Nr. 74
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Erstes Blatt.
155. Jahrgang
Dienstag 28. März 1905
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Gietzener Anzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt ftr den Kreis Gietzen WMZ
U 1 kp zeigenteil: Hans Beck
Die Oeuttge Dummer umfaht 8 Setten
Ies deutschen Kaiserpaares ZSeersahrt.
Der Kaiser in Lissabon.
Lissabon, 27. März^ Der Dampfer „Hamburg" mit Kaiser Wilhelm an Bord und der Begleitkrer^er „Friedrich Kurl" trafen heute nachmittag unter dem Salut der Geschütze an der Tajo-Mündung ein. Die Landungsstelle prangte in reichstem Flaggenschmuck. Zahlreiche Dampfer und Segelboote waren dem Kaiserschiff cntgegengefahren. Ter deutsche Gesandte Graf Tattenbach mit dem Militär- attachee Major Senden und den übrigen Mitgliedern der deutschen Gesandtschaft, sowie dem Generalkonsul Dähn- hardt begaben sich an Bord der „Hamburg", mit ihnen namens der beiden die Hamburg-Ämcrika-Linie in Lissabon vertretenden Firmen Hemri Buznay und E. George, Baron G. Merk und O. Marcus. Bei dem Empfangspavillon an der Landungsstelle waren die Schüler der Militärschule als Ehrenwache aufgestellt. Weiterhin bildeten Marinemann- schaften und die gesamte Garnison Lissabons unter dem Kommando des Generals Craveira Lopes Spalier. Kurz nach 3 Nhr fuhren der König, der Kronprinz und der Herzog von Oporto, der portugiesische Gesandte in Berlin, Vicomte de Pindella, und die Minister des Auswärtigen und der Marine, Villaca und Moreira, mit zahlreichem Gefolge in reich geschmückten Brigantinen zur „Hamburg", um den Kaiser zu begrüßen.
Nach der herzlichen Begrüßung der Monarchen setzte fich der festliche, aus altertümlichen Karossen bestehende Zug unter den Klängen der deutschen Hymne nach Schloß Belem in Bewegung. In der ersten mit acht Pferden bespannten Karosse fuhren Kaiser Wilhelm in der Uniform eines Ehrenobersten des portugiesischen vierten Reiterregiments mit dem Großkordon der drei portugiesischen Militärorden, und König Karl in der Uniform eines Ehefs des preußischen Infanterieregiments „Graf Tauentzien" drittes Brandend. Nr. 20. In der nächsten Karosse fuhren der Kronprinz und der .Herzog von Oporto, letzterer in der Uniform desselben preußischen Infanterieregiments. Dem Zuge vorauf ritten ein Kavallerietrupp und Munizipalgardisten. Neben dem königlichen Galawagen ritt General Eraveira Lopes. Den Zug schloß das portugiesische Reiterregiment des Kaisers. Das überaus zahlreich versammelte Publikum auf den Straßen, auf den Balkonen und an den Fenstern der Häuser brachte dem Kaiser herzliche Ovationen dar.
In der Nähe des Empfangspavillons hatten mehr als 400 Mitglieder der deutschen Kolonie in Lissabon und Oporto, Herren und Damen, Aufstellung genommen und begrüßten den Kaiser mit jubelnden Zurufen. Die Privat- wie Geschäftshäuser der deutschen Bewohner von Lissabon hatten besonders prächtigen Festschmuck angelegt. Baron v. Mark und Marcus veranstalteten ein Festmahl mit 45 Gedecken, zu dem die deutschen Marineoffiziere und die hervorragendsten Mitglieder der deutschen Kolonie geladen waren.
Die „Hamburg" hatte sich im Passieren von Oporto einer Signalstation genähert, sodaß der Kaiser ein Telegramm an die Kaiser in schicken konnte, in welchem er von der vorzüglichen Reise der „Hamburg" Mitteilung machte. Die portugiesischen Zeitungen widmen der Ankunft des Kaisers ausführliche Artikel, in denen sie den Gast auf das wärmste begrüßen.
Zur Kaiserfahrt nach Tanger.
