keitSstoSkel „Hochachtungsvoll ergebend1 am Schluß des geharnischten Fehdebriefes. Daß er mehr Heiterkeit als Zorn Hervorrufen würde, hätten die Absender sich sagen können. Die Redner der-beiden konservativen Parteien verwiesen auf ihre bereits früher präzisierte Stellungnahme zu WablrechtS- änberungen. DaS heißt: keine einschneidenden Reformen. Der Minister des Innern konnte nur mitteilen, daß die Regierung in eine Beratung der Wahl rechts frage eingetreten sei und zunächst eine eingehende Statistik habe aufnehmen lassen. Mit Zahlen läßt sich ja viel beweisen, aber hoffentlich wird die Regierung nicht den Per» such machen, die Statistik für die Trefflichkeit des Wahlsystems ins Feld zu führen. Durch die Statistik könnte nur gezeigt werden, wie viele von diesem Wahlrecht keinen Gebrauch machen.
Denkschrift über Südwestafrika.
Tie dem Reichstage zugegangene, von dem großen Generalstabe ausgearbeitete Denkschrift über den Verlau des Aufstandes in Südwestafrika führt u. a. aus:
Nach der Rückkehr des Generalleutnants v. Trotha übernahm Gouverneur v. L i n d e q u i st die Gouvernementsgeschäfte und Oberst Dame das Kommando der Schutztruppe. Turch den Waffenniederlegungsaufruf des ersteren vom 1. Dezember 1905 veranlaßt legten 1135 Hereros die Waffen nieder, sodaß jetzt 10 024 Hereros, davon 2374 Männer, unter der Aufsicht der Behörden stehen. Turch Hendrik Witbois Tod veranlagt legten die Veldschoendrager unter Hans Hendrik die Waffen nieder und stellte sich Samuel Isaak, der tätigste Unterführer Hendrik Witbois, den Deutschen, wodurch die Verhältnisse im Süden wesentlich verbessert wurden. Die noch fechtenden Leute Manasses, des Kapitäns der roten Nation, von Hochaans, und Simon Coppers Franzmann-Hottentotten wurden durch Major von der Heyde in Gefechten bei Arahoab, Awadaob, Aminuis, Gubuoms und Toasis zersprengt. Ein Teil ergab sich in Aminuis. Ter Rest verschwand im Sandfeld. Geringere Fortschritte machten die Operationen gegen Cornelius und Morentza. Cornelius, der den Baiwcg unsicher machte und Vrehposten und Farmen überfiel, wurde mehrfach gestellt, doch gelang es ihm stets, zu entwischen. Endlich bei Aribams tzestellt, wurde er von den Abteilungen Wittenburg, Crailsheim und Stein zum Kampf gezwungen und mit schweren Verlusten geschlagen. Im äußersten Süden steht M o r e n g a, dessen Niederwerf- ungnochlängereZeitin Anspruchnehmen wird. Gegen ihn hat Major v. Estorfs das Kommando übernommen, der alle verfügbaren Kräfte gegen ihn zusammenzieht. Tie Fühlung mit Morenga ist durch Hauptmann von Lettow im Vecht bei Tuurdrift ausgenommen worden und es wurde festgestellt, daß die Nachrich'en von einem Turchbruche Morengas falsch sind. Die Operationen müssen jedoch bis zum Eintreffen von Verstärkungen, vor allem an Pferden und Maultieren, verschoben werden.
Deutsches Reich.
Berlin, 5. Febr. Tie „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Gmundener Meldung, datz das Ka i se r p a a r nach dem Ableben des Königs Christian v-on Tänemark der Königin Marie von Hannover zwei besonders herzlich gehaltene Telegram ine gesandt habe, als unbegründet.
— Ter vor kurzem von uns als bevorstehend angekündigte R ü ck t r i 11 des Landwirtschaftsministers v. P o d - bielski wird auch von konservativen Blättern jetzt ernst genommen. Danach soll der hannoversche Oberpräsident Tr. Wenzel über kurz oder lang als Nachfolger des Landwirtschaftsministers v. Podbielski in Aussicht genommen sein.
— Im Abgeordneten hause wurde heute die zweite Lesung des Etats beim Etat des Ministerium des Innern fortgesetzt. iEin freikonservativer Antrag, die Staatsregierung auszufordern, ihre Beschlußfassung aus dem im Vorjahre im Abgeordnetenhause angenommenen Anträge Douglas, betreffend Schaffung eines Landes- Wohlfahrtsausschusses zu beschleunigen und zu diesem Zwecke eine Kommission von Sachverständigen einzusetzen, wurde nach kurzer Debatte der Budgetkommission überwiesen. Beim Titel Ministergehalt erklärte Minister v. Bethmann-Hollweg, daß er gegen Auswüchse des Automobilfahrens mit möglichster Schärfe vorgehen werde. Hebet die Wahlrechtsfrage habe die Regierung eine eingehende Statistik aufnehmen lassen.
