Ausgabe 
31.8.1905 Zweites Blatt
 
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Bauern und insbesondere den bayr. Bauernbund äußert, hervorzuheben. Er weist darauf hin, daß sich alle Parteien zu Wahlzeiten fiu die stattlichen bäuerlichen Regimenter interessieren, die durch ihre innere Kraft und Zähigkeit einer Partei den Sieg zu verschaffen im stände sind. In den Kreisen des Zentrums, unter deffen Banner die bayerischen Bauern auch diesmal wieder in ihrer großen Maffe fochten, verhehlt man sich nicht, wie Graf du Moulin ausführt daß sichIm Bauernbund die große Gefahr aus­bildet, die einmal dem Zentrum drohen wird. Denn der Sieg gehört hier dem klarsten und einfachsten Programm. Das Zentrum hat weitgedchntere Pflichten, und wenn es auch in Bayern mit ausgezeichneter Taktik operiert, wenn es auch an seinen äußersten Flügeln wie in seinen Mittel­gliedern agrarische Fähnlein aufzuweisen hat, so dürfen es sich die Führer selbst nicht verhehlen, daß sie einer höheren Politik dienstbar sind. Des Zentrums Stärke liegt im Reich (und in Preußen) und trotz aller weißblauen Drapierung müssen die (bayerischen Zentrums-)Offiziere einsehen, daß sie Kontingent und nur Kontingent sind."

Ganz anders der B a u e r n b u n b, der in seiner ganzen Entwickelung einer bis zu einem gewissen Grade durchaus be­rechtigten Interessen Politik gehorsamt und über ein Programm verfügt, das einigend wirkt und eine starke und gesunde Anziehungskraft besitzt. Es war denn auch Zeit, daß der bayerische Liberalismus die Bedeutung des Bauernbundes ersehen hat, und er kann die Weiterentwickelung dieser Partei nur begrüßen."

Man hat wohl früher in ihm eine nationale Gefahr erkennen wollen, wie man jede partikulare Regung sofort als Reichsver­derben zu diagnostizieren pflegt. Die Diagnose aber ist falsch; denn es handelt sich dabei nicht um pathologische Erscheinungen, sondern um einen recht natürlichen Prozeß, der auf den Gesamt­organismus eine durchaus gute Wirkung hat. W i r müssen A'grarstaat sein nnb bleiben, gerade um der In - dustrie und ihrer Weiterbildung wegen. Es handelt sich hier nicht um ein bis zur Erstarrung forciertes Latifundien- systern (Großgrundbesitz), sondern um ebenso gesunde wie kleine Verhältnisse, die einer Weiterentwicklung wohl fähig sind. Wir sieben ja in Bayern (und ähnlich siehts bei uns in Hessen aus. D. Red.) vor einem eigenartigen Schau­spiel. Die Städte sind in voller Entwicklung, trotz­dem für dieselben von Staatswegen nichts ge­schieht. Starke innere Kraft macht die staatliche Fürsorge nicht entbehrlich, aber sie läßt den freilich vielfach recht erklärlichen Mangel daran weniger schmerzlich empfinden. Andererseits aber zeigt sich aus den gebildeten und den materiell leistungsfähigen Kreisen ein starker Abfluß auf das flache Land. Er entspringt keiner eigentlichenRousseaustimmung", sondern ist die durchaus gesunde Reaktion gegen das neroenschädigende Getriebe der Städte."

Das wird mit der Zeit auf die Parteigruppierung seinen Einfluß üben und die Bedeutung des Flachlandes mehr und mehr heben. Es wird sich ein Ausklärungsprozeß in wirtschaftlicher wie in ethischer Beziehung entwickeln, der vor allem eine gute Frucht zeitigen wird: die Erneuerung der Freude an der eigenen Scholle, mit einem Worte: die Seßhaftigkeit des Bauernstandes."

