Ilmch die Mahlzeiten, die auf eigene Rechnung hergesteM werden, und die Erholung sollen ebenfalls geteilt werden, sodaß die Möglichkeit eines fortgesetzten Gedankenaustausches und möglichst inniger geistiger Berührung gegeben ist. Auch die Gelehrten, die als Dozenten tätig sind, werden sich der .Hausgemeinschaft ein ordnen und nicht allein als geistig Gebende erscheinen, sondern auch als Empfangende, und zwar nicht nur dadurch, daß sie in der Regel auch cm denjenigen Darbietungen teilnehmen, die ihrem' eigenen Fachwissen ferner liegen, sondern mehr noch dadurch, daß sie im Verkehr mit einfacheren Leuten Einblick in deren Bildungsstand, geistige Bedürfnisse und Aufnahmefähigkeit gewinnen, die für die Auswahl der Lehrstoffe und die Methode der Darbietung von größtem Werte sind. Die erste, auf die Dauer von zwei Wochen berechnete Veranstaltung dieser Art soll, unter Ausnützung besonders günstiger Verhältnisse, in Rüsselsheim stattfindcn, wo sich die Teilnehmer am Abend des 17. September zum erstenmale zusammenfinden werden. Geeignete, besonders auch mit den heimatlichen Verhältnissen vertraute Gelehrte sind bereits für die Sache gewonnen: auch einige Anmeldungen aus Arbeiter- und Lehrerkrcisen sind bereits cinaegangen. Weitere Meldungen werden erbeten. Solchen Teilnehmern, die sich der praktischen Volkskulturarbeit an ihrem Wohnorte anuehmen wollen, soll auf Verlangen kostenfreier Aufenthalt gewährt werden, während für Interessenten und Leute, die' ihrer persönlichen Bildung wegen kommen, ein Aufcnthaltsgeld von etwa 2 Mk. für den Tag berechnet werden soll. Die Geschäftsstelle des Rhein-mainischen Verbandes für Volksvorlesungen und verwandte Bestrebungen (Frankfurt a. M., An der Schm'dtstube 7) nimmt Meldungen entgegen und gibt alle gewünschten Auskünfte. — Nach Schluß der ersten Volksakademie beabsichtigt der Verband die Einberufung eines allgemeinen deutschen Volkskulturtages zu veranlassen, zu dem Vertreter aller verwandten deutschen Körperschaften behufs Verständigung in theoretischen, organisatorischen und praktischen Arbeits- sragen eingeladen werden sollen.
•• Sterbekasse de§ Bundes deutscher Ga st - wirte. Man bittet unS um Aufnahme folgender Zeilen: Eine der edelsten Früchte, welche der Kulturfortschritt der Menschheit zeitigte, ist unstreitig daS zunehmende Pflichtgefühl, dafür Sorge zu tragen, daß nach dem Ableben dcS Ernährers materielle Sorgen den Angehörigen möglichst ferne gehalten werden. Die Wege hierzu zu ebnen und die Erreichung dieses hohen Zieles leicht zu machen, haben sich neben den Versicherungsgesellschaften eine Anzahl Vereinigungen große Verdienste erworben. Eine der ersten gewerblichen Vereinigungen, welche durch Errichtung einer eigenen Sterbekasse diesen schönen Gedanken verwirklichte, war der Bund Deutscher Gastwirte. Durch kaum fühlbare Beiträge ermöglicht diese Kasse den Hinterbliebenen sofort nach dem Tode des Ernährers eine ansehnliche Summe zur Verfügung zu stellen. Können damit auch die Schrecken des Todes nicht verbannt werden, so mildert der Gedanke an die fürsorgliche Liebe des Toten doch den herben Schmerz und bietet Witwen und Waisen den besten Trost in gar oft schwieriger Lage. Die Vorteile, welche die Sterbekasse des Bundes Deutscher Gastwirte (Sitz in Darmstadt) den Angehörigen des Gastwirtegewerbes bietet, sind auch in unserer Gegend rechtzeitig erkannt worden; es gehören ihr eine große Anzahl einsichtiger Gastwirte als Mitglieder an. So wurden erst in jüngster Zeit an die Hinterbliebenen des verstorbenen Mitgliedes H. Schneider in Gießen durch den Bezirksortsrechner dieser Kaste Herrn M. Jaskowsky in Gießen 1000 Mark pünktlich ausbezahlt. Allen Gastwirtefamilien kann die Angehörigkeit zu diesem so segensreichen und wohltuend wirkenden Familien-Fürsorge-Jnstitut nur bestens empfohlen werden.
