Ausgabe 
6.10.1905 Erstes Blatt
 
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gnT> Vrr ben TncfiOPTt diplomatischen ffreifen verlautet, werde sich der Minister des Aeußercn Graf Lamsdorff m nacMer Ä nach Paris und Berlin beaeöen, um mtt dem Mi- Z^äsidewrnRouvier und dem Reickskan-.ler ^riten Bu- niw^^^ichtifle politische Fragen ^konferieren AnaewHnlich handle es sich um ben Plan eines engeren KMltnisfes Zwischen Rußland und Deutsch­land an d^r auch Frankreich als Bundesaenone Rußlands interessiert sein müßte. Tie Reise des Grafen Lams- doA nach Paris und Berlin cr'olgt in A u N r a g d e s Zaren, ter den bezüglichen Beschluß nach der ^ltgegennahme des Be^ richtes des Grafen Witte über ieinen H^ang beim Katfer Wilhelm und dem Präsidenten Loubet, wwie uler snue Besprechungen mit dem Reichskanzler ^-firftcn Bulow und dem Ministerpräsidenten Rouvier gefaßt batte. ~

Londoner Blätter heben ubngenS die Bezugnahme bc-> Kanzlers auf die Beziehungen zwischen England und Deutschland al? besonders wichtig hervor und erklären seine Aeußerungen über die Undenkbarkeit eines deutsch-englischen Krieg eS für absolut richtig. Die übrigen Aeußerungen deS Reichskanzlers über die Marokko- Krise und die deutsch-französischen Beziehungen wer­den weniger s p mpatbi'ch m London besprochen.

Mch dem Kriege.

In Petersburg fand eine geheime Sitzung des Staa^tSrateS wegen der Frage einer besonderen Ehrung für Witte statt. Obgleich die Mehrzahl der an­wesenden Duma-Mitglieder für eine spezielle Ehrung Wittes war, erklärte die Minderheit der Radikalen, falls diese Frage in offizieller Sitzung verhandelt werden würde, so würden sie den Antrag zu Fall bringen, weil Witte keine Ehrung verdiene. Infolgedessen nahm die Stadt von irgend einer Ehrung Wittes Abstand.

Aus den beim russischen Finanzministerium von den ihm unterstellten Kasten und von den ausländischen Bank­häusern eingesandten vorläufigen Kastenausweisen über die StaaatSeinna hmen und Ausgaben während der ersten sechs Monate des Jahres 1905 ergibt sich folgendes in Tausenden von Rubel: Ordinarium: Einnahmen 949.246 gegen das Vorjahr mehr 14.352, Ausgaben 921.580, weniger 26.730; Extraordinarium: Einnahmen 462.003, mehr 178.594, Ausgaben 562.404, mehr 400.696.

Aus Tokio niclbct gleichzeitig Reuter: Graf Okuma, der Führer der japanischen Opposition, besprach in einer Rede vor den vereinigten Handelskammern die plötzliche Ans- dehnung des japanischen Finanzwesens und führte aus, daß nach der vollständigen Zurückziehung der japanischen Truppen die Schuld Japans sich auf 2500 Mi llionen 9) en belaufen werde, deren Verzinsung die runde Summe von 150 Millionen erfordern werde, das nahezu Doppelte der Staatseinnahmen vor zehn Jahren. Der Steuerbetrag auf den Kopf der Bevölkerung vor dem Kriege sei vier 9)cn gewesen, jetzt betrage er zwölf 9)en; die Nationalschuld vor dem Kriege habe zwölf 9)cn pro Kopf betragen, nach dem Kriege betrage sie 50 9)en. Indessen betrachtet Okuma die Lage nicht pessimiftisch; er betonte die Notwendigkeit, daß die Geschäftswelt ihre Tatkraft zur Entwicklung produktiver Unter­nehmen aller Art verdoppele.

Ferner meldet Reuter aus Tokio: Die offene Bewegung gegen den Friedensvertrag hat tatsächlich aufgehört, dagegen ist ein Feldzug gegen die Minister eröffnet worden, die einen sehr Hefti gen Angriff auszuhalten haben werden, wenn das zur Zeit vertagte Parlament seine Sitzungen beginnt._________ ______________________

Vom Berliner Elektrizitätsstreik.

