Ausgabe 
26.8.1905 Zweites Blatt
 
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Pflege gewidmeten Hauses eine mächtige Förderung. Das Publix kurn wird sich daran gewöhnen, sie als selbständigen Dmstztverg einzuschöhen. man wird sie würdigen lernen und erkennen, hne sonderbar sie an den großen Bühnen behandelt wird. Hatte man sich bisher damit abgesunden, daß sehr häufig eine komHche Oper dann auf den Spielplan gesetzt wurde, toemt es dem Heldentenor oder der Primadonna beliebte, plötzlich abzusagen, so wird man jetzt sehen, daß die Spieloper nicht minder der sorg­samsten Vorbereitung bedarf wie ihre ernste Schwester und daß es garnicht so leicht ist, sie wirklich künstlerisch zu interpretieren. Sic verlangt von ihren Jüngern liebevolles Versenken in das Detail der künstlerischen Arbeit und vornehmlich neben der musikalischen Ausdeutung auch noch darstellerische Fähigkeiten, vor allem strengste Einhaltung des Stils. Dieses alles sind Auf­gaben, die der ganzen Kraft der Künstler bedürfen, es ftna Vorwürfe, deren Lösung nicht minderen Künstverstand voraus- setzen, als die Wiedergabe großer Opern.

Für die Vertiefung des Geschmackes unseres Opcrnpublikmns bringt die komische Over manche Anregung und Aufmunterung mit. Sie vermeidet in der Regel den äußeren Prunk. Sie schäret seinen Sinn für den wahren Kern des musikalycheu Kunstwerkes, für die Musik, indem sie das dekorative Beiwerk aus der Sphäre desGenusses" ausschaltet. In dem erzieher­ischen Gedanken, den die Sbnmfcfe Oper alS Gattung birgt, liegt eine der wesentlichsten Begründungen für die Lebensbcrechtigung des Genres selbst. Unser Opernpublikum bedarf einer solchen Erziehung dringend. Die Kunst muß im allgemeinen wieder zur Einfachheit in den Ausdrucksformen zurückkehren. Schon hat das Uebcrgrvße in den Aeußerlichkeiten der Künstübung allzusehr die Oberband gewonnen. Alles, was unser Publikum zur Natur in der Kunst zurückführen kann, muß uns willkommen sein. Alles, was die eigentliche Kunst selbst in den Vordergrund rückt, darf als erfreuliche Erscheinung begrüßt werden. Von dem Mittelpunkt der musikalisck>en Bewegarng Deutschlands, von Berlin aus, tritt das Prinzip der Zweiteilung der musikalisch- dramatischen Kunst seinen Wca in der öffentlichen Kunstpflege an. Darum ist die Errichtung der ersten deutschen Komischen Oper eine nationale Angelegenheit von hohem allgemeinem In­teresse. M. C.

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Nr. 200 Zweites Matt.

155. Jahrgang

Samstag 26 August 1905

Erscheint »glich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiebener Zamilienblätter" werden dem Anzeiger viernral wöchentlich beigelegt. Der htsstjche Laudwirt" erscheint monatlich einmal.

Gießener AMtzer

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Die Warokko-Aonfercrr;.

Der Ministerpräsident Rouvier war so freundlich, sich wieder einmal der Marokko-Konferenz zu erinnern und seinen Kollegen von der Regierung über den Stand der betreffenden Verhandlungen mit Deutschland Bericht zu erstatten. Viel Neues wird dabei nicht zur Sprache gekommen sein, denn im Grunde steht die Sache auf dem alten Fleck. Wenn sie sich in dem bisherigen Tempo fortentwickelt, dann dürfte die Frage, an welchem Ort die Konferenz abgehalten werden soll, kaum in absehbarer Zeit aktuell werden. Zunächst hat Frank­reich die Angelegenheit eines verhafteten Algeriers mit den: Sultan ins Reine zu bringen, von der man den Eindruck gewinnt, daß sie beträchtlich aufgebauscht wird. Vielleicht kam der Zwischenfall Herrn Rouvier nicht gerade ungelegen, denn solange der Sultan zögert, Frankreich die gewünschte Genugtuung zu geben, wird dieses natürlich ablehnen, sich des weiteren mit dem Konferenzvorschlag zu befassen, der bekanntlich vom Sultan auSgegangen ist. Für die sonstige internationale Diplomatie scheintMarokko* überhaupt nicht mehr zu existieren, obwohl die Kabinette, die die Einladung zur Konferenz angenommen haben, auf die offensichtliche Ver­schleppungstaktik Frankreichs allgemach aufmerksam werden müßten. Von England freilich ist ein Monitum nicht zu erwarten, da eS in der Marokkopolitik gemeinsame Sache mit Frankreich macht. Auch wohl kaum von den Vereinigten Staaten, deren Regierung mit der Friedensstiftung beschäftigt ist. Aber Oesterreich-Ungarn, deffen Kabinett als erstes die Einladung zur Konferenz angenommen hat und obendrein Deutschlands Standpunkt vollkommen teilt, könnte einmal die bescheidene Anfrage stellen, wann endlich die Einberufung der Konferenz zu gewärtigen sei. Wie dieNcttionalztg.* nütteilt, ist die Antwort Deutschlands auf die französische Note jetzt in Paris überreicht worden. Auch auf diese Note wird eine Rückäußerung der französischen Negierung erwartet.

