Samstag 30. September 1905
155. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 230
ietzemr Anzeiger
General-Anzeiger, AmL§- und AnZeigebLatt für den Kreis Gießen.
"Wt jalaj
ern
Oktober zu ihren Plenar
ab,
von WormS, Bingen und der Darmstädter De-
Zaren, möglichst rasch in den finnischen erreichen kann.
Erscheint ttiglich mit Ausnahme beS Sonntags.
Die „«tetzener Zamllienblätter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der JHIW tanbwlxr* erscheint monatlich einmal.
den Regierungsvorschlägen näher tritt die Erste Kammer Mitte beratungen zusammen.
Wie die Detaittistenvereine
Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'sche« Universitätsdruckerei. 9L Lange, Eiehen.
Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr. 1,
Tel. Nr. 5L Telegr.-Mr. r Anzeiger Gießen.
lomann o ! 29 5078 H
Turn-Verein
-.«lag, btu1.0tt-bnM von nachmittags t Uhr
Ire Kemeindesteuerreform.
R.-B. Darmstadt, 30. September.
Der Finanzausschuß der Ersten Kammer trat gestern abermals zur Beratung der Gemeindesteuerreform zu- sammen und hat dieselbe zweifellos auch beendet; an der Beratung nahmen Staatsminister Dr. Rothe, Finanzminister Dr. Gnauth und die Ministerialräte Becker und Best teil, welche die von mehreren Seiten und besonders vom Ausschußreferenten erhobenen Einwendungen gegen die Vorlage zu widerlegen suchten. Eine Verständigung mit der Aus- schußmehrheit ist jedoch, wie wir schon vor Wochen voraus- sagten, nicht erzielt worden, und so dürfte denn das Resultat der Beratung sein, daß der Ausschuß in der Ersten Kammer die Ablehnung der Vorlage, resp. die Zurück-
gerichtet, den Gesetzentwurf über die Reform der Gemeindeumlagen in der vorliegenden Fassung der zweiten Kammer n i ch t a n z u n e h m e n. Der Widerspruch deS Vereins richtete sich, wie die Vorstellung der Darmstädter Handelskammer, besonders gegen die Fassung des Art. 11 der Vorlage und macht geltend, eine Besteuerung des gewerblichen Vermögens im vollen Umfang nur dann eintreten zu lasten, wenn neben der Normallage und Ertragsbesteuerung erforderlichenfalls auch die Höhe des Umsatzes ohne Beschränkung in Betracht gezogen werde.
Mie's in der Mett ausstcht.
Der Londoner „ Standard * erfährt, daß der englisch- japanische Vertrag dem deutschen Geschäftsträger zu London an demselben Tage wie dem englischen Botschafter in Petersburg mit dem Ersuchen, ihn der deutschen Negierung zu übermitteln, überreicht wurde. Wenige Tage darnach hat die deutsche Regierung durch den Geschäftsträger den Empfang mit Dank bestätigt. Den Vereinigten Staaten sei der Vertrag 'in derselben Weise übermittelt worden.
Die Darstellung, der japanische Gesandte habe sich in der vorigen Woche nach Baden-Baden begeben, um dem Fürsten Bülow ein Exemplar des neuen englischjapanischen Vertrages zu überreichen, wird von der Londoner Preste mit Heiterkeit ausgenommen. Man spottet über die „naive Gutgläubigkeit* der Deutschen. Nun, die öffentliche Meinung in Deutschland ist überzeugt von der politischen Bedeutung der mehrstündigen Unterredung des Reichskanzlers mit dem Gesandten. Die Sache ist eilig und bedeutungsvoll gewesen, sonst hätte Fürst Bülow der Vermittlung durch das Auswärtige Amt sich bedient, dem der japanische Gesandte das Vertragsexemplar auf dem kürzesten Wege überreichen konnte.
Auf der Station Pokow, so wird heute gemeldet, erhielt Witte ein Telegramm des Zaren, worin dieser ihn willkommen heißt und ihm die Mitteilung macht, daß er ihm eine Pacht zur Verfügung stelle, damit er ihn, u den
intriti stet, fittitt frei. üü-i- totl, 0ttorf.Sfr.47.
yinsser,
Ans Aiaöl und Land.
Gießen, 30. September 1905.
