Q B a f ev. * M
* w, Ml
c»ne(<
LOCH A
ier
rxct*w *er Bieter.
IC
seolade
agier k Co., Mainz, ixbeti des Gro«herz--ö ■rt: Tmchlaucht Prmjejim .* 4&
hbach.
tner eAen iGebravdi
y&SSÖ Kssr
155. Jahrgang
Erstes Blatt.
Nt>
Zur Hochzeit utiicrcs Srotzherzo-r
” General-Anzeiger "
Amis- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen
Gchulstratze 7, Adresse für Depeschen: Anzeiger Gtetze^ ^ernsprechanschlußNr.bl.
Mittwoch 1. Februar 1905
Ve,ugSpre1»r
MA monatllch7bP^ viertel-
v jährlich Mk. 2.20; durch
A Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch
M M M M IMV d.ePost Mt.2.-viertel-
S 8Ä M jährl. ausschl. Bestellg.
® M M Annahme von Anzeigen
RN. 'ir die Tr 2sr" immer 's vo-mittags x) 'U»r.
Nr. S7 er,»eiet <«««» außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mtl dem hessischen Landwirt die Gießener Familien. (Hättet viermal in der Woche bergelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unweri.-Buch-u.Stem- druckerei. R. Lange, ^ohflftwn. Ervedltion
Zc'Vemrreis: ok"U12^ auswärts '<> j’y betont rooitl'd) sine den polit und Q.;e*iu Teil: P. Wittko: für ^Stadt und Lcmd^ und „ Gerichtss aal": August Goetz; für den Anzeigenteil: Hans Beck.
vgy^svSer 2. Februar 1905 ist ein vaterländischer Festtag. 5. K k). der Groß- Herzog Lrnst Ludwig schließt morgen seinen Ehebund mit I. D. der Prinzessin Eleonore von Solms-Lich. Damit hebt ein neuer Abschnitt der Geschichte des Großherzoglich hessischen Hauses an.
Die Freude über die Hochzeit unseres Großherzogs ist allenthalben von warmer Herzlichkeit. Die Bewohner der Hauptstadt verstehen es und würdigen es, daß es keine besonders großartigen Festlichkeiten gibt. Ls werden trotzdem die Feierlichkeiten Hunderte nach Darmstadt locken, die mit eigenen Augen teilhaftig werden wollen des immerhin bedeutenden Prunkes und der Pracht, die mit dabei sein wollen, wenn der geliebte Landesherr seiner Auserwählten an geweihter Stätte seinen Ereueschwur leistet. Die Zeiten sind jedoch für Festlichkeiten von besonderer Kostbarkeit nicht angetan, weiß man doch, mit welcher starken Liebe der hohe Bräutigam an seinen beiden Schwestern bängt, die aus Rußlands Fürstenthronen sitzen und denen ein widriges Geschick jetzt besonders schwere und unheilvolle Lage beschieden hat. Und seines kaiserlichen Vetters zweiter Sohn, seines dritten Schwagers, des Preußenprinzen Heinrich Neffe ist von einer heimtückischen Krankheit befallen, die von Lage zu Lage sich zu verschlimmern und das junge, verheißungsvolle, hoffnungsreiche Leben des talentvollen Kaisersohnes zu bedrohen scheint. Im Reiche aber ist des deutschen Volkes wie seiner Fürsten Blick gespannt gerichtet auf das Gespenst der Not, das vom Ruhrkohlenrevier aus sich auszumachen droht auch nach anderen'deutschen Landesteilen und weiten Kreisen der deutschen Bevölkerung Besorgnis einflößt.
