die westlichen Wolkcnberge ausbreitete. Er währte nicht, lange, wohl aber wurden diese Perge weis;, wie die Hochalpen mit ihren Gletschern, auch deren Formen sich näheriid, und mitten darin erschien ein weithin sich crflTcrfcnber tiefblauer Himmel, blau mag nach den uns vorliegenden Gemälden der Himmel über Neapel und üb^r den Fjords von Norwegen sein. Wer auch das schöne Blau muhte weichen. An seine Stelle trat cm herrliches Rosarot, den Fingern der griechichsen Eos vergleicAar, — und umleuchtete den ganzen Horizont. Nachdem nochmals das Gewölk sich 'm Feuerglut getaucht, gewann das Grau wieder die Oberhand, die Sonne trat wieder in ihr Recht, und mir bleibt nur die Erinnerung an die wundervolle Erscheinung, die ich mit meinen alten Äugen noch sehen durfte. Es ist doch schön aus unserer Erde, wenn man nur darauf ausgeht, das Schöne sich zu eigen zu machen. Th- B
In Burgos 'sand' die Beobachtung der Sonnenfinsternis durch deutsche, französische und holländische Astronomen bei vollkommen klarem Himmel statt. Eine überaus zahlreiche Menschenmenge wohnte dem Schauspiele bei. Vor Beginn der Finsternis waren grobe weiße Wolkenmassen am Firmament. Nach dem ersten Kontakt um 11 Uhr 46 Min. zogen immer wieder Wolkenschleier über die Sonne. Hm 12 Uhr 15 Min. stieg der Ballon „Jupiter" auf, dem nach je fünf Minuten die Ballons „Urano" und „Marte" folgten. Sie trieben vor mäßigem Südost, versuchten die hinderliche Wolkendecke zu durchbrechen und tier- schwanden im Gewölk knapp vor Eintritt der Totalität. Um 1 Uhr erschien die verdunkelte Sonne zwischen den Wolken und ließ die Korona weiß und rund ohne starke Zacken sehen. Mit dem Ncuerscheinen des Lichtes trat ein Wolkenschleicr vor die Sonne. Die Beobachtungen dürsten erfolgreich gewesen sein. Vom Kastel stiegen vor, während und nach der Totalität drei Sonderballons aus. Der König von Spanien war in der meteorologischen Station des Kastels zugegen.
Auch in Wien, Madrid, Lissabon u. a. O. hat man, nach vorläufigen kurzen Meldungen, die Sonnnif?^ste.rM gut he'chachten können.
Millionen in der Erde.
Wenn gesagt wird, die Friedensvereinbarungen dürften sich nach ihrem vollen Wert erst später beurteilen lasten, so gilt das ganz besonders von den Bestimmungen über die Insel Sachalin. Der russischen Trägheit zufolge, der die Insel zu nichts weiterem geeignet erschien als zum Aufenthaltsort für Sträflinge, hat sich die Vorstellung nahezu allgemein eingebürgert, Sachalin sei eine arme, unwirtliche Einöde. Das Gegenteil ist der Fall. Die Insel verfügt über einen ungeheuren Reichtum an Naturschätzen, der nur erschlossen zu werden braucht. Es sollen nach der Behauptung von Forschern die wertvollsten Mineralien sich vorfinden, wie Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Blei. Als feststehend kann ferner gelten, daß die Insel über bedeutende Erdölquellen verfügt; sucht doch bereits, w,e die „Voss. Ztq." meldet, die bekannte Standard Oil Company durch ihre in Japan wirkende Zweiggesellschaft Vorrechte auf die Oelfclder Sachalins zu erlangen.
Glückwünsche.
