Iuß'arid in Stnrm und Drang.
In Warschau svielten sich am Sonntag blutige, Vorfälle im jüdischen Viertel ab anläßlich der Veerdiguug eines jüdischer: Sozialisten. Der organisierte jüdische Bund veranstaltete eine Manifestation. Mehrere tausend Juden mit roten Fahnen zogen durch die Strasten. Es erschien eine Patrouille von 12 Infanteristen und Kavallerie. Da wahrere auf sie abgefeurte Revolverschüsse fehl gingen, sckwß das Militär mehrere Salven ab. Vier Juden blieben tot, neim Personen, darunter zwei Mädchen sind schwer, viele leicht verwundet. Beim Standbild deZ Kvpeniikus wurden Proklamationen ausgestreut, wobei ein junger Mann vernnlndct wurde. Nach andern Meldungen wurden im Ganzen 15 P e r s o n e n , darunter mehrere Frauen getötet. 50 weitere,Personen wnr- den verletzt. Infolge diese? blutigen Ereignisies herrscht ui der Stadt grvste Aufregung. In verschiedenen St-'llen der Stadt werden Proklamationen angeschlagen, worin die Bevölkerung gewarnt wird, sich in der Nähe öffentlicher Gebäude auf- zuhalten, da dieselben jeden Augenblick durch Dvnamit i n die Luft gesprengt werden könnten. In dem ganzen Generalgouvernement ist der Verkauf von Revolvern, V-.stolen und Patronen untersagt worden. Die in den Waffmladen vorhandenen Dassen sind numeriert und der Ndminiltratwn zur Aufbewahrung übergeben worden. 15 Soldaten wurden überführt, Gewehre neuester Konstruktion sowie die dazu cwbörige Munition an revolutionäre Arbeiter verteilt zu T ben. Die betreffenden Soldaten wurden vor ein Kriegsgerieat aestellt und nach gefälltem Todesurteil sämtlich bin gerichtet.
In Lodz erschossen zwei betrunken«' Kraken zw'-i Arbeiter und verletzten zwei andere. Der fälschlich für den Mörder des dortigen Polizeikomm'fsars Sz-alctewiez gehaltene, von d"v Polizisten bei seiner Verhaftung schwor vorletzte Arbeiter, ist gestorben. Der wirkliche Täter, ein etwa 19 jähriger Mann, entfloh Der von der Bombe getroffene Polizeikommissar liegt tm Sterben. Er hat 13 schwere Wunden. 37 christliche und 15 jüdische Arbeiter wurden verhaftet.
In Petersburg erfolgte wieder einmal die Verhaftung einiger Führer der Intelligenz. Auch aus Wilna werden solche Verhaftungen gemeldet. ,
Ein Spezial-Berichterstatter der „Daily Mail', der soeben /ine Reise durch Rußland beendigt hat, telegraphiert aus Thorn dast er überall dieselbe revolutionäre Unruhe unter der Bevölkerung gefunden habe. Die revolutionären Sozialisten haben überall die Politik des Terrorismus ganz offen proklamiert. Die Bevölkerung stehe auf leiten der Attentäter und leiste womöglich Beihilfe.
Man siebt, die Lage im Innern Rußlands verschlimmert sich von Tag zu Tag.
Zier Kneq.
Der Klnegskorrcspondent des Pariser „Journal", der in Mukden von den Japanern gefangen genommen und jetzt in Freiheit gesetzt worden ist, sendet aus Kobe ein längeres Telegramm, wtorin er die Stimmung des russischen Heeres schildert. Die ungeheure Mehrheit der Soldaten und Offiziere halte den Frieden für unvermeidlich.. Wie das russische Reich, so sei auch die Armee von politischen Wirren zerrüttet. Die Fortsetzung des Krieges müßte zu einer Katastrophe führen.
Von einer allgemeinen russischen Mobilmachung ist nach der „Wicdomosti" A b st a n d genommen, worden. Nur aktive Truppenteile sollen zur Ausfüllung der im Felde stehenden Armee benutzt werden. Die Truppen im Kaukasus und in Turkestan bleiben von der Mobilmachung unberührt. Die Er- gänzungsmannschaften gehen in einzelnen Kommandos nach Ost- asien ab. Die zweite Gardeinfanteriedivision soll, wie es jetzt heißt, nicht ausrücken. Wie der „Slowo" erfährt, erhalte General Sarubajew das Kommando einer mandschurischen Armee.
