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28.3.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 74

Zweites Blatt.

Dienstag 28. Marz 1905

Echem? Anzeige

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

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155. Jahrgang

Cxföttat tS-lltz mit Ausnahme des öormtagÄ.

txe ^Wetzen« Familienblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. De, ^eistlchs EattOwirt* erscheint monatlich einmal

Rotationflbnid rrnd Verlag der Vrühlfchev UnwersuätSdruckerei. ÖL Laag«, Dießen.

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.s.

Tel Nr. 6L rrtegr^Adr.. Anzeiger Dietz«,

Position in der Tagesordnung zurückgestellt, um zum Gegenstand besonderer Erörterung gemacht W werden. Dar­über verging geraume Zeit, weil zunächst die Äbgg. Eick­hoff (frs. Vp') und Dr. Beumer (nl.) sich des Langen und Breiten auseinandersetzten über den Wettbewerb zwi­schen den Firmen Krupp und Ehrhart bei der Waffenliefer­ung der Armee, und weil andere Etatstitel zwischendurch ausgearbeitet wurden. Die definitive Entscheidung über diese wichtige budgetrechtliche Angelegenheit fällt, wie gesagt, erst in der dritten Lesung des Etats. Es ist anzunehmen, daß auch dann die Vertreter der einzelstaatlichen Regierungen den Schatzsekretär energisch unterstützen werden in seinem Bestreben, die drohende Belastungsprobe von den Finanzen der Ein- zelstaaten fern zuhalten.

Aus Atadt und Limd.

Gießen, den 28. März 1905.

** Der nationalliberale Verein hält am nächsten Sonntag eine Versammlung ab, in der der Stadtverordnete Wolfskehl aus Darmstadt über die Reform der hessischen Gemeindesteuer sprechen wird. Herr W. gilt als äußerst erfahren in der hessischen Finanz- und Steuer­politik. (Vgl. Inserat.)

** Evangelischer Arbeiterverein. Am letzten Vortragsabend des Wintersemesters kam ein wichtiger Teil auf dem Gebiet der sozialen Hygiene zur Behandlung. Prof. Dr. Walther sprach über die Pflege der Kinder in den ersten Lebens machen (nicht Lebensjahren, wie es in einer Vornotiz irrtümlich hieß). Unzweckmäßige Pflege des zarten Kindes führt zu Krankheit und chronischem Siechtum, naturgemäße Ernährung und Pflege bilden die Grundlage der körperlichen und der späteren geistigen Entwickelung. Nach Ausweis der Statistik starben in Deutschland von je 100 Neugeborenen im ersten Lebensjahr 22, in Hessen von je 100 Kindern 15. In Oberhessen ist das Verhältnis etwas günstiger als in den beiden hessischen Südprovinzen, was darauf zurückzuführen ist, daß bei der oberhessischen Land­bevölkerung die Mütter zumeist selbst die Kinder stillen. In Bezug auf Ausbildung der Hebammen steht Hessen mit seinen Einrichtungen und Repetitionskursen obenan. Der Vortragende gab zunächst eine Untersuchung der natürlichen Vorgänge itnb Lebcnsäußerungen beim Kinde in den ersten Wochen. Diese gründlichen Beobachtungen führen dann zur zweck­mäßigen Art der Pflege des Kindes, welche der Redner im zweiten Teil seines Vortrags darlegte. Die Firma I. Schellen­bergs Nachf. hatte Apparat und Instrumente für Kinderpflege ausgestellt, wahrend die Finna Otto Schaaf Proben von Nährmitteln und Chemikalien übersandt hatte. Der Vortrag brachte in bester, populärer Darstellung praktische Anleitung in wichtigen Lebensfragen. Es wurde dem Redner lebhafter Dank und Beifall gespendet.

** Di e Krach enburg. Ein alter Herr, der im Jahre 1843 in dem heute allgemeindie Krachenburg" genannten Hause wohnte, schreibt uns, daß er diesen Namen damals noch nicht gehört habe. Besitzerin des Hauses war damals die Witwe des Orgelbauers Bürgi. Etwas schief sei freilich das Haus in jenem grauen Jahre schon gewesen.

