Ausgabe 
5.8.1905 Erstes Blatt
 
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Bäder wurden

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Tage noch 5845 anwesend waren, bis zum 3. Aug. abgegeben.

der Regimentsmusik art, auf die das Kind zulaufen wollte: dabei rannte es gegen ein langsam von der anderen Seite

etwa drei Meter geschleift, ehe das Gefährt zum Stehen gebracht werden konnte. Das Kind, das bewußtlos wurde, hat anscheinend schwere innere Verletzungen erlitten. Der Automobilfahrer legitimierte sich und versprach, obgleich er anscheinend an dem Unglücksfall keine Schuld trägt, für alles crufzukommen. An der Neutorsttaße wurde gestern eine Frau von einem Hunde in den Arm gebissen, der in der letzten Zeit schon mehrere Leute angefallen und ihnen die Kleider vom Leibe gerissen hat. Das Kreismedi­zinalamt ist von dem Vorfall verständigt und hat ange- ordnet, daß das Tier einer Untersuchung unterworfen

Friedrich Dannhäuser fuhr gestern nachmittag mit dem 16jährigcn Hausmädchen Marie Stork in einem Boot nach der Gerbermühle. Als Dannhäuser dort nach dem Lande zurudette, kippte daS Boot plötzlich um und beide sielen in den Main. Während Dannhäuser sich am Boot felthielt und gerettet wurde, ertrank das Mädchen. In der Wohnung des MetzqcrS Maus in der Saalgasse stahlen in der vergangenen Nacht Einbrecher aus einem in der Wand eingelassenen sogen. Zunftschranke einen Betrag von nahezu 6 000 Mk.

p. Altenberg a. d. L., 4. August. Einige Wetzlarer Herren unternahmen gestern eine Lahnfahrt, die um ein Haar von schlimmen Folgen begleitet gewesen wäre. In der Nähe unseres Ortes wollten verschiedene Herren zu­steigen, plötzlich legte sich daS Boot zur Seite und übergab die Insassen den Fluten. Zum Glück ist niemand er­trunken.

ss Marburg, 4. Aug. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten beschloß man die Anstellung eines Schularztes für die städtischen Schulen. Als solcher wurde der Kreisarzt Prof. Dr. Hildebrand in Aussicht genommen. Am Stcinwcg fiel heute nachmittag ein Wagen um. Die Insassen waren russische Damen, von denen eine Ver­letzungen erlitt und in die Klinik gebracht werden muß.

** Kleine Mitteilungen aus Hessin und den Nachbarstaaten. Auf der Fra n kf u rt e r Sportborse hat die Kriminalpolizei 6000 Mk. eingezahlte Weltgelder uud Brief­schaften der Auftraggeber beschlagnahmt.

wird. (M. Tgbl.)

fc. Frankfurt a. M., 4. Aug. Der Hoteldiener

die aus allen Teilen Hcsiens cingezogen waren.

* Ein leuchtendes Meteor war, wie unS von verschiedenen Seiten berichtet wird, am Donnerstag abend gegen 9 Uhr am südöstlichen Himmel wahrzunchmen. Es bewegte sich einige Sekunden nach Nordwesten und löste sich dann in feurige Funken auf.