-J- Hausen bei Schiffenberg, 25. Aug. DaS stattliche neue Volksschulgebäude geht jetzt seiner Vollendung entgegen und wird demnächst feierlich eingeweiht. DaS Gebäude, welches im Sommer 1904 begonnen wurde, ist in altdeutschem Stil erbaut und bietet von der Gelnhäuser Bahn aus einen schönen Anblick. Es enthält zwei Schulsäle und zwei Lehrerwohnungen.
«n Großen-Linden, 25. August. Im Laufe des heutigen Tages haben 31 Hausbesitzer ihren Anschluß an eine etwaige Wasserleitung angemeldet.
v. Bad-Nauheim, 25. Aug. Bis zum 24. Aug. 1905 sind 23 316 Kurgäste angekommen, wovon am genannten Tage noch 4871 anwesend waren. 305 488 Bäder wurden bis zum 24. Aug. abgegeben.
Mainz, 24. Aug. Wie die ,F. Z/ erfahrt, verhandelt die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft wegen Verkaufs ihrer mit der Stadt Mainz verbundenen Nebenbahnen nach Gonsenheim-Finthen und Bretzenheim-Hecht sheim an die Stadt. Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß die bis jetzt rentabelste Nebenbahn Mainz-Gonsenheim nach der Erbauung der projektierten elektrischen städtischen Nebenbahn nach Gonsenheim starke Konkurrenz erhalten würde, zumal der Dampfbetrieb dieser Nebenbahnen mit dem elektrischen Betrieb der städtischen Nebenbahnen nicht in Wettbewerb treten könnte. Außerdem ist von der Stadt die Erbauung einer weiteren elektrischen Konkurrenzbahn nach Bretzenheim in Aussicht genommen. Zu einem greifbaren Ergebnis haben die mit der Stadt geführten Verhandlungen jedoch noch nicht geführt.
Hanau, 25. Äug. Die Leiche des an Wurstvergiftung verstorbenen Kaufmannslehrlings Krafft von hier wird heute auf Anordnung der Staatsanwaltschaft seziert. Bis jetzt ist noch nicht ermittelt, wo der junge Mann die giftige Wurst gekauft hat. Auch ein Anverwandter des Verstorbenen hat sich gestern vergebens bemüht, den betreffenden Frankfurter Metzgerladen ausfindig zu machen, aus dem die Wurst stammt.
p. Wetzlar, 25. Aug. Auf Veranlassung von Geistlichen haben sich in unserem Kreise mehrere Zweigvereine der „Frau enhilfe deS Evangelischen kirchlichen Hilfsv ereinS" gebildet. DieLeitung liegt in den Händen der betreffenden Pfarrer. Bekanntlich arbeitet die „Frauenhilfe" unter dem Protektorate Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta Viktoria. Durch die Anstellung von Diakonisten und anderen geeigneten Persönlichkeiten, welch« sich der Pflege der Kranken und Armen in der Gemeinde unter Mitwirkung der „Frauenhilse" widmen, und durch Begründung v»n Gemeindehäusern und anderen, den Bedürfnissen der Gemeinde entsprechenden Licbeswerken strebt die „Frauenhilfe" dem edlen Ziele zu: Die Licbestätigkeit der evangelischen Frauen und
Jungfrauen an den Gliedern der Gemeinde zu wecken und zu organisieren." Vor 15 Jahren trat der segenbringende Verein ins Leben und jetzt zählt er annähernd 800 Zweigvereine. Die JahreSeinnahme übersteigt bereits 250 000 Mk., die in der angegebenen Weise verwendet werden.