F. Büdingen, 27. März. Heute vormittag fand die feierliche Entlassung der Schüler der landwirtschaft­lichen Winterschnle statt. Die Anstalt war von 21 Schülern besucht. Geheimerat Braun und Oekonomierat Müller aus Darmstadt wohnten der Feier bei.

a. Marburg, 27. März. Heute nachmittag 2 Uhr fand im Freidhofschen Saale eine von nahezu 100 Personen besuchte Versammlung statt, die sich mit der Frage der Weiterführung derEbsdorferBahn, die am nächsten Dienstag eröffnet werden soll, beschäftigte. Nachdem der Vorsitzende des Eisenbahnkomitees, Tapetenfabrikant Schäfer, die Erschienenen begrüßt hatte, gab Vizebürgermeister a. D. Siebert einen kurzen Rückblick über das bisher Erstrebte und betonte, daß heute nur die Linien N ord eck Londorf und Wermertshausen M licke zur Diskussion ständen. Für ersteres Proj.lt sprachen sich außer Bürgermeister Grau- Ebsdorf verschiedene Herren aus Nordeck und Winnen, be­sonders Herr Rothschild aus; die Vorteile des letzteren erläuterte ruhig und sachlich Herr Moll-Grünberg, der u. a. mitteilte, daß die eventuell in Betracht kommenden Ge­meinden Rüddingshausen, Weitershain, Vernsfeld, Decken­bach, Atzenhain und Merlau beschlossen hätten, das erforder­liche Gelände unentgeltlich herzugeben er legte die be­treffenden Gemeinderatsbeschlüsse vor sowie, daß von der Großh. Negierung Staatszuschuß von 20 000 Mk., eventnell auch von 30 Proz. pro laufenden Kilonieter zu erwarten sei. Neber diesen letzten Punkt verbreitete sich ausführlich Land- tagsabg. Braun, der noch mitteilen konnte, daß das Pro- jekt MückeUlrichstein in allernächster Zukunft greifbare Gestalt annehmen werde. Bergwerksdirektor Scheffzich- Niederohmen machte darauf aufmerksam, daß er auf dieser Strecke auf Jahrzehnte hinaus eine jährliche Verfrachtung von 1518 000 Tonnen garantieren könne. Erwähnt wurde ferner, daß bei Atzenhain im Buderusschen Besitz Millionen in Eisenerzen lagern, deren Aufschluß durch diese Bahn er­möglicht würde. Für die Verbindung mit Mücke sprachen sich auch Bürgermeister a. D. Siebert und Kaufmann Berdux aus. Erst gegen 5 Uhr wurde die äußerst an­regend verlaufene Versammlung geschlossen.

fc. Diez, 27. März. Bei dem Abbruch der früheren Am tsa p o theke wurden drei aus dem Jahre 1586 stammende geschnitzte H olztafeln gesunden, die zum Teil sehr gut erhalten sind. Auf zwei von ihnen ist das nassauische Wappen eingeschnitzt.

5>ie Kreueln von AaKrr.

Von sehr geschätzter Seite ging uns aus unserem Leser­kreise der nachstehende Brief eines Deutschen aus der Stadt Baku (die übrigens den Ton auf der letzten Silbe hat) am KaSpischen Meere an seinen in Gießen lebenden Bruder zu, der ausführlich über die dortigen Greueln berichtet und für die unheilvolle Anarchie im russischen Reiche und speziell im Kaukasus überaus kennzeichnend ist. Ueberraschen muß, daß der dickleibige Brief, dem sogar einige Photographien schauerlicher Szenen beigelegen haben, die doch bekanntlich überaus strenge russische Zensur passiert hat. Auch diese Photographien sind uns vorgelegt worden. Sie sind zum Teil auf dem Friedhöfe ausgenommen worden und zeigen 8)ier und da eine Menge nebeneinander geworfener entsetzlich! verstümmelter Leichen, dann den Sarg einer Frau, deren ßeib aufgeschlitzt ist, nebst ihren ungeborenen Zwillingen, ein­geäscherte und demolierte Magazine re. Das Blutrünstige des Asiatencharaktecs der barbarischen Tartaren tritt aus diesen Momentbildern in grausige Erscheinung. Der Brief lautet:

Am Sonntag, dem 6. ds. Mts., vormittags gegen 11 Uhr, begann hier zwischen der hiesigen armenischen und tar-- t a r i s ch e n Bevölkerung aus nicht völlig aufgeklärtem Anlaß angeblich wegen Ermordung eines reichen einflußreichen Tartaren, nach anderer Lesart wegen Erschießung eines auf dem Transportwege zum Gericht entfliehenden tartarischen Strafgefangenen seitens seiner Transporteure, zweier arme­nischen Infanteristen, nach wieder anderen Gerüchten wegen Ent­führung eines armenischen M ä d ch e n s durch einen Tartaren ein Gemetzel, das bis zum Mittwoch den 9., gegen 3 Ubr nachmittags, angedauert hat.

