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Die Zahl der getöteten Armenier beträgt neun, die der getöteten Mohammedaner dreißig. Die russische Polizei fahrt fort, die armenische Bevölkerung zu entwaffnen.
Aus Stadt and Km-.
Gießen, 31. August.
* Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog 2)erben dem Hauptmann Stein im 1. Ermländischen Infanterie-Regiment Nr. 150, seither im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hcff.) Nr. 116, das Ritterkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Der Kreisdiener bei dem Kreisamt Heppeyheim, Ostheim, wurde mit Wirkung vom 1. Oktober 1905 auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner 50jährigen treuen Dienste, in den Ruhestand versetzt. — Ernannt wurde am 26. August d. I. die Gefangenwärterin am Provinzialarresthaus in Gießen, Elisabeth Peter, zur Gefangenaufseherin an dieser Anstalt mit Wirkung vom 1. Oktober 1905.
** Zur Landtagswahl. Die Sozialdemokraten haben soeben auf ihrer Kreiskonferenz den Redakteur des hiesigen sozialdemokratischen Wochenblättchens als Kandidaten für den Landkreis Gießen aufgestellt. Die bürgerlichen Parteien dagegen zögern allzusehr mit den Vorbereitungen zur Wahl.
** Vom Man över des 18. Armeekorps. Der gestrige Tag war für den größten Teil der Truppen ein Ruhetag. Die 41. Jnfanterrebrigade, welche bis zum Montag ihr Exerzieren bei Vilbel ablsielt, ruckte vorgestern früh zum Brigademanöver aus. Die 166 (.Hanau), die durch Einziehen von Reservisten zu 3 Bataillonen ergänzt worden sind, hatten vom 16.—18. August in Vilbel, Massenheim, Harheim, Berkersheim Standauartier. Die 41. Brigade begann vorgestern früh ihr Gefecht am seitherigen Exerzierplatz Heidenstock, vo.n wo es sich nach Preungesheim und Eckenheim hinzog. In dem dortigen Gelände bezogen auch die Truppen nachmittags Quartier, und zwar die 80er in Niederursel, Weiskirchen, die 166er in Heddernheim und Umgegenb. Das Gefecht wurde vom Brigadekommandeur v. Puttkammer geleitet. Die Hanauer Ulanen und das Dragonerregiment Nr. 6 (Mainz), sowie die Artillerie Nr. 63 „Frankfurt" nahmen am Gefechte teil: diese haben in Friedrichsdorf und Umgegend Quartier bezogen, nachdem sie tags vorher von ihrem Uebungsplatz bei Oberems-Wüstems ein trafen. Die 41 .Brigade bleibt bis zum 1. Sept, in den genannten Quartieren, um in der dortigen Gegend die Brigademanöver fortzusetzen. Die 42. Jnfanteriebrigade, 87er und 88er üben gegenwärtig in der Gegend westlich von Wiesbaden bei Langenschwalbach. Am i. September rücken sie nach Homburg und Oberursel zu. Die 49. hessische Brigade übte gestern in der Gegend Jdstein- Hahnstätter: in diesem Ort liegt der Regiments st ab der 116er: die Truppen waren gestern in der Gegend Hohenstein, Brcidhart, Michelbach im Quartier. Auch diese Brigade trifft mit der 50. (117er und 118er) am 4. Sept, in der Gegend von Nordenstadt, Wallau, Hofheim ein. Zwischen den beiden hessischen, sowie den beiden preußischen Brigaden enden die Manöver am 3. Sept., vom 4.-6. Sept, manövrieren diese Divisionen gegeneinander. Diese Divi'ions- Manöver spielen sich — der Gefechtsstellung nach zu urteilen — auf dem Gelände zwischen Wiesbaden-Okriftel und Homburg-Vilbel ab. Generalinspekteur Lindeguist schlägt bereits am 2. Sept, in Homburg sein Hauptquartier auf. Am 7. Sept, hat das ganze 18. Armeekorps Ruhetag. Vormittags um etwa 10 Uhr trifft das Kaiserpaar in Homburg ein: Teile des Kaiser Wilhelmregiments Gießen, der bayerischen Kaiser Wilhelm-Ulanen und das 3. Bataillon der 80er nebmm nm Bal^bof Aufstellung.
