feem Haag, daß der Beschluß der englischen Regierung, eine «roße Flotten st ation in Singapore zu errichten, in jHoll and Verstimmung hervorgerufen habe. Die hollän- kdische Regierung werde vielleicht gezwungen sein, die Häfen in ihren ostindischen Besitzungen zu befestigen und Kohlcn- stationen zu errichten, um das Gleichgewicht zu erhalten.
Paris, 27. Sept. Rosen und Revoil widmeten ,<tjre heutige Zusammenkunft der Feststellung der Texte. Man snimmt an, daß die Unterzeichnung morgen wird er- «rfolgen können.
— Entgegen der Meldung eines hiesigen Morgcnblattes "stellt die „Agence Havas" fest, daß Präsident Loubet bei feiner R ü ckreife von Portugal sofort in die französischen Gewässer zurück?ehren wird, ohne im mindesten vor Tanger oder der marokkanischen Küste zu kreuzen. Das Panzerschiff, an dessen Bord sich der Präsident befindet, wird von keinem Schiff begleitet sein.
Wien, 27. Sept. Abgeordnetenhaus. In der Debatte über die Regierungserklärung bezeichnet Lecher (deutsche Fortschrittspartei) das von dem Ministerpräsidenten gestern entwickelte Arbeitsprogramm als ebenso mager wie das handelspolitische. Er bemerkt sodann, der Ministerpräsident habe alles, was über seine Einmengung betr. die ungarische Wahlrechtsfrage verlautet, gestern bestätigt. Pernerstorffer (Sozialdemokrat) kritisiert das Programm des Ministerpräsidenten. Gautsch hetzte durch sein Eintreten gegen das allgemeine Wahlrecht die Arbeiterschaft gegen die Dynastie auf. Der Ministerpräsident möge sich hüten, daß der in Rußland wütende revolutionäreBrand nicht auch auf Oesterreich übergreife. Der Redner schließt: .Gautsch ist unser geschworener Feind; deshalb rufen wir: Fort mit Gautsch!" Sylva-Taroues (böhmischer Großgrundbesitzer) erklärt, seine Partei stehe auf deni Standpunkte der Einheit und Untrennbarkeit der Monarchie und begrüße die Wachsamkeit und Entschiedenheit, welche aus den Erklärungen des Ministerpräsidenten sprechen, sowie die Kundgebung der Krone, daß bezüglich der militärischen Kommando- und Dienstsprache 'Vachgibigkeit ausgeschlossen sei.
Tokio, 27. Sept. Im Voranschläge für das nächst- fährige Budget ist eine Summe vorgesehen für die Anstellung von Regierungs-Handelsagenten in Indien, Südamerika und Australien, um dort die japanischen Interessen wahrzunehmen. Volk uud Regierung sind einmütig in dem Bestreben, ihre Tätigkeit auf dem Gebiete des Handels und der Industrie im Auslande entfalten zu können.
Hongkong, 27. Sept. Rach Beschluß des Besuches beS britischen China-Geschwaders in Dalny wird der Geschwaderchef, Admiral Roel, am 2. Oktober mit sechs Kreuzern und zwei Torpedobootsdivisionen nach d e n H a u p t- häfen von Japan in See gehen.
Konstantinopel, 27. Sept. In der Provinz Djebel- Durz in Syrien ist ein Anfstand ausgebrochen. Ein türkisches Bataillon ist vollständig massakriert worden. Ein Jrade ordnet die Absendung von 8 Bataillonen an.
Russische Neuigkeiten.
Der Semstwokongreß zu Moskau lehnte die Anträge auf Erteilung des Wahlrechts an Frauen und auf Erlassung eines Aufrufes an die Bevölkerung ab. Dagegen wurden die Anträge auf Abschaffung der Todes st rafe und Aufhebung der administrativen Bestrafung, sowie auf Unabsetzbarkeit der Richter, ferner betreffend Trennung der Justiz von der Verwaltung und Erlassung einer allgemeinen Amnestie angenommen.
