Ausgabe 
26.8.1905 Zweites Blatt
 
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Ilmch die Mahlzeiten, die auf eigene Rechnung hergesteM werden, und die Erholung sollen ebenfalls geteilt werden, sodaß die Möglichkeit eines fortgesetzten Gedankenaus­tausches und möglichst inniger geistiger Berührung gegeben ist. Auch die Gelehrten, die als Dozenten tätig sind, werden sich der .Hausgemeinschaft ein ordnen und nicht allein als geistig Gebende erscheinen, sondern auch als Empfangende, und zwar nicht nur dadurch, daß sie in der Regel auch cm denjenigen Darbietungen teilnehmen, die ihrem' eigenen Fachwissen ferner liegen, sondern mehr noch dadurch, daß sie im Verkehr mit einfacheren Leuten Einblick in deren Bildungsstand, geistige Bedürfnisse und Aufnahmefähigkeit gewinnen, die für die Auswahl der Lehrstoffe und die Me­thode der Darbietung von größtem Werte sind. Die erste, auf die Dauer von zwei Wochen berechnete Veranstaltung dieser Art soll, unter Ausnützung besonders günstiger Ver­hältnisse, in Rüsselsheim stattfindcn, wo sich die Teil­nehmer am Abend des 17. September zum erstenmale zu­sammenfinden werden. Geeignete, besonders auch mit den heimatlichen Verhältnissen vertraute Gelehrte sind bereits für die Sache gewonnen: auch einige Anmeldungen aus Arbeiter- und Lehrerkrcisen sind bereits cinaegangen. Weitere Meldungen werden erbeten. Solchen Teilnehmern, die sich der praktischen Volkskulturarbeit an ihrem Wohn­orte anuehmen wollen, soll auf Verlangen kostenfreier Aufenthalt gewährt werden, während für Interessenten und Leute, die' ihrer persönlichen Bildung wegen kommen, ein Aufcnthaltsgeld von etwa 2 Mk. für den Tag berechnet werden soll. Die Geschäftsstelle des Rhein-mainischen Ver­bandes für Volksvorlesungen und verwandte Bestrebungen (Frankfurt a. M., An der Schm'dtstube 7) nimmt Meldungen entgegen und gibt alle gewünschten Auskünfte. Nach Schluß der ersten Volksakademie beabsichtigt der Verband die Einberufung eines allgemeinen deutschen Volkskul­turtages zu veranlassen, zu dem Vertreter aller ver­wandten deutschen Körperschaften behufs Verständigung in theoretischen, organisatorischen und praktischen Arbeits- sragen eingeladen werden sollen.

Sterbekasse de§ Bundes deutscher Ga st - wirte. Man bittet unS um Aufnahme folgender Zeilen: Eine der edelsten Früchte, welche der Kulturfort­schritt der Menschheit zeitigte, ist unstreitig daS zunehmende Pflichtgefühl, dafür Sorge zu tragen, daß nach dem Ab­leben dcS Ernährers materielle Sorgen den Angehörigen möglichst ferne gehalten werden. Die Wege hierzu zu ebnen und die Erreichung dieses hohen Zieles leicht zu machen, haben sich neben den Versicherungsgesellschaften eine Anzahl Vereinigungen große Verdienste erworben. Eine der ersten gewerblichen Vereinigungen, welche durch Errichtung einer eigenen Sterbekasse diesen schönen Gedanken verwirklichte, war der Bund Deutscher Gastwirte. Durch kaum fühlbare Beiträge ermöglicht diese Kasse den Hinterbliebenen sofort nach dem Tode des Ernährers eine ansehnliche Summe zur Verfügung zu stellen. Können damit auch die Schrecken des Todes nicht verbannt werden, so mildert der Gedanke an die fürsorgliche Liebe des Toten doch den herben Schmerz und bietet Witwen und Waisen den besten Trost in gar oft schwieriger Lage. Die Vorteile, welche die Sterbekasse des Bundes Deutscher Gastwirte (Sitz in Darmstadt) den Ange­hörigen des Gastwirtegewerbes bietet, sind auch in unserer Gegend rechtzeitig erkannt worden; es gehören ihr eine große Anzahl einsichtiger Gastwirte als Mitglieder an. So wurden erst in jüngster Zeit an die Hinterbliebenen des verstorbenen Mitgliedes H. Schneider in Gießen durch den Bezirksorts­rechner dieser Kaste Herrn M. Jaskowsky in Gießen 1000 Mark pünktlich ausbezahlt. Allen Gastwirtefamilien kann die Angehörigkeit zu diesem so segensreichen und wohltuend wirkenden Familien-Fürsorge-Jnstitut nur bestens empfohlen werden.

