rmsereS Volkes müßtet! derartige Zustände emfhören. Redner äußert sich dann weiter dahin, daß seine vorjährigen Ausführungen über die Nichtdeförderung der jüdischen Mitbürger unwiderlegt geblieben seien. Diese Zurücksetzung verstoße gegen die preußische und Rcicksverfaffung. Redner ist darüber befremdet, daß der Kriegs» .Minister, der sonst so energisch jede Beschimpfung der Armee zurück- weise, die Beschimpfung der jüdischen Soldaten, ja der jüdischen Veteranen aus unseren großen Feldzügen so ruhig bingenommen habe. Ein jüdischer CtabSarrt habe seinen Abschied genommen, weil der Kriegsminister die Angriffe des Abg. Liebermann von Sonnenberg in feiner Weise znrnckgewiesen habe. Derartiges sei ein Unrecht, das die deutsch^ Volksseele vergifte lLachen bei den Antisemiten; Redner wird überhaupt mehrfach von den Antisemiten unterbrochen, bis der Präsident um Rübe bittet.). Redner geht ausführlich auf eine Rede ein, die der Abg. Böckler in der .Hasen- Haide gebnlren hat, und wirft ihm. dem Historiker, Geschichts« Unkenntnis vor. Ferner: was der Abg. Liebermann von Sonnenberg im Vorjahr über den Fall Moses Bier hier vorgebracht, habe sich inzwischen als objektiv unwahr erwiesen: der General selbst habe inzwischen erklärt, daß Bier niemals ihm gegenüber sich als Inhaber des Eisernen Kreuzes aufgespielt habe. ES sei Pflicht jedes Ehrenmannes, eine solche Beschuldigung eines ehrenhaften Bürgers, die sich als unrichtig erwiesen, zurückzunehmen. Der Abg. Liebermann habe das bisher nidif getan. So weit führe Raffen- und Glaubenshaß! Er (Der Abg. Eickhoff) würde niemals aufhören, die Schmach des Jahrhunderts, den Antisemitismus, zu bekämpfen. (Beifall bei den Freisinnigen.)
Kriegsminister v. Einem: Der Abg. Eickhoff hat mir soeben den Vorwurf gemacht, ich hätte Angriffe, die gegen deutsche Soldaten in diesem hohen Hause gerichtet wurden, nickr zurückgewiesen. Ich erinnere mich nicht, daß die Abgg. von Liebermann oder Böckler irgend eine Behauptung aufgestellt hätten, daß jüdische Solpatcn sich in unserem letzten Feldzuge schlecht geschlagen hätten oder feige
gewesen waren. Ick erinnere mich auch nicht, daß eine Aeußerung gefallen wäre, die jetzt im Heere dienenden jüdischen Soldaten seien schlecht oder hätten irgendwie ihre Pflicht verletzt. Ich habe nur gehört, daß Herr Böckler im vorigen Jahre sagte., daß er, wie der Vorredner aussührte, aus feinen Geschichtsstudien festgestellt hätte, wie „seine Juden" — wie er sie nannte — sich benommen hätten im Jahre 1813. Das waren historische Rückblicke (Lachen links), un) ich war nicht verpflichtet, dagegen vorzugehen. Der Vorredner kann mir nicht anmuten, daß ich alles das weiß, was er aus Broswüren oder dem Militärwochenblatt von 1833 oder 1857 vorgelesen hat. (Sehr put! und Heiterkeit rechts.) Ich habe in meinem Regiment jüdische Soldaten gehabt, und sie haben gut gedient. Tas erkläre ich hier. (Zurufe links: Vorher,!) Ich kann nichts vorher erklären, lvenn ich nicht gefragt werde, sondern erst nachher. ... „
Denn ich das Bewußtsein gehabt hätte, baß jefct im Heere dienende jüdische Soldaten angegriffen wären, so würde ich gebeten haben, mir bestimmte Fälle zu nennen, und dann würbe ich r>er> sucht haben, sie aufzuklären, und wenn ich sie aufgeklärt hätte, dann würde ich die Angriffe zurückgewiesen haben; aber Sie können von mir nicht verlangen, daß ich auf irgendwelche historischen Rückblicke antworte und sie zurückweise, weil mir das Material dazu vollkommen feblt. (Beifall rechts.)
