\ ^ribi
M M-L
1,Jn'nit^ei5ongab?$
»U'U. 07352 an den L oeleii.
. Zeichnen » Men, Jilaiien, Ll,«en -c., ? S ’ ®?.ticniectin|k Lr> P'ahengahe^, I.
Iwtai u. Stirn öerreukleivern einnj, f?
Kleinzoller,
trase 73, v. II, mmtisch-
Gesellschafl
in erstklchstgein-Reslmc Zimmer’
Milche Meldungen u.M n Gießener Anzeiger ert.
zjiHckchjts!
Vlo au I. Stelle bei axegibtBerwaltg. jw.
riMtfipM
000 jU 4% au4 gell rtercn Beträgen.
:e§ durch
. Kosentha
)OU 491 Vismaröc ieken- u, Immoblller-fi^.
wa 40000 Lik. 6tiv r sind alsbald in e mc oder getrennt qiri c lhck zu4M.aitzuglck iheres aui dein Mnne n Laue 25, Zimmer *.v-
itriebskapiti Rf. 3000,- vergib! iss” 1550 d, Rudolf Mosse,_^ , Geburt eines -oft TOn "ober 19»
Lncii iargare! Meyer.
eßen, am 30. w erlebrer und Frau ß geb.
6* «“”6; , .
Verloren
3teis?<,etter' ,30. Btt*1 ,Mll»s tw8®
Rr. 5455
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Giehener Zamlliendlötter" werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^hrsstsche £anörotrt" erscheint monatlich einmal.
Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulftr.7. Tel. Nr. 51. Telegr.-2ldr.: Anzeiger Greßen.
3toette§ Blatt. 155. Jnln gang Montan 30. Oktober 1905
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Gießen, den 29. Oktober 1905. Petr.: Die Wahlen zum 33. Landtag.
Das Graßherzogliche Kreisamt Gicftn an die viroßh. Bürgermeistereien der zum IV., V., HL und XII. Wahlbezirk gehörenden Gemeinden des
Kreises.
Im Anschluß an unser Ausschreiben vom 27. l. M., Kreisblatt Nr. 132, ermächtigen wir Sie, insoweit es wegen der Kürze der Zeit nicht möglich ist, die Listen bereits am 10. d. M. offen zu legen, dieselben
Dienstag, beit 31. Oktober, Mittwoch den 1. November und Donnerstag, den 2. November
offen zu legen. Die vorgeschricbene Bekanntmachung (Formular F) hat alsdann am 30. l. M. zu erfolgen.
________________Tr ^■■■ibert_________________
Kelranntmachung.
Ietr: Schafräude in Münster.
Zu Münster ist unter einer Schafherde die Räude ausgebrochen. Weide und Gemarkungssperre ist verhängt.
Gießen, den 27. Oktober 1905.
Großherzoglich-s Kreisamt Gießen.
_________________I. V.: Dr. Merk.__________________
Kekanntmachmlg.
<8etr.: Feldbereimgung in der Gemarkung Hungen.
In der Zeit vom 1. November l. I. bis einschließlich 14. November l. I. liegen auf dem Gemeindehaus zu Hungen die Arbeiten des II. Abschnittes, nämlich:
1. 93 Bonitierungskarten,
2. 5 Bände Besitzstandsverzeichniffe,
3. 2 Bände Gütergeschosse,
4. 1 Band Zusammenstellung der Gütergeschoffe,
5. das Protokollbuch zur Einsicht der Beteiligten offen.
Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet statt:
Mittwoch, den 15. November l. IS., vormittags von 9—10 Uhr, auf dem Gemeindehaus zu Hungen, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen auSgeschloffen find. Ein- iwnbungen find schriftlich abzufaffen, zu begründen und auf Aapier in Aktengröße (mindestens x/s Bogen) einzureichen.
Friedberg, den 26. Oktober 1905.
Ter Großherzogliche Feldberelnigungskommissär: S p a m e r, Kreisamtmann.______________
BoUttsche Wochenschau.
