Schrrlstrake 7, Ubrefie für Depeschen: Ln-etger Gietzev. Kernsprechanschluß Nr. 81.
Nr. 147
te«n* außer Sonntag».
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Vesfischen Landwirt die Gietzener Samtlien* Witter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen
Erstes Blatt. 155. Jahrgang Montag 26. Juni 1 @05
Eichener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis «Retzen WW
!»! __________________________ zeigenteN: HanS Beck
Rußland in Sturm und Drang.
Neber die StratzeakSmPse in Lodz, der großen polnischen Industriestadt, am 23. d. M., werden jetzt erschreckende Einzelheiten bekannt:
Am Freitag morgen wurde in vielen Fabriken zunächst noch die Arbeit ausgenommen. Um 10 Uhr begannen jedoch bereits Delegierte, als solche durch rote Krawatten kenntlich, die staatlichen Branntweinläden zu demolieren und anzu- zünden. Zu gleicher Zeit waren Tausende von Arbeitern damit beschäftigt, gewaltige Barrikaden, fast 30 an der Zahl, zu errichten, davon 10 in den Hauptstraßen. Um die Mittagszeit wurde in allen Fabriken die Arbeit eingestellt. In Massen strömten nun die Arbeiter auf die Straßen. In- fanterie, Dragoner und Kosaken rückten heran und räumten die Straßen. Die Arbeiter verbargen sich in den Häusern und schossen aus Fenstern und Türen auf das Militär. Dieses antwortete mit hunderten von Salven auf Häuser und Passanten. ,, .
Die Aufständischen, etwa 60 000 an Zahl, warfen Straßenbahnwagen, Droschken und sonstige Fuhrwerke um und benutzten sie zum Barrikadenbau. Sic waren teilweise mit Gewehren, Revolvern, Messern, Dolchen und anderen Waffen versehen. Die Frauen kämpften mutig an den Seiten ihrer Männer. Das Militär schoß wiederholt auf di- Ausständigen, ohne daß diese ihre Positionen verließen. Zn einigen Teilen der Stadt machten die Aufständischen Gegenangriffe auf die Truppen. Es kam an einigen Stellen zu erbittertem Handgemenge, wobei die Soldaten wütende Bajonnetangriffe auf die Barrikadenkämpfer machten. Von den Dächern herab wurde auf die Truppen geschoßen, Frauen goss-n kochendes Wasser auf die S oldaten. Zn vielen solchen Fällen erzwangen dl- Soldaten die Eingänge in die Häuser, stürmten auf die Dächer und schaffen die Angreifer erbarmungslos nieder. Rach verschiedenen übereinstimmenden Angaben werden die Verluste auf beiden
Der Krieg.
Eine neue Ruffenschlappe.
Aus fin wird amtlich gemeldet: Der Feind, der eine Anhöhe nvrdwcstlilb von Nanschanchmtzu besetzt hatte, wurde am Zsi-te aber hLckig-n Widerstand Di- Stellung wurde Mi ß-
hörten di-Japaner nicht auf zu feu-m. D'^Russe N
88, !LÄ ÄT& Sä «• «•»»--» unbedeutend.
Kleine Meldungen vom Kriegsschandlatze.
$n Washington wird eS nach Reuter als unwahrscheinlich betrachtet, daß der Waffenstillstand zwischen Rußland und Japan abgeschlossen weiche, ehe die Bevollmächtigten Zusammentreffen. Dies ist nicht vor Mitte August zu erwarten.
.Petersburg, 24. Juni. Großfürst Sergei Michailowitsch begibt sich nach Kowno und Kongreß-Polen, um die nach Ost- asien abgehende Feldartillerie zu inspizieren.
London, 24. Juni. Aus Tokio wird gemeldet, daß die Zahl der Russen in der Pobjet-Bay und in Wladiwostok auf 80 000 Mann geschäht wird.
