Ausgabe 
4.5.1905 Erstes Blatt
 
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gezogener junger Mann, dessen Geist sich vor einigen Tagen plötzlich umnachtete, entfernte sich gestern abend barfuß aus einer Wohnung in der Richtung nach Großen-Linden. Der dem Kranken in Zivil nachgesandte Schutzmann traf ihn am Walde hinter Klein-Linden in einer Wiese, wo er übernachten wollte. Alle gütliche Versuche, ihn zum Mitgehen nach Gießen zu bewegen, blieben ohne Erfolg, so daß ein Wagen mit zwei weiteren Schutzmännern von der Stadt requiriert und der Bedauernswerte unter Anwendung von Gewalt in die psychiatrische Klinik gebracht werden mußte.

* Impfung. Vor einigen Tagen wurden wieder etwa 50 ausländische Arbeiter von den Arbeitsstellen abgeholt und zur Impfung dem Großh. Kreisarzt im Polizei- gebäude vorgeführt.

** Schlaf st ellen-Revision. Gestern fand eine poli­zeiliche Revision in Bezug auf Raum- und Reinlichkeitsver­hältnisse derjenigen Schlafraume statt, in denen fremdländische Arbeiter logieren. Der Befund war im Ganzen gut.

Gin Milchkrieq in Gotha. Sehr bemerkenswert ist für uns in Gießen folgende Meldung: Zwischen den Hausfrauen in Gotha und den Landwirten war ein heißer Kampf entbrannt. Die Dampfmolkerei der Stadt, die von mehreren großen Land­wirten gemeinsam betrieben wird, erhöhte den Milchpreis zuerst von 16 auf 18, dann von 18 auf 20 Pfennig. Dre Haus­frauen p r o t e st i e r t e n dagegen, agitierten von Haus zu Hau? und in der lokalen Presse, was den Erfolg hatte, daß neue Händler Milch für 16 und 18 Pfennig nach Gotha brachten, so daß dw Dampfmolkerei 60 pCt. ihrer Kunden verlor und schließlich den alte»! Milchpreis von 18 Pfennig wieder an- setzen mutzte. Die Hausfrauen haben also gefregtll!

Friedberg, 3. Mai. Der Bürgermeister hat im Namen der Stadt und deren Bürgerschaft die allgemeine Entrüstung über den Steinwurs ins Großh. Automobil, der diirch einen Jungen unvorsichtigerweise verübt worden ist, dem Großherzogspaar telegraphisch zum Ausdruck gebracht.

tWrffonett über 300 Personen getötet und verwundet wor­den. Die Zahl der Verstorbenen scheint im Ganzen mit

Snb'^tourbcn am 2. d. M. vierPersonenae tötet. An Oberschutzmann wurde durch vier Revolverschüssc von unbekannten Tätern tödlich verletzt.

In Kalisch wurden am 3. d. M. drei Israeliten ver­gastet. bei denen Proklamationen, Schußwaffen, Patronen imb rote Fahnen gefunden wurden. Die Stadttore sind geschlossen. Die Patrouillen, welche die Stadt durchziehen, werden mit Sternen geworfen.

In Moskau begann am Dienstag eine große Volks­menge auf dem Petrowski-Boulevard ein Restaurant zu zerstören, in welches sich der Revierausseher Alexejew, der einen Schlag ins Gesicht erhalten hatte, zurückgezogen hatte, indem er die Menge mit blanker Waffe abwehrte. Die Menge warf die Scheiben ein und hob die Türen aus. Die Gäste des Restaurants flüchteten in wilder Flucht. Berittene Gendarmen stellten die Ordnung wieder her. Alexejew hat sich heute erschossen.