** Victoria Regia. Im botanischen Garten treibt jetzt wieder, wie wir schon kurz mitteilten, die in unseren Breiten verhältnismäßig seltene Victoria Regia, auch Wasserkönigin genannt, einen Tag über den anderen neue Blüten. Die Heimat der Victoria Regia ist Südamerika, der Amazoncnstrom mit seinen Nebenflüssen. Sie gehört zu.der Familie der Nymphäaceen, deren Verwandte, kur; Wasserrosen genannt, auch viele unserer stehenden und mäßig fließenden Gewäfler mit ihren gelben und weißen Blüten zieren. Sic hat kreisrunde, schildförmige Blätter mit etwa 5 cm hoch aufwärts gebogenem Rande. Ihre Oberseite ist saftgrün und glatt, die Unterseite hellpurpurn, stark genervt und stachlich wie der Blütenstiel. Die ausge- wachsenen Blätter haben 1.502.00 m Durchmesser und tragen ein Kind von 67 Jahren, also etwa 4060Pfd., ohne unterzugehen oder zu reißen. Die Blüten messen 32 cm im Durchmesser und sind nur zwei Abende und zwei Nächte lang geöffnet. Am ersten Abend erstrahlt die Blume in blendendem Weiß und zartem Rosenrot mit blumenblattartigen purpurnen Staubfäden und strömt einen vanillcartigen Duft aus. Seit dem vorigen Jahre ent­wickelt sich die Victoria Regia hier Prächtig. Besonders interessant war es vor dem ersten Erblühen, die. Ent­wickelung der Pflanze zu beobachten, wie die igelartig zu- sanimcngefalteten Blätter sich an die Wasseroberfläche schoben und allmählich aufrollten bis zu der enormen Aus­dehnung von rund 6 qm.

Laubach, 2. Aug. Vor einigen Tagen traf vom Großh. Kreisamt Schotten eine Verfügung hier ein, wonach die hiesige Judengemeindc das ihr zustehende Bade- haus an der Wetterfeldcrstraße wieder herzustellen oder ab­zureißen hat. Falls hierzu der festgesetzte Termin von vier Wochen nicht eingehalten wird, so wird die Ent­fernung des betreffenden Gebäudes auf polizeilichem Wege erfolgen. (Gr. A.)

W. Bad-Nauheim, 4. August. Kaum hat sich unsere Bevölkerung über die Einbrüche in der Villa Diana und dem Gerätehaus des Teichpächters be­ruhigt, so vernimmt man schon wieder die Nach­richt einer solch frechen Tat. Diesmal galt es der Löwen-Drogerie Hahn einen Besuch abzustatten. In der Nacht vom 3. auf den 4. August gelang es drei jugend­lichen Einbrechern durch Eindrücken eines Fensters die Ladentür zu dem genannten Geschäfte zu öffnen. Sie plün­derten die Ladenkaffe, aus welcher sie ca. 20 Mark ent­wendeten, und dann suchten sie das Weite. Einer der Verbrecher wurde schon heute morgen vor 7 Uhr geschloffen der Polizei vorgeführt, die beiden übrigen wurden ebenfalls im Laufe des Tages in Friedberg verhaftet.

v. Bad-Nauheim, 4. Aug. Bis zum 3. Aug. 1905 sind 19 722 Kurgäste angckoinmen, wovon am genannten

wenpenflonen, welche an Witwen von Geistlichen zu Md da oder der früheren Grafschaft gegeben werden, welche ein Vermögen von unter 3000 ft. besitzen. Die Unterstützungen werden verteilt durch die Armenkvmmission. ?luch hat der Vorstand das Recht, in außergewöhnlichen Fällen Hilfe ein» treten zu lassen für '5{nne und Kranke. Welcher. Segen für unsere Stadt seit der Stiftung, des Vermächtnisses h 1763 erwachsen ist, kann sich jeder selbst sagen; viel Elend ist gelndcrt wordeni und wird gelindert. Um mm ein sicht­bar bleibendes Gedächtnis dem edlen Sttster zu weihen, hat der Vorstand der Stiftung beschlossen, ant 20. August dieses Jahres, dem 200. Geburtstage des Stifters, in der Kirche eine Gedenktafel zu enthüllen. Sie ist entworfen von dem Hauptlehrer der hiesigen Gewerbeschule Höhn und wird unter der Leitung von Friedrich Reuning II. aus­geführt in der bekannten Holzbildhauerei und Möbelfabrik von C. Ringshausen.

§ Hartm annshain, 3. August. Die Zahl der Sommerfrischler ist dies Jahr außerordentlich groß; viele Familien, die sich bereits angemeldet hatten, konnte man infolge Raummangels nicht mehr aufnehmen. Die meisten Sommerfrischler sind aus Frankfutt und Umgegend.

