Ausgabe 
28.2.1905 Drittes Blatt
 
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Es wird aber gewiß in seiner althergebrachten, von

gegen.

zwischen

bekannten jedenfalls in Stadt

bringeitb notwendige. Verbesserung des Beamten einckommens, tn» irmbctfycü durch Gewährung freier Dienstwohnung oder ange­messener Wohnungsgeldzuschässe in die Wege leiten werden.

Vereinsdiplomen, Ehccnbürgerbricfen zc. genugsam Manier vielen gefallen. Ein Kunstblatt ist es nicht, aber immerhin ein Blatt, das vielen Leuten und Land als Wandschmuck gefallen wird.

Ans und Lw'd.

Gießen, den 28. Februar 1905.

** Tagesordnung für d i e Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Donners- tag den 2. März 1905, n achmittags 4 Uhr pünkt- li ch: 1. Mitteilungen. 2. Baugestnb des Dr. Zinßer für die Goethcstraße neben der Iobanneskirche; hier: Dispens. 3. Baugesuch des I. H. Jhring für Landgraf Philipp-Platz 9; hier: Dispens. 4. Baugesuch des Johs. Prang für dieHamm- straße; hier: DiSpens. 5. Gesuch der Firma Büttner u. Damm um Erlaubnis zur Errichtung eines Backsteinmacherhänschens, tz. Desgleichen des H. W. Rinn. 7. Lagerung von Grab­steinen im Hewelsschen Vorgarten. 8. Abänderung des Flucht­linienplanes für das Gelände zwischen Mittelweg und Vete­rinärklinik. 9. Kauf mit E. £>. Müller Eheleuten. 10. Ver­pachtung von Gelände aus der Margarethenhütte. 11. Dis­position der Pumpenanlage für die Kläranlage. 12. Beschaffung eines Dampfkessels für die Kläranlage. 13. Lieferung von Zement für die Sielbauten. 14. Umänderung eines Schlacht­hauswagens zu einem Kranwagen. 15. Vorlage der Rech­nung und des Verwaltungsberichts für 1903. 16. Vorlage

** Die Fernsprechverbindungen

Orten, in denen Mcht-Fernjprechdienst abgehaltcn wird, können von den Fernsprechteilnehmern zur Nachtzeit sowohl zu Einzelgesprächen als auch zu Gesprächen im Abonnement benutzt werden. Ms Nachtzeit gelten, soweit nicht für ein­zelne' Orte etwas anderes bestimmt ist, die Stunden von

Aomrveihe zn Arrlin.

Berlin, 27. F-cbr.

Don 91 ? Uhr vormittags au versammelten sich in der Predigt- kncke die Mitglieder der Domgemeindc und die geladenen Gäste. Auch von den deutschen Fürsten waren zahlreiche erschienen. Es t orten ferner ein: der Reichskanzler, die Botschafter von Eng­land, Amerika und Oesterreich-Ungarn, die Gesandten von dessen, Sachsen, Braunschweig, Mecklenburg, Niederlande, Württemberg, der Hansestädte, Dänemark,^ der Schweiz und Bayerns, die Staatsminister und die Staatssekretäre, die Ritter des Ordens vom Schwarzen Adler, die Generale und Admirale, die Vertreter des hohen Adels. Als Vertreter der auswärtigen Kirchenvereinigungen narren anwesend: . Bischof Rippon-England, Präsident Heischmann aus Amerika, Stiftspropst Pauli aus Däne­mark, Kirchenpräsident Gubl aus der Schweiz, der Erzbischof von Upsala, der Bisckrof von Ehristiania, der Präsident des Oberkirchen- rcrtes Franz aus Oesterreich, lortn- mehrere Vertreter der Nieder­lande. Zusammen waren etwa 2000 Personen erschienen. In der Vorhalle versammelten sich der Kronprinz, die Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Laufes, die hier anwesenden Mit­glieder anderer deutscher fürstlicher Läufer, die Tomlmukom- mission, an der Spitze der Hausminister v. Wedel, die Dombau- verwaltung, an der Spitze der Dom bau meister Geheimrat Rasch do rf, das Tvmkirchenkollegium, die drei Hofprediger usw. Um 11 Uhr vormittags begannen die Glocken »des Domes zu läuten: gleichzeitig setzte das Geläut aller evangelischen Kirchen von Berlin, Eharlottcnburg und Schöneberg ein. Ter Kaif er und die Kai­serin erschienen und wurden von der Dombaukommission, der Dombauverwaltung und dem Tomkirchenkollegium empfangen. Der Kaiser nahm die SÄüssel aus den Händen des Lausministers v. Wedel entgegen und übergab ihn dem Oberhofprediger D. Dry­ander, der unter einem Segensspruch die Tür öffnete. Unter Vor­antritt zweier Herolde, unter Führung der Dombaukörperschaften, der Geistlichen und des großen Vortritts betrat das Kaiserpaar den Tom, während das Posaunenkorps das Halleluja aus Hän­delsMessias" erschallen ließ. Tann folgten der Kronprinz und bo3 königliche Haus.