** Lehrer-Prüfungen. Von Montag, bem 16. DEL finden in der Aula des Ludwig Georg-Gymnasiums zu
tobet 1905
Verweisung an die Regierung beantragen wird. Man kann annehmen, daß dieser Beschluß im Ausschuß nur gegen eine oder zwei Stimmen gefaßt worden ist. Die RegierungS- Vertreter blieben heute mittag nach Beendigung der Ausschußsitzung noch längere Zeit beisammen, um sich über die nun weiter zu befolgenden Maßnahmen zu besprechen.
Bezüglich der Regierungsvorlage über die berufliche Reorganisation der Landwirtschaft verlautet, daß der Finanzausschuß verschiedene Abänderungsbeschlüste darüber gefaßt hat, die sich besonders auf die von der Zweiten Kammer getroffenen Veränderungen an der Regierungsvorlage beziehen und den Zweck verfolgen, die Vorlage wieder mehr zu bringen. Vorausfichtlich
000 M. Bem. eenb. 6itte ?n »VerW, Berlin Q.i»
Offenbach, so hat jetzt auch taillistenverein an die erste Kammer eine Vorstellung
in der Turnhalle.
sS&K Ter Vorstand.
afv Leib-
hr. Ser 8otfau
falb, haben leinen Zu^
Darmstadt die Definitorialprüfungen für Schul- amtS-Aspiranten und Aspirantinnen statt. Ferner wird nach dem „Darmst. Tgbl.* im Laufe des Monats Dezember eine „erweiterte Prüfung* für Hauptlehrer und Lehrer an Höheren Bürgerschulen abgehalten.
•* DaS Museum des Oberhessischen Geschichtsvereins, dessen reichhaltige und interessante Sammlungen seit einigen Monaten wegen Umzugs in das alte Schloß am Brand der Oeffentlichkeit nicht zugänglich waren, wird am 14. Oktober in Gegenwart der Mitglieder des Geschichtsvereins sowie geladener Gäste in den neuen Räumen wieder eröffnet werden. Die Sammlungen haben sich wieder reichlich vermehrt und nehmen sich in den hellen und weiten Sälen des alten historisch für unsere Stadt bedeutsamen Bauwerks erheblich vorteilhafter aus, als es in den Räumen des alten Rathauses der Fall war.
** Hagelschaden in Hessen. Ilm abgelaufenen Jahre wurden im Großherzogtum Hessen 36 Gemeinden von Hagelschaden betroffen. Der abgeschätzte Schaden beträgt 122 738 Mk., wovon nur 30 398 Mk. durch Versichere ung gedeckt waren.
** Die Heimkehr der Schwalben. Vom hohen Vogelsberg wird uns vom 27. d. M. geschrieben: Während die hier siedelnden Schwalben bereits am 8. Sept, ihren Abflug gehalten haben, bemerkte ich vorgestern in der Nähe von
S-
fe|san Q
»ag-wech, milauien.
'S« Belohnung. -onn-nii.
Verlöre».
iomWttflbii jumfcntb g wurde eine gement tziu. le mit %■
en. Admged. gtg Beiop» !stamatio»Malte»kM i'.,»leiberg. M
.um Ostend.
Morgen Sonntag: *■
Oootonti1 sT’lw
iäSfcS»
8ai**f W&- . -'"A'i'iüs
v
N £ W" * *
Wenn Minister Witte jetzt dem Zaren Bericht erstattet, dann wird er seine Unterredung mit dem Fürsten Bülow und Kaiser Wilhelm an erster Stelle erwähnen. Denn eS ist daS Bemerkenswerte an diesen Unterredungen, daß sie der Aussprache zwischen Fürst Bülow und dem japanischen Gesandten alsbald folgten. Minister Witte kennt die Japaner, wie kaum ein Anderer, und er hat sich in Portsmouth auf dem Gebiet der Diplomatie ihnen zum mindesten gewachsen gez/ngt. ES ist' also begreiflich, daß Fürst Bülow und der Kaiser daS Urteil dieses Mannes über die neueste Verschiebung in dez^ asiatischen Politik hören wollten. Die Möglichkeit eines deutsch^nssischen AsienvertrageS, von der jetzt gesprochen wird, dürste immerhin in Frage kommen. Deutschlands Besitz irkoOstasien ist zwar klein, aber seine allgemeinen Interessen sind^'groß genug, um es sein Heil in einem Bündnisvertrag suchen zu lasten, wenn auch daß zwischen Deutschland und England vor fünf Jahren geschlossene Pangtse-Abkommen noch in Kraft ist, daS die englische Presse systematisch totschweigt.
