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2.2.1905 Drittes Blatt
 
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Unlust ah

Politische Tagesschau.

Zwischen zwei Stühlen.

StofohonSbrud und Verlag der Brühl'scheu UntoerTttätSbrudereL R. Lange. Gießen.

Redaktion, Expedition u.Druderei: Schulstr.A.

Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr. i Anzeiger Gieße«.

Hohe Ofsizierspenfionen.

-1- Berlin, 31. Januar.

Von Interesse für die Militärpensionäre, die es schmerz­lich empfinden, daß der Reichstag wenig Neigung zeigt für eine Erhöhung ihrer Bezüge, dürste ein Hinweis derKreuz­zeitung" auf die entsprechenden Positionen des ameri­kanischen Heeresbudgets sein, das den Kongreß zurzeit beschäftigt. Die verabschiedeten Offiziere der Staaten-Armee erhalten danach an Ruhegeldern fast die Hälfte der Summe, mit der sämtliche aktive Offiziere besoldet werden. Der p en» onierte Generalleutnant bezieht fast 35000 Mk., der Generalmajor 23000 Mk. aus der Staatskasse. Diese enorme Höhe der Pensionen wurde bei der Etatsdebatte im Kongreß zwar bemängelt, aber es bleibt dabei, wahr­scheinlich zum wenigsten so lange, als von einer Wirkung der gewaltigen Vergrößerung der Kriegsflotte der Union auf den Pensionsetat mchts zu spüren ist. Tritt diese Wirkung ein, dann wird auch die reiche transatlantische Republik bei der

Das Wahlrecht in Württemberg.

Zu einer bebeuifunum politifU)cn Debatte führte am 31. v. M. in der Württembergischen 2. Kammer' die Berat­ung des Gesetzentwurfes über dre Eingemeindung der Ge­meinden Eanstatt, Untertürkheim und Wangen in die Stadt Stuttgart. Die Linke benutzte den Anlaß, um das W a h l - unrecht zu beleuchten, welches durch dre bestehende Land­tags-Wahlordnung den größeren Städten zugefügt wird. Die Benachteiligung der industriell hoch ent­wickelten Wahlkreise mit dichter Bevölker­ung zu gunsten der -rückständigen, polrtlisch und wirtschaftlich zurückbleibenden findet sich im württembergischen Landtags-Wahlrecht. Oberämter, deren Bevölkerungszahl zwischen 14 000 und 60 000, sogen, gute Städte" mit 4000 und 7000 Einwohnern wählen je einen Abgeordneten, ebenfo wie Stuttgart mit seinen 200 000 Einwohnern, die sich nach der Eingemeindung auf 240 000 vermehren werden. Würde den Städten und Bezirken eine ihrer Voltszahl entsprechende Aufteilung der Mandate zu­gebilligt, so hätte Stuttgart heute schon Anspruch auf fünf, nach der geplanten Stadterweiterung aus sechs Mandate. Der Abg. Lauscher rollte in diesem Zusammenhänge die Frage der Verfas'snngsrevision auf, die neben den Beseitigung der ersten Kammer auch die Be­seitigung der .Ungleichheit der Wahlkreise und damit der Ungleichheit des Wahlrechts für die zweite Kammer bringen müsse. Die 20 000 Einwohner des um die drei erwähnten Gemeinden reduzierten Ober- amtsbezirks Eannstatt dürfen nach wie vor einen Abge­ordneten wählen, während das Landtagswahlrecht der zirka 30 000 Einwohner, die in Stuttgart eingemeindet werden, aufs schlimmste verschlechtert wird. Tauscher stellte den Antrag, die Regierung möge noch vor Schluß der gegenwär­tigen Landtagsperiode einen Gesetzentwurf zur Beschluß­fassung vorlegen, der der Stadt Stuttgart eine ihrer Be­völkerungszahl entsprechende landständige Vertretung sichert sofern nicht zuvor die in der Thronrede in Aussicht gestellte allgemeine Revision dec Verfassung durchgeführt