Das Geschwader des russ. dldmirals Nebogatow, aus sechs Kriegsschiffen und dem Hospitalschiff „Kostroma" bestehend, ankert vor Djibuti.
Der Petersburger Korrespondent des „Echo de Paris" meldet, -die Idee des Friedensschlusses sei absolut a u f g e g e b e n. Die Herausgeber der hauptstädtischen Blätter seien zum Ebes ixer Zensur gerufen und ersucht worden, in den Zeitungen für leine energische Fortsetzung des Krieges Stimmung zu^ machen.
Privatnachrichten Moskauer Blätter melden die völlige, Desorganisation und Demoralisation der Eiscnbahnbeamten, Polizisten und Armeelieferanten bei der russischen Armee auf dem Kriegsschauplatz. Diebstahl und Raub seien auf der Tagesordnung. Zwei Fürsten Urussow sind in Moskau wegen Unterschlagung von Geldern des Roten Kreuzes verhaftet worden.
Aus Tokio drahtet „W. V." amtlich: Ein Teil der bei Kaihuan stehenden Streitmacht vertrieb die Ruffen von Mhcn- huachih und besetzte dieses Dorf und die nördlich davon gelegenen Höhen am 31. März. Die Lage auf den anderen Teilen des Kricgsscbanvlatzes ist unv«wändert.
^arlamcntarisches.
Berlin, 3. April. Tie Kommission des Abgeordnetenhauses kür die Bergnovellen nahm den § 80b an, der die Bestimmungen bezeichnet, welche in der Arbeitsordnung enthalten sein müssen. In § 80c „Nullen" wurde der letzte Satz, der von der Verauslagung des Lohnes für einen Vertrauensmann spricht, gestrichen. Zn § 80 c Abs. 2 „Strafe n" wurde der Zentrumsantrag auf Herabsetzung des Maximums der Strafen abgelehnt, die Regierungsvorlage gleichfalls <ibgelehnt und die nationalliberale Fassung angenommen, nach welcher für die weaen ungenügender Beladung und unreiner Förderung zu verhängenden Strafen höchstens 5 Mark im Monat betragen sollen, aber, wer dreimal im Monat deswegen bestraft ist, ohne Innehaltung der Kündigungsfristen ohne Aufkündigung abgelegt werden kann. § 80 f, nach welchem auf Bergwerken, wo in der Regel mindestens 100 Arbeiter beschäftigt werden, ein ständiger ArbelterauSschuß vorhanden sein muß, wurde in der Regierringsfassung angenommen unter Ablehnung der Anträge des Zentrums und der Freisinnigen, die die Zahl der beschäftigten Arbeiter auf 20 bezw. 50 herabsetzen wollten. Im weiteren Verlauf der Debatte begründeten die Nationallib"ralen ihre Anträge auf Abänderung des aktiven und passiven Wahlrechts und erklärten sich entschieden gegen den Antrag Wolff-Lissa, den Arbeiterausschüssen das Recht beizulegen, namens der Belegschaft den Streik zu erklären. Handelsminister Möller sprach sich ebenfalls gegen letzteren Antrag aus und erklärte die nationalliberalen Anträge für diskutabel, v. Heydebrand und v. Zedlitz beantragten, den den Arbeiterausschüssen die Aufgabe zu stellen, für Ruhe und Frieden auf dem Bergwerk zu sorgen und Vergewaltigungen der Arbeitswilligen entgegenzutrcten. Ferner solle den Mitgliedern der Ausschüsse politische Betätigung, abgesehen von der Ausübung des Wahlrechts. Untersaat sein.
Kirche urb Schule.