Berlin, 5. Oktober.

Die Aussperr n n g von weiteren mehr als 20 000 91 r =» Ü eitern durch den Verbund der Berliner Metall indu­striellen, die für den 11. Oktober angedroht worden ist, bet unter der Arbeiterschaft große Erbitterung hervor - gerufen. Tie Streikleitung i"r überzeugt, daß die Drohung ernst gemeint und man rechnet bereits damit, daß die Aussperrung tatsächlich erfolgen wird. Sie trifft alle Vorkehrungen, um in dem Kampfe, gerüstet zu bleiben. Ein Generalstreik in allen verwandten Industriezweigen dürste die un- mittelbare Folge J)cr von den Arbeitgebern getroffenen Maß­regel sein. Tic Straßenbahner werden ihre neue Forder­ungen. falls man sie nicht anerkennt, durch eine Arbeitsnieder­legung durchzusetzen suchen. Aehnlich "denken andere Arbeiter- ffategorien. Die Unterßüvung der Arbeitgeber durch die B e h ö rd en soll größer sein, als allgemein bekannt wird.

Der Ge>.''ästsführer der Ber!iiter M e t a l l i n d u str i e l l e n, Hauptmann o. T. Klefsi'l, erklärte in einer Unterredung:

Wir befinden uns im Stande der Notwehr, wir müssen den Angriffen der Arbeiterorganisationen begegnen, und kein Mensch kann uns verdenken, daß wir mit einem Radikalmittel Vorgehen. Daß sich die Lage dadurch verßhürft, ift klar, denn nachgeben werden wir auf keinen Fall, und auch ba3 Entgegenkommen, das die zuerst von dem Streik bch offnen, Firmen ber Arbeiterschaft gegenüber gezeigt haben, wird ausbören. Die nitgeboten en Bewilligungen werden meines Erachtens nicht erneuert werden, die Arbeiter werden sich auf 6'ncbc oder Ungnade ergeben müssen. Natürlich sind die F'.rm-'ii iederzeit bereit, mit ihren Arbeitern zu verhandeln." Die Erösjnungs Vorstellung des Berliner Theaters kann, da infolge des Streiks die elektrische Anlage nicht fertig geworden ift, am Samstag nicht stattfinden

DsLttscbes Aetetz.

Berlin. 5. Okt Ter Kaiser wird, wie daS ,.B. T." meldet, am 9. Oktober von der Rückreise von Rominten nach Berlin Danzig besuchen. Die kaiserliche JacktÖohenzollern" und daS DepeschenbootSleivner" sind heute mittag, ber Kreuzer Berlin" ist gestern nach Pillau gegangen.

Tie Enthüllung des Moltke-Denkmals in Berlin ift vom Kaiser aus ben 26. d. M., dem 105. Geburtstage des Ieldmarschalls. festgesetzt. Tie Feier erhält einen vorwiegend militärischen Charakter Mit dem obersten Kriegsherrn werden sich Vertreter' der ganzen deutschen Armee. Stabsoffiziere aus allen Teilen des Reimes vereinigen. Auch die Krieg er ver­eine nehmen teil, ferner auch Vertreter der Studenten- sch a f t. Insgesamt werden über tausend Personen der Ent- hüllungssei-w beiwohnen.

Der hessische Finanzminister Dr. Gna ulh ist aus Darm­stadt hier angekomiuen und im £>otd Küiserhof iibgeftiegcn.

, Wie dieDerl. Pol. Nachr." Mitteilen, bat die vreuß. Re- gierung eine einnelxmbe statistische Erhebung über die von der Ernfuhrnng der Zwvlstelung bei der Bildung der Wa bl- abteilungen für di e vreuß. LandtagSwablenzu erwartende Wirkung veranlaßt. Die Ergebnisse dieser Erhebungen smd int statistisclien Landesaint zusammengestellt und verarbeitet worden.

Rud olstadt, 5. Okt. Bei den heutigen L andta gS» nachwahlcn wurden zwei Sozialdemokraten gewählt, sodaß uw der Landtag des Fürstentums aus achr bürg er- ltchen und acht sozialdemokratischen Abgeord­neten zusannnensetzt.

