Ausgabe 
27.2.1905 Zweites Blatt
 
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Völker. Die BebeWo Theorie, baß der Sfenbel eine Flotte nicht nötig fet, ist gaidz falfcb. 2dc Notwenbigkrit einer Flotte jetgt «euch her japanische Krieg.

9Cfe. Cothein (fr. Bg.) enipsiehlt zur Deckung der Kosten Air die Flotte -ltrfhebung der Liebesgaben bei der Branntwein- steuer, «rußerdem Vermögens- und Erbscfeftssteuern. Damit smliestt die Debatte imb Titel Staatssekretär wird genehmigt. Beim Ab­

schnitt Werften bringt

Ma. Znbcil (SrU.'> Beschwerden iiber Behandlung von Ärbeiten, mit besonderer Berücksichtigung der ArbeitSverhaltuisse

Cki>. Adiniral. Rat HermS geht ausführlich auf bie AuS- führungeii des Vorredners ein. die er in allen Tcuen zu wwer«- legen sucht und bemerkt zum Schluß, daß im vorigen Jahre nicht weniger alS GO Pinzent der Arbeiter im Lolme erhöht wurden iutb etwas ahnliclxS werbe wohl auch in diesem Jahre ein treten.

Mg. Mommsen (fr). Dg.) ist überzeugt, daß bet den Werft ve rN'altungen int Ganzen bet beste Wille bestehe und daß bei der Eigenmt der Arbeit ans den Werften bte Akkordarbeit noch immer das Angemessenste sei. (

Mg. Legien sÄoz.) führt aus. daß durch bie Flvttenvorlage Aie Stellung bvr Werstarbeiter nicht verbessert, sondern ver­

schlechtert worden sei. , , c

Staatssekretär TirPitz erwidert, bie Vorlage habe den Ar- Leitern nichts genutzt. Er geht dann auf die Löhne der Werft-

Montag 2 Uhr Fortsetzung

daiNi Etat d^s d^-"> ^vh-'T"

Schluß 6 45 Uhr.

ar bei ter ein.

Tas Kapitol wird genehmigt.

Politische Wochenschau.

Die 'Xmintime her Bülow-Poscwowvkvschcn Handels- dertr ii g c btTbcbci dcns große inncrpolitische Evei^tis der vergangenen Woche. .309 Abgeordnete waren am Mittwoch im Reichstage anwesend, eine Zahl, wie sie selten erreicht wird. Mer schon am Tage darauf war das HanS wieder beschlußunfähig, als es die noch restierenden Resolutionen zu den Handelsverträgen erledigen sollte. Graf Kanitz will die Segnungen des neuen Zolltarifs der Landwirtschaft nicht erst am 1. März 190G, sondern bereits am 1. Juni 1905 zugängig machen und beantragte, den $ 12 deS Zoll- tartfgesetzeS an dem letztgenannten Tage in Kraft setzen« zu lassen. Es sott vom 1. Juni 1905 ab verboten sein, Zölle auf Getreide und sonstige landwirtschaftliche Erzeugnisse zu stunden. Ter Antrag Singer auf namentliche Abstimnw ung ergab die Anwesenheit von nur 141 Mitgliedern, und so wird es in Zukunft bleiben, die alte Beschlußunfähigkeit ist wiederhergestellh, die alte Interesselosigkeit ist sofort wieder eingetreten.

