kam c§ zu
Vennäblung
d L t h c a t e r s.
trizitätsarbeiter ohne Licht.
Der Ausstand macht in Moskau Fleischmangel fühlbar.
Auch unter den Studenten von Petersburg, Kiew und Jekaterinoslow macht sich eine neue Bewegung bemerkbar.
In der Fabrikkolonie Wlochy bei Warschau töteten Arbeiter der Eisenwalzwerkc den Meister Kwapischewski durch 12 Revoloerschüsse und verletzten einen Arbeiter schwer.
Kejstjchcr Kalsiotikentag.
sd. Mainz, 22. Oktober.
Der achte hessische Katholikentag wurde heute hier abgehalten. Ter Besuch war zahlreich, insondcrs stark schien die Landbevölkerung vertreten. Den Vorsitz führte Land- tagsabg. Dr. Schmitt. Als erster Redner ging dcrNeichs- tagsabg. Schädler auS Bamberg bei seinem Vortrag zurück bis auf die Reick,sgründung, wobei besonders das Zentrum den Föoerativgedanken hochgehalten habe, schilderte sodann den Kulturkampf, aus dem die Katholiken als Sieger hcrvor- gegangcn seien. Die VersicherungSgcsetze verdanke daS deutsche Volk lediglich der Initiative des Zentrums, während gerade dabei die Sozialdemokratie völlig versagt hätte. Tic weiteren 9(u§- führungen des Redners boten wenig bemerkenswertes. Sine gute Idee war es von den Veranstaltern des Hess. Katholiken- ags, als Redner den vor einigen Wochen in Essen gewählten ReichStagsabgeordneten Arbeitersekretär GicsbertS aus M.-Kladbach zu gewinnen. Er sprach sich für die Einsetzung von Arbeiterausschüssen aus und betonte, der zehnstündige Arbeitstag müsse überall durchgeführt werden. Tie Ein- ührung von Arbeitskammern sei wünschenswert. Religion und Sittlichkeit müßten dem Volke erhalten bleiben. Wenn die Arbeiter berufsfreudig bleiben sollten, müsie man sie teilnehmen lassen an den Segnungen der Kultur. Auch aus die Rede Kirdorfs auf der Mannheimer Tagung des Vereins für Sozialpolitik ging der Redner ein. Männern wie Kirdorf ei mehr Verantwortlichkeitsgefühl ihren Arbeitern gegenüber zu wünschen. Die Arbeiterorganisationen, speziell die christlichen Gewerkschaften, besprach GiesbertS sehr eingehend. Jeder Arbeiter gehöre in die Gewerkschaft. Daß gerade sierbei die Sozialdemokratie nianchen Hieb bekam, ist selbstverständlich. Landtagsabg. Dr. Schmitt sprach über die hessische Politik. Dabei tadelte er lebhaft das Verhalten der ersten Kammer beim Gemeindesteuergesetz und beim Wahlgesetz. DaS direkte Wahlrecht müsie und werde in Hessen kommen. Redner ging auf die kommenden Landtagswahlcn kurz ein. Für daS Zentrum kämen 5 Mandate in Betracht, 2 davon seien so gut wie sicher. Unter großem Beifall nahm chließlich Bischof Dr. Kirsi ein das Wort. Er verlangte freie Konkurrenz für alle Glaubensbekenntnisse und erteilte den Anwesenden seinen Segen. Damit schloß die Versammlung nach dreistündiger Dauer.
Alis nni> Land.
Gießen, 23. Oktober 1905.
•• Die städtischen Werke haben, wie wir in unserem letzten Stadtverordnetenbericht kurz mitteilten, im Jahre 1904/05 gegen die Voranschläge überaus günstig abgeschlssicn.
Wormser national-
Neue Verluste in Teutfch-Südwestafrika.
