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3.7.1905 Zweites Blatt
 
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Die heutige Kummer umfaßt 10 Setten.

Einführung des gleichzeitig

Volitische Wochenschau.

Gießen, 3. IM 1905.

Bekanntmachung.

Betr.: Die Abhaltung eines Zuchtviehmarktes für Simmen­taler Rindvieh in Alsfeld (Oberhessen).

Interessenten, insbesondere auch den Herren Gemeinde- Vorstehern die ergebene Mitteilung, daß der Bezirkszuchtverein Alsfeld gelegentlich des am 12. Juli d. I. in Alsfeld (Oberhessen) stattfindenden sogen. Kirschenmarktes einen Zuchtviehmarkt von Bullen, Kühen und Rindern der Simmentaler Rasse abhalten wird.

Vorgeführt werden nur solche Tiere, welche ins Pro- vinzial-Herdbuch oder Jungvieh-Register eingetragen sind und von Original- bezw. reinrassigen, vielfach prämiierten Tieren abstammen.

Gemeinden ist besonders Gelegenheit geboten, vorzügliche sprungfähige Bullen anzukaufen. Der Auftrieb findet am 12. Juli d. I., vormittags 7 Uhr, auf den Lindenplah in Alsfeld statt.

Zum Besuche des Marktes wird freundlichst eingeladen.

Angenrod, den 26. Juni 1905.

Der Vorstand des Bezirkszuchtvereins Alsfeld. Pfannstiel, Direktor.

(aben des Strafrichters zu gehören, daß er Gelegenheit in bet, zu prüfen, welche Verfehlung zu den Vorstrafen eines Angeklagten geführt hat, um sich ein Urteil darüber zu bilden, wie weit er diese Vorstrafen bei der Zumessung einer Strashöhe in Anrechnung bringen könne und wie weit nicht.

Die Tagung des Goethebundes in Mainz endete mit einer Kundgebung zugunsten der freiheitlichen Ausgestaltung des Schulwesens. Damit tritt der Bund aus seiner unnötigerweise lauge beobachteten wlitischen Reserve heraus. Manche wollten in dem Zu- ammenwirken mehrerer Intellektuellen aus den bürger­lichen Gruppen mit denen aus den Kreisen der Sozial­demokratie den Anfang der Begründung eines sogen. Blocks der Linken erblicken. Das ist indes nur Selbst­täuschung in den Reihen derer, die an die Festigkeit und Dauer eines solchen Blocks glauben. Aber es ist durchaus nicht gleichgiltig, wenn die Stimme der Intellektuellen öfter und lauter in die Öffentlichkeit schallr als bisher, zumal in einer Zeit, wo es vielfach in den Kreisen der Intelligenz ür angebracht gehalten zu werden scheint, sowohl in poli­tisch en wie in kommunalen Angelegenheiten von Ster Bedeutung sich in skeptisches Schweigen zu hüllen, .tt mit der freien und unabhängigen Meinung offen hervorzutreten.

Mit der Ernennung des Admirals v. Köster zum Großadmiral ist eine Charge ähnlich der des General- seldmarschalls der Armee geschaffen worden. Zum Herbst teht die Neuernennung von einigen Admiralen bevor, wie ich denn überhaupt in allem, was die Marine betrifft, er- reulicher und verständiger Weise frische Initiative, pulsie­rendes Leben zeigt.

Der Feldzug in Südwestafrika brachte als jüngstes Ereignis eine neue verlustreiche Schlacht gegen Morenga, von dem cs vor wenigen Wochen hieß, er sei Anfang März bei den Karrasbergen durch die ent­scheidenden Kämpfe Deimlings endgiltig zersprengt, auf eng­lisches Gebiet geflüchtet und dort entwaffnet. Die Tatsache des neuen Kampfes gegen Morengas Scharen, die sich nach ihrem Aufenthalt auf englischem Gebiet wieder zusammen­sanden und auch mit Massen gehörig versehen sind, muß peinlich überraschen. Mit dieser Tatsache muß der Opti­mismus, daß es im Süden der Kolonie bald mit den Kämpfen zu Ende gehen werde, erschüttert werden.

