Air Lochjeitsflsttage in Darmstadt.
K.-B. Darmstadt, 31. Januar.
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Mit dem feierlichen Einzug der Prinzessin- 9raut haben heute nachmittag die Festlichkeiten zur Vermählung unseres Großherzogs ihren offiziellen Anfang genommen. Die Stadt prangt in herrlichstem Festgewand, die Hauptstraßen und vor allem die breite Rheinstraße sind mit Fahnenmasten, Guirlanden, Draperien in den Reichs- und LandeSsarben so außerordentlich reich geschmückt, wie noch nie zuvor. Den Tag über herrschte ungünstiges, regnerisches Wetter, aber trotzdem begannen die Straßen sich schon um die Mittagsstunde mit Menschen zu füllen, und um 3 Uhr waren Rheinstraße, Landgraf Philipp-Anlage und der Bahnhofsplatz dicht besetzt. Vor dem reich dekorierten Main-Neckar- Bahnhof hatte eine Schwadron des 23. Lelbdragoner-Regi- ments unter dem Kommando des Rittmeisters v. Westerweller- Anthony Aufstellung genommen, auf bem Bahnhof neben dem Fürstenzimmer stand die Ehrenkompagnie des 117.Jnf.-Regt§. aus Mainz (Großherzogin von Hessen) mit der Regimentskapelle unter dem Kommando des Hauptmanns v. Stülpnagel. Als der Sonderzug mit der Prinzessin Eleonore und ihren nächsten Anverwandten punkt 4 Uhr in den Bahnhof einfuhr, erwies die Ehrentruppe die üblichen Ehren. Der Groß- herzog. in deffen Begleitung sich Prinzessin Heinrich, Prinz und Prinzessin Ludwig von Battenberg, Staatsminister Rothe, der Hofstaat und die Generalität befanden, begrüßte die dem Salonwagen zuerst entstiegene Prinzessin-Braut mit herzlicher Umarmung und hieß dann auch den Fürsten und die Fürstin von Soluis-Lich, die jüngere Schwester der Braut und die übrigen Herrschaften freundlichst willkommen. Der Großherzog hatte Generalsuniform mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens angelegt, Prinzessin Eleonore trug ein hellgraues, eng anliegendes Tuchkostüm mit weißer Pelzboa und hellgrauen, weichen Filzhut mit weißer Feder. Ihre anmutige Erscheinung und die leutselige, herzgewinnende Art, in der sie jedermann begrüßte, entzückten allgemein. Als nach Besichtigung der Ehrenkompagnie und deren Parademarsch das fürstliche Paar den Bahnhof verließ und den vien'pännischen offenen Galawagen mit Spitzenreitern bestieg, brach das vieltausendköpfige Publikum in stürmische, aus freudigstem Herzen kommende Hurrarufe aus, die sich auf der ganzen Fahrt bis zum alten Palais mit unverminderter Herzlichkeit sortsetzten. Den zweiten Wagen bestiegen Prinz und Prinzessin Ludwig von Battenberg, im dritten nahmen die Prinzessin Heinrich von Preußen, die jüngste Schwester der Braut und eine ältere Dame Platz. Beim Eingang in die Rheinstraße, dem künstlerisch sein geschmückten Rheintor, angelangt, wo auf einer Tribüne die gesamte Stadtvertretung Aufstellung genommen hatte, hielt Oberbürgermeister Morneweg an das hohe Festpaar folgende Ansprache:
„Zu heiligem Lebensbundc geleiten Ew. ftönigl Hoheit heute Ew. Turcvlaucht in die Haupt- und Residenzstadt. Freude, Jubel, und Begeisterung erfüllen das Hessenllmd in dem Glücke, eine hohe Landestochter als mildewaltende, sorgende Landesmutler zu empfangen. Bor allem freudig und sesckich gestimmt ist die Stadt Darmstadt, zu deren unveräußerlichen Rechten es gehört, Leid -mw Frrud des Großherzig licl?en Hauses in erster Linie zu teilen. Ehrfurchtsvoll entbietet Ew. König l. Hoheit und Ew. Durchlaucht der Stadtvorstand die innigsten Wünsche der Stadt und insbesondere Ew. Durchlaucht, gnäbigföe Prinzessin, herzlichsten Willkommens- grüß der neuen Heimat. Mögen Ew. Durchlaucht in unseren Mauern, gemeinsam mit Sr. Zlönigl. Hoheit, im vollsten Maße Las ungetrübte Glück finden, das die Liebe und Verehrung der -treuen Berölkerm^ aus Allerhöchftdicselben herabslehen. Gesegnet sei der heutige Tag des Einzugs, auf daß an ihn sich reihe eine lange glückliche Zeil für Ew. Königl. Hoheit und Ew. Durchlaucht, für das hohe Großherzogliche Haus, für unser geliebtes Hessenland und seine Hauptstadt. Tas walte Gott!"