Abg. Lcdcbonr tSoz.) pflichtet dem Abg. Eickhoff bei und polemisiert gegen den Kriegsminister. Tie Rettungsmedaillen der Offiziere könnten die Sozialdemokraten schon deshalb nicht lobend erwähnen, weil sie das ganze Orden- und Medaillenlvesen für einen Unfug hielten. Redner setzt dann noch in längeren Ausführungen au§cinntü)cr, weshalb die Sozialdemokraten gegen das stehende Heer seien. Seine Darlegungen werden von einer steigenden Unruhe des Hauses und lärmenden Zurufen der Rechten begleitet, die Redner mit überlauter Stimme zu überschreien sucht, sodaß zeitweise ein förmliches Getöse un Saale herrscht.
Hierauf vertagt sich das Haus.
Abg. Liebermann von Sonnenberg bemerkt persönlich: Richt ich habe etwas Unwahres behauptet, sondern Herr Eickhoff. Ich habe schon im vorigen Jahre über den Fall Bier eine Erklärung zu Protokoll gegeben und wollte bei der dritten Lesung ausführlich auf den Fall eingehen, bekam aber leider nicht das Wort. Der Abg. Eickhoff hat mir also unrecht getan, wenn er mir vorwarf, ich hätte überhaupt nicht mehr den Fall erwähnen wollen. Allerdings stelle ich fest, daß Moses Bier doch insofern sckmld ist, als er 14 Tage bis drei Wochen lang als Ritter des Eisernen Kreuzes sich feiern ließ, ohne zu widersprechen.
Abg. Eickhoff hält seinen Vorwurf aufrecht. Eine Erklärung zu Protokoll genüge nicht, von dieser bekomme niemand Kenntnis. Herr Liebermann habe in der Tat einem unbescholtenen Bürger Unrecht getan und habe noch beute versucht, eine unhaltbare Behauptung zum Teil aufrechtzuerhalten.
Beide Abgeordneten stellen in drei- bis viermaligen Repliken und Dupliken unter großer Heiterkeit des Hauses „nochmals fest", daß sie recht hätten, der andere unrecht.
Präsident Graf Vallcstrem: Ich mische mich sonst nicht in persönliche 93cmcrfiingen, muß aber doch meine persönliche Mitwirkung an der Sache klarstellen. Nachdem der Abg. Liebermann von Sonnenberg hier den Fall vorgebracht patte, erhielt ich von dem Feldmarschall Freiherrn von Loe, meinem gütigen Gönner, einen Brief, in dem er den Fall richtig stellte. Ich habe von diesem Brief Herrn Abg. Liebermann von Sonnenberg Kenntnis gegeben (Hört, hört! links) und ihm anheim gegeben, zu tun, Ivas er für richtig hielte, entweder eine Erklärung vor der Erklärung abzugeben oder nochmals das Wort zu nehmen. Herr Liebermann von Sonnenberg bat darauf jenen Brief an mich gerichtet, und ich habe davon dem Feldmarschall von Loe Kenntnis gegeben. Das war 1 meine Mitwirkung bei der Sacke.
Nächste Sitzung Donnerstag, 1 Uhr. (Fortsetzung der heutigen Beratung.)
Schluß 6% Uyr.
H>arLam ntansches.
