Ausgabe 
4.12.1906 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

zu sprechen. Ich begab mich mit Dr. Henniger nach dem ReichZ- tagsgebaudc und traf dort den Bureauassistenten Klose und den Kriminalkommissar. Der Untersuchungsrichter war noch nicht anwesend. Während der nun folgenden Unterredung führte Dr. Henniger aus, daß rechtliche Bestimmungen im Rcichstagsge- bäude nicht existierten. Auf das Reichstagsgebäude erstrecke sich der Begriff der Immunität nicht. Er sei auch der Ansicht des Untersuchungsrichters. Ich habe dagegen meine weiter unten dem Untersuchungsrichter abgegebene Erklärring gemacht. Herr Do. Henniger verabschiedete sich dakauf, und der Kriminalkom- stsissar blieb zurück.

Bald darauf erschien der Abg. Erzberger und bat um einen Schlüssel. Unmittelbar darauf kam auch der Untersuchungs­richter. Ich erklärte, daß ich bereits mit Dr. Henniger über die Sachlage gesprochen habe, ich sei nicht berechtigt, dem Verlangen stattzugeben (Hört! hört! links), das könne nur Eure Exzellenz. Sollte trotzdem zur Durch­suchung geschritten werden, so würde ich dagegen Einspruch erheben. (Beifall.) Die daraus sich ergebenden Folgen müßte einzig und allein der Untersuchungsrichter tragen. Seit Bestehen des preußischen Landtages, des Reichstages, des Nord­deutschen Bundes und des deutschen Reichstages habe der Richter an der Tür des Parlamcntsgebäudes Halt ge­macht. (Stürmischer Beifall.) Die Verwaltung des Reichs­tags sei eine Behörde, und ohne Genehmigung meines Herrn Chefs würde ich meine Einwilligring nicht geben. Der Unter­suchungsrichter erklärte, er beabsichtige keine Haussuchung, der Abgeordnete Erzberger habe sich bereit erklärt, iljm Jeineim, Reichstagsgebäude befindlichen Behälter zu zeigen. (Hort! hort! links.) Der Abg. Erzberger gab die Erklärung ab, daß er frei­willig bereit sei, dem Untersuchungsrichter seine Schriftstücke

dorzulegen. Um in die betreffenden Räume zu gelangen, bat er um einen Schlüssel. Da Herrn Erzberger als Mitglied des Reichstages unzweifelhaft das Recht zusteht, mit jedermann das Reichstagsgebäude zu besichtigen (Heiterkeit), habe ich ihm den gewünschten Schlüffel übergeben, nachdem mir beide Herren noch einmal ausdrücklich bestätigt hatten, daß ihr Vorhaben einen rein privaten Charakter habe. Der Schlüssel ist mir nach kurzer Zeit von dem Hausinspektor zurückgegeben worden. Den Be­amten, die von der Sache Kenntnis erhalten hatten, habe ich strengste Amtsverschwiegenheit auferlegt. Falls die Sache einen anderen Verlauf genommen hätte, würde ich ohne Genehmigung Euerer Exzellenz die Räume nicht geöffnet haben. (Beifall. Abg. Singer ruft: Junghann hat sich korrekter benom­men als Erzberger.) Ich habe darauf dem Direktor geant­wortet:

Mit dem Verhalten des Direktor? in der Angelegenheit bin ich vollständig einverstanden (Beifall), auch mit dem ferneren Verhalten, welches derselbe beabsichtigte, das aber nicht zur Ausführung kam. (Erneuter Beifall.) Für künftige Fälle be­stimme ich folgendes: Eine polizeiliche oder gerichtliche Haus­suchung im Reichstag darf ohne die spezielle Erlaubnis des Präsidenten in jedem einzelnen Fall auf keinen Fall zugegeben werden. (Beifall.) Wird die Haussuchung erzwungen, so ist Protest zu erheben und nur der materiellen Gewalt zu weichen. (Lebh. Beifall.) In diesem Falle ist sofort, wenn nötig tele­graphisch, die ^itervention des Reichskanzlers einzuholen. (Beifall.) Der Reichskanzler war damals von Berlin ab­wesend. Eine Haussuchung hat also nicht statt­gefunden.

Kolonialdirektor Dernburg.