Gesetz betr. Gehalte usw. d e r V o l ks s ch ul l e h r e r. Mit Allerhöchster Ermächtigung S. K. H. d^s G r o ß h e r z o g ? hat, so lesen wir in der ,,D. Ztg.", das Großh. Ministerium des Innern den Ständen des Großherzvgtums, zunächst der zweiten Kammer, einen Gesetzentwurf nachsteh''nden Inhalts über den Text der Gesetze betreffmd: 1. die Gehalte der Volks - Schullehrer, 2. die Pensionierung der Volksschul- lehrer,3. die Witwen- und Waiseukasse derVolkS- schullehrer, zur Beratung uud Beschlußfassung mitgeteilt und dabei gleichzeitig um sehr gefällige Beschleunigung in der Erledigung der Vorlage ersucht, da die amtlichen Handausgaben der fraglichen Gesetze zum Teil vergriffen sind und es dringend erwünscht ist, daß dn Gesetzestext bei einem Neudruck in der ie8t gettrnbffl Raffung crlch-mt.
Wir hüben mit Zustimmung Unierer getreuen Stände vev- ordnet und verordnen, tote folgt:
Einziger Artikel.
Das Ministerium des Innern wird ermächtigt, den Text der Gesetze:
I. die Gehalte der VolkSschullehrer betreffend, vom 9. März 1878,
2 die V^ffonierung der VolkSschullehrer betreffend, vom 1. Oktober 1870,
3. die Witwen- und Waifcnkasse der Volksschullehrer betreffend, vom 2. Juni 1894.
wie er sich aus den Aendernngen ergibt, die erfolgt sind:
ad 1: durch das Gesetz, die Gehalte der VolkSschullehrer betreffmd, vom 2. Januar 1901, und durch das Gesetz, betreffend Mäud^rung des 1 des Gesetzes, die Gehalte
der Volkssch"Uehrer betreffend, vom 2. Januar 1901, vom 26. März 1904, t
ad 2: durch das Gesetz, die Eraänzimq der BeiOmmimgen über die Pensionierung der VolkSschullehrer betreffend, vom 16. September 1899, und durch das Gesetz, die Ergänzung dar Bestimmungen über die Penswn;-rung der VolkSschullehrer betreffend. vorn 28. September 1901,
ad 3: durch daS Gesetz, die Witwen- und Waisenkasse der Volk§schuNehr-r b'tresf-nd 21. Juli 1900, unt-r neuer fortlaufender Nummernk"lge der Ar'ik-ck und mit d"r Maßgab- durch das Regicruna^bla'tt b?k^nnt zu macken, daß auch in den Verweisungen auf andere Gesetze die in diesen erfolgten Aendernngen gewahrt sind.
Urkundlich 'usw.
Steer unh voite.
— Der bayerische Kriegsminister v. Asch bat nunmehr eine Demission einaereicht, welche angenommen wurde. Als sein Nachfolger ist der kommandierende General des 3. Armeekorps, Frbr v. Ho rn-Nürnbera, desianiert.
Ausland.
Paris, 3. April. Der „Fig-ro" verz-icknet das Gerückt von der Verlobung des Königs Alfons von Spanien mit der Prinzeffin Immaculata, einer Tockter des Erzherzogs Stephan. Die V-rmählung s-i bereits b'-schloss-ne Sache. Tic Braut ist 19 Jahre alt. (Der junge spanische König erhalt von d-r Sensation «presse des Auslandes fast allwöchentlich eine neue Braut. D. Red.)
Lissabon, 3. April. Der König eröffnete heute die Cortes. In der Thronr de ged-ukt er des guten Einvernehmens mit allen Nationen und d-r v-rsckiedmen Fürstenbesuche. Die Gefühle der Freundschaft, sagte der König u. a., verbinden Portugal mit Deutschland. Ter Besuch des Kaisers trage zur Entwickelung der g-meinsamen Interessen bei. Tie Ei'n- ührung der Verantwortlichk'it der Minister wird angekündigt erner Finanzvorlagen und die Reorganisation der Marine.
Genua, 3. April. Die Königin von England ist an Bord der „Viktoria and Albert" von dem Kreuzer „Cornwall" begleitet hier eingetroff.m. Der übliche Salut wurde ausgetauscht. Die Herzogin von Aosta s-wie die Spitzen d-r B-börd?n begaben ich an Bord, um die Königin zu begrüßen. Morgen soll die Weiterreise nach Marseille erfolgen.
Belgrad, 3. April. Ter Finanzminister reist in den nächsten T^gen zum Abschluß einer Anleihe nach Frank- u r fcft . M.
