firtr verhandeln, nicht möglich. Wir haben Deckung für unsere Ausfälle in der mildesten Wei.se gefunden, mdem toir sre bei denen juchen, welche von der Bahn das Meiste verlangen, narn- lich bei den-Schnellzügen. Nach Personen gerechnet, werden 80 Prozent zu -v. 1 ■> Prozent zu ermäßigten und 8 Prozent zu höheren greisen 'Nach Personenkilometern berechnet,
,verden 20 Prozent billiger, 68 Proz en tteurer, cüle Ueb-rrgen zum gleichen Preise reisen. Das finanzielle Ergebnis für die Reisenden ist daher allgemein falsch beurteilt worden. Zur Ge- päckreform habe ich mich nur schwer entschlossen, aber ich war durch finanzielle Notwendigkeit, durch das Haus und den Äcrndelstag dazu genötigt. Der neue Tarif beruht auf dem Gedanken, das; für 25 Kilo und 50 Kilometer 25 Pf. z u zahlen find. 80 Prozent aller Reisenden fahren nun ohne Gepäck, 10 Prozent des Nestes werden künftig 25 Pf. zahlen, die mtberen 10 Prozent des Restes werden künftig wenige zahlen als bisher; dazu Liiir.it, daß heute ein so erheblicher Raum für das Handgepäck fteisteht, wie noch nie srühcr. Das ist die ganze Plnsmacherei der preußischen Eisenbahnvcrwaltung, die stetig mit den Personentarifen herabging und die Wagen so gut ausstattete, daß in Norddcutschlanü viele dritter Klasse fahren können, die anderswo zweiter fahren müssen. Dafür erhalten wir einen einheitlichen Tarif und beseitigen die Rückfahrkarte, die Quelle von 128 000 Reklamationen jährlich. Damit erhalten wir eine schnellere Abfertigung, vor allem völlige Freiheit des Reisens und Beseitigung der Bindung durch die gelöste Karte. Nun frage ich, wv sitzen die Bureaukraten und Plusmacher? Im Ministerium nickst! In Preußen und Hessen unterliegt der Plan noch der Begutachtung durch den Landeseisenbahnrat, der im Herbst sein Gutachten abgeben wird. Die preußische Verwaltung schob auch bis dahin die definitive Entscheidung hinaus. Die Reform konnte nicht schneller zustande gebracht werden. (Ä handelt sich darum, eine wettere Ausgestaltung der Reichseinhett herbeizuführen.
9lbg. Dr. Wiemer (ft. Vp.): Seine Partei lege das Hauptgewicht darauf, daß die Reform unter keinen Umständen eine Verteuerung bringen dürfe; deshalb seien die Zuschläge für die Schnellzüge zu bedauern. Der Ausfall der 15y2 Millionen, von dem der Minister gesprochen, sei nur rechnerisch; ob er wirklich eintreten könne, stehe noch lange nicht fest, zumal Verkehrerleichterungen stets' eine Vermehrung der Einnahmen herbeizuführen pflegten. Wenn er auch mit den Grnndzügen der Reform einverstanden sei, so sei doch sehr zu bedauern, daß für die vierte Wag en kta;se keine Ermäßigung ein- treten soll. Dadurch erhalte die ganze Reform etwas Unsoziales. Am besten sei es, die vierte Wagentlafie gänzlich abzuschaffen. Wenig Einverständnis sind: die Abjchaftung des Freigepäcks. ’ Hoffentlich werde es dem Minister dort) noch gelingen, auch ohne Erschwerungen und Verteuerungen die Reform durchzuführei
Abg. Gamp erklärt, daß seine Partei auch einige Wünsu chabe. Diese gehen besonders dahin, daß der S on n t a g s v e r kehr auch auf das platte Land ausgedehitt werde. Bein Gepäcktarif sei das System der fallenden Skala das einzig rickftige. Gar nicht verstehe er, wie man auf Beseitigung der vierten Wagenklasse drängen könne; dadurch würde dem armen Mann das Reifen nur verteuert.
Slbg. Dr. Friedberg weist auf das Bedenkliche des Schnell- »ugzuschlages hin. Die Aushebung des Freigepäcks bedeute eine 'Verteuerung. Das sei so bedenklich, daß Redner noch nicht sagen könne, ob der Reform von seiner Partei zugestimmt werden würde.