Das Glückwunsch-Telegramm deS deutschen Kaisers an den Präsidenten Roosevelt lautet in der Heber- setzung folgendermaßen:
„Neues Valais. Hier eingetroffcn, empfing ich eben das -tcle» oramm aus Amerika, das die Einigung der Friedenskonferenz über die Präliminarien des Friedens meldet. Ich bin hocherfreut und spreche Ihnen meine aufrichtigsten Glückwünsche zu dem großen Eriolge aus, der I h r e n u n e r m ü d l i ch e n 91 nstrengunge n zu danken ist. Die ganze Menschheit muß sich veremen, und wird dies auch tun, um Ihnen für die große Wohltat, die Sie ihr erwiesen, zu danken." ,
Dem deutschen Kaiser ist alsbald folgendes Telegramm des Präsidenten Roosevelt zugegangen:
„Ich danke Ew. Majestät für die Glückwünsche, und möchte diese Gelegenheit ergreifen, um meine tiesstgefühlte Würdigung der Art und Weise auszudrücken, in der Ew. Majestät m jebem Stadium meiner Bemü h u n gen, den Frieden t ni Osten zustande zu bringen, m i t g e w i r k t haben. Es ist eine sehr große Freude gewesen, mitEw. Majestät zu diesem Zielezuarbeiten."
König Eduard sandte folgendes Telegramm an Roosevelt:
„Lassen Sie mich einen der ersten sein, der Sie zu dem erfolg- reichen Ausgange der Friedenskonferenz beglückwünscht, zu dem Sie m so hohem Maße beigetragen haben."
Der Glückwunsch der „Nordd. Allg. Ztg.".
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt:
Wir begrüßen die Nachrichten über die Sicherung des Friedens mit lebhafter Genugtuung. Für Rußland bedeutet die über Erwarten rasche Einigung ein Ergebnis, das es dem r uh i 9 e n Ausharren des Kaisers Nikolaus und seiner Ratgeber in Petersburg, wie seinen Bevollmächtigten in Portsmouth verdankt. Darin liegt zugleich eine Anerkenn u n g der Summe u >i a n g e t a st e l e r Widerstandskraft, die deni russischen Kaiserstaate trotz feiner militärischen Mißerfolge verblieben ist, iind eine Widerlegung aller politischen Theorien, die sich auf der Unterschätzung der s l a v i s ch e n W e l t aufbauen. Den j a p a n i s ch e ii Staatsmännern mag der Entschluß, nachzugeben, nicht leicht geworden fein, aber er ehrt t b r c Weisheit, er läßt auch bei dem Friedensschlüsse rote wahrend des Krieges das in die Gemeinschaft der alten Kulturmachte so glänzend eingetretene junge asiatische Weltreich der besten Vorbilder roürdig erfcheineii, die die Geschichte der Staaten der abendländischen Zivilisation bietet. Das Entgegenkommen deS Kaisers und der Regierung Japans ginn Friedensschlüsse unter Verzicht auf schärfere Bedingungen kann um so höher bewertet werden, al^ es sich um einen Akt freiwilliger, keinem ausroar- tigen Drucke iv eichender S e l b st b e s ch r a n k u n g handelt. Wir beglückwünschen die beiden Souveräne, ihre Regierungen und Völker in aufrichtiger Freude zu dem erzielten Einvernehmen und hoffen, daß sich nach der Unterzeichnung des end- giltigen Friedensvertragcs ein Zustand herausbildet, der den bis- herigen Gegnern ermöglicht, in fester und guter.Bachbar', schäft nebeneinander zu leben. Leuchtend ist m der Geschichte unterer Tage das Verdienst eingetragen, das sich der Vr af id e ii t d e r V e r e i n i g t e n S t a a t e ii um die Sicherung des ^riedens- schluffes erworben hat. Es war ein Stück harter, aber meisterhaft geleisteter staatsmälinischer Arbeit, und die Menschheit, die für ihre Entwicklung den Frieden braucht, wird den Namen Roosevelt nicht vergessen.