Trotzdem freuen sich die Hessen von ganzem Herzen, besonders aber unsere Oberhessen, über das gütige Geschick, das der schönen und liebenswerten, stattlichen und eleganten Sprossin eines hessischen, eines oberhessisck>en rNagnatenaeschlechtes beschieden ist, den hessischen Thron zu besteigen. Jlan kennt und schätzt in Hessen längst die hervorragenden Eigenschaften des Licher
Jetzt, da zahllose Hände sich rüsten, um den Hochzeitstag Seiner König- lichen Hoheit des Großhcrzog; würdig zu begehen, wo so viel innige wünsche für des Landesfürsten und seiner hohen Gemahlin glückliche Zutuns! zum Himmel emporsteigen, da dringt auch ein Heller Klang längst vergangener Zeilen in die Gegenwart hinein, um zu erinnern an die viel gerühmt- hessen- treue, wie sie war, wie sie ist und wie sie bleiben wird.
Zn diesen Tagen, da Hessens fünfter Großherzog zum Jubel des Landes ein- h-fsifch- Fürfientochter zum Altar führt, sind 128 Zabre vergangen, s-it Hessens erster Großherzog das Gleiche tat. Am fy. Februar V*7 vermählte sich der damalige Prinz Ludwig, der nachmalige Landgraf Ludwig X. und seit J806 Großherzog Ludwig I mit Luise Karoline Henriette, der Tochter des Landgrafen Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt, einer geistvollen und durch ihre große Liebenswürdigkeit verehrten Fürstin. Und dem Großherzog Ludwig I. hat Hessen viel zu danken, vor allem sein- Verfassung. K-m Wunder daher, wenn er in seiner qojährigen Regierungszeit sich dis Herzen aller Landeskinder eroberte. Ihm war es vergönnt, das Fest der goldenen Hochzeit am fy. Februar f827 zu feiern, und sein ganzes Land feierte mit ihm. wie schlicht und einsach sind di- Worte, welche die damalige „Großh.
Fürstenhauses in d-n meisten seiner Mitglieder und kann mit Recht die schönsten Erwartungen auf di- junge Landesmutter setzen.
Dem hochzeitsfest wird der Glanz fürstlicher Besuche von auswärts nicht völlig fehlen. Freilick, hält den deutschen Kaiser die Sorg- um seinen erkrankten Sohn fern von den Darmstädter Feierlichkeiten. Und das Zaren- paar wie das Großfürstenpaar Sergius sind durch di- inneren russischen wirren an der Teilnahine an jeder Festlichkeit außer Landes verhindert.
Das hessische Volk bringt dem hoben paare zu seinem Hochzeitstage die herzlichsten Glückwünsche dar. Es blickt voll innigen vertrauens in di- Zukunft, es b-gleitet das hohe paar mit Augen der Liebe und Treue auf feinem nun gemeinsamen Lebenswege und setzt seine besten Hoffnungen voller Zuversicht auf das neuvermählte paar. Es weiß, daß es fest vertrauen darf auf das stark- Verantwortungsgefühl seines geliebten Monarchen und es zweifelt nicht, daß auch feine Großherzogin die schwierige Aufgabe, eine für- sorgende umsichtig- Land-smuttcr ihrem Volke zu werden, nach besten Kräften zu erfüllen trachten wird. Unser Land hat trotz seiner vielfachen mustergiltigen gemeinnützigen Einrichtungen, trotz feiner allen anderen deutfchen Landen zum Teil weit vorausgeschrittcnen sozialen Gesetzgebung, trotz seiner geographisch besonders begünstigten Lage inmitten eines stark erblühten Kulturreiches, doch noch mancherlei aufzubauen und einzurichten, daß es eines weisen und weit- schausndcn herrschcrpaares bedarf, soll es in seinem inneren Ausbau nicht gestört werden, soll es in seinem wirtschaftlichen Aufstieg- kein Hemmnis erfahren. Daß das von der Liebe seine; Volkes getragene, für alles Schöne und Gut-, Edle und hoh- begeisterte, allem Bedeutenden, Klugen und Zielsicheren wohlgeneigte hessische Großherwgspaar stets nach besten Kräften das Wohl seines Landes in jeglicher Weiss zu fördern beflissen sein wird, des sind wir gewiß.
fyff. Ztg." dem frohen Ereignis widmete, aber welche tiefe Wirkung mußten sie Hervorrufen. In Nr. 43 jener Zeitung lesen wir:
Darmstadt, am 19. Februar, was wenigen Ländern in naher und ferner Vergangenheit beschieden war, ist unserem Vaterlande zu teil geworden. Hessen feiert heute ein goldenes Fest: ein halbes Jahrhundert endigt heute, seit das beglückende Band geknüpft wurde, welches sein geliebtes Fürftenpaar vereinigt. Inbrünsttges Danhgebet steigt heute aus der Brust jedes Hessen zum Himmel empor, und jeder Hesse fleht um lange Erhaltung zweier kostbarer Leben.