Während zwischen der französischen und der deutschen Regierung keine Meinungsverschiedenheiten infolge der be­kannten Norschußanleihe von 10 Millionen Mk. bekannt ge­worden sind, hetzt ein Teil der englischen Preffe, namentlich die .Times' eifrig weiter. Die.Times* verlangt, wie aus London gemeldet wird, zu wiffen, welche Oertlichkeiten Marokko für seine Anleihe an Deutschland verpfände habe. Vielleicht hätten auch a n d e r e M ä ch t e dort Jntereffen. Die Notwendigkeit der Anleihe und die Mitwirkung der deutschen Regierung an deren Zustandekommen sei ebenfalls ofsiziell noch nicht genügend aufgeklärt worden. Ohne Frank­reichs lobenswerte Ruhe hätte die Anleihe vielleicht bereits ernste Folgen gehabt. Sie sei eine Verletzung der Ab­machungen und man muffe abwarten, wie sich Deutschland aus seiner zweifelhaften Stellung herausziehen werde.

Paris, 25. Aug. Die französische Regierung erwartet die Antwort des Sultans von Marokko betreffend die Freilassung deS Algeriers Bu Mzian nicht vor fün oder sechs Tagen. Der französische Gesandte hatte den Auf­trag, das Verlangen der französischen Regierung um Frei­lassung deS Algeriers dem Maghzen am Mittwoch mitzuteilen. Man wird erst Ende deS Monats erfahren, wie sich der Sultan den französischen Forderungen gegenüber verhält.

Paris, 25. Aug. Nach einer Meldung aus Oran haben zwei Kompanien Infanterie, eine Sektion Artillerie mit zwei Kanonen und eine Eskadron Kavallerie den Befehl erhalten, sich marschbereit zu halten, um eventuell den marokkanischen Grenzort Saida zu besetzen.

Also weitere Verschleppung!

Uolitische Tagesschau.

Beamtenkandidaturen in Württemberg.

Durch die in Mergentheim bevorstehende Nachwahl zum württembergischen Landtage, wobei der bisherige, erst neuerdings zum Negierungsrat beförderte Oberamtmann deS

Bezirkes als Bewerber auftritt, ist die Frage der Beamten- kandidaturen wieder zur Debatte gestellt worden. Man muß sich zwar, so schreibt man uns aus Württemberg, über die Naivität derer wundern, welche sich sonst geberden, als ob sie die Hut der verfaffungsmäßigen Rechte gepachtet hätten und in diesem Falle einer ganzen Kategorie von Staats- bürgern (und das sind doch -wohl die Beamten) ein solches, nämlich das passive Wahlrecht, aberkennen wollen. Und gewiß gibt es auch zahlreiche Beispiele, in denen Beamte höchst schätzenswerte Mitarbeiter von Parlamenten geworden sind und ihre Unabhängigkeit der Regierung gegenüber bis auf den letzten Rest gewahrt haben. Aber im allgemeinen ist eS doch für Verwaltungsbeamte die richterlichen sind in einer wesentlich günstigeren Lage eine schwierige Aufgabe, sich, zumal in den von ihren Vorgesetzten vertretenen Angelegenheiten ihres eigenen Departements, ganz unbefangen zu verhalten. Der Eigennutz wird da auf eine harte Probe gestellt, die nur bei entschiedener Charakterfestigkeit bestanden wird. Im deutschen Süden, wo der Beamte nach oben eine unabhängigere Stellung einnimmt als in Preußen, mögen solche Gefahren sich verringern. Jndeffen ist auch hier un­leugbar bis in sonst nichts weniger als regierungsfeindliche Kreise hinein die Abneigung gegen Beamtenkandidaturen so­weit verbreitet, daß die Ordnungsparteien davon in nicht völlig sicheren Wahlkreisen aus Opportunitätsgründen absehen sollten. Welche Partei kann sich jedoch außer dem Zentrum und, in immer beschränkter werdendem Maße, den preußischen Konservativen heute noch zuverlässiger Mandate rühmen? Die Deutsche Partei in Württemberg gewiß nicht! Von Sozialdemokratie, Zentrum und Bund der Landwirte be­drängt, hat sie Mühe genug, ihren kargen Besitzstand zu ver­teidigen oder vollends zu vermehren. Unter diesem Gesichts­punkt muß man ihr Vorgehen in Mergentheim als einen taktischen Fehler bezeichnen, der sich nur aus der obwaltenden Kandidatennot erklären läßt. Die Gegner der Partei haben so von vornherein eine bequeme Angriffsfläche und können wieder einmal ihren Liberalismus, wenn auch nur mit zweifelhaftem Grund, verdächtigen. Ob ihr unter solchen Umständen das Mandat zufallen wird, ist sehr fraglich.

