Ausgabe 
26.1.1905 Erstes Blatt
 
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ebdrbeit rot t Gespenster, die die Grundlagen des Staates zu zerstören drohten. Vierzig Jahre bestätigten wir, das; alles gut sei: wir sind dermaßen an den Gedanken ^ge­wöhnt, daß jede andere Aenßerung ein Staatsverbrechen Ware. Diese Haltung des zum Sklaven e r n i e d r i g t e n r u s s l- f ch c n Volkes brachte Rußland in eine Krise. Aus dieser kann man nicht durch palliative, halbe Maßnahmen herausgelangen. Rußland ist aus dem Wege zum vollständigen Untergang. Die Gefahr für das Vaterland ist ungeheuer, nicht allein feilens der auswärtigen Feinbc, mit denen wir Kvt im Kampfe liegen, svnderii mi 5 seitens der inneren Feinde, gegen welche die Bureaukratie so lange im Vaterlandc iii scmidlicher Weise gekämpft hat. Die Gefahr liegt in der durch die Aurean- kratie geschaffenen, tief darnicderliegenden allgemeinen ^nlwicr- lung. Die russische Nation ist k ü n st l i ch in ihrer n a t n r - licken Entwicklung ausgehalten. Jeder Organismus gerät dem Tode nahe, wenn das Leben sich nickt mehr regen kann. Das Dariiiederliegen des Landes bringt eine unentrinn­bare Gefahr herbei. Die Vertreter der Semstwos ^rl^Äon Ge­legenheit, ehrlich und frei über die Mißst'ände in Rußland zu sprechen. Die Bureaukraten ergriffen jedoch Maßnahmen, um diese Möglichkeit auszuschließen. Der Präsident der Snnbirker Semstwos beantragte, eine Adresse abzusenden, bte verspricht, gegen die inneren Feinde anzukämpfen, was nickst zur Zustandigreit der Semstwos gehört, und sprach in keiner Weise von den ..- ftönbcm Rußlands. Unsere Pllickt gegenüb-r dem Vaterlande und dem Thron zwingt uns, der Adresse imfcrc Zustimmung ^'versagen und zu erklären, was uns das ^wissen heißt. T^r Präsident laßt dies jedoch nickt zu. Es ist vrrbrecherisck, die Aucpm gegenüber der das Land bedrohenden Gefahr zu verschließen.. Nur gewählte, freie Vertreter würden Rußland aus seiner gegen­wärtigen Lage befreien können. Die Vertreter müßten stets an der Gesetzgebung, der Budgctaufstellung und an der Kontrolle über die Behörde teilnehmen. Sie würden Rußland und dem Kaiser eine neue friedliche und ruhmreiche Bahn weisen.

Der Semstwo von Tauri en sandte folgenden ein­stimmig angenommenen Brief an den Kaiser:

Majestät! Der Semstwo von Taurien beglückwünscht Eure Majestät und .die Kaiserin zur Geburt eines Thronfolgers. Er ist in dem schrecklichen Jahre des grausamen und blutigen Krieges und in dem Jahre schwerer Unruhen im Innern geboren. Daß der Friede im Innern Rußlands und an den Grenzen kommen möge, das sind die besten Wünsche, welche alle russis.cken Unter­tanen für den Thronfolger cn'.ssprechen können. Der Ukas Eurer Majestät vom 25. Dezember gibt uns Hoffnung auf den inneren Frieden, der überall beruht auf der Sicherheit des Gesetzes, der Gleichheit aller Bürger, der Freiheit des Ge­wissens und der Religion, der Freiheit des Wortes, der Presse, der Vereine und der Ver­sammlungen. Majestät! Wir sind davon überzeugt, daß die Erfüllung Ihrer Msichten imb Ihre Unverletzlichkeit nur mög­lich sind, wenn sreigewäblte Vertreter an der Gesetz­gebung teilnehmen. Wir glauben aufrichtig, daß die Ein­heit des Staates und der Nation ein Unterpfand für eine kräftige Entwickelung der produktiven Kräfte deS Landes gibt. Wenn Sie Vertreter der Nation berufen, um an der Gesetzgebung, an der Budgetaufstellung, an der Kontrolle über di? Behörden und an der Ueberwachung und Durchführung d^r Gesetze und Absichten Eurer Majestät teilzimebmen, werden Sic aus Rußland eine Macht schaffen, unbesiegbar nach außen, und im Innern blühend mter dem Lichte des Reckes und der Wahrheit.

Tie Lage im Lande.