Die Fällung des Schiedsspruchs im lippischen Thronfolge streit hat zur Anerkennung der Ansprüche der Biesterst löschen Linie geführt und den ein Jahrzehnt lang die deutsche Politik durchziehenden Streit endgiltig beseitigt. Der Grafregent l> it als Fürst Leopold HI. seine nun definitive Regierung über- Tiommeu. Tie Einzugsfeier des Fürsten in Detmold soll zwar imoffiziell sein, nichtsdestoweniger aber wird die Beteiligung aus dem Volke riesig werden. Die Landwirte wollen ihn zu Pferde t^bholen. Zu den offiziellen Feierlichkeiten kommen die An- nälte der Mestcrfelder Linie und der Geheimrat Dr. Kahl r ach Detmold. Ihrer, nainentlich des Prof. Kahl, warten lebhafte Ovationen. Der erste, der dem Fürsten Leopold Glück wünschte, war der Fürst von Schaumburg-Lippe, sein Prozeßgegner. Auch der Kaiser sandte ein in freundlichen Worten gehaltenes Glück- nunschtelegramm. Somit ist denn nun endlich dieser unselige Abschnitt innerer deutscher Politik zum Abschluß gelangt, und zwar in einer Weise, welche mit dem allgenreinen Rechtsempfinden glücklich harmoniert. Man darf dem Fürsten Bülow das Verdienst beim essen, die Affäre, die nach dem Romintencr Telegramm ciinc unangenehme Gestalt anzunehmen auf dem Wege war, im Ordnung gebracht zu haben.
Gelegentlich des Aufenthaltes des deutschen Kaisers m D r e s- dcn kanr in Trinksprüchen Kaiser Wilhelms und König Friedrich Augusts die Entschlossenheit der deutschen Brindes- fürstcn zum Ausdruck, treu am Reiche festzuhalten und die gvoßd.)utsche Politik der Vorfahren, begründet auf gegenseitiges Vertrauen, konsequent fortzusetzen. Im Anslande wurde diese Kundgebung besonders bemerkt. Am Tage der Moltkefeier rit Berlin toastete der Kaiser im Kreise seiner Generäle auf das deutsche Volk in Waffen. Auch dieser Trinkspruch mußte im In- und Auslande starke Aufmerksamkeit erregen. Er bekundet den ernsten Willen des deutschen Kaisers, den Rechten des Deutschen Reiches überall da, wo man sie mißachten sollte,die nötige Anerkennung zu verschaffen. Einige Pariser Blätter find einsichtsvoll genug, diesem Toast lediglich retrospektive B^- deutung beizumcssen, unb glauben nicht an eine gegen Frankreich «ierchtete Spitze. Andere ftanzösische Zeitungen begnügen sich mit der Wiederholung des Refrains, daß auch Frankreich sein Vulvcr trocken halten müsse. Clemenceau erblickt in dem Berliner Trinffpruch 'eine gefährliche Zuspitzung des zwischen Deutschland und England bestehenden Jnteressenkonftikts und zweifelt nicht daran, daß der zwischen beiden Ländern be- ftehende Haß neue Nahrung erhalte, wodurch die Welt wieder einen Schritt weiter zu den Abgründen militärischer Lösungen gedrängt werde. Jaurös stellt der Rede des Kaisers den Befreiungskampf des russischen Proletariats entgegen und zücht den Schluß: Nur der Sieg der Demokratie und des Prole- rariats könne Europa von dem Drucke des Krieges und der Gewalt befreien. — Auch in Wien legt man den Reden des deutschen Kaisers nur rückblickende Bedeutung bei. Die Spannung zwischen Deutschland und England ist nach den Auffassungen der Wiener Diplomatie in letzter Zeit nicht gewachsen. Daß eine Einigung zwischen England und Rußland bezüglich der asiatische Fragen zustande gekommen sei, wird nicht bezweifelt, wohl aber, daß Deutschland gegen die Vereinigung irgend welche Bedenken haben Wnne. Die abenteuerlichen Behauptungen des Petersburger „Ti- mes"-Korrcspondenten, daß Deutschland sich bemüht habe, mit Rußland ein Bündnis zur Isolierung Englands M schließen und Oesterreich-Ungarn aufzuteilen, merden in Wien vernünftigerweise keiner Erörterung gewürdigt.