Telegramme aus Windhuk melden: Unterofsizier Gerhard Weitzel bei der Verfolgung von Viehräubern zwischen Haribes und Anchas schwer verwundet, Unterofsizier Jobs. Luenemann wird auf einer Patrouille vermißt. An Krankheiten gestorben: Unteroffizier AlpbonS v. Wi n ckler an Herzschwäche, Gefreiter Heinrich Braun an Lungenentzündung, Reiter Anton Langner an Typhus und Gefreiter Franz Krafezyl an Bauchfellentzündung. Gefallen sind: am 6. Oktober im Gefecht bei Jerusalem: Leutnant Johannes Surmann, geb. zu Schleswig, früher WürttembergischeS Feldartillerie-Rcg. Rr. 13; beim Ueberfall der Station OaS: Reiter Maximilian Ecker, Gefreiter Karl Kelch an Herzschwäche nach Lungenentzündung gestorben.
Das GaSwerk erzielte nach Abzug von 20 604.61 Mk. für Verzinsung sowie unter Abzug von 18 630.79 Mk. für Schuldentilgung einen reinen Betricbsüberschuß von 84 826 81 Mark gegen 74 200.00 Mk., wie der Voranschlag angenommen hatte. Ter Gaskonsum hat sich trotz des Bestehens des Elektrizitätswerkes um 7 V8 Prozent geaen das Vorjahr ge- steigert, wobei besonders ein Mehrverbrauch für Koch- und Heitzzwecke zu konstatieren ist. Das Wasserwerk hat nach Abzug von 46 152.40 Mk. für die Verzinsung sowie 13 663.64 Mark' für Schuldentilgung einen reinen BetriebSüberschuß von 31 929.49 Alk. gegen 18 200.00 Mk., wie der Voranschlag annahm, aufzuweisen. Tas jüngste Unternehmen der Stadt, daS Elektrizitätswerk, brachte außer der Verzinsung von 36 990.33 Mk. den Betrag von 40 170.53 Mk., der ausschließlich zur Schuldentilgung verwendet wurde. Im Voranschlag waren für diesen Zweck nur 12 545.00 Mk. vor- gesehen, so daß das Ergebnis als überaus günstig zu be-
Yusstsche Neuigkeiten.
Wegen der Verheiratung des Großfürsten Cyrill mit der geschiedenen Großherzogin Viktoria Melitta kam cs zu großen Differenzen zwischen dem Großfürsten Wladimir und dem Zaren. Dieser gab kund, falls die Vermählung zustande käme, werde der Großfürst nicht allein auS den Listen der russischen Armee und Flotte gestrichen werden, sondern auch seiner Rente verlustig gehen. Als Cyrill in Petersburg eintraf, erbat er eine Audienz beim Zaren, jedoch vergeblich. Großfürst Wladimir sandte dem Zaren nun einen Brief, in dem er mittcilte, falls der Zar obigen Befehl ausfuhren lasse, würde er erbitten, fofort sämtlicher Aemter enthoben zu werden. Hofminister Baron Fredericks versuchte, einen Ausgleich in dem scharf ziiqesvitzten Verhältnis zwischen dem Zaren und seinem Onkel Wladumr zu schaffen. Man spricht jetzt davon, daß Wladmnr demnächst ein allerhöchstes Reskript erhalten wird, das ihm größere militärische Vollmachten bewilligt.
Ein großer Eisenbahnerausstand veranlaßte vollständige Betriebsruhe von nicht weniger als sieben großen Eisenbahnlinien. Der Bahnhof der Moskau-Kasan-Bahn ist infolge des Ausstandes der Elek-
Kirche und Schute.