Fliü nnO £n»i>.
Gießen, den 4. April 1905.
** Personalien. S. K. H. der (^roßherzoq haben dem Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt I Ger- l a ch den Charakter als Amtsgerichtsrat erteilt. — Ter Amtsrichter bei dem Amtsgericht Osthofen Hessel wurde zum Oberamtsrichter bei diesem Gericht, der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Reinheim Breidenbach zum Oberamtsrichter bei diesem Gericht ernannt. — Ernannt wurde ferner der Gerichtsvollzieher in Lorsch Rost zum Gerichtsvollzieher in Lampertheim. — Der Steuerkommiffariatsussistent bei dem Stelierkommissariat Mainz I Negierungsassessor Lorenz zu Mainz wurde in gleicher Diensteigenschaft an das Steuerkommissariat Darmstadt I versetzt. — Der Steuerkontrolleur Regierungsasseffor Nikolai zu Büdingen wurde zum Steuerkommissariatsassistenten bei dem Stcuerkommissariat Offenbach, der Revisionskontrotteur bei dem Hauptsteueramt Offenbach Frey zu Offenbach zum Steueramtsrendanten bei dem Steueramt Bensheim ernannt.
*♦ Eine Entgleisung eines Güterwagens, die in der Nacht vom Samstag auf Sonntag auf dem hiesigen Güterbahnhof stattfand, hat auf der Strecke Gießen-Kaffel eine mehrstündige Verspätung der Schnell- und Personen- züge hervorgerufen. Bei der Ausfahrt eines Güterzuges nach Kaffel koppelten sich am Nordende des Bahnhofs mehrere Wagen los, wahrend der letzte anhängende Wagen entgleiste und bis zur Badenburg bei Lollar neben den Schienen mit- lief. Erst hier merkte es der Zugführer; der entgleiste Wagen blieb schwer beschädigt zurück. Er hatte sämtliche Weichen abgeriffen, mehrere Wagen beschädigt und seine ganze Ladung verloren. Erst nach mehrstündiger Arbeit wurden die Weichen und Geleise wiederhergestellt.
** Die Tagesordnung der öffentlichen Stadtverordneten sitzung am Donnerstag dem 6. ds. Mts. ist im heutigen Kreisblatt veröffentlicht. Wir weijen auch an dieser Stelle darauf hin.
** Der Bürgerverein Gießen veranstaltet, wie aus einem heutigen Inserat zu ersehen ist, nächsten Freitag abend 8V2 Uhr in der Restauration Otto in der Frankfurter- straße eine Mitgliederversammlung mit folgender Tagesordnung: Submissionswesen, Nathausireubau und Verschiedenes. Die Besprechung über die erwähnten Punkte verspricht mancherlei nützliche Aufklärung.
•* Die Gießener Freiw. Feuerwehr hielt gestern abend im „Gambrinus" ihre alljährliche orbentl. Hauptversammlung ab. Es waren etwa 100 Feuerwehrleute anwesend. Brandinspektor Wigaudt erstattete den Bericht über das verffoffene Jahr, Hebungen, Brände :e., woran Nechnungsablage erfolgte. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Darauf erfolgte die Besetzung der Brandmeisterstellen; der erste Löschzug wurde unter die Führung des Brandmeisters Faber, der zweite unter die des Brandmeisters Di ckor^ gestellt. Auch einige Obmannstellen wurden^besetzt. Ein merkwürdiger Zuiall fügte es, daß zu vorgerückter Stunde plötzlich die Sturmglocke ertönte, was eine Unterbrechung in den Verhandlungen herbeiführte. Die 100 ausgerüsteten Feuerwehrleute waren gleich nach den ersten Ligualen zum ^luSmarsch bereit, worüber das Publikum wohl etwas
erstaunt gewesen sein mag. 91(3 um ®/4l Uhr die Rückkehr von der Brandstelle erfolgte, traten die pflichteifrigen Mannschaften wieder in die Tagesordnung ihrer unterbrochenen Hauptversamn^lung ein. Nach etwa einer halben Stunde war die denkwürdige Sitzung beendet.
