155* Jahrgang
Donnerstag 4 Mai 1905
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GletzenerAnzeiaer
General-Anzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt für den Meis Gießen WWZ
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Aie heutige Mummer umfahl 8 Seilen.
Iie deutsche Kaiserfamilie in Denedig.
Venedig, 3. Mai.
DaS deutsche Kaiserpaar und Prinz Adalbert besuchten tieute Vormittag die internationale Kunstausstellung. Tas Publikum wurde während dieses Besuches nicht zugelaffen, auch alle Beamten waren aus den Ausstellungsräumen entfernt. Der kaiserlichen Familie und dem Hofe wurden zur Fahrt nach den Giardini Pubblici (öffentlichen Gärten), wo die Ausstellung sich befindet, von dem Stadtausschuß drei Galawagen zur Verfügung gestellt. Der Bürgermeister hatte die Führung übernommen. Der Besuch dauerte über eine Stunde. Der Kaiser kaufte ein Bild von Emanuele Bouguoli und eine Marmorbüste von Francesco Gerace an.
Nach dem Verlaßen der Ausstellung machte das Kaiser- <iar eine Spazierfahrt im Park, der die Ausstellungsgebäude umgibt. Um 9 Uhr 40 verließen sie, nachdem sie sich von dem Bürgermeister verabschiedet hatten, in einem Motorboot die Giardini Pubblici.
Der Kaiser nahm heute da§ Frühstück bei der Gräfin Morosini ein.
Das Kaiserpaar stattete heute Mittag der Prinzessin Lätitia, Herzogin von Aosta einen Besuch ab.
Die Kaiserin unternahm heute eine Fahrt auf dem Kanäle Grande und besuchte mehrere Kirchen. Am Nachmittag blieben der Kaiser und die Kaiserin an Bord.
Z>er König von Sachsen in Wien.
Wien, 3. Mai.
KönigFriedrich August von S a ch s e n ist gestern Äbenb hier eingetroffen. Bei dem Empfang war besonders bemerkenswert, daß auch zwei Erzherzöge des Hauses Toskana anwesend waren: die Erzherzöge Franz Salvator, der Schwiegersohn des Kaisers und (Äzherzog Leopold Salvator, beides Neffen des Großherzogs von Toskana und Vetter der ehemaligen Kronprinzessin von Sachsen.
Der König stattete heute dem Minister des Aeußern Grafen Goluchowski einen Besuch ab und begab sich sodann in die sächsische Gesandtschaft zum Frühstück, an dem auch der Minister des Aeußern teilnahm.
Der König stellte den Erzher zog Franz Ferdi- nanb ä la suite des 1. Ulanenregiments „Kaiser Franz, Josef von Oesterreich, König von Ungarn".
Bei der gegen abend zu Ehren der Anwesenheit des Königs in der Hofburg stattgehabten Tafel brachte der Kaiser folgenden Trinkspruch aus:
„Eurer Majestät Besuch ist mir ein erfreuliches Zeichen unserer beiderseitigen freundschaftlichen Gefühle sowie der ausgezeichneten und engen Beziehungen, welche zwischen unseren Staaten bestehen. Ich heiße Eure Majestät von Herzen willkommen und kann nicht umhin, meinen aufrichtigsten Dank für diesen Besuch hiermit zum Ausdruck zu bringen. Zugleich spreche ich die Zuversicht aus, daß die traditionelle gute Nachbarschaft, welche von jeher zwischen dem Königreiche Sachsen und Oesterreich-Ungarn gepflegt wird, sortdauern und unseren Völkern wie bisher zum Wohle gereichen werde. Indem ich auch in dieser Richtung mich der glücklicben Uebereinstimmung Eurer Majestät Intentionen mit den meinen versichert halte, erhebe ich das Glas auf das Wohlergehen Eurer Majestät und auf eine lange segensreiche Regierung."
Der König von Sachsen erwiderte mit folgendem Toaste:
„Eurer Majestät sage ich meinen herzlichsten, tiefgefühltesten Dank für den überaus freundschaftlichen, glänzenden Empfang, den Allerhöchstdieselben die Gnade hatten, mir hier in Ihrer Haupt- und Residenzstadt zu gewähren. Eine langjährige, innige Freundschaft verbindet unsere Länder und Häuser. Eurer Maj. treue Liebe und verwandtschaftlichen Gefühle für meine beiden in Gott
Schisser und der Wein.
