Heitszustand des Herrn v. PvLbielM läßt weiter viel zu wünschen übrig, der Minister leidet unter Heftigen Schmerzen, die sein Gallenstein- und Gichtleiden Smit sich bringen, und hütet zumeist das Bett.
— Bei den Angriffen gegen den Wirkl. Legationsrat sDr. v. Jacobs von der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes, die auf seinen Antrag jetzt zum Gegenstand einer Untersuchung gemacht worden sind, handelt cs sich darum, daß bei den Kapstadter Lieferungen für Siidwest- afrika im (Z^samtbetrag von über 120 Millionen Mark Unregelmäßigkeiten und Begünstigungen vorgekommen sein sollen.
Dresden, 3. Nov. Das Kultusministerium erließ eine Verordnung über die Erleichterung des Schulunterrichts. Die meisten Unterrichtsstunden werden um 10 Minuten verkürzt, die Pausen verlängert. Vormittags sollen fünf Unterrichtsstunden in Deutsch mehr abgehalten werden, für die Nachmittage sollen Turnübungen, Sport und Ausflüge vorgesehen werden.
Weimar, 4. Nov. Nach den bis jetzt vorliegenden Wahlmännerwahlen wird der neue Landtag des Großherzogtums aus 14 Nationalliberalen, 2 Freisinnigen, 2 Sozialdemokraten und 15 Bündlern und Konservativen bestehen. Eine Mehrheit für das direkte Wahlrecht scheint gesichert zu sein.
Karlsruhe, 4. Nov. Zu dem Jubiläum des Groß Herzogs sind, wie hier in einer liberalen Versammlung mitgeteilt wurde, auch Beiträge gezeichnet worden mit dem ausdrücklichen Bemerken, daß der Geber Sozialdemokrat sei, aber für diesen Anlaß doch noch etwas übrig habe.
Stuttgart, 3. Nov. In ihrer heutigen Sitzung hat die Abgeordnetenkammer den Antrag des württembergischen Journalisten- und Schriftstellervereins, die Regierung möge int Bundesrat auf die Aufhebung des Zeugniszwangsverfahrens für Journalisten hinwirken, mit 58 gegen 18 Stimmen angenommen. Dann wurde der Landtag geschlossen.
politische Tagesschau.
Die Verbesserung der Peusionsbestimmungen für die Reichsbeamten
dürste, wie uns aus Berlin geschrieben wird, sich ähnlich gestalten wie die Durchführung der Militärpensionsgesetze. Die Reform wird nach dem Vorbilde des neuen Offizier- Pensionsgesetzes voraussichtlich mit einem Pensionssatze von 2%o anstatt von bisher 15/60 — nach zehnjähriger Dienstzeit — einsetzen. Vom 30. Dienstjahre an ist anscheinend in dem Gesetzentwurf, der den Reichstag noch in diesem Winter beschäftigen sollte, eine Steigerung von 1J1W statt 1/60 vorgesehen, sodaß im 40. Dienstjahre ein Ruhegehalt von 45/60 des Diensteinkommens erreicht wird.
Ob die Reform des Reliktengesetzes den'Reichstag noch in der gegenwärtigen Legislaturperiode beschäftigen wird, erscheint bei den großen Anforderungen fraglich, die durch eine solche Reform an die Reichssinanzen gestellt werden würden. Immerhin beschäftigt auch diese Frage die maßgebenden Stellen erheblich.
Heer und Flotte.
Heiraten verboten!
Gegenüber dem von vielen Seiten unterstützten Bestreben, möglichst viele verheiratete Beamte und Offiziere in den Kolonien zu haben, erscheint ein Vorfall sonderbar, den die „Köln. 3tg/, unter Berufung auf eine ganz zuverlässige Quelle, erzählt: Einer unserer ältesten und tüchtigsten südwestafrikanischen Offiziere, der für seine hervorragende Tapferkeit und Umsicht während des Aufstandes vom Kaiser besonders ausgezeichnet worden ist, hat sich hier während des Urlaubs verlobt und war um die Erlaubnis eingekommen, demnächst mit seiner jungen Frau in Deutsch-Süd- westafrika seinen Dienst wieder antreten zu dürfen. Die Genehmigung hierzu wurde ihm aber, obwohl angeblich der Gouverneur nichts dagegen einzuwenden' gehabt hat, mili- tärischerseits rundweg aus prinzipiellen Gründen abgeschlagen. Der Offizier hat daraus für sich die Folgerungen gezogen und seinen Abschied eingereicht. DaS Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika verliert dadurch einen Mann, der als erfahrener, in manchem Sturm erprobter Kenner von Land und Leuten der Verwaltung von Südwestafrika noch in mancher Hinsicht sehr nützlich hätte werden können.