Frankenberg, 24. Äug. Ein trauriger Unglücks- fall ereignete sich heute nachmittag hier bei dem Neubau deS Hotels zur Sommerfrische. Eine Kasteler Firma führte die nötigen Asphaltarbeiten auS. Um daS Feuer unter dem ASphaltkestel anzufachen, goß ein Arbeiter unvorsichtigerweise aus einer Kanne Benzol in das offene Feuer. Die Folge davon war, daß die Kanne unter donnerähnlichem Getöse explodierte und eine mächtige Feuersäule emporschlug, wodurch einige Arbeiter schwere Brandwunden erlitten. Am schwersten wurde ein taubstummer Arbeiter dabei betroffen, der im Nu in Flammen stand und am ganzen Körper mit schweren Brandwunden bedeckt war. Der Bedauernswerte wurde mit dem nächsten Zug nach Marburg in die Klinik geschafft. (Hess. Landesztg.)
Aas Zahressest des evanqe'ischen Mundes.
c. Alsfeld,.25. Aug.
Das Fest, von dessen Beginn wir bereits berichteten, nahm einen überaus schönen Verlauf. Gestern nachmittag fanden mehrere Vorversammlungen des Vorstandes des .Hauptvereins, der Delegierten der Zweigvereine und des Festausschusses statt. Abends 8 Uhr wurde dann die allen Evangelischen zugängliche Hauptversammlung in den beiden Sälen des „Deutschen Kaisers" abgehalten. Beide Säle waren bis auf den letzten Platz dicht besetzt, nicht nur aus Alsfeld, sondern auch aus der gesamten Umgegend hatten sich viele Landleute eingefundcn. Unter den Gästen befanden sich auch Kreisrat Dr. Melior und Bürgermeister Ar nold. Realschuldirektor Dr. Pitz und der Vorsitzende des Zweigvereins Alsfeld eröffneten die Versammlung. Namens der Stadt sprachen Bürgermeister Arnold und Beigeordneter Kurtz. Der Präsident des Oberkonsistoriums D. Buchner überbrachte dessen Grüße, D. H erm en s- Magdeburg die Grüße des deutschen Gesamtvereins. Oberlehrer Lic. Herrmann-Darmstadt hielt dann einen fesselnden Vortrag aus Alsfelds Vergangenheit zurzeit der Reformation; das Thema lautete: „D. Tilemann Schnabel, der Freund Luthers und Reformator der Stadt Alsfeld". Er schildert Luthers 'Aufenthalt in Alsfeld nach der Rückkehr vom Reichstag zu Worms, den Uebertritt Schnabels zur Reformation, seine Entlassung und spätere Rückberufiing durch Philipp den Großmütigen und seine Tätigkeit als Superintendent von Oberhessen bis zu seinem 1559 erfolgten Tode. Er wurde in der Walpurgiskirche beigesetzt. Nrcht minder interessant war der Vortrag des Pfarrers Loos von Butzbach, der in seinem Referat „Das Prote st an tische in Schille r", unseren Dichterfürsten als Christ und Bekenner des evang. Glaubens schildert. Es erfolgte darauf der Gesang des Liedes: „Eine feste SBurg". Besonders feierlich gestattete sich die Versammlung durch die Gesangsvorträge des Vereins „Liederkranz", die teils religiösen, teils vaterländischen Inhalts waren.
Heute, Freitag, stimmten schon ftüh um 7 Uhr die Glocken der beiden Gotteshäuser das Festgeläute an, und die Stadtkapelle ließ feierlich vom Turm der Walpurgiskirche Choräle erklingen. Um 8 Uhr hielt der „Hessische Hilfsausschuß zur Förderung der evangel. Kirche in Oesterreich" unter dem Vorsitz des Kapitänleutnants a. D. Grill- Bensheim eine Versammlung ab, in der über den Fortgang der evangelischen Bewegung in Oesterreich berichtet und beschlossen wurde, diese auch fernerhin tatkräftig zu unterstiitzen. Um 9Vs Uhr fand in der Walpurgiskirche Festgottesdienst statt; Pfarrer Berck-Waldmichclbach hielt die Festpredigt. Die Kirche war überfüllt, selbst in den Gängen standen noch die Zuhörer Kopf an Kopf. Der gemischte Kirchenchor trug Gustav Adolfs Schlachtlied „Verzage nicht, du Häuflein klein" vor. Am Schlüsse des Gottesdienstes wurde für die Bundeskasse und die evangel. Bewegung in Oesterreich eine Kollekte erhoben, die 148 Mk. ergab.
