Ausgabe 
24.3.1905 Drittes Blatt
 
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Jeff und Haft erfüllt werden und unbedeutende Dinge als Miß­handlungen hinstcllcn. v r

?lbg. Pnnli Potsdam (Tonf.) hält eS für notwendig, daß mehr ,für die 'Zivilversorgung der aus dem Ticust anSsckeidenben Unter­offiziere getan lvcrde und erklärt fidj für seine Person mit der Resolution Müller Sngan einverstanden, ironndi den Heimat- urlaubcrn einmal freie Fahrt gewährt werden soll. Redner führt zum Schluß Beschwerde über die häufigen starken Einquar- ticruugSlasten, die den Orten Dalgow und Rohrbcck bei Döberitz auferlegt werden.

Abg. Racken (Ztr.) klagt iiber mangelhafte Entschädigung der Gemeinden für Mitwirkung ihrer Beamten beim MusternngS- geschäft. ES müßte ferner dafür gesorgt werden, daß die Bürger­meister, wir cs jetzt oft im Westen vorkommt, nicht mehr gennngt .sind, sich wegen der Aushebungen oft tagelang von ihrem Amtssitze zu entkernen. Dazu sei eine entsprechende Neuregelung des Mm'tcrnngsgpschästs im Wege der Dezentralisation erforderlich. Vielfache Beschwerden kämen auch noch immer über die Konkurrenz, die von den Kasino? den Wcinhäiidlern gemacht würde und über di- Art der Mietsverträgc, die mit den Kantinenwirten ab­geschlossen würden.

Kriegs,niuitter v. Einem: Ich halte die Klagen des Vorredner? für gerechtfertigt und werde in Betreff einer aweckmäßiaeren F-ist- setzung der Musternngsorte Erhebungen v^ranbalten. Klagen über' die Konkurrenz, die von den Kastnos den Weinbändlern gemacht werde, sind auch au mich gekommen, von Handelskammern uflv. Ich habe eine Verfügung in der Sache erlassen und mif die Un­zulässigkeit dieser Koulurrein hiuaeiviesen und die Verfüguna ist fa auch schon von feiten der Handelskammern veröffentlicht worden. Die Kautiueufrage ist schon eingehend in der Kommission erörtert Warden, und ich werde ihr nach wie vor mein Augenmerk zuwenden. (Beifall.) Es ist aber nicht meine Sache, mir die MictSnerträge cinsenden zu lassen, das gehört zu der Zuständigkeit der General­kommandos.

Aba. Graf von MiekevznSki lPole) erklärt, daß er, als er aesteru dem Ostmarkenverein seine Verackstina ausaesproch'en. damit nur den Verein in, aan'en und nicht die einzelnen Mitglieder aemeint habe' unter denen gäbe cs gewiß viele, die bona fidc bandelten und nichts von den Zielen de? Vereins wüßten. Den Mitgliedern allerdinas, d,e mit den Zielen des Vereins einverstanden wären, müßte er auch seine Verachtung ausivrechen.

Virevrandent Gral Stolberg: Ich nehme selbstverständlich an. daß Sie damit nicht Mitglieder meinen, die auch Mitglieder dieses Hauses sind. sGroßc Heiterkeit.)

Abg. Graf von MielcrvnSki lfortkahrendl wiederholt feilte gestrigen Beschwerden über den Vovkott der Bolen. Die Cffi^ieee könnten seinetwegen Bwe Buben-Bälle und f?umven-Bälle be­suchen, aber keine Hakatistenballe. Namen konnte er^ bei teilten Beschwerden nicht nennen, denn sonst wurden seine Gevoabrsmänner fortwährend ck'kaniert. Die Polen batten den Streit nicht anae- fanaen, das hätte erst der Aba. Dr. Svabn. der Vertreter der größ­ten Bartei, mit bewegter Stimm" hier gesagt. Nnr'chtig sei auch die Bemerkung des Kanzlers, daß der Berliner Aufstand von den Polen angestiftet sei, die polnischen Studenten batten damals so­gar das Königliche Schloß beschützt. Vielleicht batte der Reichs­kanzler mit seiner Bemerkung auch nur einen Witz machen wollen Der Kriegsminister habe ferner mit llnrecht behauptet, es sei noto­risch, daß die Polen den Bovkott minefnnnen, hätten. Zwischen einem privaten und einem offiziellen Boykott sei doch ein gewaltiger Unterschied.