AuslairS.
Paris, 4. Nov. Der Justizminister wird morgen der Kammer einen Gesetzentwurf betreffend Abschaffung der Todesstrafe vorlegen. Nach dem Gesetzentwurf wird bic Todesstrafe in lebenslängliche Haft umgcwandelt. Jeder zu lebenslänglichem Gefängnis Verurteilte darf nur sechs Jahre in Einzelhaft gehalten werden, falls er sich nicht während dieser Zeit eines neuen Verbrechens, z. B. durch einen Angriff auf Gcfängnisbeamte schuldig macht.
— In der französischen Sektion des hier tagenden Kongresses der kolonialen Presse Frankreichs* und des Auslandes wurde heute ein Bericht verlesen über die Punkte, die Frankreich besetzen müßte zur Verbcffcrung seiner Kolonien oder ihrer Sicherung im Falle eines Weltkrieges. Es heißt in diesem Berichte, Frankreich müffe die Insel Hainan, die das südchinesische Meer beherrscht und verschiedene chinesische Provinzen, die aufgezählt werden, besetzen. Was Marokko anbctrifft, so müßten im Gebiete des Großen Atlas die Punkte Tontjan, Figia und Monlaia überwacht werden. Weiler beschäftigte sich der Bericht mit der Frage der Grenze zwischen Tunis und Tripolis und sagt, Tunis müsse für den Fall eines türkisch-italienischen Konfliktes eine sehr scharf markierte Grenze haben.
Athen, 3. Nov. AuS Saloniki wird gemeldet: Die bulgarische Bande, welche am 17. Oktober in Kossinowa fünf Männer und zwei Frauen, alle Griechen, ermordete, hat neuerdings einen angesehenen Griechen namens Narneli, seine Mutter und Gattin und vier Töchter ermordet. Von den letzteren standen zwei noch im Kindesalter. Eine andere griechische Familie ist verschwunden. Man fürchtet, daß sie dasselbe Schicksal betroffen hat.
Schanghai, 4. Nov. Missionare berichten: Im nördlichen Teile der Provinz Kiangsu herrscht große Hungersnot; etwa 10 Millionen Menschen sind dem Hunger- tode nahe. Die Behörden verhindern die Bevölkerung an
der Abwanderung, tun aber keine Schritte zur Beschaffung von Nahrungsmitteln. Die Ruhestörungen, die bisher unerheblich waren, nehmen jetzt zu.
Russisches.
In Petersburger diplomatischen Kreisen werden die Gerüchte von einem bevorstehenden Abschluß eines Drei- Kaiser-Bündnisses bestätigt. Der bevorstehende gemeinsame Empfang der Minister Iswolski und Baron Mehrenthal beim Zaren soll in Zusammenhang damit stehen. Der Inhalt des Bündnisses soll vorläufig noch geheim gehalten werden, doch besteht die Absicht, ihn demnächst teilweise durch eine Note bekanntzugeben. Von anderer Seite reilich wird der Abschluß eines solchen Bündnisses sehr heftig in Abrede gestellt. Der Kammerherr Pawel Tolstoi, ein Vertreter des panslawistischen Gedankens, richtete jedenfalls soeben einen offenen Brief an den Petersburger „Herold", in dem er rückhaltlos für ein Bündnis mit Deutschland eintritt und in leidenschaftlicher Sprache davor warnt, den Weg der englischen Bündnis-Politik zu betreten. Der „Herold" betont, daß das deutsch-russische Bündnis der Eck- tein eines all gemein en europäisch en Bündnisses werden müffe.
Endlich hat die Detektivpolizei den Urheber des Bomb en attentats gegen den Minister Stolypin entdeckt, das im August d. I. auf der Apothekerinsel stattfand. Es ist der wegen Beteiligung an dem großen Raube Hingerichtete Rosenberg. Nachdem der Ueberfall geglückt war, gelang eS diesem, nach Finland zu entkoinmen. Aks er jedoch wieder nach Petersburg zurückkehren wollte, wurde er auf der finnischen Grenzstation Terrijoki überrumpelt und verhaftet. Die unter dem Verdacht, an dem in der vergangenen Woche verübten großen Raube beteiligt zu sein, verhaftete Dame ist wieder entlassen worden, nachdem konstatiert worden war, daß die wahrhaft Schuldige über Finnland zu Schiff nach Schweden entkommen ist.