Moskau, 25. Jan. Die Arbeit ruht hier heute m 5 0 Fabri ken des eigentlichen Fabrikenstadttcils mit 30000 Arbeitern. In den übrigen Fabriken wurde weitergearbeitet. In den Druckereien herrscht Unruhe. In einigen wurde »die Arbeit niedergelegt. Tie ausständigen Arbeiter gehen heute truppweise durch die Straßen. Eine Versammlung hiesiger Fabrikanten beschloß, an die Regierung ein Telegramm z.u senden, in dem es heißt: Die zur Beratung der gegenwärtigen Lage versammelten Vertreter der Moskauer Industrie bäten, daß die Truppen nicht die Waffen gegen die Arbeiter anwenden, solange die letzteren nicht 'Gewalttätigkeiten verüben oder plündern. Heute nachmittag sammelten sich in der Pfadniükastraße 3000 Arbeiter an, die vom Führer des Militärs vergeblich ausgefordert wurden, auseinanderzugehcn. Die Kosaken eröffneten daraus das Feuer. Mehrere Personen wurden verwundet. Abends war die Ruhe wiederher- gestellt. Die heutige Feier des 15 0jährigen Jubi­läums der Universität bleibt auf einen Gottesdienst in der Universitätskirche beschränkt.

Saratow, 25. Jan. Die Arbeiter in den Werkstätten der Eisenbahn sind in den Ausstand getreten.

Riga, 25. Jan. Der allgemeine Aus stand wurde hier proklamiert. Alle Arbeiter haben sich mit den­jenigen von Petersburg solidarisch erklärt. Die zu den Fahnen einberufenen Soldaten zertrümmerten Scheiben und Laternen. Tie Polizei machte von der Waffe Gebrauch und Zerstreute die Ruhestörer. Nach allen Richtungen wurden Patrouillen entsandt.

*

Moskauer Privatmeldungen zufolge sokl Großfürst Sergiuser stochen worden sein. Die Meldung ist indes bisher von keiner Seite bestätigt worden.

In Dortmund imrrbc am Mittwoch in einer Bürger- Versammlung die'Staatsregierung aufgefordert, en cnrgrf ehe Maßnahmen zu ergreifen, um die Gruben Herren zum Einlcnken zu bewegen. Dann wurde folgende Re­solution angenommen:

Die Büraerversammlung mißbilliat in schärfster Form die durch nichts begründeten polizeilick'n Maßnahmen des Ober­bürgermeisters Schmieding. Sic sieht in der Dopveltlellung Schmiedings als Oberbürgermeister und als Aufsichtsrat der Harpener Gesellschaft eine schwere Gefahr für die Interessen der Bürger der Stadt Dortmund. Tie Versammlung fordert den Herrn Sckmiediua auf, die Konsequenzen zu ziehen und sein Amt als Oberbürgermeister n i c d e,r z u l e g e n. Sollte Herr Sckmiedmg diese Aufforderung ignorieren, so er­wartet die Versammlung von der Regierung, daß sie dem Herrn nahelegt, auf den einen oder anderen Posten zu verzichten.

Am Mittwoch fand auch in Marmelsbagen zwischen Böckum und Herne eine von 2500 Bergleuten besuchte Versammlung statt, in welcher Reichstagsabg. Hu 6 sprach. Er pries die Bedeutung des Vcreinsrechts, Versammlungsrechts und Wahlrechts für die Kultur. Nirr so erkläre es sich, daß der S t r e i k von 220 000 Männern in musterhafter Ordnung verlaufe, während in Rußland ein viel kleinerer Streik das fürchter­lichste Blutbad zur Folge gehabt l^be. Der R-'dn^r forderte die Arbeiter auf, auch weiter dem Volke zu zeigen, wie gesittete freie Staatsbürger es verstehen, einer gerechten Sache zum Siege zu verhelfe. Die Bedeutung der freiheitlichen Erziehung Zeines Volkes sei nie zu hoch anzufcklageu. Dieser Kampf müsse die Gewerkvereine stärken, sie müßten so mächtig w^-deu, daß sie künftig sogar ohn-e Streik die Beseitigung von Mißständen durch­setzen könnten. Der Streik solle auf rein gewerkschaftlichem B"den bleiben, allen Berufsvarteipol-tik'rn, die sich cinmiscken wollen, sei die Tür zu weisen. Der Kampf könne noch Wochen, dauern, aber noch niemals sei bei einem Streik so einhellig die Shm- vathie aller Politischen Parteien auf feiten der Arbeiter gewesen wie jetzt. Er malmt vor Belästigung Arbeitswilliger und zum Gehorsam gegen die Polizei, die gegen die Streikenden fast überall eine freundliche Haltung eiunehm' ganz im Gegensatz Zu der aus Beamten zusammengesetzten Zeckenpoli'ei. Je ruhiger die Arbeiterschaft sich verhalte, um so sicherer sei ihr Sieg.