Ter Zug bewegte sich durch die Trauungs- und Taufkirche nach der königlichen Empore gegenüber der Altarnische. Auf der Empore nahm das Kaiserpaar nebeneinander Platz: rechts vom Kaiser: Prinz Waldemar von Täncmark, die Herzogin von An­halt, der Großherzog von Sack-sen, die Erbpriuzessin von Hohen- zollern, der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz und Prinzessin Feodora von Schleswig: links von der Kaiserin: Prinz Con- naught, die Herzogin zu Schleswig, der Kronprinz, Prinzessin Reuß, der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, Prinzessin Alice von Schleswig, die Prinzen, die anderen anwesenden Fürstlich­keiten und die in besonderer Mission entsandten Vertreter. Der .Gottesdienst begann mit einem Psalmgesang des Domchors, be­gleitet vom Kosleckschen Bläserkorps. An den Psalm schloß sich unter Posaunenbegleitung der Gemeindegesang:Mein Gott in der Höh sei Ehr" an.

T-ann hielt Oberhofprediger T-ryander die Weiherede. Die Tvmtuppet wölbt sich über einen alten Altar, einer geweihten Stätte alter bedeutungsvoller Erimrerungen. Tie gewaltigen Gär­ungen unserer Zeit drängten nacy Neuem. Soll das Neue zum Heile gereichen, so möge uns erhalten bleiben der alle starke Glaube der großen Reformatormr, den auch unsere ü er Härten Kaiser bekannten.

Niederknieend svrach dann Tryander das Weihegebet. Tie amtierenden Geistlichen am Altar knieten gleichfalls nieder. Ter Kaiser mit der gesamten Gemeinde erhob sich. MendelssohnsEr­haben o Herr über alles Lob" folgte, von: Domchor vorgetragen. Nun brauste starker Orgelklang durch das Gotteshaus. Tas Te deum laudamus von der Gemeinde gesungen ertönte zur Orgel­begleitung. Hofprediger Ohly hielt die Liturgie. Von großer -Wirkung war der Vortrag der Bastschen MotetteSinget dem Herrn ein neues Lied" durch den Tomchor. Tann ertönte Ge­meindegesang: LuthersEin feste Burg ist unser Gott." Hof- prediger Kritzinger betrat die Kanzel und predigte im An­schluß an das Wort aus Moses:Tas ist der Brunnen, davon der Herr zu Mose sagt: Sammle das Volk, ich will ihm Wasser geben." Nachdem die Gemeinde die Schlußstrophe des Luther­liedes gesungen hatte, hielt Hofprediger Schniewind die Schluß­liturgie, Gebet und Vaterunser. Tie Gemeinde mrd der Tomchor vereinigten sich nunmehr zu dem alten KirchenliedeNun danket alle Gott". Während wiederum Glocken aller evangelischen Kirchen läuteten und während das Orgelspiel anhob, verließ das Kaiser- vaar die Loge.

Tie Kaiserin fuhr, und der Kaiser ging nach dem Vorbei­märsche. der Ehrenkompagnie zum Schlosse zurück. Tort empfing das Kaiserpaar um 2V2 Uhr die zur Einweihung des neuen Toms entsandten Vertreter auswärtiger Souveräne, sowie die Botschafter und Gesandten derjenigen Staaten, aus welchen Vertreter der ver­schiedenen vrotestantischen Gemeinden eingetroffen sind, diese Ver­treter selbst und die Vertreter der deutschen evangelischen Kirchen- re gierungen.

Anläßlich der Einweihung des Tomes wurde eine Reihe von Aus Zeichnungen verliehen, u. <r.: Professor A. v. Werner wurde zum Rat e r st e r K l a s s e (mit dem TitelErzellenz" ?) ernannt, Prof. Raschdorff der Äeltere zum Rat zweiter Klasse, Prof. Raschdorff der Jüngere zum Oberregierungsrat. Ter Kaiser hat eine Denkmünze schlagen lassen. Ter Tom wurde iur Besichtigung des Publikums geöffnet.