an dem blendenden tilau des italiemlcijen Himmels unb an ein« bunt belebten Staffage. Er war bet jüngere Stirer teä n°Ä lebenden, heute SOjähtigen Malers Andreas Achenbach. 2X Jieb. üeä -e-i>^ret§geric6t des Komitees sät Massen. Verbreitung guter Volksliteratur (Vorsitzender Ge-i sand ter Frhr. v. Eramm-Burgdors) hat das Ergebnis der Vor­konkurrenz auf Grund des Preisausschreibens vom 27. Sept. v. festgestellt. Ueber die entscheidende Sitzung acht uns von der Geschäftssührnng des Komitees folgender Bericht zu: Tas. Preis­gericht tagte unter der Leitung des stellvertretenden Vorsitzeupm. Bürgermeister Dr. Georg Rücke. Autzcr dm gesaräfts,uhrenden Mt- aliedern des Komitees nahmen an der Sitzung Fraulemlx Gertrud Bäumer und die Herren Viktor Blüthgen, 2,r. Hellmuth Ncielke-Barmen, Domherr Pros. Tr. Sdralek-Breslan, Mawr o Ltrantz und Johannes Troian tciL Auf Grund der ftck Anfang Dezember eiioigten Prüfung der 77 eingelansenen Manu- ffriote lmt sich das Preisgericht laut einstimmiger Erklärung nicht entschließen können, einen Preis zu vergeben, da reute cinAinc der cingereiästen Arbeiten dem besonderen Zwecke des Preisausschreibens, nämlich der Bekänipfung der Schundkolportage, entivrcmend erachtet wurde. Die Erwägung, daß sich nicht immge berufene Schriftsteller trotz Neigmtg um deswillen an dem Wett- bewerb nicht beteiligt haben, loeil ihnen tue Emlieferungssrist zu kurz ersaMii, hat das Preisgericht veranlaßt, bei dem ^vmuee bic soiortige Veranstaltung eines neuen Wettbewerbs mit den gleichen Preisen, aber unter wesentlich leichteren Bedingungen (namentlich hinsichtlich des geforderten Manufkiptuml^gech mw mit aus das Doppelte verlängerter Einreickningoirist zu beirntragen. Es steht demnach eine alsbaldige Erneuerung des preisum- schreibenS zu erwarten, und es ist zu hosten, daß iaraushm ein besseres Ergebnis erzielt werden wird.

setzcr und ihre Werke, sondern nur die in jenem Verlage er- chienenen also z. B. nicht die Kompositionen unseres Großherzoys Ernst Ludwig, die bei Schott in Mainz erschienen sind. Immerhin gibt es uns eine wertvolle Uebersicht. Es sind elf Auwren männlichen und zwei Auwren weiblichen Geschlechts verzeichnet: Prin; Alerander Georg von Hessen, Prinz August Wilhelm von Preußen Herzog Ernst zu Sawsen-Coburg-Gotha, Kaiser Fer- binanb III DoiJ Dcftcmid,, Frickrich bet Große, Freedt ch Lil- belm III, König von Preußen, Kaiser Josef I. von Oesterreich, Kaiser Leopold I. von Oesterreich, Prinz Louis Ferdinand von Preußen, ferner die Königin Hortensia von Holland und die Kuriürstin Maria Antonia Walpurgis von Sachsen. Unter diesen Komponisten nehmen hinsichtlich der Produttivität die ersten Vläke Friedrich der Große und Prinz Louis Ferdinand von Preußen ein: der erste mit seinen fast ausschließlich für Flöte geschriebenen Kompositionen und der zweite mit Jemen Werken iür Pianosorte und Streichinstrumente. Ihnen schließt sich als dritter Alexander Georg Prinz von Hessen an, der seine Force m der Marschkomposition zeigt: cm Eharakteristikum, das sonder­barerweise nur eine geringe Anzahl der oben angeführten Autoren »eiat Von den beiden fürfllich'eu grauen schrieb Königin Porternia mehrere Romanzen mit Pianofortebegleitung und die Kurfürstin Maria Antonia Walpurgis (um die Mitte des achtzehnten Jahr- lmnderts!) zlv-ei Musiwramen.

1 _ o.n Düsseldorf starb am 1. Februar nachmittag ,n- fntlTC einer Lunaenentzündmig der Maler Professor Oswald A e n b^ch, Ehtenbürget bet Stobt Mijelbotf. (Achenbach »ft am Tage vor seinem 73. Geburtstag gestorbem Er war geboren am 2 Februar 1827 in Düsseldorf. Seine Gemälde, die bis vor an etwa, bis zur weiteren Auerkeiinuug der Licht- unb

Lustmalerei, große Berühmtheit genossen und noch heute viele Freunde l-aben, schilderten mit Vorliebe den Goli von Neapel, Rom, Kampanien und Sizilien. Namentlich empfand er iZreudc

Bemessung der Militärpensionen sich nach der Decke strecken müssen.

Bafsermarm als Führer der nationalliberalen Partei.

