Kirche und Schule.
Der Fall Fischer in neuer Auflage? Wie cs Heißt, soll von positiver Seite der Antrag an das Konsistorium gerichtet werden, das Verfahren gegen den Berliner liberalen Prediger D. Fischer auf Entfernung vom Amte zu eröffnen. Man nimmt Bezug auf seine Aeußerung im Parochialverein der Auferstehungsgemeinde, die nach übereinstimmenden Berichten dahin gelautet hat, daß Pfarrer D. Fischer in derselben Weise wie bisher lehren unb predigen werde. Man sieht daöin einen Protest gegen die Auffassung des Konsistoriums, in dessen Verfügung es heißt: „Sollten Sie im Gegenteil sich endqiltig auf dem gegenwärtigen Standpunkt befestigen, so müssen wir erwarten, daß Sie die Folgerung ziehen und Ihr .Amt in einer Kirche, deren Glauben und Bekenntnis Sie nicht nur nicht teilen, sondern sogar bekämpfen, freiwillig niederlegen.* Anfang Mai wird eine landeskirchliche Versammlung in Berlin abgehalten werden, die sich mit der „unhaltbaren und unerträglichen Lage der Kirche* und dem Fall Fischer insbesondere beschäftigen soll. Als Referenten sind Generalsuperintendent Tr. Holzheuer, Tr. Lütgert-Halle, Pros. Dr. Ecke-Bonn, Hofprediger a. D. Stöcker und Lie. Weber-M.-Gladbach in Aussicht genommen.
Ausland.
Paris, 30. Mär-. Die Polizei hat feftgestellt, daß der Eafekellner, der gestern in seiner Wohnung während der Verfertigung eines Erplosivstoffes verunglückt ist, Hlllarou b'eißt Man fand in dem Zimmer Hillarous anarchistische L-chns- te« und fH(*e fest, daß er sich die Brandwunde während des Versuchs (»hlorkali Tnit Pikrinsäure zu mischen, zugezoacn hat.
Tc/Vt ntau&t, baß Dillarou, der etn dm Gerichten be- fomtfrc Anarchist ist. btt Urhebn bt8 trat ewiger Zeit in der Menne be. l- Republiqne "erbten 2-wL-B.:ttentatS ut.
wenn Friedenseröffnungen gemacht werden, sind in ihren «Umriffen f e st g e s e tz t. Die Verhandlungen würden wenigstens in den ersten Stadien, von einer dritten Partei oder dritten Parteien geführt werden; man nimmt an, daß Frankreich und die Vereinigten Staaten die Vermittler sein «erben.
Newyork Herald bringt folgende törichte Meldung aus Petersburg:
„Der Zar sei immer noch ein einiger Anhä n g er d er Fortsetzung des Krieges. Trotzdem habe er iedoch die Eventualität eines Friedensschlnstes in Erwägung gezogen. In eingeweibten Kreisen heißt es, daß der Zar die Aeußernng getan habe: „Wenn ich gezwunge n würde, Frieden zu schließen, so kann ich nicht mehr Zar bleiben". Man tragt lieb nun, ob der Zar gegebenenfalls tatsächlich a b d a n k e n oder nach Abschluß des Friedens nicht eine Volksvertretung cinberitfen würde, um mit vieler seine Macht zu teilen."
in Sturm und Dranq.
Die allgemeine Verworrenheit der politischen Lago in Rußland gibt Anlaß zu manchen abenteuerlichen Gerüchten in einem Teil der westeuropäischen Presse. So wurde in Paris berichtet, der Zar habe Selbstmord versucht, sei aber im letzten Augenblick durch die Kaiserin-Mutter daran verhindert worden. Die Meldung wurde aber selbst in Paris nicht ernst genommen: wahrscheinlich entstand das birmme Gerücht infolge einer zufälligen Verlestun g, die sich der Zar an einer Hand beibrachte. Man zitiert, um die Geschichte aufzupusten, ein Wort des Zaren: „Tie Land, welche jetzt den Frieden unterschriebe, könnte nicht mehr das Zepter tragen." Der Petersburger Korrespondent des „Newvork .Herald", der dieses Wort wiedergibt, kann seine Quelle nicht nennen.
Ein Beweis für das Wohlsein des Zaren ist die Nachricht, daß er den zum Nachfolger des Kriegsministers Sacharow ausersehenen General v. Rüdiger am Mittwoch in Audienz empfing.