Der Kaiser hat dem Kanzler aus Anlaß des Zu­standekommens der Vorlage ein Dankschreiben zngehen und seine Düste inj Marmor überreichen lassen. Man erfuhr ferner, daß der Kaiser dem Kanzler den Fürstentitel zn- gedacht hatte. Herr v. BNow, der den Ewasenstand bereits seiner Kanzlerschaft verdankt, hat jedoch oas rechte Cte- fühl gehabt, daß, waS einen: BiSmarck zu kam, einem Bülow nicht zustehe. Graf PosadowSky erhielt beit Schwarzen Ablerorden, PobbiclS^i und Herr v. Rhcinbaben sowie tine Reihe höherer Beamter würben gleichfatts mit Auszeich­nungen bedacht. So ist also endgiltig die große politische Aktion abgeschlossen,und zwar mit einem Stege dermitt* leren Linie", die nach rechts hin ihren Schwerpunkt hat. Noch bis zur Mstimnmng sollte diese Vorlage ihren Ein­fluß bis in die äußersten Kreise der Linken tragen. Sieht man sich die Opposition der 81 gegen die Handelsverträge abgegebenen Stinnnen an, so ergibt sich, daß geschlossen dagegen stimmten nur die Sozialdemokratie und die deutsche Volkspartei. Die freifimtige Dolkspartei aber und die frei­sinnige Vereinigung waren gespalten. Von beiden Par­teien stimmten je ffutf gegen die Verträge, und zwar seitens der VottsparteiEickhoff, Bargmann, Meier-Jobst, Mugdan und Dr. Miiller-Meiningen, seitens der Vereinigung: Schrader, Gothein, Dove, Potthof und v. Gerlach. Die drei Stimmenthaltungen bei der'Abstimmung über den russischen Vertrag erfolgten ebenfalls! auf feiten der Freisinnigen. Volkspartei. Zwei freisinnige Abgeordnete fehlten ent­schuldigt. Die übrigen (11 VolkSpa'rteiler und 4 Vereinig­ung) stimmten dafür. Bis zum letzten Augenblick hat also der Einfluß der Zolltarif imb Handelsvertragsvorlage auf die Politik der äußersten« Linken anaehalten, während durch die Handelsverträge der interne «streit der Parteien der Rechten beendet ist, da auch die extremsten Agrarier unter .Herrn v. Oldenburgs Führung mit ergebenstem Dank an den ihnen wohlgesinnten Kanzler für die Verträge stimm­ten, die ganze Melnbeit der Rechten ein .Herz imb eine Seele, wirtschaftliche Vereinigung, Antisemiten, Zentrum, Bündler, Konservative, alles tnrit einander. Man kann darauf gefaßt sein, daß die neu geschlossene Furimdschafl! zu noch weiteren politischen Taten geaen die Linke benutzt werden sott. Da heißt eS denn, bie Augen offen halten, damit das neue Kartett nichtber Linken an den Sltagen'' geht, lvofür Herr von« Oldenburg offen eintrat.

In der 2. Hess. Kammer wurde in der vergangenen Woche zunächst der Justizotat beraten. Justizminister Dr. Dittnmr erklärte unter anderem, daß der gesetzliche Schutz für die Gehilfen der Rechtsanwälte und Notare, insbesondere hinsichtlich der Sonntaasarlwit, am besten von der Reichsverwattung festgelegt luiirbe, deren eventuelles Vorgehen er lebhaft unterstützen nmrbe. Eine reichSgesetz- liche Regelung hält der Minister auch hinsichtlich der Trinker für mtgebrodrt; Ijier so-Nte von ReichSwegern vor allem der .tet5 der Antnagsbereättigtetl zur Ent- ntünbigiing eines Trinkers «erweitert werden. In der A n t o m o b i l f r a g e werde das Ministerium des Innern gesetzliche Maßnahmen Ire ff en, wenn das Reich sich dieser Angelegenheit nicht annehnlen sollte, lieber den einzigen wichtigeren Differenzpunkt, der zwischen der Regierung und der Mehrheit deS FinatrzauSschusseS bei der Budgetberat­ung bestand, wurde ßnt llngnnsten der Regierung ent­schieden. ES handelte sich nm die Frage der'Vermehr­ung des Nichterivers on als aut Oberlandes- gericht von 1*2 auf 14 Köpfe. Sie wurde mit der zuneh­menden Prozeßverschleppnng begrün bet. Eine Terminfest- fetning auf (> Monate hinaus ist durchnuS nichts seltenes. Jubes der Ausschuß glaubte nur durch Schaffung eines dritten SeualS Abhilfe schaffen zu können. Eine umfang­reiche Statistik, die den Nachweis zu bringen sich bemühte, daß von einer llcbcrlafhtng eigentlich überhaupt nicht die Rede sein könne, führte dazu, daß die von der Regierung geforderten beiden Nichterstetten von der Kamnter gnnfr gestrichen wurden. Dus war freilid) nicht ber Zweck der siallstischen Meinung, und vollends liegt dieser Beschluß nicht im Interesse deS rechtsuchenden Publikums. Die bisherigen Klagen über Prozeßverzöaerung werden immer heftiger« werden. Jedenfallö ist mit diesem Kammerbeschlutte nie­mandem geholfen. Bei der Beratuna deS Etats deS Finan;-- mbtißerinm^ wurde Klage geführt iwet die Vergebung von kunstgewerblichen Arbeiten au ausländische Firmen.' Die inegt/mng konnte jedoch« den Nachweis erbrintwn, daß nur ausnahmsweise derartiges gefcljclje imb daß in den wenigen lAn^nabmesätten die Regierung sich in einer Zwangslage bcjundeu habe. Dw Äcw>pojitivuun für die Landes-

