Neichs- tagswahlen haben schon vor längerer Zeit Angehörige der drei Parteien der bürgerlichen Linken, der Freisinnigen Volkspartei, der Freisinnigen Vereinigung und der Deutschen Volkspartei, die Mittel zur Errichtung eines gemeinsamen Parteisekretariats für Frankfurt und die angrenzenden Wahlbezirke zusammengesteuert. Jetzt ist Redakteur Schwarz aus Mülhausen für diesen Posten gewonnen ; er wird sein Amt am 1, Oktober antretefi.
Kiel, 5. Sept. Die russischen Panzerschiffe „Zeßarewitsch" und „Salawa", sowie der Kreuzer „Bogatyr" sind heute vormittag unter dem üblichen Salut in dem hiesigen Hafen eingelaufen. Die Schiffe verbleiben einige Tage hier, um Proviant und Kohlen einzunehmen.
— Prinz Heinrich empfing heute mittag im Stationsgebäude den Admiral und die Kommandanten der russischen Kriegsschiffe. Der Prinz erwiderte alsbald den Besuch an Bord der Schiffe. Im Laufe des Nachmittags begab sich der Großadmiral v. Köster zu einem kurzen Besuche an Bord der drei Schiffe.
Eisenach, 5.Sept. Der Großherzog von Sachsen- Weimar trat heute eine Reise nach Schweden und Norwegen an.
Leipzig, 5. Sept. Dr. Friedrich Naumann hat auf eine weitere Zugehörigkeit zum Kyffhä user-Verbande verzichtet und ist auf sein Ansuchen in der Alten Herren-Liste des hiesigen Vereins deutscher Studenten gestrichen worden.
London, 5. Sept. Der Herzog von Connaught wird heute die Reise von London nach Deutschland antreten, um dort den Manövern beizuwohnen. In Begleitung des Herzogs befinden sich Brigadegeneral Maxwell, der Chef seines Generalstabes, und sein 9(bjutcmt Major Murray.
— In Meigle in Schottland fand heute unter großer Beteiligung die Beerdigung der verstorbenen Lady Campbell Bannermann statt. Auch in London wurden anläßlich der Beerdigung Trauergottesdienste abgehalten.
Paris, 5. Sept. Heute vormittag fand wieder eine Versammlung der Bischöfe statt. Gegen die allgemeine Erwartung erhielt die Presse keine Mitteilung über die Antwort des Papstes auf das gestrige Schreiben der Bischöfe. Man glaubt, daß sie noch nicht eingetroffen sei. Am Nachmittag wurde die vierte Vollversammlung der Bischöfe abgehalten. Auch über diese ist der Presse keine Mitteilung zugegangen. Am Freitag nachmittag schließt die Versammlung die Arbeiten mit einem feierlichen Gottesdienst in der Notredame-Kirche. — Kardinal Richard erhielt ein Telegramm des Kardinalstaatssekretärs Merry del Val, in in dem es heißt: Die Adresse der Bischöfe bereitete dem Papst eine angenehme Genugtuung, denn er sah darin einen neuen Beweis vollkommener Anhänglichkeit des französischen Episkopates an den heiligen Stuhl, der gern auf dieser Anhänglichkeit die Hoffnung gründe, daß die Bemühungen der Bischöfe ihr Ziel erreichen werden, durch das Heil der Kirche Frankreich die wahre Wohlfahrt zu sichern.
Nom, 5. Sept. Infolge von Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Kabinettschef und dem Bautenminister droht eine Ministerkrise auszubrechen. In parlamentarischen Kreisen heißt cs, der Bautenminister werde zurücktreten.
Fiume, 5. Sept. Mehrere Hundert tschechische und kroatische Mitglieder von Gesangvereinen, die in Agram die Ausstellung besucht hatten, durchzogen die Stadt, wobei sie Spottlieder auf Ungarn sangen. Es entspann sich eine Schlägerei zwischen der Bevölkerung und den Sokolisten, wobei mehrere Personen verwundet wurden. Einige Verhaftungen wurden vorgenommen. Militär verhinderte weitere Ausschreitungen. Die Gesangvereine verließen dann die Stadt zu Schiff.