In Holland haben die Wahlen zur zweiten Kammer zu einer Niederlage der klerikalen Partei und zu einem Sturz der Regierung Kuyvers geführt; doch ist noch un­gewiß, ob die Liberalen Die Kraft zur Kabinettsbildung besitzen, bei der sie auf sozialistische Mitwirkung ange­wiesen sind.

Der deutsche Handelsvertrag mit Oester­reich-Ungarn gelangte am letzten Samstag im Zoll- ausfchuß mit allen gegen die Stimmen der Jungtschechen und Südslawen zur Annahme. Im Zollausjchuß erklärte der Ministerpräsident Gautsch, daß die ungar. Regierung bezüglich des Handelsvertrages bis zum gegenwärtigen Verhandlungsstaoium mit Oesterreich in loyalster Weise vor­ging und daß man bestimmt erwarten dürfe, daß bis zum Ablausstermine für den deutschen Handelsvertrag, dem 1. März 1906, auch in der anderen Reichshälfte die Mög­lichkeit parlamentarischer Erledigung gegeben sei.

Sollte dies wider alles Erwarten nicht der Fall

Bis zu dem Zustandekommen der Wahlrechts­reform bei uns in Hessen hat es leider noch gute, oder treffender gesagt, weire Wege. Vorerst scheint ihr Schicksal besiegelt sein. Nachdem die 1. Kammer klipv und klar erklärt hat, nur unter der Bedingung mit der Wahl- rechtsvorlage und insbesondere mit der E' "" direkten Wahlrechts einverstanden zu sein, wenn _ ihre Machtbefugnisse eine Erweiterung erfahren, eine For­derung, die mit der Wahlrechtsreform als solcher im Grunde garnichts zu tun hat, hat der Wahlrechtsausschuß der zweiten Kammer, wie vorauszusehen war, sich einstimmig auf einen ablehnenden Standpunkt gestellt. IN dieser Woche wird sich nun wohl auch das Plenum der Zweiten Kammer gegen eine Erweiterung des Budgetrechts der ersten Kammer er­klären. Bleibt dann aber die erste Kammer auf ihrem Ver­langen bestehen, so wissen die Götter, ob uno wann uns in Hessen die vom Volke wiederholt dringend gewünschte und von der Regierung vorzüglich vorbereitete Reform des Wahlrechts beschieden sein wird. Dann wird es sich be­wahrheiten, was behauptet worden ist, daß mancher, der unter volkssreundlichem Getue zunächst in der 2. Kammer für die Wahlreform gestinimt hat, das nur getan hat in der sicheren Voraussicht, daß er Gelegenheit finden werde, vor allem Volke behaupten zu können, die Begehrlichkeit der ersten Kammer mache alle guten Absichten zu Nichte. So streut man, in ein populäres Mäntelchen gehüllt, dem guten Volke Sand in die treuen Augen.

Die preuß. Berggesetzkampagne dieses Win­kers ist mit der Annahme der Arbeiterschutznovelle im Land­tage zum Abschluß gelangt. Dreiviertel der konservativen Partei im Herrenhause ließ ihren Führer, den Freiherrn v. Manteuffel, im Stich und stimmte für das Gesetz. Diese Sprengung der konservativen Fronde in Preußen wird wohl nicht soshne Rückwirkung auf die weitere Entwicklung in der Partei bleiben. Hätte die Regierung auch bei dem Stillegungsgesetze ihre Festigkeit bewahrt, so hätte sie auch diesen Entwurf durchgebracht. Aber der Landelsminister zog ihn zurück, nachdem die Kommission ihm die Bestimmung über den Betriebszwang gestrichen hatte. Der Gesetzent­wurf über die zeitweise Mutungssperre wurde nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses angenommen.

Aus dem Kongreß der christlichen Berg­arbeiter in Oberhausen wurde die prinzipielle Bekämpf­ung der Sozialdemokratie in einer besonderen Resolution zum Beschluß erhoben. Bemerkenswert war die große ^Ver­traulichkeit Stöckers mit dem katholischen Bergarbeiterver- bande, die in einem Telegramm des Hofpredigers a. D. zum

Nr. 153

rieete» tieft* außer Sonntag-.

Dem Gießener Anzeiger Verden im Wechsel mit dem 8efRfd)tn Landwirt die Siebener Kamillen, ♦littet viermal in der Woche beigelegt.