Universität -wurden sämtlich genehmigt, auch die Summe zu dem Ausbau unserer Au Im 63 000 Mk. wurden genehmigt für die Errichtung einer, Irrenanstalt in Gießen.

Im p r e u ß i s ch e n A b g e o r d n e t e n h a u s e wurden die Etats des Innern, der Finanzen und des Kultus beraten. Recht bemerkt worden ist bei der jüngsten Abgeordnetenhaus- Debatte über die akademische Freiheit, daß §err Studt die konfessionellen Studentenverbind­ungen als eineu nerfreuliche Erscheinun g" be­zeichnete. Mit Nachdruck wurde der Minister daraus auf­merksam gemacht, daß mit dieser Charakterisierung zugleich auch das Urteil über die Konsessionalisiernng der Volks­schule gesprochen sei. Mer die preuß. Regierung geht in ihrer Bewertung der konfessionellen Tendenz auf diesen« beiden Gebieten des öffentlichen Lebens nicht gleichmäßig vor. In der Volksschule führt sie ein, was sie aus den Universitäten als« unerfreulich bezeichnet.

Eine recht eigentümliche Behandlung haben deutsche Stu de u t en und ihre Ausschüsse in der letzten Zeit an einer Reihe technischer Hjochschulen und Universitäten er­fahren, woraufhin ein Kamps, für die akademische Freiheit Moklamiert wurde. Während in Marburg der Konflikt durch die Nachgiebigkeit des Kultusministers beigelegt wurde und die Braunschweiger technische Hochschule den Ausschuß der Studentenschaft wieder anerkannte und der Stndentenschaft das VersammlnngSrecht zurückgab, wurde in H an noücr die Anbahnung deS Friedens erschwert durch die überraschende Relegation des Wortführers der Studierenden, .Heile, und die Erteilung des consilium abeundi an seinen Kommilitonen Zimmermann. Die Aufregung in der Studentenschaft Hannovers nahm infolge dieser Maß- regelnng einen solchen Grad an, daß die Studentenschaft einen Streik beschloß und sich unterschriftlich gegenseitig verpflichtete, nicht eher wieder die Kottegien zu besuchen, als bis Heiles Relegation zurückgenommen sei. Der Lehr­körper der Hochschule unternahm einen Vermittelungs­versuch, auf den die Studentenschaft einging. Im M- geordnetenhause verkündete Ministerialdirektor Mthosf die bevorstehende Beilegung des Konflikts. Der Rekto^ der Hannoverschen Hochschule, Barttwusen, sowie der bet den Studenten sehr beliebte Pros. Launhardt haben sich nach Berlin begeoen. In Eisenach fand ein allgemeiner Vertretertag der Studentenschaften der deutschen o ch s ch u ll e n statt, um eilte Verbindung mit den UniversitatS-Studentenschaften anzubahnen und geeig­nete Maßnahmen zum Schutze der akademischen Freiheit zu beraten. Hoffentlich tmrd die akademische Freiheit aus oeifen Kämpfen gestärkt und innerlich gekräftigt hervor­gehen.

Die Ministerkrise in Ungarn ist immer noch nicht beseitigt. Der Versuch zur Bildung eines Koalitionskabi­netts, wie es Owas Andrassy beabsichtigte, ist an der Mi- litürfrage gescheitert. Gegen die Zotttrennuna dagegen sott der Kaiser nichts einzuwettden haben; er fordert nur, daß Ungarn mit Oesterreich sowohl betr. das künftige wirt­schaftliche Verhältnis als auch bezüglich der Handelsver­träge inS Reine komme. Man erwartet jetzt indes die Be­rufung WekerleS, der Anhänger deS gemeinsamen Zoll­gebietes ist.