Wie aus Sewastopol telegraphirt wird, kam es dort «ährend der Osterfeiertage zu schweren Ausschreitungen von Soldaten. Betrunkene Soldaten drangen in die Häuser ein und demolierten alles, was nicht niet- und nagelfest war. Da die Miltär-Patrouille nicht im Stande war, die Ruhe­störer zu beschwichtigen, wurde Polizei zu Hilfe gerufen, aber auch die konnte nichts auSrichten. Schließlich ließ der führende Offizier auf die Revoltierenden Feuer geben, wobei nehrere Soldaten verwundet wurden, die übrigen ergriffen die Flucht.

Schließlich meldet aus Tiflis vom 3. Mai die PeterSb. Lelegr.-Ag.: Als sich Kosaken, die in dem Dorfe Saraconi einen gewiffen Dimitri Gheta, einen bekannten Agitator, ver­haften wollten, dem Hause näherten, in dem sich Gheta mit mehreren Begleitern aushielt, wurden sie, wie der Gouverneur -on KutaiS meldet, mit Gewehrschüssen empfangen. Die Kosaken machten ebenfalls von der Waffe Gebrauch. Gheta wurde getötet, seine Begleiter entkamen.

ments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, daS Kom­turkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen verliehen. Der Krankenpflegerin des Alice- Frauenvereins für Krankenpflege im Großherzogtum Hessen, Schwester Eva Erbes zu Gali-Odernheim wurde das gol­dene Tienstauszeichnungskreuz für Krankenpflege verliehen.

R -B Zur Lotteri e fra ge. Die Behauptung, daß der preußische Minister v. Rheinbaben am Dienstag nach Darmstadt kommen und dort die Unterzeichnung des Staats­vertrags mit der hessischen Regierung in Betreff der Lotterie- Vereinbarung vollziehen würde, hat sich nicht bestätigt. Bezüglich des Lotterieabkommens selber sind während der letzten Wochen zahlreiche Angaben gemacht worden, die nahezu sämtlich auf müssigen Kombinationen beruhen. Wie wir zu­verlässig mitteilen können, sind die beiderstaatlichen Unter­händler kurz vor Ostern noch einmal zusammengetreten und haben eingehende Beratung über die näheren Bestimmungen des Vertrages gepflogen. Die Unterhändler glauben auch eine Grundlage gefunden zu haben, aus welcher die preußische Ne­gierung mit Heffen, resp. den Vertragsstaaten die neue Ver­tragsvereinbarung zum Abschluß bringen kann. Dabei sind, wie wir erwähnen wollen, von Preußen noch mancherlei Zugeständnisse gemacht worden, Zugeständniffe nicht un­wesentlicher Art, die unter den gegebenen Verhältniffen für Hessen von Wert sind. Die preußischen Unterhändler mußten hierbei allerdings die Frage offen lassen, ob seitens der preußischen Regierung auch die neueren Vorschläge acceptirt werden würden. Geschieht dies, so ist der definitive Vertrags­abschluß für Anfang nächster Woche zu erwarten, da Herr v. Rheinbaben Ende dieser Woche nach Berlin zurückkehrt und alsdann nach nochmaliger Durchsicht der Vertragsgrundlage sofort seine Entscheidung zu treffen gedenkt.

Das Großherzogliche Paar wird sich nach dem R. H. Vbl." demnächst zum Sommeraufenthalt nach Schloß Hem mel mark begeben, wo auch Prinz und Prinzessin Heinrich eintreffen. Der Zeitpunkt der Abreise der Groß­herzoglichen Herrschaften ist noch nicht festgesetzt, und es ist noch unbestimmt, ob der Besuch beim Prinzen Heinrich in nächster Zeit schon erfolgt, oder erst nach der Hochzeits- feier des deutschen Kronprinzen, zu welcher der Groß­herzog und die Großherzogin nach Berlin reifen werden. Auf Schloß Hemmelmark wird ferner auch Großfürstin Sergius von Rußland erwartet.

- Ein Schillerkommers wird in Ergänzung des Programms für die hier geplanten Schillerfeiern nächsten Samstag abend 9 Uhr von der Studentenschaft im Neuen Saalbau veranstaltet. Die Spitzen der Behörden und die Stadtvertretung sind dazu eingeladen worden.