Die nachstehende Schilderung der Greueln dieser Tage, die nicht nur mit blutigen Lettern in der Geschichte Bakus geschrieben pehen, sondern auch in der modernen Kulturgeschichte einen un­auslöschlichen Schandfleck bilden, kann nur als ein schwacher Ver­such angesehen werden

Im Allgemeinen kann nur von einem Massen abschl ach i e n 6er Armenier die Rede sein, die im großen Ganzen ziemlich wehr- und hilflos dem wilden Treiben der tartarischen Mord­gesellen preisgegeben waren. Daß natürlich auch von den Tar- .. ^aren so mancher sein Leben hat lassen müssen, braucht wohl nicht erwähnt zu werden, jedoch steht die Z a b l d e r tartarischen Opfer, die kaum 150 erreichen durfte, nur in einem ver­schwindenden Verhältnis zu der unheimlichen Ziffer der arme­nischen Opfer, die nach zuverlässigen Angaben tausend Lei weitem überschreitet! Diese Zahl spricht wohl eine genügend beredte Sprache von dem entsetzlichen, grenzenlosen Jammer und Elend, das über die ganze hiesige armenische Kolonie hereingebrochen ist, wenngleich die ärmere Bevölkerung in der Hauptsache gelitten hat.

Ganze armenische Familien sind dem M ass en - ,«norde zum Opfer gefallen, Greise, Männer, Weiber, Kinder, sogar Mütter mit ihren Säuglingeck wurden schonungslos maffakriert. Zwei große, von armenischen intelligenten wohl­habenden Familien bewohnte S t e i n h ä s e r wurden, um die Be­wohner sicherer dem Verderben weihen zu können, ganz mit Petroleum bespritzt und angezündet, imd alles Leben, was dem Flammentode zu entrinnen versuchte, wurde bestialisch von den auf der Lauer liegenden Mordbrennern um- gebracht. Frauen, deren Männer und Kinder umgekommen, haben sich halb w a h n s n n i g, oder auch völlig deS Verstandes beraubt, in die Hände der Mörder überliefert. Viele arme­nische Kinder sind in einen Brunnen geschleudert worden imd haben hier immerhin noch einen besseren Tod ge­funden als andere, die den Messern oder Kugeln der Mordbuben

AuS dem Reichstag.

i Berlin, 27. März.

Es ist für den Schatzsekretär nichts verdrießlicher, als wenn ihm die VolKvertretung die Grundlagen seines Etatsentwurss verschiebt. Beim außerordentlichen Etat der Militärverwaltung hat die Budgetkommission bekanntlich Frhrn. v. Stengel Dispositionen in solcher für ihn verdrieß­lichen Weisekorrigiert". Sie beschloß, die Forderung von 461/2 Millionen Mark für Waffen- und Munitionsersatz aus dem außerordentlichen in den ordentlichen Etat zu über­tragen und demgemäß die vorgesehene Zuschußanleihe zu streichen. Dieser Beschluß verurteilt die Einzelstaaten zur Erhöhung der M a trikularb eiträg e, und deren Finanzlage ist bekanntlich durchweg nicht so glänzend, daß sie eine neue empfindliche Belastung von Reichs wegen gelassen hinnehmen könnten. Frhr. v. Stengel und die Ver­treter Bayerns, Sachsens und der thüringischen Staaten bekämpften deshalb mit aller Energie den folgenschweren Antrag in der Budgetkommission. Der Schutzsekretär hob die Unmöglichkeit hervor, den Einzel st aatennoch mehr als 30 Millionen ungedeckte Matri- kularbeiträge zuzumuten. Doch nur die Nationallibe­ralen erwiesen sich als zugänglich, und so mußte der Schatzsekretär einige Tage später der Kommission eröffnen, daß ihr Beschluß für* den in erster Linie das Zentrum die Verantwortung trägt eine beträchtliche Be­unruhigung in den Einzel st aaten hervorgerufen habe. Frhr. v. Stengel deutete an, daß durch ein Verharren des Reichstages bei der erhöhten Belastung der Einzel- staaten eine Verständigung über die große Reichsfinanz-- resorm erschwert werden würde. Deshalb hoffe er, der Schatzsekretär, daß der Reichstag bis zur dritten Lesung sich eines Besseren besinnen und den Beschluß der Budget- kommission rückgängig macken werde. Die Linien für eine Rückzugsresolution" skizzierte Frhr. v. Stengel dahin, daß er ausdrücklich versprach, für Uebertragung der umstrittenen Millionenausgabe auf den ordentlichen Etat zu sorgen, sobald nur die R e i chs f i n a n ze n diese Belastung tragen könnten. Er bemühte sich also, begreiflich zu machen, daß die Deckung der Ausgaben für Waffenersatz nur vor­übergehend auf Anleihe übernommen werden solle. Die budgetrechtliche Zulässigkeit dieses Verfahrens ist ihm da­nach nicht zweifelhaft. , ,