Aus Stadl und KauS.

Gießen, 26. August.

* Se. Majestät der Kaiser passierte gestern nach­mittag 4.52 Uhr auf seiner Rückreise von Kronberg nach Wilhelmshöhe den hiesigen Bahnhof. ,

Stadttheater. ES interessiert gewiß Such daS hiesige Theaterpublikum, daß Frau Elfriede Bayr- hammer, die Gattin deS Frankfurter CharakterspielerS, die für die kommende Winterspielzeit als erste Salondame an unser Stadttheater verpflichtet ist, am SamStag in Bad -N anheim alsClaire* im Hüttenbesitzer* auftritt. Das Gastspiel der interessanten und schönen Künstlerin begegnet, so schreibt man uns, in Bad- Nauheim lebhafter Teilnahme.

* Kirchwei he findet am morgigen Sonntag statt in Klein-Linden, Allendorf a. d. Lahn, G roßen - Buseck, Lollar, Nonnenroth und Ockstadt.

-Der Bund der Landwirte hat am morgigen Sonntag seine Landesversammlung in Mainz, wobei Lucke- Patershausen über das neue Gerne in de st euer-Gesetz referieren wird.

Die Hessische Missionskonferenz wird ihre heurige Jahresversammlung DonnerStvg, den 7. September, in Friedberg abhalten. Auf dem Programm stehen Vor­träge, die sowohl um ihres Gegenstandes, wie um der Refe­renten willen das allgemeinste Jntereffe beanspruchen; so über Die Mission und der Hereroausstand* von Missionsinspektor Hausleiter-Barmen, und überDie Stellung der deutschen Kolonialregierung zu den Missionsschulen", von Missions­

inspektor Schreiber-Bremen. Eine allgemeine Misfionsve» sammlung abends 8 Uhr im Saalbau mit Ansprachen der Missionsinspektoren Schreiber und HauSleiter und Vorführung von Lichtbildern aus der Rheinischen Mission wird den Schluß machen.