WaS daS Verhältnis zwischen Deutschland und Japan anlangt, so waltet zwischen den Regierungen wohl noch dieselbe Korrektheit ob, von der Fürst Bülow in der NeichStagSdebatte über die hohe Politik im Anfang d. I. Zeugnis ablegte. Anders ist es bestellt um die Gesinnung des japanischen Volkes gegen die Deutschen. Fürst Bülow ist Mecklenburger, es wird ihn deshalb besonders interessieren der jetzt vom „Rostocker Anz." veröffentlichte Brief eines mecklenburgischen Kapitäns, der im Mai d. I., zurzeit der entscheidenden Seeschlacht, mit seinem Schiffe an der Küste Japans lag. Der Kapitän führt in diesem Brief mehrere für den Deutschenhaß der Japaner charakteristische Fälle an und erzählt, daß er auf der Straße der Stadt Moji von einem japanischen Polizisten mit einer Flut von Schimpf- roorten überschüttet worden sei, bloß weil er sich auf dessen Frage als Deutscher bekannt habe. „Ein „Wunder", schreibt der Seemann, „ist das nicht. Beinahe jede Zeitung verhetzt daS Volk gegen die Deutschen."
Diese Beobachtungen aus dem Leben sind wertvoll und der deutschen Regierung zur Würdigung zu empfehlen, denn in den höheren Regionen der Diplomatie hat man am Ende weniger zuverlässige Kenntnis von den Eigentümlich- lickkeiten der japanischen Volksseele. Mag auch der Berliner Eandte des Jnselreiches dem Fürsten Bülow die beruhigendsten Versicherungen gegeben haben — Deutschland muß aus der Wacht fein im fernen Offen, und es wäre ein geeignetes Vorbeugungsmittel gegenüber zukünftigem Unheil, wenn es seine dortige Interessengemeinschaft mit Rußland vertraglich festlegen würde.
Ter „Daily Expreß", ein Londoner Deutschenhetzblatt, veröffentlicht übrigens eine Aufsehen erregende Mitteilung über die gegenwärtigen Beziehungen zwischen England und Rußland. Danach unternimmt die russische Regierung (?) alles Mögliche, um ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Enchand und Rußland aufrecht zu erhalten. Vorgestern empfing, so behauptet dieses Blatt kühn, der russische Minister des Mußern, Gra Lambsdorff, den englischen Edelmann Elibank und sagte seinem Gaste wörtlich: „S. M. der Kaiser von Rußland wünscht eine freundschaftliche Verständigung mit England herbeizuführen. Der Zar wünscht engere Beziehungen sowie eine bessere Verständigung zwischen den beiden Ländern. Eine derartige englisch-russische Verständigung würde viel dazu beitragen, den Weltfrieden aufrecht zu erhalten."
Es verdient im 'Anschluß daran hervorgehoben zu werben, daß einem deutschen Journalisten in Petersburg gegenüber Witte sich in begeisterten Worten über die Ausnahme geäußert hat, die ihm Kaiser Wilhelm tn Romiuten bereitete. Witte teilte mit, der Kaiser habe ihm bei der Begrüßung wörtlich gesagt: „Ich erweise Ihnen dieselben Ehren, wie einem gekrönten Haupt. Sie haben Außerordentliches geleistet und ich gratuliere Rußland zu dem Besitz eines solchen Mannes. Denn die Monarchen viele solche treue Diener hätten, bann würde man besservo.n der Monarchie denken."
Komische Tagesschau.
Tittoni bei Bülow.
W. T. B. meldet aus Baden-Baden vom 29. Sept.: Minister Tittoni stattete beute vormittag dem Fürsten Bülow einen langen Besuch ab und nahm mit diesem das Mittagsmahl ein. Am Nachmittag unternahm Tittoni mit dem Reichskanzler eine Aussahrt, bei der das neue und das alte Schloß besucht wurden. Abends fand bei dem Reichskanzler für Tittoni ein Diner statt, zu dem eine größere Anzahl Einladungen ergangen war.