Es soll damit nicht gejagt sein, daß bisher auf dem Lande nur Verdumpfung und Versumpfung herrschte. Diese Anschauung ist grundfalsch und die jetzige Generation kann da noch Wunder erleben. Ostelbische Maßstabe an unsere Bauernschaft anznlegen, ift unmöglich. Sie ist an sich zu verschiedenartig und hat eine vielfach ganz entgegengesetzte Entwickelung genommen. Richt blos jeder Kreis hat ganz grundverschiedene Verhältnisse, sondern jeder Amtsbezirk weist seine Eigenheiten in gutem wie in schlimmem Sinne auf, genau wie die Boden- und die Wirtschaftsverhältnisse stark voueinanber abweichen. So handelt es sich meist um historisch notwendige und historisch gerechtfertigte Sachlagen, an denen zu rütteln vergebene Mühe wäre."

Das kann weder der Staat, noch die Partei. Und der riete fehl, der den Bauernstand blos nach feinen Vertretern im Abge­ordnetenhause ermessen wollte. In den Wahlen ist fein System und die lokalen Einflüsse spielen dabei eine fast allzu große Rolle . . . ."

Aks Kladt und Lang.

Gießen, 31. August 1905.

Molkerei-Kongreß. Der Verband der Vereine deutscher Molkerei-Beamten, -Besitzer und -Pächter hielt am Samstag im Zoologischen Garten in Frankfurt seinen Verbandstag ab, an dem etwa 80 Personen teilnahmen. Der Vorsitzende Br o cks-Bunzlau hielt eine Begrüßungsansprache und hieß insbesondere den Vertreter des Reichsoerbandes deutscher Molkereigenossenschaften, Geh. Negierungsrat Haase, willkommen. Im Namen des hessischen Vereins begrüßte Bell-Stockheim die Delegierten. Den Geschäftsbericht er­stattete Hild ebrandt-Lauterberg. Der Verband zählt 25 Vereine mit 1603 Mitgliedern. Die Kasse weist einen Bestand von 124.13 Mk. auf. Die Wohlfahrtskasse, die da­zu dient, in Not geratene Mitglieder zu unterstützen, hat 20 000 Mk. bei der Reichshauptbank in Berlin deponiert und besitzt außerdem ein Vermögen von 9000 Mk. Den Geschäfts­bericht über das Verbandsorgan erstatteten alsdann Direktor Poek-Neubukom und Geschäftsführer Hildebrandt. Dr. Krueger-Darmstadt referierte hierauf über das Thema Milchwirtschaftliche Zeitfragen". In den Vorstand wurde Frahm-Elmshorn wiedergewählt. Auf Antrag des schlesischen Vereins gelangte die Frage zur Erörterung, auf welche Weise sich eine Kautionskasse für unbemittelte Kollegen gründen lasse. Ein diesbezügliches Referat erstattete Thiessen- Schweidnitz. Die Angelegenheit wurde einer Kommission zur Beratung überwiesen. Der nächstjährige Verbandstag findet in Hannover statt. Einem Antrag des rheinländischen Vereins zufolge, bestehen in verschiedenen Kreisen des Vaterlandes Polizei-Kreisoerfügungen, wonach massiv-freistehende Fabrik­schornsteine der Reinigung durch den Schornsteinfeger unter­worfen sind, wodurch eine ganze Anzahl von Molkereien in Mitleidenschaft gezogen wird. Der Antrag ging dahin, der Verband wolle bei der Regierung beantragen, daß derartige Verfügungen aufgehoben werden. No rdmann-Varbeyen begründete den Antrag. Auf Vorschlag des Geh. Regierungs­rats Haase soll sich der Verband zunächst mit dem Reichs- verband der Molkerei-Genossenschaften ins Einvernehmen setzen, damit sie gemeinschaftlich mit den in Betracht kommenden industriellen Kreisen eine einheitliche Regelung der Sache bei der Regierung herbeiführen. Damit schlossen die Verhandlungen. Am Sonntag unternahmen die Verbandsmitglieder einen Ausflug nach Heidelberg. (F. G. A.)