Eine Depesche des „Daily Telegraph" aus Tokio meldet, daß 12000 Russen, darunter ein starkes Regiment Infanterie und 16 Geschütze, Nordkorea räumten. Zwischen Posjätbai und Wladiwostok sollen noch 30 000 Russen stehen.
Der Kommandant von Port Arthur meldet, daß es den japanischen Ingenieuren gelungen ist, den Panzerkreuzer „Bajan" wieder flott zu machen.
Kaperungen.
Nach einer Privatmeldung der „Times" überreichte Graf Lambsdorff dem britischen Botschafter Weisungen der Admiralität an die Kavitäne der russischen Kreuzer mit dem Befehl, künftig keine neutralen Schiffe zu versenken.
Die russische Regierung ließ auf die Nachricht, daß das russische Hvspitalschiff „Orel" von den Javanern genommen sei, unverzüglich durch Vermittelung des Vertreters Frankreichs in Tokio Einspruch dagegen erheben.
Sachalin.
Admiral Alexejew äußerte zu dem Gerücht von dem Ankauf der Insel Sachalin durch Amerika, daß 'diese Idee unmöglich verwirklicht werden könne. Sie wäre ein furchtbarer Mißgriff. ES hieße sich den Amerikanern oder Japanern vollständig in die Hände geben. Die Gefahr ist glrich groß, sowohl vom industriellen wie vom politischen Standpunkt. Mit Sachalin würde der letzte Zutritt zum offenen Meer und das ganze Ainurgebiet aufgegeben. Alle Gerüchte über den Verkauf von Sachalin sind freie Phantasie. Ueber den Friedensschluß erklärte Alexejew, Rußland tritt weder Territorium ab noch wird eine Kriegs-Entschädigung gezahlt. Das stehe fest.
Herr Loomis unterwegs.
Unangenehmes Aussehen erregt in Newyork die Entsendung deS gerüffelten amerikanischen Unterstaatssekretärs Loomis als Ehrengesandter nach Frankreich, um die Gebeine des Admirals Jones abzuholen, und seine beabsichtigte Beförderung zum a m e - rikanischen Botschafter in Tokio, falls Japan seine Gesandtschaft in Washington zur Botschaft erhöht. Loomis soll auch die O^eschäftsfühnlng der diplomatischen Veriretungen in Europa aus ihre Zweckmäßigkeit prüfen. Es verlautet, Roosevelt hätte Loomis beauftragt, eine geheime Mission für das Staatsdepartement durchzuführen. In Beantwortung- einer an ihn gerichteten Anfrage lehnte LoomiS eine Aeußerung darüber ab, ob seine Entsendung etwas mit dem Frieden zwischen Rußland und Japan zu tun habe.
Neue Unterschleife.
Die Zeitung „Wolschkij Listok" berichtet: Der Tabakfabrikant Gneist spendete 6000 Pfund Tabak für die Soldaten im fernen Osten. Der Tabak wurde von der Akzise befreit, seiner Bestimmung gemäß versanht. Inzwischen erhielt die Fabrik die Nachricht, daß der Tabak, anstatt unter die Soldaten verteilt zu werden, in den Läden von Chardin ohne Bandrolle verkauft wurde. Die Bemühungen der Fabrik, die Angelegenheit aufzuklären, hatten keinen Erfolg.
Die Zeitung „Slowv" berichtet, daß der frühere Staatssekretär im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten, Besobrasow, welcher als einer der Hauptansttfter zum Kriege angesehen wird, spurlos verschwunden sei, und zwar infolge Aufdeckung ungeheurer Unterschleife, welche er sich während seiner Tätigkeit als Vorsitzender der „Gesellschaft zur Exploitatton der Wälder in Korea" zu schulden hatte kommen lassen und derentwegen er seines Amtes imb Ranges enthoben und vors Glicht gestellt werden sollte. Besobrasow genoß das besondere Vertrauen des Zaren und der Großfürsten, welche sehr bedeutende Kapitalien in genannter: Unternehmen engagiert hatten.
Die heutige Wummer umfaßt 12 Seite».
Der deutsch-französische Zankapfel.