Abg. Müusterberg (fr. Vg.): Die Beseitigung des Freigepäcks sei eine erhkbliche Verteuerung des Reisens für die Leute mittleren Wohlstandes.
Im Gegensatz dazu ist der Abg. Dr. Frhr. v. Er ssa (kons.) 6er Ansicht, daß der, der Gepäck habe, es auch bezahlen müsse. Was die Sonntagskarten anlange, so halte er es für höchst ungesund, wenn die Familie keinen Sonntag mehr glaube zu Hause bleiben zu können.
Minister v. Budde betont, daß er das Freigepäck nur sehr schweren Herzens geopfert habe; es sei dies aber eine unvermeidliche Notwendigkeit gewesen. Der Minister gibt der Hofftrung .Ausdruck, daß die große Reform nicht an kleinen Unstimmigkeiten !vnd unerheblichen Schönheitsfehlern scheitern möge.
Darauf wurde die Session geschlossen.
Staatssekretär Kay
Wie wir bereits in unserer Samstag-Nummer meldeten, ist der amerikanische Staatssekretär Har> in der Nacht vom «Freitag auf Samstag in Newburg gestorben.
Schon im Anfang dieses Jahres tauchten Gerüchte auf, Laß der amerikanische Minister des Aeußern nicht unbedenklich erkrankt sei. Bei Beginn des Frühjahrs mußte er seine Amtsgeschäfte nicderlegen, um eine Erholungsreise anzutreten. 'Er kam auch nach Bad-Nauheim; die heilkräftige Wirkung des Bades hatte ihn so gestärkt, daß er selbst an seine vollständige Genesung glaubte, und wirklich war das Herzleiden auch ziemlich behoben. Bon Nauheim war er nach Paris gegangen, von hier hatte er sich nach London begeben, von wo er direkt nach Amerika zurückkehrte. Hier hatte er jedoch, in seinem Sommerheim Lake Sunapee, wo er sich als Nekonvaleszent aufhielt, einen Rückfall, der sich zwar zuerst etwas bewerte, aber schließlich doch zum Tode führte.
John Hay war 1838 in Salem (Indiana) geboren und begann seine Laufbahn als Journalist. 1861 ging er als Begleiter Lincolns nach Washington, dem er dort als einer seiner Privatsekretäre diente. Er war einer der vertrautesten Freunde des Präsidenten. Im amerikanischen Bürgerkriege war er Adjutant und Oberstleutnant. Nach Lincolns Ermordung trat er in den diplomatischen Dienst .zurück und ging als Legationssekretär und Geschäftsträger nach Paris, Wien und Madrid. 1879—81 war er erster Unterstaatssekretär. 1897 wurde er Botschafter in London, 1898 beim Ausbruch des Krieges mit Spanien Staatssekretär des Auswärtigen. In dieser Eigenschaft ersetzte er den Clayton-Bulwer-Vertrag von 1850 über den Nicaragua-Kanal am 8. Februar 1900 durch den Hay- Pauncefote-Vertrag.
Die politischen Bestrebungen des Verstorbenen waren wesentlich auf die Erhaltung des Weltfriedens gerichtet. In Anerkennung dieser Verdienste verlieh ihm die französische Negierung im vorigen Jahre das Großkreuz der Ehrenlegion.
Auch schriftstellerisch ist der Verstorbene heroorgetreten. Er hat eine Lebensbeschreibung Lincolns verfaßt und auch Gedichte herausgegeben. In diesen offenbaren sich em sinniges Gemüt, eine eigenartige Persönlichkeit und ein reicher, humaner Geist.
