Ausgabe 
31.8.1905 Erstes Blatt
 
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Nr. 304 Erstes Blatt.

155. Jahrgang

Donnerstag 31. August 1905

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Familien- blätter viermal In der Woche beigelegt.

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Verantwortlich für den polit. und allgem. Teil: P. Witt ko; für »Stadt und £anb' und Gerichtssaal": August Goetz; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

folgt; Meteorologen, Astronomen und Physiker sind an dieser Forscher arbeit beteiligt, um neue Einflüsse der Sonnenfinsternis auf unsere Erde zu erkennen, und wieder, einen Schritt weiter einzudringen in das Wesen der Naturerscheinungen.

Was dem Äoßen Auge des Beschauers sich aufdrängt, bei einer Sonnenfinsternis, die eigenartigen Vorgänge an der Sonnen­scheibe, das sind wohl heutzutage, auch ihrem Entstehen nach all­bekannte Ersckmnungen: Wenn bei einer Konjunktion der Neu­mond in größerer Nähe der Sonne steht, so muß er sie teil­weise oder völlig überdecken, er blendet sie ab für unsere Augen.

In diesem letzten stalle ist die Sonne ganz der Beobachtung entzogen; an ihrer Stelle zeigt sich rings um die dunkle Scheibe des verdunkelnden Mondes, ein Heller Kranz, die K o r o n a. Die Erscheinung der Sonnenfinsternis nennt man je nach der Größe der Verdunkelung eine partielle oder eine totale. Erreicht der Halbkegelschatten, den der Mond hinter sich'wirst, die Eri^, so erleidet diese eine partielle Finsternis, trifft dagegen der Kegel des Kemschcrttens die Erde, so haben die von ihm getroffenen Gegenden totale Sonnenfinsternis.

Da der Satten, den der Mond wirst, einen Kegel darstellt, der mit seiner Spitze die Erde berührt, kann nie die ganze Erdhälfte, für die die Sonne über dem Horizont steht, zu gleicher Zeit totale Sonnenfinsternis erhalten. Der Erdstreifen, der in den Kern­schatten fällt, beträgt ca. 220 Kilometer, nur für diesen ist die Finsternis eine totale. Je weiter man sich von dieser Gegend ent­fernt, um so geringer wird das Stück, das der Mond von der Sonne verdeckt, bis er schließlich ganz von ihr wegtritt.

Auf der gesamten Erdkugel sind in einem Jahre ungefähr fünf Sonnenfinsternisse zu beobacht^: lwmit ist aber nicht gesagt, daß für alle Orte der Erdoberfläche jebeS Jahr auch nur eine Verfinsterung sichtbar ist, denn der Mondschatten ist im Ver­hältnis zur Erdoberfläche sehr klein.

Von jefrr hat die Sonnenfinsternis für die Astronomen und Physiker ein Objekt der sorgfältigsten Beobachtungen abgegeben, hauptsächlich die Erscheinung der Korona, jenes, hellen. kranz­artigen Lichtringes, der bei totaler Verfinsterung die dunkle

Scheibe umkränzt. Durch die Entdeckung besserer astronomische« Fernrohre und besonders der Spektralapparate, hat man di« Korona in ihrem Wesen und ihrer chemischen Bestandteile aup3 genaueste zu erforschen vermocht. Auch die bekannten Pro-, tuberanzen, Wolken- und Flammen ähiiliche, dunklere Ge­bilde, die aus der Korona auSstrahlen, sind in neuer Zeit ein Gegenstand eifrigster Forschung geworden. Man hat erkannt, daß es ungeheure Mengen glühender Gase, besonders Wasserstoff, sind, die mit großer Geschwindigkeit in die Sonnenatmospharh hinanssckießen.

Nachdem man in neuester Zeit darauf aufmerksam wurde, daß mit der Verfinsterung der Sonne auch auf unserer Erde Störungen in den Naturvorgängen einhergehen, sind besonders in magnetischer und elektrischer Hinsicht Beobachtungen angestellt worden. Es möge genügen, zu bemerken, daß in einigen Fällen von Sonnenfinsternis, magnet-elektrische Störungen beobachtet mürben, die denen ähnlich sind, die das Nordlicht lyerirorruft In allerneuester Zeit hat man weiter erkannt, daß die Sonnen- sinsternisse auch für die Meteorologie von Bedeutung sind.