Die Industriellen von 8 Provinzen Polens hatten an den Minister de§ Inneren einen Antrag auf Zulassung von Arbeitcrvertretern zu den Reichsduma- w ah len gestellt. Die Industriellen Moskaus verhalten sich dem Antrag gegenüber gleichgültig, während die von Petersburg ihn bekämpfen. Infolgedessen hat der Minister seine Zustimmung zu dem Antrag versagt.
Aie Kßolera.
Der preuß. „Staatsanz." meldet: Vom 26. bis 27. Sept, imirben in dem preußischen Staat 5 choleraverdächtige Erkrankungen und 2 choleraverdächtige Todesfälle neu ge- vreldet. Die Erkrankungen betreffen die Kreise Stuhm (ein pbdochloser Müllergeselle), Thorn leine aus Thorn eingelieferte Gerichtsgefangene), Ober-Darnim (ein Arbeiter), Krossen (ein Bootsmann auf der Oder) und Bromber(g2 (die Göttin eines Bure-auvorstehers). Die Gesamtzahl der Cholerasälle beträgt also bis jetzt 248 Erkrankungen, pvn denen 87 tödlich verliefen.
Ferner wird gemeldet:
In Berlin sind auch bei der Frau des kürzlich verstorbenen Schiffers Wilhelm Lehmann Cholerabazillen sest- fitftellt worden. Sie ist etn sogenannter Bazillenträger, suhlt sich völlig wohl. Sodann ist bei einem gestorbenen Kind d?s Arbeiters Foerst in Adolfsdorf (Kreis Wirsitz) Cholera als Todesursache festgestellt. Die fünfjährige Schwester des verstorbenen Kindes ist gleichfalls an Cholera erkrankt.
Schwurgericht.
th. Gießen, 28. Sept.
Gestern verhandelte das Schwurgericht wieder unter Ausschluß der Oeffentlichkeit gegen den bisher unbestraften verheirateten 43jährigen Eisenbahnarbeiter Peter Grün aus Vilbel. Die Anklage war erhoben wegen des Verbrechens der Notzucht und wurde vertreten durch Staatsanwalt Reuß. Die Verteidigung führte Rechtsanwalt Justizrat Weidig. Die Geschworenen hielten nur einen Versuch des Verbrechens als erwiesen, bejahten auch das Vorliegen mildernder Umstände. Der Gerichtshof erkannte auf 10 Monate Gefängnis, worauf 2 Monate der erlittenen Untersuchungshaft in Abrechnung zu kommen haben. Strafmildernd hatte der Gerichtshof die Unbestrastheit und die zweifellose Ange- irunkenheit des Angeklagten bei Begehung der Tat berücksichtigt. Strafschärfend mußte aber in Betracht kommen, daß der Angeklagte sich gegen ein 17jähriges unbescholtenes Mädchen vergangen hat.
K»tschlagsprozcß Lengerke.
d. Mainz, 28, Sept.
Der 1865 zu Kassel geborene WeingntSbesitzer Moritz tk Lengerke, seither in Wiesbaden und jetzt in Erbes- BüdeSheim wohnhaft, hat sich heute wegen vorsätz- Ucher Tötung seines Schwiegervaters zu verant
worten. Der Angeklagte war früher Offizier, wurde aber wegen unsauberer Handlungen auS dem Offiziersstande entlasten. Der Baron heiratete später die sehr vermögende Tochter des Altbürgermeisters Lebert in Erbach-Büdesheim und wurde Weingutsbesitzer und Weinhändlcr. Ter Angeklagte stand mit seinem Schwiegervater in den letzten Jahren auf sehr gespanntem Fuße, es war öfters zwischen ihnen zu Streitigkeiten gekommen. Zuletzt wohnte der Angeklagte bei seinem Schwiegervater. Dieser hatte ihm das Haus verboten und wiederholt sofortige Räumung verlangt. Der Angeklagte störte sich aber an dieser Aufforderung nicht und blieb im Hause. Am Nachmittag des 13. September 1904 traf der Angeklagte mit seinem Schwiegervater in dessen Wohnung ohne Zeugen zusammen. Alsbald wurden von Nachbarn des Lebertschen Hauses Schüsse gehört und zwar in der Weise, daß erst drei Schüste und nach einem kurzen Zeitraum nochmals drei Schüsse fielen. Der Schwiegervater des Angeklagten wurde