Der Petersburger Geheimpolizei soll die Entdeckung eines weit verzweigten und gut angelegten Komplotts gelungen sein, das gegen das Leben der Großfürsten Wladimir sowie gegen Trepow und Bulygin gerichtet war. Nach sorgfältiger Beobachtung wurden 12 Mitglieder der Kampfesorganisation in verschiedenen Teilen der Stadt gleichzeitig verhaftet. Dabei ist schwer belastendes Beweismaterial beschlagnahmt worden. Das .Haupt dieser 12 ist ein gewisser Sawizki, welcher unter der Kampfesorganisation eine leitende Rolle gespielt hat. Außerdem sind unter den Verhafteten zwei Frauen zu nennen, eine Namens Ivanowskaja, eine fanatische Anarchistin, und eine Namens Leontjewa, die Tochter des früheren Vizeaouverneurs in Poltawa. Zwei von den männlichen Mitgliedern überwachten als Droschkenkutscher verkleidet in unauffälliger Weise die Ausfahrtsstundw Trepows und Bulygins und des Großfürsten Wladimir. Von neun Personen, welche alle den gebildeten Kreisen angehören, sind die Namen nocv nimt festgestellt worden, da alle unter falschen Pässen lebten.
In Petersburg gab am 30. d. M. an der Ecke der großen Morskaje- und der Postgasse ein Individuum in Tienstmannsteacht einen Revolver schuß auf einen Geheimpolizisten ab.
Im Gouvernement Jekaterinoslaw macht sich unter den Bauern eine Bewegung gegen die deutschen An - siedler bemerkbar. Die Bauern drohen ihnen die Ländereien fortzunehmen, wenn sie sie nicht gutwillig hergeben. Die Behörd-m begaben sich an den Ort des Ereignisses.
Dem „Newvork Herald" wird aus Petersburg telegraphiert: Der Ernst der Lage vergrößert sich von Stunde zu Stunde. Man berichtet aus Falta, daß die Landbevölkerung die Stadt erstürmt, die Gefängnisse geöffnet und die Gefangenen freigelassen habe. Auch die kaiserliche Villa in Livadia soll uie- dergebraunt sein.
Aus Minsk wird berichtet, daß sich dort eine ungewöhnliche Gärung bemerkbar macht. Der Gouverneur Mussin-Puschki wurde entlassen, da sein Sohn sich an die Spitze der revolutionären Bewegung gestellt hatte. Bei einem Bankett, auf welchem die Durchführung der Verfassung gefordert wurde, erfolgte die Verhaftung des Leiters des sozialistischen Bundes durch einen Geheimagenten, der sich eingeschlichen hatte. Große Erregung herrscht auch unter den dortigen Gutsbesitzern.
Ein Namensvetter des Petersburger Generalgouverneurs, der Gouverneur von Tcmrien, Stallmeister Trepow, wurde zum Senator und Adjunkten des kaiserlichen Hofes ernannt.
Die Bukarester Behörden erhielten Nachricht über bevorstehende Massenauswanderungen von Juden aus Südrußland. Aus Odessa allein haben über tausend Juden ihre Auswandererpapiere geregelt und begeben sich über Rumänien mit Unterstützung ausländischen Geldes nach Amerika.
Aus WM imd LaM
Gießen, ben 31. März 1905.
** Personalien. Dem Pfarrer von der Au zu Flomborn wurde die evangelische Pfarrstelle zu Arheilgen übertragen. — Uebertragen wurde dem Lehrer an der Realschule zu Alsfeld, Brau dstätter, eine Lehrerstelle au der Gemeiudeschule zu Hechtsheim, dem Schullehrer Repp zu Oppenrod die 4. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Reichelsheim i. O., dem Schutamtsaspiranten Rettig aus Groß-Rohrheim die 5. Lehrerstelle an der Gemeiudeschule zu Reichelsheim i. O.
** Verschüttet. In der Sandgrube der Gebr. Zutt an der Marburgerstraße wurden gestern abend zwei Arbeiter verschüttet. Der eine konnte noch unverletzt ausgegraben werden, während der andere, Balthasar Wagner aus Allendorf a. d. Ld., als Leiche geborgen wurde. Wagner war mit dem Aufladen von Sand beschäftigt und stand zwischen den: Wagen und der Sandbank, als die Masse ins Rutschen Feim, und wurde erdrückt, weil er nicht ausweichen tonnte.
*» Einbruchsdiebstahl. In der Nacht vom 29. auf 30. l. Mts. wurde in die Zigarrensabrik von Rinn u. Cloos zu Watzenborn eingebrocheu und 3000 Zigarren gestohlen.