Der frühere französische Marineminister de Lanessan bespricht in seinem Blatte „Siecle" die Reise Kaiser Wilhelms nach Tanger und sagt, es sei offenkundig, daß der Kaiser sich bei dieser Gelegenheit als Beschützer der Unabhängigkeit Marokkos zeigen wolle. Diese Haltung könnte die Eigenliebe Frank re ich snicht verletzen, man könne höchstens eine Lektion für die f r a n z ö s i s ch e n Diplomaten und eine Warnung für diejenigen darin erblicken, welche die französische Diplomatie nach' dieser Richtung gelenkt haben. Frankreich selbst könne sich weder über Unkorrektheit noch über ungerechtfertigte Bestrebungen beklagen. Deutschland verteidigt seine Interessen in Marokko, wie Frankreich die seinigen verteidigt. Das ist das Recht Deutschlands. Nur diejenigen können dieses Vorgehen seltsam finden, welche so leichtfertig waren, dies nicht vorauszusehen. Die äußere Politik des republikanischen Frankreich muß sich am hellen Tage vollziehen. Sie braucht weder geheime Unterredungen, noch heimliche 'Abmachungen. Wir erfuhren bei der Faschoda- Angelegenheit zu unserem eigenen Schaden, was die diplomatische Geheimniskrämerei kosten kann. Wir wollen gelegentlich Marokkos nicht ein Abenteuer erneuern, das für uns so peinlich war. Es scheint mir deshalb, daß die französische Regierung einen Beweis ihrer Klugheit liefern würde, wenn sie sehr nachdriicklich die bereits abgegebenen Erklärungen wiederholen würde, daß Frankreich entschlossen sei, die Un ab hängig keit Marokko s und die Freiheit des ausländischen Handels im marokkanischen Gebiet vollauf m respektieren.
Tie Londoner „Times" meldet aus Tanger: Mehrere hundert Marokkaner, Angehörige der benachbarten Stämme, daben sich in der Nähe von Tanger versammelt, um am Tage des Eintreffens des deutschen Kaisers sich in Tanger einMfinden. Es werden keinerlei Ruhestörungen befurchtet. Seitens der Behörden werden andauernd dre größten 'Vorbereitungen zu einen: würdigen Empfang des Kaisers getroffen. ,, _
Gleichzeitig kommt aus Tanger die Meldung von einer Vluttat. Der dottige Korrespondent derrrnes" ; Harris wurde am Montag dort vor dem englischen Postamt ■ gnn einem Marokkaner, einem Fremdenführer von Berus, irt den Leib gestochen. Doch ist die Verwundung, da 3er Dolch sich in der Uhrkette verwickelte, leicht. Der An
greifer flüchtete zu dem Scherif von Wasan. Was ihn zu seiner Tat veranlaßte, ist nicht bekannt. Der Scherif von Wasan ist ein französischer Schutzbefohlener. Die öffentliche Meinung in Tanger ist geneigt, in dem Ueberfall eine Machination zu sehen, um womöglich den Besuch Kaiser Wilhelms in Tanger zu Hintertreiben.
Die Kaiserin in Italien.
Messina, 27. März. Tie deutsche Kaiserin und die Prinzen Eitel Friedrich und Oskar besuchten heute vormittag den Dom und empfingen am Nachmittag an Land zahlreiche Mitglieder der deutschen Kolonie.
Taormina, 27. März. Sobald der Zug mit der deuffchen Kaiserin und den Prinzen Eitel Friedrich und Oskar einlief, feuerten die Kriegsschiffe, die reichen Flaggenschmuck trugen, Salut. Ter Bürgermeister überreichte der Kaiferin einen herrlichen Blumenstrauß. Auf eine an sie gerichtete Ansprache erwiderte die Kaiserin, daß sie der Gesundheit ihres Sohnes wegen nach Taormina gekommen sei und hoffe, daß die ausgesprochenen Wünsche in Erfüllung gehen würden. Tie Herrschaften begaben sich sodann in die Stadt, in deren Straßen sich eine große Menschenmenge, darunter viele Deutsche, angesammelt hatte und ihnen wiederholt die wärmsten Ovationen darbrachte. Sodann fuhren die Kaiserin und die Prinzen nach dem griechischen Theater. Am Abend fanden Fackelzüge mit Musik statt.
Das preußische Bergarbeitergesetz vor dem Landtage.