" Gastwirte Versammlung. Wir weisen nochmals auf die heute nachmittag im „Löwen" stattfindende allgemeine Gastwirteversammlung hin, die mit der Frage der Preiserhöhung für Fleischspeisen in Anbetracht der herrschenden Fleischteuerung sich beschäftigen wird. Es werden dazu auch die nicht dem Gastwirteverein angehörenden Wirte eingeladen.
R. B. Darmstadt, 31. Aug. (Eigener Draht- öericht.) Ein Eisenbahnunfall ereignete sich heute morgen gegen 3 Uhr auf dem Bahnübergang in der Pallaswiesenstraße. Dort ergriff ein nach Aschaffenburg gehender Arbeiterzug das Fuhrwerk des Fuhrunternehmers Gründler und traf beide Pferde. Das eine war sofort tot, das andere wurde derart verletzt, daß es alsbald getötet werden mußte. Der Kutscher blieb glücklicherweise unverletzt.
Mainz, 30. Aug. Nachdem schon vor einiger Zeit ein Aufschlag der Fleischpreise eingetreten ist, sind nunmehr auch seit einigen Tagen die Preise für Wurst das Kilo um 20 Pfg. erhöht worden. Bei einzelnen Metzgern gingen verschiedene Wurstsorten sogar um 40 Pfg. das Kilo in die Höhe. — Der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion auf Aufhebung der Grenzsperre für Schlachtvieh behufs Linderung der Fleischnot wurde von der heutigen Stadt- verordneten-Versammlung ohne Debatte einstimmig angenommen.
Worms, 27. Aug. Nach dem Jahresbericht über die Tätigkeit der Schulärzte in den städtischen Volksschulen gab es unter den sechsjährigen Schulanfängern auf 1000 Kinder 757 mit schlechten Zähnen. In Anbetracht dieser hohen Anzahl von Beanstandungen wird der Vorschlag gemacht, im Anschluß an das städtische Krankenhaus eine städtische Zahnpoliklinik zu errichten, in der die Kinder der Armen und Wenigbemitteilten unentgeltlich behandelt werden sollen.
Kassel, 29. Aug. Im Residenztheater wäre es gestern abend beinahe zu einer Brandkatastrophe gekommen. Während der Aufführung von „Durchlaucht Radieschen" verbreitete sich plötzlich direkt von den Eingängen her ein ungeheuerer Qualm im Zuschauerraum. Von den Hinteren Bänken erscholl der Ruf Feuer! und das Publikum stürzte zu den Ausgängen. Mehrere Damen sielen in Ohnmacht. Dank dem raschen Eingreifen der Feuerwehr trat bald Beruhigung ein. Es stellte sich heraus, daß das Feuer in einem unter dem Zuschauerraum befindlichen Keller ausgebrochen war. Nach einer halben Stunde war der Brand gelöscht, die Vorstellung konnte zu Ende geführt werden.
♦ Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. In Fulda ist der DratorienFonwomit Domdechant Müller gestorben. — Zwischen Heppenheim und Bensheim wurde am Montag der Streckenarbeiter Mischler von Heppenheim von einem Schnellzuge der Mam-Neckar-Bahn uber- lahren und sofort aetötet. — In der Leipzigerstraße m H a n a u
fiel beim Spielen ein vierjähriges Kind aus dem Fenster einet Mansarde, wurde aber von der Dachrinne aufgefangen, wo es ruhig liegen bleib, bis es aus seiner gefährlichen Lage befreit wurde.
vermischtes.
