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26/04/1905 Erstes Blatt
 
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Äond on, 25. April. Aus verschiedenen Teilen Ruß­lands kommen übereinstimmende Meldungen über bevor­stehende politische Unruhen, die um die Zeit der russischeu Ostern ausbrechen sollen. Die russischen Behörden haben Keuntnis davon erhalten, daß antisemitische Un­ruhen großen Stils in Kischinew, Mkolajew, Jekaterinos- law und Odessa ausbrechen würden. Infolgedessen sind bereits eine größere Zahl Truppen nach diesen Städten abgesandt worden.

S o s n o v i e e, 25. ?lpril. Unter den hiesigen Arbeitern sind Aufrufe des Komitees der polnischen Sozial­demokraten im Umlaufe, in denen die Arbeiter aus- gesordert werden, den Aufreizungen zu J'uden- hetzen nicht Gehör zu geben, vielmehr die Hetzer äu prügeln. Berittene Patrouillen durchziehen die Stadt.

London, 25. April.Dailtt Graphie" meldet, daß der Kaiser von Rußland die Absicht hat, am nächsten Sams­tag eine neue Proklamation zu erlassen, in welcher die Einführung bedeutender politischer Re­formen angekündigt wird.

W i b o r g, 25. April. Die Konstitutionalisten sind im ganzen Lande tätig, der fin ländischen Verfassung Geltung zu verschaffen. Eine von Bewohnern aus dem ganzen Gouvernement Wiborg besuchte Volksversammlung stellte die Forderung auf, daß diejenigen russischen und sinländischen Amtspersonen, welche die finländischen Grund­gesetze nicht achten, aus dem Amte entfernt werden müßten. Auch wurde dem Gedanken Ausdruck gegeben, daß der perneur von Wibora Mmsiojedow ^urücktreten werde.

deutsches Neich.

Berlin, 25. April. Man meldet aus Palermo vom 25. 2lpril: Der Maire veröffentlicht eine Bekanntmachung, worin er dem deutschen Kaiserpaar den Willkommen­gruß der Stadt entbietet. Zur Frühstückstafel an Bord der ^Hohenzollern" bei dem Kaiserpaare waren geladen: General« leutnant Guy, Generalleutnant de Boeeard, Präfekt Marchese de Seta, Bürgermeister di Martino, Vizeoberzeremonienmeister v d. Knesebeck, Konsul Springer, Konsul Graf Spee, Militär- oberpfarrer Goens und andere.

Man meldet aus Monreale vom 25. April: Der Kaiser, die Kaiserin und die Prinzen trafen mit Gefolge heute vormittag zu Wagen hier ein und fuhren zur Kathe­drale, wo sie vom Sindaeo, dem Erzbischof und den städti­schen Beigeordneten begrüßt wurden. Nach eingehender Be­sichtigung der Kathedrale besuchte die kaiserliche Familie das Kloster und eine diesem benachbarte Villa. Gegen 11 Uhr erfolgte die Rückfahrt nach Palermo.

In einer Zuschrift an die ,Natztg." erklärt im Gegensatz zu anderen Meldungen der frühere Handelsminister Freiherr von Berlepsch, daß ihm weder früher noch jetzt von der Zentrumspartei oder einzelnen Mitgliedern der­selben Anerbietungen bezüglich eines Ne'chstagsmandats ge­macht worden seien. Berlepsch fügt hinzu:

In Fällen, wo mir von anderer Seite solche Anerbietungen aus einzelnen Wahlkreisen zugingen, habe ick dieselben in der Ueberzeugunq abgelehnt, daß ich die soziale Reform, der ich für den Rest meines Lebens zu dienen gewillt bin, besser außerhalb des Reichstags fördern kann, insbesondere mit Rückückt auf meine Eigenschaft als Vorsitzender der Gesellschaft für Soziale Reform, die mir unter anderem die Aufgabe stellt, Persönlichkeiten, die verschiedenen politischen Parteien unb Richtunaen und ver­schiedenen Konfessionen angehören, zusammenzuführen und zu- 'ammenzuhalten zu gemeinsamer sozialpolitischer Aktion. Diese Erwägungen würden mich auch jetzt hindern, für den Reichstag zu kandidieren.