— Gießen, 21. Okt. Am 14. und 15. November wird der Oberhessische Verein für innere Mission in gewohnter Weise sein 27. I a h r c s f c st dahier begehen. Am Vormittag des 14. tagt im oberen Gemeindesaal, Kirchstr. 9, der Verband der Ober hessischen Eriiehungsvcreinc, wofür u. a. die Herren Oberstaatsanwalt T h c ob a l d und Pro- fessor Dr. Mittermaier Referate zugcsagt haben, jener über Fürsorge für entlassene Gefangene, dieser über die Anforderungen, welche die strafrechtliche Theorie an die Praxis der Erziehungsvereine stellt. Am Nachmittag um 31/» Uhr Wird ebenda in der Mitgliederversammlung über die Fürsorge für die konfirmierte Fugend in Ober.hessen beraten werden, w»;u die Herren Pfarrer B r ä ß aus Darmstadt und Tö r r aus Ossenheim d-ie Einleitung geben werden. Um G’/i Uhr findet der FestaotteS- dienst in der Stadtkirche statt, bei dem der Kirchengesangverein Mitwirken und Herr Pfarrer Palmer aus Offenbach predigen wird. Den Schluß des Tages wird die gewohnte freie Abend- Versammlung im neuen Saalbau machen., Daftir sind neben Olesängen des Kirchengesangvercins ganz besonders interessante Vorträge vorgesehen, die auf das lebhafteste Interesse, aller Kreise ree-men dürfen. Herr Dr. Klumcker, Vorsteher der Zentrale für private Fürsorge in Frankfurt a. M. wird über moderne Wohltätigkeit, Derr Dr. Ernst Kahn vom Sozialen Museum in Frankfurt a. M. über die sittliche Bedeutung der Wohnungsfrage reden. 9frn 15. November vormittags 10 Uhr findet dann die eigentliche Jahresversammlung im Konfirmandens'al der JohanneZkirchc statt, wobei nach einer Morgen cm dacht, die Herr Pfarrer E. A. Müller aus Lauterbach halten wird, über die Erneuerung der christlichen Sitte in der Gegenwart verhandelt werden wird. Den einleitenden Vortroa l^it Herr Pfarrer Mühlhäuser, Theol.-Lehrer »w in Basel, übernommen.
zeichnen ist.
** Aus dem Suren v. des
Nusland.
London, 21. Okt. Nacy einem hicr «Angegangenen Telegramm ist der japanische T r a n s p o r t d a m p s e r „Sa'nchi Marn" auf der Fahrt von Nintschwang nach Talny auf eine schwimmende Mine gestoßen und ge- funken. Ter Dampfer hatte die Bestimmung, die Kriegsvorräte der mandschurischen .Häfen fortzuschaffen. Von der 5 4 Mann zählenden Besa'u.'.na kamen drer Personen um, während die übrigen gerettet wurden.
— Heute wird der hundertste Jahrestag der Seeschlacht bei Trafalgar im ganzen englischen Reich gefeiert. Tie Nelsondcnsmäler werden überall mit Kränzen geschmückt. Der I-lotlcnverein hat die -eitung der meisten öffentlichen Festlichkeiten. Bei einem Nelson-Gedächtnisbankett in der hiesigen Fishmon^-HaU traf folgendes Telegramm von Admiral Togo ein: ,
„Bei dem Anlaß Ihres Tiners zur 100iahrrgen Gedächtnisfeier möchte ich unsere stets wachsende Bewunderung und Verehrung des großen ubrntral-» ausdrücken. Tiefes Gefühl wird noch verstärkt, wenn wir bedenken, daß unsere F-lottenach demMusterder englischen Flotte gebaut wurde."
Paris, 22. Okt. Präsident Loubct ist in Begleitung des Ministerpräsidenten heute nach Spanien abgcrcist.
— Loub et hat dem deutschen Kaiser anläßlich der Verlobung des Prinzen-Eitel Friedrich seine und der französischen Regierung Glückwünsche durch den französischen Geschäftsträger auSdrückcn lassen.
