p. Leun, 26. Juni. In einem Zustande von GeisteS- mnnachtung ist unser Mitbürger Privatier Ständen freiwillig aus de ui Leben geschieden. Man fand den Bedauernswerten heute vormittag auf dem Speicher feines Hauses erhängt vor.
Butzbach, 26. Juni. Die ,,B. Ztg." schreibt: Wie wir aus guter Quelle hören, so ist unser auf den verschiedensten Gebieten tätiger und verdienter Mitbürger Medizmal- rat Dr. Bogt, nachdem er schon seit mehreren Jahren, besonders anhaltend iloch iiu letzten Winter, zu den Arbeiten und Sitzungen der höchsten Reichssanitätsbehörde zugezogen ,war,zum Mitglied des Kaiserlichen Reichsgesundheitsrates ernannt lvorden und dürfte daher demnächst nach Berlin überziehen. So sehr wir uns über die hohe uni) wohlverdiente Auszeichnung des Herrn Medizinalruts freuen, so müssen wir doch seinen Weggang als einen ganz außerordentlich schlveren Verlust für seine und unsere Vaterstadt betrachten.
= Bleichenbach, 26. Juni. Eine hiesige Witwe fichr heute mit ihrem elfjährigen Sohn ins Feld, um Klee zu holen. Das Wägelchen war mit einer Kuh bespannt. Kaum hatte sich die Frau auf den Sitz gesetzt, als die^Kuh unvermutet anzog. Durch den heftigen Ruck fiel die Frau rückwärts in die Sense, deren Spitze fingerlang m den Lücken ging. Die Blutung war anfangs unbedeutend, wurde aber bald darauf so heftig, daß schleunigst ein Arzt geholt werden mußte.
Frankfurt, 26. Juni. Im Palmengartcn stehen zurzeit in herrlicher Entwickelung die Gloxinien (Gewächshaus Nr. 4), die in den erlesensten Gartenvarietäten zu sehen stnd. Der Rosengarten befindet sich im Stadiunl schönster Entwickelung. Alle Varietäten der Gattung Rose wetteifern fitzt miteinander in Blütensülle und Schönheit und lassen ein Bild von unvergleichlichem Reize erstehen, das nicht nur den Rosenliebhaber, sondern auch jeden Blumenfreund entzücken muß. Blühende Pflanzen und Blattpflanzen der verschiedensten Art vereinigen sich zu einem imposanten Gesamtbilde, das, wechselnd, immer neue Erscheinungen bringt.
fc. Worms, 26. Juni. Rach dem hiesigen Polizeibericht hat sich der dreifache Raubmörder von Neckargartach, der Bäckergeselle Ernst Mogler aus Böckingen, in der Nacht vom 21. auf 22. d. M. in Sandhofen und Lampertheim umhergetrieben und zwar in Gesellschaft eines großen, kräftigen Burschen, der wie ein Kellner ausjah.
Rüdesheim, 26. Juni. Unter dem Verdacht, den Mord hier begangen zu haben, steht jetzt der bei Lorch aufgefundene Metzgergeselle Schreibweiß aus B es jungen, der dort mit durchschnittener Schlagader aufgefundcn wurde und im dortigen Krankenhaus Aufnahme sand. Die Untersuchung gegen ihn ist bereits eingeleitet. (K. Pc.)
Vermischtes.
* E i n s ch w e r c U n g l ü ck a u f S e e. Tas dänische Privatfcyulschifs , Georg Stage" wurde in der Nacht jom Sonntag auf Montag in der Holländer Tiefe bei Kopeu- filgen von dem englischen Dampfer „Ancona" aus Leith angerannt und sank nach IV2 Minuten; -42 Kadetten ertranken, 57 wurden gerettet. Der
erste Steuermann von dem Schulschiffe erzählte folgendes: Das Schulschiff kam von der Kröger und fuhr nordwärts. Es fegelte bei dem Winde und fuhr mit vollen Srgeln. Es war schönes Wetter, ruhiges Wasser und Brrs Man beobachtete den Dampfer der englischen
' Ancona" aus Leith. Der Dampfer schien zuerst hinten um den ,Georg Stage" herumgehen zu wollen, veränderte aber plötzlich sein Manöver und versuchte, vorn berumzugehen. An Bord des „Georg Stage" ertannte man fetzt das; eine Kollision unvermeidlich sei. ^er Kapitän Maltenkcon läutete, um die En gl an d e r 5 u w a r n e n, während gleichzeitig die Luken ^geöffnet uno bre Kadetten geweckt wurden. In demselben Augenblick erfolgre der Zusammenstoß. Der Bug der „Ancona" bohrte |ia) lief trt die Seite des Schulschiffes, zerdrückte em Boot uno zerbrach zwei Masten, sodaß Masten und Takelung auf Deck meoer- fielen und es den Kadetten erschwerten, an Decr zu kommen Der Kapitän, der Steuermami Myhre und die Kadetten die nicht in der Takelung verwickelt waren, spraiigeii an Bord der „Ancona" und setzten sofort Rettungsboote ins Wasser. Die englische Besatzung nahm auf das ei<- rigste an dem Rettungswerke teil.