Zunächst einige Worte zu den Ausführungen der Herren Bebel und Ablaß vom letzten Sonnabend. Sein Vorschlag, sich mit den Hottentotten darüber zu verständigen, ob diese Frieden halten wollen, ist so furchtbar einfach, er leuchtet von selbst ein, und es ^e mehr als sonderbar, wenn er der Verwaltung nicht von selbst eingefallen wäre. Es ist das

Ei des Kolumbus, aber es ist noch niemand eingefallen, es anfzustellen. (Heiterkeit.) Die Reden, die Herr Bebel den Hottentotten halten will, sind schon gehalten worden. Herr von Lindequist wird in der Kommission darüber Mitteiluna machen. Aber ich glaube, es würde selbst der Beredsamkeit des Abg. Bebel nicht gelingen,

diese Raubtieruaturen

zu zähmen. (Große Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. Bebel hat nur in starken Worten den furchtbaren Verdacht ausge­sprochen, ich hätte ihm oder dem Abg. Ablaß durch meine Auffor­derung zur vorherigen Mitteilung des tatsächlichen Inhalts seiner Dokumente die Klinge entwinden gesucht. Er betrachtet mich also schon so halb und halb unter dem Gesichtspunkte eines Misse­täters. Der Abg. Bebel hat sicher befürchtet, daß ich die Doku­mente an mich reißen und in den finsteren Gewölben der Wilhelm- -straße verschwinden laffen wolle. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Nein, es handelt sich um die Inszenierung seines Vorbringens, das er ia so ausgezeichnet versteht. Er fürchtet, sein Effekt könnte vermindert werden, wenn ich vorher in die Lage käme, mich über den Tatbestand zu informieren. Er wünscht die öffentliche Mei­nung ganz unter dem Eindruck seiner nicht kontrollierten Mittei- kungen zu lassen, und auf diesen Effekt ist er natür­lich sehr eifersüchtig, und hat offenbar meinen Versuch, diesen Effekt zu stören, als ein Attentat befunden. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Dabei hat er gewiß nicht Unrecht, denn bei der Stellung, die er den Kolonialfragen, wie allen staatlichen Fragen gegenüber einnimmt, wird es ein Teil meiner Aufgabe sein, seine Taktik zu durchkreuzen.

(Erneutes Lachen bei den Sozialdemokraten.) Er hat es durch­blicken lasten, daß er schon seine nächste Wahlrede präpariert. (Oho! links.) Bezüglich der von ihm vorgebrachten Falle.muß ich sehr kurz sein. Hätte er mir seine Papiere rechtzeitig gezeigt, so könnte ich vielleicht mehr sagen. Neber einen Fall ist die Untersuchung bereits im Gange, dem Hause wird von dem Ergebnis Mitteilung gemacht werden. Er betrifft die Tatsache, daß die Leute es haben mit ansehcn müssen, wie sie hintereinander niederkartätscht wurden. Ich bemerke, daß es sich dabei um überführte, im ordent­lichen Gerichtsverfahren abgeurteilte Straßenräuber handelt. Was sagt nun aber Herr Bebel dazu, daß er auf Grund eines unkontrol­lierbaren Briefes zwei deutsche Beamte auf 8 Wochen oder länger an den Schandpfahl gestellt hat? (Sehr richtig! rechts, Unruhe links.) Wäre es nicht vornehmer gewesen, wenn er mir vorher Mitteilung gemacht hätte, damit ich die Beamten, die er vor der Welt als furchtbare Scheusale bezeichnet hat, in Schutz nehmen und sagen kann, cs ist nicht bewiesen. Heute kann ich nichts sagen, das haben Sie erreicht, und das ist

weit grausamer

al? alles andere, (Aroße Unruhe und Unterbrechungen bei den Soz. Vizepräsident Dr. P a a s ch c ersucht, den Redner nicht zu unterbrechen.) Der Abg. Bebel ist auch über die auf meine Ver­anlassung aufgenommene Statistik der in den Kolonien vorge­kommenen Vergehen sehr erbost, sie scheint ihm für seine Ansprüche nicht zahlreich genug zu sein.

