Ausgabe 
22.7.1905 Viertes Blatt
 
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Warschau, 23. Juli. Durch die gegenwärtigen Zu­stände ist daS große vom Staat erhaltene Theater dem Bankerott nahe gekommen. Seit zwei Monaten haben die Künstler keine Gage erhalten.

Ein Gedenktag.

Petersburg, 22. Juli. Heute, am sechsmonatlichen Gedenktage der Januar Unruhen feiern die Arbeiter aller Fabriken, Druckereien, des Bauhandwerks und anderer Berufe. Tausende von Arbeitern aus Kolpino sowie von den Obuchowwerken und aus dem Schlüsselburger Bezirk ver­sammeln sich auf dem Preobraschenski-Kirchhof außerhalb der Stadt. Sehr starke Kosaken- und Infanterie-Abteilungen wurden zum Zwecke der Aufrechterhaltung der Ordnung dahin entsandt. Der Generalgouverneur hatte bereits gestern abend weitgehende Schutzmaßnahmen getroffen. So sind von aus­wärts zur Verstärkung der Garnison weitere Kosaken und Jnfanterietruppen im Laufe der Nacht herangezogen worden. Die Fabrikviertel, besonders die Stadtteile auf Wassillj Ostrom, auf der Narwaer, Moskauer, Petersburger und Wy­borger Seite sind durch starke Truppenkordons abgesperrt. Bis zum Nachmittag liegen keine Nachrichten von ruhe- stärenden Kundgebungen oder Zusammenstößen vor.

Der Minister des Innern ordnete wegen der in der letzten Zeit vorgekommenen Mißverständnisse an, daß von den Regierungsbehörden oder amtlichen Personen herrührende Mitteilungen imRegierungsboten" nur mit Angabe der Quelle, aus der sie stammen, veröffentlicht werden, und daß, wenn die Angabe fortbleiben solle, die Genehmigung des Ministers des Innern eingeholt werden müsse.

Kirche und Schute.

Eine beherzigenswerte Mahnung bat die Schuldeputation zu Höchst o. M. an die Eltern der Schul­kinder gerichtet. Sie lautet: Die Lehrerschaft unserer Schulen bat vielfach die betrübende Wahrnehmung machen müssen, daß die Zahl der Schulversäumnisse am Montag verhältnis- mäßig groß ist, und daß manche Schuler sich an diesem Tage weniger leistungsfähig zeigen als an den übrigen Schultagen. Sie snü> abgespannt, schläfrig und unlustig zur Arbeit. Dieser Tiefstand der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit erklärt sich nur daraus, daß der Sonntag für viele Kinder nicht ein Tag wirklicher Erholung, sondern ein Tag anstrengender und geradezu gesundheitsschädlicher Vergnügungen ist. Wir haben feststellen können, daß manche Schüler am Sonntag nicht rechtzeitig ins Bett "kommen, oder daß ihnen gar alkoholische Getränke verabreicht werden, wenn sie an den Vergnügungen der Erwachsenen teilnehmen. Die von uns beobachteten und in Er­fahrung gebrachten Vorgänge verpflichten uns dazu, an die Eltern unserer Schüler die herzliche Bitte zu richten, bei den <Änrntagsvergnügungen alles zu vermeiden, was geeignet ist, die Erschlaffung der Kinder am Montag oder überhaupt eine ung ihrer körperlichen und geistigen Entwickelung herbeizuflihren.

Versuchsfeld des landwirtschaftlichen Instituts der Landesuniverfität Gießen.

(Original-Bericht desGießener Anzeigers".)