** Beamten- und Konsumvereine. Der Ein­kaufsverein der Mainzer Kolonialware uh än bl er fyat an die zweite Kammer der hessischen Landstände eine Ein­gabe gerichtet, in welcher man sich gegen die Beteiligung von Beamten an Konsumvereinen ausspricht. In der Ein-, gäbe heißt es u. a.:. . . so gut nämlich die Regierung ihren Beamten verwehrt, außerhalb des Dienstes politische- Arbeit im Interesse der Sozialdemokratie zu verrichten-, muß hohe Regierung auch anerkennen, daß ihre Beamten den Steuerzahlern gegenüber andere Pflichten haben alS die Nichtbeamten, trotzdem ihre Beamtenvereine im sozial­demokratischen Fahrwasser segeln (!!), indem sie mithelfen an der Vernichtung des Handels- und Gewerbestandes.^ Und weiter:Was wollen denn die Beamten? Wollen! sie durch wirtschaftliche Isolierung einen Staat im Staate bilden oder gründen und nach sozialdemokratischem Vtuster durch eine Expropriation des mittleren und kleinen Ge­werbestandes diese Kreise der Sozialdemokratie in die Armtz treiben ? Die hessische Beamte nzeitung wendet sich! in schärfster Weise gegen die Eingabe. Sie sagt:Di« Mainzer Kolonialwarenhändler beftuden sich in der leiben oft anzutreffenden verkehrten Auffassung, die Stellung des! Beamten zur Allgemeinheit gehe soweit, daß er in jeder Beziehung jedem anderen Staatsbürger nach Wunsch leben müsse, auch in seinen privatesten Verhältnissen, und mit dem Inhalte seines Kochtopfes von jedem sich müsse Vor­schriften machen lassen, und überseben dabei, daß der Be­amte auch Steuern zahlen muß uno also entsprechend den gleichen Pflichten die gleichen Rechte wie andere Staats­bürger hat; insbesondere also auch in der Regelung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse ebenso unabhängig und felb- ständig ist, wie ein Mainzer Kolonialwarenhändler." DiÄ Mitgliedschaft von Beamten zu Vereinen sei eine reute! Privatangelegenheit der Beamten, in die eine Regierung niemals das Recht habe, einzugreifen. Die Beauttenzeitung weist dabei auf eine Verfügung des preußischen Staats-- Ministeriums hin, in welcher nach einer Enquete über bic Beteiligung von Beamten an der Verwaltung von Konsums, bereuten ausgesprochen ist, daß zu einem generellen ©et*, bote der Beteiligung von Beamten usw. an Konsumvereinen kein Anlaß vorliege, daß es im Gegenteil in vielen sogar erwünscht sein könne, wenn sich Beamte usw. an ba5 Verwaltung von Konsumvereinen beteiligten.

** Volkskultur. Man schreibt uns: Mtt der theo, rettschen und praktischen Weiterentwicklung der Vvlkskulttw- arbeit im Rhein-Main-Ekbiet befaßte sich der Vorstand befl Verbandes für Volks Vorlesungen und verwandtr Bestrebungen in seiner letzten Sitzung. Die Schillerspende, deren Ertrag durch die Mainzer Hauptversammlung den allgemeinen Aufgaben der Volksbildung in unserem weiteren Heimatgebiete zur Verfügung gestellt wurde, soll zunä^t der Förderung der praktischen Arbeit dienen, indem mju ihrer Hilfe eine Rhein-mainische Volks akadentie ins Leben gerufen werden soll, um organisationswilligi und bildungsfteudige Leute aus den verschiedensten sozialen und Bildungsschichten in die Gedanken und Praxis der VolE- kulturarbeit nach den Grundsätzen des Verba..des einzui- führen. Dabei sollen mehrere in innerem! Zusammenhang stehende Vortragsreihen aus verschiedensten Wissensgebieten und damtt verbundene landcs- und volkskundliche Führ­ungen stattftnden, sowie musikalische und deklamatorisch« Abende, eine 'Ausstellung von Kunstreproduktionen, Er^ läuterung und Handhabung von Veranschaulichungsmitteüv, (Lichtbilderapvaraten usw.), die Ausstellung einer Musters Dorfbibliothek mit heimatlichem Gepräge, gelegentlich«! Hebungen der Teilnehmer in der freien Rede usw. ftatt-i finden. So soll ein umfassendes Bild des Bolksbilbungs>i betriebet in seinen verschiedensten Verzweigung^ und unter- möglichster Berücksichtigung der Volksbilotmgstechnik ge-, geben werben. Die Teilnehmer sollen eine Hausgemein-, schäft bilden, und es soll nicht allein die geistige Arbeit von Anfang bis zu Ende gemeinsame Sache fein, sondern

Z>ie komische Hper.

(Nachdruck verboten.)

Im Herbst dieses Jahres wird sich in Berlin ein für die musikalische Kultur Deutschlands bedeutsames Ereignis voll lehm Die erste ständige Komische O P e r öffnet m Berlin ihre Pforten, der Spieloper ersteht das erste ihren speziellen Zielen und Aufgaben gewidmete Theater Du kurze Episode der Komi sehen Oper zu Wien, die im Jahre 1882 dura) den B^d d^ Ringtheaters ein so trauriges und erschütterndes Ellde erfuhr, zählt nicht mit in der Entwicklung der Frage, die sich zu.em er musikalisch so wichtigen Angelegenheit un Lause der «eit gestellt ir>t Es ist eigentlich 'wunderbar, daß man bei Mis.iN Deutsch land so lange gezögert hat, einer Kunstgattung em eigenes Heim zu gewähren, die so lange schon. 'M Musikleben des Volkes eine so ganz ausgesprochene wichtige Rolle spE Ww haben ein deutsches Singspiel und eme deutsche Komische Oper fast so lange schon wie die seriöse Oper, und trotzdem ließen wir das heitere Genre immer mir tu den großen Opernhäusern hosin- tieren, als Gast, als Dreizehnter am ii ^ unb tn den meisten Fällen als Lückenbüßer oder als zweite Garnitur des Spiel-

