Ausgabe 
26.9.1905 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

25. Kongreß des Deutschen Vereins für Armen­pflege und Wohltätigkeit.

(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)

III.

Mannheim, 22. September!.

Tei? gestrige Tag brachte zunächst noch eine Dampferfahrt aus dem Rhein und durch den Dafen, die Gelegenheit gab, von. der großartigen Entwicklung des Mannheimer Handelsverkehrs einen Eindruck zu empfangen. Am Abend fand in dem gewaltigen Ribelungensaal des Rosengartens eine Festversammlung stau, die den über 5000 Personen fassenden Saal bis zum letzten Platz füllte. Dabei wurden im ersten Teil treffliche musikalische Genüße geboten.

Die heutige Versamnrlung wurde durch Verlesung eines übel-' aus huldvollen Telegramms der Frau Großherzogin von Vaden eröffnet. Zur Verhandlung stand das ungemein wichtige und aktuelle Thema:

Die heutigen Anforderungen an die öffeni^ liche Armenpflege im Verhältnis zur bestehen­den Armengesetzgebung."-

DermiHte».

* Eisenb ahn Unfälle. Am Montag ereignete sich ein schwerer Eisenbahnunfall bei Köln. Eine von Kalk kommende Lokomotive fuhr bei einem Bahnübergang, wo die Barriöre nicht geschloffen war, in einen von Deutz kom­menden Straßenbahnzug, der mit Schulkindern und Beamten dicht besetzt war. Der Motorwagen wurde zer­trümmert, der Anhängewagen aus dem Geleise geschleudert. Eine Person war sofort tot, sieben andere sind lebens­gefährlich verletzt. Nach Aussage des Wärters war die Loko­motive nicht gemeldet. Ein gemischter Zug von Wollin (Pommern) ist in Pritter bei Ostswine infolge Schienenbruches verunglückt. Die Maschine und vier Wagen entgleisten. Mehrere Personen wurden leicht verletzt. In der Nähe von Rutt ek (Ungarn) stieß ein Personenzug mit voller Kraft mit vier durch dem Sturmwind auf das Hauptgeleise ge­triebenen Waggons zusammen. Zwei Reisende wurden bei dem Zusammenstöße getötet, zwei schwer verletzt. Die Lokomotive und mehrere Waggons wurden zertrümmert.

Brände. In Stettin brach im Freihafenbezirk großes Feuer aus, welches umfangreiche Holzlager ergriff. An der Löschung des Brandes beteiligten sich mehrere Dampfer. Um 7s/< Är gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu be­schränken. Die Bretterlager gehören englischen Firmen und waren zumeist bei deutschen Firmen versichert. In Groß- Mierka bei Groß-Strelitz (Schlesien) wütet eine große Feuers­brunst. In kurzer Zeit waren drei Wohnhäuser mit Neben­gebäuden und fünf Scheunen niedergebrannt. Auch Vieh und viele Landwirtschaftsgeräte fielen den Flammen zum Opfer. In Klein-Strelitz wurden 13 mit Erntevorräteu gefüllte Scheunen eingeäschert. In Untcrköditz in Thüringen zündete beim Spielen mit Streichhölzern der fünf­jährige Sohn eines Gutsarbeiters das Kleid seiner Schwester an, die infolgedessen verbrannte. Das Kind wurde als ver­kohlte Leiche aufgefunden.

Zar Nikolaus II. als Spielzeugcrfinder. Von den Sorgen des Herrschcrberufcs, die gegenwärtig auf den Schultern keines anderen europäischen Monarchen mi solcher Schwere lasten wie auf den seinen, ruht Nikolaus II. am liebsten aus im Kreise seiner blühenden und munteren Kinderschar. Hier vergißt er auf Augenblicke und Stunden alle politische Mühsal und nimmt auch wohl selbst Anteil an den Spielen seiner Kleinen. Seine Gemahlin, die Zarin Alexandra, ist, wie man weiß, eine sehr talentvolle Zeich­nerin und sie hat sich oft das Vergnügen gemacht, Spiel­zeug für ihre Kinder selbst zu entwerfen und anfertigcn zu laffen. Es scheint nun, als ob der Zar den Ehrgeiz gefühl habe, es ihr auf diesem Gebiete gleich zu tun. Denn wie man aus St. Petersburg schreibt, hat der Kaiser für seinen einjährigen Sohn, den Zarewitsch, das Muster einer Schlange gezeichnet und eine illustrierte Zeitung ist sogar schon in der Lage, ein Bild dieser Schlange zu veröffentlichen, wie sie ein bekanntes Spielwarengeschäft ausführcn mußte. Mit unbefangenem Auge vermag man freilich nicht zu er­kennen, wodurch sie sich von anderen gleichfalls zu kindlichem

Aus Stadt mrd Amck.