Stuttgart, 25. April. Reichsgerichtsrat a. D. und Landtagsabg. v. Geß ist gestern abend nach längerer Krank­heit gestorben. Er war auch einmal Reichstagsabgeordneter und eines der hervorragendsten Mitglieder der deutschen Partei, in welcher er zu der mehr die liberalen Grundsätze betonen» den Richtung gehörte.___________________________________

Keer und Klotte.

Königsberg i. Pr., 25. April. Der Generaladjutant Kaiser Wilhelms I., General der Kavallerie Graf Lehn­dorff, ist in der Nacht vom Montag aus Dienstag auf Schloß Preyl plötzlich gestorben.

Eine Extraausgabe desMilitärwochenblatts" mel­det: Generalleutnant Emmich, Kommandeur der 31. In­fanteriebrigade, wurde zum Kommandeur der 10. Division ernannt: v. B o e h n, Kommandeur der 9. Jnfanteriebrigade, zum Generalleutnant und Kommandeur der 18. Division; v. Mitzlass, Chef des Militärreitinstituts, zum General­leutnant: v. L i n s i n g e n, Kommandeur der 81. Jnfanterie- brigade, zum Generalleutnant und Kommandeur der 27. Division in Württemberg; Rohrscheidt, Kommandeur der 10. Jnfanteriebrigade, zum Generalleutnant und Kom­mandeur der 31. Division; Frhr. v. Lyncker, Kommandeur der 1. Gardeinsantertebrigade, wurde zum Generalleutnant ernannt und mit der Führung der 19. Division beauftragt; Riemann wurde zum Kommandeur der 31. Jnfanterie­brigade ernannt. Generalleutnant Fulda, Kommandeur der 29. Jnfanteriebrigade, wurde unter Verleihung des Charakters eines Generalleutnants der Abschied bewilligt.

Kirche und Schule.

Eine Ged ächtnissei er am Grabe des Boni- sacius, des Apostels der Deutschen, wird in der ersten Zuniwoche in Fulda veranstaltet werden. Drei Kordinäle, viele Kirchenfürsten aus Deutschland und Oesterreich, die Erz­bischöfe von Westminster und Utrecht sowie der päpstliche Nuntius in München werden an der Gedächtnisfeier teil» nehmen.

Die ärztliche Mission macht sichtliche Fort­schritte. Insgesamt stehen jetzt 701 männliche und 238 weibliche Aerzte im Dienste der evangelischen Mission. Die meisten sind aus England hervorgegangen, aus Deutschland nur 17. Tie Zahl der Missionshospitäler beträgt 395, der Polikliniken 770, der Opiumasyle 57, der Aus'ätzigenasyle 78. In den Hospitälern, den Polikliniken und in Privatpflege werden jährlich ca. 2l/8 Millionen Kranke behandelt. Auf besonderes Jntereffe darf in Gießen vielleicht die Arbeit in Pearadja in Sumatra rechnen, wo mit noch einem anderen Arzt Dr. Hans Winkler, der Schwiegersohn von Gießens Pfarrer Schlosser, tätig ist. Zwei Hospitäler, eines für Männer, das andere für Frauen, sind dort errichtet. Täglich kommen durchschnittlich 150 Kranke in die Poliklinik. Weit im Land umher werden die Kranken besucht. Dr. Winkler hat in den beiden letzten Jahren sehr interessante Reisen nach der Insel Engano gemacht. Er war beauftragt, die Ursachen des Aussterbens der dortigen Bevölkerung zu untersuchen. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen hat er in mehreren

umfangreichen Denkschriften niedergelegt, die der niederländi­schen Regierung übergeben sind. So dient die Tätigkeit nicht nur den einzelnen Kranken, sondern wirkt auch ins Große, zm- ErbaUung untergehender Volksstämme.