Vormittags 10s/4 Uhr begann im Saale des „Deutschen Kaisers" eine weitere Versaimnlung. Der Vorsitzende Pft. Lic. Waitz-Darmstadt, verlas den Jahresbericht über die Tätigkeit und Entwicklung des Bundes für Hessen. Darnach hat der Bund im letzten Jahre an Mitgliederzahl außerordentlich zugenommen, und zwar um ca. 4500 Mitglieder, sie stieg auf etwa 12 200, davon entfallen auf Rheinhessen 4118, Öberhessen 3280, Starkenburg 5520 Mitglieder. Die Zahl der Zweigvereine nahm um 40 zu und stieg auf 97, in Ober Hessen war die Zunahme am st ä r kst e n, es entstanden hier 22 neue Zweigvereine. Der Zweigverein Darmstadt zählt ca. 1700, Worms 902, Friedberg 476, Offenbach 420, Gießen nur 175, Alsfeld 480 Mitglieder. Einschließlich der angeschlossenen Vereine und Mitglieder beträgt die Gesamtzahl fiir Hessen rund 16 600. Pfarrer B e r ck-Waldmichelbach referierte über den „Hessischen Bundesboten", das Organ des Vereins. Dieser hat zurzeit eine Auftage von 15 000 Exemplaren erreicht. Da der Vertrag mit Württemberg dem hessischen Bund Opfer auferlegt, so wird auf Antrag des Referenten beschlossen, vom 1. Jan. 1906 ab den Vertrag zu lösen. Auf Antrag des Vorsitzenden wurde ferner beschlossen, daß das Bundesfest 1906 in Lampertheim stattfinden soll.
Hierauf hielt Landgerichtsrat Schmeckenbecher- Gießen einen Vortrag: „Der sogenannte Toleranzantrag des Zentrums und die moderne Staatside e".
Um 1 Uhr fand ein Festessen statt, bei welchem auf den Großherzog, dcssen Namenstag heute ist, den Kaiser, den evangel. Bund und die Stadt Alsfeld Toaste ausgebracht wurden. Den Schluß der Festlichkeiten bildete eine öffentliche Festversammlung auf dem Lindenplatz, nach dem sich um 3 Uhr ein großer Menschenstrom bewegte, den der geräumige Platz kaum fassen konnte. Der Vorsitzende des Hauptvereins, Pfarrer Lic. Waitz, eröffnete und leitete die Versammlung. Generalsekretär Lic. Bräun!ich-Halle a. S. hielt einen Vortrag über „Die gegenwärtige Lage des Prote st antismus in Oesterreich und Deutschland". Liedervorträge des Kirchengesangvereins wechselten mit Musikvorträgien der Stadtkapelle. Mit den Abendzügen verließen die Festgäste unsere Stadt. Das Jahresfest des Bundes blickt auf ein gutes Gelingen und einen jchöncn Verlauf zurück.
Krrichtsraat.
(n.) Gießen, 25. Aug. Die Strafkammer verkündete heute daS Urteil in der am le et en Freitag verhandelten Sache gegen Heinrich St., Richard Paul K. und Frau Marie H. von
Rödgen bei Bad-Nauheim. Das Schöffengerichtsurteil wurde aufgehoben und die zu Geldstrafen verurteilten St. und K. fteigesprochen. Die vom Schöffengericht sreigesprochene Frau H. wurde der, B cl e id igu n g für schuldig befunden und zu einem Monat Gefängnis verurteilt. — Unter Ausschluß der Oesfentlich- feit wurde gegen den 21 jährigen Maurer Philipp Johann Sch. von Reiskirchen verhandelt. Wie aus dem öffentlich verkündeten Urteil zu entnehmen war, hatte er sich an einem 13 jäIrrigen Mädchen, das sich in der Wohnung einer Freundin befand, in unsittlicher Weise vergangen. Mit Rücksicht auf seinen guten Ruf hielt das Gericht die mäßige Strafe von 6 Monaten Gefängnis am Platze, auf die 14 Tage der erlittenen Untersuchungshaft in Anrechnung zu kommen haben. — Eine 35 jährige Prostituierte Katharine M. aus Burghausen wurde am 18. Juli d. I. nach Verbüßung einer dreijährigen Zuchthausstrafe aus