Ausgabe 
31.3.1905 Erstes Blatt
 
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Freitag 31. März 1905

Erstes Blatt.

155. Jahrgang

Die Heutige Wummer umfaßt 12 Seiteu

Kekamümachung.

Betr.: Rauschbrand zu Holzheim.

Bei einem Schafe des Wilhelm Sann zu Holzheim ist ein Fall von Rauschbrand sestgestellt worden.

Gießen, den 28. Marz 1905.

Großherzogliches Kreis amt Gießen.

I. V.: Hechler.

Aer K leg.

Vom Kriegsschauplätze.

Heule vorliegende russische Prwatmeldungen vom KriegS» schauplatze besagen, daß die Russen nach schwerem heftigen Kampfe die Ortschaft Huensuli aufgeben mußten. In Petersburger Milllärkreisen wird erklärt, diese kleinen Scharmützel seien zwar ohne besondere Bedeutung, man dürfe sie aber nicht stillschweigend übergehen. Im übrigen ist man der Ansicht, daß vorläufig feine Gefahr von japanischer Seite zu drohen scheint. Trotzdem erhält sich das Gerücht, wonach die Japaner eine groß angelegte Flankenbewegung auszuführen im Begriffe find.

General Linj ew itsch meldet, daß die russischen Kund» schafter japanische Streitkräfte etwa hundert Werst südlich des russischen Hauptquartiers angetroffen, haben. Man erinnert sich daran, daß noch vor drei Tagen japanische Vorposten östlich und westlich der russischen Flanke signalisiert wurden. Diese sollen nunmehr verschwunden sein und man fragt sich, ob die Japaner tatsächlich in Erwartung eines Waffen­stillstandes zurückgehen oder ob sie die geplante große Flanken­bewegung zur Ausführung bringen.

Kleine Meldungen.

Der DampferJndustry", auf der Fahrt nach Wladiwostok, wurde am 28. März von den Japanern beschlagnahmt. Die Rationalität des Dampfers ist un­bekannt.

Ein aus russischen Generälen gebildeter Ausschuß ist mit einer Enquete über die Ausgabe von Port Arthur beauftragt worden. Falls es sich Herausstellen sollte, daß Fehler begangen worden sind, so sollen die Schuldigen vor em Kriegsgericht gestellt werden. Die Kommission be­ginnt ihre Beratungen im April.

Londoner Zeitungen melden, daß Japan eim diplomatische Rote an Dänemark gerichtet hat, in welcher die japanische Regierung eine Entschädigung für einen an­geblichen dänischen Reut ralitätsbruch verlangt. Dieser bestehe darin, daß Dänemark der russischen Ostseeflotte erlaubt habe, eine übergroße Quantität Kohlen in den dänischen Gewäffern emzunehmen. Die verlangte Ent­schädigung beziffert sich auf 1 200 000 Mk.

Zu den Friedensgerürhteu.

Bureau Reirter meldet aus St. Petersburg: Hinsichtlich der Aussichten auf Friedensverhandlungen ist die Lage, so­weit es möglich ist, klar zu sehen, folgende: Die Be­dingungen, die Rußland annehmbar erscheinen, werden in ministeriellen Kreisen erschöpfend be­raten. Die Grundlagen, die Rußland zulasjen würde.

Zum Leipziger Schnerdorstreik.

Wir lesen in denL. R. R.":