Baden-Baden 5. Okt. Ter Gesandte Dr. Rosen ist . »um «oortrug beim Reich^nnizler Furt den Bülow hier eingetroffen.

M ö ck e l mit Beigeordneter (Bntzb. Z.)

Tornrngnic berurteUt worden. .

Tanger, 4. Okt. Laut einer offiziellen Mitteilung aus Fez ist der Vertrag über den deutschen Vorschuß von zehn Mill. Mark vom Maahzen unter?eiränet worden.

gemein gefordert wurde die Au§bchnu.ng der Fleisch­beschau auf die Hausjchlach Lungen. Die .......... Zuckerfabrik nahm Montag ihren Winterbetrieb behauptet "zu wissen, daß Kaiser W il- auf. Täglich treffen große Mengen Zuckerrüben aus allen

Bürgermeister-Stichwa hl würbe Georg 73 Stimmen gewählt. Sein Gegenkandidat, MathäuS Philipps III. erhielt 54 Stimmen.

r. Nidda, 5. Okt. Gegenwärtig beginnt es bei unS unsicher zu werden. Vorige Woche wurden einer Hospital- pfründnerin 2 M k. entwendet. Vorletzte Nacht wurde bei dein Schuhmacher Heilmann gegenüber demGambrinus" eingebrochen und eine Partie Schuhe gestohlen, dem gegenüber der Sparkaste wohnenden Landwirt Seum wurde der Koffer mit Inhalt gestohlen, der am folgenden Tage an seinen Sohn in Gießen geschickt werden sollte. Einen angeschnittenen Laib Brod au5 dem Koffer fand man in der Nähe. Dem Nachbar Burk wurde eine Schürze vom Seil geschnitten, welche sich außerhalb der Stadt wieder vorfand und scheinbar zur vorläufigen Verpackung der gestohlenen Gegenstände gedient hatte, lieber die Person des oder der Einbrecher ist man noch im Zweifel. .

§ Ruppertenrod, 5. Okt. Eine namhafte Steige­rung im Preise erzielte die gestrige Verpachtung der Fischerei nn hiesigen Ohmlaufe. Während dieselbe seither 62 Mk. kostete, gilt sie jetzt 164 Mk. Dieser hohe Preis ist um so auffallender, als der Fischreichtum in dem verpachteten Bezirk in den letzten Jahren ganz bedeutend zurückgegangen ist. Ungleich besser ist der Fischbestand, insonderheit Forcllen- reiehtum, in der Gemarkung Ober-Ohmen, deren Fischerei-

Aas AM und La»d.

Gießen, 6. Oktober 1905.

Personalien. Dem israelitischen Neligionslehrer Heinemann Neumark zu Altenstadt, Kreis Büdingen, wurden die Rechte eines definitiv angestellten Volksschullehrers erteilt. In den Ruhestand wurde versetzt die Lehrerin an der Volksschule zu Mainz Anna'Nanz e n be r gc r auf ihr Nach­suchen, unter Anerkennung ihrer treu geleisteten Dienste, mit Wirkung vom 1. Oktober 1905. Entlasten wurde die Lehrerin an der Volksschule zu Mainz Pauline Görtz auf ihr Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. Oktober aus dem Schuldienste.

" Die Erste Kammer tritt am 19. Oktober

l. Friedberg, 4. £?:. Eine Versammlung der

__ m -rlL * t; . HinWp nach» Fleischbeschauer Oberhes sc ns fand im Beisein des

Paris,..5. Okt. Präsident LoubeMonttanh Kreistierarztes Dr. Zinßcr und der Tierärzte Merle-Butz- ÄtU JSÄWS« bad), Kumpf-Reichelsheim und Zipp-Assenheim hier statt

iw Depart-mcnt^Nord h Nach Erledigung der beruflichen Verhandlungen kam cs

^nareffes Im Speisewagen deS^Eisenbahnzuges wurde auf der zu einer längeren eingehenden Besprechung Über die Er- Hinfahrt ein Frühstück gegeben. Hierbei s-raw Profesior von hohung der Fl ei s chb e s ch au ge b uh r en. Es wurde De bring von seinen Arbeiten über die Tuberkulose und kündigte pLschlcsscn, bei der Regierung vorstellig zu iverdcn, daß an, baß er am Sonntag in der Plenarversammlung des Kongresses Dcschaugcbühren für Großvieh von 60 Pfg. auf 1 Mk. darüber einen Vortrag halten werde. und für Kleinvieh, Schweine, Kälber, Hammel von 30 Psg.