Kriegsminister von Einem: Der Aba. Graf Mielewnski hat gesagt, die Aeußerung de? Reichskanzlers über die Beteiliauna de'- Bolen an dem Aufstande von 1 $4^ sei wohl bloß erfolgt, um einen Witz 3it machen. Ich kann nur dagegen protestieren' es ist nick« Sie Aufgabe de? Reick'kansters, Witze -u machen, sondern er har höhere, geumltigerc Aufgaben au erfüllen. (Große Heiterkeit) Hätte der Abg. Graf Mielezvnski zugebört, so hätte er gehört, daß ich gesagt habe, wir werden uns nicht darüber einig tverden, wer angefanaen hat. Der Zustand ist einmal da, lvir haben den Bovkott Jetzt behauptet er mir ins Gesicht, ich Härte gesagt, cs sei noto­risch, dgß die Polen mit dem Bovkott angefanaen haben.

Davon habe ich kein Wort gesagt. Ich muß doch den Herrn Grafen Mielezvnski bitten, daß er aufpaßt, wenn idi etwas sage. (Heiterkeit.) Der Abg. Gras Mielewnski har sich ferner daraus berufen, daß idi gemgt habe, em offizieller Boykott ist nicht so schlimm als ein privater Boykott. Der Boykott, den Sie cinge- führt haben, ist em offizieller, polnifd^er Boykott. Sie gehorchen Ihren Führern auf Wort, genau so, wie cs die Soldaten tun, wenn ihnen ettvas befolgen wird. ,

Der Abgeordnete wunderte sich darüber, daß die Polen seht auf einmal nicht mehr die Barbaren, sondern cm gesittetes Volk sein sollen. Ich möchte doch an ibn die Frage richten, haben eie das, was Sie jetzt tinD, aus eigener Kraft stch errungen oder durch die Maßnahmco der preußischen Regierung? . (Lei hafte Zustim­mung rechts.) Jeder Mann, der verständig ist im Volke, der etivas weiß, (Heiterkeit links.) wird neb dicie Frage jelbit beantworten können, nämlich durch den preußischen Staat. (Lacken bei den Polen und Soz-.ildemotraten. Lebhafte Zustimmung rechts.)

Abg. von TreuenfelS (kons.) empfiehlt nochmals den Antrag Stolberg uno wiederholt feine Besd)werde über mangelnde Ent­schädigung bei Naturalleistungen.

Gcueralma'or Gatt mit, erklärt, die Heeresverwaltung sei nicht in der Lage Bilttgkcttsrücknckten walten zu lassens sie könne das nur da, wo ihr durch das Gesetz eine gewisse Latittide gegeben sei. Sonst komme ste M't der Rechnungskammer in Konflikt.

Abg. Erzberger (Ztr.) tadelt cs, daß Offiziere ihre Burschen in das ÖfftzierswarenhauS schicken, um dort nntzuhelfen, zu solchen Diensten dürften d:e Bur'cken dock) nicht verwandt werden.

Kriegsminister von Einem: Das Kriegsmnusterinm hat keine dienstlichen Beziehungen zum Ossizierwareuhaus. Bon dem besagten Fall w-ckß ich nichts. Daß ein Offizier seinen Burschen zum Mttbelfen in das OffizierwarenhauS schickt, ist selbstvcrständ lich ebenso unzulässig, als wenn er seinen Dursd)cn zu Wertheim schickte.

Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antis.) tritt für eine Er Höhung der Pferdege.'der für die Landwehroffizicrc ein, ferner für eine Besserstellung der Büchsenmacher und für eine möglichste öc- seitigung der Fremdwörter aus der Armccsprache. Soda..11 wmmt Redner auf den Fall Moses Bier zu sprechen, wobei er wie schon gestern zu wiederholten Malen unter großem Gelächter der Lrnken beginnt:Idi muß feststellen" und dann fortfährt, daß man am vielen Lachen nicht gerade die klugen Leute erkennt. Redner stellt also fest, daß nicht von seiner Seite die Iudenftage in der letzten Zeit in das Haus gebracht sei, sondern wie immer von feiten der freisinnigen Partei und insonderheit vom Abg. Eickhoff, von dem es freilich fraglich sei, ob er damit auf die Dauer seine Aufttag- gebcr befriedigen werde. Redner bemerkt sodann: daß ich den Fall Moses Bier im Hause zur Sprache bringen wollte, ist bewiesen dm di meine zu Protokoll gegebene Erklärung. Es könnte mir höchstens der Vorwurf gemacht werden, daß ich es nicht gleid) getan habe. Dazu batte idi keine Gelegenheit. Ich bin immer bereit. Kränkungen, die ich jemand unberechtigterweise zugefügt habe, zn- rückzunehmen. In diesem Fall liegt die Sache so, daß mein Bor- Wurf den Bier nicht gang unschuldig getroffen hat. Wer meine Rede vom 7. März gelesen hat, der muß ihr, wenn er Deutsch versteht, entnehmen, daß idi den Fall angeführt habe lediglich alS Bclcg für die Sucht der Inden, mit militärischen Heldentaten und Orden zu renommieren und das spezielle Tl)ema war: Moses Bier hat sich mit fremden Federn geschmückt oder schmücken lassen, ohn« Widerspruch zu erheben Tic Rede, in der General von Loe i*cr Bier als Träger des eisernen Kreuzes nannte, war am 19. Juni gehalten. Darauf erhob die jüdische Presse einen ungeheuren Iub-l. wie sie es ja gern tut bei allen Helden, die aus dem Stamme Israel hervorgehen (Heiterkeit) und das ging so drei Wochen hindurch bid zum 9. Juli, bis die Bonner Zeitung fcststellte, daß der Bicr gar nid't das eiserne Kreuz besitze. Eine Verfehlung hat Bier in!"' ollen 1 Umständen begangen, er hätte damals nicht nur zu Herrn von Loö gehen und ihn aufklären, sondern nndi die Zeitungen üc nachrichtigen sollen; id) bedaure cs auch sehr, daß dies nicht auch

Herr von Loe selbst tat. Ich gebe nunmehr die Erklärung ab, daß der Fall hier milder liegt, als ich ihn am 7. März beurteilt habe, daß Herr Bier wenigstens seinem alten wohlwollenden Kom­mandeur sofort von dem Irrtum Nachricht gegeben hat, und ich bedaure, daß mir die Verhältnisse es nicht gestatteten, diese Erklärung früher abzugeben. (Lachen links.) Ich hatte mir fest vorge­nommen, es in der dritten Lesung zu tun, die dritte Lesung aber ging sehr schnell vorüber, ich war nid't im Hause, und ich mußte also notgedrungen bid jetzt warten. Wenn Herr Eickhoff gewartet hätte, würde ich jetzt ohnehin ans die Sache zurückgekommen sein (Lachen links); und ich bin glücklicheriveise in der Lage, es zu ve- weisen, daß ich mehreren Herren die Absicht, es zu tun, kungegeben habe.