Schiller war einem guten Tropfen Rebensaft niemals abhold. Seine Schwägerin erzählt davon: „Beim ftöhlichcn Mahl im Kreise vertrauter ihn ansprechender Menschen überließ er sich gern einem heitern, aber mäßigen Genüsse des SBeinS. Das Unmaß floh er immer, da ihm, wie er sagte, ein Glas zuviel qleicki den KDpf frerftire. Brim Sckrnben .trank er 'N- Wcm, aber oft Kaffee, der ermunternd auf tim einwirkte . Und ähnlich äußerte sich Goethe in einem Gespräche mit Eckcrmann worin es (am 18. Januar 1827! heiyt: ,,Schüler fiat nie titel getrunken, er war sehr mtog, aber m Augenblicken körperlicher Schwäche suchte er seine Kräfte durch etwas Ligucur oder ähnliches Spirituoses »u steigern." In emem solchen Zustande erfuhr Schiller zum erstenmal di- Wunderwirkung guten Wems. Es war nach seiner Muckt aus Stuttgart, als der lunge Dichter bet „Räuber" am 19. Oktober 1782, nach mehr,kundiger Futz- wanderung. von Mainz nach Nierstein kam. Lein Jreund imd Reisebegleiter Andreas Streicher schreibt dazu in seinem „Bericht über Schillers Flucht": „Ms noch am Vormittag Nierenstein Nierstein am Rhein") erreicht wurde, konnten beide der Versuchung nicht widerstehen, pch an den: m der Gegend wachsenden Weine, den sie nur aus den Lobeserhebungen der Dichter kannten, zu stärken, welches Schiller, der von Mainz bis hierher nur wenige Worte gesprochen, wyr zu bedürfen schien. Sie traten in das zunächst am Rhem gelegene Wirts hau-und erhielten dort durch Bitten und Vorstellungen .emen Schoppen oder ein Viertelmaß von dem besten ältesten Weine, der sich nn Keller fand und der mit einem kleinen Taler bezahlt werden mußte. Als Nicbtkenner edler Weine fa)ieit es ihn u, daß bei bdcfein Getränk wie' bei vielen berühmten Gegenwänden der Ruf arößer sei, als die Sache verdiene. Aber als sre ins Frere ge- □tu, als bic Füß- sich l-icht-w hobm d-r «mn inimtcrer 3e, die Zukunst ihre düstere Hüll- - was lüftete uud man ihr mit mehr Mut psls bisher entgegenMtreten wagte, glaubten
ruhenden Vorgänger und die auch mir so oft bewiesenen Zeichen von Huld und Gnade machen es mir zur Ehrenpflicht, int Sinne meines heißgeliebten verewigten Vaters alles zu tun, um die festgeknüpfte Freundschaft weiter zu pflegen. Ich folge auch dem Zuge meines Herzens. Seit den Tagen der großen Kämpfe vor Wien im Jahre 1683 haben unsere Armeen Treue und Waffenbrüderschaft gehalten. Wie meine Armee Eure Majestät mit Stolz zu den ihrigen zählt und seit dem heutigen Tage mit allerhöchster Genehmigung auch S. K. H. Erzherzog Franz Ferdinand ihr angehort, erfüllt es mich mit berechtigtem Stolze, in der glorreichen österreichisch-ungarischen Armee die Stelle eines Oberstinhabers einnehmen, zu dürfen. Alle Gefühle und aufrichtigen Wünsche, die ich für Eure Majestät und die beiden herrlichen, unter allerhöchstibrer weisen Regierung blühenden Länder habe, bitte ich in Sem Ruf zusammen zu fassen zu dürfen: Der Kaiser von Oesterreich und apostolischer König von Ungarn, mein lieber väterlicher Freund, lebe hoch! hoch! hoch!
Morgen findet große Frühjahrsparade statt, am Nachmittag ist Familientafel beim Kaiser. Am Abend erfolgt die Abfahrt des Königs zur Auerhabnjagd in Neuberg. Von dort begibt sich der König nach München.