^Gewerbe-Polizei. In der letzten Zeit haben wiederkehrende Revisionen der Bäckereien, der Gast- und Schankwirtschaften bezüglich der Beschäftigung von Gehilfen und Lehrlingen, ferner der Steinbrüche und Sandgruben so­wie der Backsteinbrennereien in der Stadt und der Gemarkung stattgefunden.

Ein Geisteskranker. Ein von auswärts zu-

Kunst und Wissenschaft.

Mainz, 3. Mai. Die Stadt Mainz hat kürzlich ein Kolossal-Gemälde für unsere Gemäldesammlung im kurfürstlichen Schlosse erworben. Das Gemälde ist von dem berühmten Maler Proft W i l l r o i t e r in Müncksen und betitelt sich:Nach der Sündfluth". Die Stadt hat das im- qemein stimmungsvolle Gemälde imi den billigen Preis von 8000 Mark erworben. Das Pendant zu diesem GemäldeVor bei Sündfluth" befindet sich in der Pinakothek in München. Das Ge» mälde, welches über 5 Steter breit ist und sich bereits im Müsens

parlamentarisches.

RB. Darmstadt, 3. Mai. Der Sonderausschuß für die Komunalsteuerreform hielt gestern und heute zwei lange Sitzungen ab, die sich hinsichtlich des Ergebnisses der Beratung diametral gegenüberstehen. Während es gestern zu lebhaften Debatten zwischen den Ausschußmitgliedem selber kam und dabei so starke Gegensätze zu Tage traten, daß mau nahezu hoffnungslos auSeinanderging Herr Ulrich hatte seinem Blatte sogar mitgeteilt, daß die Vorlage als ge­scheitert zu betrachten sei, fanden sich in der heutigen gemeinschaftlich mit der Regierung abgehaltenen Sitzung die Gemüter wieder soweit zusammen, daß man in wenigen weiteren Sitzungen, vielleicht schon am Schluffe der Woche, mit der Beratung der Vorlage überhaupt zum Abschluß zu kommen gedenkt. Die Hauptdisserenz drehte sich um die Frage der Grundprinzipien für die Gewerbesteuer. Die Regierung hat bekanntlich vorgeschlagen, die Veranlagung zu derselben auf dem Betriebskapital zu basieren, wie das z. B. auch in Baden der Fall ist. Dagegen wurde im Aus» schuß scharfer Widerspruch erhoben und befürwortet, daß auch andere Faktoren, ähnlich wie in Preußen, das Bruttoer- trägniS re. mit herangezogen werden sollten. Nachdem aber heute Finanzminister Dr. Gnauth in eingehender Weise die Gründe für die Stellung der Regierung zu dieser Frage näher dargelegt und die sich bei einem noch komplizierteren Besteuerungsmodus ergebenden Mißstände geschildert, brach sich mehr und mehr die Ueberzeugung Bahn, daß die Heran­ziehung deS Erträgniffes kaum durchzuführen sein würde. Ein weiterer schwerwiegender Differenzvunkt betrifft Art. 11 der Vorlage, von welchem man befürchtet, daß die Einschätzung zu ausschließlich m die Hand der Einschätzungskommission gegeben werden würde. Nach der heutigen Aussprache darf man aber die Erwarten hegen, daß die noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten des Ausschuß.s mit der Regierung im Laufe der nächsten Sitzungen ausgeglichen und der Gesetzentwurf für die Plenarberatung sertiggestellt werden kann. Wenn nicht neue, unvorhergesehene Zwischen­fälle eintreten und die Beratung verzögern, hofft der Bericht­erstatter, Abg. Dr. Gutfleisch, seinen bei der Wichtigkeit der umfangreichen Materie natürlich starke Schwierigkeiten ver­ursachenden Bericht bereits in etwa 14 Tagen im Druck fertig gestellt zu sehen.