Meine damalige Rede hat in der Presse eine grobe Entstellung erfahren, ich erhielt zahlreiche Drohbriefe, die das Niveau der Auftraggeber dcS Herrn Eickhoff kennzeichnen, und dasBerliner Tageblatt" brndite eine Zuschrift gegeu mich, in der idi heftig an­gegriffen wurde. Dor betreffende Einsender der Zuschrift, ein Jude, erzählte, daß er der einzige llcbcrlebcnbe von vier Ge­schwistern sei, die alle den Feldzug 1870 mitgcmacbt und das Eiserne Kreuz erhalten haben. Idi habe festaestellt, daß das richtig ist und wünsche nur, daß der Einsender hiervon Kenntnis erhält und erfährt, daß er durch falsche Parlamentsberichte über meine Rede irregeleitet ist. Her Eickhoff spricht gern von Ritterlichkeit, aber sein gestriger U-'berfgll auf mid) war nicht gerade ritterlich. Uud daun eine Frage: Woher hat Herr Eickhoff sein Material? Der Präsident hat gestern schon festgestellt, daß er es von Herrn von Loe nicht ei halten haben konnte ....

Präsident Graf Ballestrem: Bitte, da? habe ich nicht fest- gestellt (Heiterkeit), im Gegenteil, idi habe gesagt, ich glaube, daß er es von dem Offizier hätte. (Heiterkeit.)

Abg. Liebermann v. Sonnenberg (fcrtfahrcitb): Dann habe ich den Präsidenten mißverstanden. Daß Herr Eickhoff m't mir nicht über Antisemitismus reden will, finde ick' begreiflich, denn davon versteht er nichts, er tragt nur dcis vor, was ihm von seinen Matcriglsainml-'rn in die Hände gegeben ist. _ Herr Eickhoff tat sich auf Treitschke berufen, aber gerade Treitsckstc hat die Juden als unser llnglück bezeichnet und ficki wiederholt austerördcntl'.ch drastisch über die Gefahren ausgewrodien-. die dem Volke nein Judentum drohen, er sprach u. a. von Hosen verkaufenden:-.-i- lingen, die über die Ostaren.ze bei uns eindringen. (Heiterkeit bei den Autis.) Herr Eickhoff sagte, die Inden neben gern ihr bestes für dgS Vaterland. Ihr bestes ist das Geld, und 1870 -eichneten Berliner indische Bankiers auf die französische Kriegs­anleihe. sie nnT'-*n alfo ihr beste? für hie Feinde ^e? V^-'-la"^? her.

Herr Eickhoff sagte, daß die Juden gern ihre Wehrpflicht er­füllen: in Wirklichkeit aber entziehen ne sich nach einer Statistik von Dr Baut Nathan sehr aern der Wehrpflicht. Die Juden werden ficki nie so mit uns assimilieren, daß sie von uns in die Ge- n-einfchgft unseres Volkes bineinaesogen werden können. Die Aenßeruna Kaiser Friedrichs über b»e Schwach des Jahrhunderts ist unverbürgt, niemand kann sie eidlich bekräftigen. Aber wenn die Aeußernna wirklich nefn^eu Hn würde, was würde sie be# weifen? Sie (nach links), die Sie immer von Männerstolz vor KöniaSthronen reden, freuen sich', wenn Sie ficki einmal auf eine Aiwßeruna von hoher Stelle geaen den Autisemitiswus berufen können. Herr Lachwann hat micki pöbelhaft anaeoriffen. .wie ick' annebwe. auf Grund entstellter Bericht e der jüdischen Presse, die meine Reden plan"'äfria falsch wied"rgibt.

Die Juden werden bei uns in der Armee aanz richtig bchan- delt: die o<-mce muß fick' die revolutionären Elemente vom halten, llnd daß da? Judentum durch und durch revolittionär ist- beweist Rußland, beweist die Hinneigung der Inden zur Sozial- demokrat'e. beweist Ggpon. der ein getaufter Jude war. (Lackien links.) Ick iibcrlnf'e Herrn Eickhoff ^er Verherrlichnna durch di" Hidischeu Blätter: da? ist für einen Menschen von Herz, Kopf und Geschmack eine schlimme Strafe. Ich ntmibe aber gern, daß sick' Herr Eickhoff darüber freut. (Lachen links.)