durch drei Schüsse in den Kopf getötet; jeder einzelne Schuß war absolut tätlich. Das Merkwürdige dabei ist, daß eine Kugel dem alten Manne in den Hinterkopf gegangen war, während die beiden anderen Schüsse die Vorderseite des Kopfes getroffen hatten. Der Angeklagte hatte je einen Streifschuß an beiden Armen. Der Angeklagte will in Notwehr gehandelt haben. Nach seinen Angaben habe er beim Zusammentreffen mit seinem Schwiegervater diesem Vorhalt wegen seines Verhaltens gegen ihn gemacht (eS hatte sich um ein Testament gehandelt, das nicht zu Gunsten des Angeklagten ausfallen sollte); bei dieser Gelegenheit sei es zu erregten Aeußerungen gekommen, und sein Schwiegervater habe einen Revolver gezogen und auf ihn, den Angeklagten, drei Schüste abgegeben, die ihn sämtlich getroffen und verwundet hätten. Erst dann habe er, der Verletzte, seinen Revolver hervorgeholt, diesen entsichert und nun seinerseits dreimal geschossen.
Die Affaire hat seinerzeit bedeutendes Aufsehen weit über die Grenzen Hessens hinaus gemacht. Vor diesem blutigen Akte wurde v. Lengerke wegen Weinfälschung bestraft und der „Wein" beschlagnahmt. Als der Wein eingezogen werden sollte, war er „ausgelaufen", es war etwas an den Fästern passiert. Auch nach der Totschlagsaffaire wurde v. Lengerke wegen Weinfälschung mit Gefängnis bestraft.
Es sind über 50 Zeugen und mehrere Sachverständige geladen; die Verhandlung wird zwei Tage währen. Der Angeklagte wird von den Rechtsanwälten Loewensberg und Cause verteidigt. Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Dr. Schmidt.
Aus Stsdk und ZMÄ.
Gießen, 28. September.
Sprechstunden der Redaktion:
12—1 Uhr mittags, V,?—1/28 Uhr abends.
" Empfang. Se. Kgl. Hoheit der Groß Herzog empfingen mn 27. September u. a. den Professor Dr. Frank von Gießen.
** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben rem Major bei der Kriegsschule zu Potsdam V. d. Busch, either Hauptmann und Kompagniechef im1 Infanterieregiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Dem Pfarrverwälter Upken zu Seligenstadt wurde die evangelische Pfarrstelle zu Beeden- i irchen übertragen. Bestätigt wurde der von dem katholischen Pfarrer und dem Orcksvorstcmd zu Mainflingen auf die 1. Lehr er stelle an der 05emein de schule zu Mainflingen wäsentiertc Schulamtsaspirant Spreng ans Astheim für diese Stelle. Uebertragen wurde dem Schullehrer Jung zuDorn-Dürkheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Neu-Isenburg, dem Schullehrer Emmerich zu Eschollbrücken und dem Schulamtsaspiranten Hangen aus Zotzenheim Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Roßdorf. Ju den Ruhestand wurde versetzt der Lehrer an der Augustinerschule (Gymnasium und Realschule) zu Friedberg, Claus, auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. Oktober 1905, bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit. Ju den Ruhestand versetzt lvurde der Bahnwärter in der Hess.-Preuß. Eisenbabngemeinschaft. Cezanne, zu Rüsselsheim.
'* Wäschediebstahl. In der verflossenen Nacht'wurde drei Bewohnern der Bruchstraße, bezw. Goethestraße, von der < um Trocknen aufgehängten Wäsche eine Anzahl Hosen und Hemden u. dergl. gestohlen. Der Dieb, welcher von zwei aus dem Dienste nach Hause zurückkehrenden Postschaffnern gesehen worden ist, hat anscheinend die Sache schon bei Tag in Augenschein genommen, denn er nahm an verschiedenen Stellen nur die bessere Wäsche. Er ist bekannt und wird einer Strafe nicht entgehen.
