Urrsstsche Neuigkeiten.
Der Semstwo-Kongreß.
Moskau, 22. Juli. In der gestrigen Sitzung bet Vertreter des Semstwokongresses wurde eine Resolution gefaßt, in der es heißt:
„Im .Hinblick auf die häufigen Verletzungen der bestehenden Gesetze mässen alte mit friedlichen Mitteln für die Aufrechterhaltung der Menschenrechte eintreten. doch schließt dieses nicht aus, daß bei solchen Gesetzcsüberschreitungen nötigenfalls auch der Obrigkeit der Gehorsam verweigert werde." Tann wurde dcr Entwurf eines Aufrufes an das Volk verlesen, in dem der Gong der jüngsten Ereignisse klargelegt wird und das Volk aufgefordert wird, sich zur Beratung der Volksvertreterfrage in Gruppen zu vereinigen. Gegen diesen Aufruf wurde geltend gemocht, daß er der Kategorie der revolutionären Proklamationen zugczählt werden und auch das Eingreifen der Behörden gegen die Volksmassen Hervorrufen könne. Andere sahen int (Hegenteil in diesem Llufruf ein Gegengewicht gegen solche Proklamationen. Es wurde dann mit allen gegen fünf Stimmen beschlossen, den Aufruf zu erlassen. Die anwesenden Vertreter der Presse brachten einen Protest gegen die jüngsten administrativen Maßregelungen oer Presse ein.
Moskau, 20. Juli. Der Semstwokongreß hielt in der letzten Rächt eine weitere Sitzung ab. In dieser wurde ein Antrag des Fürsten Dolgoruki angenommen, nach dem zu der nächsten Zusammenkunft die Vertreter der Grenzgebiete und Oertlichkeiten, bei denen die Lemstlvoeinrich- tungen noch nicht eingeführt sind, sowie die Vertreter der landwirtschaftlichen und Kreditgesellschaften eingeladen werden sollen. Zur Beschaffung der Mittel der Geschäftsführung wurde beschlossen, jeder Semstwo-Dele- gation 250 Rubel und jeder städtischen einen Beitrag auf- zuerlegen. Ein Vorschlag Kowalewskis, zur nächsten <Ätzung Bauern einzuladen, wurde angenommen. Dagegen fand ein Antrag Karpow auf Einladung von Vertretern von Arbeiterorganisationen keinen Beifall, andern wurde dem Bureau überwiesen. Bezüglich des Ge- etzesprojektes Bulygins wurde eine Resolution angenommen, laß es im höchsten Grade wichtig sei, gerade jetzt Aenßer- ungen der Gesellschaft über die Stellung zum Projekte Bulygins hervorzurufcn. Die Versammlung fand es für notwendig, im Laufe des Juli allerorts Volksversammlungen so zu organisieren, wie es unter den örtlichen Bedingungen möglich sei, und den Versammlungen! die durch den gegenwärtigen Kongreß über das Projekt Bulygins gefaßten Beschlüsse vorzulegen. Die Versammlung nahm den Antrag Rowossilzews an, die Regierung aufzufordern, sie möge im Hinblick auf die Rußland bedrohende Hungersnot die Gouvernementssemstwos mit Verpflegungsmitteln versehen, damit zur Befriedigung der Bedürfnisse der Bevölkerung Semstwoorganisationen gebildet würden. Die Versammlung schob die Erörterung der Frage über- die Gleich st ellung der Frauen in politischen Rechten bis zur Aenderung der Bedingungen des russischen Lebens auf. Die Sitzung wurde uM 3 Uhr morgens geschlossen.
Moskau, 23. Jüli. Im Semstwokongreß führten einige Redner eine so scharfe und leidenschaftliche Sprache gegen das jetzige Regime, daß mehrere kaisertreue Mitglieder den Saal verließen. Ein Redner rief: „Wir stehen vor der Mernative: hie Kaiser, hie Semstwo — ich blribe bei meinem Kaiser." — Im Herbst soll ein zweiter Semstwv- kongreß stattfinden.
Moskau, 23. Juli. Der Semstwokongreß ist geschlossen worden.
Ausstände, Komplotts rc.