Heute abend fand bei den Majestäten aus Anlaß der Ein-. Weihung des Tomes Galatafel statt, zu der alle hervor ragerr- den Persönlichkeiten, die der Domfeier beigewohnt hatten, geladen waren. Ter Kaiser saß rechts von der Kaiserin, ihm gegenüber der Reichskanzler.

TieNorddeutsche" veröffentlicht den Wortlaut der Adresse, die zur Dombaufeier von hervorragenden Geist­lichen der Vereinigten Staaten von Amerika durch Vermittelung des deutschen Botschafters an den Kaiser und die Tvmgeistlichkeit gesandt worden ist. Tie Adresse spricht die acht­ungsvollen und brüderlichen Grüße an affe Kinder der glor­reichen Reformation in Deutschland wie anderswo aus und schließt mit der Bitte zu Gott, daß der Thron des Teutschen Kaisers fest­stehen möge in den großen Wahrheiten der Reformation:welche vor Alters mit Blut besiegelt wurden zum Ruhme Gottes und zur Aufrichtung seines Reiches unter den Menschen."

der Rechnung de§ Gas- und Wasserwerks für 1903. 174 Vor­lage der Rechnung des Elektrizitätswerkes. 18. Jugendfest 1904; hier: Rechnungsstellung. 19. Voranschlag des Gas­werks für 1905. 20. Voranschlag des Wasserwerks. 21. Vor­anschlag des Elektrizitätswerks. 22. Voranschlag des Polizei­amts. 23. Voranschlag des Stadterweiterungsfonds. 24. Be­schaffung von Räumen für die Bürgermeisterei. 25. Gesuch des Oberhessischen Geschichtsvereins dahier um Ueberlassung einiger gelegentlich der Kanalisationsarbeiten gefundener Eichen- stüinme. 26. Droschkentarif für Fahrten nach dem Braun- steinbergwerk. 27. Die Leseholznutzung in den Stadtwaldungen 28. Gesuch des Wilhelm Schmid dahier um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Löwengasse 2. 29. Desgleichen

des Peter Waterkanw dahier für die Steinstraße 76. 30. Des­gleichen des A. Zipp dahier für die Frankftirterstraße 36. 31. Desgleichen des A. Simeth dahier für die Walltor­straße 24. 32. Gesuch der Witwe Eva Graf dahier um

Erlaubnis zum Branntweinverkauf im Hause Landgraf Philipp- Platz Nr. 8. 33. Gesuch des Gustav Adolf Müller dahier

um Erlaubnis zum Wirtschastsbetrieb im Hause Bahnhof­straße 34.

" Ein Votivblatt aus Anlaß der Vermählung Sr. Kgl. Hoheit des Groß Herzogs ist uns von dem Direktor des Polytechnischen Instituts in Friedberg überreicht worden. Herr Direktor Schmidt teilt uns mit, daß sich bei Durch­führung des Entwurfes mehrere Künstler zur gemeinsamen Arbeit vereinigten, einen billigen Zimmerschmuek für Hütte und Haus zu schaffen. Das Großh. Hofmarschattamt wie der Großh. Kabinettsvorstand hätten dieses Bild an höchster Stelle vorgelegt und dort hiermit eine sympathische Aufnahme gefunden. Man sieht es dem Blatte an, das; mehrere Köpfe und Hände an dem Blatte fleißig gewesen sind. Es bildet eine Zusammenstellung von verschiedenen. Figuren-u. a. Gruppen, zeigt das Großherzogspaar, die Schlösser zu Darm­stadt und Lich und noch manches andere, entbehrt aber der Einheitlichkeit, und der Blick des Beschauers irrt unstät von Gruppe zu Gruppe, ohne einen Ruhepunkt zu fintiert. Dem Kunstgeschmack unseres Großherzogs, der sich neuerdings wieder ans den wundervollen, in verschiedenen Zeitschriften reproduzierten Menukarten zum Hochzeitsfeste offenbarte und zu der edlen Strenge der Präraphaeliten und Sienesen hin­neigt, kommt das Friedberger Votivblatt jedenfalls nicht ent-

9 Uhr nachmittags bis 8 Uhr vormittags.

** Nach Berlin. Vom 1. Mai ab wird, wie man hört, eine weitere D-Zug-Verbindung von Frankfurt nach Berlin eingestellt werden. Der um 5 Uhr 45 Min. in Frankfurt von Basel eintreffende D-Zug 41 a soll dort um 6 Uhr nach Berlin weiter gehen und zwar über Gießen und Nordhausen.

