Ausgabe 
23.3.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 70

Donnerstag, 23. März 1905

155. Ja'

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Elchen.

Das mutz bei

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Abg. Eickhoff (frcif. Vp.) wünscht, daß für die Erlangung der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst und für seine Ab­leistung Erleichterungen gewährt werden, die cs auch minderbemit­telten Familien möglich machen, ihre Söhne einjährig dienen zu lassen. Er wünscht ferner Erleichterungen Lei den Kontrollversamin- lungen. Er klagt ferner über die Bevorzugung des Gardekorps vor der Linie, namentlich an der Majorsecke. Die Hauptleute würden bei der Garde weit eher befördert, als in der Linie. Der Kasten­geist würde grotzgezogen. Im Interesse der gesunden Entwicklung

1 Uhr. DaS Haus ist schwach beseht. AmBundesra'"'' '

große darin investierte Kapital will verzinst sein! bei den Preisen wieder herauskommcn.

Parlamentarische Verhandlungen.

Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet.

Deutscher Reichstag.

170. Sitzung vom 22. März.

, v. Einem u. a.

Die zweite Beratung des M i I i 1 ä r e t a t S wird fortgesetzt beim TitelGehalt dcS Kriegsministers-.

Hierzu liegt folaende Resolution der Abgg. Erz - o e r g e r iZentr.s und Gen. vor:

den Reichskanzler zu ersuchen, in der Uebersicht über die Er­gebnisse des Heeresergänzungsgeschäfts und der Nachweisung über dre Herkunft und Beschäftigung der Militärpflichtigen eine Scheidung nach Herkunft und Beschäftigung auch dahin vorzu­nehmen, ob die Ausgehobenen eine zwei jährige oder d r e i - jährige Dienstzeit zu leisten haben.

Abg. Kämpf Ureis. Vvt.f: Es sind Stimmen laut geworden, oie sich über die Bevorzugung der Produzentenvereinigungen vor den Händlern bei den Ankäufen der Militärverwaltung beschweren Wir halten cs nun für selbstverständlich, datz die Verwaltung ihren Bedarf da deckt, wo sie ihn am besten und billigsten bekommen kann Aber wir meinen: die Händler und die Produzenten sollten gleich­berechtigt mir einander konkurrieren dürfen. Statt dessen geht die Verwaltung direkt an die Produzenten heran. Und feder Weitz doch, datz wenn man zu jemand kommt und ihn zu einer Offerte veranlaßt, man teurer wegkommt, als wenn man den Betreffenden an sich herankommen lätzt. Wenn man den Herren Landwirten alle möglichen Erleichterungen gewährt, so sollte man sie auch den Herren Kaufleuten gewähren. Der preußische Handelsminister hat auf eme Beschwerde der Händler um größere Berücksichtigung durch dre Proviantämter geantwortet: es liege kein Grund vor, die Händler grundsätzlich auszuschließen. Na ia, das kennt man: Fürst Btsmarck hat einmal gesagt: grundsätzlich annehmen, heißt tatsäch­lich ablehnen. sSehr gilt!) Man sollte doch dem Handel gegenüber anders auftreten. Schon allein auch im militärischen Interesse. Wenn man in Friedenszeiten den Handel zurückseht und schwächt, bann wird er schwer imstande sein, im Kriege seiner Pflicht nach- zukommen, und da ist man doch auf den Handel angewiesen.