Tokio, 22. Okt. Admiral Togo hielt heute feierlichen Einzug. Er wurde empfangen von den Ministern, den Generalen, Admiralen und Mitgliedern des diplomatischen Korps. Togo, in dessen Begleitung sich die Admirale Kataoka, Dewa und Kamimura befanden, fuhr mit diesen in einem kaiserlichen Wagen zum kaiserlichen Pal-aft, wo der Kaiser Togos Meldung ent gegennahm und in warmen Worten die Dienste pries, welche die Admirale, Offiziere und Mannschaften geleistet haben. Tie ganze Bevölkerung Tokios erfüllte die Straßen, Salutschüsse wurden abgegeben, Musitbanden zogen umher.
liberalen Vereins hat. luic die „Worms. Ztg." an der Spitze ihre? Blattes mitteilt, an Freiherr» Hcyl znHerrn 8« heim au§ Anlaß der gestrigen Abstimmung in der ersten Kammer folgendes Telegramm gesandt:
„Dem lauteren Kämpfer für das LcmdeSwobl aufrichtiger. Dank und herzlichen Glückwunsch zum großartigen parlamentarischen Erfolge 1"
Vcrgl. unsere „Politische Wochenschau".
•• Die Arbeiterfrau Lotz auS Offenbach, die am 3. Oktober vom Darmstädter Schwurgericht wcgcn des ^Raubmordes an der elfjährigen Rosa Lückert zum Tode verurteilt worden war, wurde, wie die „F. Z." meldet, vom Groß Herzog zu lebenslänglichem Zuchthaus be« g n a d i g t.
** Sein 25jährtges Amtsjubiläum aB Vorsteher der hiesigen iSrael. Religions-Gemeinde beging gestern Kommerzienrat Heichelheim. Eingeleitct wurde die F-eier durch einen Festgottcsdiensl am Vormittag in der festlich geschmückten und erleuchteten Synagoge. Nach Beendigung des Gottesdienstes begaben sich der Vorstand und die Beamten der Gemeinde, welche sich zu einem Komitee vercnck.gt hatten, in die Wohnung des Jubilars, wo Dr. Sander al? Vorsitzender bc3 Komitees, unter herzlicher Ansprache als bleibende Gr« innerung an diesen Tag eine äußerst kunstvoll ausgcstattcte Adresse überreichte. Provinzialdircktor B r e i d c r t, Handelskammerpräsident Koch und viele Andere gratulierten persönlich in überaus herzlicher Weise. Eine größere öffentliche Feier fand abends in Steins Saalbau "statt. Dieselbe wurde eingeleitet durch Musikvorträge der hiesigen Mili^ tärkapelle. Kurz nach Deg'nn des gemeinschaftlich eingenommenen Mahle? brachte Dr. Sander in einer nacß Form und Inhalt vollendeten längeren Ansprache da? Hoch auf den Jubilar aus Er rühmte dessen hervorragenden Eigenschaften und Verdienste um die hiesige Gemeinde. Tie Feier sei ein Ereignis, welche sich seit Bestehen der Gc« meinde noch nicht begeben und biete uns in ihrer Seltenheit die willkommene Gelegenheit, so ungefähr führte Redner aus, mit der freudigsten und herzlichsten Begrüßung eine gerechte Würdigung der bleibenden Verdienste de§ Jubilars vornehmen zu dürfen. Herr Dr. Sander hob seinen seltenen
Die morgige dritte DienStag-AbonnementSvorstellung bringt eine Wiederholung dcS Volksstückes „Tic Herren 5 oh ne", das bei seiner ersten Aufführung sich allgcmciucu Beifalls zu erfreuen hatte. — In Vorbereitung find „Tic Brüder oon St. Bernhard", „Niobc" und „Maria Stuart".