Der Verband der Arbeitgeber für das Schneider» gewerbe hielt am 29. d. M. seine zweite außerordentliche Generalversammlung ab. In einem Rückblick schilderte der Vorsitzende die bisherige Tätigkeit des Verbandes, der durch Einführung erhöhter Lohntarife bewiesen habe, daß er gern bereit sei, die Lage der Gehilfen pekuniär zu verbessern. Mit diesen neuen Lohnerhöhungen sei man aber an der Grenze. des jetzt Möglichen angelangt, weitere Zugeständnisse in dieser Richtung seien ausgeschlossen. Die Gerechtigkeit erheische es, daß man die Forderungen betreffs Aufhebung der Heim­arbeit ein für alle mal abweise, da dies aus eine Vergewal­tigung und Vernichtung der Existenzen der zuverlässigsten, treuesten Arbeiter hmziele. Seiner Ehre und seinem Stande aber sei man es schuldig, Forderungen abzulehnen, die ge­eignet seien, den Arbeitgeber in seinem Geschäft, für das er jedes Risiko und alle Verantwortung trage, vollständig recht­los zu machen. Jedes Jahr vor Beginn der Saison trete man mit derartigen Forderungen an die Arbeitgeber heran, und dieser Umstand habe zur Gründung des Allgemeinen deutschen Arbeitgeberverbandes für das Schnei­dergewerbe geführt. Dem Verbände sei es schon im ersten Jahre seines Bestehens gelungen, im Bereiche der Or­ganisation alle Streiks unwirksam zu machen und auch hier melde es so kommen. Die Organisation bewähre sich nach jeder Richtung hm ausgezeichnet. Alle Verbandsstädte erböten sich zur Arbeitsleistung für etwaige be­drängte Kollegen. Die Mitglieder möchten nur noch ausgiebigeren Gebrauch von dieser Hilfeleistung machen. Die obligatorisch eingeführte Streikentschädigungskasse werde über etwaige Schwierigkeiten hmiveghelfen und wo diese nicht mehr ausreiche, trete der Verband ein. Von 824 bei Verbands­mitgliedern beschäftigten Arbeitern streikten zur Stunde nm 387. Richtanmeldung Streikender sei ausgeschloffen, da dann die Streikenlschädigung verloren gehe. Dagegen sei wiederum eine größere Anzahl neuer Arbeiter in und außer dem Hause eingestellt worden. Sticht eine Verbandsfirma sei abgesallen, wohl aber habe der Verband durch den Streik neuen Zu­wachs an Mitgliedern erhalten. Folgende Resolution gelangte einstimmig zur Annahme:

Die vollzählig erschienenen Mitglreder des Verbandes der Arbeitgeber für das Schneidergewerbe zu Leipzig smd sich des ernsten Charakters des gegenwärtigen Lohnkampfes voll bewußt und drücken dem Vorsllmo ihr volles Vertrauen für die vorzüg­liche und umsichtige Leitung aus. 9tur durch einmütiges Zusam­menhalten aller Verbandsmllglieder kann ein gederhliches Ver­hältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wieder hergestellt werden und verpflichten sich alle Anwesenden treu und fest a>uszul)arren."

Rr. 77

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Votilische Tagesschau.

Marokko.

R. Berlin, 30. März.

In der Marokkofrage hat der französische Minister des Aus­wärtigen dauerndes Mißgeschick. Er verstrickt sich immer mehr. Ziemlich alles, was D e l c a f f e vomTernps" und vomMa- tin" zum Beweis einerkorrekten Haltung" Frankreichs Deutsch­land gegenüber hat Vorbringen lasten, hielt der Prüfung und den Tatsachen nicht stand. Nicht nur Lügen habenkurze Beine", auch auf die Ausflüchte und Verlegenheitsausreden trifft das Wort zu. Insbesondere die Behauptung, Deutschland sei von dem Text des französisch-englischen Abkommens noch vor der Unterzeichnung in Kenntnis gesetzt worden, sand eine so prompte und nachdrückliche Bestreitung, daß sie sich nicht zum zweiten Male hervorwagte. Graf Bulow hat im Reichstag gesprochen; Herrn Deleassö steht die schwierige Aufgabe noch bevor, die selt­samen Widersprüche seiner Marokkopolitik vor der Welt zu er­läutern. lieber diese prekäre Situation helfen die Londoner Zu- stimmungstundgebungen nicht hinweg und ebensowenig ine ge­planten Freundschaftsfeste, Besuch des Königs Eduard in Paris, Begegnung der englischen Kanalslotte und des französischen Nordgeschwaders die als Ge­gendemonstration anläßlich des Kaiserbesuchs in Tanger geplant (hib. Als ob solche Gegendemonstration die Franzosen in Marokko weiterbrächte! Deutschland hat dann voraussichtlich die erforderlichen Zusicherungen von der marokkanischen Negierung, daß unseren Handelsinteressen Schutz zuteil wird. Deleasss gibt nun mit einem Male den Wunsch zu erkennen, daß das Aus­wärtige Amt in Berlin in Verhandlungen eintreten möchte. Nach­dem der gegebene Augenblick seitens der französischen Regierung versäumt worden war, gedenkt, wie wir zuverlässig erfahren, die deutsche Regierung keinensalls über diese Angelegenheit mit der französischen Regierung sich zu benehmen. Die deutsche Re­gierung so schreibt heute abend dieNationalztg.", hat m den legten Wochen keinen Schritt getan, um Aufklärungen herbei- zuiichren oder Abmachungen Über Marokko anzuregen. Lächerlich b-ramarbaiimnb ist eine Londoner Depesche dA Pariser Matm: cvn offiziösen englischen Kreisen werde das Verhalten Deutsch­lands ungeschickt gefunden und sehr abfällig beurteilt. Frank­reich "könne in der marokkanischen Frage auf weit mehr als die wohlwollende Neutralität Englands rechnen. Soll das etwa heißen' auf Waffenbeistand? Für so einfältig wird kein ernster Politiker die Engländer halten, daß sie solche Freundschaftsopfer bringen, = für nichts.