* B 0 m K r 0 n p r i n z e u p a a r wissen Berliner Blätter allerlei zu erzählen. So wird allen Ernstes unter „Hof- und Perionalnachrichteii" mitgeteilt: „Der Kronprinz hat nunmebr nach seiner Rückkehr nach Potsdani seinen Dieilst als Chef der zweiten Kompagnie des 1. Garderegiments zu Fuß wieder angetreten. ZU Begleitung seiner Gemahlin besuchte er das Kascrnement, und während der Thronfolger ocr Löhnungsausgabe seiner Kompagnie beiwohnte, nahm die Kronprinzessin Gelegenheit, in Begleitung einiger Offiziere sich die Stuben der Mannschaften ihres Gemahls anzusehen. Nach dem Appell kam der Kronprinz hinzu und ließ sich von den inzwischen auf den Stuben versammelten Leuten die Spinde ausschüeßen. Die Kronprinzessin war erstaunt, daß tu einem Soldatenspind eine solche Ordnung herrschen könne, und amüsierte sich köstlich über die Unterbringung des Putzzeuges, der Ausrüstungsgegenstände, der Eßvorräte usw." Ferner berichtet die „Neue Zeit" aus Charlotten- burg: „Der Kronprinz und die Kronpriiizessin machten vor einigen Tagen, nnr von einem Reitknecht begleitet, einen Spazierritt in die weitere Umgebung des Jagdschlosses Hubertusstock. Hierbei stießen sie auf eine Gruppe von Waldarbeitern, Die unter der Leitung eines Forstbeamten mit der Errichtung eines Wildgatters beschäftigt waren. Der Kronprinz und die Kronprnrzessin ritten an die Leute heran. Hierbei bemerkte der Kronprinz, daß einer der Waldarbeiter einem Gefreiten ähnelte, der früher in der von ihm befehligten Kompagnie des 1. Garderegiments zu Fuß seiner Militärpflicht genügt hatte und sich als Soldat stets der besonderen Gunst seines hohen Kompagniechefs erfreute. „Das ist aber ein Zufall", sagte der Kronprinz, „das Wiedersehen müssen wir begießen!" Ter Reitknecht wurde ins nächste Tors gesandt, um Bier und Zigarren zu holen. Die Stimmung wurde zuletzt eine so animierte, daß der die Aufsicht führende Forftbeamte sich sogar dazu ausschwang, eine Rede zu hatten, die allerdings einige seltsame Stilblüten zutage sördertc. Lächelnd wehrte der Kronprinz ab, indem er sagte: „Lassen Sie genug fein des grausamen Spiels, mir gilt der gute Wille für die Tat!" Er hinderte hierdurch jedoch nicht, daß die Waldarbeiter die Nationalhymne anstimmten, die dann in ein brausendes Hoch auf den Kronprinzen und seine Gemahlin
ausklang. Nachdem das Kronprinzenpaar feoem Der Arbeiter zum Andenken an den Tag ein Dreimarkstücr geschenkt hatte, ging es wieder heimwärts nach dem idyllischen
Auszug Ms i>ru StMesumIsrkglsteiu der Slflöi Hießen
Aufgebote.