Petersburg, 22. Juli. In der Mehrzahl der Zett- ungsdruckercien, Handwerksbetrieben usw. ist ein neuer Ausstand ausgebrochen. Die Gesamtzahl der feiernden Arbeiter beläuft sich auf etwa 150 000. Gewisse Kreise verbreiten/ daß Generalgouverneur Trepow heute in Moskau geweilt und dort ermordet worden sei. Man glaubt damit die Arbeiterschaft zu größeren Kundgebungen zu veranlassen.. General Trepow hat heute mittag regelmäßigen Empfang abgehalten.
— In dem eine Stunde von Petersburg gelegenen Seekurort Sestrorezk versuchten am 22. gegen 500 Arbeiter eine Kundgebung zu veranstalten. Sie lieferten jedoch auf die erste Aufforderung der Landpolizei, eine rote und zwei schwarze Flaggen, die sie mit sich führten, aus und gingen, ohne Widerstand zu leisten, auseinander. In dem Theater desselben Ortes entstand eine große Panik, als jemand das Verlangen stellte, daß für die Opfer vom 22. Januar eine Seelenmesse gelesen werden solle und infolgedesien ein Polizeiaufgebot in den Saal drang. Das Publikum, unter ihm auch Kinder, floh in wilder Angst, die noch durch das Erscheinen von Infanterie gesteigert wurde, ins Freie, da das Gerücht ging, daß die Truppen Befehl hätten, sofort zu feuern.
Odessa, 23. Juli. In Kartamischewka fand ein Zu- sarnmenstoß zwischen dem Militär und einer BauernvVr- sammlung statt, wobei zahlreiche Personen getötet und verwundet wurden. Hundert Verhaftungen wurden vorgenommen.
Paris, 22. Juli. „Petit Parisien" meldet aus Odessa: Infolge Entdeckung eines nmfangreichen Komplotts! unter den Mannschaften der Schwarzen Meer flotte und Angestellten des Arsenals in Sewastopol sind die üblichen Flottenmanöver, welche demnächst stattfinden sollten, aufgegeben worden. Es heißt ferner, daß die Kriegsschiffe desarmiert würden.
Kowno, 23. Juli. In einem hiesigen Regiment» das nach dem Kriegsschauplatz abkommandiert war, ist eine Meuterei ausgebrochen. Der Abmarsch nach der Mandschurei unterblieb.
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Nr. 171
Zweites Blatt
155. Jahrgang
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Die «Sietzener tfantnienbiatter* werden dem ,Anzetger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^«llisch« Caiöettr erschetal monatlich einmal.
Gießener Anzeiger
Montag ÄS. Juli 1905
Rotationsdruck and Verlag der vrühlfchr» UnwerftlütSdruckeret. 5L Laag«, Dietzen.
Redaktion, Expedition n.Druckerei: kchutstr.7.
Tel. Rr. 6L Tel eg Adr. i Anzeiger Dietz«.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.
Bekanntmachung.
Unter dem Schweinebestand des Fr. Bi er au zu Lollar ist ein Fall von Rotlaufseuche festgestellt worden.
Gehöftsperre ist verhängt.
Gießen, den 21. Juli 1905.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Hechler.
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Deutsche Geschwader in nördlichen Gewässern.
Kopenhagen, 22. Juli.
Um 3H» Uhr nachm. begab sich der K ö n i g in Begleitung des Kronprinzen und der Prinzen Karl und Harald an Bord der Jacht „Danebrog", um dem deutschen Geschwader einen Besuch abzustatten. Der König trug Admiralsuniform mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens. Ms der „Dane- brog" anlegte, feuerten die deutschen und die dänischen Kriegsschiffe Salut. Auf den deutschen Schissen „Aegir" und „Fritlyof" paradierten die Mannschaften und brachten beim Vorbeifahren der königlichen Jacht drei Hurras aus. Mle Schiffe haben über die Toppen geflaggt. Um 4 Uhr begaben sich der König, der Kronprinz, die Prinzen und der Marineminister in der königl. Schaluppe zum deutschen Admiralsschiff „Kaiser Wilhelm II." An der Fallreeptreppe wurde der König von dem Großadmiral v. Köster und dem Vizeadmiral Baudissin empfangen. Gleichzeitig hißte das Ad- miralsschiff die dänische Königsflagge. An Bord des Admiralsschiffes^ befanden sich sämtliche Kommandanten der deutschen Schiffe, die dem Könige vorgestellt wurden. Der König besichtigte darauf das Schiff und sprach seine Freude darüber aus, daß das deutsche Geschwader Kopenhagen besucht habe, und daß er schöne Schiffe gesehen habe. Sodann verließ der König mit seiner Begleitung das Schiff und kehrte, in den Hafen zurück.