Die Meteorologen haben wiederholt Beobachtungen darüber angestellt, inwiefern die Verfinsterung ber Sonne durch ben Mond unsere Wittcrungssaktoren beeinflußt.

In allen solchen Fällen hat sich aus genauen Messungen er­geben, baß mit ber größten Verfinsterung ber Sonne, eine Er- niebtigitng ber Lust- unb Erbtemveratur um fast ein en Grad verbunden war. Das Sinken der Temperatur machte sich auch dann bemerkbar, wenn der Himmel mit Wolken dicht bedeckt war, wo also die Wärme der Eiche und Luft nicht in den Weltraum auSstrahlen konnte. Wenn man bedenkt, welch große Wärmemengen in der Sekunde die Sonne zur Erde straft, dann wird cs vielleicht erklärlich, daß eine minutenlange völlige Unterbrechung der Einstrahlung ein Sinken der Lust- unb Erd- temperatur zur Folge haben muß. Insofern ist die Wirkung ber Sonnenfinsternis mit einer wolkenlosen Nacht zu vergleichen. Hier, wie bort geht die Ausstrahlung in ben Weltenraum ungebinbert vor sich; Erde und Lust kühlen sich daher ab. Unerklärlich

Are ljeutige Aurnmer umfaßt 8 Seiten.

per Iriede.

Jetzt, da an dem Zustandekommen des Friedens- Vertrages zwischen Rußland und Japan nicht mehr zu zweifeln ist, dürste die Beantwortung der Frage: Was hat Japan durch den Krieg erreichen wollen, und was hat es tatsächlich erreicht?" von ganz besonderem Interesse sein. Welche Ziele Japan ver­folgte und verfolgt, konnte man aus einer Rede erfahren, die am 23. Oktober 1904 der frühere japanische Minister des Auswärtigen, Graf Okuma, vor der Korea-Chinesi­schen Gesellschaft in der Aula der Universität Waseda in Japan gehalten hat. Okuma, der die Absichten des Kabinetts von Tokio genau kannte, sprach deutlich aus, daß Japan zukünftig als Weltmacht dastehen wolle, die bei allen politischen Ereignissen, namentlich sofern sie Ostasien be­treffen, als ausschlaggebender Faktor in Frage komme. Was China anbetreffe, so sei kein anderes Land der Welt als nur Japan imstande, dieses Reich zur Zivili- satton zu leiten. Den Chinesen von heute fehle die Fähigkeit, sich zu regieren; um China in die Höhe zu bringen, müsse also zunächst die Regierung verbessert werden, und eben das sei die hauptsächlichste Mission Japans. Hierbei gleich von Eroberungen zu sprechen und bei den Chi­nesen Mißtrauen zu erregen, wäre natürlich das Verkehrteste, was man tun könne. Dasselbe gelte für Korea.Wenn aber China die Freundschaft Japans verachten sollte und den Einflüsterungen einer anderen Nation nachgibt, werden wir gezwungen sein, zu handeln!" Japan müsse künftig die Verantwortlichkeit für die Aufrechterhaltung des Frie­dens im fernen Osten übernehmen, und deshalb sei auch sein erster Grundsatz, die Friedensbedingungen der­art zu formulieren, daß zukünftig jede Unruhe imi fernen Osten vermieden werde:

Die Russen werden die Mandschurei völlig aufgeben müssen. Ebenso werden sie Wladiwostok nicht behalten dürfen, da es für die Aufrechterhaltung ber Ruhe in ben japanischen und chinesi­schen Meeren gefährlich sein würde, wenn es ben Russen in Zu­kunft möglich sein sollte, in Wladiwostok eine große Flotte zu­sammenzubringen. Nach Siegerrecht müssen wir uns dieses Hafens bemächtigen! Man wird uns auch die Mstenprovinzen abtreten müssen, auch werden wir Sachalin nehmen. Ferner wird Japan jedenfalls von ber ostchinesischen Bahn Besitz nehmen, unb even­tuell auch von derjenigen Strecke der transsibirischen Bahn, die in Wladiowstok mündet." Falls kiest Bedingungen erfüllt mür­ben, so bleibe noch die Frage:Was soll Japan mit ber Man­dschurei omangen?" Japan habe für die Mandschurei Tausende von Menschenleben geopfert und Millionen verausgabt; aber trotzdem sei es ohne Zögern zu ihrer Rückgabe an China bereit, unter der Bedingung: daß die Ordnung sowohl in der Man­dschurei, wie in ganz China aufrechterhalten werde, mit an­deren Worten, bis der Kaiser von China durch eine gute Regierung im Lande Ordnung geschaffen und es ber Zivilisation zugeführt hat, muß Japan auch notwendigerweise eine Stellung als Stütze Chinas behaupten."