Vor einigen Tagen hat ein Kongreß von eh em al. Reichsduma-Abge ordneten, die Mitglieder der Ar- beitsgruppe waren, stattgefundcn. Es stellte sich heraus, daß 23 aus der Gruppe ausgetreten sind, während 72 noch zu ihr halten. Erschienen waren aber kaum die Hälfte dieser 72 Mann, waS darauf zurückzuführen ist, daß die meisten durch Verfolgungen der Regierung in eine sehr schwierige Lage geraten sind. Zwölf von ihnen sitzen hinter Schloß und Riegel, 19 sind verschwunden, von zweien ist bekannt, daß sie sich im Auslande aufhalten, einer ist wahnsinnig geworden. Die versammelten drei Dutzend Mann beschlossen, weder nach links noch nach rechts abzuschwenken, ihr altes Programm beizubehalten, ihre Agitation auf die Städte auszudehnen und vor allem die Bildung von OrtskomitceS anzustreben.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 5. Nov. 1906.
• * Zu einer Besichtigung der neuen Erwerbungen unseres Altertums museums hatte der oberhessische Geschichtsverein für gestern vormittag seine Mitglieder und deren Angehörige eingeladen, welcher Einladung recht zahlreich entsprochen wurde. Der eifrige Konservator des Museums, Hauptmann Kramer, begnügte sich aber nicht damit, die neuen Schätze des Museums zu zeigen und zu erläutern, sondern er bot eine interessante Führung durch das gesamte Museum, das im letzten Jahr auf den verschiedensten Gebieten wertvolle Bereicherungen und Ergänzungen erfahren hat. In der wissenschaftlichen Abteilung, die sich hauptsächlich mit den früheren Bewohnern unseres Landes befaßt, fesselten namentlich die bei den neueren Vereins-Ausgrabungen gemachten wertvollen Funde vom Nodberg, dem Trieb, der Lindener Mark und der aus dem Stadtwalde die Aufmerksamkeit. Der Besuch des Museums gestaltet sich auch in den Wintermonaten dank der durch das Entgegenkommen der Stadtverwaltung ermöglichten Heizungsgelegenheit recht angenehm und kann nur warm empfohlen werden. Schließlich möchten wir außer der Anerkennung für den verdienstvollen Leiter des Museums noch dem Wunsch Ausdruck geben, daß die verständnisvolle Förderung und Unterstützung, die die Sammlung bisher in den weitesten Kreisen der Bürgerschaft Gießens und anderer oberhessischer Gemeinden erfahren hat, ihr auch fernerhin erhalten bleiben möge.
** Zur Unterstützung des bedrängten Deutschtums in Rußland wurden aus den Gemeinden Reiskirchen und Burkhardsfelden 21 bezw. 33 Mk. als Erntefestgaben an Professor Dr. Haller übergeben und von diesem dem deutschen Schulverein in den baltischen Provinzen überwiesen.
S chw ererUnfall. In der letzten Nacht 12,03Uhr wurde der Wagenpnher Adolf Heller von Lang-Göns beim Überschreiten des Geleises III im Bahnhof Gießen durch eine Nangiermaschine erfaßt und leider sehr sch wer verletzt, indem ihm beide Füße abgefahren wurden. Der Verletzte wurde sofort in die hiesige Klinik verbracht.