-J- Hausen bei Schiffenberg, 25. Aug. DaS stattliche neue Volksschulgebäude geht jetzt seiner Vollendung entgegen und wird demnächst feierlich eingeweiht. DaS Ge­bäude, welches im Sommer 1904 begonnen wurde, ist in altdeutschem Stil erbaut und bietet von der Gelnhäuser Bahn aus einen schönen Anblick. Es enthält zwei Schulsäle und zwei Lehrerwohnungen.

«n Großen-Linden, 25. August. Im Laufe des heutigen Tages haben 31 Hausbesitzer ihren Anschluß an eine etwaige Wasserleitung angemeldet.

v. Bad-Nauheim, 25. Aug. Bis zum 24. Aug. 1905 sind 23 316 Kurgäste angekommen, wovon am genannten Tage noch 4871 anwesend waren. 305 488 Bäder wurden bis zum 24. Aug. abgegeben.

Mainz, 24. Aug. Wie die ,F. Z/ erfahrt, verhan­delt die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft wegen Verkaufs ihrer mit der Stadt Mainz verbundenen Neben­bahnen nach Gonsenheim-Finthen und Bretzen­heim-Hecht sheim an die Stadt. Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß die bis jetzt rentabelste Nebenbahn Mainz-Gonsenheim nach der Erbauung der projektierten elektrischen städtischen Nebenbahn nach Gonsenheim starke Konkurrenz erhalten würde, zumal der Dampfbetrieb dieser Nebenbahnen mit dem elektrischen Betrieb der städtischen Nebenbahnen nicht in Wettbewerb treten könnte. Außerdem ist von der Stadt die Erbauung einer weiteren elektrischen Konkurrenzbahn nach Bretzenheim in Aussicht genommen. Zu einem greifbaren Ergebnis haben die mit der Stadt ge­führten Verhandlungen jedoch noch nicht geführt.

Hanau, 25. Äug. Die Leiche des an Wurstver­giftung verstorbenen Kaufmannslehrlings Krafft von hier wird heute auf Anordnung der Staatsanwaltschaft seziert. Bis jetzt ist noch nicht ermittelt, wo der junge Mann die giftige Wurst gekauft hat. Auch ein Anverwandter des Ver­storbenen hat sich gestern vergebens bemüht, den betreffenden Frankfurter Metzgerladen ausfindig zu machen, aus dem die Wurst stammt.

p. Wetzlar, 25. Aug. Auf Veranlassung von Geist­lichen haben sich in unserem Kreise mehrere Zweigvereine derFrau enhilfe deS Evangelischen kirchlichen Hilfsv ereinS" gebildet. DieLeitung liegt in den Händen der betreffenden Pfarrer. Bekanntlich arbeitet dieFrauen­hilfe" unter dem Protektorate Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta Viktoria. Durch die Anstellung von Diakonisten und anderen geeigneten Persönlichkeiten, welch« sich der Pflege der Kranken und Armen in der Gemeinde unter Mitwirkung der Frauenhilse" widmen, und durch Begründung v»n Gemeinde­häusern und anderen, den Bedürfnissen der Gemeinde ent­sprechenden Licbeswerken strebt dieFrauenhilfe" dem edlen Ziele zu: Die Licbestätigkeit der evangelischen Frauen und

Jungfrauen an den Gliedern der Gemeinde zu wecken und zu organisieren." Vor 15 Jahren trat der segenbringende Verein ins Leben und jetzt zählt er annähernd 800 Zweig­vereine. Die JahreSeinnahme übersteigt bereits 250 000 Mk., die in der angegebenen Weise verwendet werden.