Ich kann versichern, daß sämtliche bisher überhaupt zur Sprache gekommenen Falle, sämtliche, die auch hier im Hause er­wähnt sind, auch die des Abg. Roeren, ausgenommen sind. Hinzu­getreten sind zwei Fälle des Herrn Bebel und ein Fall des Abg. Ablaß. Wenn die Herren nicht mehr Fälle wissen, so kann ich doch beim besten Willen die Statistik nicht vergrößern. Herr Bebel fürchtet, daß die Ziffern seine vorgefaßte Meinung zerstören konnten. Aber Tatsachen, die auf Ziffern basieren, lasten sich nicht aus der Welt schassen, auch nicht durch das homerische Gelächter, von dem Herr Bebel erzählt bat. Ter Abg. Ablaß hat gesagt, man darf unter keinen Umständen in ein schwebendes Verfahren eingreifen, aber gleich daraus hat er das schwebende Verfahren gegen Dr. Kersting in aller Öffentlichkeit behandelt. (Sehr gut! rechts.) Es werden alle Fälle untersucht werden.

Die schuldigen Beamten sollen bestraft,

die unschuldigen beschützt und die Verleumder zur Rechen­schaft gezogen werderu (Beifall.) Ich finde e5 aber sehr unrecht.

wenn man verdiente Beamte angreift, ohne ausreichendes Beweis­material zu haben. Das gilt insbesondere von den Angriffen gegen Herrn Dr. Grunert. Ihm wird von dem Gouverneur das allerbeste Führungsattest ausgestellt. (Lachen bei den Soz.) Es heißt darin, er sei ein sehr erfahrener Beamter, der sich mit der größten Hingebung der wirtschaftlichen Hebung seines Bezirkes ge­widmet habe und dessen Ausscheiden für das Schutzgebiet ein großer Verlust wäre. Wie kann man einen solchen Beamten, der 14 Jahre im Kolonialdienst ist und sich nichts bat zu schulden kommen lassen, in dieser unsubstanzierten Weise angreifen l

Aehnlicher Art sind die

Angriffe gegen Dr. Kersting.

Es handelt sich dabei um Vorgänge, die zum Teil in Togo, zum Teil in Berlin spielen. In Togo handelt es sich im wesent­lichen um Streitigkeiten der Missionare mit den Regierungs­beamten. (Lachen bei den Soz. Zuruf:im wesentlichenI?" Abg. Hoffmann hebt den vom Abg. Roeren gezeigten Stock in die Höhe. Große Heiterkeit.) Ich muß meine Beamten schützen, wo sie zu Unrecht angegriffen werden. Es macht mir keine Freude, das Verhalten eines Beamten hier zum Gegenstand der Ver­handlungen zu machen, und ich habe Ursache, daran zu zweifeln, ob dies im Kreise meiner näheren Freunde gewünscht wird. Ich muß es ober tun, weil der Abg. Roeren es provoziert hat. (Unruhe im Zentr.)

Die Reinlichkeit der Kolonialverwaltung

kann darunter nur gewinnen, wenn diese Dinge im vollen Licht der Oeffentlichkeit behandelt werden.

Der Abg. Roeren bat behauptet, der Erlaß, den ich in betreff des Wistuba gegeben habe, sei gar nicht von mir, sondern von einem richterlichen Beamten. Das ist nichr der Fall, ich habe ihn ganz allein gemacht und vertrete ihn nach allen Richtungen. Er ist nicht die Folge eines Druckes, sondern gerade der Gegendruck gegen illegitime Einflüsse. (Erneute Unruhe im Zentrums Ter Abg. Ablaß hat bezüglich der Schreiben des Wistuba nicht mit geteilt, daß letzterer in einem Handschreiben an den Reichskanzler feiner Verwunderung darüber Ausdruck gegeben hat, daß nicht längst die vorgebrachten Dinge der Staatsanwaltschaft übergeben seien.

Ich sage, die Verwaltung muß es ablehnen, sich zum Brief­träger des Wistuba zu machen und Anklagen mit dem Mantel der amtlichen Autorität zu decken, die es nicht wert sind.

Dazu sind wir nicht da.

(Beifall rechts.) Herr Wistuba selbst hat sich schwer gehütet, diese Dinge an den Staatsanwalt zu bringen, denn er weiß sehr wohl, daß er sich dann nicht mehr hinter den § 193 St. G. B. verstecken kann, was er so gern tut. Unser Grundsatz ist,

nichts zn vertuschen.