"Ausstellung von Hunden aller Rassen in Kassel. Der Verein Hundesport in Kassel wird, wie er uns schreibt, am 16. und 17. September in der Haupthalle der Gewerbeausstellung seine erste internationale Ausstellung von Hunden aller Rassen veranstalten. Die Ausstellung wird von den maßgebendsten deutschen kynologischen Vereinen und Spezialklubs gefördert und unterstützt. Hohe Geldpreise, Becher. Diplome und zahlreiche Ehrenpreise, von privater

Seite und von den kynologischen Vereinen gestiftet, bilden die Auszeichnungen, welche den besten Hunden zuteil werden; allseitig anerkannte Sachverständige ersten Ranges werden die Hunde beurteilen. In den letzten Tagen sind die schon seit langer Zeit fertigen Drucksachen zur Verteilung gelangt, darunter 5000 Programme und 10000 Anmeldebogen, die nach allen Richtungen des Deutschen Reiches und des an­grenzenden Auslandes verschickt wurden. Programme und Anmeldebogen sind bei Wilh. Reich, Kassel, Jägerstraße 4, erhältlich. Meldeschluß ist am 6. September.

* Durch falsche ärztliche Behandlung er­blindet. In das Frankfurter städtische Krankenhaus wurde, wie man uns schreibt, kürzlich eine Frau aus einem Nach­barorte eingeliefert, die an einer schweren Hautkrankheit litt und seit längerer Zeit bet ihrem Hausarzt in Behandlung gewesen war. Bekanntlich werden bei verschiedenen Haut­krankheiten starke Gifte angewendet, um die Krankheitsstoffe im Körper zu vernichten. Der Hausarzt der erwähnten Fran benutzte Atoxyl. Es wurden nach und nach Injektionen bis zur Höhe von 27 Gramm gemacht, sodaß die Frau schließ­lich an einer hochgradigen Vergiftung litt. Eine Folge da­von war außer einer allgemeinen Körperschwäche, das all­mähliche Verlöschen des Augenlichts bis zur völligen Erblindung. In diesem trostlosen Zustande wendete sich die Frau an die Leitung des Frankfurter Krankenhauses und sie fand bald dort Aufnahme. Man ist dort bemüht, das Augen­licht der Frau wiederzugeben. Ob dies gelingen wird, steht noch dahin. Von ihrer Hautkrankheit ist die Frau geheilt worden, aber sie hat ihr Augenlicht verloren. In der Tat ein schlechter Tausch! Es ist zu hoffen, daß wegen des Falles, eine strenge Untersuchung eingeleitet wird.

Aussichtsturm auf der Hainigkuppe. Auf Ersuchen des Vorstandes des Vogelsberger Höhenklubs hin haben, so entnehmen wir demL. Anz.", die Freiherren von Riedesel gestattet, daß ein Steinturm auf der Hainigkuppe errichtet und in ihrem Gebiete nach den dazu erforderlichen Steinen gesucht wird. Ein etwaiger neuer Holzturm würde allerdings nur 1520 Jahre halten, wenn er auch mit der peinlichsten Sorgfalt zur Herbeiführung von Wetterbeständig­keit errichtet würde. Nach zuverlässiger Nachricht will sogar der kleine Zweigverein Herchenhain auf der gleichnamigen Höhe einen steinernen Turm erbauen; dann wird doch die stetig emporstrebende Kreisstadt Lauterbach wohl auch in der Lage sein, einen derartigen Turm im reizenden Hainig zu erbauen. Bis jetzt sind Mk. 700 für diesen Zweck an­gesammelt worden. Die Mitgliederbeiträge, welche halb nach Schotten ausgeliefert werden müssen, reichen nur knapp zur Deckung der laufenden Ausgaben für Reparaturen von be­stehenden Anlagen usw., weshalb die Kosten eines Turm­baues durch außergewöhnliche Einnahmen beschafft werden müssen. Der Vorstand des Vogelsberger Höhenklubs wird eine Liste zur Einzeichnung von freiwilligen Beiträgen für den genannten Zweck herumgehen lassen.

