DolMsche TaqesschM.
Die Auflösung der Lotterievereinigung.
Das Großherzogtu-m Hessen mit Oldenburgs und den thüringischen Staaten macht den kleinen und kleinsten Staaten viel Kopfzerbrechen. Jin Landtage des Fürstentums Sch warzbürg-Sondertz hausen teilte der Staatsminister Petersen mit, der A u s'fall durch den Vertrag werde 13 000 Mark betragen, die das Ländchen vorläufig nicht auszubringen weiß. Iü Oldenburg war vertragsmäßig die hessisch-thüringische Lotterie als einzige Ctaatslotterie zugelassen und Oldenburg bezog dafür ursprünglich eine f ä l; r li ch e Ab fi n d un g v v n 1 0 0 0 0 0 Mark. Da der Absatz von Lotterielofen in Oldenburg den Erwartungen nicht entsprach, ward die Summe später auf 70 000 Mk. herabgesetzt. Nun haben, wie die „Köln. Ztg." mitteilt, die hessisch-thüringischen Lotteriestaaten nach M- schluß des Vertrages mit Preußen, der im Jahre 1906 zur Aufhebung ihrer Lotterie führen soll, Oldenburg gegenüber von ihrem Rechte Gebrauch gemacht, von dem Vertrage mit Oldenburg ohne Abfindung zurückzutreten, wenn die hessisch-thüringische Lotterie als solche aufgegeben wird. Wie die Oldenburger diese Summe aufbringen sollen, wissen sie auch noch nicht.
Deutsches Resch.
Kiel, 25. Jnni. Der Kaiser hat zu heute sämtliche in höheren Stellen befindlichen und kürzlich beförderten Marineoffiziere an Bord der „Hohenz ollem" befohlen. Er besichtigte gestern in einer zweistündigen Fahrt die aktive Schlachtflotte. Um 11 Uhr empfing er den Generaldirektor Ballin und den Direktor und Baurat Zimmermann von der Werft Vulkan. Heute vormittag hielt der Kaiser Gottesdienst an Bord der „Hohenzollern" ab. Unter anderen nahm daran der amerikanische Botschafter Charlemagne Tower teil.
— Der im Oktober zusammentretende Landtag des Königreichs Sachsen hat, wie verlautet, von der Regierung eine Wahlrechtsvorlage noch nicht zu erwarten. Die Regierung hat fich mit Prüfung der weit von einander abweichenden Vorschläge befaßt. Sie ist dem Vernehmen nach vorläufig zu dem Schluffe gekommen, keines der vorgeschlagenen Systeme sei als Grundlage eines neuen sächsischen Landtagswahlrechts geeignet. Die nationalliberale Partei im Königreich Sachsen hat in ihrem Wahlaufruf ihre Stellung aufs neue unzweideutig kundgegeben. Danach wird sie sich mit einer Verschleppung der für die Gesundung des politischen Lebens als unentbehrlich geltenden Reform nicht zufrieden geben.
Neustadt a. H., 25. Juni. Der heute hier tagende Verbandstag der kaufmännischen Vereine Badens und der Pfalz nahm einstimmig eine Resolution für die reichsgesetzliche Einführung des Acht-Uhr-Laden- schlusses an.
Freinsheim (Pfalz), 25. Juni. In der heutigen Versammlung des Bundes der Landwirte gab der stellvertretende Vorsitzende, Reichstagsabg. Stauffer, die Erklärung ab, der Bund werde nur Landtagskandidat'en aufftellen, die für den Regierungsentwurf der Wahlgesetzreform eintreten.
Kirche und Schule.