Ausland.

London, 25. April. Die neue Verfassung für Transvaal sieht eine gesetzgebende Versammlung vor. Jedermann, der Burgher der früheren Republik und für den ersten Volksrat wahlberechtigt war, und ebenso jeder weiße englische Untertan, welcher Grundstücke im Werte von 10 Pfund jährlicher Rente oder ein Kapital im Werte von 100 Pfund besitzt, ist zur Stimmabgabe berechtigt. Das Wahlrecht wird nur den Weißen gewährt, doch muß der Gouverneur für jeden Gesetzentwurf, der die politischen Rechte der Schwarzen einschränkt, die Genehmigung der Reichsregierung sich vorbehalten.

Paris, 25. April. König Eduard von England trifft am Sonntag in Marseille ein und fährt sofort nach Paris weiter, wo er Abends anlangt. König Eduard wird eine Zusammenkunft mit Loubet haben.

Sassari, 25. April. Der König und die Königin von England sind an Bord der JachtVictoria and Albert" heute vormittag in Alghero eingetroffen.

Rom, 25. April. Das Institut Colonial In­ternational begann heute seine Verhandlungen. Der Unterstaatssekretär im Ministerium des Aeußern, Fusinato, hob in einer Begrüßungsansprache die Bedeutung des In­stituts hervor. Aus Deutschland nehmen an den Verhand­lungen teil: Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, Graf Hutten-Czapski, Professor Laband, Professor Köbner, Graf Schweinitz, von der Heydt, Professor Schanz.

Budapest, 26. April. Der nach dreitägiger Dauer geschlossene Kongreß der Sozialdemokraten beschloß, falls dqs Parlament das allgemeine geheime Wahl­recht nicht bewillige, den allgemeinen Streik zu organisieren. Der Kongreß beschloß außerdem eine energische Bewegung gegen den Alkoholismus einzuleiten.

Petersburg, 25. April. Prinzessin Heinrich von Preußen ist heute abend von Zarskoje Sselo nach Kiel abgereist.___________________________

Aus Stadt und Land.

Gießen, 26. April 1905.

* * Oberst v. Grävenitz, Kommandeur des hiesigen Infanterie-Regiments Nr. 116, ist mit der gesetzlichen Pension und mit Erlaubnis zum Tragen der Uniform zur Disposition gestellt worden.