Abg. v. Brockhauien skons.f: Ich hätte gewünscht, daß die Be» Mwerden des Vorredners nicht letzt, sondern erst beim Titel ^/latriralvcrpflegung" vorgebracht wären, denn die Sache ist so wichtig, daß sie einer besonderen Behandlung bedarf. Ich kann nicht soweit gehen, wie dies der Vorredner getan hat, und irgend einen Anspruch der Versorgung der Armee von feiten des Handels zu- 9,eJ?en- Der Handel hat allerdings eine sehr große Volkswirtschaft­uche Bedeutung, wenn aber die Möglichkeit gegeben ist, einen direkten Verkehr zwischen Konsumenten und Produzenten zu schaffen, so kann die Rücksicht auf den Handel überhaupt nicht rrt Betracht romrnen Man darf diese Frage nicht vom Standpunkt des Groß­städters betrachten. Man soll doch einmal aufs Land gehen und sehen, was die Landleute alles für die Armee tun, daß sie die meisten Rekruten stellen, die großen Manöverlasten zu tragen gaben, uno toenn man weiß, wie sie darüber denken, dann kann man erst darüber mitreden. Die Proviantämter sollen in erster Linie von den Produzenten selber kaufen. Diese sind auch so organisiert, daß sre auch im Kriegsfall völlig den Bedarf decken können. Sie sind in jeder Beziehung leistungsfähig. Der Kriegsminister soll den Termin- handel hier nicht wieder einführen. Er ist abgeschafft, damit müßen Sre snach lrnkss sich abfinden, und es bleibt dabei! Die Heeres­verwaltung sollte vor allen Dingen kein ausländisches Getreide kaufen,,sie muß ihren Bedarf im Inlande decken. In Oesterreich Elfe dre Verwaltung nur von den Produzenten. Die Preisbildung des Getreides, wie sie jetzt gehandhabt wird, ist nicht richtig, hier mutz Wandel geschaffen werden. Es müßte vielmehr eine Kommis- sron eingesetzt werden, die über die Preisbildung einen Beschluß faßte Dre Berliner Preise sind heute nicht mehr so maßgebend, wie sic es ftuber waren. In dem republikanischen Frankreich, von dem man doch annehmen müßte, daß es den Handel besonders begünstigte, ist auch der direkte Bezug von den Produzenten ange- ordnct., So müßen wir cs auch machen, es ist nur eine Pflicht der Gerechtigkeit, daß die, welche die meisten Lasten tragen, auch bei den Lieferungen bevorzugt werden. Die ganze Frage muß in einer Konferenz, in der sowohl die Landwirtschaft wie das Ministe- crum vertreten sein müßen gegen eine Vertretung deS Handels habe ich auch nichts genau besprochen werden, damit wir auch zu den Verhältnissen kommen, wie sie in Frankreich und Oesterreich schon bestehen.

Produzenten kaufen, ist überhaupt kein so großer, wie der Abg. Kämpf es darstellte. Tie Militärverwaltung braucht höchstens 1 Proz. des gesamten RoggenumsatzeS in Deutschland. Auch sonst ist es nicht richtig, daß die Produzenten bevorzugt werden. Wir geben den Produzenten zwar leihweise Säcke her. aber dies ist ein allgemeiner Brauch, dies tun die Händler auch. Wenn wir ferner den Produzenten Reinigungsmaschinen zur Verfügung stellen, so tun wir das meistens deshalb, weil die Bauern vielfach nicht im Besitz solcher Maschinen sind, während die Händler sie m ist zu haben pflegen. Im übrigen geschieht die Reinigung n cht aus Kosten des Proviantamts, sondern auf Kosten der Pro' izenten So weit, wie Herr von Brockhansen verlangte: daß wir ur die Produzenten selber hcranftehen, können wir nicht gehen. ' cnn ge­rade im Westen des Reiches, wo aus Gründen der Lander- rleidi- gung die größten Maßen von Soldaten stehen, wird nur wenig Korn gebaut. Mit den landwirtschaftlichen Genoßenschaften habe" wir leider nicht durchweg günstige Erfahrungen gemacht: ihre großen Kornhäuser und ihr Beamtenslab wollen bezahlt und das

Pferde in Südwestaftika bewährt hätten. Ich kann diese Frage bejahen: nach den uns zugegangenen Berichten haben sie sich von allen Pferden am besten bewährt. (Beifall rechts.) Eine weitere Frage bezieht sich darauf, ob es nicht wünschenswert wäre, sowohl für die Militärverwaltung wie auch für die Landbevölkerung, daß das 14. Armeekorps baldigst einen Truppenübungsplatz bekäme. Auch diese Frage bejahe ick. Es ist uns indeßen noch nicht ge­lungen, einen geeigneten Uebungsplatz zu erlangen, wir werden aber unsere Bemühungen forticyen. Den Klagen über unzu­reichende Hohe Der Ausglcicksgelder in den Manövern werden wir nach Möglichkeit Rechnung zu tragen suchen, und ich hoffe, daß wir zu einem günstigen Ergebnis gelangen. Wir haben ja alle Ursache, überall die Freude am Soldatenstande zu erhöhen.