Tresden, 5. Febr. Tie Parteien, welche für eine Reform des Wahlrechts sind, sind einig, das geh. direkte Wahlrecht einzuführen. Hebet die Abstufung und den Modus derselben bestehen noch große Tifferenzen. Die freie Wahlrechtskommission wird der'Regierung schließlich Vorschläge unterbreiten und die nähere Ausarbeitung dieser überlassen.
Aas allptmeme und geheime Wahlrecht in Mayern.
München, 5. Februar.
Bei der heutigen Beratung des von der Kammer der Abgeordneten angenommenen Wahlgesetzentwurfes in der Kammer det Reichsräte führte Prinz Ludwig in einer Rede aus, jeder würde wohl an dem Entwürfe etwas ouszusetzen haben. Beispielsweise wäre es ihm lieber gewesen, wenn als Grundlage des bester moderner gu gestaltenden neuen Wahlgesetzes die jeweilige letzte Volkszählung genommen worden wäre, und wenn lauter ein- männige Wahlkreise gebildet worden wären. Allein dann hätte die Wahlkreiseinteilung der Regierung überlassen werden müssen; denn es wäre unmöglich nach jeder neuen Volkszählung eine neue gesetzliche Wahl- kcelseinteilung zu machen. Alle Abänderungsanträge, welche man jetzt einbringen würde, würden mit der Ablehnung des Entwurfes gleichbedeutend sein. Der Prinz gab sodann einen Ueberblick über die ganze Wahlreformbewegung in Boyern und hob dabei hervor, daß der Ausfall der letzten Wahlen und die kürzlich erfolgte einstimmige Annahme des Wahlgesetzentwurfes in der Kammer der 9lbgeorbneten gezeigt hätten, daß das Land ein neues Wahlgesetz wolle. 91 (le Abänderungswünsche müßten jetzt zurücktreten vor dem Gedanken, daß, wenn der Reichsrat jetzt seine Zustimmung gäbe, daS Gesetz zu stände komme, mit dem die große Mehrheit des Landes zufrieden sei.
v. Auer beantragt, die relative Majorität des Entwurfes durch die absolute Mehrheit für den ersten Wahlgang zu ersetzen.
Minister Graf Feilitzsch bittet, diesen Antrag abzu- lehnen; dec Entwurf sei von konservativen, nicht von radikalen Tendenzen getragen.
Schließlich nahm die Kammer der ReichSräte einstimmig den ganzen Wahlge'ehentwnrf an, nachdem der Antrag 9lucr auf Ersetzung der relativen Mehrheit durch absolute Mehrheit abgelehnt war.
Besonders bedeutsam war neben der Rede des Prinzen Ludwig die entschieden liberale Rede deS Grafen Törring, deS Schwiegersohnes des Herzogs Karl Theodor.
parlamcntarifctycs*
Berlin, 5. Febr. Emer Parlamentskorrespondenz zu- folge beschloß die Zentrumsfraktl on, den Toleranzontrag fallen zu lasten und dafür die Resolution Stocker angmehmen, welche den Reichskanzler ersucht, dahin zu wirken, daß die in den einzelnen Bundesstaaten noch bestehenden Beschränkungen der Freiheit deS ReligionSbekenntniffeS, der Vereinigung zu religiösen Gesellschaften und gemeinsamer Religionsübungen baldigst im Wege der Landesgesetzgebi,ng beseitigt werden.
— Die 9lbgg. Kämpf, Müllcv-Sagan und Schmidt- Elberfeld brachten im Reichstage im Namen der freisinnigen VolkSp. eine Resolution ein, in der sie den Reichskanzler ersuchen, für spätestens 1918 die Abhaltung einer internationalen Verkehrsausstellung in Berlin in Eiwäaung zu ziehen.
Ausland.
London, 5. Febr. Der „Standard" meldet aus Btüsiel, daß eine belgische Strasexvedition von eingeborenen Auf ständigen im Kongo-Freistaat vollständig aufgerieben wurde. Die Eingeborenen griffen im Walde von Comani mehrere Handels-Käraivanen an, die ausgeraubt wurden. Es fanden heftige Kämpfe zwischen den europäischen Händlern nnb eingeborenen Ausständigen statt.