In Oberhausen und auf anderen Stationen hat die Eisenbahn die dort lageren Kohlen verbraucht, sodaß der sog. Kriegsbestand in F ngriff genommen werden mußte. Tie Firma Krupp, die bisher : ausbrandkoble an die Werkangehörigen abgab, hat dies jetzt wegen Kohlenknappheit eingestellt. Die Härder Bergbaugescllschast hat die Zeche Roland bei Oberhausen still gelegt.

Beim alten Verband sind weit über 100 000 Mk. an Unter­stützung eingegangen, von den christlichen Gewerkschaften 40 000Mk.

Der Zentralverband der Maurer Deutschlands, dessen Sll> in Hamburg ist, beschloß, die streikenden Bergleute mit 20 000 Mark zu unterstützen. *

Wie in Deutschland, scheint sich nun auch in Belgien die AusstandSbuvegun^ gegen den Willen der Führer wuszudehnen. Tie sozialistischen Arbeiter hielten v"rschiedene Versammlungen in M o n s ab, in welcher sie einem Streik entgegentratcn, aber erklärten, daß die ©tubcr.arbeitet um eine Lohnerhöhung bei d-en Direktoren einkommcn sollten. In zehlrü'l'cu Teilen Belgiens ist man vielfach für einen Streik Die Direktion der Kohlen­grube in Gosse lies kündigte Verkürzung der Löhne an. Dar­aufhin treigrrten sich die Arbeiter, die Arbeit fortzusetzen. Bisher ist die Ruhe nicht gestört, dock befürchtet man eine Ausdehnung des Ausstandes.

London, 25. Jan. Infolge des Ausstandes im Ruhr- kohlengebiet erhielten die schottischen Vergwerksbesitzer große Auf­träge für nach Deutschland bestimmte Kohlen. Tie Exportpreise sind seit dem Beginn des Ausstandes um einen ganzen Schilling für die Tonne gestiegen.

L o n d o n , 25. Jan. Der Bericht der kgl. Untcrsuchungs- kommission über die Kohlenvorräte in dem Verein. Königreich wurde heute aiisgegeb-n. Die Kommission zögert zu prophezeien, wie . lange die Kohlenlager voraussichtlich reichen. Tie gegenwärtige jährliche Ausbeute beträgt 230 Millionen Tonnen. Es wird angenommen, daß die zu Gebote stehmden Mittel der untersuchten Kohlenlager 100 000 Millionen Tonnen betragen. Es ist die allgemeine Ansicht der Tistrikts'ommission, daß die gegenwärtige Steigerung der Kohlenförderung nock lange an halt en kann. Die Kommission sieht voraus, daß eine Zeit kommen wird, wo die Steigerung der Förderung lang- iamer wird, daß daraus eine Zeit gleichbleibender Förderung und dann eine allmähliche Abnahme folgen wird. Währmd die Ans- beute in England seit dem Jahre 1870 sich wenig mehr als verdoppelt habe, habe sich der Ertrag in Deutschland mehr als verveirsackt, in Amerika nicyt weniger als verzehnfacht und in allen übrigen Teilen der Erde habe sich der Ertrag ebenso be­deutend erhöht.

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Neues japanisches Ge'chwader.

Tokio, 25. Jan. (Reuter.) Das Marinedepartemenl kündigte die Bildung eines Geschwaders für einen Sp-ezial- dienst an. Einzelheiten wurden nicht angegeben.

Tas baltische Geschwader.

Paris, 25. Jan. Die hiesigen Blätter berichten, daß in russischen Marine kreisen das Gerücht gehe, daß zwischen der Flotte des Admirals Rostdjestwenskh und dem japanischen Geschwader ein Zusammenstoß stattgefunden habe, wobei die Russen einen japani- chen Panzer und zwei Kreuzer in Grund ge­schossen hätten.

Kiel, 25. Jan. Der Dampfer Kronborg ist mit voller Schiffsladung Mehl (20 000 Sack) durch den Nordostseekanal nach dem indischen Ozcan abgegangen, angeblich um die Flotte Nostdjestw-enskys während ihres dortigen Aufenthalts zu verproviantieren.