Einer gegenteiligen Auffassung nergte tn der Budget- kommission auch der Zentrumsführer Dr. Spahn zu, womit freilich noch nicht gesagt ist, daß die ausschlaggebende Partei sich auf diese gegenteilige Auffassung festlegt. Jvden- salls erwartete der Schatzsekretär nicht schon von dem Be­schluß des Reichstages in zweiter Lesung eine für die Einzel­staaten günstige Wendung in dieser Angelegenheit. Auf Vorschlag des Abg. Gröber (Ztr.) wurde heute diese

Es besteht in parlamentarischen Kreisen wenig Neigung, bis tief in den April hinein zu arbeiten. Der Beschluß der Budget­kommission, die Militarpensionsnovelle vor den kolonialen Nach- tragsetats zu erlchigen, tragt, dem Rechnung. Die O st e r - :erieit können jetzt umso zeitiger rniberaunrt werden, als nunmehr fcstfteht, daß das Plenum fürs nächste weder mit der Militärpensionsnovelle noch mit den Nachtragsetats sich zu be­schäftigen haben wird. Aber die erste Beratung der Kamerun­bahn-Vorlage konnte vor den Osterferien stattfinden. Es läßt 'ich heute noch nicht beurteilen, ob und inwieweit eine Ver­schärfung der Situation in der Kolonie auf die Stellung des Reichstags zu dieser tn den Grundzügen schon be­kannten Vorlage einwirkt. Wenn man aber hiervon absieht, und der wohlwollenden Aufnahme sich erinnert, die in der ver­flossenen Session die Vorlagen über die Ostafrika- und Togobahn beim Zeiitrum gesunden haben, so konnte der Kamerunbahn kein ungünstiges parlamentarisches Prognostikum gestellt werden. Das Zentrum beurteilt koloniale EDenbahmprojekte offenbar freund­licher, als in früheren Jahren. Es würde jetzt für eine mehr kritische Haltung srellich mit Fug auf die gewaltigen finanziellen Ovfer Hinweisen können, die Südwestafrika dem Reich auferlegt. Die Prüfung der Kamerunbahnvorlage in der Budetkommiffion wird jedenfalls eine sehr gründliche werden, und es ist damit zu rechnen, daß der Reichstag zur Vertagung der Angelegenheit entschließt, wie er es bei der Ostafrikabahn-Vorlage wieder-

zum Opfer gefallen sind.

Von dem Eindringen von Armeniern in tartarische Be­hausungen bat man nichts gehört, und es kann auch wohl als sicher angenommen werden, daß derartige Fälle nicht vorgekommen sind, da' die Tartaren sich gaiiz als Herren der Situation gefühlt haben und auch genügend mit Waffen versehen waren, um sich hiergegen zu schützen, wahrend dies nach allem, was die Tatsache gelehrt hat, bei den Armeniern nicht der Fall gewesen ist. Die Tartaren konnten, es ist kaum faßlich, ihre Waffen ganz frei tragen und gebrauchen, ohne irgendwie von der Polizei da­ran gehindert zu werden; es wird sogar gesagt, und selbst einige Tartaren sollen dies bestätigt haben, daß diePolizei selber Gewehre unter sie verteilt habe als Schutz­mittel gegen arnienische Uebergriffc auf Leben und Eigentum.

Inwieweit dies der Wahrheit entspricht, dürste sich wohl schwerlich jemals feststellen lasten; bezeichnend für die Haltung der Reaierung ist jedenfalls, daß das Militär faktisch erst am Mittwoch früh, dem vierten Tage der Menschen- schlächtevei, Ordre zur Wiederherstellung b e - k o m m m e ii h a t!!