Zu den bereits gemeldeten Beschlüssen des Zentral­vorstandes der nationalliberalen Partei Deutschlands chreibt dieKöln. Zkg":

An die Spitze der Partei tritt nunmehr em Mann, dessen Name schon lange den besten Klang hat im politi­schen Leben des deutschen Volkes, dessen Persönlichkeit tütit über die Kreise seiner Partei hinaus Sympathien zu er­wecken verstanden hat. Für die nationalliberale Partei selbst aber bedeutet die Wahl Bassermanns weit mehr als die Erhebung eines allbeliebten Parteigenossen zum ersten Leiter der Geschäfte, für sie ist sie die rückhaltlose Zustimmung zu dem politischen Programm, das man seit langer Zell schon in dem Namen Bassermanns verkör­pert zu sehen sich gewöhnt hat. Dieses Programm unter­streicht zunächst die Notwendigkeit einer entschiedenen sozialpolitischen Betätigung der Partei, nicht aus Besorgnis vor dem Anwachsen der Sozialdemokratie, son­dern aus der Anerkennungder großen sozialen M i ß ft ä n d e, die unsere moderne wirtschaftliche Entwick­lung mit sich gebrächt hat. Es fordert Weller die ent­schiedenste Bekämpfung des Ultramontanis- mus, wiederum nicht mit allen Mllteln ohne nähere Prüfung ihrer Wirkung wir erinnern daran, daß Bass ermann in eurer wichtigen Stunde für die Aus­hebung des § 2 des Jesuitengejetzes eingetreten ist aber aus dem klaren Bewußtsein heraus, wie groß die klerikale Gefahr für unsere Entwicklung gegenwärtig ist. Und es strebt in positiver Ergänzung der beiden obigen Punkte zum dritten nach eurer möglichst geschlossenen und einheitlichen Zusammenfassung des gesamten Liberalismus, in dem alle liberalen Parteien über die Trennungsgründe der Vergangenheit hinweg in den neu Heranwachsenden Geschlechtern sich die Hand reichen zum gemeiniamen Arbeiten für na­tionale und liberale Ideale. Mit diesem Programm ist Basjermann zugleich der Freund und Vorkämpfer der nationalliberalen Jugend, die wohl Erbe ihrer Sympathien, die sie in so reichem Matze dem alten Harmnacher entgegengebcacht hat, keinem Begeister- rererr übertragen wrro als Bassermann."

-tt- Berlin, 31. Januar.

I« mehr sich die Oesfentlichkeit mit den neuen Handels­verträgen beschäftigt, umso größer wird die Ueberraschnng. Daß sie nicht freudiger Art ist, braucht kaum gesagt zu werden. Caprivi warnte, kurz bevor sein .Handelsvertragswerk erschien, in einer Rede die Industriellen, die Erwartungen zu hoch zu spannen. Diesmal sind charakteristischerweise die Agrarier vom Minister von Podbielski vor zu großen Erwartungen gewarnt worden. Herr v. Podbielski sah mit gutem Humor vor­aus, daß ihm im Reichstag ob der Verträge noch genug zugesetzt werden würde. Noch ein Unterschied zwischen damals und heute: Tie Industrie fand damals die Handelsverträge, abg: sehen von Einzelheiten, lobenswert und war dankbar für den bewiesenen Eifer, möglichst günstige Bedingungen für unsere Ausfuhr zu er­zielen. Tie Landwirtschaft findet heute die Handelsver­träge, obschon sie kaum agrarischer sein könnten, wenn etwa Tr. Dietrich Hahn Reichskanzler Wäre, ziemlich unbefriedi­gend, und von besonderer Erkenntlichkeit ist schon garnicht die Rede. Eleganter, sicherer konnte sich die Regierung nicht zwischen zwei Stühle setzen, als es hier geschehen ist vor der staunenden Mitwelt. Vor einem Dezennium gab es nur eine Gruppe der Mißvergnügten, jetzt sind es zweiGrup- pen, denen nach dem geflügelten Molldie ganze Richtung nicht paßt". Und die Industrie kann mit noch größerem Recht, als seinerzeit die Landwirtsä>ast, behaupten, sie habe die Kosten der internationalen Verständigung zu trugen. Wenigstens hatte die Landwirtschaft damals den Trost, daß das Opfer, das sie bringen mußte, durch Herabsetzung der Getreidezölle, Anerkennung sand. Aber was sehen wir jetzt? Die bündlerischen Organe er­klären mit alter Deutlichkeit, daß die Verträge vom landwirt­schaftlichen Standpunkt aus viel zu wünschen lassen. Mit anderen Worten, die Opfer, die der Industrie und dem Handel auserlegt sind, sind umsonst gebracht. Solche Wahmebmungen pflegen nicht die Empfindungen der Opfernden oder Geopferten bis zu jenem Grad von Großmut und Neidlosigkeit zu Steigern, der den Verzicht im Interesse eines andern erleichtert. Ein mit Unlust akzeptiertes Opfer ist doppelt beschwerlich zu tragen.