Am 22. dieses Monats trat die Eis en acher Kirch en - konferenz zu einer außerordentlichen Tagung zusammen. Als Mitglieder waren für Hessen erschienen Oberkonsistorial-Präsi- dent D. Buchner und Oberklmsiswrialrat D. Dr. Flöring. Die Besprechung über die ausnahmsweise Zulassung des Einzelkelchs führte dazu, daß die Kirchenkonferenz den Kirchen- regienmgen empfiehlt: Die Gemeinsitte des Gesamtkelchs beim Mendmahl in ihrem Gebiete aufrechtzuerhalten und jeher willkürlichen Einführung des Einzelkelchs mit Entschiedenheit entgegenzutreten, falls aber das Verlangen nach Gestattung desselben auf kirchenordnungsmäßigem Wege bei ihm voraebracht werde, etwaige Ausnahmen nur dann zuzulassen, wenn der gestellte Antrag den Sinn und die Würde des Sakraments unzweifelhaft wahrt und zum Ausdruck bringt.
Was kostet einSchüler? Im Jabre 1902 ewfielen der „Allg. Deutschen Lehrerztg." zufolge zur Schulunterhaltung bei den öffentlichen Volksschulen auf einen Schüler an Gesamtkosten: in Bremen 77 Mark, Hamburg 74 Mark, Lübeck 65 Mk., Königreich Sachsen 50 Mk., Anhalt 50 Mk., Preußen 48 Mk., Hessen 48 Mk., Bayern 46 Mk., S.-Meiningen 45 Mk., S.-Kv- burg-Gotha 45 M?., Oldenburg 44 Mk., Braunschweig 44 Mk., S.-Weimar 43 Mk., Württemberg 42 Mk., Schwarzburg-Sondershausen 42 Mk., Baden 40 Mk., S.-Altenburg 40 Mk., Elsaß- Lothringen 39 Mk., Reuß j. L. 38 Mk, Waldeck 35 Mk. Schwarz- burg-Rudolstadt 33 Mk, Mecklenburg-Strelitz 32 Mk, Reuß ä. L. 30 Mk, Schaumburg-Lippe 28 Mk, Lippe 25 Mk Der Durchschnitt der Ausgaben für einen Volksschüler beträgt sonach im Deutschen Reiche 47 Mk
Keer und Motte.
— 9 2 4 Kaiser-Salutschüsse. Gelegentlich der Einfahrt der Jacht „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord in den Kieler Hafen wurden nicht weniger als 28 Kriegsschiffe passiert. Da nun bestimmungsgemäß jedes Kriegsschiff beim Passieren des Landesherrn mit 33 Schuß zu salutieren hat, so wurde der Monarch mit insgesamt 924 Salutschüssen begrüßt.
— Weils ihm zu heiß war! Ein Beispiel oberbayerischer Gemütlichkeit geht durch die bayerische Presse. In den letzten Tagen fand in Rosenheim die Generalmusterung der stellungspflichtigen Rekruten statt. Alle angehenden Vaterlandsverteidiger waren erschienen, nur einer fehlte. Statt seiner kam ein Brief, folgenden Inhalts: „Lieber Herr General! Ich kann leider zur Generalmusterung nicht kommen. Mir ists zu heiß. Achtungsvoll! Xaver Schmied." Der General hat den Brief nicht beantwortet, aber doch dafür gesorgt, daß der Xaverl eine Abkühlung bekommt.