Frankenberg, 24. Äug. Ein trauriger Unglücks- fall ereignete sich heute nachmittag hier bei dem Neubau deS Hotels zur Sommerfrische. Eine Kasteler Firma führte die nötigen Asphaltarbeiten auS. Um daS Feuer unter dem ASphaltkestel anzufachen, goß ein Arbeiter unvorsichtigerweise aus einer Kanne Benzol in das offene Feuer. Die Folge davon war, daß die Kanne unter donnerähnlichem Getöse explodierte und eine mächtige Feuersäule emporschlug, wodurch einige Arbeiter schwere Brandwunden erlitten. Am schwersten wurde ein taubstummer Arbeiter dabei betroffen, der im Nu in Flammen stand und am ganzen Körper mit schweren Brandwunden bedeckt war. Der Be­dauernswerte wurde mit dem nächsten Zug nach Marburg in die Klinik geschafft. (Hess. Landesztg.)

Aas Zahressest des evanqe'ischen Mundes.

c. Alsfeld,.25. Aug.

Das Fest, von dessen Beginn wir bereits berichteten, nahm einen überaus schönen Verlauf. Gestern nachmittag fanden mehrere Vorversammlungen des Vorstandes des .Hauptvereins, der Delegierten der Zweigvereine und des Festausschusses statt. Abends 8 Uhr wurde dann die allen Evangelischen zugängliche Hauptversammlung in den beiden Sälen desDeutschen Kaisers" abgehalten. Beide Säle waren bis auf den letzten Platz dicht besetzt, nicht nur aus Alsfeld, sondern auch aus der gesamten Umgegend hatten sich viele Landleute eingefundcn. Unter den Gästen be­fanden sich auch Kreisrat Dr. Melior und Bürgermeister Ar nold. Realschuldirektor Dr. Pitz und der Vorsitzende des Zweigvereins Alsfeld eröffneten die Versammlung. Namens der Stadt sprachen Bürgermeister Arnold und Beigeordneter Kurtz. Der Präsident des Oberkonsistoriums D. Buchner überbrachte dessen Grüße, D. H erm en s- Magdeburg die Grüße des deutschen Gesamtvereins. Ober­lehrer Lic. Herrmann-Darmstadt hielt dann einen fesselnden Vortrag aus Alsfelds Vergangenheit zurzeit der Reformation; das Thema lautete: D. Tilemann Schnabel, der Freund Luthers und Reformator der Stadt Alsfeld". Er schildert Luthers 'Aufenthalt in Alsfeld nach der Rückkehr vom Reichstag zu Worms, den Uebertritt Schnabels zur Reformation, seine Entlassung und spätere Rückberufiing durch Philipp den Großmütigen und seine Tätigkeit als Superintendent von Oberhessen bis zu seinem 1559 erfolgten Tode. Er wurde in der Walpurgis­kirche beigesetzt. Nrcht minder interessant war der Vortrag des Pfarrers Loos von Butzbach, der in seinem Referat Das Prote st an tische in Schille r", unseren Dichter­fürsten als Christ und Bekenner des evang. Glaubens schildert. Es erfolgte darauf der Gesang des Liedes:Eine feste SBurg". Besonders feierlich gestattete sich die Ver­sammlung durch die Gesangsvorträge des Vereins Liederkranz", die teils religiösen, teils vaterlän­dischen Inhalts waren.

Heute, Freitag, stimmten schon ftüh um 7 Uhr die Glocken der beiden Gotteshäuser das Festgeläute an, und die Stadtkapelle ließ feierlich vom Turm der Walpurgis­kirche Choräle erklingen. Um 8 Uhr hielt derHessische Hilfsausschuß zur Förderung der evangel. Kirche in Oester­reich" unter dem Vorsitz des Kapitänleutnants a. D. Grill- Bensheim eine Versammlung ab, in der über den Fortgang der evangelischen Bewegung in Oesterreich berichtet und beschlossen wurde, diese auch fernerhin tat­kräftig zu unterstiitzen. Um 9Vs Uhr fand in der Walpurgis­kirche Festgottesdienst statt; Pfarrer Berck-Waldmichclbach hielt die Festpredigt. Die Kirche war überfüllt, selbst in den Gängen standen noch die Zuhörer Kopf an Kopf. Der gemischte Kirchenchor trug Gustav Adolfs SchlachtliedVer­zage nicht, du Häuflein klein" vor. Am Schlüsse des Gottes­dienstes wurde für die Bundeskasse und die evangel. Be­wegung in Oesterreich eine Kollekte erhoben, die 148 Mk. ergab.