** Arzneitaxe. Man schreibt uns mit der Bitte um Veröffentlichung: Durch die neue Neichsarzneitaxe ist bestimmt, daß in allen Apotheken in der Nachtzeit, das heißt von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens, bei Abgabe von Arznenuitteln eine Zuschlags ge bühr von 5 0 Pfg. zu erheben ist. Es wird mit dieser Neuerung einem gewiß wahlberechtigten Uebelstand Rechnung getragen, da es allgemein üblich ist, daß Dienstleistungen auf Kosten der Nachtruhe höher bewertet werden als Tagesarbeiten. Es liegt bei der Einführung dieser Zuschlagsgebühr, die an sich ja kaum eine entsprechende Belohnung für die gestörte Nachtruhe darstellt, in der Hauptsache die Absicht vor, eine Vorbeugung gegen leichtfertiges und mißbräuchliches Herausschellen der Apotheker zu schaffen, da erfahrungsgemäß der größte Teil allen Nachtbedarfs recht wohl tags schon gedeckt werden könnte.
** Der hiesige Kreisverein des deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke veranstaltet Sonntag den 2. April, nachm. 3/J4 Uhr, eine Versammlung mit geselliger Unterhaltung in Langgöns im Saale des Herrn Wentzel (Gambrinus). Für den musikalischen Teil sind bewährte Kräfte gewonnen. Die Bewohner von Langgöns und Umgebung ohne Unterschied des Standes und Geschlechts sind freundlich eingeladen. (S. Anzeigeteil.)
** Freunde des Volksbildung?wesens aus dem Lande versammeln sich nächsten Samstag, nach- mittags 4 Uhr, im Cafö Ebel zu Gießen, um die Gründung von Volksbildungsvereinigungen in der näheren und weiteren Umgebung von Gießen zu besprechen. Der Geschäftsführer des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksvorlesungen und verwandte Bestrebungen (Sitz: Frankfurt a. M.) wird über Aufgaben und Organisation der modernen Volksbildungsbestrebungen sprechen. Alle Jntereffenten sind willkommen; besonders dürfte sich der Besuch der Versammlung für alle diejenigen empfehlen, die die Gründung eines Volksbildungsvereins, einer Volksbibliothek oder sonstiger Wohlfahrtseinrichtungen beabsichtigen.
— Reiskirch en, 31. März. Die vor Reiskirchen gelegene Leppermühle ging durch Kauf in den Besitz des Molkereibesitzers Jak. Persyn, Dampfmolkerei Gießen. Die Firma beabsichtigt eine eigene Kuhhaltung und eine zweite Molkerei dort einzurichten.
[J Allendorf (Lahn), 29. März. Zum vierten Male wurde Bürgermeister L. Volk zum Ortsoberhaupt gewählt. Herr Volk, der sich allseitiger Beliebtheit bei der Einwohnerschaft erfreut, wurde, wie bei ben früheren Wahlen, ohne Gegenkandidat einstimmig wiedergewählt. Er steht jetzt 27 Jahre an der Spitze der Gemeinde und ist der dienstälteste Bürgermeister des Kreises Gießen. Der Kriegerverein und der Gesangverein brachten dem Wieder gewählten einen Fackelzug dar. Volk steht im Alter von 66 Jahren und ist seit Jahren Mitglied des Kreistages.
c. Münzenberg, 30. Mu.iz. Die Wirtschaft „Zur Münzenburg* hier ging mit Inventar, Vieh und en. 60 000 Qm. Gartenland für 42 000 Mk. in den Besitz von Witwe A. Trötsch aus Gießen über.
Bad-Nauheim, 30. März. In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 28. Marz wurde der städtische Voranschlag für das Jahr 1905/06, welcher in Einnahme und Ausgabe mit 467 901.54 Mk. abschließt, genehmigt. — Der Badebetrieb in ben staatlichen Badehäusern wird am 1. April wieder aufgenommen. Vorerst wird das Badehaus VI zur Bäderabgabe in Benutzung fomnien, wo Thermalbäder von den Quellen VII und XII und Süßwasserbäder verabfolgt werden. (Badezeit von 8 bis 12 und 2 bis 5 Uhr.)
y. Büdingen, 29. März. Gestern wurde mit dem Neubau des M a t h i'ld e n h o s p i t al s begonnen. Deri Bau kommt auf ca. 60 000 Mk. zu stehen. An Geschenken und sonstigen Zuwendungen sind bis jetzt 31500 Mk. dem Baufonds zugeflosseii. — Die Durchführung des Wohnungsaufsichtsgesetzes hat sich in unserem Kreise schon als sehr segensreich erwiesen. Eine große Anzahl Mißstände, besonders bei den in unserem Kreise hauptsächlich in Betracht kommenden ein- und zweizim- merigen Mietwohnungen, sind bitref) die Tätigkeit der Wohnungsinspektoren beseitigt worden.