Tic Rede des Grafen Mielczynski ist so recht ein Spiegelbild gewesen von den Zuständen in der Provinz Posen. Ob er diese Rede in ruhigem Tone gehalten hat, darüber stelle ich die Ent­scheidung dem Urteil des Hauses anheim. Wenn Graf Miel- czynski sagte, daß die Erinnerung an die Taten be§ Ostmarken- vereinc in ihm das Gefühl Der Verachtung auslösten,dann werden wohl die Gefühle auf der anderen Seite auch nicht anders sein. Ick gehöre dem Ostmarkenverein nicht an, ich weiß auch nicht, ob Offiziere ihm angehören, aber das möchte ich doch glauben, daß dem Ostmartenveeein eine große Menge von Ehrenmännern an­gehören (Beifall rechts), und ich glaube nicht, daß es angezeigt ist, diesen Männern gegenüber ein Gefühl der Verachtung kund zu tun. ((Erneuter Beifall rechts.)

Ich muß auch offen erklären, wenn dieser Ostmarkenverevi irgend einen Ball gibt, io kann ich cs nicht einsehen, warum der IcmmanDicrenDe General mit seinen Offizieren nicht daran teil- nehmen soll. (Lebhafte Zustimmung.) Ausdrücklich protestieren muß ich Dagegen, daß polnische Soldaten m Der Armee schlechter behandelt luüroen, als Angehörige irgend einer andern Abstammung. Tas ist absolut nicht wahr. Tie Fälle, die der Abg. Graf Miel­czynski angeführt hat, daß Briefe oder Geldsendungen polnischen Soldaten nicht ausgeliefert sind, sollte er mir nur näher kennzeich­nen, bann werde ich zweifellos eine Untersuchung eintreten laßen. Graf Mielczynski hat auch von einem Boykott gesprochen, vom Ver­bot von Lokalen usw. Nun steht aber dock ganz offenbar fest, daß wir gerade in Posen im Kriegszustände uns befinden. Wir werden uns wahrscheinlich nicht darüber einig werden, wer anaefangen hat. Aber Der Zustand besteht und daß der Boykott von polnischer Seite mit aller Härte durckycführt wird, daß Die Polen uns darin im Charakter überlegen sind, das steht zweifellos fest, und ich sehe nicht ein, warum die Deutschen sich nicht wehren sollen. (Beifall.) Graf Mielczvnski hat gesagt, weil man beiläufig gehört habe, er würde zu diesem Etat sprechen, so wären ihm von allen Seiten unzählige Briefe gugegangen. Ich habe aus derPraha"' ent­nommen, daß dec Graf Mielczynski vorher gewißermaßen ein AuS- fdireiben erlassen hat (Hört! Hört! und Heiterkeit), man möge alle Schikanen, die Reservisten ober im Heere noch dienende Mann­schaften ober bereu Vcrwanbtc erlitten hätten, ihm als schätzbare- Material mitteilen. (Große Heiterkeit rechts.) Am Schlüße biefet Zuschrift an biePraha" wirb ausgeführt, daß die Nomen der­jenigen, welche durch die Behandlung ihrer Angelegenheit im Reichs­tage geschädigt werben könnten, verschwiegen bleiben sollten. ES wäre bcßer, wenn Graf Mielczynski hier ein untere? Verfahren eingeschlagen hätte. Indem er tatsächlich sich rlickt bereit erklärt hat, die Namen mir zur Verfügung zu stellen, ftdhe ich hier einer neuen Firma ohne jede Haftpflicht gegenüber. (Heiterkeit.) Ich möchte doch an den Grafen Mielczynski die Frage richten, da er sich in seinem Ausschreiben auch auf die polnische Ritterlichkeit be­zogen hat, ob es nicht viel mehr am Platze wäre, wenn er, falls er wieder ein Ausschreiben erläßt, sagt: jeder der Betreffenden steht mir mit Namen und Ehre für die Nichtigkeit der Angaben. (Beifall rechts. Lacken bei den Polen.)

Abg. von Trciienfcls flons.) begründet die Resolution des Abg. Abg. Grafen zu Stolberg und führt einzelne Fälle an, in denen Landleuten ihre Pferde requiriert seien, gerade in der Zeit, wo sie am nötigsten gebraucht wurden. Oft seien Fuhrwerke fünf Tage lang herumgeschleppt, wiederholt sei es sogar vorgekommen, daß Pferde infolge der Anstrengungen verendeten. Bei den Entschädi­gungen würde jedoch geknausert und nur sehr wenig gezahlt; .all solche Vorfälle erregten nur Verbitterung.

Generalmajor v. Gollwitz erwidert, unter Hinweis auf die Be­stimmungen des Materialvcr^flegungsgcsetzes, daß die Truppen- fübrer angewiesen seien, mit der größten Rücksichtnahme vorzu­gehen. Wenn Härten vorgekommen sein sollten, so wäre er dem Vorredner dankbar, wenn er ihm die genauen Daten mitteilen wollte, er würde dann für Abhilfe sorgen.