Und noch deutlicher als Okuma hat erst vor wenigen Wochen der offizielle Finanzagent Japans in Washington, Baron Kaneto, die letzten Absichten und Ziele Japans enthüllt, indem er den gegenwärtigen Krieg als einen Rassen- und Religionskrieg der Japaner gegen die Russen bezeichnete. Der Westen würde gezwungen wer­den, künftig die Asiaten zu respektieren! Der Osten verfüge über so gewaltige Kräfte an Menschen und Reichtum, daß die westlichen Mächte gar nicht dagegen aufkommen könnten. In Zukunft würde in ganz Asien lediglich Japan die führende Macht sein!

Diese Hoffnungen und Wünsche Japans sind noch nicht in Erftillung gegangen; es hat angesichts der diplomatischen Schlauheit und zähen Hartnäckigkeit des Herrn v. Witte, angesichts der nachgerade scheel auf die Erfolge Japans blickenden Amerikaner und Engländer, angesichts der treuen Freundschastsäußerungen des deutschen Kaisers gegenüber dem Zaren und angesichts endlich der beginnenden Finanz­nöte feine Ansprüche erheblich herabsetzen müssen. Es hat

in der Hauptsache erreicht: das Zurückdrängen des russischenEinflussesin Korea und seiner äußersten Verteidigungslinie; Rußlands Entfernung aus der Mandschurei und die Anerkennung deroffenen SEür" daselbst, die Llbtretung des südlichen Teiles von Sachalin an Japan und die Kontrolle über die o st- chinesische Bahn, vorbehaltlich der Zustimmung Chinas.

Wladiwostok aber, die st enpr o vin z e n und einen Teil der transsibirischen Bahn hat cs nicht in seinen Besitz gebracht, ebensowenig vermochte es seinen Anspruch auf eine Kriegsentschädigung und Ueber- lassung der internierten russischen Schiffe durchzu­drücken. Was int übrigen noch von beiden Setten ab- und zugegeben werden mußte, wird man erst später, wenn der endgiltige Friedensvertrag vorliegt, erfahren.

Sv kann man denn den nachdenklichen Einwand hören, ob nicht Rußland mehr Grund habe, auf die Ge- schi cklichkeit seiner Unterhändler stolz zu sein. Das sei, so sagen die Ernüchterten, ja alles ganz gut und schön, daß Japan als Großmacht mit einer ver­vierfachten Interessensphäre aus dem Kriege hervorgehe aber was nütze die Ehre, was nützen die Zukunstsaussichten der Ausbeutung der Bodenschätze des längs des 50. Breiten­grades halbierten Sachalin, die Perspektive der Ausbreitung des japanischen Handels, der Ruhm gewonnener Schlachten angesichts des Umstandes, daß das Geld fehlt, das Rußland während des Krieges nach Milliarden zu bezahlen hatte. Das Geld, das dazu verhelfen sollte, Vie Wunden, die der Krieg geschlagen, so rasch wie möglich zu heilen. Das Geld, das Japan erlaubt, nach allen Seiten hin Aufträge zu erteilen, nm seine militärische Kraft auf eine bisher unerreichte Höhe zu bringen. Das Geld, das Japan mit dem Zauber der umworbensten Macht umgab, das wie ein befruchtender Strom auf die Unter­nehmungslust wirkte! Drei Milliarden Schulden, und keine Entschädigung für die aufgewen­deten ungeheuren Kosten das muß notwendig im ganzen Jnselreich die Freude dämpfen. Das ist ungefähr so, als wenn jemand einen langen Prozeß gewinnt, bei dem er hart bis an den Ruin gelangt ist.