Zer Krieg.
Aus der Mandschurei.
Petersburg, 3. Mai. Nach Meldungen aus Gun- schulin scheinen die Japaner einen neuen allgemeinen Angriff zu planen. Sie sammeln sich gegenüber dem rechten russischen Flügel. Ein Versuch der Russen, den Liaofluß zu überschreiten, ist an der Wachsamkeit der Japaner gescheitert.
Die „Köln. Ztg." meldet aus Gunschu lin vom 3. Mai: Gerüchtweise verlautet, das Hospital vom deutschen Roten Kreuz in Charbin werde wegen Mangel an Geldmitteln zu seiner weiteren Unterhaltung im Juni seine Tätigkeit ein stellen, falls das russische Rote Kreuz nichts beisteuert. Sehr wünschenswert wäre, wenn die Mittel zur Bestreitung seiner weiteren Unterhaltung aus Deutschland ausgebracht würden. Der deutsche Name wurde durch die vorzügliche Einrichtung und die erfolgreiche Tätigkeit des deutschen Roten Kreuzes bisher aufs beste vertreten. Das deutsche Lazarett ist das beste auf dem Kriegsschauplätze. Seine Unterhaltung erfordert monatlich Mk. 16 000. Die Gelder wurden unmittelbar von Berlin ohne Vermittelung des russischen Noten Kreuzes überwiesen. Zeitungsnachrichten, das Lazarett habe Verpflegungsgeld von russischer Seiie verlangt oder erhalten, sind unwahr.
Aus den oftafiatlscheu Gewässern.
Paris, 3. Mai. Ein Sekretär der japanischen Gesandtschaft begab sich am Montag in das Ministerium des Auswärtigen und fragte, so wird offiziös gemeldet, dort, ob die französ. Regierung Kenntnis davon habe, daß die Schiffe des russischen Geschwaders sich noch immer in den territorialen französischen Gewässern befänden. Der Sekretär erhielt die Antwort, man glaube zu wissen, daß die russischen Schiffe die französischen Gewässer verlassen hätten. — Nach Privatmeldungen fordert der Sekretär, daß die französischen Behörden in den ostasiatischen Kolonien für eine sorgsame Bewachung der Küste alles täten, um zu verhindern, daß dort Kriegsschiffe Kontrebande an Bord nehmen. Die japanische Regierung sei im Besitz von Informationen, daß in gewissen stanzös. Häfen fortgesetzt Proviant für die russische Flotte verschifft würde. Zum Schluß ersuchte der Sekretär Delcasso, sich authentische Jn- formahonen über diese Tatsache zu verschaffen.
Tokio, 3. Mai. (Reuter.) Die Arbeiten zur Hebung der bei Port Arthur und Tschemulpo gesunkenen russischenSchiffe nehmen einen guten Fortgang. Einzel- sie, einen wahren Herzenströster in ihm entdeckt zu haben, und ließen dem edlen Weine volle Gerechtigkeit angedeihen." Schiller selbst gedenkt des „Niersteiners" noch in seinem 1788 entstandenen Gedicht „Die berühmte Frau" und auch als er längst bei seinen Freunden in Sachsen weilte, blieb er den: rheinischen Rebenblute treu. So berichtet er aus Loschwitz bei Dresden, wo er damals ein von Weinbergen umgebenes Gartenhäuschen seines Freundes Körner bewohnte, daß er die Gesundheit des in Leipzig zurückgebliebenen Huber in „gutem Rheinwein" getrunken habe. Auch in Schillers Brief vom 3. Juli 1785 aus Gohlis bei Leipzig spielt der Wein eine Hauptrolle, und es stimmt geradezu weihevoll, wenn et darin von einem unterwegs mit Freunden eingenommenen Frühstück an Körner schreibt: „Wir fanden Wein in der Schenke. Deine Gesundheit wurde getrunken. Stillschweigend sahen wir uns an, unsere Stimmung war feierliche Andacht, und jeder von uns hatte Tränen in den Augen, die er sich zu ersticken zwang. Göschen bekannte, daß er dieses Glas Wein noch in jedem Glied brennen ftihlte, Huber's Gesicht war feuerrot, als er uns gestand, er habe noch keinen Wein so gut gefunden, und ich dachte mir die Einsetzung des Abendmahls — „Dieses tut, so oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtnis." Ich hörte die Orgel gehen und stand vor dem Altäre. Jetzt erst fiel's uns auf die Seele, daß heute Dein Geburtstag war. Ohne es zu wissen, haben wir ihn heilig gefeiert." Auf eine äußerst fröhliche Weinlaune des Dichters läßt dagegen sein Brief vom 7. Dezember 1785 an das Friedrich Kuuze'sche Ehepaar schließen, in welchem sein sonst so, pathetischer Geist ein- einmal in schelmisch-liebenswürdiger Welse zum Ausdruck gelangt. Tie noch so wenig beachtete unb doch so reizvolle Briessittle lautet: „Guter Humor, Freundschaft und ein Glas alten Rheinweins werden schon noch zuweilen einen Funken der Begeisterung ans mir schlagen. Es sollte übrigens ein Gesetz gemacht werden, daß jeder Leser für den angenehmen Augenblick, den ihm ein Gedicht macht, befugt wäre, äem Dichter eine Von- teilte zu dedizieren, wenn das Gedicht auf den Wein ist, und
Hecken und die Zahl der Schiffe, um die es sich dabei handelt werden nicht bekannt gegeben. Man hält es aber für gewiß daß die japanische Marineverwaltung sich einige wertvolle Schlachtschiffe sichern wird.
London, 3. Mai. Die Times meldet aus Washington» Japan habe die Union-Regierung ersucht, die chinesische Regierung auszufordern, die Neutralität der chinesischen Häfen gegenüber den russischen Kriegsschiffen energisch zu wahren. Das auswärtige Amt sandte in diesem Sinne Telegramme nach Peking. Auch Japan selbst erhob hierüber Vorstellungen. Man glaubt, daß die engl. Regierung gleichfalls m derselben Richtung auf den Pekinger Hof einwirken wird.
Madrid, 3. Mai. Nach einer Meldung aus Gibraltar hat England Befehl gegeben, unverzüglich 6 Hochsee- Torpedoboote nach den chinesischen Gewässer»'' abzusenden.
China.
Shanghai, 3. Mai. (Reuter.) Siebzig bedeutens engl. Kaufleute telegraphierten an den Minister des! Auswärtigen Lansdowne: Die britischen Kaufleute machen die Regierung daraus aufmerksam, daß China die Abmachungen des englisch-chinesischen Handelsvertrages nicht inne hält und diesen in den meisten Punkten unroirtfam macht. China setzt den Vertragsbestimmungen, welche sich auf die WährungSverhältnisse, Besteuerung, Bergbau und Schifffahrt beziehen, offenen Widerstand entgegen. Wir bitten die britische Regierung, die genaue Befolgung der Vertrags^ bestimmungen durchsetzen zu wollen.
London, 3. Mai. In hiesigen politischen Kreisen ver» sichert man, daß die englisch-japanische Allianz nach ihrem Ablauf nicht mehr erneuert werden würde. Nur will die englische Negierung vorher an Rußland die Forde-! rung stellen, England in Zentralasien keinerlei Schwierigkeiten mehr zu bereiten.
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Außland in Stmm und Drang.
Jeder neue Tag bringt neue Kunde von neuen Bluttaten, besonders in Polen.
Aus Warschau wird vom 3, d. M. gemeldet:
Wegen der Feier des Jahrestages der am 3. Mai 172? erfolgten Proklamierung der polnischen Konstitution sind die Ktr-- chen heute dicht gefüllt. Da Demonstrationen und Unruhen befürchtet werden, haben Truppen die Sttaßen e besetzt. Heute vor-; mittag wurde ein Polizei-Unteroffizier von einem ttxw bekannten erschossen. Die Mätter erscheinen nicht, da in deni Druckereien nicht gearbeitet wird. Die Führer der Sozialdemo-^, traten fordern die Bevölkerung auf, Ivie ein Mann gegen die Re-^ gierung und das ganze russische Regime sich zu erheben, ba nur so nrit der Brutalität der russischen Regierungsorgane ge-, brachen werden körme. In den besseren Bürgerkreisen sieht man! mit Besorgnis der weiteren Entwickelung der Dinge entgegen.