Die Regierung hat 'im Sinne der Agrarier em wahres Meistüstück geliefert. Tas glauben wir ohne weiteres, daß es Mühe, Geduld und Geschicklichkeit gekostet hat, mit solchen Zoll­forderungen an das Ausland Verträge abzuschließen. Ten Grafen Bülow und Posadowsky müßten eigentlich die Agrarier, die demnächst im Zirkus Busch zusammenkommen, einen, solennen Fackelzug bringen, unter Absingung eines kernigen Liedes aus der Feder des Tr. Oertel. Doch der Leiter derTagesM. spitzt seine Feder zu ganz anderen Schöpfungen. Unter dem harmlos klingenden TftelEinige Bemerkungen zum Vertrags­tarif" wird heute abend wieder der Regierung em Register von Fehlem vorgehalten. Ter G e r st e n z oll, der S ch w e i n e- zoll die Zucker ko nvention im russischen Handelsvertrag alles ist nicht so ausgefallen wie die Landwirtschaft es ver­langt. TieNordd. Allg. Ztg." mag noch so ausführlich klar machen, wie bei den Verhandlungen der Schutz der Landwirt­schaft das oberste Gesetz gewesen sei, Graf Bülow mag demnächst tm Reichstag noch so beredt die Hindernisse schildern, die sich diesem Programm entgegenstellten es bleibt dabei, die Land­wirtschaft hatte mehr erwartet! Trotzdem wird fern Mitglied der Rechten die Verträge ablehnen an ihrer Annahme durch die große Mehrheit des Reichstags besteht überhaupt kein Zweifel aber wenn irgendwer geglaubt hat, die Handelsverträge würden die Bewegung in der Landwirtschaft zum Stillstand bringen, bann dürfte er schon jetzt eines anderen belehrt sein.

Zehn Jahre für die Industrie, die nächsten zehn für die Landwirt- säMft" lautete Miquel's Parole. Lebte jetzt Miquel, fo würde 'er den Agrariern in vertraulicher Audienz tüchtig den Kopf waschen, daß sie noch nicht genug haben.

Kleines Aenillelon.

M ascagni sollte denRoland von Berlin" ur­sprünglich komponieren! Diese Enthüllung wird einigermaßen überraschen. Ter Komponist hatte kürzlich in Paris, wo man ihn als Orchesterdirigenten schlecht ausgenommen hat, eine Unter­redung mit einem Journalisten, dem er folgendes erzählte:In Berlin", sagte er,schätzt man mich jetzt mehr als Orchesterdiri­genten denn als Komponisten derCavalleria". Deutschland kenne ich genau, weil ich es nach jeder Richtung hin durchpilgert habe. Tas musikalische Empfinden ist dort überall entwickelt, aber nirgends so wie in Bayern. Berlin schien mir etwas streng und gemessen zu sein; es hat nicht die joviale Einfachheit von Wien. In Wien gefällt es mir außerordentlich gut."Haben Sie den Kaiser Wilhelni gesehen? -Mehrere Male." Und weshalb hat man Ihnen nicht denRoland von Berlm" anvertraut?"Ich kannte den Text (!) schon im Jahre 1892. Der Generalintendant schlug mir damals vor, die Partitur zu schreiben(!). Ich lehnte ab; in einem Lande wie Teutschlaird, wo es so viele Komponisten gibt, braucht man sich nicht an einen Fremden zu wenden Später machte man mir den Antrag noch einmal;, ich lehnte wieder ab, empfahl aber Leoncavallo als einen, der vielleicht die Sache inachen könnte." n ß.

Kompositionen von Fürsten und Königen. Unter dem TitelWerke erlauchter Tonietzer" nennt ein Leip­ziger Musikakienverlag eine stattliche Anza st von Kompositionen, die Tonsetzer sürsllichen und königlichen Geblutv zu Autoren haben, und die in diesem Verlage zum Vertrieb lommen. ,-Lo schematisch die Aufzählmig der verschiedenen Werke sein mag, so interessante Aufschlüsse gibt sie, wenn man sie nur etwas genauer durchsieht. Natürl ch umfaßt dieses Register keineswegs n 1 (c fürstlichen Ton-

wird. Ministerpräsident v. Breitling erklärte sich für den Antrag, wenn auch unter der Versicherung, daß die Rebllr- ung noch immer hoffe, eine vollständige Versasfungsrevrsiout durchzuführen. Das Zentrum führte indes die Beschluß- unsähigteit des Hauses herbei, indem eine Anzahl von) Zentrumsabgeordneten sich knapp vor der Absllmmung ent­fernten. Die Zurückgeblieberien enthielten sich, der Ab- stimmung. __

Aus §tadt und Land.