Aes deutsche« Kaiserpaares Merfahrt.

Der Kaiser m Lissabon.

Lissabon, 30. März.

Der deutsche Kaiser besuchte heute vormittag in Gegen­wart des Königspaares das Rathaus. Der Präsident der Munizipalität dankte dem Kaiser für den Besuch« in Lissabon, das als Stätte der Kultur und als Handels­emporium die Ehre der Anwesenheit des deutschen Kaisers würdigen wisse. Der Kaiser dankte in sräuzösi- scher Sprache mit folgender Rede:

Herr Präsident! Tief gerührt von Ihren freundlichen Worten danke ich Ihnen von Herzen. Ich bin sehr glücklich, daß mir noch einmal Gelegenheit gegeben worden ist, von neuem Ihren Majestäten, der königlichen Regierung und den Vertretern der Bewohner der großartigen Hauptstadt dieses schönen Landes zu sagen, wie tief dankbar ich für den glänzenden Empfang und die so herzliche Aufnahme bin, die mir bereitet worden sind. Ich bitte Sie, Herr Präsident, der Dolmetsch meiner Gefühle an die Einwohner dieser Stadt zu sein. Ich scheide von Ihnen mit Bedauern und mit Gefühlen der aufrichtigen Freund­schaft, indem ich eine Erinnerung mitnehme, welche mir teuer bleiben wird." t t,

Der Kaiser spendete für die Armen der Stadt eure namhafte Summe.

Ter Kaiser ist heute an Bord derHamburg" ab ge­reist. Am Landungsplätze wurden dem Kaiser dieselben militärischen Ehren erwiesen wie bei der Ankunft. Der Kaiser wurde vom König, dem Kronprinzen, dem Herzog von lOporto und sämtlichen Ministern an Bord derHamburg" begleitet; hier nahmen der Kaiser und der König auf das 'herzlichste Abschied. Nach 11 Uhr gingen dieHamburg" mnd die Begleitschiffe unter Salutschüsien und den Klangen -der Nationalhymnen in See.

Die KaiserschiffeHamburg" intbFriedrich Karl" .passierten um 12 Uhr 50 Min. nachmittags den Semaphor von San Julian. Die Station für drahtlose Telegraphie m Eascaes sandte einen Scheidegruß, glückliche Reise wünschend.

Zum Kaiserbesuch in Tanger nnb Gibraltar.