Am Freitag den 14. d. M. empfing das Versuchsfeld des landwirtschaftlichen Instituts Zum ersten Male den Besuch eines landwirtschaftlichen Vereins, des Klubs oberhessischer Landwirte. Leiterwagen mit Fahnen in hessischen und deut­schen Farben und mit GuirlandeN reich geschmückt führten die Be­sucher zunächst nach dem Sortenzuchtgarten auf dem Triebviertel, darauf nach den Sortenanbauversuchen nach Mchlers Hardt im Lahntal und nach Hardthof. Mit lebhaftem Interesse -nahmen die oberhessischen Landwirte von den Versuchen Kenntnis, bei denen die Sorten von Winterweizen, Spelz, Wintexroggen, Som­merweizen, Gerste, Bohnen, Hafer, Zuckerrüben, Dickwurz, Futter­möhren und Wrucken, sowie verschiedener Gräser einer Prüfung unterzogen wurden. Noch "größeres Interesse erregten die Ver­suche zur Züchtung hessischer Weizen- und Roggensorten. Zum Schluß wurden die beiden zu dem Bichler'schen Grundstücke ge­hörigen Höfe in Hardthof und Bichlers Hardt mit ihren inter­essanten Einrichtungen und reichen Viehbeständen besichtigt. Bei dem dann folgenden Imbiß auf der Terasse in Mchlers Hardt wurde Herr Bichler als der tatkräftige Förderer der Versuche des landwirtfchastlichen Instituts gefeiert; ebenso Gutsbesitzer Kftauer-Altenhasslau, der Vorsitzende des Klubs oberhessischer Land­wirte, als des ersten Vereins, der die Versuche des landwirtschaft­lichen Instituts Gießen eines Besuches für wert erachtet habe. Auch Professor Gisevius wurde der Dank dafür ausgesprochen, daß er nach seiner Berufung nach Gießen mit der hessischen praktischen Landwirtschaft in enge Fühlung getreten sei, und somit in dem Institut einen kräftigen Hebel zur tatkräftigen Förderung der hessischen praktischen Landwirtschaft geschaffen habe. Nach fröhlichem Zusammensein fuhren die oberhessischen Landwirte zur Bahn und drückten in den Abschiedsworten an Herrn Bichler wie an Professor Gisevius wiederholt ihre Beftiedigung über das Gesehene und Gehörte aus. Sie schieden mit dem Wunsche, im nächsten und in den folgenden Jahren die Versuche in er­weitertem Maßstabe besichtigen, und die mit dem landwirtschaft­lichen Institute gewonnene Fühlung immer enger knüpfen zu können.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 24. Juli 1905.

** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben em 8. Juli dem Regierungsasseffor Gustav Böß aus Gießen der Charakter als Regierungsrat verliehen. Ernannt wurden zu Regicrungsbaumeistern die Negierungsbauführer Viktor Bla aus Viernheiin, Georg Häusel ait§ Michel­stadt und Georg Witzel aus Kassel.

** Goldenes D oktorjubiläum. Dem seit 1900 von seinen amtlichen Verpflichtungen entbundenen und seit jenem Jahre hier in Gießen, seiner Vaterstadt, wohnenden o. Profeffor der Universität Königsberg in Pr., Geh. Regie­rungsrat Dr. Karl Umpfenbach ist aus Anlaß seines 50jährigen Doktorjubiläums (21. Juli) vom Kaiser der Kronenorden II. Klasse mit der Zahl 50 verliehen worden. Geh. Rat Umpfenbach steht im 74. Lebensjahre. Zuerst war er bei der Obersteuerdirektion in Darmstadt, dann auch im Kataster- und Zolldicnste tätig. 1856 erhielt er hier die venia legendi für Staatswissenschaften. 1864 wurde er ordentlicher Professor in Würzburg. Von 1873 bis 1900 lehrte er in Königsberg i. Pr. Im Studienjahre 1878/79 war er Rektor der Albertus-Universität. 1900 ernannte ihn die Universität Würzburg zum Dr. in disciplinis oeconomico- politicis hon. causa. Sein zweibändigesLehrbuch der Finanzwissenschaft" erschien in mehreren Auflagen. Die philosophische Doktorwürde erwarb er hier in Gießen.

** Jubiläum. Kommerzienrat Heichelheim wird Ende Oktober sein 25jähriges Jubiläum als Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde begehen. Aus diesem An­laß sind von der Gemeinde verschiedene Ehrungen geplant.

^Meisterprüfungen. Als Schlußtermin für die Anmeldung zu den diesjährigen Meisterprüfungen ist der 31. Juli d. Js. festgesetzt worden, worauf wir nochmals aufmerksam macken wollen.