Abg. Kopfch (frm. Vv.): In der Zurückweisung itnhereditin- t"r Angriffe gegen Staatsbürger lvegen ihres Glaubens ober ihrer Abstgmm'ma werden wir unbeirrt fortfahren. Auf Herrn L'"'wr "'gnn gehe ich nid't ein. Es ist sa bekannt, daß er die Reden b die die Rechte zwor belacht, selber -u halten sich aber für ZU vor- nehm erachtet. Sehr bedauerlich ist die fdiamlofe Konkurrenz, die ste Militärmusiker den Zivilmusikern machen. Königlich preußische Kapellmeister sollten nicht die Braktiken der Kellnerinnen bei Bock< l'ierfcsten anwenden. Redner spricht eine halbe Stunde über dies" A-rcrne und geht auf alle Verordnungen und Verfügungen ein., die bisher ergg"""m sind. Besonders beklggt er ed, dgß, in pielmr Fällen die etatsmähigen Stellen in den Kapellen übersck"'itten seien, nidst int Interelle des Heeres, sondern im pripaten Interesse der Ka­pelle. So werde in der Militärmns'ker-Zeitung von einer- rallierkavelle ein Klavierspieler gesucht. (Heiterkeit.) WaS hat ein Klavierspieler bei den Kürassieren zu hm?

Kriegsminister von Einem: Die Frage, die der Vorredner so eingehend besprochen hnt, hgt mir schon viel Acrger bereitet, denn fortgesetzt kaufen stsaaen ein. Dodi hat die Konkurrenz der Militär-- mufifer in der Weise, wie sie nicht fein soll, sehr nachgelassen. Vergessen darf man nicht, daß die Kapellen nicht vom Reich unter- halten werden.

ES kommt weiter in Betracht, daß wir nickst ht_ ber Lage sinb, nur etatsmäßige Mustker z" haften, sondern wir müssen neben ihnen , auch eine Anzahl von Hilfsmusikcru haben. Diese bekommen nur Ge reitengebalt. Sie sind also aufs Geldverdieuen angewiefen. (f)ewiß kommen Falle vor, wo eine unlautere Konkurrenz gehand­habt ist und namentlich durch Anzeigen da? Publikum in einer unwürdigen Art heraugezoaeu Ivird. Aber in den Fällen, die mir vorgelegen haben, sind die Anzeigen nickst von den Kapell- l meistern auSgegaimen, sondern hinter ihrem Rücken von den Lokalbesitzern verfaßt. Diese haben sie mit schönen Bildern versehen, schwarze Husaren hiugemalt, Kerls mit gelben Stiefeln und wer weiß was noch. ES ist getadelt, daß Militärkapellen zu patriotischen Festen herangezogen werden. Man kann eS den kommandicrendeu Generalen nickst verargen, daß sie ihre Musiker lieber den patrioti­schen Vereinen zur Ver'iigung stellen, als uupatriotifchen ober sozialdemokrmiscken. «Abg. Kaden ruft:Wir wollen sie gar nicht haben!") Sie bekommen sie auch nicht! (Heiterkeit.)

Aber wenn Militärmusik irgendwo ist, bpnn laufen Ihre (zu ben Soz.) Wähler ebenso hin, nm ihr zuznhören wie andere (Sehr richtig!) D'r dienstlichen Ausbildung tut eS keinen Abbruch, iuenn Militärkapell'n, wie das int Westen geschieht, beim Karneval zu Pferde nn wirken. Ich habe eine ganze Reihe von Klagen gelesen, bei denen ich mir sagte, bn§. ist ja ganz unc.r'ört, b> muß Strafe eintreten, aber bei näherer Prinung habe ich gemnden, daß die Mitteilungen vollkommen unzutreffend waren. Sie können fick) darauf verlassen, daß wir nach jeder Richtung bestrebt sind, den unlauteren Wettbewerb aus der Welt zu schaffen.