Eine fast ebenso glänzende Karriere wie Hay hat Übrigens, wie im Anschluß hieran mitgeteilt sei, PZhitelaw Reid, der neuernannte Botschafter der Vereinigten Staaten in London, hinter sich. Der jetzt 58 Jahre alte Diplomat begann seine Laufbahn gleichfalls als Journalist und war Jahre hindurch als Reporter kleiner amerikanischer ^Provin- blätter tätig. Da gelang es eines Tages dem jungen Wlanne^ bei der Newyorker „Tribüne" eine bescheidene Stelle gu erlangen. Er schloß dort mit seinem jungen Kollegen, John Hap, enge Freundschaft. Reid übernahm später die Tribüne" in eigenen Besitz und hat es verstanden, die Zeitung in die allererste Reihe amerikanischer Journalistik
zu rücken. Als Besitzer der „Tribüne" hat sich jedoch Neid nicht nur-Millionen geschaffen, sondern sich auch als Politiker einen Namen gemacht. Neid war Kandidat für die Würde eines Vizepräsidenten der Union, auierckanischer Botschafter in Paris, Spezialgefandter bei König Eduards Krönung und im spanisch-amerikanischen Kriege Friedensparlamentär feiner Heimat. Reid rühmt sich noch heute, Journalist von Beruf zu fein und feine glänzende Karriere lediglich seinem journalistischen Berufe zu verdanken.
Dalililchr (Engcr-Mimi.
Bayerische Walstkampfblüten.
Von der Landslags-Wahlstatt in Niederbayern erschallt rauher Kampfeslärm und fürchterliches Schelten. Der Bauernbund wird vom Zentrum heute bekämpft, insbesondere wird von diesem der rührige Bündlerführer Dr. Gäch, prüft. Arzt und Gutsbesitzer in Schwarzach bei Straubing, befehdet. Dr. Gäch nimmts sogar mit dem Dr. Heim auf, und der lange Heun und der kleine Gäch, sie verkörpern beide als Bauernapostel die merkwürdige Spaltung unter den kathol. Bauern, die sich längst auch unter den anderen bayerischen Stämmen aufgetan hat.
Die Art, wie der Wahlkampf in Niederbayern geführt wird, spottet eigentlich jeder Beschreibung. Jede, in ihrem Kerne noch so sachliche Auseinandersetzung über Bauern- intereffen wird von einem Hagelwetter von wüsten Schimpfereien begleitet. Es sind dies gleichsam die Faustschläge zum schriftlichen Diskurs. So wurde Dr. Gäch mit einer Serie offener Briefe im Zentrumsblatt seines Bezirks überschüttet, in denen es mir so wimmelt von Ausdrücken wie „Schweins- treibermanieren", „Eselstritt", „hinterlistiger feiger Verleumder", „bauernbündlerische Schmuser und Beitreiber", „Schwindel", „Schwefel", „Blödsinn", „H urst", „Kuhlogik" und— getreulich im Rahmen ichen Bildes bleibend — „mondkalbdu m m er So konnte es kommen, daß im Wahlkreis Kehl- katholischer Geistlicher coram publico er- Ich will Euch nicht sagen, daß jeder Liberale ein , aber jeder Lump ist ein Liberaler." Die jr dem Bauernbund ist so groß, daß manchmal sogar . als Zentrumskandidaten gefeilt werden. Tie „Münch, chr." berichten von einem solchen Fall in Freising. Dem betreffenden Bauernbündler wurde für den Fall, daß er vorn Zentrum gewählt würde, die Auflage gemacht, daß er sich auf den Fraftionseid verpflichte. Diese Einladung wurde aber zurückgewiesen. Bis jetzt hat man von einem Fraftionseid beim Zentrum nichts gewußt, es sei denn, daß jener gemeint wäre, der den neuen Fraktionsmannen beim Bügnerwirt im Tal zu München abgenommen wird. Es existiert ein besonderes Lied über den Vorgang:
„Aus Niederbayerns Fluren eilt Der Oekonome unoeriveill.
Verlrelen muß er seinen Gau, Nimmt Abschied noch von Frau und Sau.
Wie wird ihm in der Stadt so wohl! Die Taller, Schädler, Pichler, Kohl Und noch so mancher Seelenhirt, Empfangen ihn beim Bögnerwirt.
Hier schwöret er den Zentrumseid: Nie nichis zu denken allezeu, Ter Kirche dienen, treu und stark. Für Goll und zehn Diälenmarf."
Die Rämmmgsfristen bei der Wohnurrgsmiete.