Die im Hafen liegenden deuffchen und dänischen Kriegsschiffe waren abends glänzend beleuchtet. Es fanden sich viele tausend Einwohner Kopenhagens ein, um das prächtige Bild zu bewundern. Besonders schön waren das beutfd)e 'Admirals- und Vizeadmiralsschiff beleuchtet, die in zahllosen Glühlichtern den gekrönten Namenszug des Königs Christian zeigten. Der dänische Seeoffiziersverein veranstaltete auf Marienly ein Festessen für die deutschen Offiziere. Kontreadmiral Scheller brachte einen Drinkspruch auf Kaiser Wilhelm und König Christian aus. Der deuffche Korvettenkapitän Wedding trank auf die dänische Marine und dankte für den kameradschaftlichen Empfang. Er gab der Hoffnung der deuffchen Offiziere Ausdruck, die dänische Marine bald als Gästin deutschen Häfen begrüßen zu können.
Gestern abend fand auf Schloß Amalienborg Galatafel statt, an der der König, der Kronprinz, die Kronprinzeffin, Prinz und Prinzeffin Waldemare, Prinz und Prinzessin Karl, Prinzessin Luise von Schaumburg-Lippe und Prinz Harald teilnahmen. Ferner waren geladen: Großadmiral von Köster,^ Vizeadmiral Baudissin, Ministerpräsident Christensen, der Minister der auswärtigen Angelegenheiten GrafRaden- Levetzau, der deutsche Gesandte v. Schön, wie die deutschen und dänischen Schiffskommandanten und Stabschefs usw. Der König brachte einen Drinkspruch auf den deutschen Kaiser und die deutsche Marine aus. Die Musik spielte: „Heil Dir im Siegerkranz" Großadmiral v. Köster dankte für brit Empfang, der dem deuffchen Geschwader sowohl vom Könige, wie von den dänischen Behörden und der dänischen Bevölkerung zuteil geworden sei und schloß mit einem Hoch auf den König. Die Musik spielte die dänische Nationalhymne. Die deuffchen Offiziere waren in königlichen Equipagen nach dem Schlosse gebracht worden. Der König verlieh an die deutschen Seeoffiziere zahlreiche Ordensanszeichnungen.
An Bord des Flaggschiffes „Kaiser Wilhelm II." hat heute nachmittag eine Festlichkeit stattgefunden, zu der auch Prinz Waldemar erschienen war.
Göteborg, 23. Juli.
Die Stadt gab gestern abend anläßlich des Besuches des deuffchen Geschwaders ein venetianisches" Fest, an dem Prinz Wilhelm von Schweden teilnahm. Landeshauptmann Lagerbring brachte einen Drin kspruch auf den deutschen Kaiser und die deutsche Marine aus. Der deuffche Vizeadmiral Fi scheltoa st ete aufKönig Oskar, Bürgermeister Sunstedt auf die deuffche Nation. Die im Fjord liegenden deuffchen und schwedischen Kriegsschiffe waren festlich beleuchtet.
Madame Ea France und der russische Bär.
Paris, 23. Juli.
Jtt einer Note des „Temps" über die Unterredung Rittes mit Rouvier heißt
Die russische Regierung ist der Ansicht, daß eine Allianz Ait Frankreich ihr die Verpflichtung a ufert ege, das französische Käbinett über ihre Anschauungen inbetreff der bevorstehenden Fviedensverhandln na en zu unterrichten. Mich die finanziellen Seiten dieser Frage sowohl für die nähere wie für die weitere Zukunft wurden erörtert. Im übrigen wurde dre Uebereinstimmung derbeiden Regierunge n betreffs der unversehrten Aufrechterhaltung des Bündnisses festgestellt. Dasselbe wurde als ebenso wünschenswert wie ie anerkannt, da es den Einklang der russische:: und französischen Politik auf veffchiedenen Gebieten sichern solle, wo sich die beiden Staaten gegenseitig diplomatischen Bei st and leisten köimen.
Deutsches Reich.