Daß es mit der Vorbereitung der Armenier zu einer im groben Maßstabe Revolte, von der ja schon seit Jahr und Tag auf Anregung der Regierung gesprochen wird, nicht so arg ge­wesen fein kann, dafür hat das jüngste Blutbad einen eklatanten Beweis geliefert. Die Armenier sind, was man auch immer sagen mag, schütz- und hilflos dem bestialischen Treiben der Tartaren preisgegeven gewesen; viele abgehetzte Armenier der ärmeren Klaffe haben von ihren reichen Landsleuten Waffen verlangt, da sie sich sonst totschlagen lasten müßten, haben sich aber, da es auch den Reichen an Waffen gebrach, unverrichteter Sache wieder zu den ihrigen stehlen müssen, mit denen sie auch dann vielfach einen grausigen ^od gefunden haben. Einem reichen Armenier, der beim Gouverneur um Schutz gebeten hatte, wurde dieser in eigenartiger Weise zu teil Man uuistellte sein Haus mit Soldaten, konfiszierte di- roemqen Men. die er doch toliefilid) zu feinem und ferner «nq-b-riq-n perfüulicheu Schutz gebrauchte, und h.etz die So daten wieder abzietzcu!! - Zu den geschilderten Branden verdien, »och eine ein recht qrelleS Licht auf die Haltung der Regierung werfende Episode erwähnt zu werden- Als namtich die F e u e r w e l> r , u r L ° s ch u » g i> e s F e » e r s a n g e ruckt kam wurde s,° > o n d en S ar taten mit Revolver und Flint-nfchiiff-n empfangen, so das; sie sich toteunigft wieder entfernen mußte. Das auf die Brandstätten kommandierte und bet Eintreffen der Feuerwehr bereits anwesende Militär hat sich diesem haar- slräubenden Treiben der Tartaren gegenüber völlig ruhig und neutral verhalten, nicht einbegriffen und e§ ruhig geschehen lasten, daß die Feuerwehr wieder abzog I!

Nach all dem Geschehenen muß man oder nbel doch

chließlich zu der vielfach herrschenden Ansicht bekennen, daß C: Wen ieruit a das Blutbad wohl un Hinblick darauf Lffionifrt bat daß sie sich bei tiefer Gelegenheit auf be°^ Lif° der A r m - n i e r 'die ihr, wie bekannt wegen ihrer frei freit-eben Bestrebungen schon lange unbequem lind, ent-

Stadt bot ein schauerliches Bild. Se,bcr Berke ha war »rstorben, Blutlachen und Menschenleichen auf den Straßen, ausgeplüuderte Läden, vor denen bte nicht

dem Raub an he im gefallenen zerstörten Verkaufsgegenstande über dem ganzen Straßendamm zerstreut lagen. Im Zentrum der Stadt haben die Tartaren wie Vandalen gehäuft viele Bade­anstalten und unter anderen auch verschiedene Spirituosen Hand­lungen und einen großen armenischen W einkeller geplün­dert. aus diesem die schweren Lagerfässer mit aller Kraft­anstellung auf tie ©traffe befördert, wo alsdann m ä n n l i ch e wie weibliche russische Trunkenbolde über den Wein herge fall en n n d n eben L e i ch'en i hr c m L a st e r gefröhnt haben. Ein Anblick, von dem sich jeder fühlende Mensch mit Grausen wenden mußte!

Hier und da sah man auf den Straßen armenische Flücht­linge, wie sie, Mann, Weib und Kind, schreckensbleich, nrit ihrer notwendigsten Habe, von Kosaken oder Infanterie eskortiert, durch die Straßen zum Bahnhof oder zu den Anlegeplätzen der Dampf- fchisie zogen, um dem Ort der Schrecken den Rücken zu kehren.

Die Panik unter der armenischen wie auch überhaupt der g.anK'.'n hiesigen Bevölkerung ist begreiflicherweise auch jetzt noch selbst nach der mit Militärnrusik (! t intoniertenFriedensProkla­mation" anhaltend. Die Armenier verlassen zu tauf en beit, tie Stadt, über die vom Gouverneur der Belagerungszustand verhängt ist. Handel und Wandel liegen darnieder, die Magazine und Kontore sind Zwar geöffnet, jedoch nur bis zur Schlummerstunde, aber an einen regelrechten geschäftlichen Verkehr und an geordnete Zustände wird, solange das Gefühl der allgemeinen Sicherheit nicht wiedergekehrt ist und die bis aufls Aeußerste erregten Ge­müter beruhigt hat, nicht zu denken sein, und das wird vor­läufig begreiflicherweise noch lange auf sich warten lasfen.

Diese Vorkommnisse, die jedes Menschenrecht, einfach zur Fabel hier gemacht haben, jedem edlen menschlichen Empfin­den Hohn sprechen und die doch selbst bei äußerster Nachlässig­keit und beispiellosester Schlaffheit der Polizeiorgane nicht hätten geschehen können, sich also, wie auch immer dementiert werden mag, nur im Einverständnis mit letzteren haben ereignen können, sind ein himmelschreiendes Verbrechen, wie es seit Jahrhunderten in Landen unter christlicher Herrschaft wohl nicht seines Gleichen findet und nrit seiner Schrecknis an die Pariser Bluthvchzeit von 1572 erinnert.

VolMscke Tagesschau.

Die neue Kolonialbahn.

-tt- Berlin, 27. März.

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