(*) Darm stabt, 2Z. März. Ter 2. Ausschuß empfiehlt jn wesentlichen die Annahme des Entwurfs eines Gesetzes betr. die Anstaltsvormundschaft sowie des Entwurfs eines 'Gesetzes, das Beerdigungswesen betr. — Ter Abg. Reinhart hat einen Antrag eingebracht auf Aushebung des Artikels 48 des Fischerei,gejetzes vom 27. April 1881. Die Großh. Regierung macht inst Anschluß daran darauf auf- merksam, daß zurzeit Verhandlungen wegen reichsgesetzlicher Regelung der Angelegenheit schweben, welche die Herbeiführung übereinstimmender Vorschriften zum Gegenstand haben. Ter Ausschuß beantragt daher, den Antrag des Abg. Reinhart für erledigt zu erklären. — Eine Vorstellung der Gemeinde ^ell (Oberhejsen) betr. die Dienstanweisung vom 30. Januar 1902 zum Gesetz über das F a s e l w e f e n hat zu umfassenden Leratungen im 2. Ausschuß geführt. Ter Ausschuß beantragt, das Gesuch der Gemeinde Zell materiell für erledigt zu erklären, glaubt aber doch, Großh. Regierung auf eine bessere gesetzliche Klärung der Verhältnisse Hinweisen zu müssen, und gibt seiner Ansicht wie folgt Ausdruck:
1. Der § 16 der Dienstanweisung steht mit den Artikeln 1 und 5 des Gesetzes in ihrer dermatigen Fassung in Widerspruch ;
2. eine Auslegung der Gesetze durch Dienstanweisung ist nur dann sür zulässig zu erachten, wenn sie mit dem Gesetz in Einklang steht;
3. der Regierung vaibt es überlassen, den derzeit zwischen Artikl 1 und ö des Gesetzes bestehenden Widerspruch aus ges-etzgeberischem Wege zu beseitigen.
Berlin, 22. März. In der Budgetkommission des Reichstages machte Staatssekretär v. Stengel Mit- teilungcn über die 4 6l * * 4/3 Millionen, die im Militärctal vom Extraordinanum ins Ordinarium von der Budgetkommission übertragen worden seien. Diese Maßnahme habe große Beunruhigung im Bundes rate hervorgerusen, die Bundes st aaten befurchten eine bedeutende Erhöhung der Matrikularbeiträge. Er hoffe, der Reichstag werde den Beschluß der Kommission noch korrigieren. Der Eintrag Arendt, die Einnahmen aus den Zöllen, Verbrauchssteuern und Aversen um 24 Millionen zu erhöhen, wurde angenommen, ebenso eine Resolution Speck, den Reichskanzler zu ersuchen, darauf emzuwirken, daß die bezüglich der zollfreien Verwendung von Benzin bestehenden Kontrollmaßregeln für die landwirtschaftlichen Betriebe tiinlichst erleichtert werden. Frhr. v. Stengel erklärt, die Reichsschatzverwaltung stehe der Resolution wohlwollend gegenüber.
sÄttä Ataüt Mio £a>’ö.
Gießen, den 23. März 1905.
'* S. K. H. der Groß Herzog hat den Verzicht des Oberlandesgerichtspräsidenten i. P. Wirkt. Geheimrats Dr. L. Knorr auf die Rechte eines lebenslänglichen Mitgliedes der ersten Kammer angenommen.
** Sitzung des Provinzial- Ausschusses. Als erster Punkt der aestrigen Ta-gesordnung kam die Beschwerde des Abraham Baum zu Geilshausen gegen einen Polizeibefehl des Großh. Kreisamts Gießen zur Verhandlung. Von der Hofraite des Beschwerbeführers zieht ein Flutgraben nach dem Anwesen des B. Seyirling zu Geilshausen, der schon feit Jahren dadurch zu Klagen Veranlassung gab, daß er den Keller des Lchirting überschwemmte und diesem emvnndlichen Schaden zufügte. Tie Schuld hieran wurde dem Baum beigemessen, weil er nicht für regelmäßige Räumung des Grabens sorgte, sondern ihn verschlammen ließ, sodaß das Wasser übertreten mußte. Tas Großh. &rei§amt Gießen gab daher durch Polizeibefehl dem Baum auf, den Graben alsbald gründlich und hinreichend zu reinigen. Hiergegen erhob Baum Widerspruch, indem er das Vorhandensein eines Mißstandes bestritt. In der heutigen Verhandlung wurde eine gütliche Einigung zwischen den Parteien erzielt und die Entscheidung über den Rekurs gegen den Polizeibefehl insolgedessen ausgesetzt. — Tas Gesuch des Sbeinrid) Sack II. zu Heuchelheim um Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft hatte der Provinzial-Ausschuß schon m seiner Sitzung vom 1. Juni vorigen Jahres teilweise genehmigt, indem er die nachgesuchte Erlaubnis, jedoch ohne die Befugnis zum Ausschank geistiger Getränke erteilte. Tie gegen diese Entscheidung von dem Anwalt des Gesuch steiler s an das Gr. Ministerium des Innern verfolgte Berufung hatte die Zurückverweisung an den Provinzial-Auchchuß zur nochmaligen Verhandlung zur Folge. Auf Grund der gestrigen Jeugen- aussaaen wurde auf Erteilung der nachgesuchten Konzesjion in vollem Umfange erkannt.
