6-rstes Blatt.
Dienstag 4. April 190$
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Amts- md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Die tieutiae Summer umfaßt 8 Seiten
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155. Jahrgang
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„ v , . ... - „Zentral News" berichtet aus!
Tanger, der Sultan bedauere in seiner Antwort auf die Forderungen der französischen Regierung, daß es ihm unmöglich sei, dieselben in vollem Um» fange zu erfüllen. Er weist darauf hin, daß einige bet Forderungen soaar im Widerspruch zu dem Madrider Abkommen von 1881 stehen. Der Sultan erklärte sich dabei bereit, eine Anzahl der geforderten Reformen einzuführen, verlangt dagegen aber das Recht, außerhalb Frankreichs Anleihen aufnehmen zu können.
Nach. einer Mitteilung der ,,'Mgence Havas" empfing Del e a s s 6 zwei Deputierte, welche ihn über die französische Politik in Marokko interpellieren wollten. Del-- casso erklärte, daß sich in der Politik Frankreichs nichts geändert habe und daß er den in den letzten Tagen in dem Senat abgegebenen Erklärungen nichts hinzuzufügen haben! würde. Er bitte daher die Interpellanten, alle Debatten über Marokko bis auf weiteres zu verschieben. Marquis de Ferronay, Deputierter des franz. Departements Loire-Juforieure (Kons.), einer der beiden Deputierten, erzählte, daß Deleasfs sagte: Bezüglich der Absichten Deutschlands in Marokko kenne er nur eine offizielle Er* klärung, die Rede des Reichskanzlers im Reichstage. Was die dem deutschen Kaiser zugeschriebenen Ansprachen betreffe, so habe er davon nur durch Zeitungsberichte Kenntnis. Er könne bis zu ihrer Bestätigung ihnen nur eine relative Aufmerksamkeit schenken. Dem Vernehmen nach wird Ferronay den Minister wieder aufsuchen, wenn der offizielle Tert der vom Kaiser gehaltenen Ansprachen veröffentlicht ist.
Gemeinde sang mit Begleitung durch, die Kapelle der „Höhens zollern" „Ein' feste 23irrg" und das „Niederländische Dank- gebet". Heute früh kam ein kleiner spanischer Kreuzer in Flaggenparade den deutschen Schiffen entgegen und ge-
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Unverstand der Arbeiterinnen.
In den Berichten und Gutachten, die auf die vom Reichsamt des Innern veranstaltete Umfrage betr. die Arbeitszeit der Fabrikarbeiterinnen erstattet sind, wird vielfach Klage darüber erhoben, daß es an ausreichender Unterstützung in den beteiligten Kreisen gemangelt hat. Bei nns gerade in Gikßen z. B., und auch in anderen Orten zeigten die befragten Arbeiterinnen nicht genügendes Jnterefle und Verständnis für die angeregten Fragen. An anderen Orten (so in Barmen und Düsseldorf) ließen die Vorsitzenden der einzelnen Arbeiter-Organisationen die an sie gerichteten Ersuchen um Mitteilung von Gründen für Herabsetzung der Beschäftigungsdauer der Arbeiterinnen unerfüllt. Es war das um so weniger ersprießlich, als, wie die Berichterstatter bemerken, zahlreiche Erkundigungen bei einzelnen Arbeiterinnen nur wenig übereinstimmende Auskünfte zu tage förderten. Auf der anderen Seite wird von Bremen aus darüber Klage geführt, daß die Industriellen eine starke Abneigung gegen Beantwortung der Fragebogen gezeigt haben.
Angesichts solcher Schwierigkeiten ist es ein um so dankenswerteres Verdienst des Reichsamts des Innern und seiner Vertrauensleute, daß ein so erschöpfendes Werk über die Arbeitszeit der Fabrikarbeiterinnen hat fertiggestellt werden können.
Rom, 3. April. Der Kaiser wird am Mittwoch vormittag in Neapel eintreffen, wo er sofort an Boro der „Hohenzollern" geht. Am 7,i d. M. fährt der Kaiser nach Taormina. Tie Reise wird am 3. Mai in Venedig ihren Abschluß finden. Wie aus Mailand berichtet
der Großherzoglichen Regierung hat nun prompt die Situation voll geklärt. Der Großherzog selber aber hat Herrn v. Heyl einen Nasenstüber gegeben und Herrn Gnauth seines vollsten Vertrauens versichert. Nun aber wirds im reaktionären Worms wieder neues Heulen und Zähneklappen geben.