** Der Schillcrabend, den der Evangelische Arbeiterverein gestern abend in der Turnhalle veranstaltete, war sehr gut besucht. Im Mittelpunkt dieser nachträglichen Schillcrseier sland die Festansprache des Profcffors Tr. Strack. Er zeichnete nach einem kurzen Umriy von Schillers äußerem Lcbcnsgang dessen Dichtungen als den Ausdruck eines zweiten höheren Lebens, das Schiller trotz aller mißlichen Lebcnsverhältnisse geführt habe. Tic sittlichen Ideale, die Schiller in seinen Dramen aufstellte, Glauben, Hoffnung und Liebe, seien nicht neu, sic seien nichts anderes als der Inhalt des Evangeliums, das ein noch größerer als Schiller der Menschheit gegeben habe. Aber dennoch sei Schiller dem deutschen Volke ein Befreier geworden, denn er habe ihm die Möglichkeit gezeigt, das königliche Dasein eines freien Menschen zu führen. Mit der Mahnung, als Frucht des heutigen Abends das Gelöbnis mit nach Hause Ui nehmen, Schillers Geist treu zu fein, schloß der Redner. Im übrigen war für den Abend ein recht reichhaltiges Programm ausgestellt, das außer den Mustkvorträgen nur Darbietungen aus Schillers Werken brachte. Frau Professor Rahn sang in recht eindrucksvoller Weise „Dithyrambe" und „Des Mädchens Klage" in der Schubcrtschcn Vertonung, ivährend Herr Lehrer Ziep recht einige von Schillers Gedichten und Balladen mit vielem Gefühl vortrug. Ein stattlicher Kindcrchor sang „Mit dem Pfeil, dem Bogen" und daS „Rcitcrlied" und fand für den frischen Vortrag verdienten Beifall. Auch die Gesänge des gemischten Chores verdienen alle Anerkennung, namentlich der Schlußgesau.g, „das Lied an die Freude", erzielte in der einfachen schönen Volksweise eine tiefgehende Wirkung. Der instrumentale Teil des Programms wurde durch die Herren Gern Hard (der sich auch als Dirigent der Chöre verdient machte) und Kasten durch geschickt ausgewählte Musikstücke auf Klavier und Harmonium, bezw. Klavier und Geige bestens auSgesüllt. Der festliche Eindruck der Feier wurde durch die gcfchmackoM Ausschmückung der Bühne, auf der Schillers Büste, umgl^n von grünem Pstanzenschmuck, ihren Platz gefunden hatte, sehr erhöht.
" Unfall. Am Donnerstag löste sich im Braun« steinbergwerk eine größere Grö menge los und aegrub den 16jährigen Arbeiter Karl Wallbotl aus Steinberg. Er erlitt einen Beinbruch.
*• Oswalds Garten war gestern das Zul zahlreicher Spaziergänger, die sich teils an den, elektrischen Riescnkarussell, teils an Fernandos Riesenkinc- matograph erfreuten. Namentlich letzterer wurde sehr zahlreich besucht und die in bunter Abwechslung gezeigten Bilder ernster und heiterer Art erregten viel Jirteresse und Freude. Wie rasch die lebende Photographie den Zertcreig- nisien folgt, kann man daraus ersehen, daß bereits die diesjährigen Koblenzer Kaisertage in getreuer Nachbildung zu sehen sind. Der Kincinatograph bleibt noch bis 26. Oktober
Deutsches Reich.
Berlin, 22. Okt. Ter Kaiser empfing gestern den chinesischen Gesandten Mntchang in Audienz. Zur Frühstückstafel war Staatsminister a. T. von Möller geladen.
— Zur Teilnahme am Geburtstage b er Kaiserin sind der Großherzog und die Großherzogin von Oldenburg, sowie Herzogin Sophie Charlotte und Prinz und Prinzessin Heinrich in Potsdam ein getroffen.
— Wie oie neue nnl.-polit. Storr, aus Bundesratskrcifen erfährt, ist die Einberufung des Reichstages end- giltig für das letzte Trittei des November vorgesehen. Der Reichstag dürfte'am 24. November durch den Kaiser mit einer Thronrede eröffnet werden und am nächsten Tage die Präsidentenwahl stattfinden. Die erste Lesung des Etats soU am 28. November ihren Anfang nehmen.