** Eine Münzkuriosität. Die in Nr. 48 er­wähnte Abweichung bemerkt man auch auf den preußischeu Jubiläumsmünzen vom Fahre 1901. Der Grund ift, so schreibt mau uns, unschwer zu erraten. Jubilüumsmünzen werden nur an einer bestimmten Münzstätte geprägt; ein besonderes Münzzeichcn ist also überflüssig;

(-H Lollar, 26. Febr. Die hiesige Bürgergesellschaft hält am Samstag dem 4. März, abends 8 Uhr, im Saale derGermania^ eine Kappensitzung ab, verbunden mit Konzert und komischen Vorträgen. Bei dieser Gelegenheit soll auch eineKreppelzeitung" herausgegeben werden.

-f- Weiters ha in, 27. Febr. Wegen der Weiter­führung der Bahnstrecke Marburg Ebsd 0 rfer - Grund Dreihausen fand dieser Tage hier eine Ver­sammlung der interessierten Gemeinden Atzenhain, Bernsfeld, Weitershain, Rüddingshausen, Wermertshausen u. a. statt. Auch die preußischen Orte des Ebsdorser Grundes sind sehr für die Fortführung der Bahn und zwar nach Station Mücke an der Strecke GießenFulda. Es hat sich ein Bahnkomitee gebildet. Die Strecke MarburgDreihausen soll am 1. April eröffnet iverden.

§ Friedb erg, 26. Febr. Dieser Tage fand die Ent­lassung der Zöglinge Ib-Klasse des Lehrerseminars in Anwesenheit des Geh. Oberschulrats Scheuermann statt. 25 Schulamtskandidaten kamen zur Entlassung. Die la-Klasse ging am 28. Januar ab.

(!) Friedberg, 27. Febr. Auf Anregung des Ver­bandes der Geflügelzuchtvereine Oberhessens fand gestern nachmittag im HotelDrei Schwerter" eine Versammlung statt, welche die seit einiger Zeit vorbereitete Gründung einerO b e r h e s s i s ch e n G e f l ü g e l - V e r w ertungs- genoss en schäft in Friedberg" bezweckte. Die Ver­handlungen wurden von Oekonomierai S ch lenke -Fried­berg geleitet und war aus allen Teilen Oberhessens be­sucht. Oekonomie-Rat Schlenke wies auf die Bedeutung des Unternehmens hin: zunächst ein finanzieller Vorteil für den Einzelnen, dann ein allgemeiner, da mau bestrebt ist, den Fleischbedarf zu erhöhen, um die Zufuhr aus dem Ausland zu verringnern. Direktor Dir. v. Peter wünsckst die Gründung mit einer kleinen Anzahl Genossen zu be­ginnen; das Geflügel soll aus dem Auslande bezogen wer­den. In Friedberg soll eine Mastanstalt zu stände kom­men, zu welchem Zwecke das besteheude Anwesen ztvischen Friedberg rtmd Bad-Nauheim angekauft werden soll. Als Grund dafür, daß die Anstalt nach Friedberg kommen soll, führt Oekonomierat Schlenke an, daß Friedberg durch seine Lage mitten in der Wetterau, gute Post- und Bahnverbind­ung und die Nähe Frankfurts, Homburgs und Bad-Nau- Heims der.Geeignetste Ort sei. Der Ziveck des Unterneh­mens ist: 1. Hebung -der landwirtschaftlichen Geflügelzucht durch eine Zucht- und Mastanstalt; 2. Verkauf aller Pro­dukte der Gesiiiaelzucht und Errichtung von Eier-Sammel- Verkauss^ell^n; 3/Verkauf von in der Anstalt selbst er­zeug, en G'N'^ -ivrooukteu (Obst und Gemüse). Der Geschäfts­anteil der lieber ist auf nur 50 Mr. festgesetzt, womit eine Haftsumme von 100 Mk. verbunden ist, die jedoch nicht eingezahlt wird. Nachdem die Gründung der 0>cnossenschaft enbgütig vollzogen war, fand die Wahl des Vorstandes statt. Durch Artlamation wurden gewählt: Oekonomierat Schlenke-Friedberg, Wrtnhändlcr S ca w au - G i e ß e n und Gutspächter Vorne mal .l-Obbornhofen.

vevnrrschtes.