Die Hullkomission lrat am Mittwoch unter dern Vorsitze o?s Admirals Fournier zu einer öffentlichen Sitzung zusammen. Zeuge B e e ch i n g, der Verwalter der FischerefgesellichasO saa/e ans. daß wäh­rend der Nacht von den Fischerbooten Signale durch rote oder griine Raketen gegeben wurden. Der russische Ver­treter Mandelstam fragte, ob es möglich sei, Torpedw- boote mit Fischerbooten, die keine Segel hätten, zu verwechseln. Der Zeuge erwidert: Nein, das sei unmöglich. Baron Tar'be fragte, ob nicht irgend ein anderes Lchiff zu der Fischerflotte gestoßen sei. Der Zeuge ant­wortete: Nicht ein einziges.

Hieraus wurde der zweite Führer der Fi scher-

L 0 P1 c e v^'uomrtten. erklärte, daß er gerade den

Booten das Signal gegeben habe, die Netze auszuwersen, m nördlicher Richtung ein grünes Licht bemerkte.

Bald darauf nahm er einen Scheinwerfer und Signale wahr, die von d-en Kriegsschiffen kamen, welche, vier bis sechs an der Zahl, auf die Flottille losfuhren und den Kurs nach Sudwetten hatten. Die Schiffe hätten Halt gemachjt, , ^^0)nwerfer aber weiter spielen lasserr. Plötzlich' hatten sie gefeuert. Er ließ hierauf eine grüne Rakete um anzuzcigcn, daß die Fischerboote die Fahrt nQ x >ortsetzten. Granaten und Krtgeln schülgen rings 001/a,uf dem er sich befand, ein. Das Deck wurde vurchlochert. Die Fischer flüchteten erschreckt in die Kabinen. ^er ^ouge fuhr damit fort, grüne Raketen steigen zu lassen, ; um zu Zergen, daß bte Schiffe Fischerboote wären. Es hatte Nebel geherrscht, das Nöeer war stark bewe-gt und alle- dichter waren angezündet, die Laternen bräunten. Alle

3M A^rgarbeiterö rv gnnq.

Der preuß.Staatsenzeige^ meldet: Nackdem die Vertretung der au5jtonbigcn Ruhrbcrglcute, die sogenannte Siebenerkommis- öei ihrer Vernehmung durch die Ministr'rialkommission am iy. .^tmuar und 19. Januar zugesagt hatte, die Unterlagen Wr rhre Ve,chwerden in tunlichster Beschleunigung zu beschaffen, wird me M in ist eri a l kom m i ssi o n am 27. Januar w i e- Dortmund reisen und am folgenden Tage 11 Sf?run g der Siebenerkommission endoiltig TJ2 tnr die Vornahme der Untersuchungen der Be- x ausst.ellen. ^ie Untersuchungen sollen dann ansgngs ^ginnen. G r o ß e R u h e st ö r u n g e n seitens der ^rrnkenden smd Nicht vorge^mmen, dagegen werden sort- s n LaV-h lle von Belästigungen und Mi hand - t?£? l^^lner Arbeitswilliger ans d"m Wege zur Ä?e^elb5t ® l^int. bnfj bie Streif'eitUTii weih^i7 .^tonmaen der öffentlichen Ordnung zu ver-

R Ä Emer Bekanntmachung des Streikkomitees in c welche die Teilnahme an Auf-

StTbAroht ,UntcJriü.,ur,n rind b?r Organisntions-

reaite oeorot,t Für die Lo^nauszahluna wurdm oll" V^rsickts-- «te* 1" »ettojfen Pecbtn^a'ttingen meift S u,,b ^'ssahrz-itkn su »crOTten, bnS bte iUm £obn'm»f'>9 kommenden Aussen- Ermordete it ein italienischer Erd-

Alls ff nichts zu tun hab»n.