Gießen, 26. September.

Sprechstunden der Redaktion:

121 Uhr mittags, Uhr abends.

Vom Hause Erbach. Der Meldung von der Mesalliance im Hause Erbach wird jetzt angefügt, daß auch zwei jüngere, verstorbene Brüder des 61 jährigen, regierenden Grafen morganatische Ehen schlossen, und zwar der eine mit Fräulein Marie K re dell, die kurz vor der Vermählung .durch großherzoglichc Verleihung den Namenvon Wilden­stein" erhielt, und der andere mit Fräulein AnnaKittner, die durch großherzogliches Diplom in den Besitz des Namen? von Curl" gelangte. Beide Namen sind den gräflich Erbach- Erbachschen Besitzungen entnommen. Das Haus Erbach- Erboch ist bekanntlich die mittlere Linie des einer fränkischen Dynastie entstammenden Gesamthauscs Erbach. Die dritte (ätiere) Linie trägt den Namen Erbach-Fürstenau, während

Zeitvertreibe hergestellten hölzernen Reptilien derselben Art unterscheidet, höchstens könnte dies durch den Kopf sein, der mit einem mächtigen Schnabel versehen ist, wie ihn wohl keine der in BrehmsTierleben" verzeichneten Schlangen­arten besitzen dürfte. Der Körper der Schlange ist schön grün bemalt, und mit weißen und roten Punkten verziert und bei der Auswahl dieser Farben wurde, wie man hört und gern glauben wird, sorgfältig darauf Bedacht genommen, daß sie keine giftigen Stoffe enthalten möchten, da Seine Kaiserliche Hoheit der Thronfolger und Hetman aller Kosaken noch die löbliche Angewohnheit haben, alle erreichbaren Gegen­stände in höchstdcro Mund zu stecken. Daß der Zar ein zärtlicher Gatte und Vater ist, bezweifelt selbst unter den er­bittertsten Gegnern seines Thrones Niemand.

* Ein weiblicher Verteidigeramtierte" bei einer Verhandlung vor der Berufungskammer des Berliner Landgerichts II. Es handelte sich um eine Anklage gegen einen Bauerngutsbesitzer Götze in Köpenick, der fort­gesetzt wegen des ihm streitig gemachten Rechtes zur Benutzung eines über fiskalischen Grund und Boden führenden Weges in Konflikt kam und schon mehrmals freigesvrochcn worden ist, obwohl seit einiger Zeit eine Tafel mit der Inschrift Verbotener Weg" daselbst prangt. Der Angeklagte pocht darauf, daß seine Familie schon zu Zeiten Friedrichs des Großen diesen Weg benutzt habe und auch ein Recht zur Benutzung besitze. Als Verteidiger dieses Rechtes erschien die Schwester des Angeklagten, Frau Gutsbesitzer Rückert, die auf Grund des § 138 der Strafprozeßordnung durch Gerichts­beschluß zugelaffen worden war, weil sie am besten mit den recht verwickelten Rechtsverhältnissen in Gemäßheit ihres Familienarchivs Bescheid wußte. Der weibliche Anwalt, der mit großem Aktenstoß im Saale erschien, erfreute sich einer so zuvorkommenden Behandlung, daß ihn mancher zünftige Kollege darum beneiden konnte. Der Vorsitzende begrüßte denHerrn Verteidiger" durch eine freundliche Verbeugung und auch der auf die folgende Verhandlung wartende Rechts­anwalt bot galant und zuvorkommend der Dame den ersten Platz am Verteidigertische an. Diese erledigte sich übrigens ihrer Aufgabe nicht nur mitGenie und Grazie", sondern auch mit einer bewundernswürdigen Sachkunde und brachte dem Gerichtshöfe die Ueberzeugung bei, daß ihrem Bruder mindestens der gute Glaube innegewohnt habe. Der Gerichtshof erkannte auf Freisprechung.