Der „Popolo Romano* schreibt:
Wenn auch die Zusammenkunft in Baden-Baden keiner besonderen politischen Frage zuzuschreiben sei, so sei sie doch nicht wertlos, da jedes Ereignis, das die persönlichen Bande zwischen den Ministern der beiden Staaten enger knüpfe, auch die Harmonie der allgemeinen Politik befestige. Uebrigens sei die Begegnung eine logische und natürliche Ergänzung der Besuche in Abbazia und Venedig und als solche ein Beweis der Achtung, die Italien genieße und eine Bestätigung einer intimen Entente der drei verbündeten Mächte. Im Hinblick auf diese Bedeutung begrüßt der „Popolo" die Begegnung in Baden-Baden freudig mit dem Bewußtsein, daß sie der Dolmetscher der allgemeinen Stimmungen des Landes sei.
Als wahrscheinliche Verhandlungspunkte der Entrevue nennen dagegen einige andere römische Blätter die Lage in Oesterreich-Ungarn, die Balkanfrage, die englisch-japanische Allianz, endlich auch die Marokkofrage. Die republikanischen Zeitungen Italiens zeigen sich unzufrieden mit Tittonis Besuch. Viel bemerkt wird der Umstand, daß in Racconigi Giolitti von König Viktor Emanuel empfangen wurde.
Unferm Berliner R.-Mitarbeiter ist, wie er uns heute schreibt, gesagt worden: Wie groß die Tragweite der Unterredung ist, in Bezug auf die Gestaltung der internationalen Lage, das dürfte sich bald zeigen. Man kann sich auf erfreuliche Ueberraschunge,n gefaßt machen.
Sozialdemokratische Flunkereien.
Auf dem sozialdemokratischen Parteitage wurden die Oldenburgischen Landtagswahlen als Erfolg der Sozialdemokratie dargestellt und noch nach dem Parteitage hat die „Sächs. Arbeiterztg." höchst poetisch diese Wahlen als rote Rosen, die das sozialistische Parteischiff schmückten, bezeichnet. Jetzt stellt sich heraus, daß dies alles nichts als Flunkerei gewesen ist. Wohl sind die sozialdemokratischen Stimmen gestiegen, aber der „Vorwärts" muß selbst zugeben: „Allerdings haben die bürgerlichen Stimmen sich in noch höherem Maße vermehrt und die Zahl unserer Wahlmänner hat sich etwas verringert." Wenn der Gegner einer Partei sich in noch stärkerem Maße vermehrt hat, als diese Partei, so liegt doch relativ ein Rückgang der Partei vor, und e§ ist lächerlich, von einem Erfolge zu sprechen. Der „Vorwärts" aber hat zu seinem Tröste sofort eine schöne Phrase zur Hand. Dec Erfolg des Bürgertums sei nur durch die einmütige Frontstellung gegen die Sozial- demokratie erzielt worden, „daher denn der geringere Erfolg, den die Sozialdemokratie erzielt hat, nichts weiter ist, wie das letzte Aufgebot der Bourgeoisie, die nunmehr am Ende ihrer Kraft angelangt ist und einem künftigen Ansturm der Partei nicht mehr stand halten wird." Wir meinen, daß gerade diese Einmütigkeit des Bürgertums die beste Gewähr auch für künftige Abweisung des sozialdemokratischen Ansturms ist in jenem nördlichen Großherzogtum. Die Sozialdemokraten ziehen mit dem Gewinne eines Mandats in den
oldenb. Landtag ein und sie werden über fünf Sitze im Landtage verfügen, also über noch nicht ein Sechstel der Landtagsmandate. Angesichts dieser Tatsache macht es sich besonders gut, von „einem letzten Aufgebot der Bourgeoisie* zu sprechen.