Das offiziöse französische Telegr.-Bnrocm, die „Agence Havas", meldet:
Nach einer auS Berlin hierher gelangten Mitteilung hat die Unterredung des deutschen Reichskanzlers Fürsten Bülow mit dem französischen Botschafter Bihourd sehr lange gedauert und trug in keiner Weise einen kühlen Charakter. Nichts berechtigt zu der Annahme, daß die diplomatische Besprechung nicht einen normalen Fortgang nehmen werde. ES ist möglich, daß Deutschland eine leichte Enttäuschung darüber verspürte, daß Frankreich sich nicht sofort und ohne Vorbehalt mit der internattonalen Konferenz einverstanden erftärte, aber Frankreich hat keine derartige Unpersöhnlichkeit zur Schau getragen, daß die Besprechungen nicht zum Ziele führen könnten. Namentlich betonte Frankreich oft genug die Absicht, die Souveränität des Sultans unangetastet zu lassen, alS daß darüber ein Zweifel obwalten könne. Die Verhandlungen werden also fortgeführt werden, von feiten Frankreichs mit dem lebhaften Wunsche, daß es zu einer Verständigung komme, welche in Kreisen der Diplomatie nach wie vor für wahrscheinlich gehalten wird.
Der Pariser Korrespondent der „Frkf. Ztg." weiß eine ähnliche in der Tonart friedliche Mitteilung nach Rücksprache mit einem französischen Politiker zu machen. Dagegen behauptet der Berliner Berichterstatter des Londoner „Standard": Die genaue Durchsicht der französischen Note habe ergeben, daß sie für Deutschland unbefriedigender ist, als anfänglich geglaubt wurde. Es könne endgiltig gefaxt werden, das Berliner Kabinett sei nicht geneigt, die einzige Bedingung, welche die Konferenz annehmbar für Frankreich machen würde, nämlich die vorgängige Abgrenzung ihres Spielraumes, zuzugestehen. Weit entfernt, den Wünschen Frankreichs in diesem Punkte entgegenzukommen, beabsichtige die deutsche Regierung, die Gegenforderung zu stellen, daß die französische Regierung ihr marokkanisches Reformprogramm veröffentliche.
S^hr bemerkenswert ist eine Rede des französischen Kriegsminrsters, um so bedeutsamer, als sie vom deutschen offiziösen Delegr.-Bureau verbreitet wird. Die Meldung lautet:
Versailles, 25. Ium. Bei der heutigen Jahresfeier der Geburt deS Generals Hoche hielt Kriegsminister Berte aux eine Rede, in der er u. a. sagte: „Ich will nichts sagen, was eine Anspielung auf die gegenwärtige Stunde sein könnte; und doch, ist eS nicht etwas Verbrecherisches, Furcht , zu säen und Mißtrauen einzuflößen? Ich kann das Gegenteil sagen. Dank der seit 35 Jahren gemachten Anstrengungen ist unser Kriegsmaterial ersten Ranges, unser Proviant voll zur Stelle, und unsere Offiziere können einen Vergleich'mit denen der ganzen Welt aushalten. Frankreich handelt zum Zweck des Fortschritts und läßt sich leiten von dem Gefühl der allgemeinen Freiheit und Brüderlichkeit." „ ,
In einer sozialistischen Versammlung zu Lyon erklärte der Bebel Frankreichs, Jaurös, die marokkanische Frage sei ernst geworden, weil man sich auf ein Gebiet begeben habe, das mit Fallstricken besät sei. Die Sozialisten wünschten niemals ein Mißverständnis zwischen Deutschland und Frankreich. Das englisch-französische Abkommen sei keineswegs gegen Deutschland gerichtet, und wenn England dies glauben "taffe, müsse Frankreich darüber wachen, daß der Sinn des Abkommens nicht entstellt werde. Jaurös sprach schließlich die Ueberzeugung aus, die gegenwärtigen Schwierigkeiten würden gelöst werden, ohne daß der Stolz der Nation verletzt werde.