Bad Salzschlirf, 30. Ang. Am 23. August ist §um ersten Male der viertausendste Kurgast in Bad Salz­schlirf eingetroffen. Noch vor fünf Jahren zählte Salzschlirf ,am Schlüsse seiner Saison 1600 Kurgäste und nun wird be­reits Ende August die Zahl 4000 überschritten.

Aus dem Vogelsberg, 30. Aug. Die Fleisch­verteuerung greift jetzt auch auf das Land über, nach­dem sie seither nur in den Städten aufgetreten war. Das Pfund Schweinefleisch ist im Preis um 5 Pfg. aufge­schlagen, von 70 auf 75 Pfg., Blut- und Leberwurst sind von 70 Pfg. für das Pfund auf 80 Pfg. gestiegen, auch die übrigen Wurstsorten sind entsprechend teurer geworden. Für die Mastschweine wird zur Zeit ein Preis bezahlt, wie es seit einem Menschenalter nicht der Fall gewesen ist, nämlich 5254 Pfg. für das Pfund Lebendgewicht. Das war sehr oft der Preis für das Schlachtgewicht. Dabei ist das An­gebot keinesfalls der Nachfrage entsprechend.

§ Groß-Felda, 30. Aug. Dr. meb. Schaub, der längere Jahre hier mit Erfolg praktizierte, verläßt seinen hiesigen Wirkungskreis und siedelt nach Heidelberg über, um dort eine Stelle an einem Krankenhause zu übernehmen. Seine erst vor einigen Jahren erbaute prächtige Villa ist verkaufsfrei geworden. Sein Nachfolger wird Dr. Scriba aus Mainz werden.

Darmstadt, 30. Aug. Nach einem den Großh. Handelskammern zugegangenen Ausschreiben der Ministerial- abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, ist der Kaufmann Fritz Gösling zum Sachverständigen für Handelsangelegenheiten für Britisch-Jndien und die Kolonie Ceylon bestellt und vorläusig dem Kaiserl. Generalkonsulat in Kalkutta zugeteilt worden. Nach dem gleichen Ausschreiben wurde der Negierungsbaumeister a. D. Jonas zum technischen Sachverständigen bei dem Kaiserl. Generalkonsulat in Yokohama bestellt. (D. Z.)

I'. Düdelsheim, 29. Aug. Ein schweres Wetter zog heute mittag über unsere Gegend. Strichweise ging starker Hagel nieder. Hier und im benachbarten Rohrbach schlug der Blitz je in eine gefüllte Scheune, die auf den Grund niederbrannten.

Mainz, 30. Aug. Ein Familiendrama spielte sich am Montag in der Kasteler Gemarkung in einem Hause der Wiesbadener Chaussee ab. Der verheiratete 22jährige Arbeiter Ph. Becker kam in angetrunkenem Zustande nach Hause zurück und wollte nochmals die Kirchweihe he- suchen. Als seine Frau dagegen Einwand erhob, miß­handelte er sie. Auf das Hilfegeschrei der Frau eilte ein vorüberfahrender Fuhrmann in die Wohnung und dieser sah noch, wie die Frau ihrem Mann Pfeffer in die Augen schüttete. Der Betrunkene wurde nun vollständig wütend, er riß die Fenster auf und sprang vier Meter tief hinab in den Hof. Er fiel erst auf einen Lattenzaun auf und bann in ben gepflasterten Hof. Der Schwerverletzte, ber äußerlich keine Wunben aufwieS, würbe in seine Wohnung zurückverbracht, bie Polizei nnb Sanitätsrat Dr. Wallenstein geholt. Gestern morgen starb Becker, er hatte innerlich schwere Verletzungen erlitten. Die Staatsanwaltschaft hat Untersuchung eingeleitet. (M. I.)