Berlin, 22. Juli. ' Auf Anordnung des Kaisers werden demnächst an den Wandflächen der Cadiner Gutskapelle die TrauungSsprüche des Kaiserpaares und des Kronprinzenpaares, sowie die Konfirmations- sprüche der kaiserlichen Kinder angebracht werden. Die Kaiserin ließ sich dieser Tage von dem Elbinger Maler Brandt einige Muster für die Spruchbänder vorlegen und traf dann selbst eine Auswahl aus den Vorlagen, die sie dem Kaiser zur Ansicht zusandte.
Freienwalde a. d. D., 22. Juli. Bei der gestern erfolgten Reichstags-Stichwahl wurde Prof. Pauli- t Eberswalde (Re i cb s p.) mit ü?48 Stimmen gegen den Stadt
verordneten BrunS-Berlin (Soz.), der 7590 Stimmen erhielt, gewählt. (Da bei der Hauptwahl die auf die Kandidaten entfallene Stimmenzahl runb 6300 und 6200 betragen hatte, haben sich die 3500 freisinnigen Stimmen geteilt, dem Reichs- parteiler ist aber der größere Teil zugefallen.)
Bocholt, 23. Juli. Gegen die Kritik der Presse sind hier die Stadtväter recht empstndlich. Stadt. Kommerzienrat Schwartz ersuchte in der letzten Sitzung den Bürgermeister Geller, Anordnungen zu treffen, daß in den Berichten kritische Anzapfungen unterblieben; persönliche Anzapfungen und parteiische Bemerkungen zu machen, sei nicht gestattet. Diesen Ausführungen schloß sich Stadtv. Wiethold an. Der Bürgermeister sagte, irgend einen Druck könne und wolle er nicht ausüben, da man sonst der Meinung sein könne, er wolle eine Kritik unterdrücken. Die Stadtverwaltung sei im allgemeinen so gestellt, daß sie eine Kritik gut aiishalten könne. Wenn die Berichte einmal falsch seien, so läge das daran, daß es schwer sei, sich plötzlich in die Dinge, die im Kollegium zur Sprache kämen, hineinzudenken. Stadtv. Marx erwähnte, ein hiesiger Redakteur habe ihm geklagt, daß es bei der unparlamentarischen Führung der Verhandlungen oft nicht möglich sei, den Verhandlungen zu folgen, wenn alle Redner zusammen sprächen. Er bat deshalb, die Verhandlungen streng parlamentarisch zu führen.
Elbing, 23. Juli. Zur Einweihung des Denkmals Kaiser Wilhelms I. trafen die Kaiserin, die Prinzen Eitel Friedrich, Adalbert und Oskar heute hier ein. Zur Feier waren u. a. noch erschienen Kultusminister Dr. Studt und Füfft zu Dohna-Schlobitten. Prinz Eitel Friedrich legte einen Kranz am Denkmal nieder. Um 121/3 Uhr erfolgte die Abfahrt der Kaiserin nach (Sabinen. Die Prinzen Eitel Friebrich unb Abalbert nahmen an bem Festmahl teil, bei dem Prinz Eitel Friebrich eine Ansprache hielt, bie in einem Hurra auf den Kaiser auSklang. Oberbürgermeister Elbitt, ber zum Geh. RegierungSrat ernannt würbe, brachte ein Hoch auf bie beiben Prinzen aus. Im Namen ber Gäste bankte Minister Stubt in einer Rebe, in ber er bie Erwartung aussprach, daß ber Elbinger Stabt- unb LanbkreiS ber Regierung in ben Ostmarken treu zur Seite stehen werbe.
Stuttgart, 22. Juli. Die Kammer der Stanbes- herren hat in ihrer heutigen Sitzung bie Forberung von 50 000 Mk. für bie Vorarbeiten zur Necka rka nalif at i on zugestimmt. Ebenso ist ber Kammer ber Resolution ber Abgeordnetenkammer gegen bie Erhebung von Schisfahrts - abgaben auf bem Rhein einstimmig beigetreten.
Koburg, 23. Juli. Unter bem Geläute sämtlicher Kirchenglocken unb bem Kanonenbonner der Feste Koburg hielt vormittags halb 10 Uhr Herzog Karl Ebuard seinen Einzug in bie Stabt. Von Schloß Callenberg fuhr der Herzog durch bie reichgeschmückten Straßen, in benen bie Schulen, Vereine unb Korporationen Spalier bildeten und eine nach Tausenden zählende Volksmenge ben Landesherm jubelnb begrüßte. Vor bem Schlosse Ehrenburg schritt ber Herzog bie Front ber Ehrenkompagnie ab unb begab sich in das Schloß, wo er von ben anwesenben Fürstlichkeiten empfangen würbe. Um 10.15 Uhr wurde ein FestgotteSdienst abgehalten.