Mainz, 4. Aug Von einem Automobil über­fahren wurde heute vormittag in der Nähe des Friedhofs das sechsjährige Töchterchen des Maurers Scherer. Von der einen Seite rückte eine militärische Truppe mit

Otto Thoemsgen von S. K. H. dem Großherzog zum 2. Landwirtschaftslehrer an der landwirtschaftlichen Winter- schule zu Alsfeld mit Wirkung vom 1. Oktober ernannt. Der Lehrer an der Gemeindeschule zu Lardenbach im Kreis Schotten, Peter Schneider, wurde auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen mit Treue und Eifer geleisteten Dienste, mit Wirkung vom 1. Oktober, in den Ruhestand versetzt. Der Schulgehilfe Hoffmann an der erweiterten Mädchenschule von Gießen wurde durch Dekret mit Wirkung vom 18. September zum Schulverwalter an der Volksschule zu Gießen ernannt. Dr. Schäfer aus Niefernheim in Rhein-Bauern, früher Lehrer an der Volks­schule zu Darmstadt, wurde zum Seminarlehrer am Großh.

Ans Htaöt und

Gießen, 5. August 1905.

* Lehrerpersonalien. Wie uns aus Darmstadt gemeldet wird, wurde der 2. Landwirtschaftslehrer an der landwirtschaftlichen Winterschule zu Darmstadt, Wilhelm

w. Nidda, 4. Äug. Am 20. August d. I. ist der 200jährige Geburtstag eines Mannes, dem unsere Vaterstadt zu grof^m Dank verpflichtet ist. Worin die große Wohltat besteht, die er unserer Stadt erwiesen, besagt in einfachen Worten die Grabschrift auf seinem auf dem alten Friedhof befindlichen Grabstein. Er blieb unvermählt, sich mit dem Heiland desto seliger zu vermählen. Demselben vermachte er sein gesamtes zeitliches Eigentum, dankbar für daS Erbteil im Himmel. Kirche, Schule uud dürftige Christen segnen ihn dafür jetzt und am VergeftungScage. Tas hier angeführte Vermächtnis 'st die noch jetzt bestehende Krnasche Stiftung, deren Direktor der erste Beamte in Nidda, ftüher der Kreisrat, jetzt der Oberamisrichter und dessen Vorstände die beiden Geistlichen sind. Dcü Grund­kapital beträgt gegenwärtig 76 500 Mk. Von b-flen Zinsen werden verwendet 2300 Mk. für Arme des Kirchspiels, 200 Mark für bedürftige Konfirmanden, 258 Mk. für zwei Wit-

Ansland.

Stockholm, 4. Aug. Das soeben neu gebildete Kabinett Lundeberg-Wachtmeister enthält in dem Ackerbauminister PeterSson-PaalSboda den ersten Bauern, der jemals ein schwedisches Potteseuille bekleidet hat. (Seit 1901 ist in Dänemark der seeländische Hofbesitzer Ola Hansen Minister für Landwirtschaft. Merkwürdigerweise hat das klassische skandinavische Land der Bauernherrschast, Norwegen, noch keinen Angehörigen dieses Standes zu einem solchen Posten gelangen lassen; dort bevorzugt man ganz überwiegend die Juristen. Völkerpsychologen könnten darin ein lehrreiches Moment erblicken.)

Paris, 4. Aug. Nach Privatmeldungen aus Fez ver­stärkte der Sultan die Körperschaft der Notablen durch kon­servative Persönlichkeiten, so daß dieser bereits jetzt in feiner Mehrheit aus Elementen besteht, welche die als wünschens- wert bekannten Reformen möglichst ohne Einmischung deS Auslandes durchgesührt wiffen wollen. In franzö­sischen Regierungskreisen wird erklärt,. daß diese Manöver des Maghzen niemand in Europa täuschen könnten. Im kritischen Falle werde doch alles so sich vollziehen, wie es dem Sultan die Umstände gebieten.

Madrid, 4. Aug. Etwa 4600 notleidende Land- feute auS der Provinz Cordoba veranstalteten Kundgebungen zu dem Zwecke, die Behörden zur Hilfeleistung zu ver­anlassen.