- Brand einer Feldscheune. Gestern abend kurz nach 11 Uhr läutete die Sturmglocke, und zahlreiche Einwohner machten sich auf die Beine nach der Brandstelle. Es war n'cht viel zu sehen. In den Stallungen und der Scheune
de§ N. Rübs am en an der Wißmarersiraße war Feuer ent- tanden. Das ganze Gebäude brannte bis auss Mauerwerk nieder, obgleich die Feuerwehr sofort zur Stelle war und energisch eingriff. Das in den Stallungen unteraebrachte Vieh konnte sämtlich geborgen werden. Es liegt Brand- t i f t u n g vor.
*• Diebstahl. Aus einer Hofreite der Ludwigstraßt wurde in der Nacht vom verfloffenen Sonntag auf Montag ein Fahrrad gestohlen.
** Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klaffe siel ein Gewinn von 30 000 Mk. auf Nr. 13427, ein Gewinn von 20 000 Mk. auf Nr. 74041, em Gewinn von 10 000 Mk. ntif Nr. 8395 und Nr. 37806, Gewinne von 5000 Mk. auf Nr. 56123 69378, Gewinne von 2000 Mk. aus Nr. 532 5753 15809 16139 16482 27755 28955 29864 34576 36371 38407 40836 47431 50971 57579 58250 64812 66300 66664 68580 70984 73166 73321 76582 81280 84463 92387 95130. lObne Gewähr.)
p. Katzensurt (Dill), 3. April. Vorgestern, Sam»en^ abend, kam es in einer hiesigen Wirtschaft zu einer S ch läge re z, in welcher der Hüttenarbeiter Karl Süß von hier derart verletzt wurde, daß an seinem ^lufkommen gezweifelt wird. Die rohe Tat vollbrachten Burschen aus Greifenstein, die der am 9!aebmittage am hiesigen Babnbof stattgehabten Kontrollversammlung beigewohnt hatten. Der Haupttäter soll bereits verhaftet sein.
** Kleine Mitteilung"" a n a Hess- n und b Nachbarstaaten. Am letzten Donnerstag fiel in Hungen her vierjährige Knabe des Otto Heßler in die sogenannte Tränke und war bem Ertrinken schon nahe, als zufällig Gerber Kuhn den Vorgang bemerkte und den Knaben rettete. — In Wette r- feld bat sich eine Vlolkerei-O^cnossenschast gebildet. Dgs Molkerei- gebäude wird m aller Kür^e direkt an der Wetter erbaut.
DermiiAtei.
• Heilbronn, 3. Avril. Die Tragödie, bereK Opfer die begabte junge Schg uspielerin Mgrga Tal- m ar und deren Bräutigam, der frühere österreichische Leutnant Seydalt, geworden sind, hat hier die lebhafteste Anteilnahme erweckt. Fräulein Talmar, die am Freitag blirch Kohlenopydgas vergiftet tot in ihrem Schlafzimmer aufgesunden wurde, war gegen den Willen der Eltern zur Bühne geaangen und es scheint, daß die Kluft zwischen ihr und dem Elternhaus trotz der austnunternben Erfolge der jungen Künstlerin nicht mehr ganz überbrückt werden konnte. Die Künstlerin hieß mit dem eigentlichen Namen Tischler. Seydalt, der nach seiner Verabschiedting technischen Studien oblag, war am Samstag nachnrittag auf die Nachricht vom Tode seiner Braut Hierher gekommen und mit dem Vater der Künstlerin zusaiumengetroffen, in dessen Begleitung er sich nach der Leichenhalle begab. Angesichis der Leiche äußerte er verzweifelt, das Sehen habe mm feinen Wert mehr für ihn. Kurz nach Mitternacht schoß sich Seydalt im Hotel eine Kugel in den Kopf. Er wurde noch lebend ins Kcanken- haiis gebracht, wo er heute früh starb. Die beiden Leichen werden einem schriftlichen Verlangen Seydalts gemäß in Prag beerdigt.