Heidelberg, 30. August. Schon wieder prangen an den Plakatsäulen die bekannten roten Plakate der Staatsanwaltschaft, die ein neues Verbrechen verkünden. Diesmal handelt es sich um einen seit dem 30. Juli versch ollenen Engländer, der sich an diesem Tage aus seinem Hotel unter Zurücklassung seiner Sachen entfernte und bisher nicht dahin zurückgekehrt ist. Von der Staatsanwaltschaft wird heute folgendes Ausschreiben erlassen: Vom 28. bis 30. Juli wohnte im Hotel „Rheingold", hier, der Engländer Th omas Reid, Lehrer von Paisley in Schottland. Am 30. Juli, morgens zwischen 10 und 11 Uhr, hat sich Reid unter Zurücklassung seines Gepäckes und seines Fahrrades aus dem Hotel entfernt und ist seitdem spurlos verschwunden. Die Heidelberger Staatsanwaltschaft ersucht um eingehende Fahndung nach dem Vermißten und setzt auf dessen Ermittlung eine Belohnung von 300 Mark.
'Kleine Tageschronik. Wegen eines Zerwürfnisses mit Angehörigen hat s i ch zwischen Tageiort und Scharfenberg bei Berlin ein Liebespaar mittels Blausäure zu vergiften versucht. Beide befinden sich jedoch in der Charitä außer Lebensgefahr. — Eine große Feuersbrunst hat gestern nachmittag den südwestlichen Teil des alten Frankenstädtchens Seßlach zerstört. Zahlreiche Familien sind obdachlos geworden. Zur Ablösung der Feuerwehren wurden Soldaten vom 5. Infanterieregiment in Bamberg telegraphffch requiriert. Eingeäschert sind 15 Wohnhäuser, 11 Scheunen und 29 Nebengebäude. Der Brand entstand durch Explosion des Kessels einer Dreschmaschine. Der Schaden ist unermeßlich. Ein Feuerwehrmann wurde schwer verletzt. — In der Umgebung der Stadt Kratowo in Mazedonien sind in kurzer Zeit 25 christliche Bauern ermordet worden. — In der spanischen Stadt Malaga nimmt die Hungersnot immer stärkere Formen an. Arbeiter überfielen einen Eigentümer. In der Nacht wurden drei Personen getötet. — Der frühere Oberpräsident der Provinz Posen, v. Willamowitz-Möllen- d o r s, der vor einigen Tagen vom Pserde stürzte, ist an den Folgen der Verletzungen, zu denen sich eine Lungenkomplikation gesellte, auf seinem Gute Kobelnik gestorben. Die Beisetzung erfolgte auf dem fflute Möllendorf. — In Budapest haben noch nicht ermittelteHochstapler einemFabrikanten unter der Vorspiegelung, ihm den Franz Josesorden zu verschaffen, 15 000 Kronen herausgelockt. Der Betrogene hat wegen der delikaten Angelegenheit es unterlassen, Anzeige zu erstatten, jedoch Privat-Detective mit der Einleitung von Recherchen betraut.
Nniverstläts-Machrichten,
Posen, 30. Ang. Von der königl. Akademie wurden mehrere Breslauer Professoren mit Vorlesungen über evangelische und katholische Theologie für das Wintersemester beauftragt.
Kandel und AerKesir. Volkswirtschaft.
Erz-Kuxe.
Fernie. Angebot 4175, Nachfrage 4100. Ausbeuten und Zubußen 1903: 225; 1904: 300.
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., 31. Aug. (Telegr. Orig.-Bericht deS , Gieß. Änz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 30 Ochsen, 2 aus Oesterreich 8 Bullen, 00 aus Oesterreich, 45 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 ans Oester., 00 Kälber, 00 Schafe und Hämmel, 00 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 77 bis 79 Mk., 2. Qual. 70—73 Mk., 3. Qual. 65—67 Mk.; Bullen 1. Qual. 63—65, 2. Qual. 60—62; Kühe 1. Qualität 69-71 Mk., 2. Qual. 64—66 Mk., 3. Qual. 51—53 Mk., 4. Qual. 48-50 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber 1. Qual. 00—00 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg,, 2. Qualität 00—00 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg., Schlachtgew. 00—00 Pfg.; Schafe: i. Qual. 00—00 Pfg., 2. Qual. 00—00 Pfg. Geschäft gut. Markt unbedeutend.