Notationsdruck il Ver­lag der B rühl'schen tbrtoerl.-® u cb-u. Stein» druck erst. 9t Lang«. Redaktion, ttnwMtUm und Druaeret:

Ochulvratze 7.

NdreNe «fr Depeichem Vuzelger Gießen.

5ernft)red)an|d)ln6titr 61.

Die neuen Hisenvayntarife vor dem preußischen Avgeordnetenyause.

(Nachdruck verboten.)

Barlin, 1'. Juli.

Es liagt eine Interpellation Friedberg-Zedlitz vor. Söie- Staatsregierung sei in der Lage und bereit, über den Stand der Verhandlungen betrefiend eine einheitliche Reform des Per-, sonen- und Gepäcktarifs auf den deutschen Staatsbahnen Auskunft zu erteilen.

Mg. v. Zedlitz begründet seine Interpellation mmit dem Hinweise auf die Beunruhigung, die im Volke hervorgerufen ist durch die geplante Tarifreform. Wenn diese eine Verteuer­ung der Tarife herbeiführen sollte, werde sichele Regierung mit den Intentionen des Hauses in Widerspruch setzM; (sehr richt.) aller­dings sei gegen die Zuschläge für besondcrä.MuM^Züge nichts eiiizuwenden, ebensowenig gegen die Reform des Gepäcktarifs, dessen notwendige Voraussetzung das Freigepäck sei, was auch der Tarifreformer Professor Engel anerkannte.

Nein ist er v. Budde: Ick bin erfreut, der weiteren Be­unruhigung im Lande vorbeugen zu können. Die Tarifrefvrm ist unabweislich. Die Rückfahrkarten führten zu Be­trüg er ein in weitem Umfange; daher müssen wir die Rück- fahrlarte opfern. Wir stehen vor der Frage, wie sollen wir sie zum selben Tarif ersetzen. Zunächst soll an den besonders billigen Karten, Arbeiter- usw. Karten nichtsgeandert Uwrdcn; da bot sich denn die Abrundung des Kilometerpreises der wenig rentablen ersten Klasse auf 7 Pf. (Zustimmung). Sie Be» seitigu ng der vierten Klasse war untunlich (Bev- fall.) Schuf man aber für Ersetzung der Rückfahrkarte durch eine einfache Fahrkarte zum halben Preise der Rückfahrkarte kein Aequivalent, so verloren wir 15hz Mlllionen. Gleichzeitig mußte dev Gepäcktaris Süddeutschlands wegen geändert werden. Da lag es näher, daß'ich den süddeutschen Staaten nut Zustimmung des Handeistages entgegcnkam, das Freigepäck aufhob und für besonders schnelle Züge, insbesondere für die mtep. lokalen D-Züge einen Zuschlag einführte. Wie wett diese Zuschläge gehen sollen, kann ich nicht sagen, aber es sollen nicht etwa alle Schnellzüge mit einem Zuschlag belegt werden, sondern nur die durchgehenden Züge zum Schutze der weit Reisenden gegen Belästigungen auf einzelnen kurzen Strecken. (Zustimmung.) Die Rundreise hefte wollen wir nicht a b s ch a f f e n , sie werden auch den Kilometerpreisen ent­sprechend ermäßigt; um aber die Unbequemlichkeit der Em- bebung der Zuschläge zu umgehen, haben wir beschlossen, den Preis für die dr it t e Kl a s s e um 0,2, für die zweite und erste Klasse um 0,3 Pf. zu erhöhen; dadurch fallt der Zuschlag weg. Das Ergebnis ist, daß die dritte Klasse immer noch bänger ist, als bisher: die »loche und erste Klasse ist um einen minimalen Betrag höher. Dadurch gewannen wir einen einheitlichen Taris für ganz Deutschland, ohw: diesen ist eine Betriebs uiittelgemeinschaft, worüdLtz

(Erstes Blatt. 155. Jahrgang Montag 3. Juli 1905

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3 monatlich viertel

Gießener AnzeigerM

General-Anzeiger « ~ S

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Ausdruck kam.