* Ein zurückgewiesenes Geschenk. Es wird wohl nicht häufig vorkommen, daß ein Geschenk von 5 0 0 000 Fr. in barem (Selbe abgelehnt wird, und das ist jetzt in Amerika geschehen, und der, dem sein Geschenk nebst sehr wenig schmeichelhaften Worten an den Kops geworfen wiirde, ist der Petr 01 e u m kö n i g John D. Rocke feil er. Dieser hatte der amerikanischen Missionsgesellschaft für äußere Mission 100 000 Dollar zur Verfügung gestellt, und gegen die Annahme dieser Gabe erheben sich nun die protestanti- 'chen Geistlichen. Die Kongregationalisten-Synode für die Oststaaten tagte in Boston und nahm eine Refolution an, in der sie die Zurückweisung des Geschenkes fordert, weil der Petr oleum trust, dessen Haupt Rockefeller ist, das Volk auSsauge und forrnmpicre, und weil man Geld, das dem Volke geraubt fei, nicht zur Bekehrung der Heiden verwenden dürfe. Man wird den Kongregationalisten in weitesten Kreisen zustimmen. Herr Rockefeller ist bekanntlich drauf und dran, das Petroleum in der ganzen Welt zn verteuern.
Der neue Ruhstrat-Prozeß.
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Oldenburg, 3. April. Unter ungeheurem Andrange be% Publikums begann heute vor der zweiten Strafkammer des hiesigen Landgerichts die Verhandlung in dem neuen Ruhstrat- Prozeß, die auf zwei Tage berechnet ist. Zu der Verhandlung, ünd über 60 Zeugen geladen, die über die Spiel Vorgänge, im Oldenburger Kasino aussagen sollen. Der Angetlagte^ Biermann wurde kurz vor Beginn der Sitzung von zwei Ge-« ’annenauflehent der Strafanstalt Vechta vorgejührt. Es liegen^ zwei Anklagen gegen Biermann vor. Die eine lautet auf B eu leidignug des I u st i z m i n i st e r 4 Rnhstrat, die anders nid Beleidigung des Rechtsanwaltes Wisser, des Rechtsbeistanbes von Rnhstrat. Zunächst wurde in die Verhandlung der ersten, Anklage eingetreten. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärte Biermann, er sei auch jetzt noch vollkommen davon überzeugt, daß! der I u st i z m i n i st e r R u h st r a t einen Meineid geschworen habe. Aus eine weitere Frage des Vorsitzenden, worin der Auaeklagte den Meineid erblicke, erflärte Biermann,> Minister Rnhstrat habe beschworen, daß er nur im Kasino gespielt' habe, tatsächlich habe er auch im Restaurant Eilers gespielt Er habe ferner eidlich bestritten, daß er leidenschaftlich gespielt habe, trotzdem er ein leidenschaftlicher Spieler war. Da der Angeklagte iveitere Erklarmigen nicht mehr abgeben will, wird mit der Zeugeiivernehmuiig begoniien. Aiich der Minister Nu Hst rat ivufbc als Zeuge vernommen. Der Antrag der Verteidigung auf Nichtvercidigung dieses Zeugen wurde vom Gerichtshöfe ab-' aelehiit. Rnhstrat wiederholte feine Persicherimg, daß von einem, Hazardspiel als Oberstaatsanwalt und Nstnister seinerseits keine Rede sein könne. Er ,visse auch bestimmt, daß er eine dieser äbn- lichen Erklärung im Rieß-Prozeß abgegeben habe, sodaß ebeuso- weiiig, wie von einer absichtlich falschen Aussage, von einem absichtlichen Verschweigen die Rebe jein könne. Der Dlinister bezeichnete alsbann bie vom Abg. Lenzman n im Reichstage gegen ihn erhobenen Vorwürfe, daß er wider besseres Wissen als :jeiige unter seinem Eide etwas verschwiegen habe, als Ver * l e n m d n n g, gegen welchen Aiisbrnck der Präsident p r s t e st i e r t e. Hierauf wird der Aiinister als Zenge eiitlassen.
Orichlslaal.
Heidelberg, S. Avril. Professor Dr. Orkar VnlpinS wird gegen das Urteil des^ hießgen Landgerichts vom 28. v. *DL, das ihn wegen fahrlässiger ärztlicher Behandlung eines Patienten ziir Zahlurig eines Kapitalbetrages von Mk. 25 000 und einer Jahresrente von Mk. 1000 verurteilte, beim Oberlandes ^ericht m Karlsruhe Berufung einlegen.