Nach dieser Begrüßung nahm mit sichtlicher Bewegung Der Großherzog das Wort und dankte herzlich für die schöne Huldigung und Begrüßung, sowie für den warmen Empfang der Darmstädter Bevölkerung. Er sei überzeugt, daß auch seine Braut, die zukünftige Großherzogin, sich hier wohl und glücklich fühlen werde.
Unter stürmischen Hurrarufen der begeisterten Volksmenge setzte darauf das fürstliche Brauhpaur die Triumphfahrt durch die Rheinstraße fort.
Es darf als ein bemerkenswert günstiges Omen für xinfer Fürstenhaus bezeichnet werden, daß ^as düstere Regenwetter der letzten Tage, das mit kurzen llnkerbrech- ■ungen bis heute nachmittag anhielt, kaum ein halbes Stündchen vor dem Eintreffen der Prinzessin-Braut plötzlich einem heiteren klaren Himmel das F^rd räumte und die ganze Fahrt mit hellem Sonnenschein beleuchtete. Das gute Wetter hielt auch am Abend an und förderte sehr wesentlich die großartige Illumination, die wiederum viele Tausende auf die Beine brackM und einen äußerst imposanten Eindruck machte. Um 7 Uhr unternahm das hohe Brautpaar eine Rundfahrt $ur Besichtigung der sich durch alle Sttaßen erstreckenden Illumination und nach -1i/2stündiger Fahrt begab sich das hohe Paar ins neue Palais, wo Familientasel für alle bisher einge- ttosfenen Hochzeitsgäste stattsand.
Heber den Abschied der Prinzessin Eleonore von Lich wird uns von dort geschrieben:
Am Montag abend wurde Bürgermeister Heller ins fürstliche Schloß beschieden, wo ihm im Auftrage des Großherzogs das ihm verliehene Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüttgen überreicht wurde. Denselben Orden erhielt auch Stationsvorsteher Burg von hier. Gestern, Dienstag, um 1 Uhr nachmittags versammelten sich die hiesigen Vereine, Korporationen und Schulen mit etwa 50 weißgekleideten Ehrenjungfrauen am Bahnhof, wo sich ein überaus zahlreiches Publikum angesammelt hatte. Alles erglänzte in den fürstlichen Farben, und diese Abschiedsovation bewies, welche große Teilnahme die Licher Einwohnerschaft an der Vermählung der Prinzessin Eleonore nimmt. Stiftsdechant Klingel- Höffer hielt eine kleine Abschiedsrede, worin er die hohe Braut des Großherzogs hochleben ließ. Dann überreichten die Jungfrauen durch Frl. Elise Schmidt ein prachtvolles. Bukett mit dem Vortrag eines selbstverfaßten Gedichtes. Prinzessin Eleonore dankte bewegt. Die Fahrt zur Bahn hatte sich folgendermaßen gestaltet: Fürst Karl und Prinzessin Eleonore fuhren im Viere-rwagen voran, dann folgten im zweiten Wagen die Fürstin, deren Schwester Prinzessin Marie n.nd Prinzessin Dorothea. Um 1.48 Uhr fuhr der tzxttazug al Prinzessin Eleonore bankte für die stürmische Begrüßung des 'publuunw noch un fahrenden Wagen durch freundliches Winken mit ihrem Tuch.