Budapest, 4. August. Der Vettreter der ameri­kanischen Fleisch - Äntitrust-Compagnie Reid in St. LouiS und Chicago legte dem Ackerbauminister Projekte vor, betreffend Errichtung großer Schlachtbrücken und Fleischverarbeitungs-Etablissements in Budapest, Fiume und mehreren Provinzstädten, sowie betr. Errichtung von Gewerbebetrieben zur Aufarbeitung von Nnschlitt, Leder a. s. w. Der Minister stellte den Projekten möglichste Unter­stützung in Aussicht.

Konstantinopel, 4. Aug. Gerüchtweise verlautet, /in hoher Würdenträger des Yildiz sei plötzlich ver­schwunden wegen Kompromittierung m der Attentats- Affäre. Der Thronfolger Effendi wurde im Tschiragan- , Palais interniert.

Newyork, 4. Aug. DerSun" macht den Vorschlag eines Bündnisses zwischen Rußland, England und Nordamerika. Diese drei Völker seien in aufrichtiger Freundschaft eng untereinander verbunden. Ihre Interessen stünden sich nirgends gegenüber, besonders da die französisch- englischen Differenzen nunmehr durch einen beiderseitigen Schiedsvertrag beseitigt seien. Die Zeit sei gekommen, wo diese drei Nationen ihre Rüstungen ein stellen und ge­stützt auf das allgemeine internationale Schiedsverfahren den Weltfrieden herbeiführen könnten. Es sei zwar richtig, daß Frankreich für den Fall einer deutsch-österreichisch-aussischen Allianz mehr exponiert sei, aber es dürfe nicht vergessen werden, daß heutzutage das Geld im Kriege eine größere Rolle spiele als die Truppe, und gegen Deutschland würde Frankreich die finanzielle Unterstützung Englands und Amerikas besitzen.

Vermischtes.

* Der Schauplatz einer höchst aufregjenben Szene war, wie man aus Thale am Har^ meldet, das dorttge Hotel zumWilden 3'äger". Es war Don­nerstag abend etwa um 11 Uhr, als ein Gast des Hotels durch den alarmierenden Ruf: Einbrecher, Diebe! das Haus in Auftuhr versetzte. Der Gast hatte in seinem Zimmer ein verdächtiges Geräusch gehört, das ihn veranlaßte, unters Bett zu leuchten. Hier einen fremden Menschen liegen sehen, aus dem Zimmer eilen, es verschließen und die Hausbewohner alarmieren, war das Werk eines Augen­blicks. Als das Hotelpersonal in daS Zinrnrer eindrang, war der Vogel ausgcflogen. Glücklicherweise lenkte der Geschäftsführer den Verdacht sofort auf einen erst an jenem Tage im Hotel abgestiegenen jungen Mann, dessen Wesen ihm verdächtig er hatte bei ihm zahlreiche Gewehrpatronen gesehen vorgekommen war, und so stattete man alsbald seiner Stube einen Besuch ab. Sie war von innen verschlossen. Man erbrach die Tür imb fanb ben Gesuchten, ber vergeblich sich zu verbergen unb zu flüchten versuchte. Nach kurzer Gegenwehr würbe ber junge Mensch er war, wie sich herausstellte, aus dem Zimmer, wo er den Diebstahl, wenn nichts schlimmeres plante, unter Be­nutzung bes Hausgesimses in seine Stube gelangt un­schädlich gemacht und den Polizeiorganen übergeben. Man fand bei ihm außer einer Anzahl Gewehrpatronen auch Dolch und Revolver sowie nur 65 Pfennig in barem Gelbe. Festgenommen und einsehend, daß eine Mög­lichkeit zur Flucht nicht mehr vorhanden war, rief er aus: Nun ist ja alles gleich. Ich will es nur gleich sagen, daß ich auch den Postbeamten bei Ilsenburg er- schossen habe." Des weiteren gab er beim Verhör an, daß er das Verbrechen mit einem Gewehr, das er unweit des Tatortes weggeworfen, verübt habe. Er will der 17- jährige Sohn eines in Frankfurt a. M. leben­den Lehrers Namens Tenzleroder Stenzler fein. Alsbald erfolgte die Einlieferung des jugendlichen Ver­brechers in das Halberstadter Untersuchungsgefängnis. Was an seinem Geständnis wahr ist, muß sich ja bald ergeben. Bekanntlich wurde, wie wir neulich meldeten, am Brocken der Oberpostassistent Hehde ermordet.