*Konsumverein für Raucher". Aus Halber« stadt wird berichtet: Im Januar vorigen Jahres suchte ein anscheinend dem Arbeiterstande angehöriger Mann junge Leute zum Unterschreiben eines Bogens zu bewegen mit der Erklärung, wer sich unterschreibe, erhalte in vier Wochen gratis Zigarren zugeschickt, von denen er sich eine Auswahl treffen könne. Der Mann erklärte ferner, er bekomme für jede gesammelte Unterschrift 75 Pfg. Diese Tätigkeit hat der Herr wochenlang mit gutem Erfolg ausgeübt. Im Oktober erhielten nun die Unterschriebenen eine Zustellung des Amts­gerichts Halberstadt, daß sie in das Register einer Genoffen­schaftKonsumverein für Raucher, E. G. in., b. H." ein­getragen worden seien. Auf die Zusendung von Zigarren warten sie noch heute. Dafür erhielten sic vor kurzem durch einen Gerichtsvollzieher eine Zuschrift, wonach der Geschäfts­führer den Konkurs der Genossenschaft angemeldet habe, zu den Terminen niemand erschienen sei und daß der Kaufmann Lesser als Konkursverwalter ermächtigt sei, im Wege der Zwangsvollstreckung von jedemMitglieds" 10 Mk. einzu- treiben. DieGenossenschaftsmitglieder" waren natürlich wie aus den Wolken gefallen und die Zwangsvollstreckung hat auch wohl, da die Mitglieder ganz junge unmündige Bürsch­chen waren, wenig Erfolg gehabt.

* Milchverunreinigung. In etwas humoristischer Form kam auf der Tagung des Verbandes deutscher Milch­händler in Magdeburg eine sehr ernste Sache zur Sprache. Man verhandelte über die Frage der Milchverunreinigung und ihrer Verhütung. Dazu sprach Professor Schloßmann unter dem Gesichtspunkte, daß die Milch leicht den Geruch und den Geschmack von anderen Dingen annehme, in deren Nähe sie aufbewahrt wird. Er hat völlig gereinigte Milch anderen Personen zu trinken gegeben, ohne daß sie von den mit der Milch vorgenommenen Prozeduren Kenntnis hatten. Darauf erklärten ihm diese Personen, es fehle etwas an dein richtigen Geschmack. Nachdem dann Herr Schloßmann ein kleines Körnchen Kuhdünger in die Milch getan hatte, ba sagten die Versuchspersonen: Ja, das ist der richtige Milch' geschmack. Professor Schloßmann zieht daraus den Schluß, wir seien durch Generationen hindurch so an die verschmutzte Milch gewöhnt, daß wir gar nicht wissen, wie reine Milch schmecken muß; wir halten den Mistgeschmack für den richtigen Milchgeschmack. So geht es unS wahr« scheinlich mit vielen Nahrungs- und Genußmitteln.

* Der größte Bahnhof der Welt wird der int Bau begriffene Leipziger 'HauptbahnHof werden. Er wird 85 550 Quadratmeter Grundfläche und 26 Geleise haben Die Kosten betragen 130 Millionen. Bis 1914 soll dir Gesamtanlage im Betriebe fein.

Kannibalisches Menu. Die Frau Direktorin schreibt an ihre Freundin:Teuere Aurora, gestern war bei meinem Sohne Kindstaufe. Um elf Uhr wurde sein Junge getauft und dann kalt gespeist. Wir waren alle recht heiter."

die erstere (jüngere) Linie den Namen Erbach-Schönberg ührt. Der Senior dieser ersten Linie ist mit der Prinzessin Marie vonBattenberg vermählt, deren ältester Bruder Ludwig ein Schwager unseres Großherzogs und der Kaiserin von Rußland ist. Dieser Graf Gustav zu Erbach-Schönberg ist auch sehr nahe dem holländischen Hofe verbunden, indem der älteste Sohn des gräflichen Paares, Erbgraf Alexander, mit der jüngsten Schwester der verwitweten Königin Emma, Mutter s Königin Wilhelmine von Holland, vermählt ist. Das fr ilich Er- bach-Schönbergsche Schloß liegt neben der Pfarr. lieche auf einer Anhöhe in dem kaum 2000 Einwohner zählenden Flecken König, durch dessen Straßen zur Abendzeit in zahl­reichen Prachtexemplaren das Vieh von der Weide gesittet und wohlerzogen nach den heimischen Ställen heimtehrt. Einige Mühlen, mehrere Streichholz- und Zigarrenfabriken, die außerhalb des Städtchens gelegten sind, unterbrechen )urd) den gemäßigten Lärm ihres Betriebes kaum die Stille, die über dem lieblichen Ort lagert, dessen Mittel­punkt in allen Beziehungen ders Schloß ist. JU der inneren Ausstattung teils im Empirestil, teils im Stil der Epoche Ludwigs XVI. gehalten, machen die Schloßräume mit ihrem großen Reichtum an Sepiagemälden italienischer Herkunft einen überaus behaglichen Eindruck, der durch einen Gang in den Park noch erhöht wird. Unter den prachtvollen alten Bäumen, die diesen nach dem Muster italienischer Gartenkunst angelegten Schloßpark zieren, von dem man auf die Wälderpracht des friedlichten Mümling­tals herniedersieht, träumte vor 41/? Jahren die jetzige Königin der Niederlande ihren letzten Mädchentraum.