Mainz, 31. Fan. Tie heuige Stadtverord- nekenveriammlung hatte 89 vO Mb. als Anteil her
Stadt Mainz zu einem Ho chzeit s ge scheu k für den' Großherzog zu bewilligen. Dabei kam es heute zu einer lebhaften Auseinandersetzung. Die Vertreter der s ozialbern akratisch err Partei beantragten, das Geld für die Armen und gemeinnützige Ztvecke zu benutzen. Wenn- sie auch für die Person des Großherzogs Hochachtung hegten, so könnten sie sich doch nicht mit dem (beschenk einverstanden erklären. Die Versammlung bewilligte jedoch den Bettag, worauf der Oberbürgermeister und ein Stadtverordneter zusammen 2000 Mk. aus ihnen überwiesenen Mitteln zu wohltätigen Zwecken anssetzten, um am Hochzeitstage des Großherzogs unter die Armen verteilt zu werden.
Anläßlich der Vermählungsfeier ist eine silberne Erinnerungsmedaille au gefertigt worden. Sie zeigt ans der Vorderseite in sehr origineller Illnrahrnnng das Doppelmonogramm des hohen Brautpaares mit Krone, auf der Rückseite die Inschrift: „2. Februar 1905." Sie ist von. Professor Habich enttvorsen, jedoch nicht verkäuflich, son- derri wird nur an die Hochzeitsteilnehmer verliehen und am rotweihen Bande getrageri.
pie Ncrgarbeiterötwtgung.
Zur Vorgeschichte des neuen Bergbaugesetzes wird uns geschrieben:
„Tie Geschichte des großen Streiks im Ruhrgebiet ist noch nickst geschrieben, wir möchten dazu beitragen, die ersten Stadien der Bewegung festzuhalten und dte Rolle der leitenden Persönlichkeiten unseres Staatswesens dabei zu charakterisieren. — EH war etwa vier Wochen vor dem Beginn des Arbetterausstandes, als Graf Bülow dem Minister Möller vprstellte, nach Berichten, die ihm zugegangen seien, stehe ein Gencra >lstreik i m: R u h r- revier unmittelbar bevor. Wir wissen zur Stunde nicht, wer dem Kanzler diese völlig zutreffenden Informationen gegeben hat, sicher ist jedoch, daß Minister Möller erklärte, ein Streik wäre nicht zu befürchten, sollte sich jedoch die Gefahr eines solchen zeigen, so könnte er sie durch sein vorzügliches Einvernehmen mit den Bechenbesitzern jederzeit leicht beseitigen. Von dieser Ansicht ausgehend, Ivar der Minister auch nickst bereitzufinden, dem Vorschlag des Grasen Bülow gemäß, die längst in Arbeit befindliche 'Novelle zum Bergbaugesetz beschleunigt einzubringen. Der Kanzler erhoffte von der sofortigen Bor^ legung des Gesetzes die Beseittgung der Ausstandsgefahr, den Minister mögen sreundschastlick)e Gefühle für die ihm nahe bekannten Bechenbesitzer abgehalten haben, den diesen an sich so unsympathischen Gesetzeszusatz sogar in noch schnellerem Tempo als üblich ellizubringen. Die Ereignisse haben den Berichterstattern des Grafen Bülow reckst gegeben, — und dem Kanzler selbst insofern- auch, als Die Ausführung seines Vorschlages wohl geeignet gewesen märe, die Bewegung der Arbeiter heilsam zu beeinflussen. Minister Möller hatte aber außerdem seinen Einfluß auf die Bechenbesitzer wesen tlich überschätzt, denn es gelang ihm nickst, durch freundschaftliche Vermittlung bei den Allmächtigen im Ruhr gebiet, den Generalstteik aufzuhalten. Vielmehr wandten sich diese offenbar von ihm ab unb gingen, zum Schaden des gesamten Volkswohlstandes, ihrie eigenen Wege. Das Verhältnis zwischen dem Kanzler und Möller war infolge dieser Geschehnisse nickst sonderlich