H e U a. ,Jt. toitk) vom 25. Jlin QemeTh<,t nrV\*->

* Vergwerksremeren d-s Oberbergamts Dortmund fuhren h"ute von der Gnamtbelegickaft von 24?. 872 Streikenden de/ Aeckini unter und über Tage 49 016 an. Mithin feblen^l94 o--;

195 658 in der gestrigen Schicht. 6^

»ahme der Streikenden um 802 iu verzeichnen 'In em5E(nen Bergrevieren nnb insgesamt unter und $aae emgefahren: In Hamm 343 von 1266 Bergleuten TorLiu 2978 von 14 031, Dortmund II 5513 boit 640 TTT

3909 von 16 817, Recklinghausen-Ost 3338 von 14 992

Haufen-W-st 1546 von 14 026, Witten 3005 von 10 956^?' ringen 1585 von 8588, Süd-Bockum 1767 von 9584

Bochum 3386 von 15 274, Herne 2855 von 16 387 GelsenkirLn 2420 von 15 231, Wattensckmd 3501 von 15 827, C®ll E van 13 465, West-Essen 2738 von 16 512, Süd-Essen -179 U65A 82^ 434 non 9011 nnb Ob. rbaustn 465 von 26 612

Fischer arbeiteten auf Deick. Die Segel waren beigesetzt. Nachdem das Feuern fünf Minuten gedauert hatte, änder. tetr die Fischerboote den KurS und entfernten sich in nord- östlicher Richtung. Von den Kriegsschiffen wurde mit G e w e h r e n und Kanonen geschossen. Die Beschießung dauerte etwa 20 Minuten. Auf die Bemerktmg eines russischen Vertreters, daß zu Beginn der Beschießung kein Schrecken der Fischer bemerkt tourt)e, erwiderte der, Zeuge, man glaubte zuerst, daß von den Kriegsschiffen blind geschossen werde. 1

MMilche Tag eMail.

Die Handelsverträge.

R. Berlin, 25. Jannar. Sämtliche Handelsverträge lverdcn nunmehr, wie wir erfahren, bis Ende nächster Woche an den Reichstag gelangen. Einige Tage später dürfte die Beratung beginnen, an der die Minister der Bundesregierungen vollzählig teilnehmen. Es sind, da guch die Parlamentarier viel auf dem Herzen haben, spannende und anregende Sitzungen zu erwarten, die manchen Politiker nach Berlin locfen werden.

Herr v. Podbielski.

-i- Berlin, $5. Januar. Die Debatten ziim Etat der landivirtschaftliehen Verwaltung hu preuß. Abgeordnetenhaus sind weitaus die behaglichsten, denen man als Hörer beiwohnen kann. Es dringt gewißermaßen kräftige Landluft in die Asphalt-Atmosphäre der Millionenstadt. Der Ton, den die Redner anschlagen, ist frischer, urwüchsiger als bei anderen Gelegenheiteii. Bei dem dröhnenden Klang der Stimme, über den die Agrarier verfügen, bedarf es keiner Austrengiuig den Reden zu folgen. Das Haiiptinteresse fesselt Minister v. Podbielski. Es ist schon erfreulich, ihn mit seinem Heiterkeit und Gutmütigkeit ausstrahlenden 2lntlitz zu sebeu, doppelt erfreulich, ihn reden zu hören. Denn er weiß, bei all seinem warmen Herzen für die Landwirtschaft, den Männern von der Scholle auch tüchtig die unliebsame Wahr­heit zu sagen. Heute z. B. wurde Herr v. Podbielski böse. Er sprach von den geradezu erschreckenden Resul- laten b er F le i s ch b e s ch a u im Nassauischen. Erregt protestierten die nassauischen Landwirte. Wenn Sie mich provozieren", rief Herr v. Podbielski,dann iiuiß ich die Statistik mitteilen". Bis zu 30 Prozent der geschlachteten Rinder wurden beanstandet. Eine Mitteilung, die in der Tat bei derFreizügigkeit deS Fleisches zu denken gibt.

Acer und Blatte.

Berlin, 25. Januar. Der K r o n v r i n z wird noch vor keiner Vermählung mit der Herzogin Eecilie von Mecklenburg zum 'Di n i o r befördert und unter Stellung ü. la suite des 1. Garde- regiinents z. F. in das Regiment der Gardes du Eorps versetzt werben, dessen Komando er als Obe r ft erhalten soll.

Sitzung 6f5 Lrovinzialausschusses.