Tas wichtigste Ergebnis der jetzt vollständig vorliegenden Stichwahlen zum badischen Landtag ist das g ä n z - Uichle Unterliegen des Zentrums. Obschon es in 10 tton den 23 Stichwahl kreisen seine Kandidaturen au ft echt erhielt und bei einem Tell derselben Zuzug aus dem konservativen Äager erhielt, hat es nicht mehr einen einzigen Mann durch
zubringen vermocht. Die Konservativen ziehen mit 3 Mann stark inS Landtagshaus. Die übrigen LlStichwahlmandate wurden vom liberalen Block und der Sozialdemokratie genommen, wobei 10 den Nationalliberalen zufielen, 3 den Demokraten, 1 den Freisinnigen und 7 den Sozialdemokraten. Tie neue badische Kammer setzt sich nunmehr wie folgt zusammen: Nationalliberale 24, Demokraten 5, Freisinnige 1, Sozialdemokraten 12, Zentrum 28, Konservative 3; zusammen 73. Tie antiklerikalen Parteien verfügen in der neuen Kammer über zusammen 46 Stimmen gegen 28 des Zentrums, die Liberalen über 30 gegen 31 Gegner rechts und 12 Gegner links. Die Hanpt- wahl hatte einen Scheinsieg des Zentrums gebracht. Um den Schein dieser Strahlen ju brechen, hatten die Liberalen aller Schattierringen mit den Sozialdemokraten — zum Schauder der rechts stehenden Presse - einen Stichwahlvertrag abgeschlossen zur gegenseitigen Unterstützung. Natürlich vereinbarte daraufhin das Zentrum mit den Konservativen einen Wahlpakt und cr- Närte sich, um möglichst viele Naticmalltberale Don dem Vertrag mit den Sozialdemokraten auf seine Seite herüberzuziehen, bereit, für zwei antiultramontane Protestanten einzutrcten. Das end- giltigc Ergebnis hat nun gelehrt, daß die Stichwahlpraxis in Baden sich bewährt hat, ebenso wie die Einführung des allgemeinen gleichen und direkten geheimen Wahlrechts.
Baden trägt doch immer noch mit Recht den schmückenden Beinamen des „Musterländles". Wir in Hessen sollten allesamt unsere Lehren von dorther beziehen. Unsere Wahlrechtsreform ist, nach dem Auftauchen des verhängnisvollen Jnitiativ-An- trages der Ersten Kammer, an dem wohl berechtigten Widerspruch der Regierung und des Volkshauses gegen die Erweiterung der Kompetenz der 1. Ständekammer gescheitert. Ueber die Wiedcr- aufirahme der Wahlrechtskampagne hat Minister Rothe Mitteilungen noch nicht gemacht. Doch in wenigen Wochen finden die Wahlen in Hessen unter der Losung statt: Reform des Wahlrechts. Baden hat nun gezeigt, daß nur das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht imstande ist, die Herrschaft der Reaktion zu brechen, ohne gleichzeitig die Sozialdemokratie in gefährlicher Weise zu stärken. Die Hess. So zialdem o kra t en sind natürlich wieder als erste auf ocm Plan mit einem Wahlaufruf, und ebenso natürlich ist es, daß sie das reformfeindliche Gebaren der Ersten Kämmer sich zunutze machen und die Abschaffung der Ersten Kämmer fordern. Die Sozialdemokratie gibt sich der Hoffnung hin, daß sie zu den zwei Mandaten, die ihr von den 25 zur Neuwahl stehenden Mandaten bisher gehörten, eine Reihe weiterer hinzugewinnen wirb. Jedenfalls muß man der Sozialdemokratie das Zeugnis ausstellen, daß sie eine ungleich 'größere Rührigkeit als die übrigen Parteien entfaltet und gewillt ist, die kurze Spanne Frist, die ftir die Agitation übrig bleibt nach 'Kräften auszunutzen. Hoffentlich wirkt diese Erkenntnis anfeuernd auf die bürgerlichen Kreise.