** H err St ad tv. E. Krumm fährt in seinem „Gerede" fort: Er schreibt uns heute:
Wiederholt bemerke ich,- daß ich nur gegen die Aufrechterhaltung des Oktrois gesprochen habe; die übrigen Vor- chlage der, Kommission sind von mir auch nicht bekämpft worden. Nicht einzelnen-, sondern allen Anträgen mit oben erwähnter Ausnahme habe ich zugestimmt und gegen sie auch nicht protestiert, wie Sie den feinen Unterschied machen. Jhte Bemerkung von „leerem Gerede" trifft auf mich nicht zu> sie gebührt jemand in diesem Falle, aber nicht mir.
.Herr Krumm hat in der letzten Stadtverordnetensitzung )ie Vorschläge der Finanzdeputation als ihn „nicht befriedigend" hin gestellt und „aus der Versammlung heraus andere Vorschläge" erwartet. Ist etwa eine solche abfällige Kritik nicht eine Art von „Protest"? Svuch gegen die F-ischversorgung >er Bevölkerung, wie sie in Vorschlag gebracht wurde, hat er sich geäußert, um freilich zum Schluß sowohl ihr als auch der Resolution betr. die Oeffi.mng der Grenzen zuzustimmen. Doch genug des Streites nm Worte. Der letzte Satz seines heutigen Schreibens aber enthält doch wohl eine recht überflüssige „Retourchaise", die dem allgemeinen Eindruck, den das Rededuell am letzten Freitag hervorgerufen hat, durchaus widerspricht.
•• D i e Gehalte der Oberbürgermeister deutscher Städte. DaS „M. Tgbl." teilt anläßlich der Gehaltsfestsetzung für den künftigen Oberbürgermeister von Mainz die Gehalte mit, die diese Beamten in einer Anzahl deutscher Städte beziehen.
Es erhalten die Oberbürgermeister in: Darmstadt (72 000 Einwohner) 12 000 Mk. Gehalt, 2000 Mk. Repräsentationszulage, zusammen 14 000 Mk. Gießen (26900) 10000 Mk. Gehalt. Offenbach (53 500) 12 000 Mk. Gehalt. Worms (42 500) 12 000 Mk. Gehalt. Bonn (50 740) 15 000 Mk. Gehalt. Elbe r- ield (160 000) 18 000 Mk. Gehalt, 2000 Alk. Dienstausmaudsgelder, zusammen 20 000 Mk. Erfurt (87 200) 13 000 Mk. Gehalt, 1000 Mark Repräsentationsgelder, zusammen 14 000 Mk. Frankfurt a. M. (295 000) 18 000 Mk. Gebalt. 6000 Mk. V^-äsen-
tationsgelder, 6000 Mk. Wohnungsentschädigung, zusammen 30 000 Mk. H a l l e a. S. (162 000) 12 000 Mk. Gehalt, 3000 Mk. Repräsentationsgelder, zusammen 15 000 Mk. Hanau (30 500) 14000, Heilbronn (38500) 11 000—15000 Mk., Karlsruhe (101 200) 17 000 Mk. Gehalt. Kassel (108600) 15000 Mk. Ge- halt. Mannheim (146 700) 15000 Mk. Gehalt, 5000 Mk FunktionSgebalt, zusammen 20 000 Mk. .Metz (58 700) 12500 Mk. Gehalt, 2500 Mk. Mietsentschädigmig, zusammen 15 000 Mk. M ü I (jet ui n. R u h r (40 700) 12 000 Mk. Gehalt und freie Woh. innig. M.-Gladba ch (62 000) 12 000 Mk. Gehalt, 2000 Mk. DienstauswandScntschädigung, zusammen 14 000 Mk. Nürnberg (275 000) 15 000 Mk. Gehalt, 6000 Mk. nicht pensionsberechtigt, 2000 Mk. Repräsentvtionskosten, zusammen 23 000 Mk., ferner freie Wohnung und Beleuchtung. Straßburg i. E. (156 000) 20 000 Alk. Gehalt. Stuttgart (182 000), 18 000 Mk. Gehalt. Trier (44 300) 10 500 Mk. Gehalt. Wiesbaden (88 500) 15 000 Mk. Gehalt, 5000 Mk. nicht pensionssähige Zulage, zusammen 20 000 Mk. Würzburg (77500) 11160 Mk. Gehalt und Woh- nungsgeldzuschuß. Köln (385100) 20 000 Mk. Gehalt, 5000 Mark Repräsentationskosten, zusammen 25 000 Mk. M agde- burg (238 000) 19 000 Mk. Gehalt, 4000 Mk. Dienstaufwands. Selber, zusammen 23 000 Mk. Der Mainzer Oberbürgermeister bezog 12000 Mk. Gehalt und 3000 Mk. RepräscntationK. gelber. Nach einer Vereinbarung zwischen den Parteien soll an diesen Bezügen nichts geändert werden.