• * Dortrag. Prof. Dr. Stauding er-Darmstadt hielt gestern abend im Saale des „Hotel Einhorn" einen Vortrag über den „Nutzen der Konsum vereine." Während in Deutschland das Konsiungeuosstnschastswesen noch in den Amderjchuhen stecke, führte der Redner aus,
habe es sich in England aus kleinen Anfängen heraus zu außeroidentlicher Vollkommenheit entwickelt. Der Gesamtumsatz der englischen Konsumvereine betrage etwa 2 Milliar- den Mark jährlich; die Großemkaufsgesellschaft besitze eigene Seeschiffe, Teeplantagen, Fabriken re. Verschiedene jener Vereine hätten Genesnngshäuser und Erholungsheime für ihre Mitglieder errichtet. Auch in Deutschland hätten einzelne größere Konsumvereine, z. B. der Hamburger, durch den Bau von Wohnhäusern sehr segensreich für die Gesamtheit gewirkt Zweifellos bedeuten die Konsumgenossenschaften großen Nutzen für die Allgemeinheit, das erkenne auch Pros. Dr. Biermer in einer seiner neueren Schriften an. Es sei auch nicht wahr, daß der Kaufmann durch sie geschädigt werde, wie vielfach behauptet würde. Die Zahl der Händler sei in den letzten Jahren bedeutend gewachsen. Nach weiteren, mehr ins Einzelne gehenden Ausführungen schloß der Redner mit der besonders an die Frauen gerichteten Aufforderung, rege an dem Ausbau der Genossenschaften mitzuarbelten und vor allem den hiesigen Konsumverein durch ihre Mitgliedschaft zu unterstützen. Nach dem mit Beifall aufgenommenen Vortrage folgte ein Bericht über den Geschäftsgang des genannten Vereins, der durchaus günstig lautete.
** Ein Konzert des erblindeten Violin-Virtuosen Wilh. Schäfer findet, lt. einer Voranzeige im Inseratenteil, am 2. Mai im Neuen Saalbau statt.
•* Schiller-Po st karten sind soeben erschienen. Jede Karte stellt Episoden aus dem Leben des Dichters dar und bringt neben dem Bildnisse Schillers aus der jeweiligen Alterstufe die charakteristischen Merkmale jeder Epoche seines Lebens und Schaffens in fortschreitendem Werdegang unter einheitlicher Zusammenfassung zur Anschauung. Die Karten benennen sich: 1. Heimatjahre; 2. Heimatlos; 3. Eigener Herd;
4. Meisterjahre; 5. Schiller und die Schweiz; 6. Schiller im Tode. (Verlag von Hans Bleher in Stuttgart.)
§ Alssetd, 22. Marz. Gegenwärtig zirkulieren Listen in den Ortschaften unseres Kreises zu einer Sammlung. Ein Komitee von Frauen hat nämlich beschlossen, damit Ihrer Königl. Hoheit der Groß Herzog in ein Hochzeitsgeschenk zu widmen, das in Gestalt von Decken, Vorlagen u. dgl. besteht, die aus Alsfelds berühmten Webereien ange- kailft werden sollen.
-o- Bingenheim, 20. März. Gestern traf hier eine große Schafherde ohne Hirt ein. Wem die Schafe gehören und wo der Hirt geblieben ist, konnte bis jetzt nicht sestgestellt werden.
