Hochschulüreit in Preußen.
Auch dieMarburgerProfessoren haben sich irt eiltet <Nayabe <m den zweußisÄen Äulhi^minifitr gefreit den Erlaß bett, die StudentencmsWffse gewandt. In dieser Eingabe de? Senats der Universität Marburg wird int wesentlichen Folgendes ausge- Lührt:
Euer EMllenK Heben durch Erlaß vom 16. Mär^ 1905 verfügt, daß bis auf weiteres die Bildung von neuen Studentew- auSicküssen sowie der Erlaß von neuen und die Abänderung von bestehenden AuSschuß-Sa^lngen von Euer Exzellenz 6je* nehmignna abhängig sein s»Uen. Wir halten es für unsere ernste Pflicht, auch unsererseits gegen diesen Erlaß vorstellig zu werden und auf die schweren 65 e fahr en hinzuweisen, welche die Durchführung dieses Erlasses mit sich Bringen muß. Der Erlaß bedeutet einen Bruch m i t, e i n e nt der wichtigsten Prinzipien unserer Univ er st- täteu. Von alterSher hat der unmittelbare Verkehr mit der Studentenschaft und die Aufrechterhaltung der akademischen Ordnung in den öänben der Universitätsbehörden gelegen. Durch Euer Exzellenz Erlaß wird eine Aeudenmg dieses Verhältnisses und ein direktes Ein - g reif en der Zen tral-In stanz in die studentischen Ltn- gelegenlreiten angcbahut. Dieses direkte Eingreifen. erachten wir für äußerst bedenklich, weil es höchst wahrscheinlich zu einer immer wiederkehrenden Erregung und zu gefährlichen Agitationen in der Studentenschaft führen wird.
In unserer Studentenschaft herrscht heute ein gesunder idealer Geist. Mögen Ausschreitungen vorkommen, mögen einzelne der akademischen Freiheit sich nicht würdig erweisen, tm ganzen, daS sprechen wir mit voller Ueberzeugung nu5, ist der Geist in unserer Studentenschaft ein guter und idealer. Wenn unsere Studentenschaft int letzten Semester in die Oeffentlichkeit getreten ist, so ist dies nur daraus zu erklären, daß sie geglaubt hat, in ihren hergebrachten Frci- h eiten beeinträchtigt werden zu sollen. Wir würden es aus das tiefste bedauern, wenn jetzt die Lei den sch aft en von neuem entfesselt werden sollten. Unsere Studenten sind keine Staatsbeamten und köimen nick t als Staatsbeamte behandelt werden. Ihren akademischen Lehrern, mit betten sie durch täglichen Verkehr und jahrhundertelange Tradition verbunden sind, schenken sie, jedenfalls dürfen wir das von Marburg behaupten, wirkliches Vertrauen. Es. scheint uns überaus wichtig, dieses Vertrauen, welches die friedliche Aus- tritgimg von Streitigkeiten wesentlich erleichtert, zu erhalten und zu fördern.
Wir möchten hierbei noch einen Punkt zur Sprache bringen, welcher zwar nicht direkt, aber doch mittelbar zu Euer Exzellenz Erlaß in Beziehung steht. Er betrifft die Entsendung von M i n i st e r i a l k 0 m m i s s a r e n zur Behandlung und Schlichtung von studentischen Angelegenheiten. Es unterliegt keinem Zweifel, und die Wahrnehmungen d?S vergangenen Semester? l>aben es bestätigt, daß schon die bloße Ankündigung des Erscheinens eines Mnisterialwmmisfars verschärfend auf die Gegensätze einwirkt und nur geeignet ist, einen etwaigen Widerstand zu verstärken. Gerade im Hinblick auf die Vorgänge des verflossenen Semesters bitten wir Euer Exzellenz, den Hochschulbebörden das frühere Vertrauen wieder zu schenken, von der alsbaldigen Msenüimg besonderer Ministerialkommis- sare abzusehen und den H 0 ch s ch u l b c H.Ü r d e n wie früher die Schlichtung. etwaiger Streitigkeiten oder sonstiger Gegensätze zu überlassen.