** Eröffnung derNeubaustreckeStockheim- Helde über gen - Win decken. 'AM 1. Oktober wird, wie schon kurz berichtet wurde, die normalspurige Nebenbahn­strecke Stockheim-Heldenbergen-Windecken mit den Stationen Glauberg, Enzheim, Lindheim, Altenstadt, Höchst a. d. Nidder, Eichen für den Personen-, Güter- und Privatdepeschen­verkehr, sowie für Abfertigung von Leichen und lebenden Tieren eröffnet. Der Haltepunkt Enzheim dient nur dem Personenverkehr.

t. R o d h e i m a. d. Bieber, 23. Sept. Der kommunal­ständische Verband für unseren Regierungsbezirk hat ober­halb Rodheims an der Straße nach Fellingshausen ein größeres Gelände käuflich erworben, um darauf ein Wohngebäude für den hier stationierten Kreisstraßenmeister nebst einem Geräteschuppen zu erbauen. Gleichzeitig ist dabei die Anlage einer größeren Ob st ba umschule vor­gesehen, aus welcher der spätere Bedarf an Obstbäumen für die Kreisstraße gedeckt werden soll. Das Baugelände wurde von demSchmitter ®ut" erworben; der Quadrat­meter wird mit 2 Mk. bezahlt.

v. Bad-Nauheim, 22. Sept. Bis zum 21. Sept. 1905 sind 25 551 Kurgäste angekommen, wovon am genannten Tage noch 2132 anwesend waren. 352 226 Bäder wurden bis zum 21. September abgegeben.

r. Dauern he im, 24. Sept. Heute uachmivttag gegen V23 Uhr fand die Einweihung des neu erbauten Schul­hauses in Gegenwart des Kreisrates Böckmaun, des Kreisschulinspektors Scherer und des Kirchen-, Schul- und Ortsvorstandes, des Baumeisters Kraft und der ganzen Gemeinde statt. Die Weiherede hielt Pfarrer Wol­ke Witz von hier. Hierauf fand die übliche Schlüsselüber­reichung und Besichtigung der beiden Schulsäle und Lehrer­wohnungen statt. Die Bausumme beträgt ungefähr 50 000 Mark.

Tat um ein neues Anleihegeschäft bemüht hat, so kann das lediglich Gegenstand eines Gesprächs gewesen sein zwi­schen dem Minister und dem Führer des Berliner Russen­konsortiums. Herrn v. Mendelssohn. Dieses Gespräch, hat gestern stattgefunden gelegentlich des von dem russischen Staatsmann in seinem hiesigen Hotel veranstalteten Fest­mahls, und es ist begreiflich, wenn Herr v. Mendelssohn die Gelegenheit benutzte, sich zu informieren über die etwaigen finanzpolitischen Wirkungen der Witteschen Konferenzen mit leitenden Mannern der französischen Regierung und Hoch--- finanz. Es gehört keine Prophetengabe dazu, vorauszm- sehen, daß Rußland alsbald eine neue Anleihe wird ab­schließen müssen. Diese Anleihe kann aber ebensowenig wie die früheren auf den deutschen Geldmarkt beschränkt sein, und wenn aus Petersburg gemeldet wird, Witte habe in Paris Fiasko erlitten, so ist das schon um deswillen ganz unwahrscheinlich, als Frankreich dem Verbündeten die sofortige Wiedereröffnung des Kredits in Aussicht gestellt hat für den Fall der Beendigung der Feindseligkeiten. Ver­mutlich handelt es sich bei dieser Meldung um eine Quer­treiberei seitens der Gegner Wittes am Zarenhofe, die in Sorge sind, er könne zu mächtig werden und maßgebenden Einfluß beim Zaren erlangen. Deshalb mag dieser Hof­partei der Empfang Wittes durch Kaiser Wilhelm un­gelegen kommen, wird doch dadurch dem SOHnifter unmittel­bar vor feiner Heimkehr ins heilige Rußland ein wirkungs­volles Relief gegeben.