ES sind Ermittelungen in Sachen des Dr. Kersting an- gestellt worden. Es sind sämtliche weißen Zeugen vernommen worden. (Ironische Zurufe von den Soz.: Weiße?) Die Herren werden, wenn die Schwarzen etwas anders sagen sollten, wie die Weißen, doch nicht verlangen, daß wir ohne weiteres den Schwarzen Glauben schenken sollen. (Lachen bei den Soz.) Die sämtlichen weißen Zeugen haben in ihren Aussagen die gegen Dr. Kersting erhobenen Anschuldigungen bestritten. Herr Kersting ist ange­wiesen worden, wieder nach Afrika zurückzukehren, und ich habe telegraphisch angeordnet, daß alle schwarzen Zeugen zur Ver­nehmung an der Küste sein sollen, ehe Dr. Kersting dort eintrifft. Der frühere Vorgesetzte des Dr. Kersting Graf Goetz sagt von ihm, er sei ein zuverlässiger energischer Beamter, der beliebt sei bei den Eingeborenen, sich als stets hilfsbereit erwiesen habe und dem man schlechte Handlungen nicht zutrauen könne. Nun sagt die Kölnische Volkszeitung" von den Missionaren, sie machten von ihrem reichlichen Material keinen Gebrauch, denn sie huldigten dem Prinzip, nur zu sprechen, wenn dringende Not es erfordere. Das heißt doch: Die Herren halten das Material

als Druckmittel über den Beamten

und benutzen es, sobald er ihnen nicht mehr paßt. So wird es in Togo gemacht, und in Deutschland besorgt diese Sache Herr Wistuba und es verficht sie Herr Roeren. (Große Un­ruhe im Zentrum.) Was soll man zu der Erzählung von dem Koch sagen, den Dr. Kersting, nachdem er ihn mehrfach habe prügeln lassen, in eine Kiste gesperrt und dann in einem Walde ausgesetzt habe, wo Hhänen, Leoparden und andere wilde Tiere sich aufhielten? Das ist eine Geschichte, die in ein M ä r ch e n b u ch für kleine Kinder gehört, die Sie aber keiner Behörde ausbinden können. (Unruhe und Zurufe beim Zentrum.) Wo haben Sie denn einen einzigen Zeugen dafür? Und wie ver­hält sich die Sache mit dem anderen Koch, dem Koch Mesa? Er soll von Dr. Kersting umgebracht sein, und Sie haben dafür auch einen Zeugen. Dieser Zeuge ist aber ein Mann, von dem der Kameruner Oberrichter sagt, er sei

als Schurke und Verbrecher

allgemein bekannt, und der jetzt wegen Lügen vor Gericht in Ketten liegt und in Deutschland wegen Meineioes im Zuchthaus sitzen würde. (Hört! hört!) Einen anderen Mann soll der Dr. Kersting erschossen, darauf ihm den

Kopf abgeschnitten

und diesen in seinem Zimmer aufgehängt haben. Man bedenke, Dr. Kersting ist ein fein gebildeter europäischer Arzt, der nie eine Waffe bei sich trägt, und der soll das gemacht haben. Was ich über die Sache erfahren habe, ist folgendes: Ein schwarzer Medizinmann hatte sich damit abgegeben, ein besonderes Ermittelungsverfahren zu ersinnen. Er mischte zwei Tränklein, gab sie den Beschuldigten zu trinken, urü) wer daran starb, der war der Schuldige. Gegen diese Sorte von Justiz, die vielleicht von Ihnen (zu den Soz.) sehr verteidigt wird, weil sie von den Ein­geborenen stammt (großer Lärm bei den Soz.; Rufe: Unver­schämtheit!), mußten wir natürlich einschreiten. Der Medizin­mann wurde von einer Patrouille verfolgt und erschossen. Diese hat ihm dann den Kopf abgeschnitten unb, ihn zu Dr. Kersting gebracht. Dr. Kersting hat den Schädel präpariert, und er ist zu sehen in der Königgrätzerstraße im naturhistorischen Museum. (Heiterkeit.) Das ist also das Material, auf Grund dessen Sw den Herrn Dr. Kersting angegriffen haben. (Lachen und Wider­spruch im Zentrum.) Sie haben auch keinen anderen Zeugen, als wir. (Zuruf des Abg. Roeren: Das wissen Sie ja gar nicht.) Sonst hätten Sie es mir sagen müssen. Nun bin ich ja weit davon entfernt, den Missionen irgend etwas nachsagen zu wollen, aber geradeso wie es Beamte gibt, die nicht stichhaltige Dinge ver­breiten, so gilt das unter Umständen auch von den Mrssionaren. Und die Missionare haben den Herrn W i st u b a in der Be­schaffung seines Materials unterstützt. Wistuba ist ein Mann, der jede Urteilskraft verloren hat; er hat sich von sehr gehässigen Mo­tiven leiten lassen, und