Auch Herr Bebel selber hat sich hören lassen. Er antwortete auf eine Umfrage der Pariser ,Mie Sozialiste" über die Haltung der deutschen Soziald emokraten einem Kriege gegenüber:
„Die Sozialisten müssen die Kriegsürsache streng öbiekttv prüfen. Ist ihre eigene Regierung der Angreifer, müssen sie ihr die Mittel zur Kriegführung verweigern und dem Kriege mit allen zulässigen Mitteln entgegenarbeiten. Ist aber unser Vaterland angegriffen, dürfen die Sozialisten der Regierung ihre M it w t r k- ii ng nicht versagen. Nimmt der Krieg den Charakter eme^ Eroberungskrieges an, wie es der deutsch-französische nach Sedan war, ist es Pflicht der Sozialisten, sich der Eroberung
Bebel Chatte also im Kriege 1870/71, wenn er etwas zu sagen gehabt hätte, nach der Einnahme Sedans die Hande in den Schoß gelegt, und er würde auch in Zullmft, falls es zu einem Kriege kommen sollte, an ber Seite der Feinde Deutschlands fechten, sobald nach seiner Ansicht die Ursachen ihm nicht behagen. Vielleicht gibt Bebel auch noch Auskunft darüber, wie er sich diese ,Mü>ung Kriegs^ urfachen denkt. Vielleicht in der Form, daß die Regienurg jedem Soldaten in einer Denkschrift die Grunde des Krieges auseinanderfetzt, und es dem Wohlwollen eines jeden überläßt, ob er mitmachen will oder nicht?
Seiten auf 2000 Tote und Verwundete geschätzt, da» runter viele Frauen.
Von den Verletzten blieben die meisten stundenlang ohntz ärztliche Hilfe auf den Straßen liegen, so daß viele ihren Wunden bald erlagen. Die Schreckensszenen, die sich in den Haustoren und in den Höfen abspielten, sind unbeschreiblich. Alsbald wurde das Kriegsrecht proklamiert. Die Verteidigung der Arbeiter war geradezu verzweifelt. Mit Steinen, Trottoirplatten, Ziegelsteinen, Revolvern und Waffen aller Art, auch solchen, die den getöteten Soldaten abgenommen wurden, setzten sie sich zur Wehr. An mehreren Stellen wurden Bomben gegen die Soldaten geschleudert. Jeder Verkehr in der Stadt hat aufgehört. Alle Kaffeehäuser, Restaurants und Hotels wurden geschlossen. Da die Versorgung der Stadt mit frischen. Lebensmitteln unmöglich ist, rechnet man mit dem Ausbruch einer, Hungersnot. Die Lodzer Bahn stellte den Betrieb ein.! Telephon und Telegraph sind vielfach zerstört.
Der Bevölkerung hat sich eine grenzenlose Erbitterung bemächtigt. Im Laufe der Nacht wurden neue Barrikaden errichtet, vom Militär jedoch gestürmt. Die Hospitäler sind von Kosaken bewacht, die den Angehörigen den Zutritt verweigern. Zahlreiche Bürger verlassen in wilder Flucht die Stadt, in der fortgesetzt Plünderungen und Brandstiftungen vorkommen. Das Militär, 6 Regimenter, reicht zur Aufrechterhaltung der Ordnung nicht aus. AuS Warschau wurden als militärische Hilfe zwei Divisionen abgesandt.
Auch am 24. d. Mts. kam eS an verschiedenen Stellen zu blutigen Zusammenstößen. Durch eine gegen eine Truppenabteilung geschleuderte Bombe wurden 4 Kosaken getötet und 16 verwundet. Von der Einwohnerschaft kamen am Samstag achtPersonen um, 12 wurden verletzt. Unter anderen wurde der Chef der Gendarmerie, Oberst Andrejew, schwer verletzt. Das Feuergefecht in den Straßen dauert av; bei der Gasanstalt wurde eine Frau mit ihrer Tochter getötet. Die Kosaken durchsuchen die Taschen der Erschossenen und nehmen alle Wertgegenstände an sich. Es stehen alle Fabriken still. Mit Revolvern bewaffnete Arbeiter durchziehen die Straßen der Fabrikstadt und zwingen die Arbeiter zum Streik. Die Sttaßenbahnwagen werden mit Gewalt gezwungen, zu den Depots zurückzukehren. Unter den Opfern der Gemetzel befinden sich der Lodzer Fabrikant Neumann, ein Fräulein, Zilbarth und Vater, Frau und Tochter des Großindustriellen Ramisch.