Der hessische Landwirt chaftsrat hat in seiner Gesamtsitzung eine Resolution bezüglich der F l e i s ch t e u e r u n g gefaßt, welche besagt, daß der gegenwärtige hohe Stand der Fleisch- preise nicht als die Folge einer allgemeinen Fleischnot betrachtet werden könne, und dre Zentralstelle der preußischen Landwirts chaftSkammern bot sich den Kommunen an, in Gemeinschaft mit ihnen städtische Fleischversorgungs-Zentralen ins Leben zu rufen. Die Absicht, den Fleischhandel zu monopolisieren, forch in den preußischen Städten keine sonderliche Gegenliebe. Die deutschen Städte aber schlossen sich im D e u t s ch e n Städtetage zusammen und wollen bei dem Kanzler ihre Bedenken gegen die Fleischverteueruna entwickeln. Nicht recht begreiflich freilich ist es, daß sie auf ihrer Audienzidee verharren, nachdem der Fürst ihnen eine derbe Antwort in höflicher Form gegeben hat. Selbstverständlich hat der Reichskanzler nach erneuter Anftage den Bescheid gegeben, daß er „gern bereit sei, die Abordnung des Vorstandes des deutschen Städtetages am 31. Oktober mittags zu empfangen. Daß die Audienz noch "einen Zweck hat, ist, wenn man die innerpolitische Lage berücksichtigt, so unwahrscheinlich wie möglich.
Bebels Erbschaft und die Vorwärts-Krisis gehören nicht tatsächlich, aber doch ideell nahe zusammen. Wie schön ist es nicht, im Land die Abschaffung des privaten Kvpitals zu predigen und sich hinterher selbst auf die arbeitsloseste Weise der Welt, durch simples Erben von einem X-Beliebigen, ein privates Kapital in den Schoß werfen zu lassen. Das gleiche ist es mit der Achtung der Persönlichkeit derjenigen geistigen Arbeiter, die seit Jahren die größten Opfer gebracht haben, um unter Hintanstellung ihres eigenen Interesses der sozialdemokratischen Partei ihre Lebensarbeit zu widmen, wir meinen, der Redakteure des „Vorwärts". Da predigt die Sozialdemokratie im Lande die Ächtung der Persönlichkeit des Arbeiters, aber die Partei selbst kümmert sich nicht um diese Persönlichkeit, sondern verfährt mit einem zynischen Abfolutismus, der seinesgleichen sucht. Es konnte nicht ausbleiben, daß sich im Lager der Genossen selbst zahlreiche Stimmen erhoben gegen diese Art von Parteidiktatur, die so typisch mit der Zuchtrute der rohen Gewalt in die Empfindungen derer eingreift, die ihr Leben der Partei geopfert haben. Der sozialdemokratische Wahl- Verein in Steglitz hat eine Resolution angenommen, in der es heißt:
Der Verein kann sich mit dem Verhalten des Parteivorstandes in Sachen der Differenzen mit den sechs Redakteuren des „Vorwärts" nicht einverstan den erklären. Die Parteigenossen haben das größte Interesse an völliger Klarstellung und erwarten deshalb von dem Parteivorstand, daß er unverzüglich die erst für später in Aussicht gestellte Erklärung zu diesem bedauerlichen Vorfall veröffentlicht.
Diese Veröffentlichung der versprochenen Aufklärung des Parteivorstandes soll nun unmittelbar bevorstehen.
Loubets Reise nach "Madrid ist ohne Zwischenfall glücklich verlaufen. Auch in Lissabon wurden Reden über die „Bande aufrichtiger Freundschaft gewechselt.
Schweden hat den Vertrag zur Auflösung dersHwe- disch-norwegischen Union angenommen. In Norwegen ist beabsichtigt, die Volksabstimmung am 12. und 13. November stattfinden zu lassen.