eine Art von Neben regierung zu begründen versucht. . .

ES ist ein höchst eigentümlicher Herr, dreier Herr Wistuba, der allerhand falsche Sachen über den Reichskanzler in die Welt setzt! (Redner kramt eine Zeitlang schweigend in seinen Akten herum und kann das gesuchte Faszikel nicht finden.^ Lange Pause. Bei den Sozialdemokraten fällt der RufHört, hort!" Große Heiterkeit.) Uebrigens: Herr Roeren hat die ganze Togo-Ange­legenheit seit mehr als 2 Jahren gekannt, und er hat bis jetzt ge­schwiegen. Also, er h a t vertuscht, und nicht ich! (Große Unruhe im Zentr.) Herr Roeren hat sogar der Kolonialabteilung schriftlich 4 Vorschläge gemacht, wie man Herrn Wistuba die Treppe hinaufwerfen könnte. (Zurufe: Hört! Vorlesen!) Redner verliest unter großer Heiterkeit diese 4 Vorschläge, wie man Herrn Wistuba anderweitig beschäftigen sollte. Um einen Mann, der mit unbe­wiesenen Behauptungen operiert, brauchen wir uns wirklich nicht zu reißen. Es gibt in Deutschland, Goft sei Dank, noch genug ehrliche Beamte, denen absolut nichts vorzuwerfen ist. Das ist ein sehr trauriges Kapitel,

diese ganze Angelegenheit. Dahin gehören auch die Verhandlungen, die Herr Roeren mit einem meiner Vorgänger geführt hat. Man hat da Beamte versetzt, ohne sie auch nur zu hören (hört, hört!) und dergl. mehr.

Noch

ein Wort an Herrn Roeren, der seine Pflichtenals Richter doch mehr oder weniger kennen sollte. (Große Unruhe im Zentr.) Herr Roeren hat tele­graphisch an die Verwaltung das dringende Ansuchen gerichtet, das Disziplinarverfahren gegen Herrn Wistuba zu inhibieren. (Hört, hört!) Und nun das stärkste Stück: Unter dem 12. Februar bat Herr Roeren gelegentlich seiner zeugeneidlichen Be­kundung folgende Aeußerung getan die zwar nicht dem Wortlaut, aber genau dem Sinne nach wiedergegeben wird: Wenn die Wistuba-Angelegenheit nicht in der von uns (dem Zentrum) erwarteten Weise erledigt wird, werden wir uns ge­nötigt sehen, für die Kolonien

nichts mehr zu bewilligen!"

(Hört, hört, hört, hört! Große, anhaltende Unruhe.) Solchen Drohungen gegenüber will ich ein für allemal sagen: Wenn ich mein Amt nicht in Ehren und An stand führen kann,

bann werde ich fortgehen!

(Ein soz. Abg. schreit mit wütender Stimme:Tun Sie es doch!") Noch etwas: Herr Schmidt ist nicht, wie aus der Rede des Herrn Roeren hervorgehen konnte, in die Kolonie zurückgegangen, sondern ist aus dem Amte geschieden. (Abg. Roeren ruft: Das wußte ich!") Ja, wenn Sie es wußten, dann mußten Sie es sofort sagen, damit kein falscher Eindruck entsteht! (Sehr richtig!)

Ich habe den Brief an Herrn Wistuba geschrieben als eine Befreiung; es ging nicht anders. Mir tut es leid, daß es e i n angesehenes Mitglied der Zentrumspartei ist, das ich habe bloß ft eilen müssen. (Große Unruhe im Zentr.) Aber Sauberkeit vor allem!