Vormittags 10s/4 Uhr begann im Saale desDeutschen Kaisers" eine weitere Versaimnlung. Der Vorsitzende Pft. Lic. Waitz-Darmstadt, verlas den Jahresbericht über die Tätigkeit und Entwicklung des Bundes für Hessen. Darnach hat der Bund im letzten Jahre an Mitgliederzahl außer­ordentlich zugenommen, und zwar um ca. 4500 Mitglieder, sie stieg auf etwa 12 200, davon entfallen auf Rheinhessen 4118, Öberhessen 3280, Starkenburg 5520 Mitglieder. Die Zahl der Zweigvereine nahm um 40 zu und stieg auf 97, in Ober Hessen war die Zunahme am st ä r kst e n, es entstanden hier 22 neue Zweigvereine. Der Zweigverein Darmstadt zählt ca. 1700, Worms 902, Friedberg 476, Offenbach 420, Gießen nur 175, Alsfeld 480 Mit­glieder. Einschließlich der angeschlossenen Vereine und Mitglieder beträgt die Gesamtzahl fiir Hessen rund 16 600. Pfarrer B e r ck-Waldmichelbach referierte über denHessi­schen Bundesboten", das Organ des Vereins. Dieser hat zurzeit eine Auftage von 15 000 Exemplaren erreicht. Da der Vertrag mit Württemberg dem hessischen Bund Opfer auferlegt, so wird auf Antrag des Referenten beschlossen, vom 1. Jan. 1906 ab den Vertrag zu lösen. Auf Antrag des Vorsitzenden wurde ferner beschlossen, daß das Bundes­fest 1906 in Lampertheim stattfinden soll.

Hierauf hielt Landgerichtsrat Schmeckenbecher- Gießen einen Vortrag:Der sogenannte Tole­ranzantrag des Zentrums und die moderne Staatside e".

Um 1 Uhr fand ein Festessen statt, bei welchem auf den Großherzog, dcssen Namenstag heute ist, den Kaiser, den evangel. Bund und die Stadt Alsfeld Toaste ausge­bracht wurden. Den Schluß der Festlichkeiten bildete eine öffentliche Festversammlung auf dem Lindenplatz, nach dem sich um 3 Uhr ein großer Menschenstrom be­wegte, den der geräumige Platz kaum fassen konnte. Der Vorsitzende des Hauptvereins, Pfarrer Lic. Waitz, er­öffnete und leitete die Versammlung. Generalsekretär Lic. Bräun!ich-Halle a. S. hielt einen Vortrag überDie gegenwärtige Lage des Prote st antismus in Oesterreich und Deutschland". Liedervorträge des Kirchengesangvereins wechselten mit Musikvorträgien der Stadtkapelle. Mit den Abendzügen verließen die Festgäste unsere Stadt. Das Jahresfest des Bundes blickt auf ein gutes Gelingen und einen jchöncn Verlauf zurück.

Krrichtsraat.