)( A u s d e m S o l m s b a ch t a l, 30. März. Regierungspräsident Freiherr von .Hövel, Regierungs- und Baurat Sievert, Regicrungsrat N i e h r e n st a d t aus Eoblenz, Regierungspräsident H e n g st e n b e r g, Regierungsrat Berger aus Wiesbaden, Eisenbahndirektionspräsident Thomä aus Franifurt, sowie die Vertreter der beiden in Betracht kommenden Kreise Ufingen und Wetzlar haben am Dienstag die für das- S o l m s b a ch t a l geplante E i s e n- bahnlinie in Augenschein genommen. Die Vorarbeiten sollen möglichst bis zum 1. Juli beendet werden nnb es besteht die Hoffnung, daß die Strecke in die nächstjährige Nebenbahnvorlage ausgenommen werden Fann. Aus der neuen Strecke sind zwei Tunnels vorgesehen, eines von 200 Meter bei Burgsolms und ein zweites doppelt so langes an der Wasserscheide bei .Hasselboru.
Darmstadt, 30. März. Den Wünschen, betreffend Errichtung eines Mädchengymnasiums, soll im kommenden
Schuljahr vorläufig dadurch entsprochen weroen, ocm Mao. chen zusammen mit den Knaben in der Tertia des Realgymnasiums und in der Sekunda des Ludwig- Georgs-Gymnasiums unterrichtet werden. Auch in die Sexta der letztgenannten Anstalt wird eine Schülerin eintreten.
fc. Bensheim, 30. März. Das Anwesen des im vergangenen Jahre verstorbenen Herrn v. Rodenstein an der Amorbacherstraße ging durch Kauf für 150 000 Mk. in den Besitz der hiesigen Stadt über.
Wiesbaden, 30. März. In einem Hause der Moritz- straße hat gestern abend ein jungest Mädchen vor den Augen ihres Verehrers einen Sebstm ord versuch gemacht. Die jungen Leute, er ist der Solm eines hiesigen wohlhabenden Schreinermeisters, sie, die Tochter eines Restaurateurs aus Mainz, unterhielten ein Liebesverhältnis und beabsich. tigten zu heiraten, Der Vater des Bräutigams wollte, wie es heißt, au§ pekuniären Gründen, die Heirat unter keinen Umständen zugeben; hierüber kam es gestern zu einer Auseinandersetzung, in deren Verlauf das über den Widerstand, den ihre Liebe fand, verzweifelte Mädchen einen, offenbar zu diesem Zweck mitgebrachten Revolver ergriff und sich vor den Augen ihres entsetzten Geliebten zwei Kugeln, eine in den Hinterkopf und eine in die Stirne schoß. Die sofort zur Hilfe gerufene Sanitätswache verbrachte das unglückliche Mädchen in das städtische Krankenhaus. Dort wurde sie sofort operiert und man hofft, sie am Leben erhalten zu können.
Kleine Mitteilungen aus.Hessen und den 91 a cb b a r ft n rt t e n. Ter Vorstand und Kassierer der Ortsgruppe Hana u des Verbandes der Etnimacher und Vortefeuillearbeiter, Fean Wunderlich, wurde wegen Unterschlagung ver- haftet. Er soll das gesamte Vereinsvermögen von der Sparkasse abgeboben und für sich verbraucht haben.
* Kleine Tageschronik. Ein trauriger Vorfall hat sich am Dienstag in Hausberge (Westf.1 zugetragen. Dort sollte Zwischen d-em Matrosen Swever und der Haustochter Roehl die Trauung ft<rttfind?n. Wenige Stunden davor entfernte sich der Bräutigam mit dm Worten, er wolle eben nach seinem in d?r Weser 'liegenden Schiffe sehen. Stunde um Stunde verrann. ohne daß der (^wartete eintraf. Im letzten Augenblicke eilte die Braut nach dem Schiffe. Alles Suchen war aber ver- aebens. Man nimmt am daß der Bräutigam ht die Weser ge- iall^n und ertrunken ist. ,
Telephonischer Kursbericht
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Staatschatzscheine .