Sechs, Regimentskommandeure in 3Vi Jahren . . . damit hat das 6. Westpr. Infanterieregiment Nr. 149 in Schneidemühl wohl den Rekord der Geschwindigkeit im militärischen Stellenwechsel erreicht, v. Heugel, Schultze-Aosterfelde, Eberhard, Pflugradt, Frhr. v. Zedlitz-Neukirch und v. d. Lippe sind die Namen der sechs Kommandeure. Der erste, v. Heugel, ist 1902 Generalmajor in Trier geworden, sein Nachfolger Schultze- . i i'rWrfeH>e nach kaum Jahresfrist nach Mörchingen versetzt worden. Eberhard und Pflugradt hatten das,Geschick, als Bezirkskommandeure sortgesandt zu werden, und jetzt ist der frühere Gießener Oberstleutnant V. Zedlitz-Neukirch, der erst am 27. Januar 1905 zum Obersten ernannt worden war, zur Disposition gestellt worden! Im Durchschnitt fällt auf jeden der vier versetzten bezw. verabschiedeten Kommandeure noch nicht ein Jahr. In dem vorliegenden Fall ist besonders auffällig, einmal, daß "berst Schultze-ätlofterfeld^ im Jahre 1903 in derselben Eigen- zu einem anderen Regiinent versetzt worden ist, um später tum BeLirkskonnnandeur in Beuthen ernannt zu werden und daß
bessert Nachfolger, Eberhard und Pflugradt beide Bezirkskomman- deure geworden sind. Da es in der ganzen Armee nur 13 Bezirks komm andos gibt, die mit gewesenen Regimentskommandeuren besetzt werden, so muß es wundernehmen, daß ein einzelnes Regiment dreimal nacheinander Kommandeure erhalten hat, die sich gerade für das Amt eines Bezirkskommandeurs qualifizierten. Interessant wäre eine Zusammenstellung der U m z u gs ko st en, die die sechs Kömmandeure des Regiments 149 in den Jahren 1902 bis 1905 erhalten haben. 1902 kam v. Heugel von Schneidemühl nach Trier und Schultze-K'losterfelde von Oppeln nach Schneidemühl, 1903 derselbe von Schneidemühl nach Mörchingen (Lothringen), Eberhard von Glatze nach Schneidemühl und von da nach Stettin, Pflugradt 1903 von Gnesen nach Schneidemühl, anfangs 1905 nach Stettin, gleichzeitig Freiherr v. Zedlitz- Neukirch von Gießen nach Schneidemühl und jetzt v. d. Lippe von Stargard in Pommern ebendahin. Inzwischen ist Schultze-Klosterfelde von Mörchingen nach Beuthen in Schlesien versetzt worden. Das' ist nur ein Regiment. Die deutsche Infanterie zählt deren 179 abgesehen von Bayern; dazu kommen noch die Kavallerie und Artillerie sowie die Spezialwaffen. Und ähnlich wie beim 149. Regiment geht es bei vielen Regimentern, wenn auch vielleicht nicht >ganz so apg. Wir inGießeNhaben seit 1900 den vierten Regimentskommandeur (Ma- bai, Dewitz, Graevenitz, Lindenau). Ein großer Teil der deutschen Offiziere übt seinen Beruf im Umherziehen aus. Wenn im Reichstage über diese Zustände Klage geführt wird, so entgegnet der Kriegsminister: ,.Dafür bin ich nicht verantwortlich; die Personalangelegenheiten gehören in das Bereich des ^ i H ^ tärkabinetts." Das aber ist dem Lande nickst verantwortlich.
Kolonialpost.
Die Nachricht eines englischen Blattes aus T o k i o , D e u t s ch- land beabsichtige seine Besatzungstruppen von China, ausgenommen die Garnison in Kiautschou zurückzuziehen, ist, wie die „Köln. Ztg." aus Berlin erfährt, völlig unzutreffend. Die Regierung hatte in letzter Zeit keine Veranlassung, der Frage nahezutteteu, wie lange die deutsche Besatzungsbrigade in China bleibt. Selbstverständlich ist nur ein zeitweiliger Aufenthalt in Aussicht genommen. Da aber die Angelegenheit der Besatzungstruppen von den Mächten in gemeinsamer Mmachung geregelt wurde, könnte die Zurückziehung ebenfalls nur nach gemeinsamer Uebereinkunst stattfinden.
Thongefäße und einen Schöpfer, der in einem größeren Topj stand. Die Bronze-Beigaben, zwei sogen. Zinnenringe, zeigen eine gute Technik und sind seltene Stücke. Mehrere aiifgehccfte Flächgräber enthielten eine große Anzahl von Tongefäßen, die leider zerdrüekt waren. Sämtliche Funde gehören der Hallstatt- zeit an, also etwa 800 vor Ehr.