(n.) Gießen, 25. Aug. Die Strafkammer verkündete heute daS Urteil in der am le et en Freitag verhandelten Sache gegen Heinrich St., Richard Paul K. und Frau Marie H. von

Rödgen bei Bad-Nauheim. Das Schöffengerichtsurteil wurde aufgehoben und die zu Geldstrafen verurteilten St. und K. fteigesprochen. Die vom Schöffengericht sreigesprochene Frau H. wurde der, B cl e id igu n g für schuldig befunden und zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Unter Ausschluß der Oesfentlich- feit wurde gegen den 21 jährigen Maurer Philipp Johann Sch. von Reiskirchen verhandelt. Wie aus dem öffentlich ver­kündeten Urteil zu entnehmen war, hatte er sich an einem 13 jäIrrigen Mädchen, das sich in der Wohnung einer Freundin befand, in unsittlicher Weise vergangen. Mit Rück­sicht auf seinen guten Ruf hielt das Gericht die mäßige Strafe von 6 Monaten Gefängnis am Platze, auf die 14 Tage der er­littenen Untersuchungshaft in Anrechnung zu kommen haben. Eine 35 jährige Prostituierte Katharine M. aus Burghausen wurde am 18. Juli d. I. nach Verbüßung einer dreijährigen Zuchthaus­strafe aus dem Landeszuckthause Marienschloß entlassen. Sie trieb sich einige Tage obdachslos umher und wurde am 25. Juli früh morgens in Dad-Nauheim von einem Schutzmann mit einem verdächtigen Bündel angetroffen, was ihre Festnahme zur Folge hatte. Es stellte sich heraus, daß sie einem Hotel­besitzer einige Tischdecken und 15 Servietten von der Bleiche entwendet hatte, wovon sie einem übelbeleumundeten Individuum, das sich mit ihr im Polizeigewahrsam befand, zwei Tischdecken durch ein in der Zelle befindliches Loch zugesteckt hatte. Da sie eine unverbesserliche Person, insbesondere eine vielfach bestrafte Diebin ist, hielt das Gericht trotz des unerheb­lichen Wertes eine hohe Strafe für angezeigt und diktierte ihr 2 Jahre und 6 Monate Zuchthaus zu. Polizeiaufsicht und 5 jährigen Ehrverlust wurde ebenfalls für angezeigt er­achtet. In langer Verhandlung und bei geschlossenen Türen hatte sich der 17 jährige Schreinergeselle Karl K. von Ober- Ohmen,, wegen eines Notzuchtsversuchs zu verantworten. Das mit Begründung öffentlich publizierte Urteil lautete auf 1 Jahr und 3 Monate Gefängnis. Wegen Körperverletz­ung wurde der Maurer Wilhelm R. von Msfeld zu 10 Mo­nat cm Gefängnis verurteilt und seine sofortige Verhaftung, wegen der Strafhöhe, angeordnet. Er befand sich mit einigen Kameraden im Stadtpark zu Alsfeld, wo ihm sein Stock beschädigt wurde. Darüber aufgeregt, kam er mit dem Sattler Speckt in Wort­wechsel, in dessen Verlauf er einen sogenanntenKnicker" aus der Tasche zog und seinem Gegner mehrere Stiche versetzte, die leicht ernste Folgen hätten haben können. Einen Stich erhielt Speckt in die Wange, der das rechte Ohr verletzte, sodaß es mir noch an einem Fetzen hing und auch'die Muschel verletzte; ein anderer kam auf die Brust, der aber nur die Kravatte durchschnitt, und ein weiterer traf die Hüfte, welcher die Kleider durcktrennte. Trotz der geringen nachteiligen Folgen wurde mit Rücksicht auf die Gefährlichkeit der Handhabung des Messers eine erhebliche Strafe für angezeigt erachtet. Der Maurer Georg W. hier wurde wegen unbefugten Betretens einer Wiese mit einem Strafbefehl von 1 Mark bedacht. Trotz der geringen Strafe erhob er Widerspruch und das Schöffengericht kam zur Verwerfung. Er focht das Erkenntnis an, blieb aber der Bemifungsverhandlung fern, weshalb es bei der Bestrafung sein Bewenden behalten mußte. Wegen Betretens fremder Felder und Entwendung von Gemüsen, Obst und Holz in 16 Fällen erhielt der Taglöhner Johannes G. hier Straf­befehle in Gesamthöhe von etwa 60 Mark. Das Feldgericht verwarf den von ihm erhobenen Widerspruch; nur in einem Falle ließ es wegen Beweismangels Freisprechung ein­treten. Er focht das Urteil an und behauptete, daß die meisten Anzeigen von einem mit ihm verfeindeten Individuum her­rühren, der ihn aus Rache in Strafe bringen wolle. Es wurde auch tatsächlich festgestellt, daß beide früher gemeinsam geftevelt haben und daß sie jetzt verfeindet sind. Da der Hauptbelastungs­zeuge wegen Beteiligung an verschiedenen Straftaten nicht be­eidigt werden konnte, hielt es das Gericht für bedenklich, Verurteil­ung eintreten zu lassen insoweit sich das Feldschutzpersonal nicht von der Richtigkeit der Straftaten hatte überzeugen können, und es mußte deswegen Freisprechung eintreten. Im übrigen wurde das Urteil bestätigt.