Mainz, 29. Aug. Wie bemM. T." mitgeteilt würbe, soll im Befinden des Oberbürgermeisters Dr. Gaßner erfreulicherweise eine Besserung eingetreten sein, so daß er nunmehr außer Gefahr ist. Heber einen aufre genben Vorfall wirb bemM. Tgbl." aus Mombach berichtet:

Dort werben gegenwärtig bie Grunbarbeiten für bie Wasser­leitung ausgeführt nnb zu diesem Zweck größere Gräben auf­geworfen. Kaum waren gestern mittag bie Arbeiter weg­gegangen, als einige Kinber in bem Hofe des Braunbeckschen Gebietes in den nahezu zwei Meter tiefen Graben kletterten und zu spielen anfingen. Plötzlich bemerkten die Kinder, daß sich die Erde löste und sie brachten sich rasch in Sicherheit. Nur der 11 Jahre alte Sohn deS Nikolaus Mumm, ein etwas schwerhöriges Kind, hörte nicht bie Warnungsrufe seiner Spielgefährten nnb blieb ruhig in bem Graben, bis bie Erb­massen zusammenstürzten und den Kna ben verschütteten. Auf bas Geschrei ber Kinber nnb verschobener Frauen eilten die in ber Nähe besinblichen Gemeinbearbeiter mit ihren Schippen unb Hacken herbei nnb suchten nach bem Ver­schütteten. Es rourbe schon einiqe Minuten gegraben, bis man auf ben Arm des Kindes stieß unb es enblich gelang, unter fortwährendem Schaffen die Erde von bem Jungen zu schaffen unb ben Bewußlosen herauszuholen. Der Polizei- biener Heller stellte mit bem Knaben Wieberlebungsversuche an, bie nach langer Mühe glücklicher Weise Erfolg hatten.

sd. Wiesbaben, 30. Aug. Alles organisiert sich, so­gar bie alten unb jungen Witwen, bie möblierte Zimmer vermieten. Das ist für bie Junggesellen insofern eine traurige Nachricht, als baburch baS Äusrücken erschwert wird. In Wiesbaben tagen bie beu tschen Pensionsinhaberinnen seit gestern. Einen passenberen Platz hätten sie für biefen Zweck gar nicht finben können, benn in Wiesbaben ist im Laufe beS letzten Jahrzehntes jebeS zweite Haus eine Pension geworben. Daher kommt es, baß viele ber Inhaber recht schlechte Geschäfte machen unb bie Organisation soll jetzt Abhülfe schaffen. An ben Sitzungen, bie gestern begannen, nahmen etwa 5060 Damen, meist aus Wiesbaben, bann aber auch vorn Rhein unb sogar eine Anzahl aus Berlin, Dresben und Leipzig teil. An einer Reihe von Orten bestehen schon lokale Vereinigungen de^Pensionsinhaberinnen, so auch in Wiesbaden. Vorträge betr. die Verbandsgründung hielten Frau L. zur Red den ans Berlin, Fräulein Olga von Lücker aus Dresden und Fräulein Busch ha mm er aus Berlin. Heute dauerten die Verhandlungen fort unb in ben Nachmittagsstunben würbe bie ©rünbung eines beutschen Verbanbes beschlossen. Die Vorstänbe ber Lokalvereinigungen sollen einen Statutenentwurf ausarbeiten.

rmk. Frankfurt, 30. Aug. Die Heilsarmee hält gegenwärtig einen Kongreß in Frankfurt a. M. Gestern vormittag waren große OfsizierSversammlungen, abenbs fanb eine stark besuchte Festversammlung im Saalbau statt, wo der Kommanbeur für Deutschland Oliphant die Rede hielt. Die Beteiligung an dem Kongreß ist aus allen Teilen des deutschen Reiches sehr groß.

p. Wetzlar, 30. Aug. Heute stürzte hier ein Maurer­lehrling von dem zweiten Stock eines neuerbauten Hauses in die Tiefe unb erlitt baburch eine starke Verletzung am Kopfe. Becker, so heißt ber Verunglückte, mußte sofort in unser Krankenhaus gebracht werben. Wie wir hören, stammt ber Bebauernswerte aus Tiefenbach.