Hierüber hatte bekauntlich die Hess. Regierung den Kammern einen Gesetzentwurf vorgelegt aus Anlaß der Bestimmung des B. G. B., wonach bei Mangel anderweitiger vertragsmäßiger Vestimmun-gen das Mielverhältnis b?i Wohnungen am Schlüsse des Kalendervierteljahrs endigt.
Wahrend vor Einführung de§ B. G. B. zu jeder Zeit auf ein Vierteljahr gekündigt werden konnte, wodurch sich Re 11 nt^ züge auf das gmi^e Jahr verteilten, ist bei dem derzeitigen Stande der Gesetzgebung für die Tage, welche den Schluß des Kalendervierteljahres bilden, eine wahre Kalamität möglich und in einigen Städten auch bereits eingetreten.
Es liegt hier eine Lücke der Gesetzgebung vor.
Der § f?21 Z. P. O. gibt dem erkennenden Richter, bei dem eine Klage auf Räumung einer Wol-nung eingebracht ist, das Recht, dem dies beantragenden Schuldner eine angemessene Frist zur Räumung zu gewähren.
Diese sozial-polttische Bestimrnuirg überläßt dem Richter die freie Beurteilung, ob Umstände vorliegen, welche die Gewährung einer Frist recht fertigen, oder ob bei Böswilligkeit des Mieters ufw. solche Gründe nicht gegeben sind.
Gelangt aber ein Mietverhältnis zu Ende, ohne daß sich ein Rechtsstreit entspinnt, so muß der Mieter am Tage des Schlusses des Kalenderjahrs ausziehen; der Neu- einziehende wartet eventuell schon mit seinen Möbeln und eine Verzögerung macht ihre Rückwirkung auf vielleicht Dutzende von Familien mit großen Vermögensschäden bemerkbar. Und diese Verzögerung liegt oftmals nicht in dem Willen des Betretenden, er kann nicht ziehen, weil eben zu viel Familien ziehen wollen oder müssen und deshalb die Zahl der Möbel- trans Port eure usw. nicht ausreicht.
Die Großh. Regierung glaubt deshalb in Gemäßheit Llrtiiel 93 E. G. z. B. G. B., welcher der Landesgesetzgebmig gestattet, bei gemieteten Räumen besondere Fristen sestzusetzen, innerhalb toeteber nach Beendigung des Mietverhälüiffses die Räumung zu erfolgen hat, einer gesetzlichen Regelung näher treten zu sollen.
Eine allgemeine für alle Städte ober gar für das ganze Land gleichartige Regelung durch L-andcsgesetz schien nicht geboten, weil überhaupt nur einige Städte ein vorliegendes Bedürfnis anerkennen (Gießen befindet sich nicht darunter) und weil die Verhältnisse jeder Stadt anders geartet sind, es also nicht angängig ist, alle nad) einer Norm zu behandeln.
Der 2. Ausschuß der zweiten Kammer hat sich nicht völlig davon überzeugt, daß durch die Bestimmungen der Vorlage oder durch eine allgemeine gesetzliche Regelung der Räumungsftisten die Mißstände wesentlich behoben werden. Er vermeint vielmehr, daß wahrscheinlich die Mieter oder doch ein großer Teil derselben sich in kurzer Zett an die gesetzlich oder ortsstatutarisch festgesetzten Fristen gewöhnen und regelmäßig am letzten Tage dieser Frist ausziehen wird, sodaß in Bälde an stelle „des Schlusses des Kalendervierteljahres" der letzte Tag der Frist treten toirb, somit die Kalamität, welche sich gegenwärttg bei Schluß des Ka- lendervierteliahres zeigt, sich demnächst ebenso oder doch säst ebenso für den letzten Tag der Frist herausbilden wird.
Der Ausschuß erachtet es deshalb für erstrebenswert, daß eine Aenderung des § 564, 565 B. G. B. — etwa auf Anregung der Großh. Regierung — eintreten würde, nach welcher, wie dies früher der Fall war — abgesehen von etwaigen vertragsmäßigen Bestimmungen — jeden Tag aus ein Vierteljahr gekündigt werden könnte.