Keer und Motte.
Straßburg i. E., 23. Juli. Dem Vernehmen nach werden im kämmenden Frühjahr das JnfanterieregimeM Nr. 126 von Straßburg nach Zabern, das Infanterieregiment Nr. 99 von Zabern nadj Dudenhofen und ein dortiges nach Straßburg ver- legt.
andere leichtere Speerwunden erhalten. Die Papuas wurden verjagt, fünf von ihnen getötet.
Paris, 23. Juli. Bezüglich der Frage der Entsendung eines französischen Geschwaders nach den Vereinigten Staaten haben Rouvier und Thomson nunmehr cudgiltig Beschluß gefaßt. Das Geschwader wird Ende Oktober abgehen.
Ausland.
Christiattia, 22. Juli. In geheimer Sitzung nahm das Storthing frigenbe Zusatzbestimmungen zum Tabakzoll an: Auf Rohtabak soll, sobald die Stiele entfernt sind, der Zoll für Blätter und Karotten mit 10 Prozent Zuschlag belegt werden. Die Tara für Verpackung wird von 10 Proz. auf 4 Proz. herabgesetzt, was dem wirklichen Gewicht entspricht. Diese Beschlüsse sind sofort von der Regierung bestätigt.
Zürich, 23. Juli. Gestern wurden hier und in Basel etwa 20 Anarchisten auf Anordnung der Bundesanwaltschaft in Bern fest genommen. Den Grund bildet eine Anzahl blutrünstiger Artikel in dem hiesigen anarchistischen „Weckruf". Eine Anzahl dürfte ausgewiesen, andere, weil Schweizer Bürger, hier vor Gericht gestellt werden.
Belgrad, 23. Juli. Um 6 Uhr nachmittags wären tue Wahlen im ganzen Lande abgeschlchfen. Die Jungradikalen siegten. In Ktagujewatz vereitelten Sozialisten gewalttätig die Wahlen. In Prokuplje wurde ein Lehrer und in einem Dorfe nächst Leskowatz ber Dorfsvorstand erschlagen.
Salvnichi, 23. Juli. Eine starke bulgarische Bande überfiel die Ortschaften Waltino imb Grebeschnitza im Bilajet Mo- nastir und erschlug den größten Teil der Bevölkerung. Die Behörden leiteten eine energische Verfolgung ein.
Konstantinopel, 21. Juli. Das hinterlassene Bar- vermogen des Großscherifs von Mekka wird auf 30 Mill. Franks geschätzt, die er hauptsächlich durch systematische Plünderung derPilaerzüge zusammengebracht hat. Sein hier lebender Bruder Willah Pascha lehMe die ihm vom Sultan^ angetragene Nachfolgeschaft ab und voraussichtlich wird der Sohn oder Neffe des berüchtigten früheren Großscherifs Llbdullai Mu- talib, der nach den Christenmetzeleien in Djeddah 1859 abgesetzt wurde, zum Großscherif von Mekka ernannt werden.
Tientsin, 22. Juli. Ein Korrespondent hörte bei Besprechungen mit öerfefriebenen Vertretern Deutschlands, so mit dem Generalwnsnl in Shmghai, dem Gouverneur von Tsingtau und den Konsuln in Tientsin übereinstimmend die Meinung ausdrücken, daß für den deutschen Handel vorläufig von Japan und China nichts zu befürchten, jedoch politisch viel Widerstand zu erwarten fei.
Sidney, 22. Juli. Mit Bezug auf die Marschallin s e l n behauptet der frühere australische Premierminister Deakin, er habe beunruhigende Nachrichten erhalten. Es sei keine Aktion der deutschen Regierung ersichtlich, auch kein Versprechen baldiger vertragsmäßiger Herstellung des offenen Handels vorhanden. Der letzte K'abinettsrat hat wettere Vorstellungen beschlossen. — Der Dampfer „Willehad" meldet, daß die PapuaS nördlich von der Junospitze (Deutsch Neu-Guinea) die zur Beschützung der Eingeborenen vor einem Jnlandsstamm unter Stuckarts Führung abgeschickte Expedition nachts überfallen haben. Der Kapitän Möller habe mehffache, drei