Tie Pforte beharrt in der Frage der mazedonischen Finanzrefor m auf ihrem Widerstande. Sie lehnte auch das Verlangen der Botschafter wegen einer Kollektivaudienz beim Sultan ab und begründete die Ablehnung in einer an den Doyen des diplomatischen Korps gerichteten Note. Eine Kollektivaudienz, die den Zweck verfolge, sich in die inneren Angelegenheiten der Türkei einzumischen, sei unzulässig (inadmissible). Die Note hebt ferner hervor, daß übrigens die Audienz eine Angelegenheit beträfe, zu welcher die Regierung bereits in unzweideutigster Weise Stellung genommen habe. — Was nun? Wird noch ein Arrangement möglich sein, das die Mächte aus der unangenehmen Situation befreit oder wird man gegen die Türkei Zwangsmaßregeln anwenden? Eine Flottenoemonstration will sich auf mehrere Häfen der asiatischen Türkei verteilen. Indem man die Häfen der europäischen Türkei vermeidet, hofft man den übrigen Balkanmächten Ungelegenheiten zu ersparen. In Samsun, einem türkischen Hafen an der nördlichen Küste Kleinasiens, traf bereits die r u s s. S ch w a r z e M e e r f l o t t e am 27. ds. unter Admiral Birilews Kommando ein und fiihr nach Tvapczunt weiter. In Sachen dieser Flotten
demonstration aber besteht keine volle Einigkeit zwischen Deutschland und den übrigen Mächten, was bei diesen eine gewisse Verstimmung hervorruft. Doch glaubt man wenigstens in Wien, daß Deuffchland, bei aller Rücksicht auf die Pforte, schließlich die gemeinsame Aktion wenigsten» moralisch unterstützen werde.
Ungeheuer alarmierende Nachrichten kommen täglich auS Rußland, wo jeglicher Verkehr durch den Ausstand der Eisen- b'hn-, Post- und Telegraphenbeamten aufgehört hat. Alle Apotheker Petersburgs unb Moskaus, ferner zahlreiche Mittelschüler usw. haben sich den Ausständigen angeschlossen. In Moskau und vielen anderen Städten sind alle Banken, Geschäfte, Restaurants und Theater geschlossen, ein Börsenverkehr findet nicht statt. Tie Schließung der dortigen Universität steht bevor. Auch die Moskauer Gaswerke stellten ihre Tätigkeit ein. Die unterwegs festgehaltenen Eisenbahn-Passagiere leiden große Not. So sinh beispielsweise aus dem Bahnhöfe von Pskow 500 Rer- sende seit Tagen Notiert. Tic ausländischen Reisenden haben die Gesandten der betreffenden Staaten ersucht, sich 8» ihren Gunsten zu verwenden, damit sie aus ihrer mißlichen Lage befreit werden. Auch viele Dersicherungs- und Transvortanstnlten hchen ihre Bureaus schließen müssen. Auf dem Rigaer Postamte werden Sendungen nach dem Auslande auf deutschen Dampfern über Stettin befördert. Gras Witte hat angeblich Vollmachten zur Einführung der Kvnstitution bereits erhalten, nach anderen Meldungen soll er sie erst noch erhalten. Jedenfalls unterbreitete er in Peterhos dem Zaren die Liste des neuen Ministerk-binetts Es wurde das Gerücht verbreitet, die Proklamation der Kvnstitution solle unmittelbar bevorstehen. In Regierungskreisen will man aber wissen, daß der Streik aus Mangel an Mitteln bald zu Ende sein wird. Dom Auslande seien bisher nur 90 000 Rubel in die Streikkasse geflossen, und damit könnten die Revolutionäre, d. h. offiziell „die Streikenden", nichts Großes anlangen. Wahrscheinlich behält diese Annahme auch "diesmal wieder Recht.