* Aus dem Militär-Wochenblatt. Zu General­majoren befördert die Obersten: Graf v. Schlippenbach, Kommandeur des Gren.-Negts. König Friedrich Wilhelm IV. (1. Pomm.) Nr. 2, unter Ernennung zum Kommandeur der 22. Inf.-Brig., Graf v. Bünau, beauftragt mit der Führung der 49. Inf.-Brig. (1. Großh. Hess.) unter Ernennung zum Kommandeur derselben, v. Gers dorff, Kommandeur des Jnf.(Leib)-Regts. Großherzogin (3. Großh. Heff.) Nr. 117, unter Ernennung zum Kommandeur der 81. Jnf.-Brigade. Ernannt wurde der Oberst v. Lindeuau, Abt.-Cbef im Großen Generalstabe, zum Kommandeur des Inf. Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116. Zum Obersten befördert Oberstlt. v. Schlutterbach beim Stabe des Füs.-Negts. v. Gers- dorff (Kurheff.) Nr. 80, unter Ernennung zum Kommandeur des Jnf.(Leib)-Negts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117. Ernannt unter Stellung zur Disposition mit der gesetzlichen Pension: Major und Bats.-Kommandeur Maercker im Danziger Jnf.-Negt. Nr. 128, zum Kommandeur des Landw.- Bezirks Worms, in Genehmigung seines Abschiedsgesuches. Zu Bataillonskommandeure ernannt die Majore v. Obernitz, agqreg. dem 4. Großh. Heff. Jnf.-Negt. (Prinz Karl) Nr. 118, unter Versetzung in das 1. Kurheff. Jnf.-Negt. Nr. 81, v. Lengerke, aggreg. dem Leibregiment Großherzogin (3. Großh. Heff.) Nr. 117, unter Versetzung in das 7. Rhein. Jnf.-Negt. Nr. 69. v. Wachter, Major und Eisenbabn- lmien-Kommiffar in Frankfurt a. M., in gleicher Eigenschaft nach Mainz versetzt. Dittrich, Major und Eisenbahn-Kont- missar, fommanbiert bei der Eisenbahnlinien-Kommission in Frankfurt a. M., guni Eisenbahnlinien-Kommissar in Frank­furt a. M. ernannt. Zu Oberleutnants befördert die £cut» nants Wernher im 1. Großh. Hess. Jnf.(Leibg.)-Regt. Nr. 115, Frei ensehn er im 4.Großh. Jnf.-Negt. (PrinzKarl) Nr. 118. Zu Bezirksoffizieren ernannt, unter Stellung zur Disp. mit der gesetzlichen Pension: die Hauptleute v. Cha u lin, Platz­major in Darmstadt, unter Erteilung der Aussicht auf An­stellung in der Gendarmerie, beim Landw.-Bezirk Eisenach, v. Horn, Komp.-Ches im Jnf.-Negt. Fürst Leopold von Anhalt-Dessau (1. Magdeb.) Nr. 26, unter Erteilung der Aussicht auf Anstellung in der Gendarmerie, beim Landw.- Bezirk Wetzlar; der Nittmeister v. Eichmann, Eskadr.-Chef im Schlesw.-Holstein. Drag.-Regt. Nr. 13, dieser in Geneh­migung seines Abschiedsgesuchs, beim Landw.-BezirkErbach. Zum Obersten befördert: Oberstlt. Gr. v. Westarv, Kom­mandeur des 1. Großh. Hess. Feldart.-Negts. Nr. 25 (Großh. Art.-Korps). Borckenhagen, Oberstlt. und Erster Art.- Offizier vom Platz in Mainz, zum Direktor der 4. Art.- Depot-Tirektion, Hirsch, Oberstlt. und Bats.-Kommandeur im Rhein. Jußart.-Negt. Nr. 8, zum Ersten Art.-Offizier vom Platz in Mamz, ernannt. Paschen, Rittm. und Ko- lonnensührer in der 2. (Proviant-) Kolonnen-Abteil. der Schutztruppe für Südwestafrika, aus dieser Schutztruppe aus­geschieden und als Komp.-Chef im Großh. Hess. Train-Bat. Nr. 18 angestellt. Zu Fähnrichen befördert: die Unter­offiziere Gr. zu Erbach-Erbach im 1. Großh. Heff. Drag.- Regt. (Darde-Drag.-Regt.) Nr. 23, v. Boetticher, von Mücke im 2. Großh. Hess. Drag.-Regt. (Leib-Trag.-Regt.) Nr. 24. v. Elpons, Lt. im Großh. Hess. Train-Bat. Nr. 18, der Abschied bewilligt.

* * Erledigt sind die Forstwarteien Bayerseich (Oberförsterei Kranichstein) uub Hainbach (Burg-Gemünben.)

** Der Erbgraf Karl von Schlitz hat sich, wie uns drahtlich gemeldet wird, am Ostersonntag aus der deutschen Gesandtschaft zu Athen mit der Prinzessin Amalie von Thurn und Taxis verlobt.^Der Bräu­tigam ist der älteste Sohn des Grafen von «Schlitz. Die Braut ist die älteste Tochter des 1890 verstorbenen Grafen Adolf zu Thurn und Taxis und dessen Gemahlin Franziska, geb. Gräfin Grtmaud^DOrsay, welche in zweiter Ehe mit

dem Prinzen Max von Ratibor uub Corvey, derzeitigem Ge­sandten zu Athen, vermählt ist.