Schließlich formen wir nicht unterlassen, gegen Euer Exzellenz Erlaß in Ehrerbietung ein rechtliches Bedenken 'geltend zu machen. Die Rechtsverhältnisse der Studierenden sind durch Gesetz vom 29. März 1879 geregelt. Roch § 3 dieses Gesetzes ist der Unterrichtsminister befugt, Anordnungen über die akademische Disziplin intb deren Handhabung nach An- böruna des Senat? der betreffenden Universität zu erlassen. Der Unterrichtsminister hat unter dem 1. Oktober 1879 Vorschriften für die Studierenden erlassen, welche die Stellung der Studierenden nach allen Richtungen regeln. Darnach unterstehen namentlich auch die studentifchen Vereinigungen den UniversitätsbeHörden, eine Mitwirkung der Zentralinstanz bei der Bildung von Vereinen oder die Genehmigung von Äenteramgcn der Satzungen von studentischen hereiniguitgen ist nicht vorgesehen. Euer Erzellenz Vertreter Geb. OberregierungSrat Dr. Elster stellte fick bei seiner letzten Anwesenheit in Marburg am 13. Februar o. I. in Uebereinstimmmrg mit den UniversitätSbebörden durchaus auf diesen Standpimkt und erklärte dem Rektor und den Mitgliedern der UniversitSt-deputation ausdrücklich, daß nach der Auffassung des Ministeriums die Handhabung der Diszipltn gegenüber dem Studenteirausschuß lediglich und allein Sache der akademischen Behörden sei. Legt man diese .vom hohen Ministerium bis dahin anerkannte RechtS- euffassung zu Grunde, so würde die Genehmigung der Satzungen des Studentenausschusses und von Aenderungen dieser Satzungen un^er da§ Gesetz vom 29. März 1879 fallen und die Anhörung des Senats erforderlich sein.
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Ferner kommt au5 Chcrrlottenburg heute folgende Meldung:
Uder 2000 Studenten nahmen am Mittwoch abend zu der neuesten Entwicklung des Eharlottenburger üochschulkonfliktS Stellung. Die Versammlung war als Zlkademiker-Versammluug angezeigt, da die Behörden die Genehmigung zu einer „Studenten- Bersammluug" versagt hatten. Der Referent Student Petzold wandte sich besonders gegen den dem Studenten-Ansschuß gemachten Vorwurf des W 0 r t b r u ch e s und legte eingehend den Verlauf der Verhandlungen zwischen dem Senat der Technischen Lochschule und bent Stubenten-Ausschuß dar.. Die Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an, in der es heißt:
„Der Erlaß von Rektor und Senat der Königlichen Technischen Hochschule in Berlin vom 15. Avril 1905 enthält bk ehrenrührige Beschuldigung, die Vertreter der Studentenschaft hätten ein dem Rektor gegebenes Versprechen gebrochen. Die Beleidigung ist ausgesprochen worden, ohne daß der gering ftc Versuch, etwaige Mißverständnisse aufznklären, gemacht wurde. Die gleiche Anschuldigung hat Seine Magnift- zenz, der Rektor, durch Tageszeitungen^ verbreitet und sie sogar ohne Erwiderung von feiten bei Studentenschaft, die eine Untersuchung eingeleitet, in der Presse wiederholt. Auf Grund des Berichtes, den die Vertreter der Studentenschaft über die ganze Angelegenheit erstattet haben, insbesondere deS Berichtes über die Friedensverhandlungen vom 23. Februar, für dessen Richtigkeit sich sämtliche 11 beteillgte Studierende verbürgen, kommt die Studentenschaft der Technischen Hochschule zu der Ueberzeugung, daß die s ch w e r e n B e s ch u l d i g u n g e n v ö l - lig unbegründet sind. Tie Studentenschaft erklärt sich mit ihren Vertretern solidarisch und sieht ine ihnen zu- gefugten Beleidigungen als die ihrigen an. Sie legt gegen diese Beleidigungen auf daS en t schieden st e Verwahrung ein und erwartet, daß sie baldigst aus der Welt geschafft werden."
Kolonialpost.
— Der Berliner Vertreter des „Standard" telegraphiert, die deutsche Regierung habe in der Streitsache zwischen Deutschland und England betreffs der Marschall-Inseln In allen wesentlichen Einzelheiten nach gegeben. (!?!) Die Regelung Set Angelegenheit entspreche den Forderungen der englischen Negierung. Ohne die Bedeutung der Wache zu überschätzen, dürfen England und Australien mit frei Art und Weise der Erledigung dieser Angelegenheit voll- s^ftrdig zufrieden sein. ~
" Aus AM Md Land.