— Der 8 Uhr-Ladenschluß ist bisher in dreißig Städten für alle Geschäftszweige «Angeführt worden. Erne Ausnahme davon wird nur an den Samstagen und den Tagen vor den hohen Festen gemacht. In weiteren dreißig Städten, darunter in Kassel, gilt der 8 Uhr-Ladenschluß für alle Läden mit Ausnahme der Kolonialwaren-, Backwaren-, Fleisch- und Zigarrcngeschäfte. In 50 Städten, herunter in Berlin, Frankfurt a. M., Marburg, Heidelberg ist der 8 Uhr-Ladenschluß für einzelne Branchen, insbesondere die Lcderbranche, den Nähmasrbinenhcmdel nsw. eingeführt. Endlich ist in 80 Städten eine 8 Uhr-Ladcnschlußbewcgung im Gange, in einigen Orten ist sie bereits soweit gediehen, daß Abstimmungen .über den früheren Ladenschluß aller oder einzelner Geschäftszweige stattfinden.
— Im „Vorwärts" veröffentlichen die Redakteure dieser Zcitrmg (Büttner, Eisner, Gradnauer, Kaliski, Schröder und Wctzker) eine Erklärung, wonach sie in Beantwwrtung eines Entscheides des Partcivorstandes ihre Kündigung eingereicht haben. Sie scheiden am 1. April 1906 aus der Redaktion des „Vorwärts" aus. Diese Kündigung ist die vorausgesehene Konseguenz aus den Verhandlungen des letzten Parteitages.
Potsdam (Neues Palais), 22. Okt. Heute morgen nahmen am Gottesdienst in den Eommuns die ganze kaiserl. Familie, die Prinz Heinrichschcn Herrschaften und die Großh. Oldcnburglschen Herrschaften teil. Um 11 Uhr nahm die Kaiscrin^die Gratulationen zum Geburtstage entgegen. Au der Fanrillentafcl nahmen die hohen Gaste teil. Am Abend' sand im Theatersaale des Neuen Palais die Ausführung von Wilhelm Jordans Lustspiel „Durchs Ohr" statt, woran sich ein Souper in der Jaspisgalerie ansmloß. Zu den Gästen gehörte Staatssekretär Frhr. v. Richthofen.
München, 21. Okt. (Abgeordneten-Kammer.) Der Verkehrsminister v. Frauendorfer gab einen Ucberblick über die bisherigen Bestrebungen zu der Reform der Personen tarife, wobei über verschiedene Punkte eine Einigung erzielt wurde. Bayern werde jedoch der Einführung der 4. Waaenklasse nicht zu stimmen, da sie das Pu- blihim nicht wolle und die N.ucinführung dieser Wagen- Uasse auch äußerst unökonomisch wäre. Mit dieser Stellungnahme Bayerns sei das Einignngswerl im Reiche nicht gestört. Bei der Einigung brauche doch nicht alles uniformiert zu sein. Der Minister gab eine Uebersicht über die Verhandlungen bezüglich bct Betricbsmittclgcmeinschaft. Er hob hervor, der bayerische Vorschlag, welck>er im wcsent- lidjeii auf die Gemeinschaft der Güterwagen hinauSlaufe, entspreche mehr dem föderativen Chara^cr deS Reiches. Tie Vcrkchrsumleitungen würden auch bei dem württem- bergischen Vorschläge bestehen geblieben sein und könnten nur durch eine besondere Vereinbarung ausgeschaltet werben Nachbrücklicb betonte her Minister, baß die bayerische Regierung niemals einen Druck auf die Entschließungen der süddeutschen Staaten in dieser Frage ausüben wollte und ausgeübt habe. Der Vorwurf, baß Bayern Verrat an her einheitlichen Sache übt, sei absolut haltlos. Wir haben uns von einem echt deutschen und nationalen Gefühl leiten lassen und unsere bayerischen Interessen habet nicht vergessen.
hier.
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