- Die bei der deutfcb-fra^osifchen Verftand.gung vnm 50 Pfg erhöht werden. Eingehend erörtert unb all- gebliebene F-rage des M o l e n b a n e s t n T a n g e r )and n^nmeyr ------s«. a-

Walls ihre Erledigung, indem die französische Re­gierung die Berechtrgnng des beut) djen An spru chs auf die Aussilhrrmg des Mohenbaues,a n e r ka nn t e.

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Helm seit Monaten alle französischen Zertungs-Ausi Teilen der Metterau ein und an der Artsladestelle liegen ke gegen Rußland sammle und dem Zaren personlrch ganze Berge Rüben. Tic Rüben sind sehr reichlich ausgc- zusende. -,T fallen und besitzen einen hoben Zuckergehalt.

Ein Teil der »sozialdemvkratr ^aanda auch Fauerbach v. d. H., 4. Oktober. Bei der heutigen geplant, eine an ttmt111 art)tt) chc fErotxi g an D a aua? u - 1 - . y 1 9

in das Heer zu tragen. Strenge Untersuchungen m den Ka­sernen ergaben jedoch bis auf einen Fall bisher nichw erheb­liches. Kürzlich entdeckte nun aber die Polizei em Komplott, dessen Teilnehiner in Rom, Mailand, Paris unb Turm leben. Gestern wurden sechs sozialistische Agitatoren verhaftet, bei denen eine Korrespondenz, betreffend ein Komplott zur Propa­ganda in den Kasernen gefunden wurde. Emer der Verhatteten konnte fliehen. Wie derMessagero" mitteilt, sind auch 20 Soldaten der Eisenbahnbrigadc zur Verschickung m bte Straf-

zusammen.

* Hessisch-Thüringische Staatslottcrie. In ber heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse fiel ein Gewinn von 50 000 Mk. auf Nr. 35666 (nach Mainz), Gewinne von je 10 000 Mk. auf Nr. 74682 (nach Darmstadt) 84455 (nach Offenbach), Gewinne von je 5000 Mk. auf Nr. 17056 48830, Gewinne von je 2000 Mk. auf Nr. 11166 16250

19636 25823 26098 27115 29543 35473 39777 45419

51306 53466 58953 64338 64366 68264 71243 72404

74758 75761 76418 80224 89338 91219 93838 98731

99683. (Ohne Gewähr.)

* Vom Vahnh ofs-Neubau ist wiederum ein Fort­schritt zu verzeichnen. Heute wurde der Wartesaal 1. und 2. Klasse in Benutzung genommen. Die einfach, aber geschmackvoll eingerichteten Räume werden nach Fertigstellung deS Bahnhofs-Neubaues als Wartesäle 3. und 4. Klasse be­nutzt werden.