In Frankreich wurde daS Marine-Budget beraten. Der neue Marineminister Thomson forderte 120 Millionen Francs zum Bau neuer Torpedo- und Unterseeboote und stellte dem deutschen Flottenprogramm ein neues fran- zösisches Programm entgegen. Die Kammer nahm das Marinebndget an.

Die Hul l k o m m i s s i o u hat ihr Urteil gefällt. (Dgl. den heutigen besonderen Artikel.) Sie ist zu einer Rußland' halb und halb rechtigebenden Stellungnahme gekommen, hat sich indes gleichwohl tadelnd über RoschdjestweuSky und für Schadenersatzpflicht ausgesprochen. Die englische Presse äußert (im recht ai ngehalten über diesen ,.bisher einzigen Sieg" ib,cr Russen, doch hält sie an der Ansicht fest, daß bie unselige Affäre damit enbgiltig ans der Welt geschafft ist.

In den Vereinigten Staaten beging die U n i v e r s i t ä t Philadelphia ihre Wasliingtonfeier und ernannte Roosevelt und Kaiser- Wil ye l m zu Do e t o re s j ur i s. honoris causa. Dieser freundschaftliche Akt ist im In­teresse einer friedlichen, Annäherung beider Völker mit. Freuden zu begrüßen.

Dementiert wurden alle im Laufe der.Woche über den russisch-japanischen Krieg verbreiteten Friedcns- aerüchte, die bereits mit der vollständigen Angabe der Friedenöbedingungen auswarteten. In Rußland selbst hat sich seit der Ermordung des Großfürsten Sergius noch nichts geändert. Nur Gpoßsürst Paul ist bcimberiifcn und als E^eueralgonvemeur in den Kreml eingezogen. Nach neuesten Meldungen ausl Petersburg hätte verletzte Minister­rat den Vorschlag eines Ministers abgelehtit, wonach vor Erlaß jedes neuen stksetzcs die Vertreter der betressendn Jnteressenteugruppcm uni) die zeitweilige Vereinigung der Zemsti Zobor zur 23egufad)hing der Entwürfe zu befragen seien. Diese Neneruna sei als zu weitgehend erachtet worden.

§t»s Mitcil der K llstommilsion.

Paris, 26. Februar.

Die Hnllkommission hielt gestern nachmittag ihre letzte Sitzung ab. Der Vorsitzende Admiral Fournier begann sofort mit der Verlesung bc5 Gutachtens der Kommission, das aus 17 Sätzen besteht:

Der erste Teil schildert, wie der russische Admiral R oshestwenöki dazu kam, an die Gegenwart von feind­lichen Torpedobooten zu glauben und den einzelnen Komman­danten seiner Schiffe Befehl zum Feuern zu geben, falls sie Torpedoboote gewahren sollten. Die Mehrheit der Kommission ist der Meinung, daß dieser Befehl nicht übertrieben war. Der Bericht stellt fest, daß die durch einen Maschinenschaden entstandene Verzögerung der ?ahrt derKamschatka" vielleicht eine Mitursache der folgen­den Ereignisse war. Der Kommandant derKamschatka" ivlbete am 21. Oktober abends, er sei allseitig von Torpedo booU'n angegriffen. Dadurch konnte die Annahme kommen, er (Roshestwenöki) würde ebenfalls angegriffen. In Roshest- «venSkiö Befehl, bie Wachsamkeit zu verdoppeln und sich au« einen Torpedo.Angriff gefaßt zu machen, sieht die Kom- nnfsion nichts übertriebenes in KriegSzeiten und unter Um« müden, bie Roshestwenstt für sehr beunruhigend zu halten alle Ursache hatte, da er die ihm ^gegangenen Nachrichten ber russischen Agenten nicht nachprüfen konnte. Die Kom­mission erklärt sich jedoch ans Mangel an Beweisen nicht imstande, zu kontrollieren, ob der russische Admiral richtig informiert war. Die englischen Zeugen haben jedenfalls bewiesen, daß die Hüller Fischer- fahrzenge die vorgeschriebenen Signale besaßen und der Admiral Fölkerfahm, der dem Geschwader RoshestwenSki vor»

ausfuhr, erkannte auch richtig den Eharakter der Fifcherflotte. Die Kommission stellt fest, daß der Admiral Rosh estwenski verantwortlich ist für das Kommando, Feuer zu geben. Da aber alle russischen Schiffe mit ihren Scheinwerfern operierten, können Konfusionen entstanden sein. Jedenfalls war es unmöglich, nach dem der Kommission vorliegen, den Material zu beurteilen, zu welchem Zwecke und nach welchem Ziele die Nüssen geschossen haben.