Das größere Kompliment über die Friedensverhand- lungen macht also das offiziöse Organ der deutschen Reickfs- regierung den Russen. In zweiter Linie erst wird die „Weisheit" der Japaner gelobt. Augenscheinlich hat der gänzliche Verzicht auf Kriegscntschädig-ung, den zu verlangen der deutsche dem russischen Kaiser empfohlen haben mag, in unseren amtlichen Kreisen doch Ucberraschung hervor gerufen. Die Anerkennung der „Summe unangetasteter Widerstands- kraft", die Rußland „trotz militärischer Mißerfolge" verblieben sei, wird in Petersburg mit besonderer Befriedig ung ausgenommen werden. Kommt die Anerkennung auch von einer Macht, die Wert legi auf die Erhaltung freundschaftlicher Beziehungen, ist sie also nicht ganz frei von wohlwollender Parteilichkeit, so fällt sie doch ins Gewicht. Es ist eine Stimme mehr, die den Glauben an eine bessere 'Zukunft Rußlands ausdrückt. Diese Ueber-
zeugung milß von außen her nach Rußland hineingetragen werden. Sonst wird es lange dauern, ehe die dumpfe Resignation einem frischen Entschluß zu neuent Leben weicht.
Die Stimmung auf den Straßen Petersburgs, unter den Arbeitern, Kutschern, Bedienten :c. ist völlig gleichgültig!! Ueberrascht aber sind selbst die russischen Regierungskreise. An Witte gingen zahlreiche Glückwunsch- Telegramme ab. Allgemein glaubt man, daß Witte R eich s- kan zler werden und als solcher das große Werk der inneren Reformen praktisch durchzusühren haben wird. Die Militär- Kommandanten der Ostseeprovinzen und der Donschen Kosaken sowie der Provinz Kiew, wo die Mobilmachung bereits im vollen Gange war, erhielten den Befehl, mit derselben inne zu halten.
Japans Enttäuschung.
„Daily Mail" meldet aus Tokio, daß der allgemeine Unwille über den Friedensabschluß wahrscheinlich den Fall des Kabinetts zur Folge haben würde. Die Mißstimmung richte sich nicht so sehr gegen den Verzicht auf die Kriegskosten-Entschädigung als auf den Verlust der nördlichen Hälfte Sachalins. (Das glaubt wohl selbst der treueste Leser dieses englischen Blattes nicht. D. Reo.)
Ein französischer Korrespondent berichtet aus Portsmouth, daß Komura und Takahira nicht in den gemeinsamen Speisesaal gekommen sind. Gleich den anderen Mitgliedern der japanischen Mission haben sie sich vor niemand blicken lassen. Die Journalisten aus Japan erklären alle, sie schämten sich der Haltung ihrer Mission. Polizeiagenten bewachen das Hotel, da man fürchtet, die Entrüstung der Japaner könne zu einem Attentat auf die Delegierten führen.
Preß stimmen.
In Petersburg traf erst in später Nachtstunde die Friedensmeldung ein. Nur wenige Blätter konnten also bisher die Nachricht in Leitartikeln besprechen. Die deutsche „Petersb. Ztg." und die „Nowoje Wremia" sehen mit Bangen in'die Zukunft. Sie führen noch einmal die Ursachen der Niederlagen an und werfen der Diplomatie Kurzsichtigkeit vor. Sie schließen mit einer Drohung gegen Alle, die offen und insgeheim den Sturz Rußlands im Aus- lande vorbereitet haben. Die verletzte Eitelkeit des Volkes werde das nie vergessen.
Das französische offiziöse „Journal des Tebats" preist das Verdienst Roosevelts. Das Blatt glaubt, daß finanzielle Erwägungen Japan zu dem weisen Friedensschlüsse bestimmt haben, der ihm sehr große Vorteile dauernd sichere. Rußland gehe Dank seiner Zähigkeit aus dem Kriege zwar besiegt, aber noch immer gefürchtet hervor.
Sämtliche englischen Blätter drücken ihre lebhafte Befriedigung aus. Nur vereinzelt wird hervorgchoben, daß für Indien die Fortführung des Krieges besser gewesen wäre.