In Oberschlesien machen sich die für die arme Bevölker­ung unerschwinglichen F l e i s a) p r e i s e besonders drückend bemerkbar. Es soll in einer Konferenz, an der die preuß. Ministerialbehörden teilnehmen, auf Abhilfe des Uebels ge­drungen werden. Auch im übrigen Deutschland, nicht zum wenigsten bei uns in Hessen, sind die Fleischprerse äußerst hoch. Es ist doch recht wünschenswert, daß eine Verbillig­ung der Fleischnahrung! durch Erleichterung der Einfuhr bewirkt wird.

In einem Prozeß gegen den Hallenser sozialdemokr. Redakteur Kun er t wegen Beleidigung des in China seiner­zeit beschäftigten deutschen Truppenteils (vgl. den Leit­artikel in unserer Samstagsnummer), dessen Revision Aus­sicht auf Erfolg haben dürfte, hat sich bei der Bemessung des Strafmaßes ein seltsames Begebnis zugetragen. Bei der verantwortlichen Vernehmung des Angeklagten fragte der Vorsitzende:Sie sino schon häufig vorbestraft?" worauf Kauert antwortete:Ja, wegen Preßvergehens." Der Vorsitzende erwiderte:,9tun, in den Akten steht noch etwas anderes. Sie find auch wegen Eigentumvergehens vorbestraft; im Jahre 1894 in Breslau wegen Unterschlag­ung." Kunert entgegnete:Ich hatte in dem von mir redi­gierten BlatteBreslauer Volksmacht" ein amtliches Akten­stück veröffentlicht und bin daraufhin wegen Unterschlagung bestraft worden." Darauf sagte der Vorsitzende:Wie Sie zu der Strafe gekommen sino, geh t uns nichts an. Wir sind nicht dazu da, die Urteile anderer Gerichte nachzuprüfen." Uns jedoch scheint es zu den Aus­

vollzog sich ohne besonderen Zwischenfall. Sechs Kriegs- chis e und eine Flotte von Torpedobooten kamen aus Se- vastopol in Odessa an. Krieger signalisierte den Meu­terern, sie sollten sich ergeben. Diese antworteten durch Signal, daß sie sich nur dann ergeben würden, wenn chnen vollständige Amnestie gewährt würde. Daraus ließ der Admiral seine Schisse einen Halbkreis um denPotemkiu" herum bilden. Sämtliche Geschütze der Kriegsschiffe waren auf denPotemkin" gerichtet. Der Oberbefehlshaber figna- ijierte noch einmal, wenn die Meuterer sich nicht ergäben, würde er das Schiff in beit Grund bohren lassen. Darauf ergaben sich die Meuterer bedingungslos und nahmen die rote Flagge als Zeichen der Uebergabe herunter. 10 Boote mit Marmesoldaten näherten sich demPotemkiu", tun bie Meuterer zu entfernen. Diese wurden unter die sechs Schiffe verteilt und sehen jetzt ihrer Bestrafung entgegen. 9Urchdem dann auch die anderen meuternden Sck)ifse zur Raison ge­bracht worden waren, kehrte am Samstag daS Geschwader unter der Führung des Vizeadmirals Krieger nach Sewasto­pol mit demKnjaes Potemkiu" zurück. Auch in an­deren Kriegshäfen brachen Revolten aus, so in Libau, wo während eines Zusammenstoßes mit Matrosen ein Schiffssähnrich verwundet, zwei Matrosen getötet und drei verwundet wurden. Die Meuterei der Matrosen in Libau ist infolge der schlechten Kost veranlaßt worden. Es geht das Gerücht, daß dort eine große Zahl von Matrosen ,ich verborgen hält, nachdem sie sich der Feuerwassen des Zeughauses bemächtigt hätten. Es wurden Kosaken aus- geschickt, um sie aufzusuchen.