— Daily Telegraph meldet aus Tokio, daß die Hungersnot in Japan immer mehr zunimmt., Das Wetter ist ununterbrochen außergewöhnlich teilt, sodaß die ärmere Bevölkerung schwer leidet. Die Sterblichk-it ist sehr groß.
— Daily Telegraph meldet aus Kopenhagen, daß die älteste Tochter des Königs von Dänemark, Prinzessin Luise, die Gemahlin des Prinzen Friedrich zu Schaumburg-Lippe, an Genickstarre schwer erkrankt ist. Die Prinzessin liegt in Oldenburg, wo sie zum Besuch des Großherzogpaaces eingetroffen war. Ihr Zustand ist höchst kritisch.
Pa ri5, 5. Febr. Der „Eclair" berichtet aus Rom, der deutsche Kaiser werde einige Wochen nach Sizilien kommen und in Taormina 9lufentl)alt nehmen. General v. Loe sei in dieser Mission nach Rom gekommen und habe dem Papst ein persönliches Schreiben des Kaisers überreicht, worin dieser seinen bevorstehenden Besuch im Vatikan ankündigt. Es heißt, der Besuch stehe im Zusammenhang mit dem Plan der Hebernahme des Protektorats über d i e Christen im Orient durch Deutschland.
— Die Pariser Kirchen waren gestern überfüllt. Dor den Kirchentoren kam es wieder mehrfach zu Tätlichkeiten. Vor der Madelaine-Kirche nahm der Krawall größere Dimensionen an, weil einige Herren über das Kirchengitter binweg der,.Nieder die Geistlichkeit rufenden Menge höhnisch Sous-Stücke zuwarfen. Das Volk erwiderte mit Steinwürfen. Die Personen vor dem Kirchentor schleuderten nun Eisenstücke über das Gitter und riefen: „Mörder, man wird Euch an die Laternen hängen wie Eure Großväter." In der Nähe, der Kirche kam es später mehrfach zu Zusammenstößen, wobei mehrere bedenklich verwundet wurden.
— Die französische Diplomatie in A l g e c i r a.s glaubt, von Deutschland erhebliche Zugeständnisse in der Polizeifrage dadurch zu gewinnen, daß französischerseits eine Verlängerung oder eine für Deutschland vorteilhafte Ergänzung des 1890 zwischen den Regierungen in Berlin und in Fez durch TattenbachS Vermittelung abgeschlossenen Vertrages yigeftanben wird.
Wien, 5. Febr. Graf Andrassy wurde gestern nachmittag vom Kaiser empfangen. Nach der Audienz erklärte Andrassy, daß der Kaiser den von ihm im Auftrage der koalierten Linken unterbreiteten Vorschlägen nickt zugestimmt habe. Andrassy ist nach Budapest zurückgereist.
Budapest, 5. Febr. Alle politischen K'reise sind d urck daS vollständige Mißlingen der Mission des Grafen Andrassy konsterniert. Man hält die Fortsetzung der derzeit gänzlich abaebro^enen Derlmudsimaen für unwahrscheinlich.
Außkanö.
Ter Ministerrat unter dem Vorsitze des Fürsten Galitzin beschloß, für die Zukunft die Einschränkung rer Zulassung von Juden auf den russischen Hn i ver s i tä ten au fzu beben. Allen Juden mit dem Reifezeugnis ist in Zukunft die Aufnahme auf den Hoch- chulen gesichert.
Aus Lodz wird gemeldet: Eine Abteilung Fußsoldaten transportierte 17 junge Leute vor die Stadt, um an ihnen das vom Kriegsgericht gegen sie erkannte Todesurteil zu vollstrecken. Als der Zug unterwegs eine der Haupt- 'traßen passierte, kam er an einem Hause vorüber, dessen Einfahrt entgegen der bestehenden strengen Vorschrift offen tand. Plötzlich ergriffen die Telinguenten die Flucht und kürzten in die HauSeinfahrt hinein. Tie Soldaten folgten ihnen und schossen im Hofe die Flüchtlinge, die keinen Ausweg fanden, einzeln nieder.
In Sielce, dicht an der preußischen Grenze, ist ein Privathaus durch eine Vomoenexplosion zerstört worden. Unter den Trümmern sind 12 Tote feftgeftefit worden. Ter Sosnowicer Rechtsanwalt Tomasczewski wurde wegen sozialistischer Umtriebe nach Petrikau abge» ührt.