Gießen, 5. Mai 1905.
— S. K. H. der Großherzog und der Stein- wurf in Friedberg. In sehr bemerkenswerter Weise hat
S. K. H. der Großherzog über den Bubenstreich, den er in Friedberg erleben mußte, sich geäußert. Auf das vom Bürger- meiftcc der Stadt Friedberg im Namen der Stadt und Bürgerschaft an den Landesherrtt aus Anlaß der Gefährdung der allerhöchsten Herrschaften abgesandte Telegramm ist dem Absender folgende Antwort zugegangen:
Ich danke Ihnen und den Bürgern Friedbergs für die in Ihrem Telegramm auSgesproche,ten Worte und bin nach wie vor von der Treue und Anhänglichkeit der Stadt überzeugt. Ich bin weit davon entfernt, diesen B u b e lt st r e i ch an t m i ch persönlich gerichtet zu betrachten, bedauere aber, daß derartige teils kindlichen teils bösartigett Angriffe, die leider tt i ch t v e r e i n z e l t d a st e h e n, i tt Meinem L a tt d e v 0 r k 0 m m e n k ö n n e n.
E r n st L u d >v i g.
Diese Worte verdienen die weiteste Verbreitung. Es sind durchaus nicht immer nur Kinder, dtrrch welche Reisende, Radfahrer, Automobilisten re. in derartiger Weise belästigt und angegriffen werden. Niederträchtig und abscheulich, und läppisch zugleich sind solche „Heldentaten^. Man erinnert sich der vor Jahr und Tag vorgekommenen häßlichen Freveltat von Bremen, aus der die norddeutschen Reaktionäre s. Zt. möglichst viel Kapital schlugen. Die Ueberzeugung unseres Landesherrn, daß der Wurf nicht ihm gegolten habe, und das in den Schlußworten ausgesprochene Bedauern wird hoffentlich nicht nur bei dem Attentäter die Scham über die schmachvoll törichte Tat zu lebendiger Wirksamkeit bringen, rmd nicht nur ihn, sondern auch alle zu gleichen Roheiten neigenden Subjekte zum Bewußtsein ihrer Gemeinheit führen. Das KreiSamt in Friedberg hat an sämtliche ihm unterstellten Schulen eine Verfügung erlaßen, wonach die Schulkinder durch die Lehrer eindringlich vor solcher rohen, gefährlichen Handlungsweise zu verwarnen und eintretenden Falles energisch zu bestrafen sind; auch soll das Kreisamt von jeder Bestrafung in Kenntnis gesetzt werden.
** Geschworenenliste. Zur Bildung der Spruchliste für die am 2. Juni 1905 beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts de§ Gr. Landgerichts der Provinz Oberhessen wurden die Namen folgender Hauptgeschworenen aus der Jahresliste für 1905 gezogen:
1. Heinrich Christian Fauerbach, Landwirt in Büdesheiin, 2. flarl Goppel, Müller u. Landwirt in Ptordt, 3. Iohanites Hensel IH. Landwirt in Schwalheim, 4. Reinhard Diesenbach, Landwirt in Freiei^seen, 5. Heinrich Karl Weikh, Landwirt in Nieder-WvU- stadt, 6. Konrad Wagiter, Landwirt in Odenhatlscn, Kr. Gießen, 7. Hermann Dürbeck, Kaufmann in Lauterbach, 8. Peter Gornert NI., Landwirt in Queckborn, 9. Peter Well III. Landwirt in Ober- Breidenbach, 10. Ludwig Rackö, Bankier in Gießen, 11. Heinrich Horst IIF. Landwirt in Ruppertenrod, 12. Wilhelm Wenzel, Fabrikant in Lauterbach, 13. Konrad Leschhont III. Bürgermeister in Obbornhofen, 14. Philipp Stoll II. Landwirt in Echzell, 15. Philipp Jockel, Bankier in Grünberg, 16. Bruno Büttner, Fabrikant in Gießen, 17. Rudolf Werß, Pachter auf Hof-Graß, 18. Karl Heinrich Rausch, Mehlhändler in Friedberg, 19. Louis Geist, Rechner in Ober-Widdershenn, 20. Karl Julins Wetzel, Ingenieur in Nieder- Erlenbach, 21. Jakob Ihrina, Iäcker in Lich, 22. Georg Seybold I. Landwirt in Nieder-Eschbach, 23. Johann Georg Windisch, Becker m Friedberg, 24. Rudolf Bücking, Bankier in Alsfeld, 25. Leonhard Metzendorf, Manrertneifter in Schlitz, 26. Heinrich Koch XIV. müller in Alsfeld, 27. Heinrich Kraft, Pachter in Vonhausen, 28. Friedrich Bindemald, Möbelhändler in Friedberg, 29. Albrecht Freiherr Rtedesel zil Eise>tbach, Rentner in Sickendorf, 30. Andreas Lepper HI. Landwirt in Zell.