* Die Gießener Wohnungsunterfuchung macht gute Fortschritte. DaS bewies die am Freitag abend im Postkeller" abgehaltene zweite Helferoersammlung. Es stehen jetzt rund 100 Herren in der Arbeit. Von vielen Seiten wurde das verständnisvolle Entgegenkommen der Bewohner­schaft anerkennend hervorgehoben. Es steht zu hoffen, daß Anfang August die Erhebungen in der Hauptsache beendigt sein werden.

** Sachbeschädigung. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurden von der Schutzmannspatrouille in der Südanlage zwei hiesige Leute abgefaßt, als sie an dem Spalier am Gymnasium und an einem Privateigentum die Verzierungen abrissen, wodurch ein Schaden von ca. 60 Mk. entstand. Sie werden die Folgen zu tragen haben.

** Ein Zusammenstoß. Als gestern nachmittag um 4 Uhr ein von Frankfurt kommendes Automobil in der Frankfurterstraße das Uebernachtungslokal passierte, sprang ein Junge von etwa 3 Jahren aus einem Hofe an das Fahrzeug heran und wurde im selben Augen­blick von einem von Gießen kommenden Radfahrer an­gerannt. Radfahrer und Knabe stürzten, dieser bis an die Räder des Automobils. Signale waren von den Fahrern gegeben worden. Glücklicherweise kamen die beiden Gestürzten mit kleinen Hautabschürfungen davon.

*' Die Bismarcksäule, zu der am 29. d. M. auf der Hardthöhe der Grundstein gelegt wird, ist als ca. 12 Meter hoher, quadratischer, verjüngter Turni projektiert, auf dessen Aussichts-Plattform eine Fcuerschale für das bei der jähr­lichen Bismarckfeier anzuzündende Feuer aufgebracht wird. Die Skizze dazu ist von Bauinspektor Becker entworfen worden.

* Besitzwechsel. Die Bauunternehmer Ab ermann u. Kling kauften vor einiger Zeit an der Keplerstraße von Frau Dr. Klewitz 2200 Quadratmeter Baugelände für 47 000Mk. Bauunternehmer Pfaff kaufte von Kommerzien­rat Gail in der Stephansmark für ca. 85 000 Mk. Bau­gelände.

** DerSchw älmer Bau crntanz", das vortreff­liche Gemälde von Prof. Bantzer, das ganz Leben und Bewegung, ganz Sonntagsrausch in wirbelnder Stick- und Staubluft ist, war seither im Kunstsaal des Turmhauses am Brandt zu sehen. Heute ist es im Schaufenster des Herrn C. L. Leib, Kirchstr. 2, übergesiedelt, wo es bis Mittwoch zur Schau gestellt wird.

** Vereinigung von Gießenern in Frankfurt. Dieser Tage fanden sich in Frankfurt a. M. im Faust- Restaurant ca. 35 echte Gießener zusammen, um ihrem Patriotismus durch engen Zusammenschluß Ausdruck zu geben und durch die Gründung einer Vereinigung ihre Anhänglich­keit an die Heimat zu zeigen. In ursideler Stimmung so heißt cs in dem Schreiben an uns weiter bei brillantem Konzert unterstützt vom edlen Gerstensaft unseres Kneipwirtes Römer aus Wieseck gelobten wir treu und fest zu unserem schönen Gießen zu halten.