Berlin, 3. Mai. Man rechnet in den maßgebenden Kreisen damit, daß der Reichstag spätestens am 30. Mai geschloffen oder vertagt wird. Ob man ihn schließen oder vertagen wird, hängt im wesentlichen davon ab, wie die Militärpensionsgesetze in der Butgetkommission des Reichs­tages gefördert sein werden.

Eine Jäger ft atue des Kaisers soll demnächst un- weit des Jagdschlosses 9t om in t en zur Aufstellung gelangen. Sie. ist von dem Bildhauer Norbert Pfretzschmer geschaffen und die erste die den Kaiser als Weidmann darstellt. Der Künstler hat Den? Moment wahrgenommen, wie der Jaqdherr, die Saufeder über ote rechte Schulter gelegt, einen Keiler betrachtet, den er soeben nach weidmännischem Brauch eigenhändig abgefangen hat.

' Die Geni ckstarre. Aus Zamislau, Sohrau ZaboM und anderen oberschlessischeu Ortschaften werden neue Falle von Genickstarre gemeldet. Im Kreise Rybuit find bisher 60 Falle zur Anmeldung gelangt, von denen 18 tätlich verliefen. In Königshütte sind am 1. Mai fünf Kinder an Genickstarre erkrankt. Im städtischen Krankenhause zu Beuthen befinden sich gegemvarttg noch 22 erkrankte Personen. In Frankfur t g. M. find in den letzten zwei Tagen zwei an Genickstarre erkrankt und gestorben. In Preusisch-Hörnecke sind drei m Groningen am Harz ein Fall von Genickstarre festgestellt worden. In dem oberfränkische Dorfe Trosdorf unwett Bamberg starb ew Mädchen nach einwöchigem Kranksein nn Genickstarre.

Aus Stadt Md Amd.

Gießen, 4. Mai 1905.

** Auszeichnungen. Se. Königs. Hoh. der Groß- herzog haben am 3. Mai ds. Js dem Obersten z. D. v. Graevenitz, seither Kommandeur des Infanterie-Regi-

Heute fand die Fortsetzung statt in der Kirche der Ber­liner Stadtmission. Nach einem Gebet begrüßte Graf Hohenthal, der Vorsitzende des landeskirchlichen 'Aus- chusses, die Erschienenen. Es gelte Stellung zu nehmen gegen die Angriffe, die den Glauben der Gemeinden um­zustürzen bestrebt sind. Man habe so viel zu tun. Er er­innere nur an die evangelische Volksschule, an den Reli­gionsunterricht in den höheren Schulen, ent die Gefahr der Verflachung durch Massentaufen und Massenkonfir­mationen in den größeren Städten. (Sehr wahr!) Aber man habe das alles zurückgestellt. Vorläufig handele es ich nur um den einen Kern- und Brennpunkt: Schutz und Trotz des Evangeliums gegen die jüngsten Angriffe. (Beif.)

Ms erster Redner ergriff das Wort Professor Dr. Lütgert-Halle a. d. S. Er behandelte das Thema Christentum und Theologie". Er verbreitete sich ausführlich über die Gottheit Jesu, die von Pastor Fischer in Frage gestellt werde. Die Verehrung eines ge­nialen Menschen ist nicht die Vorstufe zu einer Verehrung- Gottes, sondern deren Gegensatz. Jesus ist kein fremder Körper, der sich zwischen Gott und die Menschen gedrängt hat. Jesus ist Gott. Wer ihn anbetet und nicht an eine Gottessohnschaft glaubt, begeht eine Sünde. (Zustimmung.) Wir bemerken auf die ganze moderne Christologie: es ist uns nicht genug das Bekenntnis, daß Jesus ein mächtiger Mensch war, sondern uns genügt nur das eine Bekenntnis, daß er die 'Allmacht ist. (Großer Beifall.)