Tanger, 30. Marz. Dre öiabt ist jesrUch geschmückt. Die Bevölkerung zeigt eine nie gesehene begeisterte Stimmung. Die diplomatischen Vertreter der Mächte statteten gestern dem Oheim des Sultans von Marokko, Abdel Malek, Besuche ab. Die französische Gesandtschaft läßt ihre Schutzbefohlenen in Tanger ausfordern, eventuell nur französische Fahnen anzubringen. Me Oldenburger Tampserlinie stellte den Journalisten einen Dampfer zur ^^anger, 29. März, (Havas.) Abdel Malek über­bringt dem deutschen Kaiser ein Schreiben des Sul­tans, in welchem dieser Kaiser Wilhelm willkommen beißt und die Hoffnung ausspricht, daß die sreund- chaftlichen Beziehungen zu Deutschland sich rmmer herzlicher gestalten werden. Me deutsche Kolonie wird eine Sammlung inländischer Produkte uber- reicken Zahlreiche Abordnungen der Stämme aus dem Innern treffen morgen ein. Der Zustrom von Fremden ist seit zwei Tagen gewaltig.

Köln, 30. März, DieKöln. Ztg." meldet aus Tanger von gestern: Ein bekannter Dichter aus Fez sandte em arabisches Gedicht, das die Freude über den Besuch «des Kaiers ausdrückt. Das Geschenk der Deutschen , n Hez besteht aus einem wertvollen Frauengurtel, pin Prunkstück Fezer Kunstarbeit von Seide für dre Kar- ferin Die hiesige deutsche Kolonie schenkt Aquarelle des englischen Malers Jngall, welche 'Ansichten von Tanger darstellen und von dem belgischen Maler Romberg Dar- Ölungen marokkanischer Volkstypen ui Tusche aus afn-

Naisuli sprach den Wunsch aus, dem etiler Mi Mbtgen und erhielt von den Behörden Gewähr- Pistung, daß nUts gegen ihn unternommen werde. Raisuli kommt mit großem Gefolge in 1 enter neuen Eigen,ch,ast

5^'don 30. März. (Unterhaus.) Bartley (kons.) kraar an °b in der Zeit des Besuches des deutschen Kaders und seines Gefolges m Gibraltar nur dreientgen Teüe an0J? Ä AMoSfft werden würden, welchie den brrtrschen der Festung UZ $un^ bezüglich der photo- llntertaneu H J t)on per Festung dieselben Vor-

baden sollen, wie sie den englischen Unter- chrrsten Geltung v aebandhabt werden. Kriegsminister äirtn>Iti«gorft« e ' ^mankierenden Offizier nach w Ul Betracht Wmmendcn^om-M ^^^ enthaltenen Be- Maßgabe der m tz beabsichtigt, in dessen Ermessen strmmungen; es ser ^greifen. Bartley stellt die

m »rgend einer Weise ettijiiflj b - einem Kaiser, Frage: Habe ich d^ so M vet^eyeFlotte zu er^ t>er d amit boschnf Ü gebraucht werden kann, b aebr eYfie9i ®en g e to ä® r t werden sollen, als mehr Frerheilen giw ) en? Der Kriegsminister Zwider?: Ich Jäte meiner «wort nichts hinzuzufügen.

Die deutsche SlaiferfamilU aus Sizilien.

Taormina, <>u. Marz. Die deutsche Karserrnund Sie Prinzen l':tcl Friedrich und Oskar bestch-

Eichener Anzeiger

" General-Anzeiger

V den Polin und Q ,eilte

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen MUZ

-eigenteil: HanS Beck

tigten heute das Griechische Theater, das Palais Eorvaia und das kleine römische Theater. Auf dem Wege trafen die Herrschaften eine größere Anzahl deutscher Touristen, die ihnen eine Ovation darbrachten.

Die Konferenz der Bergarbeiter in Berlin.