** Herr Justizrat Weidig schreibt uns namens derF. S. F.":

Der Aufsatz des Herrn Elle zum Feuerwehr-Jubiläum in Nr. 164 d. Bl. macht kurze Richtigstellung nötig, für die ich um gefl. Aufnahme bitte. 1) Herr Elle begabt mich mit dem Ehrenzeichen ftir 25 jährige Dienstzeit. Ich besitze aber diese Auszeichnung nicht und das zwar aus dem einfachen Grunde, weil ich längst keine 25 Jahre gedient habe es müßte denn sein, daß Befehlsjahre doppelt zählten, da ich bei I6V2 Jahren Dienstzeit 151/? Jahre 1. Hauptmann war. 2) Daß die Stadt aus dem durchs Ehr. R. versuchten Putsche Veranlassung ge­nommen habe, das Löschwesen neu zu regeln, ist eine irre Sage. Die Wehr war damals allerdings im Verfall, aber nicht die Stadt war es, die den neuen belebenden Zug, den frischen Geist und tüchtige Schulung in das Korps brachte, die dieses hoben und hernach hoch auszeichneten. Die Stadt tat gar nichts. 3) Es ist ferner eine wundersame Angabe, daß das Feuerlösch­wesen der Stadt seit 1872 unter Leitung des Stadtbaumeisters Stief gestanden habe. Davon hätte doch die Freiw. Feuerwehr auch etwas erfahren müssen. Die aber war schlechthin selbständig und wer sich ihr gegenüber etwa hätte als Chef irgend auf­spielen wollen, dem würbe die lächerliche Rolle rasch gelegt worden sein. Wie hätte daran auch nur gedacht werden können, in vielseitigen Fachstudien und langjährigen Hebungen und Be­tätigungen gefestigten Männern für ihre opferwilligen Dienste irgend einen städtischen Bediensteten vorzusetzen! Unsere Wehr blieb selbständig, bis sie sich aus eigener Entschließung im Jahre 1882 auflöste.

Hierzu bemerkt Herr Elle:

Zu 1) Die Liste der mit den Ehrenzeichen für 25 jährige Dienste ausgezeichneten Mitglieder der Gieß. Freiw. Feuerwehr wurde mir von einem Vorstandsmitgliede mitgeteilt; darin war der Name O. Weidig mit enthalten. Zu 2) Cs steht fest, daß der Stadtvorstand mit den Vorständen beider Feuerwehren über die Neuordnung beS' Feuerlöschwesens verhandelte und damit wohl veranlaßte, daß ein neubelebender Zug in das Korps kam; daß das letztere dabei sein mußte und sein Uebriges tat, ist nicht bestritten worden. Zu 3) Stcchtbaumeister Stief hat alle das Feuerlöschwesen bett. Angelegenheiten so gut und sachlich be­handelt, wie es" ihm unter den damaligen Verhältnissen möglich war, davon konnte ich mich insofern persönlich überzeugen, als ich seit 1879 in meiner Eigenschaft als Berichterstatter desGieß. Anz." den Verhandlungen der Stadtverordneten-Versammlung bei­wohnte. Sich alsEheste der Freiw. Feuerwehren gegenüber auf­spielen zu wollen, wäre ihm allerdings nicht in den Sinn ge­kommen. Daß die Feuerwehr sein Verdienst um das Löschwesen doch nicht so gering anschlug, bewies sie bei der Beerdigung Stiess am 19. Nov. 1891.

(?) ßau6ad), 23. Jult. Ein von Hunderten stark be­suchtes Wald fest hielt heute der hiesige Zweigverein desevangelischen Bundes" auf dem Ramsberg ab. Pfarrer Volp sprach Begrüßungsworte, worauf Oberlehrer Prof. Dr. Stamm aus Gießen eine längere Rede hielt überKaiser Wilhelm I. als evangelischer Christ". Daraus sprach Pfarrer Bräß au§ Darmstadt, von dem Worte aus­gehendWer die Schule hat, hat die Zukunft", über Wesen und Aufgaben der Jünglings- und Jungfrauenvereine und forderte zur Gründung solcher Vereine auf. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch Vorträge des evangelischen Kirchen­gesangvereins und eines Schülerchors, beide geleitet von Lehrer Gerhard.

(.) Friedberg, 22. Juli. Das Groß Herzog s- paar wird anfangs September im hiesigen Schlosse Wohnung nehmen und von hier aus den diesjährigen Kaisermanövern in der südlichen Wetterau beiwohnen. Zurzeit werden im Schlosse Vorbereitungen §um Empfang getroffen. Die HessischeVe r einigen gfürVolks- kunde hat am 4. August hier ihre diesjährige Generakver- sammlung.