** Die Handelskammerwahl findet morgen, Diens< tag, nachmittags von 2—6 Uhr im Kaufmännischen Vereinshaus statt.
** Der Bezirkslehrerturnverein Gießen hatte am Samstag nachmittag im Cafö Ebel eine Versammlung, bei welcher auch die Nachbarbezirke Lich und Grünberg stark vertreten waren. Lehrer Bach- Großen-Lindew begrüßte die Erschienenen, besonders Turninspektor .Schmuck und Kreisschulinspektor Kleinschmidt, welcher nach Schluß der amtlichen Bezirkskonferenz- in liebenswürdiger Weise als Gast den Verhandlungen mit regem Interesse beiwohnte. Der einzige Gegenstand der Tagesordnung war die Feststellung des Programms für die am Samstag den 23. September l. I. in Gießen stattfindende 2. Hauptversammlung des Hessischen Lehrerturnvereins. Da der Gießener Turnverein in zuvorkommender Weise seine geräumige Halle zur Verfügung gestellt hat, sollen dort vormittags turnerische Vorführungen stattfinden. Dem Turnen wird sich anschließen ein Vortrag von Lehrer Zöller- Watzenborn über Guts-Muths und ein Referat von Wolf- Bersrod über die Versammlung deutscher Turnlehrer in Quedlinburg. Nach einem gemeinschaftlichen Essen der Teilnehmer im Cafe Ebel wird ein kleiner Ausflug die zweite Hauptversammlung beschließen.
** Feuerwehrfest. Heute abend 9 Uhr findet im Cafö Leib die erste Gesamtprobe der vereinigten Gesangvereine statt.
** Der Detaillisten verein beschloß, wie er uns schreibt, in seiner am 22. dss. Mts. stattgehabten Generalversammlung einstimmig, zur Ergänzungswahl der Handels-
Kircherrgesangfcst des Evangelischen Kirchengesang- vereins für das Grotzherzogtunr Hessen.
s. Friedberg, 25. Juni 1905.
Nach 25 Jahren ist der Hessisck>e Kirchengesangverein wieder einmal in Friedberg einget'ehrt. Schon Bei jenem ersten Feste war unser Gießener Kirchengesangverein beteiligt. Außer ihm wirkten diesmal die Vereine von Friedberg, Münzen- berg, Ober-Mockstadt, Orten berg und Vilbel mit. Es war ein schönes buntes Bild als sich diese Chöre unter der Leitung des Kirchenmusikmeisters, Professor Arnold Mendelssohn aus Darmstadt, in dem geräumigen Chor der so schön restaurierten Stadtkirche zur Probe zusammentraten. Und bewundernswert war es, wie rasch sich dieser sehr „gemischte" Chor unter dieser sicheren Leitung auch im Gesang zu einer wohl tuenden Einheit zusammenfand.
Aus der an die Probe sich anschließenden Generalversammlung ist zu erwähnen, daß der Landesverein auch im vorigen Jabre gewachsen ist. Er zählt nun 113 angeschlossene Vereine nebst 9 Chorschulen. Davon entfallen auf Starkenburg 51 Vereine, auf Rheinhessen 35, auf Oberhessen nur 27, von denen zudem noch einige schlafen. Lebhaft angeregt wurde der Zusammenschluß der benachbarten Vereine eines Dekanates und Abhaltung von Dekanatskirchengesangfesten nach dem Vorgang des Dekanates Groß-Gerau. Die Vertreter der Oberhessischen Vereine versprechen, sich um Ausbreitung der Vereinssache in Ober- Hessen von neuem zu bemühen. Ein wichtiger Schritt zur Fortbildung der Organisation wurde dadurch getan, daß der Vorstand auf seinen Vorschlag ermächtigt wurde, vorläufig neun weitere Mitglieder aus ben verschiedenen Teilen des Landes zu kooptieren.
Um ^3 Uhr riefen die Glocken der Stadtkirche zum Festgottesdienst. Die weiten Hallen des Gotteshauses füllten sich mit einer andächtigen Gemeinde von fern und nah. Und nun durchbransten die Gesänge des mächtigen Chores, der, für die Gemeinde unsichtbar, im Chorraume hinter dem alten Letluer ausgestellt war, im Wechsel mit Gesängen der Gemeinde und den vom Altar durch Professor D. Eger verlesenen Vibelworten die Räume der Kirche und fanden einen Wiederhall in den Herzen «der Hörer. Alle Eindrücke faßte der Prediger des Tages, Professor D. Smend aus Straßburg, vielen noch von seiner früheren Tätigkeit in Friedberg in guter Erinnerung, in einer knappen, aber tiefgründigen und geistvollen Predigt über das' Wort Jesu: „Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen", zusammen. Mes in allem: es war ein schöner, erhebender Gottesdienst.