Juni. 17. Franz Bauer, Brauer dahier, mit Elisabeths Koch Hierselbst. 17. Franz Schocker, Schlosser dahier, mit Katharine Wallenfels Hierselbst. 17. Heinrich Spieß, schneidermelster ur Garbenteich, mit Margarethe Lepper dahier. 20. Johannes Philipp Duchardt, Metzgermeister in Alsfeld, mit Lma Feußer dahier. 20. Wilhelm Heß, Hilfsbremser in Großen-Lmden, mit Anna Johanna Althaus daselbst. 21. Emil Simon, Schlosser dahier, nut Katharine Bollmann hierfelbst. 22. Julius Karle, Geometer 1. Kl. dahier, mit Anna Lenz Hierselbst.
Eheschließungen. . .
Juni. 17. Adolf Römheld, Kaufmann m Mainz, mit Emma Siegeletz dahier. 17. Andreas Krausmüller, Dachdecker dahier, mit Alina Marie Waldschmidt in Heuchelheim. 17. Ferdinand Jung, Schreiner dahier, mit Elma Striegnitz in Lollar. 22. Hermann Weller, Musiklehrer dahier, mit Marrn Stiehl hierfelbst. 22. Bernard Moymanu, Diener dahier, mit Marie Hämmert hierfelbst.
Geborene.
Juni. 12. Dem Bauaufseher-Aspiranten Karl Wehrum eine Tochter, Else Helene Erna. 14. Dem Schneider Friedrich Slever ein Sohn, Rudolf Wilhelni. 15. Dem Apotheker Curt Schneider, ein Sohn, Heinrich Wilhelm Curt Walter. 17. Dem Eisendreher Wilhelm Müller VII. ein Sohn, Friedrich Wilhelm. 18. Dem Steinbrecher Ernst Valentin ein Sohn, Ernst Heinrich. 19. Dem Taglöhner Heinrich Repp ein Sohn. 19. Dem Unwersitätsprofefior Geh. Justizrat Dr. Arthiir Schmidt ein Sohn. 19. Dem Fabrikarbeiter Jakob Stecker ein Sohn, Hermann. 21. Dem Schlosser Karl Möser ein Sohn.
Gestorbeue.
Juni. 18. Elisabeth Katharine Kraft, 2 Monate alt, Tochter des Lokomotivführers Heinrich Kraft dahier. 19. Marie Elise Leinberger, 20 Tage alt, Tochter des Taglöhners Heinrich Leinberger dahier. 20. Karl Heinrich Ernst Loose, 2 Jahre alt, Sohn des Schreiners Gustav Loose dahier. 22. Otto Sommerlad, 19 Jahre alt, Metzger dahier. 22. Kart Taniet Metzger, 69 Jahre alt, Metzgermeister dahier.
Kursbericht.
Frankfurt a. M.»
3 Va°/ü Reioheau leihe . . 101.25 30/a do. ... 89.80 3‘/t% Konsola .... 101.20 S°/q do, . . . . 89.70
372% Hessen .... 100.25 Sl/8% Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente . . 101.20 4*/6% Oesterr. Silberrente . 100.75 4% Ungar. Goldrente . . 98.40 4°/o Italien. Rente , . . —.— 4% Portugieser I . . . 66.80 3°/ Portugiesen. III . . 66.90 1% Unif. Türken . . . 87.60 Türkenlose......133.00
4% Griech. Monopol.-Ank —.— 4,/,% äussere Argentiner 44.40
Tendenz: ruhig, ti
?6. Juni Offizielle Schlusskurse.
3°/o Mexikaner .... 67.10 4,/2j/o Chinesen .... 96.00 Electric. Sohuckert ... 134.50 Nordd. Lloyd . . . . 120.70
Kreditaktien ..... 205.50 Diskonto-Kommandit. . . 187.30 Darmstädter Bank . . . 139.80 Dresdener Bank .... 153.50 Berliner Handelsges . . 167 50 Oesterr. Staatsbahn . . . 142.00 Lombarden ..... 18.40 Gotthardbahn ..... —.— Laurahütte ..... 262.70 Bochum ...... 247.50
llarpener...... 209 60
Staatschatzscheine . • . 100.30. ilweise schwächer.
9m Sommer darf ein äCind nicht entwöhnt werden
denn Brechdurchfall und andere Verdauungskrankheiten raffen im Sommer Hnnderttausende von mit der Flasche genährten Säuglingen hinweg. Wenn eine Mutter nicht genügend Milch hat, dann nehme sei das bewährte Lactagol. Broschüre über „Natürliche Säuglingsernährung“ gratis von Vasogenfabrik Pearson & Co., Hamburg 106. hv%
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