* Großfürst Sergius und seine Schwester, die in Tegernsee heimisch gewordene verwitlvete Herzogin, Marie von Koburg und Gotha, standen unter den. Kindern Alexanders II. int Alter einander am nächstem und sie haben sich auch von jeher Liebe und Zuneigung be­wahrt. Der sonst sehr wilde Sergius machte stch ein Vergnügen daraus, ber ritterliche Begleiter seiner um breieinhal'b Jahre älteren Schwester zu fein, und die Trenn­ung bei ihrer Verhcirartmg mit dem Herzog von Edinburg war ihm sehr schmerzlich. Sechs Jahre nach ihrer Ver­heiratung fügte es ein Zufall, daß Kaiser Alexanders II. einzige T 0 ch't e r ihren Bruder vor dem Zorn des Vaters behüten, gleichzeitig aber auch sich uud die ganze Fa­nt ilie vor einer furchtbaren Katastrophe retten konnte, dies freilich unbewußt. Es war eines Abends, im Februar 1880, die Kaiserin Maria krank und Alexander II. verdüstert; war er doch soeben einem E i f e n b a h n a 11 e n - tat bei Moskau entronnen, der Polizeichef von Petersburg auf offener Straße ermordet worden, des Kaisers Jüngster, Sergius, aber durch irgend einen Strich in Ungnade bei dem gereizten Vater. Dia Anwesenheit seiner, aus England zu Besuch gekommenen Tochter ver­mochte den Zare,.: nur wenig zu erheitern. Man war tut Begriff,:zur Abendtafel zu gehen, als dem Katwr gemeldet wurde, der Großfürst Sergius fehle noch. )llexander II., dem jeder Verstoß gegen die Hausordnung als Achtungs- ticrlcinmg u nd Auflehnung erschien, wurde wütend. Mit Unheil verkündender Miene befahl er, daß- auf seinen Sohn nicht gewartet iverden solle und gab seiner Tochter, die an Stelle der kranken Kaiserin als' .Hausfrau repräsenrterte> den Arm. Da gelang es der Herzogin, ihr Spihentaschen- tnch in einer Azalee zu verbergen, die als Kübelpflanze im Zimmer stand.' Bis das Tüchtein gesucht und gefunden war, entstand ein Äufenchalt und Großfürst Sergius er­schien inzwischen, um noch rechtzeitig seinen Platz in dem Zuge einzunehmen, der sich durch die Galerie nach dem Speisesaal begeben wollte. Allein der Weg dahin wurde nicht mehr zurückgelegt. Eine furchtbare Explosion erschütterte das Winterpalais in seinen Grundfesten, Angst­geschrei ertönte und der Speisesaal sank in Trüm­mer. Das Dynamit war gerade inrtcr den Eßrtsch ge­legt worden und flog in dem richtig berechneten Augenblick auf. Die schwesterliche Liebe und Besorgnis um den Bruder hatte der Herzogin und ihren Angehörigen dos Leben ge­rettet. Die Nachricht von dem schrecklichen Ende ihres Bm- ders hatte die Herzogin jetzt in Südfrankreich erhaltem Sie verließ Schloß Fabron bei Nizza sofort und reiste in Eile nach Moskau. Jetzt weilt sie in Petersburg.

Ilniverfitäts-'Nachrichlen.

Studentinnen der Medizin sind in Bayern reckt nn an genehmen Nebcrraschungcn ausgesetzt. Zwei an ber Universität München immatrikulierte junge Damen hatten^ ftck unter Vorlage aller nötigen Zeugnisse beim Vorsitzenden dec arzv- licherl Prüfungskommission, Geh. Rat v. Voit, gemeldet, der die Gesucke prüfte und annahm Nach einigen Tagen crmclten btt beiden Studentinnen jedoch eine ministerielle Mitteilung, sie seien nach beit für die Studentinnen geltenden reichgeietzllchien Bestimmungen auf Grund ihrer Absolutorml-Zmgnisse in Alvern nicht zur Prüfung zugelassen. Tatlächlick haben die beuten Damen in Karlsruhe eine höhere M ädeben - An st alt ab 1 Gintert. Die zwar in Baden zum lieber tritt an die Hochschule berechtigt gleich! cinmt Abfolutorialzeugnis eines humanistischen Gymnasiums, je­doch schreiben die bayeruch-en Bestimmungen zur Immatrikulation yon Stndmtinnen und deren Zulassung zu den Examina, das Absolutorium einer ausdrücklich von der Meichsbehörde als voll­wertig anerkannten Mädchen-Bildungsanstalt vor. Tas Karls­ruher Mädckenghmnasium sollte diese Anerkennung sich zu ver­schaffen trachten. Im übrigen ist es unverständlich, ime man bann außerbayerifche Studentinnen immatrikuliert in Bayern, ohne ihnen zu sagen, daß sie dow keine Eramiua machen können.