In der sich daran anschließenden Versammlung im Saalbau wurde dann noch manch treffliches Wort geredet, und die versammelten Chöre wetteiferten, die Festgäste mit ihren Liedern zu erfreuen. Man durfte den Eindruck haben, daß die Kirchengesang- vereinssache nach 28 Jahren in fröhlichem Gedeihen steht. Möchte sie nun auch in unserem Oberhessen noch weitere Fortschritte machen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 26. Juni 1905.
** Auszeichnungen. Se. Kgl. Hoh. der Großherzo'g haben dem Oberleutnant im Königl. Württ. Grenadier-Regiment König Karl (5. Württembergischen) Nr. 123, Loeffler, seither im 4. Großh. Infanterie-Regiment (Prinz Karl) Nr. 118, das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Von Sr. Maj. dem Kaiser wurde demBahnschloffer August Feisel in Klein-Linden die silberne Ehrenmedaille für 25jährige treue Dienste verliehen. — Dem bisherigen Ersten Sekretär des Kaiserl. Archäologischen Instituts in Rom, Professor Dr. Eugen Petersen, ist vom Großherzog von Hessen das Komturkreuz 2..Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen worden.
** Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den evangelischen Pfarrer Reeg zu Worms auf sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in den Ruhestand versetzt.
** Die Hundesperre würde am l.Juli d. I. wieder aufgehoben werden, wenn nicht der neuerdings an das Institut für Jnfektionskrankhetten nach Berlin geschickte Kopf eines tollwutoerdächtigen Hundes nach der Untersuchung den Verdacht der Krankheit bestätigt. Wenn wiederum Tollwut festgestellt ist, muß die Sperre bis Oktober verlängert werden.
** Oberhessischer Geschichtsverein. Größere Ausgrabungen wurden dieser Tage wieder unter der Leitung des Konservators Kramer in der Nähe von Klein-Lind en vorgenommen, und zwar im Walde östlich der Main-Weser- Bahn in der Gemarkung Großen-Linden. Hier hat man schon seit der Erbauung der Main-Weser-Bahn eine reiche Fundstätte aus der Hallstattzeit entdeckt. Die Ausgrabungen im Distrikt Fuchsbau vor zirka drei Jahren hatten ein sehr günstiges Resultat: man sand mehrere reichhaltige Gräber. Bei der letzten Ausgrabung im Distrikt Hain wurden dieser Tage vier Gräber, darunter auch ein Skelettgrab, aufgesunden. Die Hügelgräber zeigen Steinsetzung. In dem Brandgrab' sand man neben mehreren schalensörmigen Töpfen auch eine birnförmige Urne mit Knochenteilen und Asche, ferner mehrere
kammer den Kaufmann A. Noll als Kandidaten anstelle des verstorbenen Handelskammermitgliedes Ernst Balser aufzustellen. Bezüglich des zu wählenden Ersatzmitgliedes für deR verstorbenen Herrn A. Katz wurde ebenfalls einstimmig beschlossen, Herrn Max Friedberger als Vertreter der Getreidebranche als Kandidaten zu empfehlen.
** Besitzwechsel. Das Hotel-Restaurant zum Neuen Saalbau ist in andern Besitz übergegangen. Hotelier Bues aus Nordhausen, der dort 8 Jahre lang eine Wirt- chaft unterhielt, kaufte das Anwesen vom seitherigen Beiher, Herrn Schrödel für 249000 Mk. Wahrscheinlich tehen, so hören wir, bauliche Veränderungen bevor; der Restaurant-Betrieb wird weitergeführt. Herr Schrödel gedenkt einstweilen mit seiner Familie hier zu bleiben und demnächst ein anderes Restaurant zu übernehmen.