Zur Emission der neuen Reichsanleihe.
R. Berlin, 3. April.
Bei der neuen Reichsanleihe sowohl als bei der späteren preußischen Anleihe wird also an Stelle des bisherigen dreiprozentigen Zinsschatzes der 3V, p r oz en ti ge gewählt, in der Erwartung, daß das anlagesuchende Publikum sich wieder mehr den einheimischen Fonds zuwenden werde. Ob diese Erwartung sich erfüllen wird, hängt aber noch von anderen Umständen ab. Der 3prozentige Zinstyp ist durchaus nicht unbeliebt, die verhältnismäßig geringe Verzinsung wird vielmehr erst dann mißliebig empfunden, wenn ein im anhaltenden Kursrückgang begründeter Kapitalverlust hinzutritt. Durch solchen haben die Besitzer 3prozentiger Fonds in den vergangenen Jahren so empsindlichen Schaden erlitten, daß diese Fonds gewissermaßen in Mißkredit geraten sind. Mit den neuen 3l/zprozentigen Werten kann es ebenso kommen, wenn nicht bei der börsentechnischen Behandlung dieser Fonds durch die der Regierung nahestehenden Finanzinstitute mehr nach kaufmännischen Gesichtspunkten verfahren wird. Von den die deutschen Anleihen emittierenden Bankhäusern ist nicht zu verlangen, daß sie die Pflicht übernehmen, die den der Regierung nahestehenden Finanzinstituten, der Neichsbank, Seehandlung, Zentralgenossenschaftskasse usw. zusteht: für möglichste Stetigkeit der Kurse der Reichs» und Staatsanleihen Sorge zu tragen durch Hereinnahme von zum Verkauf gestellten Beträgen, wenn diese den Kurs erheblich drücken würden.
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Neue Felduniform.
-u- Berlin, 3. April.
Der preußische Kriegsminister hat sich bei der Militär- oebatte nicht zur Uniformfrage geäußert, wenigstens nicht über die Wahrscheinlichkeit der Beschaffung einer praktischen Felduniform für die Armee. In dieser Richtung liegende Projekte sind von der Militärverwaltung aber keineswegs ausgegeben. Man erwartet dem Vernehmen nach m Offiziers- kreisen sogar einen entschiedenen Fortschritt auf diesem Gebiete von den diesjährigen in Westdeutschland stattfindenden Kaisermanövern. Bei ihnen soll eine neue graue Uniform, deren unentbehrliche blinkende Bestandteile verdeckt sind, zum ersten mal von einem Bataillon des Lothringischen Königs- Jnfanterie-Regiments im Felddienst vorgeführt werden. Ter betreffende Truppenteil trägt die neue Uniform bereits im Garnisondienst Sollte sich beim Felddienst auch die Notwendigkeit einer Vervollkommnung Herausstellen, so erscheint , die wichtige Uniformsrage doch der Lösung nahegerückt, und es ist nur zu wünschen, daß mit dieser Abänderung eine j Vereinfachung des jetzt selbst für den Fachmann schwer über- . sichtlichen Systems der militärischen Abzeichen Hand in Hand i
Kaiser Wilhelms Weersahrt.
Auf Menorca.
Port Mahon, 3. April.
Tie „Hamburg" mit dem Kaiser an Bord und bet Kreuzer „Friedrich Karl" sind heute vormittag 8V2 Nhp in den Hafen eingelaufen. Tie Fahrt von Gibraltar hierher war wundervoll, die See ganz ruhig, das Wetter herrlich. Die Schiffe fuhren gestern früh von Cartagena, abends an den Pithyusen vorüber. Gestern vormittag hielt der KaiserGottesdienst im großen Speisesalon. Er verlast eine Predigt, deren Textworte aus der Leidensgeschichte! Christi, Lukas 22, Vers 63 bis 71'entnommen waren. Die'
Valitilchk Tagesschau.
Großherzog und Finanzminister.