Darum zeichnen wir diesen großen Tag in die Jahrbücher der vaterländischen beschichte ein, damit die späteste Nachwelt es wisse,
wann Hessen am glücklichsten war.
Können wir nicht beute jene Worte wiederholen und in sie unsere Wünsche einschließen, um sie zusammenklingen zu lassen in den Ruf: „heil unserem Großherzoglichen Paare!"? Ja, wir dürfen und können es, und indem wir unseren Blick in die ferne Zukunft schweifen lassen, dürfen wir ein Gedicht vom 19. Februar 1827 mitteilen, unter dessen Auspizien sich nun auch der Lebensweg des jungen Paares vollziehen soll. Als Verfasserin ist „Auguste Pauline" genannt. Die Gedanken des ganzen Landes spiegeln sich in den Versen wieder, welche die Form eines Zwiegespräches zwischen der Siamm= Wiuttcr des hessischen Hauses und dem Genius des Landes haben.
Die Stamm-Mutter des hessischen Hauses, „welche Töne hort' ich zu mir schweben? Was ruft niich aus Edens sel'ger Flur Noch einmal zum niedern Erdenleben Auf der StaubgeboTnen Freudenspur? Was ist das? Welch fteudiges (befummel Waltet hier, wem prangt der Festaltar? Jubelnd dringt ein Segensruf zum Himmel: heil, o heil dem teuren Fürftenpaar!"
Der Genius der Landes.
„Edle Mutter tapferer Geschlechter, Einer deiner Enkel waltet hier; Ludwig ist's, ein weiser, ein gerechter, Guter Fürst, des Thrones schöne Zier. Fünfzig llahre sind's, daß am flltarc . (Er Luisen seinen Schwur gebracht, Und durch fünfzig hochbeglückte Iahre haben Sie nur Glückliche gemacht.
Zur Zeier des V). Februar
„(Eigen ist Ihm jede Fürstentugend, Held und Rat ist Lr dem Vaterland. Selbst als Greis noch mit der Kraft der Jugend Führt das Steuer (Er mit starker Hand. Gern bereit, das Unglück zu beschützen, hat Er Trost und Hilfe stets vereint, Und in Seiner Fürstenkrone blitzen Tränen, die die Dankbarkeit geweint.
Und die Fürstin, Sie, die Milde, holde, Der so gerne jedes Herz sich weiht, Schöner, denn im Schmuck von edelm Golde Glänzet Sie im Schmuck der Weiblichkeit.
0) wie freudig stillt Sie Harm, und Klagen, Bis der Weinende sein Leid vergißt, Und der Zungfrau'n Mütter hört man sagen: Werdet so, wie eure Fürstin ist!"
„Mehr als Kron’ und Würde hoher Nhnen Ehrt dies paar das Lhrenmonument, Das im Herzen treuer Untertanen Nur in Lieb' und Dankbarkeit entbrennt Ihrer Taten Glanz wird nie verschwinden, Wird der fernen Nachwelt offenbart, Ia der Vater wird dem Sohn sie künden, Daß der Sohn dem Enkel sie bewahrt."
„heil dem Paar auf dem erhabnen Throne, Das so heiß für alles Schöne glüht, Das im Sohne und im Enkelsohne Uns zu neuen Hoffnungen erblüht.
Daß der Huldgott stets Ihr Glück vermehret, Fleht zum Himmel diese treue Stadt: fjeil den Fürsten, die man so verehret, heil dem Land, das solche Fürsten hat!