Are Zukunft DtUtsch-Lüdweüafrikas
erörtert vom geschäftlichen Standpunkt der Ertragsfähigkeit ans Dr. Karl Peters in einer Monatsschrift. PeterS schätzt den Aufwand, den das Reich seit der Besitzergreifung von Südwestaftika dieser Kolonie hat zugute kommen lassen, einschließlich der Kosten zur Niederwerfung des jetzigen Aufstandes auf 500 Millionen Mark. So beträchtlich die Summe ist, Peters schlägt vor, sie im wesentlichen als Verlust abzuschreiben, im nationalen Konto als Lehrgeld zu buchen und das Geschäft von 1906 ab mit einer reinen Seite zu beginnen, indem die Eisenbahn, die Telegraphenanlagen, die Hafenbauten und öffentlichen Gebäude auf der Kreditseite vorgetragen werden. Was aber soll in Zukunft geschehen? Ta unsere füdwestaftikanische Kolonie überwiegend ein Oasenland ist, vom Ozean durch einen über 150 Km. sich erstreckenden Tünengürtel getrennt, "hat , sie für Ackerbau und Viehzucht nur einen sehr beschränkten Wert. Indessen könnte sie trotz des Wassermangels gleich den Buschsteppen Australiens Raum für eine gewinnende Rindvieh-, S<l)af- und Ziegenzucht bieten, wenn nicht Rinderpest, Rotz, Tsetseerkrankung, Hühn er krank- heit u. ä. eine rentable V ehtzucht ungemein erschwerten. Ten Aussichten, welche in Südwestafrika unterirdische Wertobjekte eröffnen, steht Peters zuversichtlicher gegenüber. Kupfer, Blaubrund und Kohle sind bereits festgestellt, es ist wahrscheinlich, daß auch eigentliche Edelmetalle und Tiamanten entdeckt werden; deshalb erwartet Peters die Entwicklung des südwestafrikanischen Minenbaues zu einer leistungsfähigen Industrie. Von der Frage, wie diese sich ausgestaltet, wird es nach Peters Meinung abhängen, was Südwestaftika für den deutschen Volkshaushalt zu werden vermag. Die Grundlagen des südwestafti- kcmischen Kolonialunternehmens sind also sehr unsicher, wenngleich sie auch heute keineswegs aussichtslos genannt werden können. Unter solchen Verhältnissen empfiehlt Peters vorsichtige Zurückhaltung und genau berechnete Sparsamkeit in den Ausgaben für rein administrative: Zwecke. Der Staat solle allerdings die wirtschaftliche Arbeit in der Kolonie schützen und sie durch Belehrung, Versuchsanlagen, vorbeugende Maßnahmen gegen Jufektionskvank» heiten, Wege- und Eisenbahnbauten, Errichtung neuer Wasserstellen usw. fordern. Dagegen solle der Staat darauf verzichten, durch eine Kolonne juristischer Beamter neue Gememwesen zu entwickeln. Tie Kolonisten müßten von vornherein nach englischem Beispiel an Selbstverwaltung gewohnt werden und dürften auch daran gewohnt werden, weil in den angelsächsischen Kolonien der Deutsche genau so gutes Material stelle, wie der Engländer. Gleich der Regierung müßten auch die Unternehmer aus dem Zusammenbruch der bisherigen Ordnung lernen; während bis jetzt oft genug zur Verwirllichung barocker Einfälle Geldsummen zwecklos aufgeopsert wurden und während so deutsche Kolonialunternehmungen in Mißkredit kamen, seien fortan neue Unternehmungen nur nach kühlster Berechnung ins Leben zu rufen. Ausländische Arbeit und ausländisches Kapital ntüfre uns nicht minder willkommen sein als deutsches Kapital und deutsche Arbeit in angelsächsischen Ländern. Die neue Periode für Südwestaftika werde naturgemäß erst nach der Niederwerfung des Aufstandes einsetzen können. Alsdann sei die Reservatpolitik Rhodesias anzuwenden. Tort habe kein Neger das Recht auf Grund und Boden außerhalb der Reservate und besitze nicht das Recht der Freizügigkeit; wolle er arbeiten, so müsse er sich beim Native Commissioner einschreiben lassen, der ihm Arbeit vermittelt; um 9 Uhr müßten alle Schwarzen zu Bett gehen; kein Weißer dürfe einem Schwarzen Schnaps auch nur schenken; geschlechtlicher Verkehr eines Weißen mit einer Negerin werde gesetzlich bestraft. Zur Kontrolle der Schwarzen sei nach dem Muster Rhodesias aus Gründen der Zweckmäßigkeit und der Sparsamkeit eine schwarze berittene Polizei zu organisieren, während deutsche Truppen auf Städte und wirtschaftliche Unternehmungen beschränkt werden könnten.
Deutsch-Afrikanisches.
Berlin, 29. Oft. T»r Gouverneur Graf Götzen meldet aus Dar-es-Salaam: Tie telegraphische Verbindung mit Tabora und Muonza ist im Betrieb; von keiner dieser Stationen werden Unruhen gemeldet. Nur die Straßen nach den Stationen Mahenae und Songea gelten noch nicht als völlig sicher. Nach allen anderen Stationen