Man liest in der „Darmst. Zig.":
Wir sind zu der Mitteilung ermächtigt, daß Se. Kgl. Hoh. der Großherzog nach Kenntnisnahme von den neulichen Vorhand langen Erster Kammer der Landstände zum Staatsvoranschlag für 1905 Anlaß genommen haben, dem Herrn Finanzminister unter erneutem Ausdruck Seines vollen Vertrauens insbesondere auch Sein Einverständnis mit der von demselben bisher vertretenen Staats st euerpolitik zu bestätigen.
Diese bei uns in Hessen ganz außergewöhnliche offiziöse Kundgebung ist von größter Bedeutung. Bekanntlich hat der Frhr. v. Heyl in der Ersten Kammer am 29. v. M. eine Aeußerung des Finanzministers in der Kammersitzung vom 8. Februar d. Js. zum Anlaß genommen, einen Notschrei der Höchst besteuerten anszustoßen. Exzellenz Gnauth hatte an jenem Tage ausgeführt, daß gegenüber dem Lamento der wohlhabenden Klassen über die hohen Steuern einige Ausführungen des Abg. Ulrich ihm wie ein „angenehmes Gegengift" geklungen hätten. Tas, so meinte Herr v. Heyl tief erschüttert, sei eine Aeußerung, die das monarchische Bewußtsein in der Bevölkerung durchaus unangenehm berühren und erschüttern müsse; sie habe auch in weiten Kreisen des Landes Befremdung und Beunruhigung hervorgerufen.
Wir sind ja wahrlich feine Freunde des Herrn Ulrich, aber das in der guten Stadt Worms immer und immer aufs neue ertönende Jammergeheul von den notleidenden Höchstbesteuerten ist überaus unerquicklich und abgeschmackt. Unsere Leser haben wir bisher damit gar nicht gelangweilt. „Beunruhigt" haben denn auch in Wahrheit nicht etwa jene Ausführungen des Finanzministers, sondern die des bisher allein beunruhigten Herrn v. Heyl in weitesten bürgerlichen Kreisen, die nicht den Vorzug haben, mit Herrn v. Heyl aus der Bank der Höchstbesteuerten zu sitzen. Herr v. Heyl erlaubte sich mit seiner Kammerrede den schlechten Scherz, unseren Finanzminister vor dem Lande in ein schiefes Licht zu setzen und vorzuspiegeln, als ob Exz. Gnauth und Ulrich plötzlich Busenfreunde geworden seien. Das amtliche Organ
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^erantrooxtl'cd füt beit polit und U ,2. t» Teil P. Wtttlo- für »Stadt und Land^ und »Gerichtsjaal*: August Goetz; für den Anzeigenteil: Hans Beck
GietzenerAmeiger
General-Anzeiger
Nr. 80
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außer Sonntags.
Dem Greßener Anzeiger Verden im Wechsel mit dem keffischen Landwirt die Siebener Zamilien- Glätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'fchen Unwerf.-Buch-u. Stein- druckerei. R. Bange. Redaktion, Ervedttton und Druckerei:
Gchotstratze 7.
Ildresje für Deveschen: Anzeiger Gießen.
FernsprechanicklußNr 61.
auffallendes Moment in der Marokk^-AMre ist die Zurückhaltung derVereinigt'nStaaten. Auffallend umsomehr, als die Washingt-ner Regierung nicht zögerte, Flottendemonstrationen zu veranstaUen, als sie eine Verletzung der amerikanischen Interessen in Marokko für vrlioegend hielt. Auch die Union treibt einen nicht unbedeutenden Handel mit dem nordafrikanischen Sultanat. Da nun bescheidenes Beiseitestehen in der Politik am we- Nlgsten Sache der Yankees ist, müßte es Wunder nehmen, wenn sie gegen das Vormachtsgelüst Frankreichs so gar nichts einzuwenden hätten. Sollte sich am Ende die Union krampfhaft „korrekt" zeigen wollen — auf Grund verteilter Rollen natürlich —, um die Notwehr Deutschlands als „inkorrekt", als „ungehörige Einmischung", wie die I feiteTe^Sefeften Hen Hn- englische Presse sagt, erscheinen zu lassen? Nichts recht- einem zweiten im Mm M
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s* » nwder und durchfuhr dann die französische Vorstcckt Saint
~ r Louis und die englische Vorstadt Villaearlos.