** Schenkungen und Vermächtnisse. Iw letzten halben Jahre wurden im Großherzogtum insgesami Schenkungen und Vermächtnisse im Betrage von 896 349 Mark landesherrlich bestätigt. Davon erhielt den Haupt­anteil die Stadt Mainz mit 627 661 Mk., und zwar 427 661 Mark als Vermächtnis des Rentners Simon Kapp von Mainz und 200000 Mk. als Vermächtnis des Geh. Medi­zinalrats Hochgesandt. An Kirchengemeinden kamen 159 560 Mk. (100 000 Mk. an die israelitische Gemeinde Mainz, ferner 59 560 Mk. an drei katholische Gemeinden). Für wissenschaftliche Anstalten wurden 23118 Mk. gespendet, für landwirtschaftliche Vereinszwecke 12000 Mk., für Kran­kenanstalten u. dgl. 74 000 Mk. Ganz leer ging die etxmgeL, Kirche aus.

** Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 14 enthält:

I. Bekanntmachung, die Ausgabe von Schuldver- s ch re ibungen auf den Inhaber durch die Stadt Gießew betreffend. Auf Grund des § 795 des Bürgerlichen Gesetz­buchs und des Artikels 67 des hessischen Ausführungs- gesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch vom 17. Juli 1899 wird hiermit der Stadt Gießen Die Genehmigung zur Aus­gabe von Schuldverschreibungen auf den Inhaber bis zum! Betrage von 3 000 000 Mark, in Buchstaben Drei M il- lionen Mark, behufs Beschaffung der Mittel fürs Ankauf von Gebäuden und Grundstücken, für? Erbauung und Erweiterung städtischer Ge­bäude, für Anlage von Straßen, Wegen usw., fütf Kanalisation und sonstige Wasserbauten, füv Uebernahme des Volksbades, für Erbauung einer Leichenhalle für die Israeliten, für Erweiterung städtischer Betriebe (Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerk)^ für Verstärkung des Stadterweiterungsfonds, für Leistung eines Zuschusses zu bett staatlichen Kliniken, für Rückzahlung der nicht zur Konvertierung Dor gelegten Schuldverschreib­ungen des 1899er Anlehens und für oen Ankauf von Wert­papieren zum Zweck der Hinterlegung im Enteignungsver­fahren erteilt. Die Schuldverschreibungen, welche mit jähr­lich 3V2. Prozent, fällig in halbjährlichen Raten am 1. Api^l und 1. Oktober jeden Jahres, verzinslich sind, werden wie» folgt bezeichnet:

960 Stück zu je 2000 Mk. Serie TV Nr. 1 900 = 1 800 000

900 , v 1000 IV , 9011800 = 900 000 ,

600 , 500 IV 18012400 = 300 000 ,

zusammen 2400 Stück im Gesamtbeträge von 3 000 000 Mk.

Die Tilgung des Anlehens erfolgt durch Rückkauf oder Ver­losung vom 1. April 1910 an jährlich mit 2 Prozent deS Kapitals. Vom Jahre 1925 werden die ersparten Zinsen gleich­falls zur Tilgung verwendet. Vom 1. April 1915 an bleibt dev Stadt Gießen eine verstärkte Tilgung oder die Rückzahlung^ des ganzen Anlehens Vorbehalten. Vorstehende Genehmigung wird vorbehaltlich der Reckte Dritter erteilt. Für die Befriedigung^ der Inhaber der Schuldverschreibungen wird eine Gewährleistung seitens des Staates nicht übernommen.

Großh. Ministerium des Innern.

Rothe.

Dr. Probst. >

II. Bekanntmachung, die Ausfertigung von Schuldver^ schreibungen der Kommunalverbande betreffend.

Nach Artikel 1 des Gesetzes, die Ausfertigung von Schuld­verschreibungen des Staates und der Kommunalverbande 6etr.> vom 14. Januar 1905 werden nachfolgend diejenigen von heffi^ scheu Gemeinden ausgestellten Schuldverschreibungen aus den In­haber bekaTmtgegeben, welche vor dem Inkrafttreten dieses Ge­setzes bereits angefertigt, aber noch nicht in den Verkehr gelangt waren und mithin unglltig sind, so lange sie nicht nach der Vor­schrift der Artikels 2 des vorgenannten Gesetzes ausgefertigd sind oder nach Artikel 3 der Anwendung des Gesetzes entzogers werden.