Abg. Dr. von Janne; (Lothringer) bringt einen Fall in Metz Sstr Sprache, wo jemand von einem Posten erschoßen wurde. Er wünscht, daß für derartig verantwortungsreiche Posten nur ältere Jahrgänge genommen werden sollten und verlangt überhaupt Ga­rantien dafür, daß solche Vorkommnisse sich nicht wiederholen.

Kriegsminister von Einem: Der unglückliche Fall in Metz ist bereits von dem Abg. Erzberger in der Kommission zur Sprache gebracht worden. Ich konnte damals nicht gleich Auskunft geben, ob der Posten nach seiner Instruktion gehandelt hat. Mittlerweile ist diese Sonderinstruktion bei mir eingelaufen und hat ergeben, daß der Mann tatsächlich gegen die Instruktion gehandelt hat. Die Instruktion sagt, der Posten darf von seiner Waffe nur Gebrauch machen, 1) wenn er tätlich angegriffen wird, 2) wenn er tätlichen Widerstand findet, 3) zur Verfolgung eines entsprungenen Fest­genommenen, 4) zum Schutze der dem Posten anvertrauten Sachen oder Personen. Keiner dieser Fäflc lag vor. Die gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet worden. Ich weiß nicht, was den Posten veranlaßt hat, auf diesen harmlosen Mann zu schießen. Er hat gesagt, er glaubte, der Mann wollte ins Depot bringen. DaS ist aber nicht der Fall. Es ist ja möglich, daß die Posten in Metz durch Erzählungen und derartiges etwas nervös sind. In letzter Zeit sind nämlich viele Fälle tätlicher Angriffe auf Posten erfolgt, so am 25. September 1904, am 24. Oktober, am 23. Dezember und am 29. Dezember. Es wäre ja vielleicht möglich, daß das Unglück hätte vermieden werden können, wenn ein ruhigerer Mann oder ein Mann von längerer Dienstzeit auf den Posten gestellt wäre. Wenn aber der Abg. Iannez gebeten hat, es möchten ihm Garan­tien dafür gegeben werden, datz so etwas sich nicht wiederholt, so mutz ich ihm sagen, solche Garantien können nicht gegeben werden, das sind eben Unglücksfalle genau, so wie Unglücksfälle auf einer Eisenbahn ober auf einem Schiff.

Abg. Eickhoff (frcif. Vp.) wünscht, daß für die Erlangung der

, Generalmajor v. Gollwitz: Die Militärverwaltung kann hier allein keine generellen Aenderungen vornehmen, da sie sich auf eine von der Regierung gutgeheißene Maßnahme stützt. Ich möchte daber auch glauben, daß die hier gegen bie Militärverwaltung ge­richteten Bcickwerben nicht von ihr allein erörtert unb weiter be- arbeitet werben können, sonbern baß sie an eine weitere Abresse gerichtet werben müßen.

Wenn bie Heeresverwaltung in erster Linie bei Produzenten rauft, so venährt sie dabei nicht anders wie jeder andere Konsu­ment, wie jede gute Hausfrau, bie dort kauft, wo sie bie Waren am besten und billigsten bekommt. Wir können, wie dies vom Abg. von Brockhausen schon ganz richtig ausgeführt würbe, dem Handel kein Recht darauf anerkennen, daß er bei allen Geschäften und Käufern