Die Kommission stellt einmütig fest, daß sich überhaupt keine Torpedoboote in der Nähe befanden. Die Kommisiion bedauert fernerhin, daß der russische Admiral bei seinem Eintreffen in den englischen Gewässern unter» ließ, die nötigen Mitteilungen zu machen. Dagegen er» kennt die Kommission an, daß der Admiral Noshestwenski p ers önlich da s M og lichste t at, nm da s Feuer so zu richten, daß die Fischerflotten möglichst wenig getroffen wurden. Aber andererseits bedauert die Sxoimniffion, daß der russische Admiral das Feuer zu lange fortsetzte. Nach alledem erklärt die Kommission in dem letzten Artikel, daß nach ihrer Anschauung nichts o o r l i e g e, was dem militärischen Wert des )l d m i r a l s und seinen menschlichen Gefühlen Eintrag tuc.

Nach ber Verlesung dieses Gutachtens erklärt der eng« lische Anwalt Fry, er freue sich ganz besonders als Jurist, an einem so hervorragenden Werke deS Friedens mitgearbeitet zu haben. Der österreichische Admiral Spann hielt eine Ansprache, worin er dem Präsidenten der Republik und der französischen Negierung dankt. Der Vorsitzende Admiral Fournier erwidert seinerseits mit einem Dank an seine Mitarbeiter und die englische und die russische Negierung.

Beim Präsidenten Lau bet fand heute zu Ehren der Mit­glieder der Hullkommisiion FrühstückStafel statt, an der auch bie Minister Rouvier, Deleasss und Thomson, sowie die diplomatischen Vertreter der Länder teilnahmen, welche bei der Sitzung der Hullkommission mitwirkten.

Zer verband aller ZZursch.nsÄatter an technischen Hochschulen, ber Rhein-Maingaw verband, sieht sich veranlaßt unter Bezunahme auf bie letzten Ereignisse an unseren Hochschulen und insbesondere an unseren technischen Hochschulen in Hannover, Brann- schweig und Eharlottenburg, nachstehenbe Erklärung uieberzulegeu:

Von der lieber,veugung durchdrungen, daß unser deutsches Stu» dentcnleben in seiner heutigen Gestaltung und Verfassung nur bann unberührt und unverändert weiter bestehen kann und nur dann in der Lage ist, Männer hcranzuziehen, welche befähigt sind, zum Segen und Wohle eines einigen deutschen Volkes zu wirken, wenn die bisher hoch gehaltenen und als heilig angesehenen Rechte der akademischen Jugend unbe» r ü h r t u n d ungekürzt bleiben werden. Freiheit dem Lehren­den, Freiheit dem Lernenden!

An diesem Sclbstbestimmicngsrechte darf nichts gerührt und gerüttelt werden. Geistes- und Gewisseusfteiheit ist der Grund- ton eines jeden deutsch-völkischen Lebens, wie überhaupt eines jeden gesunden, aufgeklärten uni) gedeihlichen Lebens eines Volkes.

Mit alten uns zu Gebote stehenden Mitteln und Wegen müssen wir nu diesen II eher Beugungen fest halt en und jeden, wenn auch nur schwacl>en Versuch, daran Aend.'nmgen vornehmen zu wotteu, auf das Entschiedenste znrückweisen.

Wir swechen uns auf das Nachdrücklichste dagegen au?, daß Hochischulfragen unter dem Gesichtswinkel einzelner politi­scher Parteien betrachtet, behandelt oder gar auch noch erledigt iverden.

Zu bebaueru ist auf daS Lebhafteste, daß unsere diesbezüg» licken, maßgebenden Behörden so gaii'i in dem Fahrwasser ge- wisser Parteien segeln und deren rückständigen imb rückwärts­bewegenden Wünschen so bereitwilligst nack>zukommen f(feinen.

Tic Vergangenheit unserer Hochschulen bestätigen uns,, baß der Begriff der akademischen Freiheit dort jeder Zeit richtig verstanden, anSgclcgt und auch danach gehandelt worden ist.