* DaS Oktroi brachte der Stadt Gießen im Jahre 1904/05 eine Einnahme von 123195.67 Mk., von denen an Rückvergütung in Abzug kommen 14133.69 Mk. Die reine Einnahme aus der Verbrauchsabgabe beträgt somit 109 061.98 Mk., eine Summe, welche den Eingang des Vor­jahres um 3507.22 Mk. übersteigt. Die Llbgabe verteilt sich im einzelnen wie folgt: (Die eingeklammerten Betrüge sind die Rückvergütungen für die Wiederausfuhr.) 1. Schlachtvieh 38109.51 Mk. (54.06 Mk.). 2. Wild, Fleisch, Fleisch- iu ar en 7004.10 Mk. (685.92 Mk.). 3. Brennmaterialien 39 547.99 Mk. (903.06 Mk.). 4. Ntühlensabrikate und Hafer 5496.10 Mk. (2815.31 Mk.). 5. Getränke 33037.97 Mk. (6934.65 Mk.). Der Militärverwaltung wurde für Fleisch und Kohlen zurückvergütet 2740.69 Mk. Die Einziehung^- und Verwaltungskosten betragen 7.22 Prozent der Einnahme. Interessant sind gewiß für nuferere Leser die eingeführten Mengen von Vieh, Wild und Fleisch, die folgende Zahlen ergeben: 1234 Ochsen, 118 Faselstiere, 442 Faselochsen und Kühe, 1157 Rinder und Stiere, 7643 Kälber, Hämmel und Schafe, 11439 Schweine, 47 Spanferkel, 725 Hirsche, Wildkälber und Rehe, 3820 Hasen und 1 Wild­schwein. An Fleisch wurde eingeführt: 111 Kilogramm zer­legtes Wild, 128 744 Kilogramm geräuchertes und gedörrtes Fleisch, Würste :e. Die Tätigkeit der Oktroierhcber an den vier Toren ergibt sich aus den ausgefertigten Bezettelungen. Im ganzen wurden ausgestellt 32 658 Scheine, von denen entfallen: Selterstor 12 569, Neustädtertor 12 379, Neuen­wegertor 4289, Walltor 3421 Stück. Danach hat das Walltor den schwächsten, das SelterStor den stärksten Oktroi­verkehr. Anzeigen wegen Verfehlungen gegen die Oktroi- vorschristen mußten im abgelaufenen Jahre 98 gegen 81 im Vorjahre erstattet werden. Jedenfalls muß zugestanden werden, daß bei der ganzen Handhabung dieser immerhin für den Verkehr lästigen Abgabe in der Stadt Gießen recht coulant seitens sämtlicher Beamten verfahren wird.

Im Zeichen des Verkehr. Daß c§ in unserer verkehrsreichen Zeit auch noch Leute gibt, deren geographische Kenntnisse nicht weit reichen und die selten oder gar nicht mit der Eisenbahn gefahren sind, beweist folgendes Vor­kommnis, das sich in der nordwestlichen Wetterau zutrug. Eine Bäuerin hatte in Gesellschaft mit anderen Frauen und Männern bei der Eröffnung der neuen Bahnstrecke Stockheim Heldenbergen viel von derSScIt* und den noch projektierten Bahnen gehört; darauf brach sie in die Worte aus: »Ach, woas is die Welt so grüß, etzt schwätze se aach noch vo öaane.- (Hanau ist gemeint.)

** Zum Raubmord bei Rüdesheim erläßt der Unter such ungsrichtcr in Wiesbaden unterm 1. Okt. folgende Bekanntmachung:Neuerdings haben sich gerichtliche Anhaltspunkte dasiir ergeben, daß der Ermordete J?n5rcißer Georg Erb, geboren am 12. Januar 1888 in Awder-Ohmen. z^tzt in Frankflirt a. M. in Stell- ung, identisch ist. Ich ersuche um schleunige Recherchen Insbesondere bei GlasrcinigungS-Jnstitutcn), ob Erb lebt, bezw nach dem 19. Ium gelebt bat. Im Falle der Er- mirtelung ersuche ich um Trahtnachricht. Möglich lebt der -Later unter dem Namen des Erschlagenen; daher Prüfung ver Identität und event. Festhaltung erforderlich."

Verpachtung im nächsten Jahre stattfindet.

R. B. Darmstadt, 6. Okt. (Eigener Draht» bericht.) Die am Dienstag vom hiesigen Schwurgericht wegen Raubmordes zum Tode verurteilte Frau Lotz aus Offenbach hat auf das Rechtsmittel der Revision am Reichsgericht verzichtet. Der Verteidiger richtete ein Gnadengesuch an S. K. H. den Gcoßherzog, das die Geschworenen mit zu unterzeichnen sich bereit erklärten. In der gestrigen nichtöffentlichen Sitzung der Stadtver­ordneten wurde das auf der Südwestseite der Stadt ge- gelegene über 100 000 Quadratmeter umfassende, dem Ober- hosmarschall von Westerweller gehörende Terrain, der sogen.Hopfengarten^, zum Preise von 6 00000 Mk. durch die Stadt an gekauft. Man bringt diesen Ankauf mit der Verlegung des Bahnhofs auf die Westseite der Stadt, nach Griesheim zu, in Verbindung, und es heißt, die Re­gelung dieser Frage solle bestimmt in aller Kürze erfolgen.