* Kleine Tageschronik. Auf dem Anstande auf Hirsche erschoß der Friedhofsgärtner Pichulek in bet Nähe von Ge­orgenberg bei Oppeln aus Versehen einen Kolonisten. Der unglückliche Schütze stellte sich fofort ber Staatsanwaltschaft. In Bock; u m wurde bei einem Besuche seiner Braut der Ar­beiter Christeleit von dem verheirateten Arbeiter G^selmann meuch­lings überfallen und durch Stiche in den Unterleib schwer verletzt. Der Messerheld wurde verhaftet. Am Hohteurli im Berner Oberland ist ein junger Tourist, der mit zwei Studenten eine Tour machte, abgestürzt. Sein Name ist noch nicht ftstgestellt. Ter Ingenieur Rudolf Günsch aus Wien ist in Klang bei einer A-utomobilfahrt verunglückt; er erlag im Spital zu Bruneck seinen Verletzungen. In der Brüsseler Vorstadt Laeken tötete ein früherer Buchhalter seine beiden Kinder und sich selbst in Abwesend«'» hüm*- Frau. Als bk Sfcxau *****

Seminar zu Friedberg ernannt.

** Superintendentur-Konferenz. Unter zahlreicher Beteiligung fand vorgestern die diesjährige Superintendentur-Konferenz der evangelischen Geistlichen der Provinz Obcrhessen imNeuen Saalbau" hier statt. Super­intendent D. Petersen- Darmstadt eröffnete die-Verhand­lungen mit einer Begrüßung der 'Anwesenden, worunter er die Vertreter der hiesigen theologischen Fakultät und des Friedberger Predigerseminars besonders hervorhob. Darnach empfahl er den Geistlichen für die demnächst zur Erhebung gelangende Hauskollekte zum Besten einer besseren Unter­stützung der evangelischen Gemeinden des Auslandes kräftig einzutteten und die Gemeindeglieder über die Notwendig­keit ber Unterstützung vor Erhebung der Kollekte aufzu- ------ ....... o M

Hären. Nachdem hierauf der im letzten Jahr verstorbenen daherkommcndes Automobil, wurde von^ihm erfaßt und Geistlichen der Provinz in der üblichen Weise Mdacht ' c worden war, hielt Direktor Dr. W ü n st e r - Friedberg fernen angekündigten Vortrag überdie erweckliche Pre­digt", der von den gespannt lauschenden Zuhörern be­geistert aufgenommen wurde. An der sich anschließenden Diskussion beteiligten sich viele .Herren, die aber alle mit dem Vortragenden darin übereinstimmten, daß jede Predigt die Zuhörer auf ein bestimmtes Ziel hinführen und so jede in ihrer Arterwecklich" sein müsse. Daraus wurden die Verhandlungen mit Gesang geschlossen. Dann fand ein gemeinsames Esten statt.

* Zurückgekehrte Res erv ist en und Landwehr­leute. Gestern nachmittag 5 Uhr kamen mit dem Zuge von Kaffel auf der hiesigen Station viele Reservisten und Landwehrleute an, die auf der Senne bei Paderborn eine 14 tägige Uebung gemacht hatten. Es waren meist Attilleristcn,

Ortsgewerbeverein Gießen.