* WaS Lanbkinber von Bismarck wissen. ®th Leser berMünch. Allg. Ztg." legt bem Blatte nachfolgende Ansichten über Bismarck aus Schulheften im Original vor, bie von Schulkinbern im Alter von 11 bis 13 Jahren her­rühren : Der Fürst Bismarck war bei Seban. Fürst Bis­marck war im Kriege sehr tapfer. Er besiegte burch seine Tapferkeit viel Lanb. Dieser Fürst war auch in dem Kriege 187071 dabei. Fürst Bismarck hat sein Schloß auf bem Gebirke. Fürst Bismarck war in bem Kriege 1870 bis 1871 babei. Er wohnt in einem Schlosse an ber Donau in einem Walbe. Man schickte ihm von vielen Gegenben Wachtel Eiern um ihn zu ehren. Fürst Bismarck wollte bas beutsche Volk vereinigen unb zusammenhalten. Diesen Wunsch führte er im Jahre 1870 aus. Es führten bort bie Deutschen unb bie Franzosen einen Krieg. Dort war Fürst Bismarck der Heerführer. Unb es gelang ben Deutschen meist nur burch Bismarck, daß sie bie Franzosen besiegten. Er kennt sich besonbers gut in ber Lanbkarte aus. Er führte einmal die Deutschen im Kriege an eine Quelle, unb sie konnten nun ihren Durst loschen. Er wußte auch bie meisten Stege unb Wege. Der Fürst Bismarck ist geboren im Jahre 1815 ihm hat man schon mehrere Feste gefeihert. Er hielt mehrere Reben eine von biefen heißt: Wenn feine Kriege wäre so würben bie Leute so faul werben, wie bie Hunde unb würben unter ben Schatten ber Palmbäume liegen. Viele Tausenbe von Leuten reißen zu ihm hin um ihn zu sehen unb bringen ihm Eier ober sonst etwas mit. Er ift ein mächtiger Fürst. Fürst Bismarck (hate) war in bem Kriege 187071 auch dabei. Fürst Bismarck hat sein Schloß ihm schwarzwalb. Er hate zu bie Deutschen gesagt, bas sie sich zu einem Reiche zusammen halten sollen, bannt sie fterger sinb. Zu Dank schicken sie ihm 2 bis 300 Eier welche sie ihm Grase suchen.

* Die Cholera in Deutschlanb. DerNeichsanz.* melbet: Im preuß. Kultusministerium fanb am 28. bs. eine Beratung über bie Bekämpfung ber CH olera statt. Es nahmen Vertreter der Reichsbehörden und ber zuständigen preußischen Ministerien daran teil. Die Einführung einer allgemeinen gesundheitlichen Heberwachung des Schiffs­und Floßverkehrs auf der Weichsel, Brahe, bem Bromberger Kanal unb der Netze bis zur Warthemünbung würbe befürwortet. Die Heberwachung rourbe fofort seitens ber zustänbigen Minister angeorbnet. Der Oberpräfibent von Westpreußen rourbe zum Staatskommissar im Weichselgebiet, ber RegierungSpräsibent von Bromberg zum Staatskommissar im Gebiet ber Brahe, Netze unb bes Bromberger Kanals ernannt. Die obligatorische Leichenschau rourbe in ben ge­nannten Gebieten eingeführt unb 12 Stromüberwachungs­stellen unter Leitung von Aerzten im Weichselgebiet in Schilno, Schulitz, Kulm, Graudenz, Kurzebrack, Pinckau, Dirschau, Einlage Plehnenborf, Danzig, Marienburg unb Platenhof unb vier Stellen im Netzegebiet, nämlich in Nakel, Weißenhöhe, Hsch unb Czernikan mit UnterfunftSräumen für Kranke unb Verdächtige eingerichtet. Bis zum 30. August wurden 20 verdächtige Erkrankungen gemeldet, davon wurden 12 bakteriologisch als Cholera festgestellt. Sechs davon haben tätlich geendet. Die festgestellten Fälle betrafen Flößer, die in jüngster Zeit aus Rußland kamen und Personen, die mit