Mittler sein muffe. Ich weiß wohl, daß dies auch heute hier nickt direkt verlangt worden ist, aber es ist gut, wenn dies ein­mal hier ausgeführt wird. Wir kaufen beim Produzenten unb för­dern ferne Bestrebungen, weil wir dort billig unb gut kaufen. Zur Bekräftigung dieser Angaben einige Zahlen. Wir haben 1903 durchschnittlich be: allen Einkäufen der Heeresverwaltung bezahlt für bie Tonne Weizen aus erster Hanb 163,90 Mk., aus zweiter Hanb 167,21 Mk., wir haben also bet jeder Tonne Weizen 3,81 Mk. gcsvart. Für bie Tonne Roggen haben wir aus erster Hanb 183,39 Mk., aus zweiter Hanb 138,56 Mk. gezahlt, also 5,17 Mk gespart. Beim Hafer beläuft sich die Ersparnis auf 6,48 Mk. «Hört, hört!) Wenn man diese Ersparnisse mit der Menge des Be­darfs multipliziert, so wird man zugeben müßen, daß wir nur zum Besten der Steuerzahler gehandelt haben. Beim Einkauf von Produzenten kaufen wir durchschnittlich auch besser ein, als von Händlern. Wir werden weniger Der Gefahr ausgesetzt, Mißware vorgesetzt zu bekommen. Endlich ist cs auch nicht zu unterschätzen, daß bie unmittelbare Berührung mit ben Produzenten eine gute Ausbilbung ber Proviantbeamten herbeiführt, nicht nur für ben Frieden, sondern auch für bk Kriegstätigkeit, wenn es darauf an­kommt, bie Kräfte des Ländes auszunutzen. Indem unsere Pro­viantbeamten im Frieden mit ber Landwirten in Verbindung tre­ten, werden sie veranlaßt, sich um bie ganzen Marktverhältnisse zu kümmern unb sie eignen sich badurch lanbwirtschastliche unb ge­schäftliche Kenntnisse im höheren Grabe an. Selbstverstänblich wirb auch bei ben Produzenten bie Ware scharf geprüft, benn bie Beamten sind angewiesen, nur gute Ware zu kaufen. Der sogen. Schaben, ber dem Handel daburck entsteht, daß wir direkt bei den

Abg. Meist (Soz.) läßt sich ausführlich über einen Fall aus, in dem ein offenbar geisteskranker Mann Doch zum Mili.är ausge- hobcn und dann Dort wegen Achtungsverletzung mit Gefängnis be­straft wurde.

Generalleutnant Sixt von Armin: Die Armee hat kein Intcr- cße Daran, geistig minderwertige Leute einzustellcn. Tie Sanitäts- oftiziere sind entsprechend instruiert. Leider besteht im Volk die Neigung, Geistesschwäche zu verheimlichen. Und daher mag mancher bedaucrlick)c Fall passieren. Heber den speziellen Fall, Den Der Vorredner borgetragen, ist uns zurzeit nichts bekannt.

Mittlerweile ist folgende Resolution der Abgg. Graf zu Stolberg-Wernigerode (Ion).) u. Gen. eingegangen:

die verbündeten Regierungen zu ersuchen, baldmöglichst eine Revision des Gesetzes über die Naturallcistung für Die bewaffnete Macht im Frieden vom 24. Mai 1898 in Dem Sinne herbeizu­führen, daß die Entschädigungssätze soweit erholst werden, daß sie Dem tatsächlichen Werte Der Leistungen entsprechen.

Abg. Werner (Antis.): Die Militärverwaltung muß für ihr gutes Geld auch gute Ware bekommen. Es muß eine strenge Kon- ttolle stattfinden. Daß die ProDuzenten bevorzugt werden, erachte ich für selbstverständlich und die Resolution Graf Stolberg begrüße ich mit Freuden. Redner verbreitet sich sodann über das Unter» offizierkorps, Den Unteroffizierersatz usw., und plädiert für Besser­stellung Der Unteroffiziere.