Der „Standard" nennt die Anstrengungen Wittes selbstlos und deutet an, daß eine indirekte Befriedigung der japanischen Geldforderung nicht ausgeschlossen sei. Die „Times" sagt, der japanische altritterliche Geist gestattete nicht die Fortführung eines Krieges um Geld. Japan überrascht ebenso durch weise Mäßigung, wie durch seine Siege. Einigen Londonern Blättern zufolge soll seit Beginn des Krieges ein geheimer Vertrag zwischen Japan und China bestehen, durch den sich China verpflichtet, Japan eine Entschädigung zu zahlen für den Fall, daß die Mandschurei wieder in chinesischen Besitz kommt. Daraus erkläre sich das Nachgeben Japans in Bezug auf die Kriegsentschädigung. (?) Der Portsmouther Korrespondent des „Daily Expreß" drahtet, das Geheimnis der Großmut Japans liege in der Klausel bezüglich der russischen Gefangenen, für deren Unterhalt Rußland bereit sei, eine Summe zu zahlen, die in Wirklichkeit Japans Forderung decke. (?)
In den amerikanischen Zeitungen spiegelt sich die herzliche Stimmung in Lobartikeln auf Roosevelt wieder. Die künftige Politik Roosevelts ziele auf eine Stärkung der Stellung der Vereinigten Staaten in Ostasien ab und die Verhinderung einer europäischen Koalition gegen Amerika.
Einige amerikanische Blätter stellen mit Genugtuung fest, daß Japan nun den Ausbau seiner Flotte nicht vollziehen kann. Japan würde sonst Amerika gefährlich werden. Nach einer Meldung der „Sun" beabsichtigt Rußland in Amerika eine Hundert Millionen-An- leihe aufzunehmen.
Zur Geheimgeschichte der seit vier Tagen in Tokio und Petersburg gemachten Anstrengungen werden in Paris allerlei unkontrollierbare
Einzelheiten erzählt, so u. a., daß mehrere Souveräne und Staatschefs dem Mikado die Zusage machten, fortan in Tokio Botschaften zu halten und den japanischen Vertretern die Botschafts-Privilegien zuzuerkennen, wofern er die Hand zum Frieden biete.
Hstseetage.
Swinemünde, 30. August.
Zur gestrigen Tanz-Reunion im Kurhause hatte das englische Geschwader nur jüngere Vertreter der Offiziersmette entsendet. TaS deutsche Geschwader lag um Mitternacht seeklar. Nachdem die letzten Beurlaubten an Bord gekommen waren, ging Großadmiral v. Köster mit der Schlachtflotte in den ersten Tagesstunden mit nordwestlichem Kurs in See. Um 5 Uhr früh war die deutsche Schlachtflotte bereits außer Sicht. Die englischen Torpedozerstörer im Hafen nehmen Kohlen ein zur Abfahrt.
Der Kommandant der cngl. Flotte, Wilson, stattete heute nachmittag in Begleitung eines Flaggoffiziers dem Vizekonsul Rose, dem-Landrat v. Bötticher, dem Bürgermeister v. Graetzel und dem Stellvertreter des Stadtkommandanten, Oberstleutnant v. Gronen, Abschiedsbesuche ab. Er sprach diesen Herren gegenüber sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß er infolge des schlechten Wetters verhindert sei, die den englischen Offizieren gewährte Gastfreundschaft, wie er beabsichtigt hatte, durch ein Bordfest auf dem Flaggschiffe „Exmouth" zu erwidern. Die englischen Matrosen hatten heute wieder Landurlaub. ES herrscht sehr schlechtes Wetter. Der Verkehr von Privatfahrzeugen zwischen den englischen Kriegsschiffen und dem Lande ist dadurch sehr eingeschränkt. — Der am Abend von der Stadt gegebenen Festlichkeit im „Elysium" wohnten 120 Matrosen und Seesoldaten des englischen Geschwaders bei. Vizekonsul Rose begrüßte im Namen der städtischen Behörden die Seeleute mit einer englischen Ansprache. Der Hinweis des Vizekonsuls, daß die Festlichkeit das freundliche Gefühl der gesamten Bürgerschaft zum Ausdruck bringen solle, wurde von den Teilnehmern mit Beifall ausgenommen.__
Deutsches Reich.