Neber die Viehpreise im Ausland bringt das kaiserliche Statistische Amt sehr lehrreiche Mitteilungen. Hiernach kosteten im zweiten Vierteljahr 1905 in Rotterdam pro Doppelzentner Schlachtgewicht: Ochsen 122 Mark, Bullen 101 Mark, Kälber 160 Mk., Hammel 155 Mark. Es waren also Ochsen um 20 Mk., Bullen um 32 Mk., Kälber um 8 Mk., und Hammel um 25 Mk. auf dem Hauptplatz Hollands billiger als in Berlin. Noch krasser ist der Unterschied zwischen den Preisen des dänischen Viehs, das ebenso wie daS holländische ersten Ranges ist, und denen des deutschen. In Kopenhagen stellten sich die Preise für den Doppelzentner Schlachtgewicht im zweiten Vierteljahr 1905 folgendermaßen: Ochsen 108 Mark, Kühe 82 Mk., Bullen 89 Mk., Kälber 119 Mk., Schweine 98 Mk. Es waren demnach in Kopenhagen billiger als in Berlin: Ochsen um 34 Mk., Kühe um 41 Mk., Bullen um 44 Mk^ Kälber um 49 Mk., Schweine um 30 Mk. Und die dänischen Schweine nennt man die besten der Welt, die um ihrer Prachtqualität willen von den verwöhnten Engländern fast ausschließlich eingeführt werden.
*
Die unerfreuliche Situation in der Habsburgische« Monarchie ist wohl im wesentlichen die Veranlassung, daß bei den Oesterreichern sich die Neigung zeigt, auf wi rischa ft^ lich em Gebiete ihre cigen en Wege zu gehen und hiev den Blick mehr und mehr tn die Ferne zu richten. Denn der politische Unfriede zwischen beiden Neichshälften, und zumal das schroffe Verhalten der Ungarn ist für Oesterreich! ebenso unsicher, wie des politischen. Deshalb wendet der letztere Staat im Interesse seiner Produktion den fremdem Märkten größere Beachtung zu. 'Mit dem Bestreben, seine, älteste und bedeutendste Reederei, den Oesterr. Lloyd, sanieren, setzte die Bewegung ein. Dann ging man dazu über, ba§ Arbeitsfeld der WienerBanken zu erweitern^ und zwar wurde zunächst der Balkan ins Auge gefaßt. Hier war auch der Umstand bestimmend, daß zwei Ber^ liner Finanz in st i tute die Errichtung einer deutsche bulgarischen Bant in Sofila beschlossen, die imi Oktober eröffnet werden soll. Die Verhandlungen der öftere reichischen Regierung mit den leitenden Wiener Vankinstt- tuten führte zu dem Pro seit, den kommerziellen Einfluß Oesterreichs im Orient zu sichern durch Gründung fron. Bankfilialen in Sofia, Konstantinopel und Saloniki. Dies« Verhandlungen sind jetzt unter dem Vorsitz des Ministern Präsidenten v. Gautsch fortgesetzt worden mit dem Ergebnis, daß die Errichtung einer Ueberseebank in die Wege geleitet werden soll. Bei dem scharfen internationalen Wetti- bewerb und der Uebermacht der Konkurrenten dürfte eS den Oesterreichern nicht leicht werden, einen Platz draußen, an der Sonne, zu erringen. Wer in diesem Wettbewerb! die Kräfte ztl regen, ist für sie ein geeignetes Mittel, dey> politischen Wirren daheim zn entrinnen.
Ein Wiener Sozialistenblatt will übrigens von zuver^ lässiger Seite erfahren haben, die obcrösterreichischen Ge-, meindeämter hätten unter den. Siegel strengster Verschwieg genheit Druckschriften und Akten zur Durchführung einet, plötzlichen Mobilisation erhalten. Man spricht von einer Mobilisierung gegen den erwarteten Aufruhr in Ungarn. Und der Vizepräsident der ungarischen Un^ abhängigkeitspartei, Polon.i, hat einen Korrespondenten er-, mächtigt, zu erklären, der unbeugsame Wille Kaiser Franz Josefs gegen die Armeeforderungen der Ungarn fei auf, das direkte Eingreifen der deutschen Regier-, ung zurückzuführen. Tas ist selbstverständlich barer Unsinn.
Von den Führern der vorgestrigen Demonstration in Budapest befinden sich sieben schwer verwundet im Spital. Zwei von ihnen schweben in Lebensuefahr. Unter, der Studentenschaft herrscht große Erregung. In der Universität wurden drei sozialistische Studenten durchgeprügelt und hinausgeworfen. Dann brachten die Studenten ihren verwundeten Genossen im Spital Döan tionen dar.