** KreiLlehrerkon seren z. Die Lehrer des Kreises Gießen veranstalteten gelegentlich ihrer gestern (4. Mai) in der Turnhalle der Stadtknabenschnle stattgehabten Kreislehrer- konserenz eine Schil lerfeier. Provinzialdirektor Geheimrat Dr. Breidert begrüßte die Mitglieder der KreiSschulkom- Mission, die Lehrerinnen und Lehrer deS Kreises und gedachte Schillers, des deutschesten der Dichter, den besonders unsere Jugend verehre. Die Lehrerin Frl. Friedri ch-Gießen trug hierauf einen schonen Prolog vor, der lebhaften Beifall fand. Den Vortrag „Unser Schiller" hielt Lehrer Krug-Gießen. Er schilderte darin das Leben, die Kämpfe und den Werdegang Schillers. Provinzialdirektor Geheimrat Dr. Breidert dankte dem Redner und beschloß diesen Teil der Konferenz. — ES folgten die Angaben über den Stand des VolkS- schulwesens im Kreise und der Stadt Gießen durch Kreisschulinspektor Kleinschmidt. Die Schnlerzahl betrug int Schuljahr 1904'05 12 107 gegen 11804; davon sind 5975 Knaben und 6 132 Mädchen. 10 879 sind evangelisch, etwa 200 katholisch und dir übrigen israelitisch. Im ganzen wirkten an den 79 Schulen des Kreises 197 Lehrkräfte; 39 Schulen waren einklassig, 22 zweiklassig, 7 dreiklassig, 7 vierklassig und 4 mehrklassig. Nur noch 13 Schulen erheben Schulgeld, 76 sind davon frei. Die Fortbildungsschulen deS Kreises zählen in 76 Schulen 1929 Schüler gegen 1890 im Vorjahr; davon sind 1829 evangelisch. Im Kreis ist eine Privat- schule, nämlich die ErziehtmgSanstalt in 2lrnsbnrg, die 2 Lehrkräfte und 22 Schüler zählt. Die Stadt Gießen besitzt 45 Klassen und Lehrkräfte, 40 Lehrer und 5 Lehrerinnen. Die Schülerzahl beläuft sich auf 2239, davon sind 1034 Knaben, 1205 Mädchen. Im Schuljahr 1903/04 betrug die Zahl der Schüler 1174. Die Fortbildungsschulen Gießens zählten in 13 Klassen 318 Schüler. Kreisarzt Medizinalrat Dr. Haberkorn referierte über Art, Entstehung, Verbreitung und Bekämpfung der Genickstarre. Der Redner hält eine Aufregung und Angst der Bevölkerung für unnötig, da die Ansteckungsgefahr sehr gering sei. Das HauvtvorbeugungS- mittel bestehe darin, daß man den Körper nicht zu sehr schwäche und nicht hungern ließe. Bei leichten Fällen sterben 20%, bei schweren 75%, im Durchschnitt 37% der Erkrankten. Im Nachwinter und Frühling ist die Genickstarregesahr am größten. Geheimrat Dr. Breidert regt die Gründung von Volksbibliotheken in den Orten des Kreises an, die noch keine besitzen. Nur 33 Gemeinden von den 80 des Kreises haben bis jetzt Volksbibliotheken. Demnächst soll in Gießen eine Konferenz stattfiuden, die sich mit dieser wichtigen Angelegenheit weiter befassen wird. Von der Kreiskasse sind Zuschüsse zu den Bibliotheken in Aussicht gestellt. — Den Schluß der Tagesordnung bildete ein Vortrag „Die Fibel, das Lesebuch der Kleinen". Lehrer Zöller-Watzenborn- Steinberg verstand e§, darin in sachlicher Weise die Lehrer von der Notwendigkeit einer Verbefferung unserer hessischen Fibel gtt überzeugen und fand vielseitige Zustimmung. An die Konferenz schloß sich um %2 Uhr ein gemeinsames Mittagessen im (Safe Ebel.