sK-

Es l

95 «Lßnw*

H * »6* & M*1

Ä"s *

rtiw & M, bet Ltacitc

'S m b-ttiib- URy

S-in« g-it burclch's uitter M gesvrbcrt wn die Gcmemden

,* Geuct v rut S? im Stmtversa

L Nom mr dos, Mi. Referent Im sch, dab eine «teig- fehl von Städten, bedenklicher n der Menbchmdinng, b1 -chit unbed ngl ci Mer die Fürsorge die Reihen des Mit dm Kreis derer, ai chn. Tos würde n >iner solchen wcitg' vürden auch schwere i\t Bedeutung die' leuchtet, daß der Et lichen Armenvflege diesen Gründ der Amenvslege ar ivonds geübt. Red Zuwendungen rechl nehmen. Das würd uendungen auf dc und der Tuberkul armemechtlichen E solche Entwicklung werden können, toei grösserer Verbände dos finamielle Jl ba sonst eine loenii Achten wäre.

emWar. dre der vehordr, tvra Hrn dem müfie die y Empfänger vm v toorfen werden, weitherzig eusgä Vertonen, die sic Eeren Auswen in der Lage sind mutte aber durch werden.

, Referent legt berichterstatter drc als die schönste > wünscht. 1 , Rechtsrat Fle «er bayrischen Ges itvrderungen an bti j? werden. Tatsäcl

Bayern werde du 2 Znzelne Armei kollegiale Beratnna »negschastsrälc über! s LeistnngsuZ »uns sehe die ^aturltch ßfe c

Morse nu§ '

l öffelt worden ege oas Gesek

fr Kn

$orb

B in lin'-ntm"1

lolche» y i«cln,

sei iu^Mtge S keine s der Arbeit CT'intio hkt9cbenb^ $c,|h|ii zu d.'oüale

L^toge mit h rtttcn Ls

Mlaken Achlan AB Niet n l^Udkn

,$t 4^

Hauptversammlung des Hessischen Lehrerturnvereins.

(Schluß.)

An das Schauturnen reihte sich ein Vortrag des LebrerS Zöller- Watzenborn-Steinberg überGuts-Muth s". Guts- Muths ist der Begründer dcS deutschen Schulturnens, er hofft von der richtigen Pflege der Leibesübungen Gesundheit des Körpers und ungetrübte Heiterkeit des Geistes. Die allgemeine Aufgabe des Turnens ist ihm die Gründung einer innigen Harmonie zwischen Körper und Geist. Dem Vaterlande zu dienen ist der Haupt­gedanke, der ihn bei all seinem Schaffen beseelte, er wollte die Jugend heranbilden zum künftigen Wehrmaun. Doch handelt es sich bei Guts-Muths nicht um eine militärische Ausbildung, sondern lediglich um Entwicklung derjenigen körperlichen und sittlichen Eigenschaften, welche der Wehrkraft und allgemeinen Volkskraft förderlich sind. Die Turnkunst galt ihm alsArbeit im Gewände jugendlicher Freude".

Um 2 Uhr sand im Cafö Ebel Mittagessen statt. Landes- /urninspektor Schmuck verlas Begrüßungstelegramme, bezw. Schreiben von Schulrat S i ck i n g e r - Mannheim, Hosrat M a u l- Karlsruhe, dem Leiter des badischen Schulturnens, vom Badischen Lehrerturuverein und Schriftführer D e u b l e r--Bieber; die oberste Schulbehörde, Oberlehrer BackeS-Darmstadt und Kaßlick- Darmstadt hatten ihr Nichterscheinen mit dem Ausdruck des Be­dauerns entschuldigt. In das vom Provinzialdirektor Geheimrat Dr. B r e i d e r t auf Kaiser und Grobherzog ausgebrachte Hoch ftimmtc die Versammlung begeistert ein. Weitere Toaste brachte aus Turuinspektor Schmuck auf die Lehrer und Schulkinder, die am Schauturnen beteiligt waren, Schabe- Mannheim auf den hessischen Lehrerturnverein, Schneider - Heuchelheim aus Landes» Mrninspektor Schmuck.