Wir können keinen Girnnd einsehen und eS liegt auch keine Veranlassung vor, warum auf einmal bie heutige akabemuche Jugend oieser überliefertc-ii Begriffe verlustig gegangen sein sollte!

Ter Kampf, den unsere akademische Jugend in den letzten Tagen führen mußte, wurde nicht dnrck dieselbe, oder gar durch einen Mißbrauch dieser akademischen Rechte und Pflichten hervor­gerufen, souberii derselbe ist durch die oben erwähnten Einflüsse imb seine Begleiterscfeinuugeii in die Wege geleitet worben.

Wir nehmen Stellung nicht gegen die einzelnen Personen» welche diese Richtung vertreten und gutheißen, sondern wir ver­urteilen und bekämtzfeii daS ganze Svstem. welcfeS unser deut­sches Volk imb Vaterland einem Zustande wieder cntgegenzusi'iln'eu beabsichtigt, der mit den schlimmsten Zeiten deS MittelalterS und feilten Bildungs- und bkistcsniveau wetteifern könnte.

Wir nehmen Veranlassimg. unserer völkisch gesinnten Jugend auf den Hochschulen zu danken für die mannhafte Aufnahme des Widerstandes gegen jene Unfeit kündenden Einflüsse. Dir begrüßen es mit Freuden, baß bie (fetamtfeit, mit ganz ge­ringen Ausnahmen, unserer ftubierenben Kreise in diesen Fragen so einmütig Stellung genommen haben und knüpfen hieran die Erwartung und Hoffnung, baß ihr gelingen möge, diesen Kampf gedeihlich durchzuführeu.

G1 ü ck auf!

Um unseren Standpunkt noch einmal festzulegon und ück die ein geleitete Bewegung nadibriicTiitfer zu gestalten, schließen wir iiuS ber Resolution an, welch? auf ber am 21. bS. MtS. tagen- den Akademikcrversammlung in München mit bedeutender Mehr­zahl ancseiwrnrnen Worben ist.

Wir legen Verwahrung ein gegen bie Beschränkungen bet akademischen Freiheit, wie sie in brr iüngsten Zeit zutage ge­treten sind. Diesen Vorgängen gegenüber gibt ber Verband der Erwartung Ausdruck:

1. Daß in Zukunft auf den Senat einer Hochschule nunt wieder, wie es in Hannover geschehen ist, von der Regierung.em Druck ausgeübt wird, der den Senat nötigt, lewen m einer akabernischeu Frage bereits angenommnten Stanbpuntt Völlig zu ändern;

2. baß c5 ber deutschen Studentenschaft jederzeit unbenommen blebit, Stellung zu nelymen sowohl zu akademisfen, wie zu nationalen Fragen: t rr _ ,

3. das; cs den Studierciifen verschiedener deutschen Hocfe schulen nicht verwehrt wirb, zur Verfolgung gemeinsamer afabe» mi'scfer ober n aticnaler Bestrebungen sich zu verständigen.

Wir erklären semerhin. daß wir da» Betonen des konfessio­nellen Gegensatzes auf nicht rein religiösen Gebieten und ins- bosondere aus unseren Hochschulen verurteilen. Wir fetten es für äußerst bedenklich, das; fhibvutivfe Korporationen bestehen, welche von ihren Mitgliedern die Zugehörigkeit zu einer bo stimmten Konfession verlmigen."

Der Verband ist außerdem ber Ansicht:

1. baß auf die, ben konsessionetteu Verbindungen angehören» den Stud ukeu ein GcivissenSzwang auSgeiWt ivix*b, der mit den Grundsätzen fer aTabemifdwt Frei feit niemals vereinbar ist:

2. baß bas Ansehen der akademisdi Gebildeten leiden muß, und daß ihnen der Kampf um Bosseisteilnug ihrer wirtschaftlichen Lage erfdnvert wird, wenn sie durch das Hervorkefeeu des kon- sesiioneuen Gegensatzes in zwei sich srrmd gegenüber stehende Gnippeu gesdÜeden werden;

3. daß die zunehmende Beurteilung weitUdier und politisch^. Fragen vom konsefsionellen Standz>unkl auS für die Zukuipt feS gefamteii beutid}en Volkes eine ungeheure Gcürhr in sich