y. Büdingen, 22. März. Für das Bahnprojekt Hanau-Büdingen, zu dessen Vorarbeiten nun hessischer- seits die Genehmigung emgetroffen ist, herrscht hier wenig Interesse. Man fürchtet eben, daß die Bahn uns mehr Sehaden als Vorteile bringen werde. Dies trifft auch zu, insbesondere für die Geschäftsleute. Auch würde unsere Stadt zu den Kosten (Geländestelliing) einen sehr hohen Beitrag zu leisten haben. Dies würde sich jedoch alles ändern, wenn die Gesellschaft sich entschlösse, die Bahn durch das obere Seemental weiter über Rmderbügen, Kefenrod nach Ober- Seemen zum Einschluß an die Linie Gedern-Lauterbach aus- zubauen. Die ausgedehnten Waldungen, die große Anzahl von Steinbrüchen njw. in und an diesem Tale garantieren eine Rentabilität dieser Strecke. Auch würbe unsere Stadt von dieser Strecke ansehnliche Vorteile haben. Wenn aber der Bau dieser Linie nicht jetzt im Anschluß an die Linie Hanau-Büdingen geschieht, bann ist in den ersten Jahrzehnten nicht mehr baran zu denken.
Homburg, 22. März. Hier macht sich ncucrbingS eine Agitation zum Zweck des Baues einer Eisenbahn Homburg-Vilbel bemerkbar; doch will es uns scheinen, als ob es von weit größerer Wichtigkeit für Homburg wäre, den Ausbau der Sekundär bahn Homburg-Fried- berg zu einer Vollbahn zu erstreben, als welche sie ja auch uriprünglich projektiert war; denn sie brächte uns alsdann mit dem großen nordwestlichen Eisenbahnnetz in Kontakt und es lägen auch für die Gewährung dieses Wunsches die Aussichten an maßgebender Stelle günstiger.
Weilburg, 22. Aiärz. An dem hiesigen Schlosse, Eigentum des Großherzogs von Luxemburg, werden gegen« wattig sehr umfangreiche Renovationsar beiten geuiacht. Die Erneilerungskosten sind seht hoch bemessen. Seit 1866 ist bas Schloß von der Großherzoglichen Familie nicht mehr beivohnt worden. Wie man nun hört, wirb nach Fertigstellung der Reparaturen re. der Erbgroßherzog von Luxemburg für kürzere Zeit Wohnung in dem Schlosse nehmen.
Es ch w ege, 22. Vlärz. Heute nachmittag entgleisten auf der Strecke Esehwege-Treysa bei der Einfahrt in die Station Waldkappel sämtliche Wagen des Personenzuges. | sJlut die Lokomotive blieb auj bem Geleise. Berilngluckl ist
niemand. Ein von Malsfeld entgegengesandter Zug nahm die Passagiere zur Weiterbeförderung auf. Der Verkehr wirb durch Umsteigen aufrecht erhalten. Die Ursache der Ent- gleisiing ist noch unbekannt.
* * Kleine Mitteilungen aus 5) e s se n und den R a ch b a r st a a t e n. Rittmeister a. D. Roßbach und Frau Heb- wig Roßbach, geb. Schako, das bekannte 'JJluglieö des Frank- iurter Opernhauses, zeigen die Geburt einer Tochter an. — In einer Sandhöhle am Rhein bei Oppenheim spielten mehrere Knider, wobei der 12jährige Philipp F l a t h o bei einem plötzlichen Erdrutsch verschüttet wurde. Tot wurde der Knabe aus der Erde herausgezogen.
OernÄijcytes.
* (Gräfin Montigno,o hi o'iefole. Die Gräfin Montignoso wird in einigen Tagen, nachdem sie seit zehn Tagen im Hotel Aurora in Fiesvie bei Florenz geweilt hat, ihre bisherige Wohnung verlassen und eine kleine von ihr gemietete Villa in der Nähe ihres jetzigen Aufenthaltes! beziehen. Ter Aufenthalt der Gräfin bei Florenz wird bis Ende Mai dauern, damit die Gräfin bestänoig in der Nähe ihrer Rechtsbeistunde weilen kann. Die Apanage, die ihr seit dem 1. März entzogen ist, ist auch bisher aus- geblieben. Wiederholt beirüfiigte Gräfin Montignoso, daß alle Anschuldigungen gegen den Grafen Guieciardini Verleumdungen seien. Sie schildert ihn als einen durchaus ehrenwerten Mann, der sich stets mit größter Energie der tvehrlosen Frau annahm. Aus durchaus ehrenvollen Motiven habe er die Gräfin mit Rat uno Tat unterstützt. Sie^ habe kein anderes Gefühl als das der Dankbarkeit gegen ihn. In einem Privatbriefe heißt es wörtlich: „Ich bin mit einer Begeisterung hier (in Dresden) ausgenommen worden, die mich mit heißer Sehnsucht an die Jetten erinnert, als ich noch in meinem unvergeßlichen, geliebten Sachsen weilen durfte." — Aus die Sicherheit der Gräfin ist man in Fiesoie sehr bedacht. Carabinieri patrouillieren' unausgesetzt nachts um ihr Haus. Am Tage bewachen die Villa zwei Geheimpolizisten, die die Grafm auch auj ihren Ausflügen und Spaziergängen begleiten.