dem Landeszuckthause Marienschloß entlassen. Sie trieb sich einige Tage obdachslos umher und wurde am 25. Juli früh morgens in Dad-Nauheim von einem Schutzmann mit einem verdächtigen Bündel angetroffen, was ihre Festnahme zur Folge hatte. Es stellte sich heraus, daß sie einem Hotelbesitzer einige Tischdecken und 15 Servietten von der Bleiche entwendet hatte, wovon sie einem übelbeleumundeten Individuum, das sich mit ihr im Polizeigewahrsam befand, zwei Tischdecken durch ein in der Zelle befindliches Loch zugesteckt hatte. Da sie eine unverbesserliche Person, insbesondere eine vielfach bestrafte Diebin ist, hielt das Gericht trotz des unerheblichen Wertes eine hohe Strafe für angezeigt und diktierte ihr 2 Jahre und 6 Monate Zuchthaus zu. Polizeiaufsicht und 5 jährigen Ehrverlust wurde ebenfalls für angezeigt erachtet. — In langer Verhandlung und bei geschlossenen Türen hatte sich der 17 jährige Schreinergeselle Karl K. von Ober- Ohmen,, wegen eines Notzuchtsversuchs zu verantworten. Das mit Begründung öffentlich publizierte Urteil lautete auf 1 Jahr und 3 Monate Gefängnis. — Wegen Körperverletzung wurde der Maurer Wilhelm R. von Msfeld zu 10 Monat cm Gefängnis verurteilt und seine sofortige Verhaftung, wegen der Strafhöhe, angeordnet. Er befand sich mit einigen Kameraden im Stadtpark zu Alsfeld, wo ihm sein Stock beschädigt wurde. Darüber aufgeregt, kam er mit dem Sattler Speckt in Wortwechsel, in dessen Verlauf er einen sogenannten „Knicker" aus der Tasche zog und seinem Gegner mehrere Stiche versetzte, die leicht ernste Folgen hätten haben können. Einen Stich erhielt Speckt in die Wange, der das rechte Ohr verletzte, sodaß es mir noch an einem Fetzen hing und auch'die Muschel verletzte; ein anderer kam auf die Brust, der aber nur die Kravatte durchschnitt, und ein weiterer traf die Hüfte, welcher die Kleider durcktrennte. Trotz der geringen nachteiligen Folgen wurde mit Rücksicht auf die Gefährlichkeit der Handhabung des Messers eine erhebliche Strafe für angezeigt erachtet. — Der Maurer Georg W. hier wurde wegen unbefugten Betretens einer Wiese mit einem Strafbefehl von 1 Mark bedacht. Trotz der geringen Strafe erhob er Widerspruch und das Schöffengericht kam zur Verwerfung. Er focht das Erkenntnis an, blieb aber der Bemifungsverhandlung fern, weshalb es bei der Bestrafung sein Bewenden behalten mußte. — Wegen Betretens fremder Felder und Entwendung von Gemüsen, Obst und Holz in 16 Fällen erhielt der Taglöhner Johannes G. hier Strafbefehle in Gesamthöhe von etwa 60 Mark. Das Feldgericht verwarf den von ihm erhobenen Widerspruch; nur in einem Falle ließ es wegen Beweismangels Freisprechung eintreten. Er focht das Urteil an und behauptete, daß die meisten Anzeigen von einem mit ihm verfeindeten Individuum herrühren, der ihn aus Rache in Strafe bringen wolle. Es wurde auch tatsächlich festgestellt, daß beide früher gemeinsam geftevelt haben und daß sie jetzt verfeindet sind. Da der Hauptbelastungszeuge wegen Beteiligung an verschiedenen Straftaten nicht beeidigt werden konnte, hielt es das Gericht für bedenklich, Verurteilung eintreten zu lassen insoweit sich das Feldschutzpersonal nicht von der Richtigkeit der Straftaten hatte überzeugen können, und es mußte deswegen Freisprechung eintreten. Im übrigen wurde das Urteil bestätigt.
Kandek und AerKeKr. Volkswirtschaft.