* * Besichtigung der Arbeiten an den Klärbecken. An der Baustelle hatte sich gestern nachmittag 6 Uhr außer dem Oberbürgermeister und dem Leiter des
städtischen Tiefbauamts Geheimer Obcrbaurat Schmick- Darmstadt, nach dessen Planen bekanntlich die Kanalisation errichtet wird, eingesmtden. Die Stadtverordneten waren fast sämtlich erschienen, ebenso die drei Beigeordneten. Baumeister Braubach erläuterte an einer Zeichnung die ganze Art und Einrichtung der Kläranlagen. Für den älteren Stadtteil und das sich daran schließende tiefer liegende Stadtgebiet sind vier Klärbecken von je 40 Meter Länge für die Aufnahme der Schmutzwaffer vorgesehen, woran sich zwei weitere Klärbecken in gleicher Länge zur Ausnahme der Regenwässer anschließen. Diese sollen lediglich die NotauSläffe unnötig machen und hauptsächlich benutzt werden, tvenn große Niederschläge die Wassermengen den Regenwassersielen zuführen. Bei gemöhn- lichent Wasserstand der Lahn fließt aus dem Klärbecken das mechanisch gereinigte Waffer durch einen gemauerten Kanal in den Fluß ab, während bei hohem Wasserstand die vorgesehene Pumpvorrichtuug, ähnlich wie an der Westanlage, in Tätigkeit tritt. Für den höher gelegenen Seltersberg- Stadtteil wird ein besonderes Klärbecken enichtet, das in Stampfbeton hergestellt und mit glasierten Steinplatten belegt lüirb. Die Anlage für den Seltersberg ist über der Erde angelegt^ so daß das gereinigte Waffer selbst bei Hochwasser mit natürlichem Gefall zur Lahn abstießen wird, und ein Ueber- pumpen unnötig wird. Das Klärbecken für den Seltersberg ist bereits im Rohbau seiner Vollendung nahe, während für die sechs weiteren Klärbecken der Altstadt die Baugrube zum größten Teil bereits ausgehoben ist. Eine Dampframme, welche man in Tätigkeit sah, arbeitet die Spundwände in di« Erde, während au§ der teilweise mit Wasser noch gefüllten Baugrube mittels Dampfbagger der schönste Lahnkies zu Tage gefördert wird, der bei den Betonarbeiten seine Verwendung findet. Wenn man vor dem die Baustelle im weiten Bogen umspannenden hohen Erdwall, welcher die zukünftige sllärbeckenanlage gegen das Hochwaffer der Lahn schützen soll, auf das Bild zu seinen Füßen niederschaut, wenn man das Leben und Treiben der Hunderte von fleißigen Arbeitern beobachtet, nürb man unwillkürlich an einen Ameisenhaufen erinnert Baumeister Braubach erklärte, daß er sicher voraussetze, daß die Klärbecken sämtlich noch in diesem Jahre fertig gestellt würden. Er wies auch darauf hin, daß die Baugrube für das Maschinenhaus bereits hergestellt sei und in den allernächsten Tagen mit der Betonierung für die Fundamente der Maschinenanlage :c. begonnen werden würde.