. Ter Wiener „N. Fr. Pr." wird aus Riga folgender Aufsehen erregender Vorfall berichtet: Gestern abend wurde in der Nähe des neuen polvt. Laboratoriums auf eine Militärpatrouille ein Schuß abgefeuert. Es wurde geglaubt, daß aus dem Laboratorium selbst ein Geschoß gelogen sei. Tie Patrouille gab auf das Laboratorium eine Salve ab. Es wurden vier Kanonen ausgestellt. Auch )er Gouverneur erschien mit großem Militäraufgebot. Tie Turchsuchung des Laboratoriums wurde vorgenommen, örderte aber nichts zutage.. An den benachbarten Gebäuden wurde viel Schaden angerichtet.
Im Gouvernement Twer sind gegen hundert bäuerliche demokratische Wahlmänner verhaftet worden. Tie betreffenden Bauern gemeinden werden gezwungen, Regierungskandidaten zu wählen.
„Daily Telegraph" meldet, daß die Unruhen in Wladiwostok fortdauern. Ein englischer Dampfer, der in Moji aus Wladiwostok angekommen ist, brachte die Nachricht, daß die Artillerie fortwährend im Kampfe gegen Meuterer stehe. Die ausländischen Einwohner der Stadt luchten. Ter kommandierende 9ldmiral des Hafens wurde von Meuterern ermordet. Die Meuterer erbeuteten viele militärische Vorräte. Hungersnot droht die Lage zu verschlimmern.__
Aus Siaöt itnö Land.
Gießen, 6. Februar 1906.
** Personalien. S K H. d-r c v'':erzoa haben den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen, Theodor Dietz, zum Landrichter bei dem Landgericht dcrP
Rheinhessen, den Notar mit dem Amtssitz in Ober-Ingelheim,' Johann Stenn er, zum Notar mit dem Amtssitz in Wallertheim und den Notar mit dem 9lmtssitz in Wallertheim, Otto Dupont, zum Notar mit dem Amtssitz in Ober-Ingelheim, alle mit Wirkung vom 16. Februar 1906, ernannt. — S. K. H. der Großherzog haben dem Kommunalforstwart Dan. Haus I. zu Dörnberg aus 9lnlaß seiner Versetzimg in den Ruhestand den Charakter als „Förster" verliehen. — Llebcrtragcn wurde dem Schullehrer Gg. 5 ch. Gu yot zu Geinsheim eine Lehrerftelle an der Gememdeseyule zu Ober- Namstadt und dem Schullehrer Friedr. Eimer zu Bauern- heim, im Kreise Friedberg, die Lehrerstelle an der Gemeinde- schule zu Beienheim, in dernselben Kreise.
” S. K. H. der Groß Herzog haben dem Oberlehrer Hch. Horst zu Mainz aus 9lnlaß seines 50jährigen Dienst- jubiläums die Krone zmn Ritterkreuz 2. Klasse deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem Weichensteller Adam Hübner zu Darmstadt aus 9lnlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das 9lllgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Dienste" verliehen.
* * Der Kaiserlichen Biologischen 9ln st alt für Land- und Forstwirtschaft ist ein aus Fachmännern gebildeter Beirat an die Seite gestellt, dem obliegt, die Anstalt bei der Erfüllung ihrer 9lufgaben durch Rat und Anregungen zu unterstützen. Zu Mitgliedern dieses Beirats wurden vom Reichsamt des Innern aus dem Großh"rzogtmn Hessen der LandeS-Oekonomierat R. Goethe, der Vorstand der landw. Versuchsstation Geh. Hofrat Professor Dr. Paul Wagner, beide zu Darmstadt, und der Gutspächter Phil. Stoll zu Georgenhausen bis zum 9lblaufe des Jahres 1910 ernannt.
* * Beim Kaiser Wilhelm-Regiment fand verflossene Woche auf dem Trieb die Besichtigung der Rekruten durch Brigadekommandeur Generalmajor von Bünau statt. Damit ist für sie die Rekrutenzeit zu Ende und es beginnt die Kompagnieschule.
• * Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Am heutigen ersten ZiebungStage der 3. Klasse der 7. Lotterie siel ein Gewinn von 26 000 Mk. auf Nr. 91589 (nach Offenbach), ein Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 96729 (nach Darmstadt), ein Gewinn von 5000 Mk. auf Nr. 66428 (nach Effenach), ein Gewinn von 2000 Mk. auf Nr. 82086, Gewinne von je 1000 Mk. auf Nr. 7426 8334 61514 83910, Gewinne von je 400 Mk. auf Nr. 14754 31630 75416, (Ohne Gewähr.)