ist wohl nicht nötig, des näheren auseinanderziisetzen daß musikalisch-dramatische Werke, bei denen die intime Wirkung Eiwzweck ist, deren Aufbau also m kleinerenDmwnsE ist als das Gefüge der großen Oper, m den Riesenraumen der großen Operntheater niemals so ihre Eigenart und ihre mneren Feinheiten äußern können als in Raumen, die von Haus aus auf die zartere Beschaffenheit dieser Kunsttverke Bedacht nehmen, allerliebste Nesidenztyeater in München, dieses entzückende Rokokohaus hat in der Zeit der Amtsführung des Intendanten von Possart dadurch eine europäische Berühmtheit erlangt, daß dieser erfahrene Theatermann auf den guten Einfall km, aus dieser Bühne Mozartopern aufzufuhren, ne vornehmlich durch die diskrete Vesebung des Orchesters aus dem Rahmen der großen Prunkoper zu lösen An diesem Beispiel kann man ersehen, daß jede besondere Kunstgattung des beitimm.ten Hmtergrundes der bestimmten Vorbedingungen bedarf, um letzte Wirkung zu äußern. In Frankreich hat man dies erheblich früher er­

kannt als bei uns. Die Opöra Comique in Paris ist der Aus­druck dieser zutteffenden Beobachtung vom Wesen des Kunstwerkes, sie ist das Vorbild des Prinzipes, daß zwischen der sogenannten großen" und der Komischen Oper eine reinliche Scheidung schon hinsichtlich des äußeren Schauplatzes dringend geboten ist. Aller­dings hat man in Paris den Begriff der Komischen Oper etwas weiter mib breiter gezogen als die musikalische Bewertung dn beiden Kunstgattungen dies gestatten würde. Aber immer noch ist auch bei diesem Kunstinstitute der Unterschied wahrnehmbar, der die verschiedenen Gebiete des musikalisch-dramatischen Kunst­werkes kennzeichnet. Es kommt auch gancicht darauf an, die Grenzlinie in ollen Fällen fcM zu ziehen und einzuhalten. Hauptsache ist, daß der Spieloper der Raum gewahrt werde, der ihr im Musikleben zukommt. Einegroße" Oper kann auch m einem auf intime Wirkung zugesckmittenem Rahmen immer noch bei würdiger Interpretierung künstlerisch sich geltend machen. Anders aber die komische Oper. In den weiten edlen der großen Opernhäuser mit dem Massenorchester dieser Institute schwimmt sie auf uferlosen Gewässern, büßt sie an ihrem Wesen ein schon aus dem Grunde, weil die akustischen Verhältnisse der großen Bühnen zu den astl-etischen Grundbedingungen der komi­schen Oper im umgekehrten Verhältnisse stehen.

Ms vor ungefähr zehn Jahren die Wiener Hofoper ,^Die Fledermaus" von Johann Strauß aufführte, wurde diese Tat­sache als ein musikalisch-birarres Experiment betrachtet und da­nach beurteilt. Gewiß, die sttengen Verwehter des Grundsatzes, daß die ernste Opernbühne nur für die Oper selbst da ist, hatten allen Grund, über diese revolutionäre Neuheit die Hande über den Kvpf zusammenzuscblagem Aber daß man überhaupt das Bedürfnis empfand, dieses Werk einmal von NnrNichen Gesangskünstlern darstellen zu lassen, zeigt zweiwllos, daß das Bedürfnis vorhanden ist, auch dem leichteren Genre m der Musik die Unterstützung der künstlerischen Wiedergabe zu ge- wabren Im erweiterten Sinne und um vieles gerechtfertigter ist demnach das Verlangen begründet die ausgesprochene ^)piel- oper ihrem musck Iffchen.Geiste nach darzustellen ihr auch das letzte zu geben, dessen sie bedarf, die Herrschaft über den Raum und dadurch die MUichkeit, ihre intimen Feinheiten.voll- ends zu enthüllen. Dem Wesin, dem Kunstzweck der Komischen Oper erwächst da durch die Errichtung emes ausschließlich ihrer