Nach weiteren Reden wurde folgender Antrag des landeskirchlichen Ausschusses verteilt:

Die am 3. Mai 1905 in Berlin tagende landeskirch­liche Versammlung wählt einen Ausschuß aus ihrer Mitte und beauftragt denselben, auch künftig sich in geeigneter Weise zum Aufbau der Landeskirche zu betätigen, mit wachsamem Auge alle den Bestand der Landeskirche ge­fährdenden Vorgänge auf dem ganzen Gebiete der Oeffent- iicf)feit zu verfolgen, auf Vorbereitung und Einberufung von Versammlungen bedacht zu sein und zu diesem Behufe sich im Bedarfsfälle durch Zuwahl geeigneter Männer zu erweitern."

Ein Vortrag des Pastors Wolff gipfelte in folgender Resolution:

Die zum 3. Mai 1905 nach Berlin Berufene landes- kirchliche Versammlung sieht in Uebereinstimmnng mit dem Bekenntnis ihrer Kirche auf dem Boden der gött­lichen Offenbarung heiliger Schriften und auf dem Glau­bensgrunde der Gottheit Christi, des für uns gekreuzigten und auferstandenen Heilandes."

Mit Schmerz wird festgestellt, daß Irrlehren auf Katheder und Kanzel geduldet werden. Zum Schluß wird verlangt, daß bei der Besetzung von theo­logischen Professuren neben der wissenschaftlichen Befähigung die dem kirchlichen Bekenntnis ent­sprechende Stellung zum Worte Gottes maß­gebend sein müsse.

ung der Religion. Wenn man darunter versteht, daß aus dem Christentum alles ausgemerzt werden muß, was mit dem sogenannten modernen Zeitbewußtsein sich nicht verträgt, dann wird von der Religion nicht viel übrig bleiben. Uns dünkt das aber geradezu gotteslästerlich. (Zustimmung.) Die R e l i g i o n b r a u ch t s i ch n i cht f ort­zuentwickeln, das soll nur die Religiosität in uns tun. (Großer Beifall.)

Pastor Philipps-Plötzensee wurde noch deutlicher. Er behandelteEvangelium und Toleranz". Wenn im libe­ralen Parocknalverein Pastor Fischer unter Anspielung auf dieses Wort unter dem Beifall seiner Zuhörer aus­sprach, er wolle eine Kirche, in der ein jeder nach seiner Fasson selig werden könne, dann hat er damit den größten Unsinn gesprochen. Der Staat ist die aganisierte Volks­gemeinschaft aller Konfessionen, er muß Toleranz üben. Aber die Kirche braucht das nicht, die Kirche ist nur eine ^Gemeinschaft der Gläubigen. Sonst müßten wir ja auch schließlich der Hölle gegenüber tolerant sein.

Graf Hohenthal- Dölkau sprach unter oft von stür­mischer Heiterkeit (!) unterbrochen über das Evan­gelium und die kirchliche L i e b e s a r b e i t. Er schilderte, daß vor 40 Jahren in Berlin die Restaurants noch um 8 Uhr abends schlossen. Dafür rauchten aber auch die Müllfahrer noch keine Zigaretten. (Stürmische Heiter­keit.) Der Aufschwung Berlins hat mit sich gebracht eine Demoralisierung unserer Zustande. Man denke nur an die unsittlichen Bilder in den Schaufenstern. Die Liberalen nennen dasKunst". Nur komische daß vor den Schcm- enftern nie Künstler, sondern nur halbwüchsige Jungen tehen. (Es müssen doch auch andere Leute davor stehen, denn sonst könnten sie gar nicht wissen, daß solche angeblich unsittlichen Bilder ausgestellt sind! Uebrigens würde die Polizei die Ausstelluna unsittlicher Bilder nie dulden. Mancher hält aber ein Bild für unsittlich, bei dem ich ein normal empfindender Mensch nichts schlimmes denkt. Red.) Redner dankt zum Schluß dem Gemeinde- kirchenrat von St. Markus, daß er gegen das Auftreten des Dr. Fischer Einspruch erhoben habe.