Darmstadt, 5. Okt. Der Kaufmannslehrling Johanes Ost heim er aus Groß-Umstadt befand sich gestern auf dem Rückwege von Dieburg, wohin ihn sein Prinzipal mit einem Auftrage geschickt hatte. Auf der offenen Landstraße wurde er von einem jungen Strolche angefallen, mit einem Knüppel zu Boden geschlagen, so daß er heftig blutend und schwer, wenn auch nicht lebensgefährlich, verletzt liegen blieb. Der Wegelagerer suchte seinem Opfer die Uhr und ein Packet zu entreißen, wurde aber durch einen Radfahrer, der zufällig des Wege? kam, verscheucht. Die Darmstadter Staatsanwaltschaft fahndet auf den Räuber, der etwa 18 Jahre alt, vvn untersetzter Figur ist und ein glattes schmales Gesicht hat. Der Tater trug eine graue Jacke, die auf dem Rücken zwei Riegel aufweist, und eine gelbliche Maurerhofe, die am Gefäß zerrissen und an den unteren Enden auSgefranzt ist, sowie einen dunklen weichen Filzhut. (Frkf. Ztg.)

Aus Rheinhesfen, 4. Okt., wird versch. Blättern mitgeteilt: Eine außerordentlich rege Agitation wird in den rheinhessischen Landtagswahlkreisen entfaltet, die dieses Jahr wieder zu wählen haben. Das Zentrum hat überall die Losung ausgegeben, jeden Kandidaten, einerlei, welcher politischen Partei er angehört, zu unterstützen, der für das direkte Wahlrecht eintritt. Im Wahlkreise Nieder-Olm-Nierst ein, der seither von dem Zentrums- aBgeorbncten Molthan-Mainz vertreten war, werden Flug­blätter verteilt, die den von nationallibcraler Seite aufge-- stellten Alldeutschen Dr. Winkler-Oppenheim als Gegner des direttcn Wahlrechts bezeichnen. Eine Widerlegung dieser Behauptung ist offiziell noch nicht erfolgt. Von angesehener nationalliberaler Seite wurde dem Einsender versichert, daß die Aufltellung eines Gegners des direkten Wahlrechts nicht die Zustimmung sämtlicher Vertrauensmänner der national- liberalen Partei findet. Auch in anderen hessischen Wahl­kreisen haben die Versammlungen der nationalliberalen Ver­trauensmänner ergeben, fcap Gegner des direkten Wahlrechts keine Aussicht aus einen Sitz im Landtage haben.

Frankfurt a. M., 5. Okt. Heute mittag entgleiste zwischen Kirn und Münster am Stein bei Niederhausen auf freier Strecke die Maschine des MetzFrankfurter Schnellzuges Nr. 145, der nachmittags 2 Uhr 12 Min. hier fällig ift. Die Entgleisung erfolgte auf dem hohen Damm, glücklicher Weise blieb die Maschine infolge einer Drehung nach links auf dem Damm. Hätte sie sich nach rechts gedreht, so wäre der größere Teil des Zuges die hohe Böschung hinuntergestürzt. Personen wurden nicht verletzt. Der Zug wurde auf ein anderes Geleise umgesetzt und traf mit 1-/.stündiger Verspätung hier ein. Die Ursache der Ent- gleifung ift, n. d.Franks. Ztg.", noch unbekannt.

Hanau, 5. Okt. Durch die gerichtlich vorgenommene Untersuchung deS unlängst angeblich an Wurstgift verstor­benen 16jährigen Kaufmannslehrlings Kraft, der bei einer frankfurter Firma in Dienst stand und der an der in einem frankfurter Geschäft gekauften Wurst gestorben fein soll, wurde festgestellt, daß er nicht infolge von Wurst- Vergiftung verschieden sei. Die Todesursache ist bis letzt nicht iestgestellt. (Frkf. G.-Anz.)

. , o- JT cdc rshauscn bei Löhnberg, 5. Okt. Es ist noch nicht ausgeklart, aus n-elchc Weise das verheerende Feuep