Disko nterhöhung. Die Möglichkeit einer Diskonterhöhung steht, so schreibt man un5, ziemlich nabe bevor, da aller Voraussicht nach, die Reichsbank seitens des Reiches bald wieder in Anspruch genommen werden dürste. Auch erfährt man, auS informierten Kreisen, daß eine Periode steigender Geldsätze in Sicht ist und für den Herbsttermin die Ansprüche an die Reichsbank erheblicher werden, wie in der gleichen Periode des Vorjahres. Es steht deshalb eine Erhöhung des Disconts voraussichtlich schon in der ersten Halste des September, wenn nicht früher zu erwarten, da im vorigen Jahr bei einem günstigeren Status um dieselbe Zeit ein Diskont von 4 % in Kraft war und der gegenwärtig nur 3 6/0 beträgt. Wird er aber erhöht, so sind jedenfalls 4 % zu erwarten.
Hamburger Brauereien. Für das mit Ende September schließende Geschäftsjahr der Actienbrauereien Hamburgs erwartet man ein günstigeres Ergebnis als i. V. In 1904 hatten die Brauereien mit dem 41/. Monate dauernden Arbeiterausstand zu kämpsen. Die dabei in Betracht kommenden 16 Brauereien verteilen zusammen 20 °/0 Dividende weniger als in 1903. Der in diesem Jahr durchgehend glatt abgeroicfelte Betrieb wie die günstige Witterung dieses Sommers, die eine bedeutende Mehrproduktion bei allen Geschäften zuließen, läßt hoffen, daß bie Nachteile des Jahres 1904 vollständig ausgeglichen sind, umsomehr, da die Hopsenpreise sehr niedrig waren. Auch gegen die Wiederholungen von Störungen im Geschäftsbetrieb haben sich die Brauereien durch den iin März d. I. geschaffenen Boykott-Schutzverband Deutscher Brauereien Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit gesichert.
Märkte.
Gießen, 26. Aug. Marktbericht. Auf heutigem Wocbenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1.15—1.20 Mk., Hühnereier 1 St. 7—8 Vfg. 2 Stck. 00—00 Vfg., Gänseeier 15—00 Pfg., Enteneier 6—7 Pfg., Käse pr. Stck. 6—8 Pf., Kasematte 2 Stck. 5—6 Pfg. Erbsen pr. Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Psg., Tauben pr. Paar0,80—0,90 Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 55—65 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfd. 72—82 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 70—72 Psg., Schweinefleisch pr. Pfund 76—86 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 90 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—80 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—76 Pfg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,00—8,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 8,00—10,00 Mk., Milch per Liter 20 Psg., Aepfel per Zentner 0 bis 0 Mk., in Körben 00 Pfg., Kirschen pr. Pfd. 00—00 Pfg., Zwetschen per Zentner 0.00 Alk. Birnen per Zentner 0 bis 0.00 2)lf. Weißkraut 0.10—0.15 Mk, Marktzeit 7—1 Uhr.
fc. Frankfurt' a. M., 26. Aug. Heu- und Strohmarkt. Man notierte: Heu Mk. 3.50 bis Mk. 3.70, Stroh Mk. 2.00 bis Mk. 2 25. Alles per 50 Kilo. Tendenz: fest.
6
Sommerkur für schlossen). Behaglich eingerichtete MÄß! ava* kleine Anstalt (bis SO Patienten).
Kuja Hu E*» HFn ITw Kotier schattiger Park. Vorzügliche ■■ Rorgsame Verpflegung bei H w M M M W MM 31 ■ engstem Familienanschluss. (D^pen- ■ ™ “ ■ ■ dance für Minderbemittelte ) Pro
spekte franko.
Dr. M. Schnlee-Hfihley.ss. Nervenarzt. Sanatorium Hofheim im Taunus.
Mama läßt iierftich gratulieren
und schickt dir, liebe Tante, sechs Schachteln Fays acht6 Sodener Mineral-Pastillen. Sie sollen dir gut tun, weil du ab und zu an Erkältungen leidest und weil sie dir ganz ge» wiß schnell darüber forthelfen. Papa und wir alle brauchen „Fays Sodener" immerfort und bei uns konnnen darum Erkältungen gar nicht mehr auf. Zum Preise von 85 Pfg. per Schachtel überall zu haben. hvl6/.