* * 2ie Sektion Gießen des Deutschen und Oe st erreicht scheu Alpenvereins feierte am Samstag ' und Sonntag ihr 2 0jähriges Stiftungsfest unter sehr zahlreicher Beteiligung der Sektionsgenossen. Der Festkommers am Samstag abend, der in dem mit Pflanzen, alpinen Dekorationen usw. sehr hübsch geschmückten Saale des Hotels Einhorn stattfand, nahm bei Musik, gemeinschaftlichem Gesang alpiner und anderer Lieder, sowie humoristischen Vorträgen von Sektionsgenossen einen sehr schönen, allseits befriedigenden Verlauf. Der Sektionsvorsitzende, Professor Heddcrich, begrüßte die Sektionsgenossen und wies dann in seiner Festansprache auf die hohe gesundheitliche, ethische und wissenschaftliche Bedeutung des deutsch-österreichischen Alpenvercins hin, der jetzt 70 000 Mitglieder umfaßt. Die Sektion Gießen, die am 31. August 1886 von neun Alpenfreunden gegründet wurde, habe sich nach Kräften bemüht, an den Arbeiten des' Gesamtvcrcins teilzunehmen und es außerdem berftmiticn, in der Bevölkerung Gießens den Sinn für die Naturschönheiten der engeren Heimat und die Touristik wachzurufen und zu fördern. Dies zu tun, werde auch fernerhin die Aufgabe des Vereins sein, der jetzt 119 Mitglieder zähle. In "das von dem Redner ausgebrachte Hoch auf den Gesamtverein und i>ic Sektion Meßen wurde von der Fest
versammlung begeistert eingestimmt. Im weiteren Verlauf des Abends gedachte Herr Waldschmidt -Wetzlar der zwei noch dem Verein angehörenden Mitbegründer Justizrat Dr. Gutfleisch und Kaufmann Fritz Kühn, sowie des Fabrikanten Barnaß, der dem Verein fast von Anfang an angehört, und brachte diesen ein dreifaches „Berg Heil" aus. Um 12 Uhr erlitt der Kommers eine kleine Unterbrechung, da ein gemeinsamer „gänzlich gefahrloser" Abstieg zur .„Gießener Hütte" erfolgte, in der ein echter Enzian und ein kaltes Buffet die Bergwanderer erfreute. Hierauf sand der Kommers seine feuchtfröhliche Fortsetzung. Am gestrigen Nachmittag sand dann noch ein gemeinsamer Ausflug n a ch Wetzlar statt, woselbst im Hotel Kaltwasser einige gemütliche Stunden mit den dortigen Klubmitgliedern verlebt wurden. Das Stiftungssest, das einen echt alpinen Charakter trug, wird trotz seiner Einfachheit allen Teilnehmer:: in angenehmer Erinnerung bleiben.
” Der Turn-Verein Gießen eröffnete am Samstag mit einen „Winterfest" seine diesjährigen Wrntervergnügungen. Das hierzu ausgestellte Programm bot durch Zuziehung auswärtiger Künstler ein schönes, neuzeitliches Arrangement, das allgemeinen Beifall fand. In angenehmer Abwechslung kamen Musikstücke der hiesigen Regimentskapelle sowie Gesangsvorträge des Sängerchors des Turnvereins unter Leitung des Dirigenten, Herrn Kasten, zu Gehör, während die künstlerischen Leistungen in Opern-, Operetten-, Rezitations- und Lanz-Humoresken stets größere Heiterkeit und Bravos hervorriefen. So hatte die Veranstaltung einen vollen Erfolg und wird allen Besuchern eine angenehme Erinnerung sein. Der am Sonntag nach dem Philosophenwald unternommene Ausflug hatte eine außerordentlich starke Beteiligung. Der Turnverein hat wiederum gezeigt, daß er Feste feiern und feinen Mitgliedern etwas gediegenes bieten kann.
* • Eine seltene Auszeichnung. Ans Mainz wird uns drahtlich gemeldt: Die französische Regierung verlieh dem Bürgermeister von Mainz, Dr. Goettel- mann, den Orden der Ehrenlegion. (In Mainz hat bekanntlich dieser Tage die feierliche Beisetzung einer Anzahl französ. Krieger stattgefunden.)
* * Gesa in t-Ga st spiel RosaPoppe undEnsemble Berliner B ü h n e n k ü n st l e r i in S t a d t t h e a t e r. Ein außerordentliches theatralisches Ereignis steht, wie uns ans dein Bureau des Stadttheaters mitgeteilt wird, für Dienstag, 13. November, bevor. Rosa Poppe, die gefeierte Heroine des Berliner Kgl. Schauspielhauses, wird an diesem Abend im Ensemble mit den Berliner Künstlern Roderich Arndt (Kgl. Schauspielhaus), Margarethe Hübler (Deutsches Theater), Adele Werra (Berliner Theater), Paul Pauli (Schiller-Theater) und Franz Stephans (Deutsches Theater) ein einmaliges Gastspiel absolvieren, bei welcher Gelegenheit Grillparzers „Sappho" zur Darstellung gelangt. Der Vorverkauf für dieses einmalige Gastspiel ist eröffnet. Vorbestellungen werden bei Ernst Challier von heute an entgegengenommen.