Heute nacht wurden 31 Leichen von Gefallenen aus dem Volizeibezirksamt, ohne daß sie eingefargt wurden, unter starkem Polizeiaufgebot nach dem Friedhöfe gebracht und beerdig Kleinere Ausschreitungen und Zusamnrenstöße haben an verschiedenen Stellen stattgefunden.
Ein Polizei beamt er wurde auf der Straße von zwe^ Unbekannteir überfallen und durch Revolver schösse verwrmdet. Die Angreifer enttarnen. — Ein von der sozialdemokratischen^ Partei Lithauens und Polens veröffentlichter Aufruf verlangt den allgemeinen Ausstand als Beweis dafür, daß die am Montag erfolgten Zusammenstöße mit dem Militär den revolutionären! Geist geweckt und die Tatkraft der Pattei nicht gebrochen haben.- Der Aus st and ergriff alle Fabriken.
28 von den vorgestern getöteten Zivilpersonen^, 20 Männer. 7 Frauen und ein zehnjähttges Mädchen wareU gestern im Hofe eines alten L>auses der inneren Stadt zur Schau gestellt und nach kurzer Zeit ausnahmsweis agirosziert worden. STÖe Stände sind unter den Opfern vettreten. Die ^Mehrzahl sind ländliche Kleinbürger. Vor den Toren kam cs zwischen SoziaKstenj und Militär zu Streitigkeiten, doch machte das Militär, obschon bic heftigsten Drohworte fielen, von dem Bajonett keinen Gebrauch.
Wie nunmehr festgestellt ist, sind- bei den Straßendemmr-, die Mädchen, ihn zu lüiseu, wenn das Gedicht von der Liebs handelt. Wo Henker sott man zuletzt sein Feuer herhvlen^ Weib und Wein im edelsten Wortsinne bildeten^ sonach auch beü Schiller die .Hauptlieferanten des Dichterfeuers inrb ihrem begeisternden Einfluß ist namentlich sein herrliches Lied „An die Freude" zu danken. Dieser feurigfte aller Rundgesänge, bei dem „Freude sprudelt in Pokalen" und „Brüder fliegen von benl Sitzen, wenn der volle Römer freift", bildete schon bÄd nach seinem Entstehen (1785) den Schluß jeder seucht-ftöhlichen Gesellschaft iu Leipzig und Dresden. War nun Schiller, wie eingangs bemerkt, durchaus kein unmäßiger Trinker, so verschmähte er es doch nicht, auch noch in späteren Jahren zuweilen mit guten Freunden zu pokulieren. Einst, als ihn Hernttch Voß zu einer Maskerade ein geladen hatte, war er so aufgeweckt, daß er zur Verwunderung einiger im Wirtszimmer anwesenden Studenten das übermütige Burschenlied „So leben toir" anstimmte. Neben „der Traubeic gold'nem Blut" liebte Schiller den erwärmenden Punsch, ihm hat er sogar noch im Jahre 1803 zwei Lieder gewidmet und iit dem einen davon, das „im 9borben zu singen", preist er zugleich die Wunderkraft des nur im Süden gedeihenden Feuer- Weines, von dem er singt:
Funkelnd wie ein Sohn der Sonne, Wie des Lichtes Fenerguels, Spttngt er perlend aus der Tonne, Purpurn und kristallenhell. Und erfreuet alle Sinnen, Und in jede bange Brust
Gießt er ein balsamisch Hoffen, Und des Lebens neue
Noch bei seinem letzten Fieberanfall bereitete iynr Lotts' ein Glas Punseh und sein letzter Labetrank war ein Glas Chmn°> pagner. So hat Schiller bis an sein Ende die Gaben des Bnchus als echter Mufensohn zu schützen gclvußt, und wer am 9. Mai im Freundeskreise deö Unsterblichen gedenkt, der möge ihm ein Glas edlen Weines weihen — vorausgesetzt, daß es kein Antialkoholiker ist. „Dieses Glas dem guten Geists
(Nachdruck verboten.) Dr. B.