Kurz darauf brach in Odessa em Ausstand bet Dockarbeiter und in der Umgebung von Odessa ein Streik der landwirtschaftlichen Arbeiter aus. Wie es heißt, soll wegen der allgemeinen Unsicherheit allent­halben uno des drohenden Generalstreiks über alle großen Städte Rußlands der Belagerungszustand verhängt werden. Unter den russischen Offizieren wurde eine Ver­schwörung entdeckt. In Kv wn o wurden auf Befehl des Festungstommandanten 1b Offiziere verhaftet. Die Verhaft teten werden beschuldigt, unter ihren Soldaten regierungs­feindliche Propaganda getrieben zu haben. Ein anonymer Brief hatte zur Entdeckung der Konspiration geführt. Die sestgenommenen Offiziere kommen vor ein Kriegsgericht. Unter ihnen befinden sich ein General und ein Oberst, In der GouvernementLstadt Kursk wurde ein Offizier von der Volksmenge durch Inbrandsetzung seines Wagens ge­tötet. Dazu kommen noch Arbeiterrevolten in Lodtz> War­schau und Sosnowice und der RÜcktr it t des r u s s: s chew Kriegsministers Sacharow. Als Nachfolger des. Ministers des Innern Bulygin, dessen Rücktritt gleich­falls täglich zu erwarten ist, wird Generaladjutant Jg- natieto, der ehemalige Generalgouverneur von Kiew, ge­nannt.

Außer mehreren englischen und einem deutschen. Dampfer haben die russischen Hilfskreuzer in den ost- asiatischen Gewässern nun auch noch den dänischen DampferPrinzessin Marie" in Grund gebohrt. Es ist unbegreiflich, wie untätig die zivilisierten Mächte diesem völlerrechtswidrigen Verfahren der russi­schen Kriegsmarine zusehen.

fein, so erwächst für Oesterreich die Pflicht, rechtzeitig vorzusorgen, daß unsere agrikolen und industriellen Jälter- essen in ihren Beziehungen zum Deutschen Reicke gewiß nicht weniger gewahrt werden, als im vorliegenden Ver­tragsinstrumente."

Uebrigens sei eine Note von der ungar. Negierung ein­gelangt, daß sie weiteren handelspolitischen Verhandlungen keine Schwierigkeiten bereiten werde.

In Schweden tragen sich einige Heißsporne ernstlich mit Kriegsaedanken gegen Norwegen. Latsäck- lich wurde in beiden Kämmern der Antrag gestellt, 100 Mill, der Regierung zur Verfügung zu stellen, und aus Kopen­hagen kommt die Nachricht von der verdächtigen dtordwärts- beweguiig eines aus 16 schweb. Schiffen bestehenden Ge­schwaders. Trotzdem glauben wir nach wie vor an eine friedliche Auflösung der skandinavischeii Union, zumal offi­ziös in Stockholm erklärt wird, daß diese Geschwaderfahrt mit politi chen Dingen nichts zu tun habe. Die deutsche Regierung widmet dem Unionskviiflikt besonderes Interesse. Der neu ernannte Gesandte v. Müller hat seinen Urlaub um einen Monat ab kürzen und sich schon jetzt nach Stockholm begeben müssen, und außer dem bisherigen Attachee Hauptmann Buchwald ist noch ein zweiter, Oberleutnant Rollc^ nach Stockholm kommaiidiert worden.

Die Marokko frage ist in eilt ruhigeres Stadium getreten Rouvier hat die Bülowsche Note erhalten, die den prinzipiellen Standpunkt der deutschen Politik wahrt, und übermittelte am letzten Samstag endlich dem deutschen Bot­schafter die Antwortnote, nach welcher Frankreich die anfänglichen Bedenken fallen läßt und im Prinzip die Ko n- ferenj annimmt.

Die Lage in Rußland wurde grell beleuchtet durch den Ausbruch der Militärrevolte in Odessa, wo an Bord des großen russischen SchlachtschiffesKirjaes Po- temkin" eine urüMvolle Meuterei, die sich auch auf andere Kriegsschiffe ausgedehnt haben soll, ausbrach. Odesia war der Schauplatz blutiger Kämpfe. Die Meuterer erzwangen nach Beschießung der Stadt die feierliche Beerdigung ihres getöteten Kameraden. Zahlreiche Handelsschiffe sind in Brand geschossen und der KreuzerSaratow" soll bei dem Bombardement in Flammen auf gegangen fein. Zwei Divi­sionen 3iii aterie sowie eine Artilleriebrigade stellieii end­lich die. ' wieder her. DerPotemkin" ergab sich dem zur Uii;i.LL-a<iimij der Meuterei üach Odessa e. up.no. en Admiral Kireger auf Gnade oder Ungnade. Die Uebergabe