Arbeiterbewegung.
Köln, 30. Aug. In einer Versammlung des Arbeit- geberschutzverbandes der deutschen Tischlerverbände und Holzindustriellen wurde bekanntgegeben, daß der A u s st a n d der Holzarbeiter bedeutend zunimmt., heute sind bereits 80 Betriebe gesperrt. Die Aussichten für die Arbeitgeber seien günstig, fast alle Meister unterschrieben Solawechsel von mehreren 100 000 Mark, andererseits finden die Arbeitgeber eine energische Stütze an dem christlichen Holzarbeiterverband, dessen Mitglieder nicht in den Ausstand getreten sind, der Verband verpflichtete vielmehr 400 deutsche Zahlstellen zur sofortigen Entsendung von Gesellen hierher anzuhalten.
Essen a. Ruhr, 30. Aua. Die dlbstimmung der Bauarbeiterversammlung zog sich bis Mitternacht hin. 207 stimmten für und 101 gegen die Beendigung desAus- st a n d e s. Als das Resultat bekannt wurde, entftanb ein Tumult durch die Opposition, weshalb die polizeiliche Auftösung der Versammlung erfolgte.
Dortmund, 30. Aug. Die hiesigen Bauarbeiter stimmten nach stürmsisch verlaufener Versammlung mit 284 gegen 237 Stimmen dem Frieden im Baugewerbe zu.
Knginal-Draljlmetdungen.
Der Krüg.
Petersburg, 3CL Aug. Witte telegraphierte an den Kaiser Nikolaus: „Portsmouth, den 29. August. Ich habe die Ehre, Euer Kaiserlichen Majestät zu berichten, daß Japan Eurer Maj. Forderungen betreffend die Frie- densbedinaungen annahm, und so wird der Friede dank Eurer Majestät weisen und festen Entscheidung hergestellt werden und dies in genauer Uebereinstimmun g mit den Anweisungen Eurer Majestät. Rußland wird im fernen Osten die Großmach«t bleiben, die es bisher gewesen und für immer sein wird. Wir haben auf die Ausführung der Befehle Eurer Majestät alle unsere Geisteskraft und unser russisches Herz gewandt und bitten uns barmherzig zu verzeihen, daß wir nicht mehr tun konnten. (!!)
Portsmouth, 30. Aug. (Reuter.) Wie verlautet, werden die Verhandlungen über einen ruffisch-japanischen Handelsvertrag später stattfinden. Hinsichtlich der endgiltigen Vereinbarung eines Waffenstillstandes ist noch keine Verständigung erzielt. Witte erhielt ein Glückwunschtelegramm des Kaisers Nikolaus.
Oysterbay, 30 .Aug. Dem Präsidenten ging heute ein Glückwunschtelegramm des Präsidenten L o u b e t anläßlich des Friedensschlusses zu.
P o r t s m o u t h, 31. Aug. Die Artikellund 2des Friedensvertrages betreffend die Räumung der Mandschurei und die Vorherrschaft Japans in Korea sind bereits fertig gestellt, und man hofft, daß die Abfassung des gesamten Vertrages bis Samstag beendet ist. Indes weiß man noch nicht, wo der Vertrag unterzeichnet wird, ob in We'öington oder in Portsmouth.
Petersburg, 31. Aug. Der Zar begab sich mit dem Automobil in das Lager von Krasnoje Selo, wo er Befehl erteilte, die neuen Rekruten zu entlassen. Die Reservisten werden gleichfalls nach der Untcrzeich- nuna des Friedensvertrages in die Heimat zurück ge
sandt werden. Der Zar teilte deut Kommandanten des Lagers mit, daß der Waffenstillstand unterzeichn net sei.