Wien, 5. Sept. Der Kongreß der deutschen Eisenbahnverwaltungen beendete feine Beratungen; er bestimmte als Ort der nächsten Tagung Amsterdam.
— Ministerpräsident Beck wird sich an diesem Samstag nach Budapest begeben, um persönlich die Ausgleichs
verhandlungen zwischen Oesterreich und Ungarn einzu- leiten.
Konstantinopel, 5. Sept. Obwohl der Sultan bereits am vorigen Samstag alle seine Minister sowie die verschiedenen Patriarchen in Audienz empfangen hat, ist bis jetzt noch keine Entscheidung üoer den Empfang der Botschafter getroffen worden. Der amerikanische Botschafter Leishman hat bereits wiederholt eine Audienz verlangt, um sein Beglaubigungsschreiben zu überreichen. Der deutsche Botschafter begiebt sich nächste Woche auf Urlaub.
— Die Botschafter der Ententenmächte überreichten der Pforte eine Kollektivnote, welche dagegen Einspruch erhebt, daß, anstatt die von der mazedonischen Finanz- ko m m i s s i o n für das lausende Jahr in Aussicht genommenen öffentlichen Arbeiten auszuführen, der Mali von Salonik für den Bau zweier strategischer Straßen, Strumitza-Osmanie und Strumitza-Nadowista, Bewerbungsschreiben erlassen habe. Die Botschafter weisen darauf hin, daß die Finanzkommisfion im laufenden Jahre bedeutende Summen für rein strategische Arbeiten bewilligt habe, weil die Sicherung der Grenzen eine wichtige Bedingung für die Entwicklung der Provinzen sei. Da aber die Kommission die strikte Einhaltung des Budgets überwachen müsse, sei sie berechtigt, gegen nicht vorgesehene Arbeiten Einspruch zu erheben. Die Botschafter verlangen schließlich die Zurückziehung der Bewerbungsausschreibung.
— Alle Großmächte, an die die Pforte wegen der Haltung Bulgariens Rundschreiben gerichtet hat, haben mit Bezug auf Bulgarien beruhigende Antworten gegeben. Die türkischen Handelsagenten in Bulgarien melden noch immer eine Fortdauer der antigriechischen Bewegung, die sich angeblich auf Türken und Armenier ausdehnen soll.
Petersburg, 5. Sept. An Stelle der bisher in der Mandschurei bestehenden Agenturen des Ministeriums des Ausivärtigen werden russische Generalkonsulate in Charbin, Mukden, Kirin, Zizikar und Dulni und ein Vizekonsulat in Kuontsenei errichtet.
New-Pork, 6. Sept. Von Havanna eingetroffene Personen berichten, daß es in Kuba viel schlimmer aussieht, als bisher bekannt war, da Palmas Regierung keine alarmierende Nachrichten durchläßt. Gefechte finden beständig statt und die Tabakernte sei bedroht. General Guerra habe angeordnet, alles niederzubrennen, wenn Palmas nicht abdankt oder nachgibt.
Santiago de Chile, 5. Sept. Auf Antrag des Präsidenten Nieseo hat der Staatsrat über die Provinz Valparaiso auf einen Monat den Belagerungszustand verhängt. In der Begründung des Antrages heißt es, daß mehr als 7000 Menschen noch immer in den Straßen kampieren.
Kalkutta, 5. Sept. Die Hungersnot infolge des Mißratens der Reisernte in Bengal greift weiter um sich. Die Neispreise sind zu einer abnormen Höhe gestiegen. Die Eingeborenen plündern die Lagerhäuser.