8 Schlitz, 27. Sept. Welch großer Sympathien sich das hiesige Gräfliche Haus bei der gesamten Bürger und Bauernschaft erfreut, zeigte wieder einmal der heutige Tag, an dem Se. Erl. der Erb graf mit seiner jungen Gema h T i n Amelie, geb. Prinzessin von Thurn und Taxis, seinen Einzug in das hie sig!e Schloß hielt. An der Grenze der Standcsherrschart wurde das hohe Paar, zu Magen von Salzschlirf kommend, von Abordnungen sämtlicher 17 Ortschaften der Standcsherrschaft empfangen, wobei Stadlpfarrer Hotz von hier die Begrüßungsansprache hielt, und in einem stattlichen Zuge nach Schlitz geleitet. Ten Zug eröffnete eine Abteilung Radfahrer, welcher sich etwa 30 Reiter, zum Teil in alter Bauerntracht, unter Vorritt eines Fanfarenbläsers in Heroldskostüm anschlossen. Ihnen folgte der Wagen mit dem hohen Paare, und daran reihten sich in bunter Pracht einige 30 festlich geschmückte, weist vierspännige Bauernwagen an. Trotz des anhaltenden starken Regenwetters hatte sich eine große Zuschauermenge eingefunden, auch aus der Umwegenb, so vvu Fulda, Lauterbach, Alsfeld usw., um diesem festlichen Aufzug beizuwohnen. Die Häuser der Stadt Schlitz selbst, besonders in den Straßen, die der Zug berührte, waren festlich geschmückt. Der Zug, welcher oie etwa 8 5km. lange Strecke säst ständig im Trab zurücklegte, bot insbesondere auf der freien Landstraße einen herrlichen "Anblick. Jtn Anschluß an diese Einzugsfeierlichkeiten werden am kommenden Freitag und Samstag im hiesigen Schlosse Essen der Be« amten und der Bürgerschaft und am folgenden Montag ein Gartenfest mit Damen stattfinden. Heute abend veranstalteten die hiesigen Vereine noch einen Fackelzug zu Ehren des hohen Paares.
Mai NH, 27. Sept. Die sozialdemokratische Stadtver^ ordneten-Fraktion beschloß gestern abend, bei der Bürgerin eist erwähl für Bürgermeister Dr. Göttelmann einzutreten. Da den gleichen Beschluß schon früher die Nationalliberalen und Freisinnigen gefaßt hatten, ist die Wahl des Herrn Dr. Göttelmlann gefichert, da liefe drei Parteien über 27 Stimmen bei der Wahl verfügen, ohne die Stimmen der Beigeordneten, also bei weitem die Mehrheit haben. (M. Tgbl.)