Konnte man bisher noch der Meinung sein, daß die ^Einig­ung der Bergarbeiter, wie bei Gel egen heil des letzten .Streiks unerwartet entstanden ist, nicht lange anhalten wird, so steht es jetzt angesichts der Verhandlungen der BerZarbeiter in Berlin kaum mehr in Zweifel, daß der Zusammenschluß der verschiedenen Organisationen wenigstens so lange dauern wird, als die haupt- achlichsten Forderungen der Bergarbeiter noch nicht erfüllt sind. Jede Schroffheit ist zwar beseitigt, alles drängt zu einheitlichem Handeln. Dabei haben aber die Verbände jetzt ganz andere Massen hinter sich, als vor dem Ausstand. Gehörten noch vor wenigen Monaten den verschiedenen Organisationen insgesamt 111000 Mitglieder an, so sind jetzt auf der Bergarbeiter-Kon­ferenz 250 000 Bergleute vertreten. Was beim Ausstand von Vor­teil für die Arbeiter war, daß Anhänger der verschiedenen poli­tischen Parteien daran beteiligt waren, das tritt auch jetzt bei der Konferenz wieder als Vorteil für die gesamte Bergarbeiter­bewegung hervor; durch dieses Moment müssen sich alle eine ge­wisse Reserve auflegen, die patteipolitische Ausnutzung der Si­tuation tritt zurück hinter die sachliche Verteidigung der Arbeiter­interesten.

Die Regierung war nicht vertreten. Wenn man den Einwand des Reichsamts des Innern anerkennen will, daß die Pergwerks- gesetzgebung in das Ressort der Landesgesetzgebung fällt,, so ist es unverständlich, daß das preuß. Handelsministerium nieman­den delegiert hat. Die Fülle von prattischer Erfahrung und ge­nauer Kenntnis des gesamten Bergarbeiterlebens, die hier aus­gebreitet worden ist, hätte auch für die Regierung manches An­regende bieten können. So z. B. wurde gcschlldert, wie durch Anbringung einzelner Neuerungen die Zahl der Betriebspunkte über 22 Grad so weit herabgesetzt werden könnte, daß die Be­stimmung, nach welcher diesanitäre Acht stur cdeistchicht" ein­zuführen ist, hinfällig wird. In diesem Falle wird^ zwar bei weniger als der Hälfte der Betriebspunkte die heiße Temperatur herabgesetzt, an den anderen Betriebspunkten wird aber dafür die Hitze gesteigert und die Arbeit erschwett. Weiter wurde darauf hingewiesen, daß mehr noch als durch Hitze durch Wasier eine Erschwerung der Arbeit eintritt. Dieses Nioment ist in der Gesetzesvorlage nicht berücksichtigt. .Ferner wird gefürchtet, daß die jetzige Vorlage der Negierung im Ab- geordnttenhause und später im Herrenhaus abgeschwächt wird. Dies alles hat die Kampfstimmung unter den Berg­arbeitern verschärft. Es kam deutlich zum Ausdruck, daß die Bergarbeiter geiuillt sind, ihre Hauptforderungen. auch weiter ganz energisch zu verteidigen, und wenn man dabei auch nicht gleich zu denken braucht, dag bei etiuaiger Abscywächung der Vorlage ein neuer Streik ausbrechen wird, so muß man doch damit rechnen, daß die Bergarbeiter zu einem neuen Kampf rüsten. Dadurch aber könnte für die nächsten. Jahre ein Moment der Unsicherheit in unser ganzes wirtschaftliches Leben getragen werden, das für unsere gesamte Weiterentwicklung tief­greifende Schädcm herbeifühtt.

In seiner gestrigen Sitzung beschloß der Kongreß, die Forder­ung auszustellen, daß die Altersgrenze jugendlicher Personen für die Arbeit unter Tage auf 18 Jahre hinauf­gesetzt und die Frauenarbeit ganz verboten werden soll. Weitere Beschlüsse betreffen u. a. die Reform des Knappschafts­wesens, eine Normat-^rbcitsordnung und die reichsgesetzttck)e Re­gelung des gesamten Bergrechts. Mit Mehrheit wurde ferner gegen den Widerspruch christlicher Delegierter beschlossen, die Ar- beller-Vertreter aufzuforderu, nicht mehr an den Untersuch­ungen der Regierungskommission teilzunehmen und zwar mlange nicht, bis genügende Garantien gegeben sind, daß durch oie Untersuchung die Wahrheit zutage gefördert wird. Unter Kundgebungen der Einigkeit und Zusammengehörigkeit aller Bergarbeiter wurde sodann der Kongreß geschlossen.

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