Aas Hrohöcrzogliche ^aar in Wußkand.
lieber die Reise und den Aufenthalt Ihrer Kgl. Hoheiten Les Grobherzogs und der Grobherzogin in Rußland ist das Darm st. Tgbl." in der Lage, nach Informationen aus authentischer Quelle folgendes mitzuteilen:
Während des Aufenthaltes in Moskau lebten die Allerhöchsten Herrschaften sehr zurückgezogen, nur für sich. Selten wurden kurze Ausfahrten unternommen. Tas Wetter war sehr schön. Tas Thermometer zeigte — 7 bis 8 Grad und heller, freundlicher Sonnenschein beleuchtete das friedliche winterliche Strabenbild der schönen alten Kaisersladt, den, nichts von irgend welcher Aufregung, von Aufruhr und Unruhen, anzusehen war. Alles war durchaus ruhig. — Diese Ruhe wurde nur an einem Tage dadurch gestört, daß größere Kosakenpatroiiillen die Straßen durchzogen. Ter Polizei war durch ihre Kundschafter Mitteilung davon geworden, daß sich etwas ereigne". Aber es ereignete sich nichts und so soll es fast immer sein. Ter Aufenthalt in den Straßen war gerade so wenig gefährlich, wie anderswo. Interessant ist, daß an den Unruhen selten die arbeitenden Klassen beteiligt sind. Meist sind es ausschließlich Studenten, die ihren revolutionären Gefühlen diirch Gewaltakte Ausdriick verleihen.
Ihre Kaiserliche Hoheit die Großfürstin Elisabeth ist von 'tiefer Trauer für ihren hohen Genrahl erfüllt, aber sie erträgt ihr Schicksal mit bewundernswürdiger Fassung. Rur im Augenblick des Eintresiens der Schreckensnachricht und beim 'Anblick der blutigen, zersetzten Leiche ihres unglücklichen Gemahls wollte der Schmerz die hohe Frau überwältigen. Sie siichte Trost im Gebet und fand ihre Fassung bald wieder. Ihre hohen Verwandten haben ihr in den Tagen des Schmerzes getreulich zur Seite gestanden und haben ihr eine unschätzbare Stütze geboten. Schon seit langer Zeit waren der Großfürstin zahllose Droh- und Warnungsbriese zilgegangen. In allen wurde sie gewarnt, angefleht, nicht mit dem Gros.sürslen zusanimen auszufahren. Doch nichts konnte die hohe Frau dazu bewegen, diesen Warnungen Gehör zu schenken und stets sah man sie an der Seite des Gemahls. Vielleicht war sie ihm unbewubt Schutz. Rein zufällig fuhr am Tage des Attentats der Großfürst allein aus und das Entsetzliche geschah. — Die Großfürstin Elisabeth erfreut sich in Rußland einer beispiellosen Wertschätzung und Liebe. Tas Volk verehrt sie wie eine Heilige und bringt dies bei jeder sich ihm bietenden Gelegenheit zum Ausdruck. Der bestorganisierte Sicherheitsdienst der russischen Polizei könnte der hohen Frau nicht den Schutz gewähren, ben ihr das Volk selbst bereitet, ihr wird nie em
Haar gekrümmt werden, mögen die Wogen de§ Aufruhrs noch so hoch gehen. — Es sei bei dieser Gelegenheit bemerkt, daß Großfürstin Elisabeth nicht daran denkt, ihre zweite Heimat zu verlassen. Alles, was in den Blättern gesagt worden ist von dauerndem Aufenthalt in Deutschland, resp. in Darmstadt, ist frei er- iinden. Natürlich ist ein längerer Besuch der Großfürstin bei dem Großherzoglichen Paare in Darmstadt nicht ausgeschlossen, z. Zt. ist aber darüber noch nichts bestimmt. — Des weiteren beruht die durch die Blätter gegangene Mitteilung über den Inhalt der Unterredung der Großfürstin mit dem Mörder ihres hohen Gemahls auf freier Ersindung. Die Mitteilung war vom Londoner .Daily Mail" verbreitet worden. Das einzig Wahre daran ist, daß die Unterredung stattgefunden hat. Die hohe Frau begab sich allein in die Zelle des Mörders. Niemand war bei der Unterredung zugegen, auch der Vorraum zu der Zelle war leer, so daß völlig ausgeschlosien ist, daß ein Wort der Unterredung gehört wurde, und nur die Großfürstin selblt und der Mörder wissen, was gesprochen wurde. Die Großfürstin erzählte nur, daß der Mörder, der fließend russisch sprach, jedwede Auskunft über sich verweigerte und seiner Freude darüber Ausdruck gab, daß die Großfürstin nicht mit ihrem Gemahl war.
Am 8. März, mittags halb 1 Uhr, erfolgte die Abreise der hohen Herrschaften von Moskau im Kaiserlichen Hofzug nach Petersburg, resp. Zarskoje Sselo. Hier fand am Bahnhofe großer militärischer Empfang statt. Eine Kompagnie des russischen Dragoner-Regiments, dessen Chef Se. Künigl. Hoheit der Großherzog ist, und die Musikkapelle dieses Regiments erwiesen die militärischen Ehrenbezeugungen. Das Zarenpaar und die Großfürsten waren zum Empfang erschienen und die Begrüßung war eine sehr herzliche. Auch in Zarskoje Sselo lebten die hohen und höchsten Herrschaften sehr zurückgezogen. Das Wetter hatte sich geändert, es war Tauwetter eingetreten, das den unvermeidlichen Straßenschmutz im Gefolge hatte und während der ganzen Tauer des Besuches unfreundlich und naß blieb. TaS Straßenbild war auch in Petersburg ein durchaus friedliches, wie in Moskau. Nichts ließ Dolksunruhen vermuten, die Stadt trug durchaus alltäglichen Charakter. Die Zarin und der Großsürst-Thronfolger befinden sich wohl.