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136.00
52.00
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^rritßtsiaaL
R. B. Darrnstadt, 30. März. Als gefährlicher Hochstapler erwies sich heute vor der hiesigen Strafkammer ein Student der Medizin Schmitt aus Dürkheim. Der „öerr Doktor", wie er sich mit großer Vorliebe titulieren ließ, hat zwar 'chon einige 20 Semester hinter; sich, aber trotzdem immer noch kein Staatsexamen fertig gebracht. Er scheint auch weniger Freude am Studium, als am Heiratsschwindel gefunden zu haben. So hat er einem hessischen Richter aus dem Odenwald, der ein liebliches Töchterchen besitzt, im Laufe weniger Jahre weit über 5000 Mark aus der Tasche gelockt, nachdem er sich mit der Tochter verlobt hatte. Auch in Kiel und Hamburg hat er ähnliche Experimente aus geführt und seine ewige Liebe sogar einer alten Dame zu gewendet, die aber dabei bitter enttäuscht wurde und deshalb ging und Achate. Ter Gerichtshof erachtete die dem Angeklagten zur Last gelegten Straftaten für erwiesen und verurteilte den raffinierten Don Juan zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlicst, ordnete auch seine sosorttge Verhaftung an.
Köln, 30. März. Tas Oberlandesgerlcht hat in dem Remis« streite Hoensbroech gegen Dasbach beute die vom (Grafen Soeirnbroech gegen das erstinstanzliche Urteil eingelegte Berufung z u r ü ck g e w i e s e n. Graf Hoensbroech batte sich anbeüchlg , gemacht, den Nachweis zu führen, daß der Satz: „Der Zweck beüigt die Mitte!" in der jesuitischen Litteratur verteidigt werde, und die vom Abg. Dasbach für den Erbringer dieses Nachweises ansgeschre Belobmmg eingeklagt. In erster Instanz war er mit diesem Anspruch aus juristischen Gründen abgewiesen worden, ohne datz das Gericht in der Sache selbst Stellung nahm. Ob auch das Oberlandesgericht lediglich aus formalen Gründen zur Abweisung der Klage gekommen ist, stebt noch dabin. ___—
Türkenlose . . . .
4 % Griech. Monopol.-Anl.
41 äussere Argontiner
. 101.50 . 90.95 . 101.40 . 91.05 . 100.20 . 99.00 . 102.35
101.30 . 100.15 . 105.70 . 67.70 . 67.60
Briefkasten der Redaktion.
(Bnonvme Nukragen bleiben nnberttcksichtigtZ
Q. Sie entrüsten sich u. E. ohne rechten Grund. Wir stimmen der Direktion unseres Stadttbeaters vollkommen zu, daß sie statt der unverkürzten Schi [(ergehen „Kabale u n d Li eb e eine der bekannten dramaturgischen 93earbeihtnaen zur Darstellung gebracht bat, die dieses und jenes für den Zusammenhang Unwesentliche schon um des früheren Vorstellungsschluffes willen streicht und manchen derben Krastausdrnck bitreh ein uns Heutigen 'vemger peinliches Wort ersetzt. Man hat neulich in Wien „Die Räuber unverkürzt 5 Stunden lang aufgestibrt, worüber sich die gesamte Wiener Kritik, u. E. mit Recht, mißbilligend geäußert hat, und doch einige Kraftausdrücke fortgelafsen. Auch ein Theaterabend muß seine Grenzeil haben. Die Aufnahmefähigkeit des Publikums ist beschränkt und Dauerabende finb Experimente, bedeuten aber keinen bleibenden Gewinn.
K. In Ihrem Orte bestndet sich eine Posthilssstelle. Der Im haber einer solchen ist berechtigt, für die Abtragung jedes Pakets ohne Rücksicht darauf, ob mehrere Pakete zu einer Bealeitadreste Gehören, 10 Pfg. Bestellgeld zu erheben. Für die Bestellung eines Pakets bis 2*/3 kg Gewicht durch den Landbriefträger betragt die Gebühr 10 Pfa., bei aronerem Gewicht 20 Via. _
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung in Hessen für Samstag, den 1. April 1905: Heiter, am Nachmittag und Abend wieder-rrudung und Regen. Nach kälterer Nacht Tagestemperatur wemg ver- ändert. _ . ,
Näheres durch die Giehener Wetterkarte.
Breslau, 31. März. Das technische Bühnen- personal der hiesigen vereinigten Theater ist wegen fiobnftreitiafeiten in den Ausstand getreten.