Nach dem Essen begannen die Hauptoerhandlungen. Der zweite Vorsitzende, L u l e y -Mainz, verlas den Jahresbericht. Da­nach zählt der Verein in neun großen Bezirken 201 Mitglieder und 38 Einzclmitglieder; einen bedeutenden Zuwachs erhielt der Verein in Oberhesseu. Der größte Bezirksverein ist Mainz; Gießen hat 22, Grünberg 32, Lich 29, Büdingen 21 Mitglieder.

Die Nechnungsablage erstattete ebenfalls Luley-Mainz. Die Gesamteinnahmen betrugen 215.20 Mk., davon entfallen aus Oberheffen 113.30 Mk., Starkenburg 20.30 Mk., Rheinheffen 52.20 Mark, die Ausgaben sind 196.80 Mk., der Ueberschuß 66,75 Mk., wozu noch 15.70 Mk. außerordentliche Einnahmen fommen. Nach der Prüfung der Rechnung wurde dem Rechner Entlastung erteilt.

Hierauf erfolgte die Neuwahl des Vorstandes. Nach­dem Lehrer Bach-Großenlinden die hohen Verdienste des ersten Vorsitzenden heroorgehoben hatte, wurde Landes-Turninspektor Schmuck per Akklamation wiedergewählt, zum zweiten Vor­sitzenden wurdeLuley-Mainz mit großer Majorität, zum Rechner Bopp -Nidda, zum Schriftführer Bach -Großenlinden, zum Bei­sitzer Sauerwein -Worms einstimmig gewählt. Bei der Wahl zu Abgeordneten zum deutschen Turnlehrerverein 1907 'm Leipzig wurden außer den genannten Vorstandsmitgliedern gewählt: Jfs- land -Mainz, Wolf -BerSrod, Schneider -Lich. Die Wahl der Ersatzmänner wird den Bezirken überlassen.

Ter Vorsitzende Schmuck kommt daun auf die Frage des schwedischen Turnen? gu sprechen, die zur Zeit die Turn­lehrer Deutschland? beschäftigt. Er erklärt, daß dieses bereits vor 50 Jahren abgetan worden sei, durchaus nicht den deutschen Ver­hältnissen entspräche und höchstens als Heilgymnastik zu verwenden fei, durch seine langsamen Bewegungen aber sich durchaus nicht mit dem srffch-fröhlichen Charakter der Jugend vefirage. Darnach wurde einstimmig folgende Resolution angenommen:

Die Hauptversammlung des Hessischen Lehrervereins be­trachtet das schwedische Turnen als eine Angelegenheit, die längst erledigt ist, und muß sich gegen alle Versuche aus­sprechen, demselben Zugang ins deutsche Turnen zu ver­schaffen, da es in keiner Weise geeignet ist, unser deutsches Schulturnen zu ersehen; auch die Ueberuahme gewisser schwedischer Hebungen müssen wir ablehnen, da sie entweder unästhetisch wirken oder bereits vorhanden sind."

Ferner wurde beschloßen, daß in Zukunst der deutsche Turn- lehreroerein wieder für sich tagen soll, nicht in Verbindung mit dein Verein für Volks- und Jugendspiele; jedem Redner soll höchstens eine Stunde bewilligt werden und die turnerischen Vor­führungen nicht über vier Stunden dauern. Der FrageEin­führung des Turnunterrichts in den Fort- "bildungsschulen" steht die Versammlung wohlwollend gegenüber.

Der Vorsitzende richtet zum Schluß die Bitte an die Versamm­lung, ihn bei der Aufstellung einer T u r n st a t i st i k für Hessen zu unterstützen. Der Vorschlag, den Knaben, die am Schau- lurnen teilnehmen, durch ein kleines Geschenk eine Freude zu be­reiten, fand lebhafte Zustimmung. Es wird beschlossen, daß jedes Kind einen Tierschutzkalcnder erhält.

Als Ort der nächsten Hauptversammlung 1807 wurde Worms bestimmt.

Den Schluß der Versammlung bildete ein Vortrag des Lehrers Wolf-Bersrod über denDeutschen Turn tag in Quedlinburg und die Einweihung des Guts-Muths-Denkmals".