R. Berlin, 27. März.
Auf die Rede des Grafen Bülow zu der Bergarbeitergesetz- novelle war heute im preuß. Abgeordnetenhaus die Erwartung ^richtet. Allerdings gab sich diese mehr in dem Besuch der Tribünen, als in dem Besuch des Parketts zu erkennen., Graf Bülow, der sich die Vertretung der politischen Gründe für die Einbringung der Vorlagen angelegen sein ließ, wahrend Handels- minister Möller späterhin auf die technischen Einzelheiten einging, brachte wie das Mädchen aus der Fremde Jedem eine Gabe dar. Die Bergarbeiterfreunde auf der Linken und im Zentrum befriedigte der Ministerpräsident durch etliche gegen die Haltung der Zechenbesitzer gerichtete Säße — z. B. „Wozu die Regierung bereit war (zur Vermittlung), das konnten die Zechenbesiher auch" — ferner durch die Anerkennung der Besonnenheit der Ausständigen; die ReHte wiederum riß Graf Bülow zu lebhaftem Beifall hin durch scharfe Stellungnahme wider die Sozialdemokratie, gegen die für das Elend verantwortlichen „Hetzer und Wühlet und die Niederlegung der Arbeit unter Kontrcvktbruch. So kam das Bravo! Sehr richtig! Sehr wahr! von den verschiedensten Seiten. Auf diese Weise ebnete der Redner mit diplomatischer Geschicklichkeit dem Entwurf über die Regelung der Bergarbeiterverhältnifse den Boden. Aehn- lich wie bei der Kanalvorlage appellierte er an die politischen Erwägungen der Rechten, um die Bedenken gegen das „Zugeständnis der Regierung an die Ausständigen" zu beseitigen. „Was Sie in Erfüllung der sozialen Aufgaben tun, das tun Sie gegen die sozialdemokratischen Bestrebungen und für die Monarchie!" Von Wirkung war auch der Hinweis, daß man heute, wo das Bestreben zum Zusammenschluß in Industrie und Finanz vorherrscht, den Wunsch der Arbeiter zur gemeinsamen Vertretung ihrerJn- teressen nicht unbillig finden könne. Graf Bülow konnte mit der angenehmen Empfindung sich niAersetzen, daß es ihm gelungen war, manchen Stein des Anstoßes zu entfernen.
Minister Möller hatte nach dieser auch durch Wärme des Vortrags ausgezeichneten Darlegung einen schweren Stand. Seine lange, schon durch das modulationslose Organ etwas trockene Auseinandersetzung fand bei weitem nicht soviel Aufmerksamkeit. Den Schwerpunkt legte der Handelsminister darauf, daß der Entwurf die Möglichkeit eines neuen höchst schädigenden Generalausstan- des ganz erheblich vermindere, und daß die Behauptung, die Begrenzung der Arbeitszeit werde eine Verteuerung der Kohle heÄeiführen, eine ganz vage sei.
Abg. Dr. v. Heydebrand (k.) beantragte, die beiden Berggesetznovellen einer Kommission von 28 Mitgliedern zu überweisen.
Abg. Schiffer (ul.) glaubt annehmen zu müssen, daß der Streik die Regierung zur Einbringung des Gesetzes veranlaßt habe. Nach Ansicht seiner Freunde sei der Notstand nicht so dringend gewesen, daß der Streik gerechtfertigt gewesen wäre. Die Arbeitgeber würden jetzt fast rechtlos gegen den Arbeitnehmer. Die Arbeitnehmer haben beim Streik wenig Verant- wortlichkeitsgefühl gezeigt und der Vorwurf, daß die Zechenbesitzer nicht mit den Arbeitern verhandelt hätten, sei ungerechtfertigt; denn mit Ihren Arbeitern hätten sie wohl verhandeln wollen, nur nicht mit der Siebenerkommission. Die Negierung habe sich zu sehr auf die Seite der Arbeiter gestellt und dadurch die öffentliche Meinung für die Arbeiter mobil gemacht. Mit der Vorlage sei ein bedauerlicher Präzedenzfall geschaffen worden; man hätte besser warten sollen, bis man das ganze große Gebiet der Berggesetzgebimg einheitlich regeln konnte.
Abg. Hirsch-Berlin (fi. Vp.) erklärt, für seine Partei komme der Gesetzentwurf entschieden zu spät. Der Gesetzentwurf entspreche dem dringenden Bedürfnis einer halben Million von Bergarbeitern. Es handle sich hier um die einfachsten Fvrder- imgen der Sozialpolitik. Auch die Angst vor dem roten Gespenst sei unbegründet. Redner polemisiert gegen das Verhalten der Zechenbesitzer. Wir wollen nicht die einzelnen Berufsstände auseinanderreißen, sondern die Einigkeit und den Frieden zwischen allen Parteien aufiecht erhalten.