Nach achttägigem Aufenthalt in Zarskoje Sselo, am Donnerstag dem 16. März, traten das Großherzogliche Paar mit Gefolge die Heimreise an. Der Kaiserliche Hofzug brachte die hohen Reisenden bis Eydtkuhnen, von dort tvurden fahr-
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als Nährmittel die führende Stellung einnimmt, welche ihm gebührt! Besonders geht dies ans dem Umstand hervor, daß der verbrauch von Rnorrs Hafermehl von Iahr zu Jahr ganz erhebliche Steigerungen aufweist. Rnorrs Hafermehl, sowie sämtliche weiteren Knorrs Präparate smd in allen i Rolonialwarengeschästen, Drogenhandlungen rc. erhältlich. Die Firma <£.. f). Knorr A.-G. zu Heilbronn a. N. ist auch jederzeit gern bereit, außer i.iren
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planmäßige Schnellzüge bis Frankfurt benutzt und von Frankfurt bis Darmstadt Sonderzug. Am Samstag den 18. ds., nachmittags, trafen Ihre Köuigl. Hoheiten, wie gemeldet, in bestem Wohlsein wieder in der Residenz ein.
und Aerkrt-r. Ao^swlNjtyalt.
Venezuela und Amerika. Der Konflikt zwischen dm. Vereinigten Staaten und Amerika läuft darauf hinaus, das Ab-> kommen Venezuelas mit England und Deutschland betreffs Be-^ gieichung der Schuld zu hintertreiben. Es wird angenommen, paß der amerikanische Geschäftsträger in Venezuela, Bowen, es verhindern soll, daß Venezuela die Hälfte der Hasen zolleinnahmen, mit Ausnahme der von La Guapra und Puerto Eabello den englischen und deutschen Gläubigern abtritt. Amerika befürchtet nämlich, wenn die europäischen Gläubiger befriedigt werden, würden die eigenen Ansprüche unmöglich zu erlangen sein, denn was aus den Zöllen noch übrig bliebe, sei erforderlich für venezolanische Regierungszwecke. — Daß durch diese Sachlage das ,og. Arrangement, das vor kurzem schon als vollständig abgeschlossen bezeichnet wur-dc, noch lange nicht zustande kommt, braucht nicht weiter hervorgehoben zu werden.
D e u t s ch e S t a a t s a n i e i h e n. Es kann als ziemlich sicher angenommen werden, daß bei einer ev. neuen Reichs- und preuß. Staatsanleihe der 312 proz. Zinsfuß in Anwendung kommt, so wird wenignens in einigen Berliner und sonstigen Börsenblättern, behauptet. Auch an den Börsen ist man der Meinung, daß- sowohl die Reichs- wie die Kgl. preußische Finanzverwaltung zu diesem Zinsfuß zurüäkehren wird. Wir glauben doch Nicht, daß die Sache so ganz sicher ist und sie wird auch in streifen? der Hochfinanz für nicht rütlich erachtet. Jedenfalls toerben die nächsten Wochen scpon eine Entscheidung bringen.
Russische Anleihe. Den neuesten Petersburger Informationen zufolge wird eine neue o proz. russisch e Anleihe zu etwa 96 an den Markt tomnicn. Davon haben die 6 großen Petersburger Banken 60 Mill. Rbl. und die übrigen Banken und Bankiers 40 Mitt, zu etwa 94 Prozent übernommen. Wettere 40 Mill. Rbl. sind denselben in Option gegeben, während die restlichen 60 Mill. Rbl. an die Sparkasse gegangen sind. Im übrigen macht sich unter den Petersburger Bankiers eine große Verilimmung gegen ihre Kollegen in Paris geltend, well diese nach ihrer Ansicht die letzte Anleihe zu Fall brachten, eie suchen nun auch auf den Kurs der Anleihen zu drücken, in der Voraussicht, daß die französischen Titelinhader den Schadens davon haben. Ein großer Erfolg ist damit aber nicht erzielt worden, d^nn gerade, an der gestrigen Börse behaupteten bie; Russenwerte eine große Festigkeit. Es mag dies auch darauf zu-- rückzuführen fein, daß erneute Friedenshoffnungen auftauchen, ine auf die Meldungen eines Londoner Blattes zurückzuführen sind, das behauptete, es habe bereits vorgestern in Petersburg ein Ministerrat stattgefunden. Bei dieser Gelegenheit fei gleich bemerkt, daß die Rede des Kaisers bei den Bremer Festlichkeiten einen sehr guten Eindruck machte, da der Kaiser die Friedensliebe Deutschlands ganz besonders hervorhob.
Limburg a. d. L., 22. März. F r u ch l in a r k t. Durch- schlilltspreise pro Malter. Roter Weizeii 15.35 'Bit, weißer Weizen. (W.00 All., Korn All. 10.90, Gerste 10.30 All., Haier 7.70 All.,- Erbsen 0.00 All., Kartoffeln 0.00 All.
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