Wir sind immer wieder hinterher, daß versucht wird, Minimal- tar'ste auizuslellen, aber an vielen Orten sind eS gerade,die Zwil- musikcr, die sich dagegen ivcbren. Ich glaube, e-5 wird feiner unter Ihnen lein.der dcnSoldatendic Musik nehmen inöck>te,sie hat einen großen ethischen und moralischen Wert für da? Militär (Sehr richtig!), und wollten wir sie abschaffen, so bin iw fest überzeugt, daß ein großer Teil der Zivitbevötkerung ganz erheblich mit leiden würde. Zustimmung.)

Avg. ' vcklcr (Autis.) beschwert sich darüber, daß Offiziere in Uniform Warenhäuser besuchen. Das ist doch unerhört! Selbst das Kr egSministcrinin bezieht seine Streichhölzer von Wertheim! Schattende Heiterkeit.) Der Abg. Eickhoff meint, ich jri Historiker uud verstehe nichts von der Geschichte. Der Abg. Eickhoff ist tlafsischer Philologe, ich habe aber von seinen wisieuschafilichen Leistungen nichts scststetten tönnen. Jetzt freilich, wo er den Hammer der Ma.kobüer gesckuvuugen hot, wird er wohl in der gesamten Indenprcsse als der größte Ph lologe aller Zeiten ge­priesen werden! Von den gegenwärtigen Dingen versteht er aber sehr wenig. Sonst würde er Hüffen, daß der moderne Autiseniitismus mit Glauben nichts zu tun hat.

Im Gegenteil: der Jude, der seinen Glmiben wechselt, scheint unf ganz besonders verächtlich. Herr Eickhoff hat sich Über das erregt, was ich in einer öffentlichen Veriammlung deutscher Frauen mrd deutscher Männer gesprochen habe. Gleichwohl hat er nichts entkräfte» können, und es bleibt dabei, daß er in einer Versammlung deS jüdischen DenunziaistenvereinS hinter verschlossenen Türen unser Volk zu gunsten deS Judentums herabgesetzt hat. Die Inden ge­hören in die preußische Armee nicht hinein. Der bekannte Brief deS Herrn Lachmann, der anS der Armee wegen der Reden der Anti» semiten anStrat, bewe.st das gerade: er ist von einer echt jüdischen Zuchtlosigkeit uud enthielt wissentlich unwahre Beschuldigungen, die sieh der Abg Eickhoff zu eigen gemacht hat. (Redner wird wegen dieser Aeußerung vom Präsidenten zur Ordnung gerufen.)

Ob Kaiser Friedrich ben bekannten Ausspruch wirklich getan bat, ist mehr als zweifelhaft: wenn man die Namen MagnuS und Gumbinner hört, muß man sehr porsichiig sein!

Kriegsmiinsrer von Einem: Tie Fra^e, wo daS KriegSmini- fterium seine Streichhölzer kauft, will idi jetzt nickst erörtern. ES ist richtig daß in Schöneberg eine Militärkapelle bei der Einweihung eines Warenhauses gespielt hat. Aber der Kapellmeister hat dies getan, ohne seinen Kommandeur um Erlaubnis zu fragen. Er hat hinter dem Rücken feines Kommandeurs gehandelt und ist deshalb empfindlich bestrafe worden.

Abg. von (stcrSdorf (kons.) nimmt als Nichtmitglied deS Ostmarkeuverein? diesen gegen den Grasen Miclczynßki in Sck'utz und ruft den Polen zu: Hüten Sw sich vor dem furor teutonicus, der der polunck'cm Sckiiange einmal so auf den Kopf tritt, daß ihr Hören und Scheu vergeht!