Berlin, 30. Aug. Heute hörte der Kaiser die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts v. Lueanus und des Mi- nisters v. Bethmann-Hollweg.
— Am 1. Oktober steht die Ausgabe neuer Postwertzeichen für Deutschchina und Kiautscho^u in "Aussicht. Die Aenderung wird darin bestehen, daß an Stelle der bisherigen Wertangabe in Mark und Pfennig die dem chinesischen Münzsystem näherstehende Bewertung nach Dollars und Cents tritt.
Bielefeld, 30. Aug. Die Gattin des Erziehers des Kaisers, Frau Geheimrat Hinzpeter, ist in Luc sur Mer gestorben.
Ausland.
Budapest, 30. Aug. Infolge der Fleischteuerung beschloß heute die Approvisionierungs-Kommission des Budapester Gemeinderates die Errichtung dreier kommunaler Schlachtbänke, die Fleisch zum Einkaufspreis feilbieten werden.
Toulon, 30. Aug. Gestern abend fand eine Konferenz der Admiralität statt, um über die Zusammenstellung eines Geschwaders zu beschließen, welches Zwecks Veranstaltung einer Demonstration nach den marokkanischen Gewässern gehen soll. 8 Schiffe sind hierfür ausersehen, welche innerhalb 48 Stunden zur Ausfahrt bereit sein sollen. Es sind dies 5 Kreuzer, 2 Panzerschiffe und ein Küstenwachtschiff.
Tanger, 30. Aug. Ein heute hier eingetroffener Spezial« kurier, der Fez am 27. August verlaßen hat, überbrachte die Meldung von der Freilassung des verhafteten Algeriers Bu Mzian.
— An der algerischen Grenze fand ein Kampf zwischen den Sultanstruppen und den Rebellen statt. Die Ersteren verbrannten die Hütten der Rebellen und töteten 25 Reiter des Thronbewerbers. Dieser wird in der Umgegend von Mellila erwartet. Die spanischen Behörden haben alle Vorkehrungen getroffen, um ihm im Notfälle begegnen zu können. Noghi sucht unter den Kabylen Leute anzuwerben, um mit ihnen die kaiserlichen Truppen von neuem anzugreifen.
Tiflis, 30. Aug. Nach einer Meldung aus Schouscha kam es dort gestern zu blutigen Zusammenstößen zwischen Armeniern und Mohammedanern. Die Mohammedaner begannen den Angriff, töteten einen^und verwundeten zwei. Die Armenier antworteten. Gegenwärtig wird ein lebhaftes Gewehrfeuer in der Stadt unterhalten.
bleibt nur die Tatsache, daß auch bei bedecktem Himmel die Temperatur in demselben Maße sinkt, obwohl hier die Wolke em Ausstrahlen der Erdwärme hindert.