Lahore, 5. Sept. Die feindselige Haltung der Mohammedaner gegen die Agitation der Hindus gegen die kürzlich erfolgte Teilung von Bengalen in zwei Provinzen hat zu einer Bewegung zugunsten eines großartigen politischen Zusammenschlusses der Mohammedaner geführt. Der Vizekönig hat sich bereit erklärt, am 1. Oktober 1906 eine mohammedanische Abordnung zu empfangen, die ihm die Beschwerden von 70 Millionen Glaubensgenossen, die den Erfolg der Agitation der Hindus als eine Bedrohung ihrer Interessen ansehen, zu Gehör bringen will.
Airs Stadt itttfc Land.
Gießen, 6. Sept. 1906.
** Der Ausschuß des landwirtschaftlichen Bezirksvereins desKreisesGießen hielt am Dienstag nachmittag im Cafö Ebel eine Sitzung ab, in welcher zunächst die Frage erörtert wurde, ob der Verein auch nach dem Jnslebentreten der durch dös Gesetz über die Landwirtschaftskammer geschaffenen neuen Organisation noch fortbestehen solle. Hierfür wurde geltend gemacht, daß auch in der Provinz Hessen-Nassau die landwirtschaftlichen Vereine neben der Landwirtschaftskammer beständen, und es sei kein Grund vorhanden, anzunehmen, daß dies nicht auch im Großherzogtum Hessen und insbesondere in der Provinz Oberhessen der Fall sein könne. Gerade die Provinz Oberheffen verdanke zum größten Teil der Tätigkeit des Provinzialvereins und der Bezirksvereme den großen Aufschwung, den die Landwirtschaft der Provinz genommen habe. Ferner wurde bemerkt, daß, wenn den neuen Organisationen zahlreiche Aufgaben überwiesen worden seien, deren Erfüllung seither Zweck der landwirtschaftlichen Vereine gewesen, diesen immer noch Aufgaben genug blieben, welchen sie sich widmen könnten. Es sei hier besonders zu erwähnen das landwirtschaftliche Unterrichtswesen, für welches gerade der Bezirksverein Gießen seither schon warmes Interesse bekundet und erhebliche Mittel aufgebracht habe. Die von dem Verein gegründeten Schulen: die landwirtschaftliche Winterschule und die Wander-HauS- haltungsschule erfreuten sich des steigenden Jntereffes der Landwirte des KreiseS. Auch durch die Einrichtung von Lehrkursen an dem landwirtschaftlichen Institut der Universität Gießen zur Förderung des naturwissenschaftlichen Unterrichts in den Fortbildungsschulen habe sich der Verein ein anzu- erkennendeS Verdienst um die Landwirtschaft treibende Bevölkerung erworben. Es könne nur mit Freuden begrüßt werden, wenn eS dem Vereine möglich sei, seine segensreiche Wirksamkeit zur Förderung des landwirtschaftlichen Unterrichts auch ferner zu betätigen. Der Ausschuß beschloß ein» stimmig, daß der Verein weiter bestehen solle. Zu- gleich wurde beschlossen, eine engere Verbindung mit dem landwirtschaftlichen Lokalverein Gießen in Aussicht zu nehmen. Das Gesetz über die Landwirtschaftskammer und die zu seiner Ausführung erlassenen Bestimmungen gaben zu einer Reihe von Fragen Veranlassung. Es wurde beschloffen, den Vorsteher der landwirtschaftlichen Winterschule in Lich, Oekonomie- rat Weitzel, zu ersuchen, in einer in Kürze abzuhaltenden Versammlung das Gesetz und die Ausführungsbestimmungen durch einen eingehenden Vortrag den Mitgliedern des Vereins zu erläutern. Nach verschiedenen geschäftlichen Mitteilungen schloß der Vorsitzende die Sitzung.
sd. Sarin ft abt, 5. Sept. Die völlige Sonntagsruhe ist kürzlich von den Darmstädter Stadtverordneten nahezu einstimmig abgelehnt worden. Damit sind die