Der Ausschuß vermeint aber den Wünschen der betroffenen Städte nicht entgegentretcn zu sollen, da jedenfalls für die ersten Jahre eine Besserung der erwähnten Mißstände zu erwarten ist. Er billigt somit den Entwurf unb seine Begründung und beantragt die Annahme d.s einzigen Llrtikcks in V'v. —er Fassung:
,,Eine Gemeinde auf welche die Städteordnung Anwendung findet, f hilft durch Ortsstatut Vorschriften über die Fristen erlassen, bis zu deren Ablani gemietete Wohnungsräume im Falle der Beendigung des Mietverhältnisses zu räumen sind."
Deutsches Reich.
Travemünde
Juri. Der K a i s e r hä Gottesdienst ab und b.
Sonderburg anzulausen.
Berlin, 2. Juli. In Beantwortung eines von der en gl. Abordnung z u m Studium städtischer Einrichtungen im Auslande an den deutschen Kaiser gesandten , Abschieds telegrammes sandte der Kaiser an den Führer der englischen Abordnung, Lord Lyveden, folgendes Telegramm:
„Präsident Lord Lyveden, Köln a. Rh., Ich erfahre zu meiner großen Genugtuung durch Euer Lordschaft fteundliches Telegramm aus Köln, daß die Mitglieder der britischen Abordnung 5um Studium fremder städtischer Einrichtungen mit ihrem Ausfluge durch die Städte Deutschlands in jeder Weise zufrieden gewesen sind. Ter herzliche und gastsreuno- liche Empfang, dem Sie sowohl bei meinen Behörden, als auch bei den Bürgern und dem deutschen Volke begegneten, wird, so hoffe ich, Ihre Landsleute ermutigen, ihre deutschen V e t- tern in deren eigenem Lande zu besuchen und so die Beziehungen zwischen unseren beiden Völkern durch persönlichen Verkehr zu befestigen. Wilhelm,"
— Im Abgeordneten Haufe haben die Abgg. Gyßlmg, Peltasohn, Schiffer, Frhr. v. Zedlitz und Dr. Am Zehnhoff mit Unterstützung aller Parteien mit Ausnahme der Konservativen folgenden Antrag eingebracht: Die Staatsregierung zu ersuchen, zu veranlassen, daß der gesamte Strafvollzug, unter Beseitigung der zur Zeit bestehenden D u a l t s m n s einem Ministerium unterstellt werde.
Kiel, 1. Juli. Heute ist hier der 7. Tentscye Samariter tag zusammengetreten. Gestern hat die Stadt zu Ehren des Samaritertages einen Begrüßungsabend veranstaltet.
'te morgen auf der „Hohenzollem" Gottesdienst ab und b.„ «ich gegen 11 Uhr an Bord der „Hamburg", die alsbald losmachte und sich zum Start schleppen ließ, um um 11,45 Uhr an der Wettfahrt des Norddeutschen R c g a 11 a v e r e t u s und des Lübecker Jachtklubs auf der Lübecker Bucht teilzunehmen. Um 61/4 Uhr wurden der „Meteor" und die „Hamburg", diese mit dem Kaiser an Bord, in den Hasen eingi schleppt. Der Kaffer und die Kaiserin begaben sich sodann an Bord des „Meteor" und dann auf die „Hohenzollem".
Am Nachmittag besuchte der kajer den Grvßherzog von Oldenburg auf der „Lensahn" uno speiste am Abend auf dem „Norttsttar" bei Mr. Vanderbilt.
Der Kaiser gedenkt morgen auf der „Hohenzollem", euent. auch auf dem „Meteor", eine mehrtägigeFahrt durch den w e st l i ch e n T e i l d e r O st s e e an der holsteinischen Küste entlang anzurreten und zunächst Hoernphasf in der Nähe von
Ausland.
Wien, 2. Juli. In hiesigen wohlinformierten Kreisen bet' lautet, daß die Verlobung Königs Alfons XIII. Ende September stattfinden wird. Bekanntlich nimmt der König, einer, Einladung des Kaisers Franz Josef folgend, an den östreichychen Kaisermanövem teil. Nach den Manövern wird der König längere Zett an den Jagden in Bellye, dem Besitztnme seines Oheims, des Erzherzogs Friedrich, teilnehmen. Die Braut des Königs ist die 1887 geborene Erzherzogin Gabriele, das fünfte Kind des Erzherzogs Friedrich und seiner Gemahlin Isabella, geb. Prinzessin von Croy-Dülmen.