Am 19. November richtete ich an den Domkapitular Hespers einen Brief, in dem ich ihn bat, bei der friedlichen Lösung der schwebenden Angelegenheiten mitzuwirken. Ich gab ihm von den

Misihelligkeiten zwischen den Missionen und den Beamten in Togo Kenntnis, die auch nack den Beamtenversetzungen nicht aufhören wollen. Unter diesen Umständen sähe ich mich zu meinem lebhaften Bedauern genötigt, gegen die Mitglieder oer Mission, welche die Urheber seien, von meinen administrativen Machtmitteln Gebrauch zu machen. Ich achte den Wert der Missionen sehr hoch, halte es aber für meine Pflicht, die Aufmerksamkeit der zuständigen Stellen auch auf deren Mißstände zu lenken. Das ist

mein Programm gegenüber den Missionen, und darin werde ich mich nicht beirren lassen. (Beifall.) Der Togo-Fall ist ja zum Glück nur eine Ausnahme. Sonst herrscht überall das beste Einvernehmen. Ich werde die Missionen nach allen Richtungen schützen, weil wir in einer christlichen Kultur leben 1 (Beifall.)

Dbg. Dr. Arendt (Rp.):

Namens meiner politischen Freunde will ich zunächst dem Herrn Bureaudirektor Jungheim unseren Dank und unsere Anerkennung aussprechen für seine Haltung gegenüber den Beamten, ebenso dem Präsidenten für seine Anordnungen. Wir bemerken, daß wir ihm stets zur Seite stehen werden.

Nun einige allgemeine Bemerkungen. Ich schicke voraus, daß der Abscheu vor Grausamkeiten unter keinen Umständen Parteisache fein darf. Der Kolonialdirektor könnte sich gar kein größeres Verdienst um die Kolonien erwerben, als wenn er den Ausschreitungen der Kolonialbeamten ein für allemal ein Ende machte! Die Mißhelligkeiten zwischen Mission und Beamten in Togo stellen gottlob nur einen Einzelfall dar. Aus meinen per- önlichen Wahrnehmungen in den Kolonien kann ich nur bestätigen, ) sonst überall ein überaus gutes Einvernehmen zwischen den Behörden und den Missionen besteht.