Abg. Tr. Böttger (natl.) bringt die Beschwerden ber Gewerbe­treibenden gegen die Militärverwaltung zur Sprache; u. a. hat Die Handelskammer in Trier den Wein- und Spirituosenhandel Der Offizierskasinos für nicht vereinbar erklärt mit Der sozialen Stellung Der Offiziere. Ferner wtrD es scharf getadelt, Daß sich die Militär­kantinen zu Warenhäusern im Kleinen ausgewachsen haben. Da die KantinierS 10-20 000 Mk. jährliche Pacht herauswirtschaften müßen und dies bei dem gewöhnlichen Umsatz in Lebensbedürfnissen der Soldaten nicht zu erzielen ist, lo Wersen sich die Kantinen auf Den Verkauf von sogenannten Erttasachen. Der innen eigentlich ver­boten ist. Sie verkaufen Helme, Mützen, Handschuhe, Uhrketten, Portemonnaies, Zigarrentascken, Bierkrüge, Pantoffeln, Schuhe, Besen, Unterzeug usw. Die Beschwerden der in der Nähe wohnen­den Geschäftsleute sind nutzlos, ja gefährlich, Denn den Nörglern wird auch noch das bißchen Kundschaft vom Militär entzogen, was geblieben ist. . Ueberhaupt werden häufig die Soldaten von oben beeinflußt, bei dem Kantineninhaber zu kaufen, der ist ja selbst alter Unteroffizier oder Feldwebel, der arme Teufel muß Die hohe Pacht zahlen, usw. Daß es in den Kantinen mit Ladenschluß und Sonntagsruhe nicht so genau genommen wird, erklärt sich aus Der unkontrollierbaren Art des Betriebes. Redner verlangt, daß die Truppenkantinen nicht zu überhohen Pachtpreisen verpachtet, Daß nur Die nottoenbi^ften Lebensbedürfnisse barin feilgehalten werben unb ein Verzeichnis Dieser Waren ben bürgerlichen Gewerbetreiben- Den auf ihren Wunsch mitgeteilt wird. Ten Mannschaften soll bie Gelegenheit nicht beschränkt werden, außerhalb ber Kaserne ihren Vebarf zu becken unb bie Beeinflussung Der Mannschaften im ent­gegengesetzten Sinne soll itrafbar sein. Die gesetzlichen unb orts­polizeilichen Bestimmungen sollen auch auf bie Kantinen angewandt werden. Zur Frage der Militärhandwerker, die ja nach und nach in Zivilhandwerker umgewandelt werden sollen, bringt Der ReDner Die Beschwerden gegen bas Monopol der Regimentsschncidcr vor. Er verlangt, daß bie Militärhanbwerker bi? zur endgültigen Um» ivandlung bester besoldet werben, daß ihnen bann aber auch ber Privatgewerbebetrieb und ber Hanbel mit Militäreffekten unter* sagt wird. Auch hier soll bie Beeinflussung ber Mannschaften, bie vielfach jetzt von ben Felbwebeln besorgt wirb, unter Strafe ge­stellt werben. Der Mittelstand wird dem Kriegsminister dankbar fein, wenn er die vorhandenen zahlreickren Mißstände auf diesem ©ebiete^ des Wettbewerbes mit bürgerlichen Berufen beseitigt.

Abg. Dove (freis. Vgg.): Bei ber Frage ber Militärlieferungen hat. freilich lediglich das Jntereste der Militärverwaltung zu ent» scheiben, nicht der Streit der wirtschaftlichen Interestenten. Darin stimme ich dem Regierungsvertreter bei. Aber das richtet sich nicht gegen Herrn Kaempf, sondern umgekehrt gegen Herrn von Brock­hausen, der eine Bevorzugung ber Landwirtschaft verlangte. Die Hausfrauen-Oekonomie des Generals Gallwitz scheint mir nicht sehr stichfest. Soll man um eines kleinen momentanen Vorteils willen dauernde große Vorteile aufs Spiel setzen? Unb bas ge­schieht, wenn man den Handel vorn Wettbewerb ausschließt.

Abg. Graf Mielczynski (Pole) klagt über die angeblich rohe Behandlung ber polnischen Soldaten und über Den Boykott polni­scher Lokale durch die Militärverwaltung. Davon, baß in diesen Lokalen sozialdemokratische oder reichsfeindliche Agitation getrieben würde, ist keine Rede. Der hakatisttsche Geist herrscht eben schon auch in der Armee, bei Der Jubiläumsfeier des Ostmarkenvereins waren 40 Offiziere zugegen. Was sollten die polnischen Soldaten denken, wenn sie sehen, daß ihre Offiziere sich mit ihren ärgsten Feinden verbrüdern. In mir kann bie Erinnerung an das Ver­halten des Ostmarkenvereins nur das Gefühl ber Verachtung aus- losen. (Unruhe.) Als man erfahren hat, baß ich zu diesem Etat sprechen würde, sind mir eine große Reihe von Briefen zugegangen, in Denen bittere Beschwerde über ungerechte Behandlung polnischer Soldaten geführt wird. Es sind sogar Fälle vorgekommen, in denen man ihnen Briefe unb Geldsendungen oorenthalten hat. Man darf doch nicht vergessen, daß Tcutsckland die polnischen Soldaten nicht entbehren kann. 1866 mußten sie gegen ihre eige­nen Brüder kämpfen. Polen hat eine ruhmvolle Vergangenheit (Lachen rechts), vergessen Sie doch nicht, baß es Polen waren, die Europa por den Türken retteten.

Abtz. Fehrenbach (Zentr.) begründet die Resolution Erzberger unb wünscht einen Truppenübungspiatz für bas 14. Armeekorps.

Preußischer Kriegsminister von Einem: Es ist mehrfach die Frage aufgeworfen, ob^ sich unsere in Ostpreußen anaekauften

isK Gießener Anzeiger