Braunfels, 3. Nov. Am 1. November, trat die Firma Friedrich Krupp in Essen in den Besitz der Fürstlich Solmsischen Bergwerke. Die Stadt Braunfels erhofft von dieser Aenderung eine wesentliche Steigerung des Bergwerksbetriebes und hierdurch der Industrie der nächsten Umgebung, woran auch der Wohlstand der Stadt seinen Anteil nehmen wird. Auf eine von Herrn SanitätS- rat Dr. Gerster an das Kruppsche Direktorium gerichtete Bitte, die Firma Krupp möge an diesem Tage auch ber' Braunfelser Armen gedenken, hat ihm diese 1300 Mark zur Verteilung überweisen laffen. Die Summe ist zu drei gleichen Teilen an die Stadtarmen, das Solmser Heim und das' Solmscr Stift übergeben worden.
△ Butzbach, 4. Nov. Gestern abend hielt der Gesangverein „Orpheus" im Restaurant Wilhelm Steinhäuser seine diesjährige Stiftungsfeier und Generalversammlung ab. Nach einem vorzüglichen Abendessen fand die Wiederwahl des allen Vorstandes statt. Für das nach Gießen verzogene Vorstandsmitglied Heinrich Schneider wurde Herr Ludwig Schmidt gewählt. Mit einem Toast des Vorsitzenden, Hauptlehrers Storch, auf das weitere Blühen und Gedeihen und verschiedenen gesanglichen Vorträgen schloß die hübsche Stiftungsfeier. — Im Hotel „Hessischer Hof" hielt der „Fecht- klub Butzbach" seine diesjährige Generalversammlung ab. Der seitherige Vorstand wurde per Akklamation wiedergewählt. — Heute abend entstand in der Jungschen Wirt-, schäft nächst der Kaserne zwischen einem Soldaten und einem 18jährigen Burschen eine Rauferei, die sich auf der Straße fortsetzte und bei der die Gendarmerie ein greifen mußte.
x Bad-Nauheim, 4. Nov. Gestern abend fand im Gasthaus „zum Ritter" die erste Monatsversammlung.des Militärvereins „Hassia" statt. Der Präsident Schäfer sprach seine Freude über den zahlreichen Besuch der Versammlung aus. Es sind für diesen Winter wieder zwei Vorträge vorgesehen und der Vorsitzende denkt, daß er hierzu zwei Nauheimer Kameraden bewegen kann. Mit dem ersten Vortrag am 1. Dezember? soll zugleich die Geburtstagsfeier Sr. Kgl. Hoh. unseres Großherzogs verbunden werden. Murn einigte sich auf diesen Tag, weil am 25. November, das Totenfest ist. Der zweite Vovtrag findet im Februar: statt. Weiter einigten sich die Kameraden dahin, in diesem Winter wieder einmal eine Abendunterhaltung abzuhalten. — Die Freiwillige Feuerwehr, die heute mittag eine größere Uebung abhielt, -an der die aktiven und passiven Mitglieder teilnahmen, veranstaltet heute abend im GasthauL „zur Krone" ein Vergnügen.
Q Nieder-Ohmen, 4. Nov. In dem Vogelsberg ist e§ nicht selten der Fall, daß Schulstellen trotz der Höhenzulagen ohne Bewerbung bleiben. Vielfach sind dann die Ursache die schlechten Zustände von SchulhauS und Lehrerwohnung. Aehnlich lagen die Verhältnisse bisher in unserem Dorfe, dem größten des KreiseS Alsfeld. Obwohl der Ort ein der Bahn liegt, blieben seither die älteren Lehrer in Anbetracht der schlechten WohnungS- und Schulverhältniffe nicht lange hier. Dies ist nun ihit einem Schlage anders geworden. Die Gemeinde bat ein großes, prächtiges Schulhaus erbaut und darin in Anbetracht der steten Zunahme der Bewohnerschaft sogar einen Lehrsaal mehr vorgesehen, als Schulklassen vorhanden sind. Während nämlich die Volksschule nur drei, allerdings starke Klassen zählt, enthält der Neubau vier Schul- sälc. An den Lehrbau schließt sich als westlicher Flügel der Wohnungsbau an, der neben zwei Lehrerwohnungen eint