Als erster Gegenstand kam in der vorgcstrigeu Sitzung bet Antrag ans Entziehung der Approbation der 'Vbamme Guthmcmn zu Ilbenstadt zur Verhandlung. Am 9. September 1904 stellte das Gr. Kreisg^sundheitsamt Friedberg bei dem Kreisamt Friedberg Antrag auf Entziehung des Prüf- ungszeugnisses der Genannten mit dem Bemerken, daß Frau Guthmann schon wiederholt durck ihr Verhalten zu Aergernis Veranlassung gegeben habe, wonach sie nicht mehr geeignet er­scheine, das Amt einer Hebamme zu bekleiden. Das Gr. Kreis­amt Friedberg schloß sich diesem Anträge au, indem es die Angelegenheit dem Proviuzialausschuß zur weiteren Amtshand­lung übergab. Dieser gewann bei der vorgestrigen Verhandlung den Eindruck, daß die Sachlage nicht genügend geklärt sei, imt eine Entscheidung zu treffen und beschloß deshalb, die Verhand­lung zu vertagen und der Antrag stellenden Behörde anheim zu geh n, durch weitere Erhebungen das Beweismaterial zu ver­vollständigen.

Sodann wurde über die Klage des Ortsarmenver« bandesTüdelsheim gegen den Ortsarmcnverband Eckarts- sausen wegen Ersan der Kosten der Unterstützung des Christian S ch i l g c r von Eckartshausen verhandelt. Christian Schildaer, d"r auf einem Gute einen gut bezahlten Dienst als Schweizer innehatte verließ ihn infolge von Streitigkeiten mit den Mitbewohnern seiner Wohnung. Da er eine Familie von vier Köpfen zu versorgen hatte, Arbütsaelegenheit aber an­geblich nickt bekommen konnte, nahm er öffentliche Unterstützung in Anspruch, die ihm vom Ortsarmcnverband Düdelsheim, in welcher Gemeinde seine Schwiegerelteim ansässig sind, gewährt wurde. Er hatte aber noch seinen Unterstützungswohnsitz in Eckarts­hansen, weshalb dieser Ortsarmenverband um Ersatz der Kosten von Düdelsheim ongegangen wurde. Eckartshausen lehnte zwar >de Ersatzforderung ab, erkannte jedoch nachträglich an, daß Sclstldger seinen Unterstützungswohnsitz in Eckartsbausen habe, bestritt aber, daß Schildger im Fragefalle hilfsbedürftig gewesen sei, da er in der Lage gewesen sei, sich und seine Familie ohne Armenunterftühung durchzubringen. In der Verhandlung vorm Provinzialaussckuß w"rdc der Vergleich geschlossen, daß der Orts- armenverband Eckartshansen die gewährte Unterstützung in einem bestimmten Betrag ersetzt, die durch die heutige Sitzung entstan­dene Kosten aber je zur Hälfte von beiden Teilen übernommen werden.

Zuletzt M-Wiirte bett ProvmztalcruSschuk; bie Verlegung ,..e { t e st e l l e in Ranstadt, hier Enteignung von Ok* eines neuen Bahnhofs in der Gemeinde Ranstadt wurde auch ein Teil des Grundstücks der Eheleute Peter 6'all von der Eisenbahnbehörde in Anspruch grnommen. Eine Einigung über freihmdigen Erwerb wurde mit den Eigwitumern nie st erzielt. Die kgl. Eisenbahnbirektion Frankfurt a. M. stellte .^^trag, auf Enteignung des fragt Teils dieses .rnndstücks. Bei der von der L"kalkommission anbcrniintten Tag- mbrt konnte ebenfalls eine gütliche Emigniig nickt herbeigeführt ucr^cn. 4_as, Großh. Kreis amt Büdingen legte bahcr die Aften hem Provmzralanssckusse zur to ei ter en Entfcheibnng vor. Der ^^keute Goll stellte in ber Sitzung des Provinzial-

a'n,'schnsses den Antrag auf Aussetzung ber Entscheidung und Anberaumung eines .rnr»eT»f(fnei'nSte-rrrrinß unter Zuziehnng eines SSüTtek111 ^ Abschätzung ber aus dem zu enteignenben "svrach?' C&|tMmnc- welchem Antrag bei- Provinzial-

Aus Stadt und Land.

Gießen, 26. Ja nun r!905.

rxr Königs. Hoheit der Groß her zog gedenken

nch am -6. b. M. nach Berlin zu begeben unb am 28. früh naf1 arm stabt zurückzukehren. Im Gefolge werben sich leneralabpitant Geueralmajor v. Wachter, 'Flügeladjutant vauptiuann Frtzr. Schäffer v. Bernstein unb Oberleutnant Frhr. o. Massenbach befinben.

E inpfänge. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog empfingen an, 25. Januar u. a. ben Forstmeister Brill von UlSfeld den Professor Schott von Bad Nauheim, ben Hof- lunker Frhrn v. Rorbeck zur Rabenau von Großcn- Buseck, den BauraL Dietzm von Gießen, ben Pfarrer

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