* * S ch i l l e r f e i e r. Es scheint im Publikum die Meiw unq verbreitet zu sein, daß man sich um Karten für den Festakt, in der Turnhalle nicht zu bemühen brauche, weil hoch keine z-n erhalten seien. Dom gegenüber möchten wir noch einmal darauf Hinweisen, daß jedermann Zutritt hat und niemand — abgesehen von den Spitzen der Behörden und den Chargierten der Studentenschaft — Karten zu gesandt erhält. Auch die Mitglieder des Lehrkörpers der Universttät genießen bei dieser Gelegenhett keinen Vorzug. Flir den Festakt ist um Gesellschaftsanzug (schwarzer Rock) gebeten, ebenso für die heutige Theatervorstellung. Tas Programm in der Montagsvorstelrnng ist das gleiche wie das der heutigen. Für die Schülervorftell-- ung sind Karten an die einzelnen Schulen verteilt woroen, mtb zwar so, daß die Sck)üler und Schülerinnen des <vym- nasiums, des RealgpmnasiumS, der Oberrealschule und der höheren Töchterschule gegen 50 Pfennig, die Schuler und Schülerinnen der beiden Stadtschulen (im ganzen 150) freien Eintritt erhalten. 2lm Dienstag findet eine nur für Studierende bestimmte Vorstellung statt, zu der Karten nur bei Verwalter Stork im Kollegiengebäude zu hoben sind. Neber die Volksvorstellung vergleiche man das Inserat in Der heutigen Nummer des Blattes. Der musikalische Teil ^es Programmes mußte der großen Kosten wegen für die Volks- und die Schillervorstellung in Wegfall kommen. Tasur werden die künstlerisch ausgestatteten Programme, auf denen außer dem Spielplan Goetbes bervTirfier Epilog zur Glocke ganz abgedruckt ist, für 5 Pfg. statt für 20 Pfg. zu haben sein. Auch werden während der Pause im Vorraum des Theatersaales billige Schillerschriften, zum Teil für wenige Pfennige, zum Verkauf ausgelegt sein.
• * Besi hw e chsel. Herr Jakob A tzb ach verkaufte sein am Leihgesterner Weg gelegenes 1200 Quadratmeter großes Besitztum gegenüber der Äktienbrauerei an Herrn Jakob Grünewald für 6 Mk. pro Quadratmeter.
* • Zusammenstoß von Studenten. Gestern abend gegen 8 Uhr gerieten ewige Studenten an der Ecke Walltorstraße und Brandgaffe derart in Streit, daß cs auf beiden Seiten Verwundungen gab. Es entstand ein Menschenauf* lauf, der erst durch den Eingriff eines Schutzmannes wieder beseitigt mürbe.
• • Wasserwerk Queckb 0 rm Die Bohrungen int Quellengebiet bei Queckborn haben, wie Oberbaurat Schmück im Sommer v. I. voraussagte, ein überaus günstiges Resultat gezeitigt. Die drei Quellen geben reichlich ein Wasserquantum von 4500 Slubikrneter Wasser, sodaß Queckborn nach Fertigstellung der geplanten Erweiterung des Werkes imstande ist, der Stadt Gießen 7500 Kubikmeter Waffer pro Tag zu liefern. Mit der Quelle bei Alten-Buseck verfügen wir dann über 8000 Kubikmeter Waffer pro Tag, ein Quantum, womit auch nach beendeter Kanalisation eine Stadt von 45—50 000 Einwohnern bequem auskommt. Die Mittel für die Erweiterung deS Queckborner Werkes sind von den Stadtverordneten bereits bewilligt.
• * TaS neue hessischeIagdaesetz. In unferm Ar-tikrü vom 3. Mai muß statt „Ermäßigung" „Ermächtigung" also auch „ E rm ä ch t i g u u q s f ch e i n e " heißen.
() Friedberg/ 3. Mai. Heute ft.arb infolge fron Alkoholvergisrung ein junger taubstummer Gärtnergehilfe aus Gießen in einer hiesigen Lackfabrik. Man nimmt an, daß er sich den Sviritus, welcher zur Lackbereitung verwendet wird, verschafft hat und so seinen Tod fand.
□ Bleichenbach, 4. Mai. Hellte morgen erhängte sich ein 52jahriger Schuhmacher namens Georg Kraft X. auf seinem Stallboden. Er arbeitete tags vorher noch ganz fleißig, zeigte aber schon seit Jahren ein geistig abnormes Wesen. Die älteste Tochter fand den Vater, welcher feit zwei Jahren Mtwer war.
O Mittelgründau, 3. Mai. , Der Taglöhner Fr. Dauth von hier wurde hellte mit einer schweren Ver* letzllng am Halß von dem Feldschützen im liahen Walde aufgesllndell. ES liegt allem Anschein nach ein Selbstmordversuch vor. Dauth wurde in die Klinik nach Gießen verbracht.
Hanau, 4. Mai. Die bis jetzt sestgestellten Ver* untreullngen bc5 inhaftierten früheren Gemeinde- 6 ccf)nerS Koch in Zellhausen zum Nachteil der dorügeu