Weitere Unruhen.
In Warschau passierte am Samstag abend die Grzy- bowskasttaße eine manifestierende Menge, in der jüngere Personen rote Fahnen trugen. An der Ecke der Wroniagasse^ kam eine Patrouille berittener Gendarmen dem Zuge entgegen. Plötzlich trat ein Unbekannter auS der Menge heraus und schleuderte eine große Bombe in die Patrouille. Mit furchtbarem Knall explodierte die Bombe, ein Pferd wurde getötet, drei Gendarmen sind schwer verletzt. Der Täter entkam in der Verwirrung. In der Wroniagasse wurde ein Geheimagent durch die Arbeitermenge erschossen. Infanterie feuerte in die Menge, wodurch mehre Personen schwere Verletzungen erlitten. Die Arbeiter der Bahndepots und der Werkstätten der Praga-Weichselbahnen wurden durch Fabrikarbeiter gezwungen, die Arbeit einzustellen. Die Arbeiter in allen Bahnwerkstätten der Wienerstation traten in den Streik. Die Bahnen Warschau—Berlin, Warschau—Wien und die Weichselbahnen sind mit Betriebseinstellung bedroht. Militärwachen sollen die Bahnlinien entlang aufgestellt werden.
In der Spinnerei von Schön in Srodula (Polen) brach der Streik aus. Man erachtet den Stteik im Sosnowicer Dombrawaer Jndustriereoier als bevorstehend.
Wie der „Schles. Ztg/ vom 25. aus Czen st och au gemeldet wird, kam es 1/2 Kilometer von der Stadt entfernt abermals zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Arbeitern und zwei Kompagnien Infanterie und einer Schwadron Dragoner. Die Demonstranten flüchteten 'in Kornfelder, von wo auS Revolverschüsse auf die Soldaten abgegeben wurden. Die Soldaten eröffneten nunmehr ein regelrechtes Schnellfeuer, das bis 17g Minuten währte. Die Zahl der Opfer ist noch nicht genau bestimmt; bis jetzt sind 18 Leichen und 42 schwer Verwundete ermittelt.
In Petersburg schossen Soldaten auf den Ministergehilfen des Grafen Lambsdorff, Baron Fredericks, den sie irrtümlich für den Minister Bulygin hielten. Fredericks blieb unverletzt.
Tie Revision der Judengesetze.
Am 21. ds. erfolgte die kaiserliche Bestätigung des vom Ministerkomitee erstatteten Gutachtens betr. die Revision der Judengesetze. Das Ministerkomitee hat der Meinung Ausdruck gegeben, von dem Standpunkte der Regierung aus bestände die richtige Lösung der Judenfrage in der rechtlichen Gleichstellung der Juden mit der übrigen Bevölkerung Rußland«. Jedoch erforderten die sozialen und Rasseeigentümlichkeiten der Juden eine andere Lösung der Frage, weil die rechtliche Gleichstellung der Juden die Interessen der übrigen Bevölkerung verletzen würde und unliebsame Ausbrüche des Volksunwillens Hervorrufen könnte. Das Komitee hat deshalb beschlossen, die Neubearbeitung derIudengesetze einer DeputiertenVersammlung zu überlassen, für die Vorarbeiten aber eine besondere außerbehördliche Konferenz einzusetzen, deren Mitglieder zum Teile vom Kaiser ernannt werden, zum anderen Teile au5 Vertretern von Behörden bestehen sollen.