Abg. Eickhoff (frei). Vv.) meint, der Kricgsminister hätte durck' sein Schwe'gcn heute den Anschein erweckt, als ob eS recht sei. daß Juden nicht Rcserveleutnants würden. Uni) dabei, oäbe e* dock: selbst am BundeSratstiscki Manner, die von jüdischen Müttern geboren seien. Die Behandlung, die jetzt den Juden widerfahre, könne morgen den Katholiken Passieren.

Kriegsminister von Einem: Der Abg. Eickhoff hat seinen gestrigen Vorwurf g-gen mich wiederholt, dgß ich durch mein Schweigen auf frühere Reden des Abg. von Liebermann den An­schein erweckt härte, aid ob ich ihm znstimmtc. Aber WaS beweist es brnn, wenn der Abg. von Liebermann sagt, jüdische Soldaten würden nicht gerne genommen, weil em Kompagnieckief sich nicht die Front verderben wollte? Das beweist doch garnichts, gegen solche Satz" brauche ich mich doch wirNich nickst zu wenden. Die KompagniechefS haben garnickst das Recht, jüdische Soldaten zu- rückzuweiscn. Sw sehen doch, überall, wo jüdische Einjährige bienen wollen da dienen sie, sie haben das Recht, sich ben Truppen­teil austtlsuchcn. einem Fall, in dem ein Hauptmann gesagt hatte, ich nehme Sic nicht, weil Sie ein Jude sind, habe .ch sofort festgestellt: das ist durchaus falsch, hier muß Remedur ein- treten.

Weiter: Ich hcck'e einem nidsschen Herrn, ber bei mir war und mich frnnfe, was er machen sollte, um fernen Sohn zum Reserve» affilier befördert zu sehen, einfach gesagt: Stellen Sie ihn zur Wahl! Der Herr erwibcrtc, es sei zwcife.lhast, ob fein Sohn gewählt werde. Ich sagte, Sie wohnen bo* in einer Sto^t, Wo ba5 Judentum eiuc Rolle spielt. Warum sollte Ihr Sohu dort nickn aewählt werden? Nein, das glaube >ch nicht, meinte er. Darauf erwiderte ich: Schicken Sie Ihren Sohn au das uud das Ber'rks'omrnando. Dort ist cm sehr großes Reserve- itnb Laudwe''rosfizierkorps, bn^ zum größten Teil nit8 Kau' outen und Lehrern liberaler R'chtimg besteht. Der Herr befolgte me'nen Rat, fein Sohu stellte sich hott zur Wahl, er fiel durch und sein Vater sagte mir mm, daß sich e'nige Stimmen baliin auSae''vrochen hätten, er tonrbe nickst gewählt, weil er Jude sei. Ich habe, obwohl hier ein Der» trauenSbruch Vortag, 'ofort an den kommandierenden Gencrnl ge­schrieben, das fc unmöglich ein Grund, ben Herrn abzuweucn.

Der kommaubierenbo General war meiner Meinung; er hob die Wahl auf, ordnete eine Neuwahl an, und nun wurde der innae Mann eiustimmia abgewhist. Weber dem kommaudierenden General noch mir ist wrnit ein Mittel gegeben, ben Wunsch des jungen Mannes zu erfüttcn.

Ich glaube, daß das OffizierkorpS nirgenbS fo wenig liebevoll behandelt wird, wie in Blattern, die unter jüdischer Leitung stehen und mit jüdischem Gcldc mbuentioniert iverben. (Widcriprncki linfS.) Jch habe den Eindruck. In diesen Blättern wird immer daraus hinge- wiesen, daß dasOifizicrkorpS Lux>'S treibe und nicht mehr auf der Höhe ftche. Gleichzeitig begegnet man in beniestien aber immer bem Wunsch, daß die jüdischen Freiwilligen O fiziere werden mögen. (Sehr richtig I recht?.) Hierin liegt ein Widerspruch, denn warum wünschen denn diese Blatter, daß die Iu>en in das Offizierkorps, daS so verkommen fein fort, einbringen? Wollen die Herren dies von ihnen angefeinbete OffizierkorpS bessern? (Heiterlen rechts.) DaS wäre sehr cbcl, aber dazu sind sie wirklich zu wenig. (Heiter­keit reckst?.) Oder tun sic daS, um kriegerische Lorbeern zu ge­winnen? Diese Blätter sind aber bic'clbcn, die immer ben ewigen Frieden predigen. Ich kann mir diesen Widerspruch nickt erklären.