Abg. Dr. Spahn: Es komme gar nicht darauf an, ob die Untersuchungskommission erhebliche Mißstände zutagge gefördert habe, bei diesen Untersuchungen handle es sich nur um Verstöße gegen die bestehenden Gcffetze, gerade aber die bestehenden Gesetze seien unvollkommen. Von einer Einbuße des Staats an Autorität könne bei diesem gesetzgeberischen Vorgehen nicht die Rede sein Seine Partei habe vor allem die Ansicht vertreten, daß die achtstündige Schicht gesetzlich ftftgelegt werden müsse. Weiter sei erforderlich, daß von den Arbeitern selbst gewühlte Gruben- kontroleure der Bergwerksinspektion zur Seite ständen. Bedauerlich sei, daß dis Knappschaftsverhältnisse nicht gleichzeitig mit der Vorlage geregelt werden. Er hoffe, daß ein Gesetz zustande komme, das zum sozialen Frieden, zur Gesunderhaltung des Arbeiterstandes und zum Segen des Vaterlandes beitragen werde.
Ministerpräsident Graf v. Bülow svricht zunächst seine Befiiedigung darüber aus, daß die Vertreter^ aller Parteien die Möglichkeit einer Verständigung zwischen der Staatsregierung und ^-nn Harcse über die beiden Berggesetznovellen in Aussicht gestellt
haben. Umso größeren Wert lege er darauf, daß die Verständigung über die Gesetzentwürfe mit Unterstützung der konservativen Partei zustande komme. Weiter wendet sich der Ministerpräsident gegen den Vorwurf der Schwäche gegenüber der Regierung. Ohne das Eingreifen der Reg'-'rung werde der Streik mit seinen überaus schädlichen Folgen für die Industrie sicherlich nicht so rasch beendet worden und hätte vielleicht einen sehr.tumultuarischen Charakter angenommen. Wenn jetzt die Hoffnung der Bergarbeiter auf die Reformen nicht in Erfüllung gehe, dann sei er überzeugt, dann werde mancher christlicher Bergarbeiter zur Sozialdemokratie übergehen.
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Im Herrenhause protestierte gestern Präsident, Fürst zu Jnn-und Kntzphausen dagegen, daß bei der Einbringung der Berggesetznovellen die Kompetenz desHerrenhause s nicht gewahrt worden sei. Diese Entwürfe hättm zuerst dem Herrenhause vorgelegt werden müssen. Frhr. v. Manteuffel und Oberbürgermeister Becker erklären das Einverständnis ihrer Freunde mit den Beschwerden des Präsidenten über die Zurücksetzung des Herrenhauses.
In einer in Gelsenkirchen abgehaltenen Zentrumsversammlung erllärte Abg. Brust, das Zentrum befiiedige die Vorlage zur Berggesetznovelle nicht. Die Bestimmungen über das Verbot des Wagennullens seien unllar, die Strafe für Lieferung unreiner Kohle zu hoch. Das Zentrum werde die geheime Wahl der Arbeiterausschüsse nach dem Proportionalsvste»!. die gesetzliche Festlegung der Mitkontrolle durch die Beryarbeitei.- den Erlaß eines Stattits über die Befugnisse der Arbeiter-Ausschüsse und eine Verkürzung der Arbeitszeit auf allen Gruben verlangen. Der Gesetzentwurf über die Stillegung von Zechen habe keinen praktischen Wert.
Deutscher Reichstag.
(137. Sitzung vom 27. März 11 Uhr.)
Bei Anwesenheit von anfänglich nur 25 Abgeordneten wird die Beratung des Militär-Etats, Käpitel Artillerie- und Wasfenwesen sowie technische Institutionen der Artillerie fortgesetzt.
Abg. Zubeil (Soz.) kritisiert unter Berufung auf eine Broschüre des Hauptmanns a. D. Preuß die Zustände in den Artillerie - Werkstätten und Gewehrfabriken in Spandau. Es herrsche dort Material-Verschwendung und Bureaukratismus. Die einseitige militärische Leitung eigne sich nicht für solche Institutionen. Redner geht dann noch weiter auf die Verhältnisse in den Werkstätten ein. Besonders verletzend für die Arbeiter seien die Abzüge bei der Akkordarbeit. Die Wohlfahrtseinrichtnngen hätten nur einen bescheidenen Wert.
Abg. Becker-Köln (Ztr.'' polemisiert gegen den Vorredner. Berechtigte Wünsche der Arbeiter wolle auch das Zentrum erfüllen, aber nicht Unzuftiedenheit säen Die Sozialdemokraten wollten nur Arbefterstimmen für die WaUen etnfoncrcn. Redner plädiert dann für Aufbesserung der Werkmeister in Siegburg sowie einiger Angestellten-Gruppen.