Kandek und AerKeKr. Volkswirtschaft.

Disko nterhöhung. Die Möglichkeit einer Diskont­erhöhung steht, so schreibt man un5, ziemlich nabe bevor, da aller Voraussicht nach, die Reichsbank seitens des Reiches bald wieder in Anspruch genommen werden dürste. Auch erfährt man, auS informierten Kreisen, daß eine Periode steigender Geld­sätze in Sicht ist und für den Herbsttermin die Ansprüche an die Reichsbank erheblicher werden, wie in der gleichen Periode des Vorjahres. Es steht deshalb eine Erhöhung des Disconts voraus­sichtlich schon in der ersten Halste des September, wenn nicht früher zu erwarten, da im vorigen Jahr bei einem günstigeren Status um dieselbe Zeit ein Diskont von 4 % in Kraft war und der gegenwärtig nur 3 6/0 beträgt. Wird er aber erhöht, so sind jedenfalls 4 % zu erwarten.

Hamburger Brauereien. Für das mit Ende Sep­tember schließende Geschäftsjahr der Actienbrauereien Hamburgs erwartet man ein günstigeres Ergebnis als i. V. In 1904 hatten die Brauereien mit dem 41/. Monate dauernden Arbeiterausstand zu kämpsen. Die dabei in Betracht kommenden 16 Brauereien verteilen zusammen 20 °/0 Dividende weniger als in 1903. Der in diesem Jahr durchgehend glatt abgeroicfelte Betrieb wie die günstige Witterung dieses Sommers, die eine bedeutende Mehr­produktion bei allen Geschäften zuließen, läßt hoffen, daß bie Nachteile des Jahres 1904 vollständig ausgeglichen sind, umsomehr, da die Hopsenpreise sehr niedrig waren. Auch gegen die Wieder­holungen von Störungen im Geschäftsbetrieb haben sich die Brauereien durch den iin März d. I. geschaffenen Boykott-Schutz­verband Deutscher Brauereien Versicherungsverein auf Gegen­seitigkeit gesichert.

Märkte.

Gießen, 26. Aug. Marktbericht. Auf heutigem Wocbenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1.151.20 Mk., Hühnereier 1 St. 78 Vfg. 2 Stck. 0000 Vfg., Gänseeier 1500 Pfg., Enteneier 67 Pfg., Käse pr. Stck. 68 Pf., Kasematte 2 Stck. 56 Pfg. Erbsen pr. Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Psg., Tauben pr. Paar0,800,90 Mk., Hühner pr.St. 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stück 1,802,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 5565 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfd. 7282 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 7072 Psg., Schweine­fleisch pr. Pfund 7686 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 90 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 7080 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5076 Pfg. Welsche per Pfund. Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,008,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 8,0010,00 Mk., Milch per Liter 20 Psg., Aepfel per Zentner 0 bis 0 Mk., in Körben 00 Pfg., Kirschen pr. Pfd. 0000 Pfg., Zwetschen per Zentner 0.00 Alk. Birnen per Zentner 0 bis 0.00 2)lf. Weißkraut 0.100.15 Mk, Marktzeit 71 Uhr.

fc. Frankfurt' a. M., 26. Aug. Heu- und Stroh­markt. Man notierte: Heu Mk. 3.50 bis Mk. 3.70, Stroh Mk. 2.00 bis Mk. 2 25. Alles per 50 Kilo. Tendenz: fest.

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