"Leichenfledderer. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurden einem jungen Manne, der sich in der Anlage auf eine Bank gesetzt hatte und eingeschlafen war, die Taschenuhr, 10 Mk. und der Hut gestohlen.
** Betrüger. Vor einiger Zeit mietete sich qm angeblicher Bahnassistent bei einer hiesigen Familie zur Kost und Wohnung ein, verschwand aber, nachdem er 4 Tage gewohnt hatte, ohne zu zahlen. Die Nachforschungen ergaben, daß es sich um einen stellenlosen fremden Kellner handelt, der sich unter falschem Namen einlogiert und sich den Tttel beigelegt hatte. Dieser Fall zeigt wieder, wie dringend erforderlich die alsbaldige Anmeldung der zuziehenden Fremden ist. Hätte die Vermieterin sofort den Fremden gemeldet, so wäre sie vor Schaden bewahrt geblieben.
pn. Heuchelheim, 24. Juni. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich gestern morgen. Der hiesige Landwirt Phil. Gorr wollte mit einer Kuh in das Unterdorf; er führte sie an einer Kette. Als er aber auf dem schmalen Steg beim Pfarrhaus kam, scheute die Kuh und sprang die 2 Meter hohe Brücke hinab ins Wasser und zog Gorr mit. Dieser wurde durch den Fall auf die Steine schwer verletzt.
pn. Grüningen, 24. Juni. Heinrich Hubler, der Besitzer einer Sandgrube im „Sandberg", arbeitete am.Vormittag unvorschristsmäßig, indem er unten den Sand heraus- wühlte und die oberen Schichten sitzen ließ. Infolgedessen kam der Sand ins Rutschen und er begrub Hudler vollständig. Als man den Vermißten auffand, war er [tot. Der Schädel war vollständig eingeschlagen, außerdem wurden verschiedene Rippenbrüche konstatiert.
f Oppenrod bei Gießen, 25. Juni. Das Bezirks- kriegerfest für den Hassia-Bezirk Gießen fand heute in unserem kleinen Orte statt. Fast sämtliche 35 Vereine des Bezirks Gießen waren anwesend, sowie einige Vereine des angrenzenden Bezirks Lich. Leider brach kurz nach dem Eintreffen der Vereine ein schweres Gewitter los, sodaß das Festprogramm sehr gestört wurde. Erst nach dem Unwetter konnte der Festakt vorgenommen werden, wobei Kreis- amtmann Dr. Hechler dem festgebenden Verein die vom Kaiser gestiftete Fahnenschleife nebst Fahnennagel überreichte. Namens des Hassia-Präsidiums übergab Postsekretär Mayer- Gießen ein Ehrendiplom.
Bad ° Nauheim, 26. Juni. Folgende Unter- Haltungen werden in dieser Woche stattsindcn: Dienstag den 27. Juni, nachmittag und abends aus der Terrasse Kon- zert der Kurkapelle. Abend? Wiener Komponisten-Konzert. Mittwoch nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: ,Monna ®ann"; Donnerstag nachmittag und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle mit Einlageii des Kafleler Künstler ° Waldhorn - Quartetts. Abends im Saale Tanz Freitag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Theater-Vorstellung unter Mit- Willi'.? ^"Kurkapelle: „Don Cesar." Gastspiel des Herrn ^lllialn v. Haxthausen vom Theater de? Westens in Berlin, w 1 f nachmittag und abends auf der Terrasse Konzert ^I”n?UC«apiSe’ SI6enb§ Theater - Vorstellung: „Pension Qchollcr. Dazu Balleteinlagc von Frl. Dathc und Frl. L.ertz vom Erfurter Stadtthcatcr. Sonntag den 2. Juli:
Kurkapelle mit Einlagen des Cornet-Virtuoscn nnn « Ncwyork. Montag den 8. Juli, abends
r« -9 Tm Saale Konzert der Königl. Sachs, unb'
Vess. Kammersängerin Frau Erika Wedekind.
D a r in st ®inc Abordnung der
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