Konstantinopel, 1. Juli. (Wiener Korr.-Bur.) Gestern hat das russische Kanonenboot „Chrabrh" die kreten- sischen Anfftändischen in Platania, westlich von Kanea, bombardiert, weil diese die russischen Truppen beschossen. Bei der Beschießung Platanias wurde eine Frau getötet und ein Mann verwundet. Die russische an Land gegangene Abteilung feuerte nur einen Kanonenschuß gegen das Dorf ab, dagegen verhinderte das msfff'che Kanonenboot „Chabry" zweimal durch lebhaftes Gefchützfener die Insurgenten am Vorrücken, ohne jemand zu verletzen.
Das Iahrcsftst Ser ^anSes-Aniversttät Kietzen
Die Verkündigung der Lösungen der Preisaufgaben, die der Rektor nach seiner mitgeteilten Festrede vornahm, hatte folgendes Ergebnis:
I. Aufgabe der theologischen Fakultät: „Nietzsched Angriff auf die Moral des Christentums soll dargesiellt und beurteilt werden." Die Aufgabe hat zwei Bearbeitungen gefunden, von denen aber keine derart ausgefallen war, daß sie mit einem Preis hätte bedacht werden können.
II. Aufgabe der juristischen Fakultät: „Letztwillige Zuwendungen und Schenkungen au Vereinigungen ohne Rechtsfähigkeit." Auch hier konnte nur ein halber Preis in Frage kommen, den stud. jur. Gottlieb Storck o.v^ Mainz erhielt.
III. Aufgaben der medizinischen Fakultät: 1. Fltt den akademischen Preis: „Die durch Alkohol bedingten motorischen Störungen." (Nicht bearbeitet worden.) 2. Für den Balserpreis: „Die plastische Darstellung des menschlichen Eileiters (nach dem Plattenmodellierverfahren)." stud. med. Waldemar Mensch von Gießen erhielt den Preis.
IV. Die philosophische Fakultät: 1. Deutsche Philologie: „Es soll die Arbeitsweise Schillers insbesondere auf Grund seiner 'eigenen Steuerungen dargestellt werden." Hier erhielt stud. phil. A. Heid aus Gimbsheim den Preis.
2. Kunstwissenschaft: „Die Nachbildungen griechischer Gemälde der Blütezeit in Malerei und Plastik der römischen Epoche." (Nicht bearbeitet worden.)
3. Physik: „Es soll untersucht werden die Einwirkung der Röntgenstrahlen auf verschiedene Substanzen." Lehramts- akzessist Karl Hahn von hier wurde mit dem Preis bedacht.
4. Römische Philologie: „De Ovidio rhetorum disci- pulo.“ Hierfür erhielt den Preis cand. phil. Carl Brück ans Nieder-Jngelheim.
5. Semitische Philologie: „Der Goran-51'ommentar des Baidavi (gest. 685 a. H.) soll auf seine Quellen hin untersucht werden; besonders kommt es darauf en, das Maß seiner Abhängigkett von dem älteren Kommentare des Zamach- schari (gest. 538 a. H.) festzustellen." (Nicht bearbeitet worden.)
Für das Jahr 1905/06 werden folgende Preisaufgaben gestellt:
I. Die theologische Fakultät: „Ter Engelglaube in den Psalmen."
II. Die juristische Fakultät: „Bedeutung und Anwendungsfälle der Schriftfarm im Reichszioilrecht."
III. Die medizinische Fakultät: 1. Für den aEa*. demischen Preis: „Es soll untersucht werden, in welcher Weise die Resorption des Phosphors bei Einspritzung von Phosphorsäure vor sich geht." 2. Für den Balserpreis: „EL soll untersucht werden, oo die Höhe der Amoniakaus- scheidimg im Harn tatsächlich, wie fast allgemein angenommen ivird, nur durch die Grüße der jeweiligen Ausfuhr von Säuren durch den Harn bedingt wird."
IV. Die philosophische Fakultät 1, Ge schicht-