* Ueber die Kesse 1 exp 1 o s io n in Brockton in Amerika, bei welcher über 100 Menschen ums Leben kamen, wird des näheren berichtet: In dem Gebäude arbeiteten über 400 Leute, darunter auch Frauen und Kinder. Tas Gebäude, in dem die Explosion stattfand, spaltete sich und die Fußböden stürzten mit den schweren Maschinen und eisernen Träger auf die Arbeiter, die sie zwischen den Trümmern festhielten. Um das Unglück voll zu machen, brach auch noch Feuer aus, sodaß die Rettungsarbeiten nur mit größter Schwierigkeit vor sich gehen konnten. Die unglüalichen Leute, die nicht durch fallende Steine oder Maschinenteile erschlagen worden waren, verbrannten, da sie nicht imstande waren, sich aus den Trümmern zu befreien. Das Feuer dehnte sich auch auf andere> Gebäude aus, aber ohne dort Menschenleben zu fordern. Bei den Rettungsarbeiten wurden Wunder an Tapferkeit verrichtet. Vor allen Dingen zeichnete sich, so schreibt das Bureau Reuter, ein katholischer Priester, Pater Rourke, aus. Ter tapfere Mann verschaffte sich eine Leiter und rettete allein acht Frauen aus den brennenden Ruinen. Als er die neunte Fran aus dem Fenster ziehen wollte, schlugen die Flammen heraus, sodaß er einen Augenblick lang feinen Halt verlor, und die Unglückliche fiel m die Flammen zurück. Mit gleichem Mute rettete ein Polizist mehrere Mädchen, mußte aber drei Mädchen verbrennen sehen, ohne ihnen Hilfe leisten zu können. Heldenmütige Selbstaufopferung legte ein Arbeiter an den Tag, um ein Mädchen zu retten. Er wurde mit diesem zusammen durch die Trümmer festgehalten, erkannte jedoch, daß bei gemeinsamer Anstrengung wenigstens einem von ihnen die Rettung möglich sein werde. Tie beiden hoben darauf gemeinsam die Trümmermasjen so weit, daß der Mann das Mädchen hindurchdrücken konnte. Tie Trümmer fielen darauf aus öen braven Mann zurück und hielten ihn fest, bis er zu Asche verbrannt war. Ta bisher von den 400 Angestellten, die in dem zerstörten Gebäude arbeiteten, nur 250 gerettet wurden, fürchtet man, daß die Verluste an Menschenleben mehr als 100 betragen werden. In vielen Fällen sand die Retlungsmanuschaft nur noch halbverbrannte Knochen. Ter explodierte Kessel wurde durch die Geivalt der Explosion durch ein anheres Gebäude geschleudert und zerschmetterte ein 100 Fuß von der Explosivnsstelle entfernt liegendes Wohnhaus. Grobe Fahrlässigkeit scheint die Ursache der Explosion gewesen zu sefn. Man verwendete (wie dem Bureau Reuter telegraphiert wird) statt eines neuen Kessels, der nicht funktionieren wollte, einen alten Kessel, der seit Monaten ausrangiert worden war. Tev verantwortliche Maschinist, David Rockwell, Würbe schwer verwundet verhaftet und ins Hospital überführt, wo er bald darauf starb. Das Suchen nach Verunglückten ward durch die enorme Hitze der Trümmer sehr erschwert. Tie gefundenen Knochen werden in Kisten in die Leichenhalle überführt. In den meisten Fallen blieben nicht einmal so viel Kleider fetzen übrig, daß sich feststellen ließ, ob man c5 mit den Ueb^rasten einer, männiiüjen oder weiblichen ^eijon zu tun hatte.. - - - ~ *