Die Japaner lachten ein wenig zu früh. Sie lachten, als Minister v. Witte von Paris mit der Versicherung fortging, Rußland zahle keine Kopeke Kriegsentschädigung; sie lachten, als Finanzmänner bemerkten, ob Japan nicht doch über die Höhe der Entschädigungsfrcderungen mit sich reden lasse. Zuletzt aber lachte Herr v. Witte. Es war, wie er selbst erzählt, für ihn eine Ueberraschung, daß die Japaner von dem russischen Entweder-Oder sich ins Bockshorn jagen ließen und in den HauptMnkten nachgaben.

Immerhin ist Japans Erfolg nicht gering und bar; nicht unterschätzt werben. Der Ruf:Asien den . Asiaten!" wird in Zukunft noch viel lauter ertönen als : bisher. Die europäischen Mächte, ja sogar die Ber­einigten Staaten von Amerika haben, so schreibt ein genauer Kenner des fernen Ostens, Konsul Hofrat C. Rene in einer jüngst erschienenen Broschüre, alle Ursache, künftig ganz erheblich mit Japan und dessen Weltmachtgelüsten zu rechnen. In China dominiert Japan heute schon voll­ständig; die chinesische Armee wird bereits von japanischen Instrukteuren ausgebildet, und der Gesandte Japans, Uchida, übt den größten Einfluß aus auf alle Entschließ­ungen des chinesischen Hofes und des Wai-Wu-Pu, des Auswärtigen Amtes in Peking. Lange wird es jetzt wohl l nicht mehr dauern, bis das riesige Reich der Mitte ganz unter den politischen und wirtschaftlichen Einfluß Japans : kommt. Welche Folgen aber eine derartige Machtstellung Japans in China allein schon in wirtschaftlicher Hinsicht namentlich für die drei hauptsächlich interessierten Mächte England, Frankreich und Deutschland haben kann, bedarf kÄner näheren Ausführung. Es könnte leicht der Fall ein treten, daß Japan auch mit einer anderen Groß- macht es auf einen kriegerischen Konflikt bei irgend einer : Streitfrage ankommcn läßt. Biele Anzeichen sprechen dafür,

daß solche Konflikte mit Japan namentlich für Deutsch­land und Frankreich nicht mehr zu den Unmöglichkeiten zählen, sobald erst Japan sich stark genug ftihlt, nm einen Angriff auf die ostasiatischen 'Besitzungen dieser beiden Mächte zu unternehmen. Nach Rens erscheint selbst ein spaterer Konflikt mit dem jetzt Japan verbündeten England nicht mehr für ausgeschlossen.

Börse und Friedcnsschluß.

Während des Krieges hat die Börse eine lange Reihe» glänzender Tage gehabt. DieKriegskurse* übertrafen die FricdenSkurse aus den Zeiten, da keine Wolke den politischen Horizont trübte.Kriegsbestellungen", das war das Wunder wirkende Wort, das immer wieder eine feste Stimmung schuf. Wenn der eine und andere Großbetrieb über Erschwerung des Geschäftsganges durch die Kriegswirren klagte, so mußte der Hinweis auf die riesigen Aufträge für ganze Industrien alle Bedenken beschwichtigen helfen. Es klingt grausam, aber es ist so: für die Börse bedeutete der ostasiatische Krieg eine fast ununterbrochene goldene Ernte. Und die Börse steht, wenn man auftichtig sein will, den Friedensschluß mit einem heitren, einem nassen Auge an. Es wird eben das hauptsächliche Moment derAnregung" ausgeschaltet. Mit Friedensbestellungen brauchen sich Japan wie Rußland nicht so zu beeilen. Beide Mächte werden auch mit den Summen, die sie zur Wiedereinrichtung auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege der äußeren Anleihe entnehmen, notgedrungen haushälterisch umgehen muffen. Rur im Trubel des Krieges wird aus dem Bollen gewirtschaftet und nicht lange um den Preis gefeilscht. Wenn gestern die Börse das Ereignis durch eine stürmische Hausse feierte, so bewies schon die merkliche Abschwächung am Schluß, daß ber Höhepunkt überschritten ist, und daß die Börse demnächst unter dem nach Generaldirektor Ballinüberheizten Dampf- keffel" das Feuer mäßigen wird.