• • Ein wandernde? Tuberkulosemuseum in Hessen. Eine Gelegenheit für beamtete und praktische Aerzte^ sich aus dem Gebiet der Tuberkulosebekämpfung zu betätigen, wird eine demnächst ins Leben tretende Einrichtung bieten. Es handelt sich um die Errichtung eines roanbernben Suber* kulosemuseums burch bie Lanbesversicherungs- anstalt Großherzogtum Hessen. Der Zweck der Anstalt soll sein, das Volk über daS Wesen der Tuberkulose zu belehren und der 9(u§brcitung der Krankheit durch öffentliche Vorträge an Hand deS Museumsmaterials vorzubeugen.
* * Für bie hessischen Gerichtsvollzieher wurde taut einem AuSschrciben des Justizministeriums ein Berech- tigungSauSweiS eingeführt, der an Stelle der Dienst- lleibung für bie Legitimierung der Beamten dienen soll.
— Das staatliche Wasserwerk in Oberhessen. Nachdem der hessische Staat ein umfangreiches Quellengebiet in der Gemarkung Lauter bei Grünberg an der Vingmühle angekauft hatte, begannen im verstossenen Jahre die Bohrungen, die zu einem sehr günstigen Resultate führten. Da beschloß man denn, eine Gruppenwasserleitung für bie nörd-, liche Wetterau aus der ursprünglich nur für Bad Nauheim geplanten Wasserleitung zu machen. 91 n die in Betracht
ommenben Gemeinden sind vor einiger Zeit Umfragen ergangen mit der Aufforderung zum Anschluß. Mehrere Vorträge sind bereits in den Orten gehalten worden. Das Wasser sollen die Gemeinden zu dem Preise von ca. 8 Pfg. pro Kubikmeter erhalten. Mehrere Gemeinde haben schon zugesagt und z. Zt. werden in den Orten, z. B. Nonnenroth. Röthges, Münster u. a., Messungen über Höhenlagen vorgenommen. Verstossene Woche ist ein weiteres Quellgebiet angekauft worden und zwar weiter oberhalb der Bingmühle nahe der Dröller- oder Obermühle. Mit der Erbauung eines mächtigen Brunnenschachtes ist bereits begonnen worden, diesem sollen d«e übrigen Quellen zugeführt werden. Im Laufe des Sommers wird die Rohrlegung durch die Wetterau beginnen. Die Messungen ergeben mit ziemlicher Sicherheit, baß das Bächlein, welches im Quellgebiet entspringt, fein Wasser größtenteils verlieren wirb, sodaß etwa 5 Mühlen ihren Betrieb wohl einstellen werden müssen. Der Staat dürfte nicht umhin können, den Besitzern eine entsprechende Entschädigung zu zahlen. DaS Wasser ist als vorzügliches Trinkwasser festgestellt worden und hat seinen Ursprung in mächtigen Basaltlagern.
0 Holzheim bei Lang-Göns, 5. Febr. E>estern abend entspann sich zwischen zwei Schwägern ein Streit, der Eine überfiel den Anderen im Hof und verletzte ihn durch einen Schlag mit einem Metzgergerät (einem fog. Henkholz), sodaß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.
1. Saasen, 5. Febr. Der in Fauerbach bei Friedberg wohnhaft gewesene Arbeiter Sabinski heiratete vor etwa Jahresfrist die Witwe Dörlamm von hier und verzog mit lhr nach Fauerbach. Schlechte Vehanblung mochte bie Frau bewogen haben, daß sie vergangenen Herbst wieder mit ihren fttnbem zu ihrem Vater hierher zog. SabinSki wollte sie bewegen, wieder zu ihm zu geben, was ihm aber nicht gelungen ist. Heute machte er abermals einen solchen Versuch tmb als derselbe wieder mißlang, vergiftete er sich in ber Nähe des Dorfes mit Lysol, das er zu diesem Zweck chon bei sich führte.
Gainbach, 5. Febr. Gestern abend gegen 11 Uhr brach in der Hofraite deS Wagners Jak. Metzger in der Obergasse Feuer aus, das mit solch rasender Schnelligkeit um 'ich griff, daß sowohl die Scheuer und Nebengebäude von Ntetzger sowie die Scheuern ?c. von Heinr. Konr. Mattheis und Jak. Mohr trotz rascher und talfräftiger Hilfeleistung ein WQub der Flammen wurden. Von auswärts waren bie Feuerwehren von Griedel, Oberhörgern und Holzheim auf der Brandstätte erschienen.
Z\ Butzbach, 5. Febr. Am vergangenen Donnerstag nß em von Fram'furt kommender, zu 5 Jahren Zuchthaus roornz verurteilter Sträfling, der in die hiesige Strafanstalt ver-