herzlicher geworden. Gras Bülow stützte aber dennoch Möller, dessen Stellung stark ins Wanken geraten war und zwar, weil Möller anerkannte, daß der Blick des Reichskanzlers weiter gereicht hatte als der feine, und er nun versprach, denselben Strang mit ihm zu ziehen. Hierzu hatten die Bechenbesitzer wesentlich beigetragen, indem sie die Abgesandten ihres Freundes Möller unverrichteter Dinge zurückschickten. — Der Kanzler stand aufseiten derArbeiter, und seine Erklärung im Parlament wäre wärmer für die Aus ständischen ausgefallen, wenn nicht gerade in diesen Tagen mehrfach Belästigungen Arbeitswilliger durch Streikende vorgekommen wären. Es ist bekannt, daß Kaiser Wilhelm IL seine Sympathie prinzipiell denjenigen ver sagt, die andere zum Streik zwingen. Man mag die wenigen Vorkommnisse dieser Art, als man sie ihm dar stellte, etwas $u sehr verallgemeinert haben, jedenfalls glaubte der leitende Staatsmann, sich nicht ini Gegensatz zu der Auffassung des Monarchen setzen zu dürfen. Daher blieb ein Teil seiner bereits fertigen Rede ungehalten. Ter Entschluß mag ihm'ein um so schwerer geworden sein, als er erkannt hatte, daß hier eine außerordentlich günstige Gelegenheit geboten war, der Regierung die Sympathien der arbeitenden Bevölkerung zu gewinnen, und daß die Anhängerschaft von 200 000 Bergleuten mindestens so wertvoll für den Staat sein muß, als die von einem halben Dutzend Grubeneigentümern. War doch der Kanzler, im Interesse des Friedens, sogar in direkten Briefwechsel mit den ihm bekannten Kohlenmagnaten getreten, ohne daß sein persönlicher Einfluß diese zu einer Aenderung ihrer Taktik vermocht hatte. Nachdem dann die Möllerkrisis als erledigt angesehen werden konnte, galt es, dem jetzt vorliegenden Gesetzentwurf alle Aufmerksamkeit zuzuwenden. Kaiser Wilhelm bekundete sein Interesse an der Neuregelung der slaatlichen Befugnisse gegenüber dem Bergbau, indem er, wie bekannt, am Samstag der 1i/2stündigen Sitzung des Staatsministeriums beiwohnte. Wir glauben zu wissen, daß im Staatsministerium völlige lleberein- ftimmung in der arbeiterfreundlichen Tendenz herrscht; der Kaiser selbst wünscht die gesetzlichen Regelungen in dieser Richtung geleitet zu sehen, und ist auch von Iber Notwendigkeit einer Erweiterung bes Einflusses der Regierung ans ben Bergbaubetrieb überzeugt. Inwieweit außer der Hiberniaverstaatlichung noch andere ähnliche Pläne bestehen — davon zu sprechen wäre allerdings der Augenblick zu früh gewählt. Augenblicklich ist Möller jedenfalls aufs eifrigste bestrebt, im Sinne des Reichskanzlers zum Gelingen der Bergbaunovelle beizutragen. Einmal aus sachlichen Gründen, dann aber vielleicht auch ein wenig von dem begreiflichen Wunsche geleitet, sich an seinen Freunden für die ihm zu Teil gewordene Behandlung vollwertig zu revanchieren. — So ist denn das berühmte „ausgezeichnete Einvernehmen" zwischen Gras Bülow und Herrn Möller tatsächlich — nachträglich — zu ftanbe gekommen.
Tie „Nat.-Ztg." meldet, der Minister des Innern gedenke sich am Tonnerstag in das Stteikgebiet zu begeben, um die dort getroffenen Sicherheitsmaßregeln zu inspizieren und mit den Ducrprufibeiuen der Provinzen Westfalen und Rheinland, sowie mit den Landraten und den Oberbürgermeistern der kreisfreien Städte Ku konferieren.