Die Art, wie der Abg. Bebel hier gegen die Firma Tippel?- kirch und Woermann aufgetreten ist, geht über jedes Maß hinan?. Wenn die Firma Woermann wirklich so gewesen wäre, batten wir noch weit höhere Frachten bezahlen müssen. Die Verhältnisse in Südwestafrika verkennt er vollkommen, wenn wir so bandeln wollten, wie er cs vorschlägt, so würde man uns dies als Schwäche anrechnen, die Aufstände würden kein Ende nehmen. Seltsam denkt er über die Eigentumsverhältnisse, den Schwarzen will er das Land geben, den Weißen hier will er alles Eigentum nehmen. Grade in Südwestaftika sind die Weißen als Befreier erschienen, sie wurden von den Missionaren gerufen, weil die Eingeborenen sich gegenseitig airfrie&en. Auch über die parlamentarische Studien^ reife hat Herr Bebel gewitzelt, es ist ja allerdings weit beguemer zu Hause zu sitzen und Witze zu machen, als in den Kolonien seine Haut zu Markte zu tragen. Die Art, wie er aber am Sonnabend gegen Herrn Lehmann sich wandte, war paramentarisch unzulässig, Anstand und Würde sollte man doch auch im Reichstag wobren. (Zustimmung.) Wenn Bebel aber gar von Patriotismus spricht, so ist das doch, al? ob der Blinde von der Farbe spräche. (Sehr toflbr I) Ich möchte Vorschlägen, die stenographischen Berichte sofort in die Kolonien zu senden, damit sich die Beamten gleich äußern können. Aeußerst leichtfertig hot am Sonnabend Herr Ablaß sich, geäußert, Oberst v. Lieber! sollte gar nicht als Gesandter nach Peking gehen, sondern als Militärinstruktor. Herr Ablaß hat also ein reine? Märchen erzählt. Es ist doch ein starkes Stück, hier so zu sprechen, ohne sich vorder orientiert zu haben. Mißgriff" der Beamten verurteilen auch wir, mit dem Abg. Roeren sind wir dagegen, daß die schlechten Elemente daher abgestoßen werden. Den Antrag des Abg. Bebel, die Akten im Fall Peters einzufordern, werde ich gern unterstützen, vielleicht könnte eine Subkommission diese Akten eingehend prüfen, mir würde das nur angenehm sein. Nun zum Fall Peters selbst! Der Abg. Bebel hat den Versuch gemacht, mit Hilfe de? Tucker­briefe? einen politischen Gegner tot zu machen. Wenn ich Herrn Bebel politisch tot machen könnte, täte ich cd gern, wenn ich aber solcher Mittel mich dazu bedienen würde, wie des TuckerbriefcS, so würde ich mich vor mir selber schämen. Der Abg. Bebel bat hier so gesprochen, als ob er den Tuckerbrief selbst gesehen hätte. Da dieser Brief gar nicht existiert, hätte er sich doch anders äußern müssen, er hätte doch andeuten müssen, daß ihm nur von dem Brief erzählt wäre. Statt dessen aber tut er so,alS ob er den Brief in der Hand gehabt hätte. Durch deu Tiickerbrief wurde die Untersuchung gegen Dr. Peters in aanz andere Bahnen gelenkt, auf Grund deS Briefe? wurde eine neue Untersuchung gegen Peters eingeleitet. Redner schildert auf Grund der NeichstagSdcrichte eingehend den Fall Peters. Später ist Bebel dann zu einem teilweisen Widerruf ge­kommen , alles Falsche hat er aber nicht zurückgenommen. So ist an der ganzen Mordgeschichte, daß Peters seine Konkubine ermordet hat, kein Wort wahr. Diese Behauptung, Herr Bebel, hätten Sie also ebenso zurücknehmen müssen wie den Tuckerbrief! Fest steht nur, daß zwei Hinrichtungen ftattgefunben haben. (Ruf b. d. Szd.: Alsa doch!) Ja, aber nicht aus dem von Ihnen angeführten Grunde. Hinrichtungen sind jedem Kulturmenschen etwas widriges, aber e? können Umstände eintreten, wo sie notwendig sind. (Großer Lärm b. d. Soz. Die folgenden Worte des Redners gehen in dem Lärm verloren. Er erzählt etwas von einer Konkubine.) Es ist ja scheuß­lich, daß mau das alles sagen muß, aber es handelt sich um die Verteidigung der Ehre von Männern. (Ruf b. d. Soz.: Von Verbrechern I Große Unruhe.) Ich werde darauf noch zurück- fommen. Ich hafte Sie jetzt bei dem Wort Verbrecher. (Abg. Bebel: Jawohl, Verbrecher 1)

Präsident Graf Ballestrem:

Ich bitte Sie doch, sich zu beruhigen und nicht den Redner AU unterbrechen. Das geht nicht. Wir werden sonst ja nie fertig. Der eine reizt den andern, der muß antworten, und dadurch wird wieder der dritte gereizt. (Heiterkeit.) Wohin soll das führen?

3 btuW ihne' überg Straf urteil hat.' mann des 5 also Herr gei'ast gungi Bron von habe Reich Zeug! ffiiebi und samm man yerfai wurde ausge schr.st Schlü in der hat je Erlläi lang nacbgi eS Hei ncten i Vorwi lich di sie un batten Wäre Einfluj bann blieben Herr H die wir wendete Hellwig hat. Jnteress Herr £ nehmen J(b hat auch in der lei! um die 65 hat, in oder ö dem § die Be! zurück gesuch bienfte. Herrn Diese Teil t -ugefüt

Hut tratf) mtii N ifn ( Politik be lurs vvi hat sirr war der Manne Heüwig treten li arbeiten tmb dc Wir mi die ver konnten, heute f Dr. ürt moralisct eine Mei Duckerbri "°ch gern o<e dring über den wird sich Ledel.

, Äie habe. § wir seist entkräfte ivendunc der Kol! Beiei verehrte fvn in lehr. (] Redner- atefie stellu , De trau! ®>einc fl ein er das »hm des traulich gleiche ( Die Ä Jnb auc schrieb c Mission Haden, sodann damit e>

- .Dai Seit wals d gewacht Zu stiinn Lst* ^aftungZ da

U°"ialei Men Q. >en°< v der