1. April 1886

1. 3st2proz. Anlehen der Stadt Hungen vom^-^^ber^l89§ Lit A Nr. 113130 zu 500 Mark, '

, B 21-34 , 300 C , 824 , 200

2. 3st,proz. Anlehen der Stadt L a u b a ch vom 12. August 1896 T:ie Zinsscheine der lolgenden Schuldverschreibungen:

Lit. B Nr. 171-200 zu 500 Mark,

,, C , 226250 200 ,

(*) Friedberg, 26. April. (Drahtbericht.) Der Lehrer^ an der gemeinsamen Musterschule Wilhelm Glitsch ist zum Lehrer an der hiesigen Augustinerschrrle ernannt worden.

Darmstadt, 26. April. Die kürzlich gebrachte Notiz, Prof. Wilhelm Trübner au§ Karlsruhe sei hier einge^ troffen und male das Grobherzogliche Paar, ist dahin richtig zu stellen, daß der Künstler ein Reiterbildnis deS Großherzogs in der Uniform des Leibdragoner-RegimentS malt. Das Gemälde wird im Auftrag des Verbands dev Kunstfreunde in den Ländern am Rhein ausgeführt, deffev Protektor bekanntlich Se. Kgl. Hoheit ist.

* Kleine Mitteilun gen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Frankfurt a. M. wurde auf denö Overnvtatze die 87jährige Mutter des Sanitätsrats Dr. Cohnl von dem Wagen des Flasch en bi er Händlers Wintergerst um* gefahren und so sckwer verletzt, daß sie nach einigen Sturrden verstarb. Bei Bingen fuhr ixr Arck'tekt Scknntt aus Köln mit seinem Motorrad cm der Clemenskapelle gegen eine« Steinhaufen und verletzte sich lebensgefährlich. In Amorbach ist der russische General Griepenberg, bis­heriger Kommandeur der 1. Mandschurei-Armee zu vierwöchend lichem Aufenthalte eingetroffen und imHotel zur Po^ ab^e- stiegen. Im Stationsgebäude von Weilburg erschoß sich der 64 jährige Viehmakler Adam Kahn von dort.

DermifcbM«

Ein moderner Profess or ist der bekannte Physiker Dr. Nernst, der seinen Wohnsitz aus Göttingen nach Berlin verlegte. Er trat in Begleitung seiner Familie die Reise im Automobil an.

Mein Bruder starb vor 150 Jahren! Diese Erklärung gab kürzlich ein Zeuge vor einem Gerichte in London ab. Es handelte sich um einen Erbstreit. «Haben Sie Brüder oder Sckwestern?^ fragte der Gerichtspräsident. ^Ich hatte einen Bruder, aber der starb vor 150 Jahren", war die Antwort. Der hohe Gerichtshof glaubte, der Zeuge wolle sich über ihn lustig machen, und schickte sich bereits» an, den Mann wegen Beleidigung der Richter zu maßregeln.' Der Zeuge aber brachte Beweise für seine Aussage. Der Vater des Zeugen hatte sich im Alter von 19 Jahren ver­heiratet und ein kurz nachher geborener Sohn starb noch in demselben Jahre. Später ging er, 75 Jahre alt, eine neue Ehe ein, und dieser entsproß ein zweiter Sohn, der in Frage kommende Zeuge. Letzterer ist 94 Jahre alt. Zählt man zu diesem Alter den Zeitraum zwischen der Geburt der beiden Brüder, 75 weniger 19, oder 56 Jahre, hat man die Zahl 150. Der Mann hatte also Recht, wenn et sagte: r SD le in' Bruder starb vor 150 Jahren".