Abg. Lucas (nl.) führt aus, die Verhältnssse, so wie er sie kenne, seien weder so schlimm, wie Zubeil sie darstelle, Noch seien die Arbefter so unzufiieden, aber die sozialpolitische Fürsorge der Verwaltungen der technischen Institutionen stehe doch noch nicht ganz auf der Höhe.
Generalleutnant Sixt von Arnim stellt für den nächsten Etat eine Gehaltsaufbesserung für die Werkmeister in Aussicht. Dann geht Redner rwch auf die neue Lohnordnung ein. Es sei im allgemeinen erst abzuwarten, wie dieselbe sich bewähre. Insoweit einzelne Kategorien einer Aufbesserung bedürften, werde dieselbe im nächsten Jahre erfolgen. Das Kapitel wird genehmigt. Der Rest der laufenden Ausgaben im Ordinarium wird debattelos nach den Beschlüssen der Kommission erledigt. An den einzelnen Ausgaben hat die Kommission eine Anzahl von Titeln im Gesamtbeträge von etwas über 41 Millionen zur Anschaffung von Waffen, zur Schaffung einer Reserve an Feldartillerie-Material usw. aus dem Extra-Ordinarium in das Ordinarium übertragen. Die Debatte über diese Umgestalttmg im Etat wird einstweilen vertagt. Zu den Forderungen selbst nimmt das Wort
Abg. Eickhoff (fr. Vp.) um über die neulichen Auseinanderfetzungen mit dem Abgeordneten Berrmer wegen der Monopolstellung der Firma Koupp und ihrer Bevorzugung vor anderen Firmen zurückzukommen. Herr Beumer habe neulich ganz ohne stichhaltigen Grund Angriffe gegen die Firma Ehrhardt imb die Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik in Düsseldorf gerichtet. Keinesfalls könne von einem widerrechtlichen Verkehr des Geheimrat Ehrhardt b^iehungsweise seiner Firma mit Angestellten der Firma Krupp gesprochen werden. Redner wiederholt zum Schluß, die Monopolstellung der Firma Krupp liege weder im militärischen, noch wirtschaftlichen noch politischem Interesse. Er bitte also die Regierung, dafür zu sorgen, daß nachträglich auch die Firma Ehrhardt in Konstantinopel zu ihrem Rechte komme.
Kriegsminister v. Einem widerspricht zunächst eine.Behauptung des Vorredners. Krupp habe inbezug auf die Militär- Verwaltung keinerlei Monopolstellung weder soweft es sich um Geschütze handle rwch sonstwie.
Abg. Beumer (nl.) hält entschieden die Behauptung aufrecht, daß die Firma Ehrhardt in unlauteren Beziehungen zu einem Angestellten der Firma Krupp gestanden habe. Redner geht auf b-tefc Angelegenheit weiter ausführlich ein.
Aba. Erzberger (Ztr.) betorrt, daß das Zentrum jedenfalls irgend eine Privat-Monopol-Stellung nicht wünsche. Eher als ein Privat-Mcmopol sei ein Staats-Monopol zu ertragen.
Kriegsminister v. Einem stellt noch ausdrücklich fest, die Heeresverwaltung habe von der Firma Ehrhardt bisher nur Probegeschütze bezogen, weiter nichts und diese Probegeschütze hätten sich allesamt nicht bewäbrt. Weiter legt der Minister dar, wie im Laufe der letzten Jahre die Preise für Geschütze und Munition zurückgegangen seien. In Bezug auf Geschützrohre habe Krupp allerdings eine Art tatsächlichen Monopols, denn er sei in der Lage, die Geschütze am besten herzustellen.
Abg. Singer (Soz.) erklärt, für seine Partei käme es nur darauf an, wo das Reich am besten mü> billigsten kaufe.
Kriegsminister v. Einem erwidert, bei der 15 Zentimeter- Haubitze, die nur durch Krupp bezogen werden könne, stabe Krupp den Preis - freiwillig herabgesetzt, als er durch maschinelle Verbesserungen und anderweite Umstände dazu in der Lage war.
Nach weiteren Bemerkungen der 9lbqg. E i ck h o s f und B e n - mer werden die Titel genehmigt porbebaltlich der Entscheidung über ihre Stellung entweder int ordentlichen Etat oder im Ertra-Ordinarium.
Es folgt der Etat für di? Expedition nach Ostafiert. Ohne zu debattieren, bewilligt mau den Etat.
Nunmehr geht das Haus zu der immer wieder zurück-