Zu den englischen Blättern, die Herrn D e l -1 Heute nackcmittaa pr^nTrrtp s.» gn »11« - t a
cajsö und seine Marokkopolitik über den grünen Klee Neapel durch Mnr
12-A 1 ?'Mum ?bsto giftiger über Deutsch la n d zu schiedung begaben sich die Vertreter der Zivil- und Militär- e g mC ^en- ,lcÄ nunmehr mich russische Zeit- behörden und der deutsche Konsul an Bord Während
wirft di- Frage auf, ob nicht eben o England ™ Sg ft
Frankreich d en S ch a d e n t> ° n ^e m K ° i se r b e s u ch 40 W 'erregte die Ä “J" d7s Ä Um in Tanger zu tragen haben werde. Die „Nowoie Wremja" . 11
wittert sogar eine ausgesucht feine Jntrigue: Deutsch-! Aialien.
land wolle späterhin Frankreich in Marokko piwte- gieren und durch diesen Dienst von Rußland abdrängen. Das ist zwar mit ausschweifender Phantasie gedacht — aber darum wird es doch von unseren guten Freunden in Paris und London als sehr beachtenswert, . ,________ _____________
erörtert werden. Man darf sich keiner Selb st tau fchung hin- wird, findet die Zusammenkunft des Kais, geben: der Deutsche ist trotz aller Freundschaftsbeweise von Einig Viktor Emanuel in Neapel am 5.
Regierung zu Regierung, trotz der „wohlwollenden Neu- Wie es heißt, wird diese Zusammenkunft von großer poli- tralität" durchaus nicht beliebt in Rußland. In der russ. lischer Bedeutung sein.
Presse kommt immer wieder diese Abneigung zum Ausdruck. London, 3. April. Wie aus Rom berichtet wird, et» Die russische Zensur ersucht nur dann um Vorsicht, wenn wartet der in Neapel eingetroffene amerikanische Stacits-
Anleiheplüne mit Rechnung auf deutsche Mitwirkung im Sekretär Hay dort den Kaiser. Der Staatssekretär weigert
Werke sind. Auf diesem Gebiete ist fürs erste nichts zu lich, Einzelheiten über den Charakter seiner Mission mit--
wollen. So bedarf es keiner Zurückhaltung. Mit Recht zuteilen.
bemerkt die „Voss. Ztg.": „Nun, da das Geld im Kasten In Tanger und Gibraltar.
^den un§ bie Herren an der Newa wieder ihr Vor der Einfahrt in Tanger ist der d eu t sche Kreurev ungeschminktes Gesicht und chre wahre Ge,mnung." „Friedrich Karl" mit dem englischen Schlacht
l m , .. z t schiff „Prince Georg" zusammenge st offen Der
In der englischen Presse b^der Parte-en der konser- Schaden ist, wie der „Daily Mail" gemeldet wird schwer^
vativen wie der liberalen wird der Wunsch nach festerem als man zuerst alaubte. Der „Friedrich Karl" traf den
Zusammenschluß m itF r an kr er ch übereinsiiuimend „Prince Georg" fünf Fuß unter der Wasserlinie und riß
hervorgehobem Insofern Kaiser Wilhelms Besuch m Tanger ein acht Fuß langes und zwei Fuß breites Loch, sodaß der
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emsige Macht Deut s ch l and in seiner neuen Ma- seiner Umgebung wurde die Laae des irs
Politik «nt-rstütze Die Demonstration vor nahe einer wichtigen <BatiSiboottarS b mäu^rt Son Tanger habe den Entschluh der spanischen Negierung, Europa-Point aus genost der Kaiser MtVr d°s Abkommen, welches sw mit der franz-^sisch-n Regierung Vergnügen die Aussicht auf die marok^n sche un^ über Marokko getroffen, zu respektwren, tn nichts geändert, unterhielt sich eingehend mit den enaliickwn da dieses Abkommen die spam.chen Interessen genügend die Lage von Ceuta. Jeder Besuch BcstÜiig^asw^rke garantwre Auch Italien zeige keine Neigung, sich ans die er bei seinem letzten AufentkE genau besichtig batte' die Sette seines Dundesgenos,cn tn dieser Angeleg nheit unterblieb. Ter Monarch war ungemein liebenswÜrd^' zu stellen. Was Oesterretch anbetreffe, so sei auch dieses aber, wie ein eng!/ r ®“IoÄ bSoiuSm nmSS bisher nicht geneigt, den deutschen Standpunkt in dieser siich beim Abschied sehr ernst. " b Hai Pier, uamenp.
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