Gießen, den 2, Februar 1905.

* Gießener Volksbad. Im Januar wurden 7274 Bäder verabreicht gegen 8349 im Dezember und 7421 un Januar 1904, oder im Durchschnitt pro Tag 235 Bäder gegen 269 im Dezember und 250 im Januar 1904. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt:

Schwimmbad 3792 Männer, darunter 598 zu 10 Pfg.»

647 Frauen, 60 10 w

Wannenbäder 1. Klasse 248 Männer, 73 Frauen,

, 2. , 592 , 396 ,

Dampf- und Heißlustbäder, sowie Massage zusammen 167 Männer und 28 Frauen, Brausebäder 1142 Männer und 189 Frauen. Die Personenwage wurde von 160 Per^ onen benutzt, das Bad von 8 Personen besichtigt.

*» Bei der Holzversteigerung im Stadtwalde, Distrikt Annaberg, Licherstraße, wurden folgende Preise er­zielt: Buchenscheitholz pro Meter 1011 Mk., Knüppel 810 Mk., Stockholz 56 Mk., Wellen 100 Stück 21 bis 25 Mk., Eichenwellen 1618 Wik.

»* Bauernregeln für Februar. Der Landmanw wünscht sich den Februae kalt, schneereich und klar. Die weiße Gans (der Schnee) im Februar brütet Segen fürs ganze Jahr. Scheint zu Lichtmeß (2.) die Sonne heiß, gibts noch sehr viel Schnee und Eis. Lichtmesjen hell, schindet dem Bauer das Fell. Lichtmessen dunkel, macht den Bauer zum Junker. Lichtmeß un Klee, Ostern im Schnee. St. Dorothee (6.) bringt den meisten Schnee. Wenns friert auf Petri Stuhlseier (22.) srierts noch vierzehnmal heuer. Petri Stuhlfeier kalt, die Kälte noch länger anhälll Mattheis (24.) bricht Eis, sindt er keins, so macht er eins Wenn im Hornung die Mücken schwärmen, muß man im März die Ohren wärmen. Wenn es Lichtmeß stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit; ist es aber klar und hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell. Heftige Nordwinde im Februar, vermelden ein fruchtbares Jahr; wenn Nordwind aber im Februar nicht will, so kommt er sicher im April. Viel Nebel im Februar, viel Regen das ganze Jahr. Wenn im Hornung die Mücken, spielen, wird der März den Winter fühlen. Singt die Lerche jetzt schon hell, gehts dem Landmann an das Fell. Wenn der Hornung warm uns macht, srierts im Mat noch gern bei Nacht. Matthäus bricht Eis, doch ja sacht, sonst kommt die Kälte im Frühjahr zur Macht. Liegt im Hornung die Katz im Frein, muß sie sicher im März wieder herein. Schmilzt im Februur die Sonn die Butter, so gibt das Jahr dann spätes Futter. Frierts im Februar nicht ein, wirds ein schlechtes Kornjahr sein. Wenn im. Februar spielen die Mücken, gibts im Schafstall große Lücken. Viel Nebel im Februar, viel Kälte das ganze Jahr.« Wenn im Februar die Mücken geigen, müssen sie im Märzen schweigen. Klar Februar, gut Roggenjahr.

§ Ruppertenrod, 1. Febr. Die Influenza tritt hier z. Zt. stark auf. Nicht selten werden ganze Familien davon betroffen; in der Oberklasse der Schule fehlen 30 pCt. der Schüler. Auch in der Umgegend tritt die Krankheit epidemisch auf und an manchen Orten so heftig, daß man die Hilfe barmherziger Schwestern in Anspruch nehmen mußte.

§ Pom Lande, 1. Febr. Der Spiritus wird teurer, das Petroleum billiger. Der Preis für das Liter Petroleum, der seither im einzelnen 20 Psg. betrug, ist auf 18 Pfg. herabgegangen gegen 22 Pfennig im vorigen Jahre. Darüber freuen sich unsere Hausfrauen mehr, als wenn die Preis­oerschiebung umgekehrt wäre. Die Verteuerung des Spiritus hat naturgemäß eine Verteuerung des Branntweins int Ge­folge gehabt. Diese Preissteigerung de§ Schnapses setzt aber

28 Drittes Blatt. 155. Jahrgang Donnerstag A. Februar 1905

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