Die Auseinandersetzung zwiscken den Herren Antisemiten und den Herren von drüben (nach links) macht mir wenig Spaß. Die Juden Und der allgemeinen Wehrpflicht unicrlvorien, und ich muß sagen: ich habe nicht gehört, daß sie schlecht dienen. Aber tatsächlich besteht bis in die lvcitcslen Vottskrci'e hinein ein Gegensatz zum Judentum. Der christstcke Kamerad dient nicht gern mit einem Juden zusammen. Aber dieser muß ertragen werden, nicht von mir, sondern von denen, die ihn nickst tooücn, er muß ertragen werden auch von dem Abge­ordneten Böckler. (Heiterkeit.) Al,o gegen die jüdischen Soldaten ist nichts zu lagen, sie tun überall ihre Schuldigkeit im Frieden uud würden sie auch im Kriege tun. Ucberatt, wo mir Klagen zu Ogren geloinmen sind darüber, daß jüdische Einjährig-Freiwillige nicht zu Untcroifizicrcn be ordert wcrdcn ober Unteroffiziere nicht das Qnalifiiat onSatlest bekommen, habe ich diesen Klagen auf bad gewissenhafteste nachgcipürt.

Ich habe mir die Zeugnisse kommen lassen, und immer ge­funden, daß Darin genaue Gründe angegeben Ivar en. Ich habe einem Herrn getagt. Sie können es jcDcm sagen, der cS hören w,U, bafc bie jüdische Religion unter lernen Umständen einen Grund abgeben kann, jemanden nicht $n befördern. Ich glaube lomit vollkommen meiner Pflicht genügt zu haben, und mehr können Sre von mir nickst verlangen. (Beifall.)

Abg. Graf von Earmcr (kons.) erklärt, daß er der Resokunoi» Müllcr-Sagan zustimmen werde.

Abg. Müller-Baden (nutl.) dankt dem Kriegsmmister dcffüc, daß rr eine Erhöhung ber EinquartiernngSgelber zugesagt Ube und wünscht, daß bald Schritte cinnclcttct würden, um einen Truppenübuiigsplatz für daS badische ArmeckorvS zu schaffen. Jetzt herrscht in ben beteiligten Gegenden eine große Unruhe und Un­sicherheit, kein Bauer lasse Reparaturen vornehmen, da er nicht wiße, ob sein HauS nickt bald abgerissen würde. Hierüber ttagten besonders die Bauhandwerker.

Abg. Dr. Müllcr-Sagan ssreis. 93p.) fordert den KriegS- nttnutcr auf, die Blätter zu nennen, die nach feiner Meinung gegen die OffizierkorpS hetzten. Denn er die Preffc der freisinnigen Ver­einigung damit meinte, so wäre das doch der Gipfel der Undank­barkeit. bet diese Presse seit 1803 für jede Militärvorlage etngc' treten sei.

Nack weiteren Bemerkungen der Abgg. Gröber und v. Not» manu schließt die Diskussion.

Die Resolution Stolberg (erhöhte NatnraNeistungSgelder) wird zurückgezogen, die Abstimmungen werden morgen stattfinben. ,

Hicranf vertagt daS HauS die weitere Beratung aus Freitag, 1 Uhr. (Außerdem Abstimmung über die 28 Reso­lutionen zum RcickSamt des Innern.)

Schluß nach halb 8 Uhr.