Frankfurt, 27. Sept. In der alten engen Domini- kanergasse brach heute früh gegen vier Hhr ein Brand aus, dessen Ursachen noch der Aufklärung bedürfen. Gegen vier Uhr fchlugen plötzlich Flammen aus dem' Dachstuhl des Haufes Nr. 9 empor/ 'Als die beiden Löschzüge der Münzgasse und Westendwache an der Brandstelle erschienen, tand das ganze lowere Stockwerk in Flammen. Für die im Tachstock schlafenden Leute mußte die Reitungsleiter verwendet werden. Die aus dem Schlaf 'Aufgeschrectten waren teils hilferufend aufs Dach geklettert, andere be- aßen Geistesgegenwart genug, sich über die Treppe zu retten. Drei Handwerksburschen konnten knapp das nackte Leben retten. Ihre Kleider — ihr ganzes Hab und Gut — inö verbrannt. So rasch hatten sich die Flammen von einer Mansarde zur anderen verbreitet und die Betten in Brand gesetzt. Der Schaden ist ziemlich beträchtlich, da die Stuben vollständig ausgebrannt und der Dachstuhl vernichtet wurde. Möglicherweise hat einer der Handwerksburschen den Brand durch Unvorsichtigkeit verursacht. 1K'. P.)
Gingestm-t.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaltion dem Vublikum gegenüber keinerlei Veranttvoriung.)
Gießen, 28. September.
Wir erhalten aus Fischhändlerkreisen folgendes Eingesandt, das sich an die Adresse des Stadtvorstandes richtet. Die angekündigte gemeinsame Besprechung deS Stadt- vorstandes und der Fischhändler wird morgen vormittag statt- inden. Vielleicht werden die nachstehenden 'fachmännischen Darlegungen der Stadtverwaltung einige brauchbare Unterlagen geben.
Wie gedenken Sie den Fischmarkt einzurichten? Was be> Mecken Sie damit? Glauben Sie,- es würde 1 Loth dadurch mehr gegessen? Oder glauben Sie, es würde deshalb weniger Fleisch gekauft -ober billiger verkauft? Wer Fischeffer ist, geniert ich nicht, in ein anstänbiges Geschäft zu gehen unb dort gute Fische zu kaufen. Hat eS überhaupt jemals <nt Fischen gemangelt? Täglich habe ich Vorrat, im Sommer wie im Winter. Zu jeder Zeit bin ich vorgesehen, und nie ohne Fisch. Die Stadt würde nur eins' erreichen:
Fast alle Fabriken beziehen wöchentlich Fische; was unter die Beamten unb Arbeiter nickt zu verteilen ist, wird durch einen Mann in der Stadt verkauft, verhausiert.
Ferner kommen von auswärts: Klein aus Altenkirchen, Berens aus Krefeld, Klees aus Elberfeld, Heinemann imd Uhde aus Hamburg. Es verkaufen ferner Fische in der Stadt: die Kaiserl. Deutsche Post, die Bahn-Verwaltung, nämlich zurück- gewiesene oder unbestellte Sendungen. Fischer von Wetzlar, Heuchelheim, Atzbach unb Gießen verkaufen Fische. Prwate unb Hoteliers beziehen von Geestemünbe, Frankfurt a. M., Mainz und Konstanz. Nicht aber etwa, weil wir zu teuer wären, ober nicht leistungsfähig. Nein, es gibt viele Leute, bei denen es eine Krankheit ist, von außen zu beziehen.
Die Stadt würde erreichen: daß sie uns das bißchen Fisch- Heferung, das uns mit großer Mühe bleibt, auch noch wegnimmt, denn das Gießener Publikum ist ganz daftir geeicht, neue Unternehmen zu besuchen, weil es glaubt, etwas geschenkt zu erhalten. Sobald die betr. Muser sehen,- daß nichts verschenkt wird, ist die Sache alle.
Ganz ohne Nutzen wird die Stadt auch nickt verkaufen foulten; denn um ein großes Qüantum Fische auszuwiegen, ev. zu putzen unb zu fenben, ist auch ein großer Apparat von Leuten nötig, unb biese Leute, selbst loenn Sie statische Beamten nehmen würben, kosten Gelb. Ja, sie kosten mehr, als unser Nutzen ausmacht, unb so lange biese Leute zum Fisch-Verkauf benutzt werben, können sie ihre eigentlichen Funktionen, zu welchen sie bestimmt sind, nicht erfüllen.
Dann ist: die Sache auch nicht so ganz einfach. Wer soll