Die neue Berggesetznovelle wirkt nun doch ungünstig aus die Kursgestaltung der Bergwerksaktien, da befürchtet wird, daß das Gesetz die Kohlenförderung ganz
wesentlich verteuert und dadurch jedenfalls die Aktionärs geschädigt werden. In diesem Sinne, überlMipt scharf pessimistisch, hat sich auch August Thyssen ausgesprochen. Er hält, im Gegensatz zu der Regierung, das Berggesetz für ein Unglück unb im Zusammenhang damit eine Erhö h u n g d e r Kohlenpreise notwendig, wenn das Gesetz in Kraft tritt, unb daran ist nun ganz und gar nicht zu zweifeln, denn nicht nur Kaiser und Regierung, sondern auch der prußische Landtag ist antikohlensyndikatlich gesinnt.
Ter „Köln. Ztg." wird aus Berlin telegraphiert: Der erste Entwurf der Novelle zum Berggesetz wird in allernächster Zeit den nach Berlin berufenen fünf preußischen Aerghauptleuten zur Begutachtung vorgelegt werden. Aber auch bei größter Beschleunigung aller noch erforderlichen Verhandlungen wird es doch noch eines Zeitraums von reichlich vierzehn Tagen bedürfen, ehe die Novelle den gesetzgeberischen Körperschaften zur Beratung zugeht.
Trier, 31. Jan. Wegen Kohlenmangels legten die Wendelschen Eisenwerke in Havingen den Betrieb still. 1000 Arbeiter sind dadurch brotlos.
Zur Lage im Nuhrrevier.
Bochum, 31. ^>an. ^ie West-stujaicn Stahlwerke gewähren den Arbeitern, die gezwungen sind zu feiern, täglich 2 Mark liir den verheirateten und 1 Mark für den unverheirateten Arbeiter.
In den 18 Bergrevieren des Oberbergamtsbezirkes Dortmund fuhren am Dienstag von der Gesamtbelegschaft der stteikenden Zechen unter und über Tage öl 917 ein. Es fehlten 194 045 Mann gegen 195 015 Mann in der gestrigen Schicht.
Aus der Hardelschen Zeche Rheinpreußen haben die dem alten Bergarbeiterverband angehörenden Bergleute beschlossen, wiederum in den Streik emzutteten. Tie Mitglieder des christlichen Verbandes arbeiten weiter.
Verhandlungen in Langendreer wohnte Stinnes bei. Es erfolgte eine Einigung dahin, daß die Seilfahtt auf Zeche Bruch- sttaße wie früher gehandhabt werden solle. Tie Beseitigung der bestehenden Mißstände wurde besprochen. Ueber die Frage des Minimallohnes wurde keine Einigung erziell.
Tie Eisenbahudirektion Essen macht bekannt: Namens der beteiligten Verwaltungen, und um die durch den Ausstand der Bergarbeiter im 'Ruhrgebiete entstandene Kohlennot zu lindern, und um zu verhüten, daß zahlreiwe Arbefter anderer Industrien beichäftigungslos werden, wird mit Giltigkeit vom 1. Februar bis einschließlich 28. Februar 1905 für Steinkohlen, Steinkohlenkoks und Steinkohlenbrlletts in Wagenladungen zu mindestens 10 Tonnen beim Versande von den deutsck-en Nordseehafenstationen und der Station Kiel nach Stationen im Geltungsbereiche der Staatsbahngütettarife links der Elbe auf Entfernungen über 120 Kilometer die Fracht des Spezialtarifes III um 25 Pro-, ermäßigt. Der ermäßigte Frachtsatz für 121 Km. wird auf die vorgelegenen Stationen übertragen, soweit die vollen Frachtsätze des Spezialtarifes III höher sind.
Zu Schleftea und Belgien.
Breslau, 31. Jan. Auf der Kan Georg Viktor-Grub^ bei Gottesberg streiken 30 Prozent der Belegschaft.
Die Zahl der Ausständigen auf der staatlichen Steinkohlen- grübe Königin Luise bei Zabrze in Obers chlesi en hat zugenommen und betrug am Dienstag 947 Mann bei einer unterirdischen Belegschaft der Tagesschicht von 2966 Mann.