(HeriÄtssaal.

Dresden, 26. Febr. Em wahres Genie auf dem.Aebiek des G run dstü cks - und H y pvt heken f chw in b els ist der ehemalige Leutnant bei einem Berliner Garde-Kavalle­rie-R'e g i m c u t, Freiherr Rudolf von Grabow.aus Neuport. Er ist der Sohn eines Legationsrates. Wegen eines Sturzes vom Pferde mußte er 1897 den Tienft verlassen. und war nun völlig auf die Unterstützung 1 eines Vaters angewicien. Trotzdem verheiratete er sich mit einem zwar hulychen, aber armen Mädchen, und allerlei kleine Schwindeleien 1 ollen schmr damals ihn um die Unterstützung durch seinen Vater gebracht haben, der sich schließlich gänzlich von ihm lossagte. Um ferne Finanzen auszubesseru, fuhr er iu dieser schwierigen Lage nach Monte Carlo, und er hatte hier tatsächlich das wltene Glück, etwa 70000 Mark zu gewinnen die,durch grosse Regen und flottes Leben jedoch bald wieder verpufft waren. Nachdem auch ein Versuch misslungen war, sich durch den vorgespiegelten. Selbstmord seiner Frau in Besitz der väterlichen Hinterlasseisschaft zu setzen, entdeckte der Freiherr unter dem Truck der abermals hereinbrechenden Misere sein eichmtliches Talent. Er ging wieder nach Berlin, wo er mit dem Kaufmann Ernst H. Richard Hilde- brandt aus Magdeburg-Buckau bekannt wurde. Tiefer war der Sohn eines Äpothekerrbesitzers, hatte aber bereits dreimal ben Offenbarungseid geleistet und war unter bic Geld-Agenten gegangen, seit er selber sich vor Schulden nicht retten konnte. Dieser Hildebrand lvurde sehr bald der eigentliche Techniker, der von dem alten Adel des Freiherrn gedeckten Schwindelgeschäfte. Er brachte es nach kurzer Zeit zumGeneralbevollmächtigten d-s Ic&tercn, und beide sollen allein seit 1902 in den ver­schiedensten Gegenden des Reiches Rittergsiter, Häuser und Grund­stücke usw. unter betrügerischen Vorspiegelungen gekauft und zum Schaden der ehemaligen Besitzer schnell wieder losgefchlagen baben. T'er freiherrliche Name diente dabei als Lockmittel. Bei diesen Geschäften halfen der Kanftnann und Agent Scheibe aus Lcwzrg und der Bonspekulanl Fitzuer ans Dresden.

hier auf öffentlicher Straße gepfändet wegen einer chntd, trotzdem aber als schwer reicher Kavalier austrat, (ä-etne ?yrau ist in der Uuterinchnngshaft an den Folgen eines,Kindbettes ge­storben. Wie sich aus der weiteren Beweisausnahme ergwt, arbeiteten die Angeklagten bei ihren Wechsrtschwmdeleien naüS folgendem Schema: Suchte jemand durch Inserat Geld gegen Akzent, so empfahlen die Genossen des FrmHerrn diesen. T>re Gkibiurfyr hatten dann Gegenakzepte auszustellen, die sofort ver­silbert wurden, während die freiherrlichen Akzepte wertlos waren. Sie betrogen derart einen Landrat v. Platho um 20 000 Mari. Frbr. v. Grabow wurde zu 5 Jahren, Hildebrandt zu 7 Jahren Gefängnis und beide zu 5 Jahren Ehrverlust benirtetft. Jedem lvurde ein Jahr Untersuchungshaft angerechnet. Fitzner und Sckeibe mürben jed^r zu 10 Monaten Gefängnis und einem Jahre Ehrverlust verurteilt.

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