N. Unter-Schmitten, 22. Juli. Gestern ertrank das Kind des Uhl II. in der Küche in einem Zuber voll

Waffer. Die Mutter hatte das Kind, ehe sie die Küche ver? ließ, um auf der Straße von einem Krämer etwas zu faufen,1 aus dem Kinderwagen genommen und auf die Erde gesetzt, damit es nicht aus dem Wagen falle. Es hatte sich an den Zuber gemacht und war hineingefallen; es war Jahre alt.

R. B. Darmstadt, 24. Juli. (Eigener Draht- bericht.) Der außerord. Professor an der Universität Halle^ Dr. Arn. Berger wurde zum ordentl. Professor der Site-' ratur und Geschichte, insbesondere für Kulturgeschichte, an der technischen Hochschule zu Darmstadt ernannt. Kreis­schulinspektor Schulrat Dr. Friedolin Wagner hier ist vor­gestern nach längerem Leiden gestorben.

R. B. Darmstadt, 22. Juli. Der Großherzog kam heute vormittag vom Jagdschloß Wolfsgarten nach Darmstadt und begab sich zunächst nach dem Orangeriegarten, wo er die im flotten Gange befindlichen Vorarbeiten für die vom 19. August ab stattfindende Gartenbau-Aus­stellung einer eingehenden Besichtigung unterzog. Später fanden im Residenzschlosse die üblichen Audienzen statt, und dann empfing der Großherzog den Staatsminister Rothe zum Vortrag, dessen Mittelpunkt die Frage der Landtags­verabschiedung bildete. Der Landesherr stimmte, wie wir zuverlässig erfahren, dem Vorschlag der Großh. Regierung zu, den Landtag gegen Ende September nochmals zu einer kürzeren Tagung zu veranlaffen, um den Versuch zu machen, wenigstens noch einige der wichtigsten, noch nicht erledigten Gesetzentwürfe, wie Gemeindeumlagereform und Landwirt­schaftskammer-Vorlage, definitiv fertig zu stellen. Der Schluß des Landtags wird mitte Oktober erfolgen.

(!) Ober-Eschbach (bei Vilbel), 23. Juli. Das zum Andenken an die ruhmreichen Kämpfer des Feldzugs 1870/71 errichtete Kriegerdenkmal wurde hente im Beisein zahlreicher Kriegervereine der hessischen und preußischen Umgegend eingeweiht. Die Weiherede hielt Pfarrer Böll. Ans Anlaß seines 25jährigen Bestehens wnrde dem Krieger­verein gleichzeitig die Kaiserschleife übergeben.

Griesheim a. M., 24. Juli. In der Nacht auf Sonntag brach nach 12 Uhr in der Wachstuchfabrik und Weberei G. m. b. H. in Griesheim a. M. auf bis jetzt un­aufgeklärte Weise Feuer aus. Die Weberei, in der der Brand entstand, ist bis auf den Boden niedergebrannt. Sämtliche Maschinen und die zahlreichen in dem Raume gelagerten Rohstoffe sind zerstört. Die Druckerei ist nur wenig beschädigt. Der Schaden ist trotzdem groß, da gerade die Saison mit bedeutenden Aufträgen begann. Der voll­ständige Fabrikbetrieb wird vorerst nicht aufrecht erhalten werden können, doch ist sofort mit der Wiederinstandsetzung! der Räume begonnen worden. An den Löscharbeiten, die bis morgens 6 Uhr dauerten, beteiligten sich außer der Griesheimer Freiwilligen Feuerwehr die Feuerwehr der Chemischen Fabrik und die Wehren aus Nied und Schwan­heim.