Das Evangelium und die Sittlichkeit" war das nächste Thema. Pastor Bohn-Berlin war der Referent. Im Schiller- Jahr starren unsere Straßen und Plätze von Schmutz in Wort und Bild, die sich in den reinen Augen unserer Kinder spiegeln. 6000 Professoren, Aerzte und Gelehrte haben den außerehelichen Geschelchtsverkehr gebilligt. (Pfuirufe.) Ja, ein Professor schrieb:Ich kann den außerehelichen Ge­schlechtsverkehr nicht verurteilen. Er ist für viele die Quelle des reinsten und höchsten Glücks." Lebhafte Pfuirufe.) Und dann kommen Frauen eigentlich verdienen sie den Namen gar nicht und sagen, die Menschen sollten früher heiraten, und die Ehe soll kinderlos bleiben. (Erneute Pfuirufe.) Wir halten den Geschlechtstrieb an sich nicht für unsittlich. Allein wir verlangen Geschlechtsord­nung, Enthaltsamkeit vor der Ehe und Zucht und Schonung der Frau in der Frau. Wir haben da unseren Heiland hinter uns. Wenn er die Ehebrecherin von sich stieß, so tat er es nicht, wie derSimplizisfimus" (Pfuinlfe) es neulich auslegte, weil er in ihrer Handlung keine. Sünde sah, son­dern er sagte zu ihr: Gehe hin und tue keine Sünde mehr. Also hält er sie für eine Sünderin. (Beifall.)

Arbeiter Dunkel-Berlin: Die moderne Wissen­schaft zieht den Menschen in den <54 a u b und degradiert ihn herab zum Tier. (!!) Und dieser Wissenschaft wegen sollten wir unser altes Evangelium preis­geben? Nimmermehr! Seitdem diese moderne Wissenschaft besteht, haben sich Tausende von Gott abgewendet. (Beifall.) *

ßhriflus, der Aall Aischer und die landeskirch- liche Konferenz in Arrlin.

Berlin, 3. Mai.

Gestern abend hat dielandeskirchliche Versammlung" Fttt einem Festgottesdienst im Neuen Dom begonnen. Hinterher gnig man nis Polasttheater, das von Geistlichen von außerhalb sowie von konservativen Elementen Berlins gefüllt war. Es wurde dort von dem Berliner Pastor Is­rael eine Rede gehalten, die deutliche Anspielungen auf den Fall Fischer enthält. Es wird darüber berichtet^

Wenn wir, so sprach er, jetzt nicht reden würden, würde das als Zustimmung aufgefaßt werden. Wenn man sich Christus vorstelle als einen frommen Mann wie andere auch, was hat er dann voraus? Wenn man nicht glaubt, daß Christus von den Toten auferstanden ist; wenn man nicht glaubt, daß der Vater im Himmel, indem er seinen Sohn auferweckt hat, sein Siegel gedrückt hat unter seine Worte und Taten, dann zweifle ich an der Sündlosigkeit Christt und damit an seiner Wahrhaftigkeit. Nur die Rück­kehr zum alten Evangelium ist imstande, uns ^u er­lösen aus den unwahren Zuständen unserer Zeit. Es sind keine objektiv wahren Zustände, wenn Geistliche, die aus den Glauben an die Bibel verpflichtet sind, gegen diesen Glauben Sturm laufen. (Großer Beifall.) Es sind keine wahren Zustände, wenn Prediger bei ihren liturgi­schen Amtshandlungen bte Rolle von Automaten spielen (Stürmischer Beifall), wenn sie innerlich anders denken, als der Mund es ausspricht. Wenn die Katholiken der Jungfrau Maria die Kcvne der Himmelskönigin aussetzen, so ist das schlimm. Aber wenn man dem .Heiland die Krone seiner Gottheit vom Haupte reißt, so ist das schlim- mer (Beifall.) Man redet so viel von der Fortentwickel-