Daß es Herrn v. Witte gelungen ist, von den vielen Lasten, die schon auf Rußland ruhen, wenigstens die eine hinwegzunehmen, die einer bedeutenden Kriegsentschädigung, ist natürlich für Rußland finanziell von großer Tragweite. Dies zeigte sich auch in den Kursen, die gestern abend ab­geschlossen wurden. Alle russischen Staatsfonds gewannen 34 Proz. und auch die Prioritäten sowie die russischen Banken wurden wesentlich höher gehandelt. Die Nachfrage nach russischen Werten war vom Beginn der Börse an bis säst zum Schluß ganz außergewöhnlich stark. Die Hausse- slimmung übertrug sich auch auf die meisten übrigen Fonds; die japanischen Anleihen gewannen jedoch nur l1/» Proz.

Außerdem waren Schiffahrtsaktien wesentlich höher mit Rücksicht auf den bevorstehenden Rücktransport der Truppen. Am Montanaktienmarkt waren hauptsächliche Hütten werte gesteigert in der Hoffnung auf große Be­stellungen; Laura Hütte gewannen allein 6 Proz.

Roosevelt

sagte in feiner Antwort, als ihm von Witte und Rosen daS Friedensabkommen mitgeteilt wurde, er könne nicht genug ihnen und der ganzen zivilisierten Welt seine Glückwünsche aussvrechen, daß zwischen ihnen und ben Bevollmächtigten Japans eine Einigung erzielt und hierdurch der Friede ge­sichert worden sei, der für beide Seiten ein ehrenvoller sei. In gleicher Weise antwortete der Präsident dem Baron Komura.

Die Aufstellung des Friedensvertrages.

Portsmouth, 30.Aug. (Reuter.) Pros. v. Martens und der Rechtsbeistand der japanischen Friedenskommission, Dennisen, kamen heute nachmittag zusammen, um mit der Aufstellung deL Friedensvertrages zu beginnen.

Hleöer Sonnenfinsternisse.

Von W. P e p p l e r, Gießen.

(Original-Arttkel des Gießener Anzeigers.)'

Für die Völker der Erde waren zu allen Zeiten Sonnen- unb Mondfinsternis Ereignisse von bedeutendem Interesse. Wenn tu alten Zeiten der Mensch die Sonne sich versmstmi sah, auf seltene, unerklärliche Weise, wenn am Hellen Tage ben Himmel ein düsteres Grau überzog, und die Sterne hervortraten, da muß ihm wohl der Gedanke gekommen sein, daß die Sonne sich auf immer für ihn verdunkele. Das Gestirn, das der Erde Licht und Leben spendete, drohte zu erlöschen war es nicht zu verwundern, das; der Naturmensch mit Grauen und Furcht diesem Sck>ausviel zusah. Denn er fühlte instinktiv, daß es nur die Sonne sei, die das Leben und ihn selbst auf Evd^r erhalle mit ihrem Lichte. Daß diese Verfinsterung sich öfters wieber- hole, periodisch Wiederkehre und verschwinde, das konnte er n^ ahnen. Die Erscheinung war zu selten und trat zu Plötzlich em, Wc^Erst^ im^Laust * von Jahrtausenden, als der Mensch langsam eindrang in das Wesen ber Erscheinungen um ihn her, da lernte er auch die wahre Natur ber Sonnenfinsternis langsam erkennen Langer Arbeit ber Forschung hat es bedurft, bis die Erkenntnis

Heute bedeuten diese Sonnenfinsternisse die höchsten Triumphe bet astronomischen Berechnungen, indem die Astronomie mit mathe­matischer Sicherheit Eintritt und Dauer, oorauszubestimmen ber- mag mit Hilfe der Gravitationsgesetze Nur rm Aberglauben des Volkes haben sich noch jene allen Anichauungen ,bis heutzutage erhalten. Für die Wissenschaft haben diese periodischen Sonnen- finsteriiisse, wie -allle Himmelserscheinungen nur noch den Wert ber exakten Forschung. Gerade in diesem Jahre sind an vielen Punkteii der Erde, die in die Verfinsterung treten, die umsangs- reichsten Beobachtungen angestellt worden.

Mit den besten Instrumenten werden alle VerhalMiffe ver-