Ebenso zeigt der L n f t d r u ck während einer Sonnenfinsternis ein ganz eigentümliches Verhalten. Sehr empfindliche Barometer zeigen während der Verfinsterung ein allmähliches, langsames Steigen des Luftdruckes, das mit dem Eintritt der größten Bedeckung der Sonne sein Marimnm erreicht. Diese Erscheinung findet i(we Erklärung in den Temperaturverhältnissen. Es bildet sich nämlich an den Stellen der größten Verfinsterung em schwaches, barometrisches Hochdruckgebiet, da sich die Luft wahrend der Verfinsterung abkühlt und verdichtet. An dieser Stelle fließt von den Seiten geringeren Druckes die Luft zusammen und bewirkt durch Stauung ein Steigen des Barometers. Uebrigens betragen diese Schwankungen des Barometers kaum Vt Millionster, sodaß sie nur mit den* feinsten Instrumenten nachznweisen
Es ist klar, daß im Zusamnienhang damit auch alle, anderen meteorologisclwn Elemente mehr oder weniger durch die Sonnenfinsternis eine Beeinflussung erfahren. Besonders mterejfant ist die Tatsache, daß oft ea. 20 Minuten nach dem Eintritt der Verfinsterung ein einmaliger, heftiger W i n d st o ß beobachtet wurde. Er findet wahrscheinlich in dem Steigen des Luftdruckes ebenfalls seine Erklärung. f ... „
Bedeutendere Wirkung auf unsere Witterungsverhalttiisse kann demnach der Sonnenfinsternis nicht zugesclstieben werden. Wohl -aber vermag sie bei Regenwetter, durch Temperaturemiedrig- ung zu geringer Verstärttmg der Niederschlage und der Lnft- bewegung beitragen. _ , . ,
Beobachtungen hierüber find natur ich am beiten dort an- »ustellen, wo die Witterungsveryältni.sse möglichst stetig sind. In unseren Breiten werden diese gmngen Schwankungen der Hltmosplstirilien nicht zu erkennen jein, denn sie »mrden überdeckt .und verwischt von der Unbeständigkeit iinseres Klimas.
Auch "bic diesjährige Sonnenfinsternis war, abgesehen davon, daß wir nicht in den Kernschatten kommen, zur Beobachtung un- süÄtig, da augenblicklich ganz Mitteleuropa von cyklonaler • Mttemns beherrscht wird. Geringere Schwankungen der Tempe
ratur und des Luftdruckes sind daher Nicht zu erFeimen.
Anders liegen die VerlMnisse im eigentlichen Gebiet des Kernschattens, in Spanien, Nordafrika, und den Mittelmeerlän- dern, über die die Verfinsterung als breiter Schlagschatten hingleitet. Sie sind für die Beobachtung sehr günstig, da in der jetzigen Jahreszeit dort meist stetig wolkenloses Wetter herrscht.
In Wetzlar war dieSonnenfinsternis, wie wir dem „W. A." entnehmen, recht gut zu beobachten. Allerdings wurde das leuchtende Sichelbild, welches sich dem Auge darbot, des öfteren durch die starken Wolkenbildungen verhüllt, die infolge des regnerischen Wetters fast den ganzen Tag über den Himmel stellenweise verdunkelten.
Trotz des geftriaen bewölkten Himmels wird uns von geschätzter Seite aus Gießen folgende schöne Schilderung übermittelt :
Heute morgen hatte ich angesichts des schwer mit Cumuluswolken belasteten Himmels auf den Blick in die teilweise verfinsterte Sonne verzichtet. Ta aber das Geivölk am Mchmittag lichter wurde, so richtete ich doch das Aiige nach oben und bald kam scheinbar eine helle Sichel, wie der Mond etwa im ersten Viertel, anzusehen, nur etwas größer, — von Ost nach West durch die Wolken gesaust. Es war unsere Sonne, die ich sah, zum größeren Teil durch 'den Mond verhindert, uns ihr ganzes Angesicht zuzuwendeii. Sie stand aber still, umgekehrt waren es die Wolken, die vom Sturm an ihr vorüber gejagt wurden. Nun war sie bald ganz eingehüllt, bald schien sie durch das düunere Gewölk und manchmal auch, wenn für Augenblicke der blaue Himmel sich zeigte, sandte die sichtbare Sonnen-Sichel ihre Sttahlen unverhüllt herab. Jetzt musste man aber die Äugen abwenden, wenn sie nicht not leiden sollten, bis die Szene sich wieder unrschleiert. Eine Zeit lang hatte ich nur Augenmerk fiir das so seltene Schauspiel hoch über mir, — plötzlich aber schrak ich zusammen, beim ich glaubte, im Westen eine Feuerglut auftauchen zu sehen, die sich mit rasender Schnelligkeit nach Süden und nach Norden ausdehnte. Mein Schrecken ging in Bewunderung des Zaubers über, den das Stückchen Sonne über