Arn Donnerstag hielt ber Ortsgewerbeverein seine Haupt­versammlung im Restaurant Feidel ab. Der Vorsitzende, Kom­merzienrat H e v l i g e n st a e d t, eröffnete die Versammlung und erstattete den Jahresbericht, dabei hervorhebend, daß die Mu- gliederzahl sich erfreulicherweise von 315 im Jahre 1904 aus 351 vermehrt habe, und daß sowohl die Schuhmachervereimgung als auch die Däckerinnung geschlossen bent Ortsgewerbeverein beigetreten seien. Die Tätigkeit des Vorstandes babe sich ms- besondere erstreckt auf die Pflege der Sonntagsschule und auf die Durchführung der Handwerkerbestimmungen aus der Reichs- Gewerbeordnung, hier aber ganz besonders des Lehrlingswesens. Weiter gedachte der Vorsitzende der Erfolge der Gewerbeschule und bemerkte dabei, daß in jüngste Zeit zwei Schüler, der Sohn des Schreinermeisters Lenz und der Sohn der Schrernermenters Hahn mit Erfolg die Prüfung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst bestanden hätten, und daß gegenwärtig ein weiterer früherer Schüler, der Sohn des Weißbindermeisters Ehr. Schmidt, sich in dieser Prüfung befinde. Zur wirksameren Durchführung der Gewerbeordnung haben wesentlich 'die unter dem Vorsitze des Herrn L. Petri II. stattgehübten Bezirks Ver­sammlungen beigetragen, wo hauptsächlich wittschaftlrche^ An­gelegenheiten, insbesondere die Schäden im Handwerk, erörtert und behandelt wurden. .

Die Aufgaben des Ottsgewerbevereins wurden in zwei Vor- standssitzungen, sechs Monatsversammlungen und einer Haupt­versammlung behandelt.

Bezüglich des Neubaues der Gewerbeschule die gegen­wärtigen Räumlichkeiten genügen ben Anforderungen nur in geringem Maße sind die Verhandlungen mit dem Stadtvorstand noch nicht zum Mschluß gelangt: man hofft aber in Kürze dazu gelangen zu können. Die jetzige Gewerbeschule am Aster­weg ist einer Provinzialstadt nicht mehr entsprechend. Hinsicht­lich der abzuhaltenden Votträge im Winter 1905/06 soll wie bisher wiederum mit dem Kaufmännischen Verein zusammen das Erforderliche eingeleitet werden. Die vom Rechnungsprüfer L. Petri II. vorgetragene Jahresrechnung wurde gutgeheißen und dem Vorstande Entlastung erteilt. Die hierauf erfolgte Wahl von sechs Vorstandsmitgliedern ergab die Wiederwahl des Weißbindermeisters L. Petri II., Spenglermeisters Faber, Uhrmachermeisters O. Schmidt, Schlossermeisters M. Dörr, Gvmnasiallehrers Haggenmüller und die Neuwahl des Dr. Krausmüller. ~

Der Bericht des Vereins- und Schulrechners Haas über den Stand der Sterbekasse wurde allseitig mit großem Interesse entgegen genommen. Der Berichterstatter erläuterte die großen Vorteile der Sterbekasse und forberte zum Beitritt auf, um die Segnungen zu genießen, die den Mitgliedern aus dieser Kasse geboten würden. Der Vorsitzende, Kommerzienrat Hehligen- ftaedt, berichtete schließlich noch eingehend über die Ver­hältnisse der Handwerker-Dezugs-Geuossenschaft, deren Wert imb Vorteil für den Handwerker er in längerer Ausführung klar vor Augen fühtte. und zu deren Ausnutzung er aufforderte. Zum Schluß wurde der Besuch ber Kölner Gewerbeausstrllung angeregt und beschlossen, daß voraussichtlich am 13. August d. I. dieser Besuch bei gemlgenber Beteiligung ausgeführt werden soll. Der Vereinsdiener wird mit einer Litte zur Beteiligung die Mit­glieder demnächst besuchen. Eine Besichtigung ber neuen Bibliothek solle im Herbst stattfinden, unb bem Bauinspektor Becker würbe für dies freunblicfjc Entgegenkommen gedankt. Die Monats­versammlungen im Winter 1905/06 sollen an jedem ersten Dienstag im Monat im Restaurant Feldes abgehalten werden. Dom Direktor Bergen wurde noch das 1908 ftattfinbenbe 70jähr. Bestehen des Ortsgewerbevereins gestreift und hierauf die an­regende Hauptversammlung geschlossen.