R. B. Wiesbaden, 23. Juli. Der Deutsche Schrift st ellerver band hielt gestern und heute seinen diesjährigen ordentlichen Werbandstag im Hotel zum Kaiser­bad ab. Es waren zahlreiche Vertreter aus Berlin, Leipzig, Frankfurt, Darmstadt, Karlsbad, Wien u. a. O. erschienen. Aus dem Jahresbericht ist hcrvorzuheben, daß der Verband zurzeit 382 Mitglieder, darunter 64 Wiener, zählt und der Voranschlag in Ausgabe und Einnahine mit 3020 Mark balanziert. Eine lebhafte Debatte entspann sich über die Zukunft des Erholungsheims Demminshort hier. Der Ver­band erklärte sich schließllch einmütig dafür, daß die bare Stiftung dauernd und ungeteilt erhalten bleiben soll und wählte einen Ausschuß von 9 Mitgliedern, der über die nutzbringende Verwendung des Erholungsheims ent­sprechende Vorschläge machen soll. Zum 1. Vorsitzenden wurde anstelle des zurückgetretenen Herrn Otto v. Leixner Bürgermeister Dr. R e i ck e - Berlin, zum 2. Vorsitzenden Dr. Li emann-Berlin und zum <Ächatzmeister P f annen- st i e h l - Berlin gewählt, ferner noch 9 Beisitzer. Zmst nächstjährigen Versammlungsort wurde Jena bestimmt.

Kirchhain, 23. Juli. Die Einwohnerschaft unseres nahen KreiZortes R.-Holz hau sen ist durch das plötzliche Vorkommen eines TollwutfalleS unter den Hunden in große Aufregung versetzt. Am Donnerstag wurde der Handelsmann Manuel Bachenheimer von seinem eigenen Hunde gebissen. Alsbald stellten sich bei ihm Krankheits- zcichen ein und der Arzt konstatierte Tollwut. Bachen- heirner ist bereits nach Berlin abgereist, und gestern sind in Holzhausen auf behördliche Anordnung hin sämtliche Hunde getötet worden.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Gemeinderechner Heinrich Bausch VIII. in Langsdorf zog sich durch einen Sturz vom Wagen eine Gehirnerschütterung und schwere innere Ver­letzungen zu, denen er nunmehr erlegen ist.In Holzheim feürrte der dortige Kriegerverein am 23. d. M. ein Kriegersest Mehrere Vereine waren dazu erschienen. In Erbenheim bei Wiesbaden wurde gestern abend der 13jährige Knabe des Gastwirts Merten von erneut Automobil überfahren und ge-, tötet. Das Automobil fuhr in raschem Tempo davon.

Vermißtes*

* Ein Eisenbahnunglück. '2tm 23. Juli entgleiste bei 'Altenberken (unweit Dortmund) nach einer amtlichen Meldung der Personenzug 346 im Tunnel infolge eines ab- gestürzten Gewölbestückes. 17 Personen wurden verletz" ins Aankenhaus überführt. Der Materialschaden i deutend, die Strecke ist gesperrt, die Schnellzüge h umgeleitet. Die 17 verletzten Reis enden kc sämtlich mit Zustimmung' der Aerzte die Heimreise an........

Außerdem wurden verletzt ein Bahnbeamter schwer und drei leicht. Im östlichen Teil des Tunnels" ist im Gewölbe ein größeres Loch, durch das' Gebirgsnrassen herabgestürzt sind und beide Gleise auf etwa 20 Meter Länge verschüttet haben. Wahrscheinlich ist der Einsturz erfolgt durch starken Wasserandrang, hervvrgerufen durch das wiederholte heftige Unwetter und die Regengüsse in letzter Zeit.

Kandek und Verkehr. Kolksrvirtschaft.

Gewerkschaft Gießester Braunsteinwerke vor­mals Fernie, Gießen. Entgegen ihren ursprünglichen Er­wartungen und infolge der schädigenden Einwirkungen durch den Bergarbeiterausstand wird, wie wir in auswärtigen Blattern lesen, die 'Gewerkschaft sicherem Vernehmen nach eine Ausbeute für das erste Vierteljahr nicht zur Ausschüttung bringen. Wie weiter verlautet, wird die Gewerkschaft für das zweite Viertel­jahr eine Ausbeute von 50 Mk. (gegen 75 Mk. im letzten Vierteljahr 1904) verteilen.

Russische Textilindustrie. In Rußland, speziell in Lodz hat sich in dieser Branche eine Besserung bemerkbar gemacht, die darin ihren Ausdruck findet, daß eine große Anzahl Lodzer Textilfabriken ihre Arbeitszeit um eine Stunde verlängern, um die Erledigung der zahlreich einlaufenden Auftrage zu ermög­lichen. Das ganze Reich soll bedeutende Aufträge in die Textll-