Aus Mons wird gemeldet: Da die Gr ubenleitungen es abgelehnt haben, die von den Bergarbeitern geforderte Lohnerhöhung von 25 Proz. zu bewilligen, so ist der Ausstand von heute abend als erklärt anzusehen. Man erwartet für morgen den allgemeinen Ausstand im ganzen Becken des Vorinage. In den meisten Gruben haben die Arbeiter heute nachmittag ihre Werkzeuge mit zu Tage gebracht___________
TeutjcheS Reich.
Berlin, 31. Jan. Ter Kaiser traf heute nachmittag 2 Uhr 30 Min. in Po tsdam ein und fuhr nach dem Stadtfchlosse, mo die Kaiserin auch eingetroffen war. Um 4 Uhr kehrte der Kaiser nach Berlin zurück.
— Prinz Eitel Friedrich hat heute einen ziemlich guten Tag verbracht. Atemnot und Schmerzen geringer. Temperattir 37.4.
— Wie verlautet, wird der Reichskanzler heuil persönlich die Handelsverträge im Reichstage einbringen und bei dieser Gelegenheit seine Handelspolitik darlegen.
— Der B unoesrat hat in seiner heutigen Sitzung unter dem Vorsitze des Grasen Posadowsky sämtliche sieben Handelsverträge einstimmig angenommen.
— In einem neuen Flugblatt schreibt Graf Pückler: „Wir müssen das Hinausschmeißen der Juden jetzt betreiben nach ganz bestimmten Statuten." Er forderet auf, die jüdischen Rechtsanwälte in die Spree zu werfen, die jüdischen Aerzte mit Stockschlägen zu regalieren, die Laternen von Berlin mit Juden zu „garnieren", die jüdischen Professoren mit Backpfeifen und Fußtritten zu „erfreue n" und „Lärm, Tumult unidi Radau zu machen, daß die Sttaßen in Berlin in den Grundvesten erzittern."
Äuöiano.
London, 31. Jan. Die Blätter berichten von einer bevorstehenden Vermählung der Prinzessin Clementine von Belgien mit dem Prinzen Viktor Napoleon. Die Ehe soll gegen den Willen König Leopolds geschlossen werden und der Prinz soll für die Angelegenheit bereits die Exkaiserin Eugenie, deren Erbe er ist, und seine Verwandten interessiert haben, die die Verbindung l-bhaft billigen. Die Prinzessin ist entschlossen, den Prinzen Viktor ohne Zustimmung ihres Vaters in Frankreich oder Italien zu heiraten.
London, 31. Jan. Die zweite Tochter des Königs, Prinzessin Viktoria, mußte sich heute wegen einer Blinddarm-Entzündung einer Operation unterziehen.
Am sterdam, 31. Jan. Das „Handelsblad" berichtet aus Batavia: Die holländischen Truppen überfielen nach einem Eilmarsch den Sultan-Prätendenten von 9ltschin; dieser wurde nebst zweien seiner Häuptlinge getötet.
Paris, 31. Jan. Der Senat setzte die Beratung des Militärgesetzes fort. KriegSmini st er Berteaux tritt für die zweijährige Dienstzeit ein. Eine aus wirklich ausgebildeten Leuten von zwei Dienstjahren bestehende Armee habe mindestens denselben Wert, wie die jetzige Armee, und es werde dadurch verhindert werden, daß sich Ereignisse wiederholen, die weder die einen, noch die anderen vergessen hätten. Der vom General Billot befürwortete und vom Kriegsminister Berteaux bekämpfte Antrag Rtesißres, ein Gutachten des obersten Kriegsrates einznholen, wird mit 191 gegen 88 Stimmen abgelehnt.
Nom, 31. Jan. Kammer. In Erwiderung auf die Anfrage Santinis, ivas an dem Gerücht wahr sei, daß ein ausländisches Komitee Geld zum Zwecke der Ausgrabungen bei Herlnlanum sammle, und wie der Unterrichtsminister darüber denke, erklärt letzterer, im April v. Js. habe ihm Prost Wald stein einen Plan zur Ausgrabung vo.» Hertt.-