London, 31. Aug. „Daily Telegraph" meldet aus Ncw-- Pork: Präsident Roosevelt wird demnächst sämtliche Staaten zu einer neuen Friedenskonferenz im Haag zusammenberufen. Auf diesem Kongreß sollen die 6 Punkte, welche auf der ersten Haager Friedenskonferenz nicht zur Diskussion gelangt sind, einer Erörterung unterzogen werden. Weiter soll der Gebrauch der drahtlosen Telegraphie, die Anwendung von Unterseeminen und die Behandlung der Kriegsgefangenen beraten, werden.
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Berlin, 31. Aug. In den ersten Tagen des August ist in Deutsch-Ostafrika der Ansiedler Hans Hopser, wie seine Familien-Angehörigen jetzt bekannt geben, im Alter von 29 Jahren auf seiner Farm Mtumbey in den Matumbi-Bergen durch die aufständischen Eingeborenen ermordet worden. Nähere Nachrichten über diese Bluttat liegen nicht vor.
Schönebeck, 31. Aug. Der Arbeiter Käßner ermordete das Kind seiner Geliebten in deren Beisein im Walde, indem er den Schädel an einem Baumstamm zerschmetterte und die Leiche darauf verscharrte. Diese wurde nunmehr aufgefunden und der Mörder verhaftet.
Essen a. d. Ruhr, 31. Aug. Tie Hinterbliebenen der bei dem Brande der Zeche „Borussia" verunglückten Bergleute beabsichtigen, sich an die Staatsanwaltschaft zu wenden, um ein Strafverfahren gegen die Verwaltung einzuleiten.
Thorn, 31. August. Die Cholera breitet sich im Netzegebiet aus; verschiedene Personen sind erkrankt. In Filchen und Gautoch ist je ein Flößer erkrankt und gestorben.
Paris, 31. Aug. Heute wird Rouvier dem Fürsten Radolin die schriftliche Erwiderung auf die deutsche Note über Marokko übergeben. Nunmehr sind auch alle Meinungsverschiedenheiten behoben, insbesondere die Art der Verhinderung des Waffenschmuggels zur See, sowie über die Organisation und die Leitung der Polizeiwachen in den Küstengebieten. Demnach bleibt nur noch der einzig wichtige Punkt über den Ort der Konferenz zu erledigen, da gegen den deutschen Vorschlag „Tanger" von französischer Seite gewichtige Gründe angeführt werden. — Die ebenso taktvolle wie wirksame Intervention des deutschen Gesandten Tattenbach in der Angelegenheit des Algeriers Bu Mzian hat hier in Regierungskreisen sehr guten Eindruck gemacht. Man zweifelt nicht, daß auf Tatten- bachs Rat hin sich der Sultan entschließt, dem Gesandten Taillandier einen Beweis seiner Wertschätzung zu geben, indem er den au? der Haft entlassenen Bu Mzian zur Verfügung des französischen Gesandten und nicht des französischen Konsuls stellte.
Paris, 31. Aug. Infolge der Freilassung des verhafteten Algeriers Bu Mzian in Tanger ist die französische Expedition nach Marokko auf gegeben worden.
Innsbruck, 31. Aug. Aus Christina wird berichtet: Der vermißte Kammersänger Johann Klingenberg aus Braunschweig ist tot aufgefunden.
Interlaken, 31. Aug. Die Direktion der Jungfrau bahn reichte ein Konzessionsgesuch ein für eine Auf- zugsanlage von der Station Eismeer bis zur Eigerspitze, 3974 Meter.
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag den 1. September 1905: Nachts kühl, am Tage wärmer, heiter und trocken. Aussicht: auf einige Zeit trockene Witterung.
Näheres durch die Gießener Wetterkarte.
Skisiffsnachrichtell.
Norddeutscher Lloyd.
In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz.
Bremen, 30. Aug. (Per transatlantischen Telegraph.! Der Doppelschrauben-Schnellpostdampfer „Kaiser Wilhelm der Große", Kapitän O. Clippers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 8 Uhr morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.
Telephonsscher Kursbericht«
Fran
3Vgo/o Reichsanleihe . . 100.80 3 % do. ... 89.70 3*/,% Konsols .... 101.10 30/n do ..... 89.90 R*/i>0/n Hessen .... 100.00 31/, % Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente . 101.85 4*/e% Oesterr. Silberrento . 101.70 4% Ungar. Goldrente . . 97.95 4°/o Italien. Rente , . . 106.05 4 % Portugieser I . . 68.60 3°/ Portugiesen. III . 68.30 1% Unif. Türken . . . 90.10 Türkenlose .....137.20
4% Griech. Monopol.-Anl. 54.85 40,0 äussere Arcentiner . 96.90 Tendenz: heute etwas schwächer,
Inrt a, II., 31. August 1905.
3°/0 Mexikaner .... 68.40 4Vg% Chinesen .... 97.60 Electric. Schuckert , . . 139.70 Nordd. Lloyd . . . . 139.30
Kreditaktien . . . , . 212.50 Diskonto-Kommandit. . 194.90
Darmstädter Bank . . . 149 70 Dresdener Bank .... 166 20 Berliner Handelsges. . . 172.50 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.80 Lombarden.....20.70
Gottbardhahn ..... —.— Laurahütte ..... 271.30 Bochum ..... 256.50
Harpener......221.60
Stnatschatzscheine . . . 100 30 besonders für deutsche Fonds und
Vermögen deutscher Versicherungs-Gesellschaften.
Tie Bedeutung der privaten Versicherungs-Gesellschaften für unser modernes Wirtschaftsleben wird u. a. auch durch die hohen Summen beleuchtet, die sie zur Deckung ihrer Versicherungsver- vflichtunqen angesammelt haben und ansammeln mußten. Das Vermögen aller deutschen Privatversicherungs-Gesellschaften betrug ultimo 1886 l*/2, ultimo 1900 31/. und ultimo 1904 4*/4 Milliarden Mark, ist also in den letzten vier Jahren um 1 Milliarde Mark gestiegen. Von dem gesamten Vermögen aller Gesellschaften entfällt auf die größte von ihnen, auf die Viktoria, und vom Ver- mögenszuwachs des letzten Jahres mehr als '/«. Die deutschen Gesellschaften, in erster Linie die Lebensversicherungs-fflesellschaften, legen ihre Kapitalien der Hauptsache nach in mündelsicheren ersten Hypotheken au. So fommt es, daß der Hypothekenbesitz einer einzigen Gesellschaft, der Viktoria, mit 413 Millionen Mk. noch um 84 Millionen Mk. größer ist, als der Besitz an Wertpapieren bei allen Gesellschaften aller Branchen zusammen. Die Lebens- versicherunqs-fflesellschaften haben die größten Rücklagen zu machen, bei ihnen befinden sich daher die größten Vermögenszahlen. Von dem fflesamtvermögen aller Gesellschaften von 41/, Milliarden Mark entfallen 31/, Milliarden auf die Lebensversicherungs-Gesellschaften, davon rimb Milliarde auf die Viktoria. Im Jahre 1904 stieg das Vermögen bei der Viktoria um 6,2 aus 484,6 Millionen Mark, bei der Germania um 17,3 auf 309,1, bei der Gothaer um 11,4 auf 299.1, bei der Leipziger um 15,6 auf 255,7, bei der Stuttgarter um 1 5 auf 243,4 u. L f. Der Vermögenszuwachs bei der Viktoria war ol'o größer, als bei den 4 angeführten Gesellschaften zusammen. Die Vermögensverwaltung kann bei den deutschen Gesellschaften fast durchweg als mustergültig bezeichnet werden. b"/8


